Einzelbild herunterladen

vrrnk und Verlag: vrühl'lche Univerfitäts-Buch- und Steinöruderei R. Lange in Stehen. Schristleitung und Seschäftrstelle: Zchullttahe^.

ten: Der Anschluß Oesterreichs an Deutschland darf nicht erfolgen. Auch dieser Pakt muß nach italienischer Ansicht von Frankreichgaran­ti e r t werden. Auf diese Weise befände Deutsch­land sich sowohl im Westen wie im Osten und Süden in der Umkreisung. Wenn jedoch Frank­reich gern bereit wäre, den mitteleuropäischen Pakt zu garantieren und seinen Abschluß mit an- zustreben. so verhalten sich die französischen Re­gierungskreise ziu dem Gedanken der Vorherr­schaft Italiens auf dem Balkan doch ganz anders. Die Franzosen haben nicht den gering­sten Wunsch, sich von einer aktiven Balkan» politik zugunsten Italiens loszusagen. Außer­dem hat die Haltung der italienischen Delegation in G enf in den französischen Regierungskreisen Unwillen heroorgerufen. da ein Teil dieser Dele­gation mit Grandi an der Spitze alles mögliche tat. um eine Verständigung zwischen Deutschland und den Verbündeten zu vereiteln. Deshalb hat die Behauptung, daß Italien die Brasilianer zu ihrem Schritt verleitet hat. viel Wahres für sich. Mussolini ist impulsiv. Von dem Gedanken der Einkreisung Deutschlands kann er sich los­sagen. aber nie wird er von der Expansion nach dem Balkan zurücktreten. Diese Expansion aber ist von großen Gefahren begleitet.

Kappe.

1 Aevakttollstisch.

fei

lnuh diesen Abend mcht die passende

Annah«« von Anzel-en für die lagesnummer vis zum Nachmittag vorher.

Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°/, mehr.

Chefredakteur.

Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H-Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil § ans Iüstel, sämtlich in Gießen.

bahn Ghevgheli----

20prozentige italienische ^Beteiligung ersetzt wird (80 Prozent des Kapitals und der Verwaltung sollen nach dem Vorabkvtnmen zwi­schen Griechenland und Jugoslawien zur Halste

ist zu eng; wir soll n?

ck.

von Weyers, und bestes, pflegen sich des Tages mitzu« inlauf liessen, desondecs aufgeregt denken, was heule

rief fie der Freun« zu.

Ohren und Äugen

Emma ihren De» nstag, nichts Ha, groß Aeinmachen, itepetete. Also sitzt ide, daß man ganz h also den Kron» >ll ihn ihr zureichen, le hin und geht in

Luise erschüttert le kommt noch."

and auf der Tritt» dje auf dem Stuhl, i runter,"

kroatischen Militärkreise und der Intellektuellen. Dieses Ideal ist der serbischen Intelligenz sehr teuer und sie ist nicht gewillt, sich von rhm zu trennen. 11 nb schließlich hat fei n e r der Slawenstaaten auf dem Balkan den Wunsch, den verschwundenen Einfluß Oesterreich-Ungarns und Rußlands (der Eintluh des letzteren aus dem Balkan als nur zeitweilig verschwunden betrach­tet) durch eine Vorherrschaft Italrens ersetzen zu lassen Was Griechenland anbelangt, so betrachtet Italien die Dodekanes-Frage als für immer zu seinen Gunsten geklärt und ist bereit, den Griechen, falls sie sich offiziell von ihren Ansprüchen auf den Dodekanes lossagen, diesen die Unverletzlichkeit ihrer heutigen Grenzen zu garantieren und ihnen Kredite für die Rüstung zu besorgen.

Das sind die Ballanpläne Italiens, wobei nach Ansicht der italienischen Diplomaten Frankreich den jugoslawisch-italienischen Pakt zu garantieren hätte.

In Mitteleuropa gehen die Pläne Ita­liens auf einen Paltabschluß mit Jugoslawien, der Tschechoslowakei und eventuell mit Polen als den Nachfolgestaaten Oesterreichs über die Garantie der in St. Germain fest­gesetzten Grenzen aus. Mit anderen Wor-

Mussolinis Tripolisreise.

Die Säuberung des fasziftischen Direktoriums: Abdanken Farinaecis und Tontarinis. DerKonsul auf Lebenszeit".

geteilt werden).

