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hcö, dos mich feiten so ergriffen hat wie hier in- inittsn der Tourischen Steppe fernab von jeder deut- jchen Kultur:Muß i benn, nntfj i denn, zum Städtelein hinaus!"

Unfälle im Haushalt.

Don Dr. Walter Stets.

Cs erscheint auf den erften Blick unnötig, von selchen Kleinigkeiten zu reden. Aber kleine Ursachen, große Wirkungen! Wie oft hört man von Todes­fällen, deren Ursache eine ganz geringfügige, nie be- ochletc Verletzung war! Man kann auch Kleinig­keiten nicht ernst genug nehmen. Und es ist merk­würdigerweise zu beobachten, daß die Menschen in intern eigenen Hause am wenigsten achtsam sind. Auch Hausangestellte gehen bei ihrer Arbeit oft sehr sorglos und tinvorsichtig vor. Fast alle Unfälle im Haushalt sind auf Unachtsamkeit, auf Nachlässigkeit, ja oft auf ganz sträflichen Leichtsinn zurückzuführen und hätten sich fast ausnahmslos vermeiden lassen.

Eine der Hauptgefahren liegt in dem leichtsin­nigen Umgehen mit B e l e u ch t u n g s rn i t t o l n. Das offene Kerzenlicht, die Petroleumlampe, das Gaslicht, die elektrischen Beleuchtungskörper, sie alle können dem Menschen verderblich werden, wenn er ho nicht sorgsam und vorsichtig behandelt. Der sträf­liche Leichtsinn, bei offenem Licht ober auch bei dem Licht der Petroleumlampe im Bett zu lesen, fordert heute noch immer wieder seine Opfer. In dasselbe Kapitel gehört auch das Rauchen im Bett, das schon viel Unheil verursacht hat. Das Betreten des Hausbodens mit offenem Licht ist die häufigste Ursache aller Dachstuhlbrände; polizeiliche Verbote und Strafandrohungen haben bisher dagegen nichts zu tun vermocht. Auch durch achtloses'Verschütten glühender Asche in der Wohnung oder im Kehricht wirk, viel Schaden angerichtet.

Dem offenen Licht sehr nahe steht die Gefährlich- tcit der Petroleumlampe. Unvorsichtiges schiefes Tragen bringt das Del zum Auslaufen und zum Brennen; allzu häufig auch wird die Lampe auf kleine, nicht genügend feststehende Tische gestellt, so daß ein Anlehnen oder Anstoßen genügt, Tisch und Lampe ins Wanken und den Lampenbehälter zur Explosion zu bringen. Eine in nahem Zusam­menhang hiermit stehende Unsitte ist darin zu er­blicken, daß leichtsinnige Hausfrauen häufig, um das Herdfeuer in Brand zu fetzen, Petroleum ober an­dere leicht brennende Flüssigkeiten nachgießen und dabei durch die plötzlich und stark auflodernde Flamme großes Unheil anrichten.

Die Gefahren des Leuchtgases bestehen in erster Linie in Vergiftungen; sie werden nachher noch berührt werden; ober auch die offene Gas­flamme ist durch ihre schnellzündende hohe Tempe­ratur sehr schädlich. Die Hausgehilfin, ebenso die Hausfrau hüte sich, hier ebenso wie beim offenen Herbfeuer mit leichten, lose herabhangenden Ge­wändern ober gor mit offenen Haaren zu arbeiten, da diese sehr leicht Feuer fangen; besonders stark ist diese^Gefahr beim Anwärmen der Brennschere für die Frisur. Auch die Petroleumlampe bringt leichten Stoffen ober offenen Haaren große Gefahr.

Anders geartet find die Unfälle, die durch bte Verwendung der E l e k tri z i t im Haushalt her­vorgerufen werden, sei es, daß sie zur Beleuchtung, ZUM Kochen, zum Plätten oder zu anderen Zwecken gebraucht wird. Die Unfälle werden hier meist durch Schäden der Isolierung verursacht, die manchmal vorher gar nicht zu erkennen sind; die Leitungsschnur kann befriedigt fein ober der Strom hat auf irgend­eine Weise in die Metallteile der Lampe Eingang Gefunben. Vorsicht ist hier immer vonnöten. Beson- bers hüte man sich, bie Metallteile von elektrischen Beleuchtungs- ober Heizkörpern anzufassen, ganz besonbers nicht mit nassen Händen ober wenn man selbst mit ben Füßen auf nassem ober feuchtem Orunbe steht, ba die gut leitende Feuchtigkeit die Ge­fahr ganz außerordentlich steigert.

