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Miß Gibson.

Paris. 8. April. (WTB.) Sin Bericht­erstatter des ..Petit Parisien" hat sich nach Compieane begeben, um Lady 21 s h b o r n e einige Fragen anläßlich des von ihrer Schwä­gerin, Frau Gibson, begangenen Attentats auf Mussolini vorzutegen. Lady Ashborne er­widerte, die ernste Geste ihrer Schwägerin über­rasche sie nicht. Seit langem sei sienichtmehr im Vollbesitz ihrer geistigen Fähig­keiten, sondern werde zeitweilig von ebenso gefährlichen, wie extravaganten Anfällen von Geistesgestörtheit heimgesucht. Sie habe verschiedentlich versucht, Selbstmord zu be­gehen. Ihre Angehörigen hätten sich bemüht, sie in einem Irrenhaus unterzubringen, aber, wie man versichert habe, erlaube das italienische Gesetz nicht. Geisteskranke, die nur von zeit­weisen Anfällen heimgesucht werden, in Irren­anstalten unterzubringen. Frau Gibson sei An­hängerin des mystischen Katholizismus, und die Ereignisse, die sich in Irland abgespielt hätten, hätten ihre Krankheit zuletzt nur noch verstärkt. Daß sie auf Mussolini einen Schuß abgegeben habe, da sie doch eher faszistisch sei. über­rasche ein wenig, denn sie hätte mehrere Male angekündigt, sie würde den Papst ermorden.

Ausschreitungen in Rom.

Rom, 8. April. (Wolff.) Wie nachttäglich be­kannt wird,, sind gestern nach dem Attentat auf Mussolini mehrere Prioatwohnungen teilweise zerstört worden. Die Möbel wurden zerschlagen und verbrannt. Personen sind nicht ver­letzt worden. Betroffen wurden u. a. die Wohnung eines sozialistischen Abgeordneten, eines Journalisten und die des römischen Korrespon­denten desVorwärts". Wie dieDofsische Zeitung" weiter erfährt, wurde auf der Piazza Hi- spana eine Schwedin namens Dagmar An­dersen verhaftet, die unter ihrem Mantel einen Dolch im Gürtel ihres Rockes trug.

Die Freiheit der Wissenschaft in Italien.

Rom, 8. 2lpril. (MTV.) Das Anterrichts» ministerium gibt bekannt, daß der älrrterrichts- minister die erforderlichen Schritte für die Dienst­enthebung derjenigen Professoren, deren Ver­halten bei dem Philosophenkongreß sich als unverträglich mit den Richtlinien der Regierung erwiesen habe, eingeleitet habe. Bekanntlich hatte es auf dem Kongreß Streitig­keiten zwischen Anhängern und Gegnern des Faszismus gegeben, weshalb der Kongreß ge­schlossen werden muhte.

ttabinettrwechsel in Belgrad.

Pasitsch tritt ans der Regierung aus.

Belgrad. 8. April. (121) Gestern abend wurde der bisherige Minister für öffentliche Bauten. Rikola ll zun owltfch. vom König empfangen und mit der Bildung einer Koalitionsregierung aus der Ka­pitalen Partei und der Kroatischen Bauernpartei betraut. Das neue Kabinett leistete am Donnerstag­abend dem Könige den Lid. Ls seht sich mit Aus­nahme von Pasitsch und Stoyadinowitsch aus Mit­gliedern des zurückgettetenen Kabinetts zusammen, die ihre bisherigen Portefeuilles behalten. Der neue Ministerpräsident Uzunowilsch (radikal) übernimmt interimistisch das Finanzministerium. Das Porte­feuille der öffentlichen Arbeiten, das bisher Uzuno- witfch inne hatte, erhält Muitschitsch (radikal).