Wenn die erste Forderung Italiens bezüg­lich der Befestigung Dalmatiens und des Baus einer jugoslawischen 2ldria-Flotte auf den ent­schiedenen Widerstand der Kroaten und Slovenen stößt, so findet die Forderung zur Absage vom grohsüdslawischen Gedanken und von Mazedonien die gleiche scharfe Ablehnung der serbischen und

Von unserem römischen ^.-Korrespondenten. Rom, April 1926.

Dasnapoleonische Jahr", wie es in schönem Selbstbewuhtsein Mussolini selber taufte, nimmt seinen Fortgang. Der Untergang des Abend­landes muh kommen, weil auch das römische Imperium untergegangen ist; weil Mussolini Konsul auf Lebenszeit sein will, darum stürzte er nach napoleonischem Vorbild die Direktorial­regierung. Es ist etwas eminent Einfaches um die Geschichte und wenn Mussolini einmal einen Augenblick buddhistischer Beschaulichkeit hat, wird er sich vielleicht die Frage vorlegen: Wie groß ist mm eigentlich der Unterschied zwischen Speng­ler und einer Wahrsagerin?

Um von der Morphologie der Weltgeschichte, der Dorausbestimmung der Geschichte auf Grund analoger Geschehnisse der Vergangenheit, wie Oswald Spengler sie lehrt, auf die vergleichende Erscheinung einzelner Persönlichkeiten zu kom­men, wie Mussolini sie liebt: es scheint doch sehr zweifelhaft, ob es für.einen Mann genügt, das gleiche Charakterbild aufzuweisen, wie irgendein anderer Großer, um das gleiche leisten, ja in den gleichen Formen leisten zu können. Gesetzt den Fall, in Mussolini wäre wirtlich der innere Napoleon auferstanden, so fehlt ihm doch noch manches zum äußeren. Fehlt ihm vor allem das, was dem Korsen erst Rückhalt und Resonanz­boden gab: das Schlachtfeld, der Dauerkrieg mit allen Nachbarn und der greifbare Sieg über alle Gegner. Bisher kann er Vergleiche höchstens auf dem Gebiete der inneren Politik anstellen und auch da nur mit der Einschränkung, daß sich die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse seit der französischen Revolution doch immerhin ge­ändert haben. Nein, es wäre wirklich besser ge­wesen, beim antiken Muster zu bleiben, beim Liktorenbündel. Jene Zeit, die sich etwas ver­schwommen über Jahrhunderte erstreckt, fami uns erheblich besser und reichhaltiger mit Thrannen, Kraftmenschen, Cäsaren und Tribunen in Aus­wahlsendungen beliefern, als die beileibe nicht durch Napoleon geschaffene Große Revolution.

Was ist geschehen in den letzten Tagen? Musso­lini hat sich, feiner selbstherrlichen Gewaltnatur ent­sprechend, Luft geschaffen, und dies in einer nicht unsympathischen Form. Er fühlte sich beengt. F a - r i n a c c i drohte ihm über den Kopf zu wachsen, Q ontarini wollte nicht immer so, wie er gern wollte. Contarini war seine rechte Hand, Farinacci seine linke. Auch der kühnste Rennfahrer muß ja schließlich einen Mechaniker neben sich sitzen haben. Es geht aber nicht an, daß einer dem Fahrer ins Steuer greift. Mussolini schüttelte sich also wieder einmal und warf beide Hände ab. Er hat ja Kraft genug, sich immer zu erneuern und zu ergänzen. Mit Farinacci mußte auch das gesamte Nationaldirektorium gehen. Das war am Vormittag und es sah aus, als habe das Direkto­rium, als es sich mit Farinacci solidarisch erklärte, dem Diktator den Fehdehandschuh hingeworfen. Aber schon am Abend des gleichen Tages berief Mussolini, und hier zeigte er sich nun wieder von seiner bestechendsten Seite, den fasziftischen Großrat ein, das heißt, die Regierung mit allen ihren Haupt­funktionären. Kein Minister, kein Unterstaatssekre- tär durfte ohne Grund fehlen. Und dann lehrte Mussolini den Herren, was arbeiten heißt. Keiner durfte nach Hause, als die Mitternacht heraufzog. Um 2 Uhr morgens erhob sich der Diktator selber und begann seinen Bericht, um halb sechs Uhr mor­gens schloß er. Dann, als sich seine Mitarbeiter ge­rädert zurückzogen, warf er sich in den Sattel und kehrte von seinem Morgenritt sofort in den Pa­lazzo Chigi zurück, sein Tagewerk zu beginnen. Schon ein paar Tage vorher hatte er einmal vor einem französischen Maler, der ein Reiterbild von ihm zu entwerfen, die Galoppada des Pincio be­suchte, das Pferd angehalten und gesagt: Nun können Sie Ihren Freunden in Paris erzählen, daß Sie mich tatsächlich todkrank im Bett liegen und nach Arzneien greifen haben sehen!