Ein besonderes Kapitel stellen die Verbrüh u n- gen und Verbrennungen im Haushalt dar: Gefäße mit kochendem Wasser werden achtlos .in ben Rand bes Herdes ober auf eine schlecht befestigte Unterlage gestellt, so daß sie leicht umsallen; Töpfe mit kochendem Wasser werden mit bloßen Händen ohne Schutz (Topflappen) angefaßt und entgleiten infolge des durch den heißen Topf verurjachten Schmerzes; Herdringe, denen man besonders bei ausgedrehter Gasflamme die Temperatur nicht an- jieht, verursachen leicht Verbrennungen, wenn man sie mit der Hand statt mit einem Werkzeug, Feuer­haken oder dal. aufnimmt; das heiße Plättetsen 'ft eine der häufigsten Gefahrenquellen u. a. m., alle diese Unfälle lasten sich bei ganz geringen Vorsichts­maßregeln vermeiden. Wegen der ständigen Gefahr des Verbrühens sollte in der Küche nur festes Schuh­werk getragen werden, das die Füße wenigstens einigermaßen schützt.

Die Gesahr der Vergiftungen wurde schon erwähnt. 3n erster Linie kommt hier das Leucht-

ga s in Frage; sorgfältiges Ueberwachen lind Schlie­ßen aller Gashähne, vor allem aber allabendliches Schließen des Haupthahns ist unbedingt notwen­dig. Bei auftretendem Gasgeruch darf wegen der Explosionsgefahr nie mit offenem Licht (Streichholz, Kerze, Petroleuntlampc usw.) nach der Ursache ge­forscht werden! Schwere Gefahr Vergiftungen mit tödlichem Ausgang bringt das aus schlecht ge­schlossenen Dcfen ganz besonders aus den mit Stein­kohlen ober Koks geheizten eisernen Defen aus- strömenbe Kohlen 0 xydga s. Sinb im Haushalt aus irgendwelchen Gründen Gi ste in Gebrauch, so sinb biese so beutlich unb ausfällig zu kennzeichnen, baß Verwechslungen unmöglich sinb, unb so aufzu- bewahren, daß Kinder sie auf keinen Fall finden können.

Zahlreiche Unfälle geringfügigerer Art, die aber durch hinzutretende Verschlimmerungen durchaus ge­fährlich werden können, ereignen sich in dunkl e n , unbeleuchteten Räumen. Wenn man auch mit feinen Wohnräumen im allgemeinen eingehend vertraut ist, so kommt es doch immer wieder vor, daß ein Möbelstück an falscher Stelle steht und eine Verletzung verursacht; man braucht nur etwas zu verlieren, bückt sich unb stößt dabei aus die Stuhl­lehne, die u nmöglich noch eine Verzierung aufweist, und zieht fii,. dadurch sehr leicht eine Verletzung des Gesichts, wornöglich des Auges, zu. Eine elektvische Taschenlampe ist hier wie auch bei anderen Gelegen­heiten sehr zweckmäßig. Richt nur im Dunkeln, son­dern auch sonst bringen unordentlich herumstehende Gegenstände, besonders bei hastiger Eile, Gefahr.

Unvorsichtiges Umgehen mit Messern, beson­ders mit dem Brotmesser es ist geradezu auf­regend, manchen Leuten beim Brotschneiden zuzu- feljen!, fahrlässiges Umgehen mit der Axt beim Holzhacken, überhaupt bte ungeschickte Verwendung von Schneidewerkzeugen hat schon vielen Schaden angerichtet. Grundsatz muß hier fein: Vorsicht und Finger weg!"

Sehr leichtsinnig gehen viele Leute am offe­nen Fenster um. Unvorsichtiges Hinausbeugen ober garAuf-bern-Fensterbrett-sitzen" beobachtet man besonbers bei Jugendlichen sehr oft.