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Ein Iahr lang hat daS Bündnis zwischen den serbischen Radikalen unter Pasitsch und der kroattschen Bauernpartei unter Raditsch gedauert, jetzt ist es in die Luft geflogen, weil Stephan Raditsch seine Minister aus dem Ka­binett zurückzog, nachdem seine ultimative For­derung auf sofortige Einberufung der Volks­vertretung nicht bewilligt war. Der Anlaß zum Bruch war an sich unbedeutend: in Belgrad hat es einen Korruptionsskandal gegeben, der selbst in unserer an derartige Dinge ge­wöhnten Welt Aufsehen erregen muh: der Schwiegersohn des Handelsministers beschuldigte den Sohn des Ministerpräsidenten umfangreicher Durchstechereien und des Betruges am Staat, wobei es sich natürlich um Millionen handelt. Pasitsch wollte seinen Sohn decken und die parla­mentarische Besprechung verhindern. Der schlaue Raditsch hat sofort zugepackt und begriffen, daß hier die günstige Gelegenheit war, den stärksten Gegenspieler zu beseitigen. Er hat es erreicht, daß P asitsch verschwinden muß, während im übrigen die Koalition erneuert wird, nur mit dem LInterschiede, daß der Einfluh der Kroaten jetzt wesentlich verstärkt ist. Denn Pasitsch war doch der Vertreter der großserbi'chen Idee, er wollte den Zentralismus, während die Kroaten auf ihre höhere Kultur pochen, die sie von den Deutschen übernommen haben und sich allerhöch-- stens zu einem stark gemilderten Föderalismus bekennen wollen. Sie werden diese Polittk fort- sehen. Diese Krise zeigt aber erneut, daß in Iugoslawien die Amalgami'ierung der verschiede­nen Volksbestandtei'e zu einem einhe.tltt'e.i Groh- Serbien nicht gelungen ist. Ieden Tag kann die Bombe explodieren, die das ganze künstliche Staatsgebilde in die Luft fliegen läßt, obwohl zweifellos die Serben noch die stärksten staats­bildenden Fähigkeiten bewiesen haben.

Rücktritt Malvys.

Paris, 8. April. (WTB.) Ministerpräsident B r i a n d hat den von seinem Urlaub zurückgekehr­ten Minister des Innern, M a l v y , empfangen. Malvy hat dem Ministerpräsidenten seine Demis­sion überreicht. Die Gründe für den Rücktritt sind nach Haoas nicht im Gesundheitszustand Maloys zu suchen. In dem für morgen anberaumten Minister­rat wird der Nachfolger Maloys bestimmt werden. Man glaubt, daß das Innenministerium dem gegen­wärtigen Landwirtschaftsminister Durand (ra­dikaler Senator) angeboten wird.

Die französische Finanzkrifis.

Paris, 9. April. (.) Aach dem am Donnerstag erschienenen Wochenausweis der- Bank von Frankreich haben die Zahlungsmittel in der vergangenen Woche um ungefähr 721 Mill. Franken zugenommen. Gleichzeitig leistete die Bank 200 Mill. Fr. neue Vorschüsse an den Staat. Der ungünstige Ausweis der Bank von Frankreich hat im Laufe des Donnerstag den französischen Franken, der einige Ansätze zur Besserung zeigte, wieder abgeschwächt. Die Regierung versucht, mit den freiwilli­gen Beiträgen zur Amortisations­rasse, die jetzt im ganzen Lande eingeret)t haben.

Propaganda zu machen. Tatsächlich hat das Fi­nanzministerium aus allen Teilen des Landes Geldsendungen erhalten, die im ganzen genommen freilich nicht so beträchtlich sind, daß sie als Gegengewicht gegen die Krise des Staatsschatzes in Frage kommen könnten. Von Wirtschaftskreisen wird darauf hingewiesen, dah die neuen Steuern die Kapitalflucht erneut angeregt haben und daß so die französische Währung in eine neue Gefahr gerät. Dagegen loirb zuge­geben, dah die internationale Spekulation keines­wegs für die Bewegung des Frankenkurses ver­antwortlich gemacht werden kann.

