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wird. Stone Schickele ist Direktor und Ches- rebakteur. Mitarbeiter seien der ehemalige Reichskanzler Wirth für Deutschland. Sl i 11 i für Italien und Bande rvekdc für Belgien.

Die Erwerbslosensürsorge

Berlin, 6. Ian. (WLD.) Im Reichs- a r b e i t S m i n i ft e r i u m wurden die Be­sprechungen über wichtige Fragen der Erwerbs- losenf ürsorge fortgesetzt. Die Vertreter der Länder stimmten dem vom Reichsarbritsmini- sterimn ausgearberteten Gesetzentwurf, der die Einbeziehung der höher bezahlt en (Angestellten in die Erwerbslosen- f ü r s o r g e bezweckt, zu und erklärten sich auch mit den Vorschlägen der Reichsregierung ein» vcrflaitben, durch die Mißbräuchen bei der Befreiung von Beiträgen zur Er- werbslosenfür.'orge gesteuert werden soll. Ein­gehend wurde die Frage des Reichs aus» glcichs zwischen den örtlich verschiedenen 'Bei­tragssätzen erörtert. Die überwiegende Mehr­heit der Länder sprach sich für die schleunige Ein­führung des Reichsausgleichs aus. Kleber die Ei izelheitcn der DurchsHhrung wurde nach mehr­stündiger Aussprache eine grundsätzliche Heber- einftimiw'.ng erzielt.

3u die er halbamtlichen Siachricht weis) eine Derli:er Korrespondenz noch zu melden, daß der Reichsarbeitsmirrister einen Runderlah an die Länder gesandt habe, worin wesent­liche Erleichterungen der produk­tiven Erwerbslosenfürsorge arme- kündigt würden. Die Gemeinden. die RotstandSarüeiten vornehmen, sollen in Zu­kunft, statt wie bisher das Dreifache pro Kopf der Erwerbslosen. das Fünffache des in der Gemeinde geltenden Satzes der Erwerbslosen­unterstützung erhalten. Die Reichszufchüsse wür­den weiter als Darlehn gewährt werden, aller­dings nicht mehr zum Reichsbankdis^ont'atz. son­dern nur noch mit 5 Proz. und austerdem rück­zahlbar erst nach zehn Jahren.

,3ur Verhaftung des Erzbergsrmörders. Berlin. 6. Ian. (Sil.) 2tuf die Meldung der österreioi: sch?n Behörden, dost in Bad Aussee vcnw.tkich einer der E?zbergermörder, Heinrich Schulz, verhaftet worden sei. haben heute die deutsHsn Behörden, ihrer^itS -alles getan, um festzu stellen, vb der in Au'see Fostge- uommene mit b:m besuchten auch wirklich iden­tisch ist. Die Strafverfolgung von Schulz und Tillesfen ist ftin-rzcit bekanntlich durch die C aotS- anwaltschnft Ofs^nburg vergenommei morden, die zuständig war. Doch haben sich zahlreiche Polizei­behörden, besonders die Berliner Polizei, der Angelegenheit angenommen und die beiden Berliner Kommissare Berber und Maslack haben seinerzeit die Verfolgung der Flüch­tigen ausgenommen. Sollte, was ncxfc im Laufe des heutigen Tages zu erwarten ist, von Den öster­reichischen Behörden eine genaue 'Beschreibung des Verhafteten ctttireffcr. und diese bestätigen, daß man es wirklich mit Schulz zu tun hat, wer­den sehr wahrscheinlich deutsche Beamte nach Bad Aussee entsandt werden, um dort auf Grund der den Behörden zur Verfügung stehenden Photographien Vergleiche anzustellen

Zwischen Oesterreich nnb Deutschland besteht der gegenwärtige Auslieferungsvertrag bei Verbrochen des Mordes, auch wenn politische Motive dabei eine Rolle fielen. Aus jeden Fall werden die deutschen Behörden, sobald die Be­stätigung vorliegt, daß Schuld verhaftet worden ist, bei der österreichischen Regierung unverzüglich den Auslieferungsantrag stellen. Schulz dürfte dann zunächst dem Linie», fuchungsrichter beim Landgericht Offenburg vmaeführt werden.