Um sich noch mehr gegen die Bestrebungen Jugoslawiens hinsichtlich des Vardar-Tales und Salonikis zu sichern, besteht Italien daraus, daß die in einem griechisch-jugoslawischen Bor- abkommen festgelegte 20prozentige Beteili­gung des französischen Kapitals und der französischen Verwaltung an der Elsen-- - - - - - ' ""o n i f t durch eine

Erscheint täglich,außer kc nittags und Feiertag».

Beilagen:

1 su ßener Familien blätter Heimat im Bild Die Schalle.

iHonat$'B«}ug$prel$:

Reichsmark und 20 ^ichspfennig für Träger- Iht, auch bei Richter- keinen einzelnerRummern I folge höherer Gewalt, se^nsprechanschlüfse: kh nftleitung 112, Der« l<i und Geschäftsstelle 51. ti;jl)rift für Drahtnach- H ten: Anzeiger Stehen.

* Postscheckkonto: ditffurt am Main 11686.

m spätem Johannis« ügel seiner romantt* mten Liebe/ emem M fatumischen Lieb» . stüb! an geb* Gewißheit, daß die item, 3üngercyu >n Daran gmg alles -genüber. M um einem ®uf), ,r eigengewachfenen, je niedergeschriU

.atü «««" ®lC604ÄttäW

&Ä

nmehr WJ [le pes n de-K 2cm/ ne llnd ' ieccnd enden " n-reuiider rinneE

Dich^brzehnt, neue 2« schon hat dem «dftgflbe /erlesenen

ches. ie nie.

*'

wie es Contarini zum Ausdruck bringen sollte. Er kam bei dem Zickzackkurs des Diktators nicht mehr recht mit, er wußte SwiHen Geste und Schlag, zwischen Schein und Wirklichkeit schließlich nicht mehr genau zu unterscheiden ebensowenig wie sein Meister selber, der im Ge­gensatz zu Napoleon heute noch nicht weih, was er morgen tun will, und es nicht wissen kann, weil nicht er das Schicksal meistert, son­dern im Gegenteil die äußeren Umstände es sind, denen er sich geschickt anpaßt. um seine Persönlichkeit und ihren Nimbus zu retten.

Als nun der Balkanpakt, die Einkreisung Deutschlands unter italienischer Führung, Musso­linis ureigener Gedanke, auf Hindernisse stieß, ja, geräuschvoll zusammenbrach, als der sogar von der Regierungspresse laut angekündigte neue Besuch Nintschitschs und die Romfahrt des serbischen Königspaares dementiert wurden, muhte Contarini in die Wüste.

Fürs nächste regiert also Mussolini wieder einmal ganz allein. Soeben fährt er im Ge­leite von fünfzehn Kriegsschiffen nach Nord­afrika, wo man mit einem Seitenblick nach Tunis viel von den neu zu erwerbenden Kolonien sprechen wird.

Die Abfahrt Mussolinis.

Italiens Zukunft liegt auf dem Meere.

Rom, 8. April. (IM.) Troß bewegter See be­nutzte Mussolini den nach Gaeta fahrplanmäßig be- reitstehenden Sonderzug nicht, sondern schiffte sich von der Tibermündung aus auf dem Dreadnought Cavour-, der bei seiner Ankunft 13 Salut­schüsse abgab und die Flagge des Marineministers hißte, ein. Auf demCavour" hatten sich das neue Direktorium der fasziftischen Partei und die Pro- vinzialsekretäre auf Befehl Mussolinis eingesun­den. In seiner Ansprache an sie hob Mussolini her­vor, daß er sie berufen habe, damit sie der steg- reichen italienischen Marine, in der die besten Hoffnungen Italiens für die Muuft ver­ankert seien, Lhrebe,engen könnten. Er schloß feine Rede:wir Italiener sind Menschen des M1 t t e l m e e r e s und unsere Zukunft ich will damit niemand kopieren hat immer aus dem Meere gelegen und wird immer auf dem Meere liegen." Um 11 Uhr lichtete derLaoour" die Anker, um zunächst Kurs nach Gaeta zu nehmen Musso­lini, der noch eine die Nasenverwundung deckende Binde trug, sah frisch und heiter aus.