Polen und seine Nachbarn

Skrzynski fuchtHilfe iu Wien und Prag

Warschau. 8. April. (TU.) Wie jetzt feststeht, wird sich Ministerpräsident Graf Skrzynski am 12. April nach Prag und nach zweitägigem Aufenthalt nach Wien begeben. In Prag werden zwischen Skrzynski und den Vertretern der Staa­ten der Kleinen Entente wichtige Besprechungen stattfinden. Man will u. a. das Programm für die nächste Konferenz der Kleinen Entente aufstellen, die im Mai in Ragusa stattfinden soll. Wie verlautet, wird der rumänische Gesandte in Prag mit Rücksicht auf die bevorstehenden rumäni­schen Wahlen eine Vertagung auf einen späteren Zeitpunkt beantragen. In Wiener politischen Krei­sen mißt man dem Besuch Skrzynskis die größte Bedeutung bei. DieWiener Neuesten Nachrichten" wollen aus bester Quelle wissen, daß in Anbetracht der schwierigen Wirtschaftslage Polens von Skrzynski eine Annäherung an Oester- r e i cf) gesucht werden wird. Er werde eingehende Pläne mitbringen. Das Blatt glaubt, daß man in Polen der Ansicht sei, die Schwierigkeiten und Fol­gen des Zollkrieges mit Deutschland könnten durch eine wirtschaftspolitische Verständigung mit den Nachbarländern beseitigt werden.

Arbeitslosendemonstrationen in Warschau.

Warschau, 9. April. (TU.) Vor dem Ar­beitsministerium hatte sich gestern eine große Menge Arbeitsloser angesammelt. Aus allen Teilen der Stadt strömten große Arbeiterdemonstrations­zuge zusammen. Eine Abordnung der Demonstran­ten wollte mit dem sozialistischen Arbeitsminister verhandeln, der eine Unterredung jedoch für Don­nerstag ablehnte und erst Freitag unter der Be­dingung verhandeln wollte, daß keine weiteren De­monstrationen stattfinden. Da die Arbeitermassen mit dieser Erklärung- keineswegs zufrieden waren, wurde das A r b e i t s m i n i st e r i u m gestürmt und die Fenster mit Steinen einge­worfen. Erft nach längerem Kampf gelang' es der Polizei, die Ordnung wiederherzustellen. Die Demonstranten sammelten sich wieder und zogen vor das Sejmgebäude, wurden aber hier durch ein starkes Polizeiaufgebot an dem Betreten des Ge­bäudes verhindert.

Eine russische Stabttifierungs- anleihe.

Moskau, 8. April. (TU.) Die Sowjet­regierung beabsichtigt, eine neue Innenanleihe zur Stabilisierung der Währung im Betrage von 100 MillionenKubel aufzunehmen. Sie soll ausschließlich von den Bauern auf­gebracht werden. In einer Regierungserklä­rung heißt es, daß die Regierung keine In­flation zulasfen toerbe. Um falsche Ge­rüchte zu zerstreuen, wird die Regierung in den nächsten Tagen das Zentralvollzugskomitee und das diplomattsche Korps zu einer Besich­tigung des Goldbestandes der Staatsbank einladen. Daß sich die Finan­zen der Sowjettegierung in einer schweren Krise befinden, geht daraus hervor, dah der Finanz­kommissar Brjuchanow erneut um seine Ent­lassung gebeten hat. Als Rachfolger wird Sso° kolnikow genannt.

Der Dank des Reichspräsidenten.

Berlin, 8. April. (TU.) Heute mittag punkt 12 Uhr wurden die gestern im Arbeitszimmer des Reichspräsidenten aufgestellten Fahnen vor der Fahnenkompagnie wieder a b g e h o l t. Während die Feldzeichen hinausgetragen wurden, grüßte der Reichspräsident vom Balkon herab und eine zahlreiche Menge brachte ihm begeisterte Hochrufe dar. Als längst die Fahnen mit Musik abmarschiert waren, verharrte die Menge noch vor dem Präsi- dcntschaftsgebäude und forderte unter Absingung des Deutschlandliedes stürmisch, den Präsidenten zu sehen, der sich auch verschiedentlich auf dem Balkon zeigte.