Jugendliche unb Kinder spielen in ber Geschichte der Unfälle im Haushalt überhaupt eine besondere Rolle. Für sie gelten die hier in aller Kürze ge­schilderten Gefahren in verstärktem Maße. N i e fallen Kinder i m Haushalt ohne Auf­sicht sein! Es ist nicht immer nur des Vaters Tintenfaß oder seineTicktacktaschenuhr", die das Kind reizen, es kann auch der Topf mit brühendem Wasser, es können auch scharfe Werkzeuge oder gar unverschlossene Waffen. Gifte oder Zündstoffe sein, bie nicht nur bas Kind, fonbern auch bie übrigen Familienmitglieber in schwere Gefahr bringen.

Allen Unfällen im Haushalt ist fast ohne Aus­nahme eines gemeinsam: ihre Vermeibbarkeit. Die sichersten Dorbeugungsmittel sinb: Vorsicht unb D r b n u n g!

Oberhessen.

Landkreis Gieszen.

Lich, 6. Fan. Am 31. Dezember v. I. fanb im HotelHolländischer Hof" dahier die diesjährige Generalversammlung des Verkehrs- unb V e c- jchöncrulrgsvereins statt. Die Versamm­lung war verhältnismäßig gut besucht. Bürger­meister Völker erstattete ben Jahresbericht unb führte cinleitenb aus, bah bas Amt des 1. Vor­sitzenden durch Rücktritt fast seit Jahresfrist verwaist fei und daß er als 2. Vorsitzender bte Geschäfts­führung übernommen habe. Das abgelaufene Jahr zeige eine rege Vsreinstätigteit. Genannt seien nur: die Werbearbeit in den verschiedensten Führern der Kur- und Badeorte, bie Anbringung eines Stor­chennestes auf dem Dach der Marienstlftskirche, die Veranstaltung eines Blumen- und Schaufenster­wettbewerbes unb nicht zuletzt sei auch ben Märk­ten ein ganz erhebliches Jnreresse gewidmet wor­den. Im Mittelpunkt des Abends stand die Ver- fünbiing und Verteilung der zuerkannten Preise des Blumenwettbewerbes. Die Höchst­punktzahl, die erreicht werden konnte, betrug 50 Punkte. Das Ergebnis war folgendes: 1. Preise: Forstrat Schlotterer 40 P., Zimmer, Fer­dinand 46 P., Max Cambre 45! P. 2. Preise: Heinrich Menges 41 P Postmeister Rau 41 P.. Heinrich Schmidt II. 40* P., P. und Ludwig Weber 40* P. 3. Preise: Moritz Goldschmidt 38* P., Ludwig Volz I. 38 P., Gustav Ohlennitz 36 P., Lehrer Zimmer Ww. 36* P., Elise '.Roger Ww. 35* P., Barth. Livpold 35 P., Arthur Schä­fer 34! P., Friedrich Wagner 34 P., Otto Pappe 34 P., Hedwig Heuer Ww. 34 P., Philipp Schäfer 34 P., Konrad Hartmann 34 P., Dr. Schaad 34 P., Johannes Spahr 33* P., Moses Chambre 32 P., Brauerei Jhring 32! P., Ludwig Wolf III. 32 P., Johanne- Habermehl Ww. 32 P., Christ. Vater I. 31* P., Jakob Heller Ww. 31* P., Anna Jung