Frankreich und Mussolinis Kolonialpolitif.

Paris. 9. April. (TU.) Die Reise Musso­linis nach Nordafrika wird in Paris mit größtem Interesse verfolgt. DerTemps" erklärt Don­nerstag abend, man müsse sich aufrichtig freuen, daß Mussolini keine schweren Verletzungen da- Dongetrqgen habe.»denn sein Verschwinden, wenn es auch nur vorübergehend gewesen wäre, würde notwendigerweise schwere Verwirrungen in der gegenwärtigen italienischen Politik Hervorrufen. DerTemps" geht dann auf die Erklärung Mussolinis vom Balkon des Palazzo Chigi cm, in der es heißt:Das Ausland wird von uns in die Schranken gerufen werden." Niemand, so schreib! derTemps". denke daran. Italien sei­nen Platz an der Sonne zu bestreiten. Aber die Art, wie man in gewissen Kreisen die Ten­denzen des neuen Italien auslege, lasse eine Unruhe über öve Ziele des F a s zis - rn u s im Ausland aufkommen. Das neue Ita­lien stehe unmittelbar vor dem Kolonial- Problem und es sei ohne Zweifel, daß Musso­lini auf diesem Gebiete die erste Aufgabe seiner Regierung sehe. Die Reise Mussolinis nach Tri­polis in Begleitung einer starken Flotte be­deute den wahren Beginn einer neuen Ent­wicklung in dec italienischen Politik.

dem Balkan betrachtet, verlangt es die Ab­sage von dem Gedanken eines vereinigten Sud­slawenstaates. einer Föderation aller slawischen Elemente auf dem Balkan und einer Zollunion zwischen Bulgarien und Jugoslawien. Die ge­genwärtigen Grenzen auf dem Balkan müssen nqch italienischer Auffassung unverändert bleiben.

foelt

Marit» lr, rite: Aeti tz./ M

NE

L-L

S S150 s. ten

n bGr X, E nämlich Mer ? «lulw i, 4i.

7 übrigen 3idjt- Honorare (Rasselst

In dieser nächtlichen Sitzung des Großrittes wurde erledigt, was für ein parlamentarisches System Wochen und Monate voll Redereien und Zänkereien bedeutet hätte, und man kann es daher dem Faszismus nicht verdenken, wenn er auf seine Neuerungen stolz ist. Mit einem Feder­strich war die Episode Farinacci wieder aus­gelöscht, einen Tag, nachdem er im Matteotti- Prozeß den Sieg des Faszismus auf die Spitze treiben hatte dürfen. Mussolini kennt keine Rück­sichten. keine Dankbarkeit. And man muß Tagen, daß diese Rücksichtslosigkeit ihm viele Sympathien im besten Teil des fasziftischen Lagers und auch des Auslandes zurückgewonnen hat. Denn das Ausland lieh sich zwar den Duce gefallen, aber nicht den Dizeduce. und im Faszio ferner galt der frühere kleine Eisenbahnbeamte, der sich mit auffallender Schnelligkeit zum Advokaten, zum Tyrannen von Cremona und schließlich zum mächtigen Generalsekretär der Partei aufgeschwun- gen hatte, immer als enfant terrible. Vorher der Harlekin, das beliebteste Witzblattfutter der politische Emporkömmling par excellence, auf der Höhe seiner Macht aber umschmeichelt und um­wedelt. begleitet ihn jetzt das Aufatmen des ganzen Landes auf feinem Rückzug nach Cremona.

Die allgemeine Genugtuung ist begreiflich, denn schon der Gedanke, was bei einem plötz­lichen Ableben Mussolinis dem Lqnde unter Farinacci. der zweifellos im ersten Augen­blick die Gewalt an sich gerissen haben würde, bevorstand, hatte etwas Lähmendes. Man er­innere sich nur an die Erschütterung, die Italien nach dem Matteottimord heimsuchte, als die Oppo­sition ihre Stunde gekommen glaubte, die Sturm­truppen Farinaecis aber unter Hochrufen auf Dumini, den Mörder Matteottis, vorgingen.