Das Bureau des Reichspräsidenten gibt folgen­des bekannt: Anläßlich feines 60jähriaen Militar- .ubtläums sind dem Herrn Reichspräsidenten aus allen Gebieten des Deutschen Reiches und auch von zahlreichen Deutschen aus dem Auslande G l i ck - wünsche in überaus großer Fülle zuge­gangen. Zu seinem Bedauern erlauben die 2lints- geschäfte dem Herrn Reichspräsidenten nicht, die Zuschuften und Telegramme einzeln zu beantwor­ten. Er bittet deshalb alle, die an diesem Tage 'reundlichst seiner gedacht haben, seinen herz­lichen Dank auf diesem Wege entgegenzu- nehmen.

Iii der oerösfenllichten Liste der Mitglieder des diplomatischen Korps, die gestern zur Gratul"tion im r)aufe de<- Reichspräsidenten erschienen sind, ist versehentlich der amerikanische Bo t schuf- t e r Nicht ausHesührt worden. Exzellenz Schur- tr.ann bat sich ebenfalls gestern vormittag in oie Vesuchsliste eingetragen, ebenso hat auch ber u n - g a r i sch e Gesandte, Exzellenz v. K a n y a , ttinen Besuch abgeftattet. Kardinalerzbifchos Schulte hat an den Reichspräsidenten zu seinem MUitärjubiläum folgendes Glückwunschtelegramm gesandt:Vom hohen Dom zu Köln am Bhein wünscht dem Vater des Vaterlan­des Glück und Segen vom Allerhöchsten. Kardinal Schulte."

Kunst und Wissenschaft.

150. Jubiläumsfeier des Vurglhealers.

Das 150. Iubiläum des Burgtheaters wurde mit einer der Zeit entsprechenden einfachen, aber würdigen Morgenfeier im Durgtheater be- gangen. Dos Haus war festlich beleuchtet und geschmückt. Bundespräsident Haini^ch, die Mitglieder der Regierung, das diplomatische Korps, das Präsidium und zahlreiche Mitglieder des Rationalrates, der Bürgermeister von Wien und sehr viele Vertreter von Kunst und Wissen­schaft wohnten der Feier bei. Direktor Herte» rich hielt eine Ansprache, in der er die Be­

deutung des Tages würdigte. Rach ihm sprach Max D e ö r i e n t unter großem Beifall eine von Bahr verfaßte Festrede. Abends fand im Durgtheater als FestvorstellungMinna von Darnhelm" statt.

Professor Pick f.

Der Internist der Prager Deutschen Universität, Professor Dr. med. Friedel Pick, ist an den Folgen einer Gallensteinoperation im 59. Lebensjahre ge° ft o r b e n. Besonders hervorgetreten ist der Ver­storbene durch feine Arbetten über die Zuckerkrank­heit und über gewisse Lebererkrankungen, die seinen Namen Picksche Krankheit führen.

Der neue Intendant des Heidelberger Stadttheaters.

Der Bürgerausfchuß hat nach längerer Aus­sprache den Voranschlag für das Heidelberger Stadt­theater für das Verwaltungsjahr 1926/27, das einen Zuschuß von 397 000 Mark fordert, mit großer Mehrheit angenommen. Damit stimmte er zugleich der Umwandlung des Stadttheaters in ein Regietheater und der Anstellung des ehemaligen Schaufpieldirektors Eugen Keller als Theaterintendant zu. Eugen Keller übernimmt die Leitung mit Beginn der neuen Spielzeit.

Ein Balneologischer Kongreß.

In Aachen begann unter dem Vorsitz des Mi­nisterialdirektors Professor Dr. Dietrich-Berlin der 41. Balueologische Kongreß über das Bäder- wesen. Eine große Zahl von Teilnehmern aus Deutschland, Oesterreich, Holland, der Schweiz, der Tschechoslowakei, Ungarn und anderen Ländern war eingetroffen. Reichs- und Staatsbehörden, Univer­sitäten, Hochschulen und andere an dem Bäderwesen interessierten Organisationen haben zu der Tagung Vertreter entsandt. Es werden Vorträge über Mus­kel- und Gelenkerkrankungen und ihre Behandlung gehalten. Ferner wird der Heilwert der Schwefel­quellen und die klimatische und die naturwissen­schaftliche Grundlage des Bäderwesens behandelt werden.