Dem Berliner Polizeipräsidium wurde von Wien aus mitgeteilt, daß die in Aussee verhaftete Perlon zunächst behaustet habe, der Erzber-'^r- Attentater Schulz zu sein. Sie habe diese Be­hauptung aber spater zurückgezogen und sie als Schwindel brZeichnet. Das Polizeipräsidium Berlin hat nunmehr eine Photographie des Schulz nach Aussee geschickt, damit an Hand dieses Bildes feftgestellt toerbcn kann, ob der Verhaftete tatsächlich der gesuchte Schulz ist.

Gegen die Unterdrückung der Deutschen in Tirol.

Dor italienische Generalkonsul in Innsbruck legte im Auftrage seiner Regierung Beschwerde beim Tiroler Landeshauptmann gegen den feindseligen Ton der Rord- tiroler Presse gegenüber Italien ein. Der Tiroler Landeshauptmann teilte die Beschwerde Den Pressevertretern Rordtirols mit, die in ihrer Antwort Verwahrung gegen die italienische Beschwerde einlegen und einmütig auf die na­tionale Bedrückung der Deutschen Südtirols Hinweisen. Angesichts der Unter- drückung der deutschen Presse Südtirols erklären die Rordiirvler Blätter es als ihre Pflicht, die Gewalttaten in Südtirol überall h i n zu verbreiten. Auch die Postangestellten Rord- tirols drohen mit Repressalien gegen Italien.

Der ungarische

Falschmünzerskandal.

Budapest, 6. Ian. (Ung. Tel.--Kor.-Bur.) Die Untersuchung richtet sich in erster Linie auf die Feststellung, in welcher Druckerei die falschen Roten hergestellt sind, und woher das zur Fälschung verwandte Papier stammt. Die Erhebungen im Sarospataker Schloß des Prin­zen Windisch-Grätz, das im Mittelalter gebaut ist und viele unterirdische Gänge und Kasematten ausweist, wurden heute von 25 Geheimpolizisten und Emissären der französischen Kriminalpolizei begonnen. Die Untersuchung ergab, daß außer ein oder zwei falschen Roten, die in Budapest ausgegeben wurden, nur im Haag versucht worden ist, Roten an den Mann zu bringen. Die Gerüchte, es seien falsche Roten im Betrage von 20 Millionen Franken im Verkehr, sind daher unwichtig.

Dec ungarische Falschmünzerskandal ist ge­eignet, Ungarns Stellung unter den südosteuro­päischen Staaten auf das schwerste zu benach­teiligen. Sind so ziemlich alle Rachbarländer mit Frankreich eng befreundet, was für sie schon Grund genug ist, die Rotenfälschungen gegen Ungarn politisch auszubeuten, so ist noch viel wichtiger, daß die Ziele der Fälscher die in den Nachfolgestaaten noch immer bestehende Ang st vor einer Wieder her st cll im ?.

der Habsburg-Monarchie ungemein ver­schärfen, ja zu einer Isolierung Ungarns mit allen seinen unangenehmen politischen und wirtschaftlichen Folgen führen muh. Die Buda­pester Regierung scheint indessen diese Gefahr voll erkannt zu haben, dafür zeugt jedenfalls ihr scharfes und energisches Durchgrcife«.