Farinaecis große Verteidigungsrede für Du.i.ini im denkwürdigen Prozeß von Chieti war sein Schwanengesang, lieber den Prozeß selber braucht Wohl nichts gesagt zu werden. Selbst im Inlande hatte er mit dem Auftreten Farinaecis als Advokaten jedes Interesse ver­loren. Mussolini selber brandmarkte seinerzeit das Verbrechen mit den schärfsten Worten, jetzt geht das Witzwort um. Matteotti könne von Glück sagen, daß er so glimpflich davongekommen sei And Farinacci konnte es sich nicht versagen, als er den Toten mit harten Worten auf die Anklagebank verwiesen hatte, die spärlichen aus­ländischen Zeitungsvertreter, und insbesondere den Korrespondenten der Humanite, mit hin­reißenden Togaworten als Zeugen dafür anzu- rufen, wie gerecht und edel es in Chieti zugehe..

Auf die kapitolinische Pose folgte prompt der Sturz über den tarpejischenF ei­sen. Weniger hart ist der Vize-Auhenminister Contarini aufgeschlagen. Obwohl ihm Mus­solini ungleich mehr zu danken hat als dem lärmenden Apostel von Cremona, drängte er sich, ein Diplomat der alten Schule und als solcher in allen Kabinetten, bei internationalen Kon­ferenzen und Verhandlungen gerne gesehen, nie­mals hervor. Man sagt ihm die Vaterschaft an dem Adriavertrag nach, der Italien wenigstens für eine bestimmte Zeit vor östlichen Heber- raschungen sichern soll, und es ist sicher, daß er häufig bestimmend in die Beziehungen zu Wien und Berlin eingriff. Der französischen Denkweise entspricht es, wenn er nun gescheitert sein soll, weil er den deutschfeindlichen Kurs Mussolinis nicht mitmachen wollte. Denn in Paris will man um jeden Preis in der Ab­schwenkung von Deutschland schon eine Hin- schwenkung zu Frankreich sehen. Das ist e i n Irrtum. Contarini ist nie ein Deutschenfreund gewesen, er hat vielmehr bei den Drennersanfa- ren, die im Grunde allerdings das Werk Fari- naccis sind, willig Ministrantendienste geleistet. Was ihn in Gegensatz zu Mussolini brachte, war vielmehr gerade die Erkenntnis, daß es Mussolini mit seiner geballten Faust gegen Ber­lin und seinem Mundwinkellächeln nach Paris hin durchaus nicht so verteufelt ernst meinte,

K 82 Erstes Blatt 176. Jahrgang Zrettag, 9. April 1926

Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen

Italiens Valkanpläne. I

Don unserem I-. dl.-Derichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I) Rom, im April 1926.

Bei aller scheinbaren Impulsion der Auhen- Jcliaik Mussolinis hat diese eine grundlegende jLm, deren Verwirklichung der italienische Dik- fco-T mit außerordentlicher Hartnäckigkeit und Findigkeit anstrebt: die Idee der Er w ei te­il rig der italienischen Einsluh- tteäre, der politischen und wirtschaftlichen Ex- hnf.on. Entkleidet man diese Idee der faszisti- stc i Phraseologie, so bleibt ein logisches CBe- rfcEen Italiens, für die Erzeugnisse seiner auf- fanden Industrie neue Märkte und neue Heliefe für feine Auswanderer zu

fufjen.

Aber dieser natürliche Wunsch wird von Üujlolini in eine imperialistische Form Oifeiöet, die auf italienische Gemüter stark ein- Urv und die nicht ohne Grund die Nachbarn .Juliens schreckt. Aus der Erde ist es eng ge- tnien und der ganze Erdball, den Nordpol -ei eingeschlossen, ist unter die Nationen ver- Kit, die schon früher als Italien an die Schas- -ftng von Weltreichen gedacht haben. Und wenn Hitflolini in kraftvollen und schönen Ausdrücken kommende Kaiserreich ankündigt, so denkt er PrrLei was aus den nachstehend geschilderten Flamen der italienischen Diplomatie hervorgeht, i!.r an die politische und wirtschaftliche Ex- .hmlion Italiens auf dem Balkan und in Mitteleuropa (die ehemalige österreichisch- ivorische Monarchie).