2lus aller Wett.

Die ersten deutschen Zeitnnqsslugzeuge

Der Einladung des Verlags Ullstein wa- ren am Donnerstag mittag zahlreiche Persön­lichketten der Reichs- und preußischen Behörden, des Berliner Polizeipräsidiums, der Flugzeug-- fabruen, eine Reihe von Fliegern und Vertretern des Handels, der Industrie und Presse ge- folgt um dem Start derBZ"-Flugzeuge I, II unö III beizuwohnen. Dem Start ging in der §aUc des Flughafens eine kurze Feier voraus. Um ' 21 Uhr startete das größere der drei Flugzmige, das von den Heinkel-Flugzeugwerken m Warnemünde für den besonderen A ko eck der Zeitungsbeförderung kon- ft r ui er t ist. Fünf Minuten später folgte eines der beiden anderen von den Albratoswerkcn er» bauten Flugzeuge. Die Flugzeuge haben eine Tragfähigkeit von 420 Kilo Zeitungen, das heißt 46000 Exemplare.

Explosionskatastrophe auf einem amerikanischen Tankdampfer.

Rew-Orleans, 9. April. (WTB. Funk- Ipruch.) An Bord eines 10 000°Tonnen-Tank- dampfers der Standard-Oil-Company, der im hiesigen Trockendock lag, ereignete sich eine Reihe von Explosionen. Bei der ersten Explosion spran­gen viele der 200 an Bord befindlichen Leute in den Fluh, während andere auf dem Schaffe verblieben sind. Die Zahl der Verletzten betragt 47, die der Getöteten mindestens 11.

Großfeuer In einer Kasseler Mühle.

Donnerstag vormittag gegen 9.30 PIhr brach m der großen Kunstmühle von Otto Vogt ein Grohfeuer aus, das sich mit rasender Schnellig­keit ausbreitete. Das Feuer fand in dem Be­triebe. in dem Maschinen und Holzablagerungen stehen, reichliche Rahrung, so daß in kurzer Zeit oer große Mittelbau in Flammen flanb. Sämtliche Feuerwehren waren alsbald zur Stelle, mußten sich aber darauf beschränken, die anderen Mühlbauten zu retten und ein Hebergreifen des Feuers auf das Lagerhaus zu verhüten. Verbrannt sind bisher sämtliche Ma­schinenräume mit den Maschinen. Man hofft, die anderen Mühlenteile retten zu können, was bei dem herrschenden Winde sehr mühevoll ist. -Heber die Sntstehungsursache ist noch nichts bekannt, man nimmt jedoch an, daß Burd) Heihlausen eines Riemens der erste Fimke entstanden ist.

Eine Ortschaft eingeäschert.

In der Ortschaft Steindorf am Atterfee (Salzkammergut), brach ein Großfeuer aus, das von den dreißig Häusern der Ortschaft zweiund­zwanzig einäscherte, wobei eine Menge Vieh und viele landwirtschaftliche Maschinen vernichtet wurden. Ein Teil der Einwohner konnte nur das nackte Leben retten. Der Schaden wird auf 800 000 Schilling geschäht.

Ein Mord nach sechs Iahren aufgeklärt.

Im April 1920 war der der.wohnerwehr angehörende Gerichtsassessor Dr. Otto Donner in seiner Villa in Riederlöhnih bei Dresden e r - schossen aufgefunden worden. Auf das Ge­rücht, daß Donner auf gewaltsame Weise ums Leben gekommen sei, nahm die Kriminalpolizei jetzt nach sechs Iahren neuerlich eine Unter» suchung des Falles vor und stellte fest, daß Frau Donner und ihr Geliebter, der Gärtnergehilfe Otto Krönert, gemeinsam den Mord ausgeführt hatten. Beide haben ein volles Geständnis abgelegt.

Die Heidelbeeren blühen.

Aus dem Spessart und dem Odenwald wird ge­meldet, daß infolge des günstigen Frühlingswetters die Heidelbeeren bereits zu blühen beginnen, vier­zehn Tage früher als sonst üblich. Der Blütenansatz ist überaus reich, so daß, falls während der Blütezeit keine Nachtfröste sich einstellen, mit einer guten Heidelbeerernte zu rechnen ist.