31 P., Hermann Katz 30* P., Dr. Roth 30* P., Emil Machaletl Ww. 30 P., Heinrich Albach I. Ww. 30 P., Forstrat Heimburg 30 P. Anerken­nungen von 29! Punkten herab bis zu 25 Punk­ten: Emil Isaak, Karl Dietz, Georg Lotz, Jakov Christian Ledermann, Ludwig Donner. Marl Fischer IV., Heinrich Ruppel, Stöbt. Krankenhaus Lubwig Menges, Georg Christian Schäfer, Christ. Gruber W., Philipp Busch, Dr. Schön Ww., Her- niann Volkinann, Konrab Lebermann Ww., Karl Lubwig Albach I. Ww., Mathias (Stil, August Weber, Johannes Dietrich, Friebrich Schäfer II., Abam Heller Ww., Heinrich Lotz, Dr. Sioenig, Karl Thalaker Ww., Johannes Otto Ww., Richard Ra­detzky, Ernst Häfner, Christian Lechner, Georg Karl Ludwig Schmidt, Julius Hummel, Jakob Sommer Ww., Karl Wilhelm. Nathes, Leopold Alles, Christ. Alles II., Philipp Hermann Schmidt, Ludwig Al- bohn, Karl Christian Albohn, Karl Pauli Ww., .Karl Friedrich Fischer, Georg Wilhelm Keller, Wil­helm Menges, Heinrich Zimmer XI. Ww., Felix Mendelsohn, Heinrich Heller IV., Wilhelm Ritter, Johann Müller, Christian Fey, August Vater und August Kreicker. Jedem Preisträger wurde durch den stellvertretenden Vorsitzenden eine Ehren­urkunde überreeicht: für 1., 2. und 3. Preise wur­den außerdem noch recht schöne Geschenke in Gestalt von Blumenkörben und -Stöcken ausge- geben. Es wurde allgemein anerkannt, wie gut die Idee ber Veranstaltung dieses Wettbewerbes ein­geschlagen ist, konnte man doch eine ganz ansehn­liche Zunahme des Blumenschmuckes an Fenstern, Bolkonen und an Vorgärten feststellen. Da der Ver­ein z. Z. über keine Mittel verfügt, mußte eine Auszeichnung ber Preisträger bes Schau­fensterwettbewerbs leider j u r ü cf ge­lt e 111 werden. In der anschließenden Vorstands­wahl wurden sämtliche Vorstandsmitglieder wieder- gewählt. 1. Vorsitzender ist Bürgermeister Vol­ker, 2. Vorsitzender Konrad Köhler. Die Ver­sammlung sprach dem seitherigen stellvertretenden Vereinsleiler, Bürgermeister Völker, den Dank für die mustergültige Führung der Vereinsgeschäste aus. Eine kleine Verlosung eines schönen Blumen­stockes beschloß bie gut verlaufene Sitzung.

Treis a. b. L d a., 6. Ian. Die hiesige Gemeindejagd wurde heute in ihrer Ge­samtheit an den Fabrikanten Rinn-Heuchelheim auf die Dauer von 6 Jahren verpachtet. Pacht­preis jährlich 2500 Mark. Der Jagdbezirk umfaßt etwa 370 Hektar Maid und 570 Hektar Feld.

: Beuern. 6. Ian. Die Stein- i n d u st r i e, die in früh eren Jahren in unserem Dorfe viele Arbeitskräfte beschäftigte, geht immer mehr zurück. Der Beuerner Lung st ein. ein D l a s e n b a s a l t, der in den großen Ste'.n- brüchen der weithin bekannten Firmen Damm und Fuhr gebrochen wird, ist von ganz aus­gezeichneter Qualität und findet mannigfaltige Verwendung beim Bauen, z. D. beim Funda­ment, zu Treppenstufen,' Fensterbänken u. dgl. mehr. Ja ganze Häuser, recht massiv gebaut, wurden aus Lungsteinen aufgeführt, wie z. D. unser Psarrhaus. In den letzten Jahren sind eine große Anzahl neuzeitlicher Kriegerdenk­mäler in unseren Steinbrüchen entstanden. Wie kommt es nun, daß trotz ihrer Düte diese Steine heute nixh so wenig verlangt werden. Schuld daran ist vor allem der Umstand. daß heute in der Zeit des schnellen Bauens selbst schon beim Fundament billigere, schnell herzustellenke Kunst­steine verwendet werden. Abu- noch mehr schuld am Riebergang der einst s» blühenden Industrie ist die ungünstige Lage unseres Orts zur Eisenbahn. Der Transport der Steine auf der Landstraße durch Pferdefuhrwerk ver­teuert die Steine ungemein, und so muß der gute, viele Menschenalter aushaltende Langst ein hinter dem Kunststein zurückslehen. Mit dem Zurück­gehen der Steinindustrie sinkt auch die Zahl der in_ den Steinbrüchen beschäftigten Arbeiter. In früheren Jahren war in saft jedem Beuerner Haus ein männliches Mitglied gelernter Stein­hauer oder Steinbrecher. In den hiesigen Brü­chen arbeiteten zeitweise 80 bis 1 00 Mann, und ungezählte andere bereisten als Steinhauer und ^Steinbrecher ganz Deutschland. Besonders im Teutoburger Wald fanden viele ihren Verdienst. Heute dagegen find in den hiesigen Brüchen kaum noch 10 Mann tätig, während bei günstigerer Lage unseres Ortes zur Eisenbahn, infolge ber buchten Absatzmöglichkeiten, fast sämt­liche hiesige Arbeitskräfte in den Beuerner Brü­chen beschäftigt werden könnten, ilnb so kommt es auch, daß in den letzten 18 Jähren kein Deuerner Jüngling mehr sich dem Steinhauer­berus zugewendet bat. Die Beuerner Eteinhauer sterben also aus. Es ist ja ber Steinhauerberuf ein sehr schwerer und dazu noch ungesunder Beruf, dem: der Steinstaub setzt sich in der Lunge fest unb ist infolgedessen dec beste Bundesgenosse