Griechenland unter der Diktatur

Belgrad, 7. Ian. (SU.) Wie die Blätter aus Saloniki melden, herrscht unter den politi­schen Gegnern des Generals Pangalos Schrecken und Panil. Wegen angeblicher kommunistischer Umtriebe sind bisher mehr als 5 0 0 Per­sonen verhaftet worden, darunter in der Hauptsache Angehörige der demokratischen Par­tei. Alle Verhafteten werden sogleich nach den Aegäischen Inseln gebracht. Unter ben^ Verhaf­teten befinden sich auch zahlreiche Frauen und fremde Staatsangehörige. Allen oppositionellen Politikern ist die Ausreise ver- boien. Es wurde ihnen angedroht, daß jeder Fluchtversuch mit dem Tode be- straft wurde. In demokratischen Kreisen herrscht große Erbitterung gegen die Kommu­nisten, die durch ihre politischen Umtriebe Pan- golos den Staatsstreich und die rücksichtslose Ver­folgung seiner politischen Gegner ermöglichen. (Seaterat Pangalos erklärte Pressevrttretern'Die Außenpolitik Griechenlands wird nach wie vor eine Politik des Friedens sein und auf der Achtung der bestehenden Verträge beruhen. Auch toic finb vom Geiste von Locarno be­seelt und hoffen bald einen Garantie­pakt der Mächte des Balkans unter­zeichnen zu können, der die Ergänzung zu dem Pakt von Locarno darstellen wird."

Kleine politische Nachrichten.

Wie derFränkischen Tagespost" von ihrem Münchener Korrespondenten gemeldet wird, soll gegen Hitler ein Verfahren wegen Meineids ein geleitet fein. Hitler habe in eidlichen Bekundungen übet daS feinerzeitige Vorgehen der Kampfverbände Behauptungen ausgestellt, die der Wahrheit widersprächen. Außerdem ständen verschiedene Behauptungen Hitlers mit den eidlichen Erklärungen, die Auer im Lupve-Streichcr-Prozeß abgegeben habe, im schärfsten Widerspruch.

Der preußische Minister des Innern erklärte sich in einem Runderlaß bereit, die allgemeine Ermäch­tigung zu einer erweiterten Kreditnah me seitens des Kommunalverbandes bei der eigenen Sparkasse weiter auszudehnen, und zwar auf 25 v. .ft. des Einlagcbeftandes bis zum Abschluß des Gemeinderechnungsjahres Ende März 1927, alsdann auf 30 o. ft. des Einlagebestandes bis zum Abschluß des Gemeinberechnungsjahres Ende März 1928.

Der voikspaneiliche Reichstagsabgeordnete und frühere Rcichsjuftizminister Dr. ft e i n z e - Dresden trat die Reife--nach Kairo an, um al« Vorsitzen­der des Konsularobergerichtes in Aegyp­ten die ihm übertragene Ausgabe zu erledigen. Er dürfte anfangs Februar nach Dresden zurück- kehren.

Der Leichnam der K ö n t g i n m u 11 e r M a r- gherita wird am Sonntag von Bordighera ab° transportiert und erst am späten Abend in R o m eintreffen. Am Monkagvormittag erfolgt die kirch­liche Einsegnung und um 3 Uhr nachmittags die Beisetzung im Pantheon, an der die königliche Familie, die Vertreter der regierenden Häuser Europas, die Regierung, die staatlichen Würdenträger und das diplomatische Korps teil nehmen werden.

Rach einer Reutermeldung aus Teheran ist die Bagdader Rachricht übet ein Bomben- Attentat ouf den Schah Riza Khan völlig unbegründet.

Aus aller Welt.

Paul Cafsirer f.

Berlin, 7. Ian. (WTB. Funkfpruch.) Pau! Eassiret ist heute früh verstorben. Eassirer, der sich, wie bereits gemetbet, unter aufsehen­erregenden Umständen in einem Berliner An- waltsbureau in Gegenwart feiner Gattin Tikla Dutieux zu erschießen sucht-, war einer- der mar­kantesten Köpfe im geistigen und gesellschaftlichen Leben Berlins, in der deutschen Derlegerwelt, im internationalen Kunsthandel. Nachdem Eassiret, der 1871 a!S Sohn einer Berliner Kaufmanns­familie geboren war, sich zuerst mit zwei Büchern literarisch versucht hatte, wandte er sich ganz der Förderung der bildenden Kunst zu. gründete 1898 seinen bekannten Kunstsalon in der Diktoria­straße und hatte an der Entwicklung der Ber­liner Sezession, die von hier ihren Anfang nahm, lebhaftesten Anteil.