Wettervoraussage.

Heiler bis wollig, westliche bis nordwestliche Luftströmung, etwas wärmer, keine Riederschläge von Bedeutung.

Der Vorübergang kleiner Tellwirbel in Rord- europa ist noch immer nicht abgeschlossen. Rach- dem das gestern nördlich von Grohbntannien, liegende Fallgebiet ötrett östlich nach Finn­land und Südskandinavien vorgerückt ist, wird bereits ein neuer Wirbel westlich von Island bemerkbar, der indessen größere Ausdehnung be­sten und in den nächsten Tagen erneut Rieder- fchläge auch in unserem Gebiet bewirken dürfte.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 13,9 Grad C., Minimum 6,2 Grad E. Heutige Mor- gentemperatur: 7,7 Grad E.

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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 9. April 1926.

Aerztliche Beratung vor der Ehe, Don Professor Dr. von Seuffert, Universität München.

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Eine der wichtigsten Voraussetzungen für dauern­des Eheglück ist zweifellos die körperliche und geistige Gesundheit beider Gatten und die möglichst sichere Gewähr für deren Vererbung auf die Nachkommen­schaft. Leider wird in dieser Beziehung nur zu oft Vieles und Entscheidendes versäumt, selbst von sonst vorsichtigen und gewissenhaften Menschen. Oft nur deshalb, weil nicht allgemein bekannt ist, wie viel und vielerlei erwogen und berücksichtigt werden muß . bei der Entscheidung der Frage: Gestatten die ge­sundheitlichen Verhältnisse beider Teile die Ehe-, schließung?

Zu verneinen oder wenigstens zweifelhaft ist dies, wenn jemand an einer g e i st i g e n Erkran­kung leidet oder durch wiederholtes Vorkommen einer solchen in seiner Familie erblich belastet erscheint. Solche Erkrankungen sind u. a. die Epi­lepsie, aber auch Trunksucht, Morphinismus, Ko­kainismus usw., da bei ihnen nicht-n^ Vererbung der Anlage, sondern direkte Schädigung der Kinder schon während der ersten Entwicklung zu be­fürchten ist.

Auch einige nicht geistige, sogenanntekon- Ifitutionelle" Leiden, wie die Zucker, und die Bluterkrankheit, werden zu denen gerechnet, I die die Nachkommenschaft gefährden. Das Vorkom­men vonBlutern" in einer Famielie, d. i. von Men­schen, die schon bei an sich geringfügigen Ver­letzungen m Verblutungsgefahr kommen können, belastet vor allem die weiblichen Angehörigen, da sie selbst fast nie Bluter sind, aber wahrscheinlich nur I sie die Anlage vererben.

Bezüglich der tuberkulösen Erkran­kung ist zu sagen: Bei offener Tuberkulose der Lungen oder Luftwege, d. h. wenn tuberkulöser Aus­wurf besteht, verbietet sich eine Eheschließung schon wegen der unmittelbaren Gefahr der Ansteckung. Auch eine Gefährdung derKinder ist insofern vor­handen, als diese bei dem fortgesetzten engen Zu­sammenleben in der Familie dauernd einer An­steckungsgefahr ausgesetzt sind, die nur dadurch ver­mieden werden kann, daß die Eltern das schwere Opfer bringen, sich, solange eines von ihnen an offenen", d. h. ansteckungsgefährlichen Prozessen leidet, ganz von ihren Kindern zu trennen. v

Geradezu als Verbrechen aber muß es bezeichnet werden, wenn jemand heiratet, der an einer der so­genannten Geschlechtskrankheiten leidet. Selbst wenn jemand, der früher daran gelitten hat, glaubt, geheilt zu fein, so muß er vor Schließung der Ehe sich nochmals vergewissern, daß er wirklich und dauernd geheilt ist. Denn das ist ja gerade das Gefährliche bei diesen Erkrankungen, daß deren Er­reger sich jahrelang im Körper wirksam halten kön­nen, ohne daß der Kranke besondere Beschwerden ober Erscheinungen hat.