I ks hat eine Zeit gegeben, in der die Blicke Musso- auf Wefteuropa und Nordafrika ge-

ridjtet waren: auf Nizza, Korsika, Savoyen und lmi5. Nach Locarno aber richten sie sich unoer- ärhert auf den Balkan und Mitteleuropa. Zum Teil tt-lart sich diese entschiedene Schwenkung aus dem ßdlchlag Mussolinis in seinen Bemühunaen um tiic Verständigung mit Deutschland.

lie sehr Mussolini auch die Erklärungen deutscher fyliiiter zu widerlegen sich admüht, so wissen doch Haiti, die über die Intrigen hinter den Kulissen der stmpäischen Diplomatie unterrichtet sind, sehr aut, b- die italienische Diplomatie in Locarno eine An« mljjrung an Deutschland gesucht hat und wie einer t<: Mussolini am nächsten stehenden Männer, der frühere Gesandte in Wien und setziae Generalsekre- ti; des Außenministeriums, Bordonaro, der d-üschen Delegation eindringlich die Wohlgeneigt- ja Italiens in der Anschlußfrage vortrug, welche Lchlgeneigtheit eintreten sollte, wenn Deutschland d italienischen Grenzen am Brenner zu garan- ihren bereit märe. Die deutsche Delegation hat, wie ennnerlid), diesen Borschlag abge 1 ehnt, was Ämsolini überaus verwunderlich und beleidigend icriGin. Unmittelbar darauf setzte eine verschärfte "Verfolgung der Deutschen in Südtirol und die Kam-

, v ber deutschen Presse ein, die Mussolini zu ftner bekannten Senatsrede und zu den Drohungen ar. Deutschlands Adresse Anlaß gaben. Aber auch zu V Suchen der italienischen Diplomatie nach Wegen r°: Einkreisung Deutschlands und zur Schaffung Kn Garantien gegen den Anschluß.

Cs ist deshalb notwendig, .bei den jetzigen 7cr'handlungen Italiens zu unterscheiden zwischen Inen zur Erzielung einer italienischen Vorherr- tirft auf dem Balkan, und denen, die auf Er- ltang der gegenwärtegen territorialen und ftirlischen Lage in Mitteleuropa gerichtet sind.

Der Ausgangspunkt in beiden Verhandlun- ki ist der ziemlich strittige Gedanke, daß nach kirn Verschwinden Oesterreich-Ungarns und Ruß- sciLs auf dem Balkan die Rolle dieser beiden Ctaaten dort auf Italien übergehen müsse. ,ik Interessen Frankreichs, sagen die ita- senifchen Diplomaten, liegen nicht in Mittel- tirepa und nicht auf dem Balkan, sondern am 7 ) ein und in Nordafrika. Italien hat rii Rheinpakt garantiert. Es ist bereit, sich von Itiiten Ansprüchen auf in französischer Hand be° früliche italienische Gebiete und nordafrikanische dnzösische Kolonien, d. h. auf Tunis, loszusagen, hgegen müsse Frankreich seinerseits die italieni- shtti Interessen auf dem Balkan und in jllntteleur opa garantieren.

Die Vorherrschaft auf dem Balkan setzt eine Iiftänöigung vor allem mit dem stärksten Dal- rlraat. mit Jugoslawien, voraus. Zwi- e-i ihm und Italien schwebt noch eine Reihe gelöster Fragen und erst vor drei Jahren ui) Italien am Vorabend eines Krieges mit igoslawien. im Frühjahr 1923 hatten beide taten schon die Mobilisierung ihrer Armeen zonnen. Cs erfolgte aber die Einmischung Eng- i-s und Frankreichs und es gelang, die ge­timten Beziehungen zu glätten. Aber die italie- che Regierung ist noch immer von ihren Zielen Sitfemf, die den eigenen jugoslawischen Groß- i irditplänen direkt widersprechen.

Denn was strebt Italien an? Vor allem die j tinertenn ung der Adria als eines rein ; Menischen Meeres (Mare Nostro). Italien er- [ hortet den völligen Verzicht Jugoslawiens auf , Errichtung eines Kriegshafens in der Adria, i bn Verzicht auf eine Kriegsflotte in diesem

Teer und auf Befestigung der Küste Dalmatiens. jTui anberen Worten Wenn Jugoslawien in lubrotonit oder Ragusa einen Handelshafen cin- rchiet, so kann dieser Hafen wie überhaupt ganz Dalmatien in Zukunft eine Beute Italiens freien, das im Adriatischen Meer sowohl eine > Nrtegsflotte wie Kriegsbasen besitzt. Außerdem i tertangt Italien, daß die albanische Küste aus- IWlreßlrch als Einflußsphäre Italiens anerkannt

Da Italien jede weitere Stärkung Iugo° istwiens als Gefahr für das Gleichgewicht auf