Kleine Selbstbiographie.

Am Montag, 11. Jan., wird K l a b n n b , dec Dichter des .Kreidekreis", im Stadt- theatsr sprechen. Da wird gewiß die fol­gende kleine Skizze Interesse finden, die der Dichter uns zur Verfügung gestellt hat.

D. Red.

Ich bin, da ich dieses schreibe, siebenundzwanzig Jahre alt. Aber ich könnte auch schreiben: drei Jahre, oder: fünizigtausend. Ich stamme irgendwo aus ber Mark. Ich bin ein Preuße. Unb meine Farben, bie ihr fennt, sind schwarz unb weiß. Schwarz, bas ist bie Nacht, unb weiß, bas ist der Tag. Ich bin Tag unb Nacht. Ich bin in der Mark geboren, aber früher lebte ich einmal in China unb schrieb, mit einer großen Hornbrille betau, Heine Verse auf große Seibenstreifen. Mein Weg ist noch weit. Wer mich eine Stunbe begleiten will, sott mir willkommen fein. Immer wieder muh id) geboren werben. Ich kann mich noch gut er­innern, baß ich einmal ein Hase war und über die Felder hoppelte und Kohl fraß. Später war ich ein Geier, der ben Hafen bie Augen auszuhacken pflegte. So mordete ich mich selbst. Ich war gut. Ich war schlecht. Ich war schön und häßlich; lieb­reizend und entsetzlich, feige und tapfer, herrisch und knechtisch. Ick) liebe bie Menschen aber ich liebe - sie nicht meyr als bie Tiere ober die Sterne, mit denen ich gerade so zu sprechen vermag wie mit dir, mein menschlicher Bruder. Ich liebe bie Frauen. Allen voran bie liebste Frau, bie mir Tochter unb Mutter Gottes war. Sie ist längst an Gottes Thron zurückgekehrt. Dort steht sie, bie Lilie in der Hand, unb lächelt und weint auf mich herab. Was ihr kennt, ist nur ein Teil besten, was ich bichtete. Oft hat mir ber Winb bie Blätter verweht, auf denen ich schrieb. Ich habe bei meinen vielen Wander­schaften zwei ganze Dramenmanuskripte verloren. Wer sie gesunden hot, soll sie behalten, ob et mfn sein Zimmer damit tapeziert ober ob er sie feiner Frau nach dem Nachtmahl vorliest. Immer wieber

muß ich mit heißer Klinge die klingenden Stümpfe in mir au Ende fechten. Den Kampf ber roten unb ber weißen Rose. Wenn ich einmal verblutet bahin- smke, soll man mir weihe unb rote Rosen aufs Grab werfen. Das soll geschmückt sein wie ein Brautbett, und ein liebendes Paar soll wie Goldregen darauf niederstürzen. Unb noch im Tobe werbe ich bas neue Leben segnen.

Wie Dostojewski in Deutschland bekannt wurde.