Endlich kommen noch einige jener Krankheits­zustände in Betracht, durch die zwar nicht unmittel­bar die Gesundheit des anderen Ehegatten ober der Nachkommenschaft gefährdet wird, wohl aber das, was die eheliche Verbindung durch körperliche Miß­bildung wie auch durch geistige Anormalien eines der Beteiligten erschwert ober unmöglich macht. Die Gefahr, daß sich solch ein Hindernis erst nach einer Eheschließung herausstellt, ist um so größer, je un­erfahrener die Beteiligten sind. So wie das Leben einmal ist, wird diese Gefahr daher praktisch meist wohl nur bezüglich der Frau bestehen. Gerade ein rein in die Ehe tretendes Mädchen hat daher alle Ursache, sich vorher ärztlich beraten zu lassen, um so mehr, als ja von der körperlich und im Empfin- bungsleben normalen Beschaffenheit der Frau die Möglichkeit der Fortpflanzung ungleich mehr ab-- hängt als von der des Mannes.

Die so unbedingt notwendige, möglichst vollkom­mene Klarheit kann nur dadurch erreicht werden, daß vor dem entscheidenden Schritt zur Eheschließung beide Teile ärztlichen Rat suchen. Der in solchen Fällen zunächst ge- I eignete Arzt ist nicht ein Facharzt, sondern der I Arzt, der nicht nur den betreffenden Ehekandidaten, I sondern auch dessen Familienverhältnisse genau I kennt, also der Hausarzt. Er kann und soll dann bestimmen, ob und welche Fachärzte in einem be­sonderen Fall auch noch zu Rate gezogen werden müssen.

Steuerfälligkeilen im April.

Im Monat Apri.l werden folgende Steuern fällig:

10. April: Amsatzsteuervorauszahlung 1 Proz. der Amsätze im Monat März 1926 bzw.. im 1. Kalendervierteljahr 1926 (Ianuar bis März). Einkommen- und Körperschaftssteuer- vorauszahlungen für Einkünfte usw. im 1. Ka­lendervierteljahr 1926 (Ianuar bis März), mit Ausnahme der Landwirte. Kirchen- und Kul­tussteuern der auf Voranmeldungen zahlenden Einkommensteuerpflichtigen für das 1. Kalender- Vierteljahr 1926, und zwar: a) allgemeine evan­gelische und katholische je 15 Proz., b) örtliche, Gießen evang. 7 Proz., kctthol. 5 Proz., HeuchÄ- heim und Klein-Linden evang. je 10 Proz.. Wieseck evang. 7 Proz., c) Landjudenschafts­beitrag 8 Proz., d) Kultussteuern, örtl. Gießen 30 Proz., örtl. Wieseck 10 Proz. der Einkommen­steuervorauszahlungen.

15. April: Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 1. bis 10. April, sofern der Gesamtbetrag mehr als 100 Reichs­mark beträgt.

2 5. April: Steuerabzug vom Arbeitslohn für die Zeit vom 11. bis 20. April, sofern der Gesamtbetrag für genannte Zeit oder mit den für die Zeit vom 1. bis 10. April einbehaltenen, noch nicht abgeführten Beträgen zusammen mehr als 100 Reichsmark beträgt. 1. Ziel Landes­steuern (Grundsteuer, vorläufige Gewerbesteuer, Sonder-Gebäudesteuer). Die Höbe der zu zahlen­den Rate geht aus dem demnächst zur Zustellung gelangenden Steuerbescheid hervor.

Mit Ausnahme des Steuerabzugs vom Ar­beitslohn (Lohnsteuer) können die angeführten Abgaben noch innerhalb der siebentägigen Schon-, frist ohne Zuschläge bzw. Zinsen gezahlt werden.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stabttheater: 7.30 Uhrlieber unsere Kraft" (Ende nach 10 Uhr). V. H. C. Gießen: Monatsversamm­lung bei Prell. Verein Rubersport Gießen: 9 Uhr im Bootshaus Monatsversammlung.

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