Et ist es gewesen, bet zuerst die befruchtende Förderung erkannte, die die deutsche Malerei durch den französischen ImprÄfirmismus erfahren könnte, er hat planmäßig aus die Vermittlung zwischen französischer und deutscher Malerei hin- gcarbeitti unb hak die besten Impressionisten (Manet. Cezcriure, van Gogh) aus Frankreich nach Deutschlcrrck gebracht. Als bann die deutsche Malerei die neueste Wendung zum Expressionis­mus nahm, trat er etwas von der OeffenUichkeit zurück. -- In den letzten Jahren wat es um Eassiret immer einsamer geworden. Sern Herz­leiden hatte ihn teigbar und jähzornig gemacht, so daß er sich immer öfter zu übereilten Ent­schlüssen und Handlungen hinreißen lieh, Die seine Mitarbeiter allmählich von ihm abftießen. Das Gefühl dieser Vereinsamung und der eheliche Konflikt mit Tikla Dürren x find es wohl ge­wesen, die in ihm ben Entschluß zum Selbstmord reifen ließen.

Nene Hochwassergefahr in Holland.

Amsterdam, 6. Jom (WB.) Rach den neuesten Meldungen aus dem Hochwafsergebiet ist das Wasser in den meisten Flüssen weiter gefallen, so in der Maas. Bei Mast richt fiel nach das Wasser um weitere 12 Centimeter. Dagegen ist im Fallen des Rheines bei Arn­hem seit heute morgen ein Stillstand eingetre­ten. In der Gegend von Deventer wird die Lage weiterhin als äußerst kritisch ange­sehen. Reue Gefahren drohen weiter von der noch steigenden Ijssel sowie für das rechte ilfer ver Docht, die nachts bei bet Ortschaft Dalfsen, d-.m Deich in einer Breite von 15 Metern durchbrach, und sich großer Gewalt in die dahinter liegenden fruchtbaren Landstriche er­

gießt. Große Gebietsteile sind hier von einer Uelerschwemmung bedroht. Aus Hertogen- bosch wird gemeldet, daß die Dommel bet Ducht über das Ufer trat. Bei Rpm wegen gelang es, den Eisenbahnverkehr wieder herzu- stellen.

Dcr Rhein in seine User znrückgetreten.

Köln, 0. Jan. (Sil.) Der Rhein ist hier im Lause des Tages in seine Ufer zurückgetre- ten, so daß man jetzt den ganzen Um­fang der vom Walser angerichteten Der­rn ü st u n g e n überblicken kann. Die Schäden, die das Wasser an den Häusern und Straßen an- gerichket hat, werden sich/ in ihrer vollen Höhe erst nach geraumer Zeit ermessen lassen. Die Derbindung mit Mühlheim ist jetzt vollstän­dig wiederhergestellt. Auch die R h e i n u f e r« bahn Köln Bonn hat ihren Betrieb auf der ganzen Strecke wieder aufgenommen. Die Schiffahrt, die bereits gestern vereinzelt begon­nen hatte, hat heute wieder voll eingesetzt. In der vergangenen Rächt ft ü r z t e in dem Hause Dutterinarkt 7-9 int ersten Stock eine Decke ein, die das erste Geschoß durchschlug, das in den Keller stürzte, wobei drei Personen mitgerissen wurden, Die aber nicht erheblich ver­letzt wurden. Das Haus wurde geräumt und gestützt. Seine Grundmauern waren vom Hochwasser unterspült, und wahrschein­lick) fj-at bas Erdbeben bas Haus ins Wanken gebracht.

Erdstöße itt Rheinland und Westfalen.