Dostojewski gilt heute nicht nur als der größte russische Dichter, fonbern er wirb auch von vielen als das größte dichterische Genie seit Goethe ge­feiert, unb besonbers bei uns in Deuffchlanb herrscht eine Verehrung für ben genialen Rusten, bie sich in immer neuen Ausgaben unb Uebersetzungen äußert. Ein Denkmal dieser Hingabe an eine uns eigentlich so ferne unb fremde Welt ist bas bebeu- tenbe Werk, bas Julius Meier-Graefe im Ernst Rohwolt-Verlag zu Berlin unter bem TitelDosto­jewski, der Dichter" (866) erscheinen läßt. Es ist ein leidenschaftliches Bekenntnis zu dieser mysti­schen Weltgcstaltung, für bie Meter-Graefe mir eine Parallele im Bereich der Kunst, nämlich die Schöp­fung Rembrandts, kennt. Ein Höhepunkt in bem so überaus schwierigen Verftänbnis für Dostojewski ist damit in ber brutschen Literatur erreicht, und es ist interessant, zurückzublicken auf die langen Jahrzehnte, in denen das nicht-russische Publikum und damit auch bas beutsche diesen Romanen gleichgültig unb verständnislos gegenüberftanb. Meier-Graefe hat in den wertvollen Anerkennungen seines Werkes eine Uebersicht über bas Bekannl- werben des Dichters in Deutschlanb geboten, unb daraus ergibt sich, baß ber erste Vermittler Dosto­jewskis an bas deutsche Publikum Wilhelm Wolssohn war, der Freund Fontanes, der über Haupt jo viel für bas Bekanntwerben ber großen russischen Dichter getan hat. Er hat bereits um 1846 ein Bruchstück aus dem Roman Dostojewskis Arme Leute" in einer kleinen Zeitschrift über­setzt. 1850 erschien bann in denBlättern für lite- |

rarifche Unterhaltung" eine Besprechung von Arme Leute", wobei der Dichter selbst Dostojewski genannt würbe. Die nächste Erwähnung bes Dich­ters im beutschen Schrifttum finbeti mir erst 13 Jahre später in einem Bande derRussischen Re­vue", in bem es wieber Wilhelm Wolffohn ist, der Uebersetzungen ausArme Leute" unbAus dem Totenhause" bietet. 1864 äußerte sich Viktor Hehn, der große Kulturforscher unb Goeche- freunb, in derBaltischen Monatsschrift" über DostojewskisAufzeichnungen aus einem Totem Haufe unb bemerkt bazu, daßes vor nicht langer Zeit in Rußland und hier unb ba auch in deutschen Blättern recht viel Aufsehen machte". Diese erschüt­ternde Schilderung seiner sibirischen Erlebnisse wurde uni des Stoffes willen als erstes Werk vollständig ins Deutsche übersetzt, unb zwar itn Jahre 1864. Die Ausgabe ist aber Jo gut wie unverkäuflich ge­blieben unb würbe daher eingestampft. Ein Exem­plar hat sich auf der Berliner Staatsbibliothek er­halten. lieber ben ersten großen Roman Dosto­jewskis, überVerbrechen unb Strafe", bas bei uns besser unter dem Titel des HeldenRaskolnitoiv" bekannt ist, befindet sich 1867 im'Magazin für die Literatur des Auslandes" eine Besprechung, in der es heißt:Das ganze weit ausgesponnene Werk von sechs Teilen mit seinen langen, enbloien Sittenichilberungen entbehrt so sehr gefnnber, lebensfrischer Gebauten wie überhaupt eines kräf­tigen, ftärkenben Geistes, daß dieses neueste Er­zeugnis ber russischen Literatur wohl kaum zu ben bleibenben Werken ber neuen Periobe gerechnet werben kann."

Bis zum Jahre 1880 ist bann ber Name Dosto­jewski in Deutschlanb so gut wie verschollen; erst nach dieseni Jahre wirb er in einigen Uebersichten über bie neuere russische Literatur erwähnt, unb 1882 äußert sich M. Lingen imMagazin für bie Literatur bes In- unb Auslandes":Auf Bekannt- fein in Deutschland kann der jüngst uerftrnbene, viel gefeierte und viel geschmähte Romanschriftsteller Dostojewski wenig Anspruch machen. Schwerlich werben auch seine zahlreichen Werke, namentlich

der Lungentuberkulose Tatsächlich starben auch viele Steinhauer an dieser Krankheit, die ein Beuerner Pfarrer kurzweg recht treffend mit dem WortSteinhauerkrankheit" bezeichnete.

v Grün berg, 6. Jan. Gestern abenb 11.30 Uhr brach in bem Zweiggeschäft ber Kronen- Drogerie Karl Schot!, Bahnhofstraße 1, in einem Lagerraum Feuer aus. Der Freiwilligen Feuer­wehr, welche sofort zur Stelle war, ist 'es zu ver° banken, baß bas Feuer auf feinen Herb beschränkt unb größerer Schaben verhütet würbe. Die Ursache ist g 1 uhenbe Asche.

Sirois Kricdherg.

. Bad-Rauheim, 5. Jan. Daß unsere Rachbarstadt Friedberg zur Zeit über keinen Saal verfügt, der sich zur Abhaltung gröberer Veranstaltungen eignet, wurde früher bereits berichtet. Diese Tatsache gab dem Eisenbahn- vere j n Friedberg, der mit mehreren hundert Mitgliedern alle am Eis en ba h icknot anpunkt Fried­berg und in der Umgebung beschäftigten Beamten und Arbeiter der Eisenbahn umfaßt. Veran­lassung. fein diesjähriges CS intet-Vergnügen hier in Bad-Rauh eim in der Turnhalle des Turn­vereins 1860 zu veranstalten. Die Gaste tarnen mit Sonderzug hier an. aber auch die weiten Räume der Turnhalle reichten kaum aus für die große C is e n b a hn e rf i l ie. Was dem Wintervergnügen der Eisenbahner eine ganz besondere Rote gab, war die Tatsache, daß in bezug auf Ausstattung des Saales unb den ganzen Festverlauf alles echteisenbcchnlich" eingestellt war. Ein Läutewerk und ein Signal- mast zum Anzeigen eines neuen Stückes oder Tanzes waren vertreten, unb auch ein Stations­vorsteher in roter Mütze und zwei Eisenbahn- schaffner taten beim Ordnen der Tanzpaare und bei derAbfahrt" ber Tänze (mit der Signal­scheibe)Dienst". Auch ein besonderer E.sen- bahner-Huniorist fehlte nicht. D'el Anklang fand der gut gespielte SchwankDie letzte Rettung^ von S. Philippi. Der gute Cisenbahnevaeist, der Beamte und Arbeiter gemeinsam beseelt. Tarn nicht nur in der packenden Ansprache des Vorsitzenden. Reg'erungsrats 11 ck o - Friedberg, zum Ausdruck, er zeigte sich auch im ganzen Verlauf des frohen Festes. Eine Weih­nachtsfeier veranstaltete gestern der hiesige ArbeitergesangvereinVolkschor" nachträglich in der Turnhalle. Der unter Leitung! von Handelslehrer Barthel stehende gemischte Chor zeigte sehr gute musikalische Leistungen, und auch sonst bot die Vortragssolge beste Unterhal­tung. Besonders das LiederspielAm Brunnen vor dem Tore" gefiel durch Inhalt und gute Besetzung der Rollen. Eine längere gedanken­reiche Weihnachtsansprache hielt Stadtverord­neter Rößler und fand damit den lebhaften Bei­fall der Anwesenden, die sich aus allen Bevblke- rungskreisen zusammensetzten.

Bad-Nauheim, 6. Ion. Die 5 red quenz des hessischen S t a a t s b a b e s zeigt für das vergangene Jahr einen äußerst günstigen Jahresabschluß. Mit 3 6 18 2 Kurgästen (dar­unter 4982 Ausländern) in 1925 ist nicht nur gegen das Vorjahr 1924 ein Mehr von 6510 Besuchern (darunter 1228 Ausländer) erreicht worben, auch bie Frequenz ber besten Vorkriegsjahre würbe damit Übertritten (1912. 35 876 Besucher), ein Beweis dafür, daß die Heilkraft unserer Quellen immer mehr Anerkennung findet. Daß bie Bäber aber auch in dem Jahre ber Not 1925 fo stark in Anspruch genommen werden konnten, ist nur dem sozialen Sinn des hessischen Staates unb der Kurverwaltung zu danken, bie in weit größerem Maße als früher Ermäßigungen für ben Gebrauch ber Väber unb sonstigen Kurmittel gewährt haben, nicht nur an die Sozial ^sicherten, sondern auch an Volks­kreise, die irülj.. wohlhabend waren, heute aber infolge ihres ge.iagen Einkommens sich aus eigner Kraft keine Kur leisten können. Es wurden in 1925 insgesamt 5710 Kurgästen (1924 nur 3625) entspre­chende Ermäßigungen bewilligt, welch letztere sich wie folgt verteilen (in Klammern jeweils bie Zahlen aus 1924): 20proz. Ermäßigung (Sozialversicherte) 2300 (1600); 25proz. Ermäßigung 650 (380); 50- prozentige Ermäßigung 2100 (1070); 75proz. Er­mäßigung 660 (575). Die Zahl der abgegebenen Väber ist beträchtlich gestiegen; sie betrug 1925 338 042 gegenüber 307 252 im Vorjahr. Die höchste Tagesbübcrzahl war mit 2874 Bädern am 22. Juni zu verzeichnen. Wenn bie Bäberzahlen ber letzten Jahre vor bem Kriege unb auch die ber Inflations­zeit noch nicht wieber erreicht worben sinb, fo ist bas barauf zurückzuführe!,, baß einmal neben ben Väbern auch anbere Kurmittel heute häufiger an- gemanbt werben, dann aber auch auf bie Tatsache, baß infolge ber allgemeinen Wirtschastsnot viele der Kurgäste die Kurzeit auf die kürzestmogliche Dauer beschränkten unb nicht bie 4- bis 5wöchige Zeit ein- die aus der letzten Zeit, z. B. der eigentümliche, immerwährenb in der Schilderung pathologischer Zustände sich ergehende RomanDie Brüder Kara- masow" Verständnis unb günstige Aufnahme in Deutschland finden." Im selben Jahre trat Wil­helm Henckel, der erste verständnisvolle Beurteiler des Dichters, mit seiner Uebersetzung desRaskol-i nikow" hervor, ber ersten gewissenhaften Ver- boutschung, die von der Größe bes Dichters einen Einbruck vermittelte, unb damit mar bie Bahn ge­brochen. 1883 veröffemlichw Georg Branbes in berNeuen Freien Presse" seinen ersten fein­sinnigen Essay über Dostojewski. In ber Henckel- schen Uebersetzung lernte Nietzsche den Dichter kennen, aus dem er mehr über Psychologie gelernt zu haben behauptete als aus irgendeiner anderen Quelle. Durch Henckel und vielleicht durch Brandes ist auch Zola auf ben großen Russen aufmerksam geworben, unb im Zusammenhang bamit hat bann zuerst 1886 Melchior de Boguey Die Franzosen mit dem Dichter bekannt gemacht. Interessant ist es, baß ein so ganz anders gearteter Geist wie Paul Heyse 1883 an Henckel schrieb:Nun erst kann ich Ihnen bunten, daß Sie mir bazu verholfen haben, dies höchst merkwürdige Werk kennen zu lernen, Das in feiner Art vielleicht unerreicht da- stehl, von einer psychologischen Kraft und Tiefe, wie sie selbst unter den Landsleuten des Dichters sich selten finden wird. Er bedauert, keine Kritik schreiben zu können;desto eifriger mache ich münb- licb und brieflich Propaganda, nur bei solchen Freunden allerdings, die sich stacker Nerven er­freuen. Die meinigen waren manchen Partien dieses erschütternden, ntembeflemmenbcn Seelen- gemctlbes kann, gewachsen." In den nächsten Jah­ren erschien eine ganze Reihe von Uebersetzungen, die die Hauptwerke des Dichters verdeutschten; aber in bas größere Publikum begann die Kunst Dosto­jewski erst in dem Jahrzehnt vor bem Kriege zu bringen als bie erste Gesamtausgabe bei R. Piper zu erscheinen begann. Die große Dostojewski-Mobe in Deutschland, in Der wir heute noch mitten inne stehen, Hot erst nach bem Kriege eingesetzt.

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