Wie schon kurz gemeldet, wurden Mittwoch nacht um 12.40 Uhr in vielen Orten des Rhcinlandes und Westfalens, in Koblenz, Euskirchen. Köln, Aachen, Reitst, Düsseldorf, Elberfeld, Ohligs. Mettmann und in Orten in der Rahe von Dortmund Erderschütterun­gen verspürt. Die Fernsprechämter Dortmund und der benachbarten Städte werden von Leuten mit Anfragen bestürmt, die Erdstöße wahrgeirom. men haben. Auf dem Fernsprechamt in Castrop fielen die Bücher aus den Bücherschränken.

In Köln sah man in einzelnen Straßen Menschen, meist nur flüchtig bekleidet, ins Freie eilen. Wie dieKölnische Zeitung" meldet, wurde auch in Frankfurt. Hamburg und in Städten Westdeutschlands eine Erderschütterung wahrge­nommen, die mehrere Sekunden dauerte. Das Erdbeben bestand aus zwei Stoßen, die sich von Osten nach Westen bewegten. Der zweite Stoß war der heftigere und wurde besonders in Elbe» selb, Barmen, Opladen, Vohwinkel, Köln, Aachen, Bonn und Krefeld toangenommen. Einige Tische und Stühle sollen infolge des Bebens umgefallen fein. Sck'aden wurde nirgends angerichtet.

Merkwürdiges Raturercignis.

In Sontra (Kreis Rotenburg) brach auf dem steingepflastcrten Hofe eines landwirtschaft­lichen Anwesens ein starker Wasserstrahl hervor, der mit unheimlicher Gewalt sich seinen Weg bahnte. Die Durchbruchsstelke hatte nach kurzer Zeit einen Durchmesse-r von etwa l'.'z Meter und der Wasserstrahl eine Höhe von über z w e i Metern erreicht. Die Gewalt des WasferS war so groß, baß ein etwa zentner­schwerer Stein, mit dem man Me Oeffnung ver- ftvpfen wollte, einfach i n bt e Luft geschleu­dert wurde. Die Waffermassen setzten das An­wesen und auch die Rachbargehöfe völlig un­ter Wasser und richtete in ton Kellern großen Schabe man. Später lieh die Gewalt des Wassers nach imb es blieb nur noch eine Geschwindigkeit von etwa 20 Sekunbenlitern. Die Ermittelungen ergaben, bah inan es hier mit einer neuen Quellezu tun hat, wie sie hier wiederholt auf- Qgetreten, nach einiger Zeit aber wieder zum Dersiechen gekommen sind.

Ausbruch bes vejtw.

Am Westhang des Eruptionskegels des großen Bejuvkraters bildete sich plötzlich eine Oeffnung, durch die Lava heraus fließt. Eine andere Oeffnung zeigte sich am nördlichen Fuße des Ke­gels. Auch hier ist Lava ausgeflossen. Starke Explosionen erschallen in der Mündung des Eruptionskegels. Professor M a l l a d r a , Direktor des Vefuv-Obseroatoriums, erklärt, daß der erneute Ausbruch des Vesuvs vorläufig keine Gefahr für Die umliegenden Ortschaften bedeu­tet, weil er sich im Innern des Kraters vollzieht. Er macht ferner darauf aufmerksam, daß diese Ausbrüche im Innern des Kraters beim Vesuv feit April v. I. nicht mehr vorgekommen sind.

Eröffnung der Zugtelephonie im V-Zug Berlin Homburg.

Berlin, 6. Jan. (TU.) Der Einladung der Reichsbahn und der Reichspost folgten heute abend die Vertreter Der Presse, um der (Eröffnung Der Zugtelephonie im v-Zug BerlinHamburg bci= zuwohnen. Durch Bestimmung Des Loses konnte Der Vertreter Der TU. sich schon kurz hinter Berlin von Dem glänzenden Erfolg Des Experimentes über­zeugen. Rach dem heute gelungenen Versuch wird Das Retz der Zugtelephonie durch ftinzunahme an­derer Hauptstrecken der Reichsbahn erweitert, zu­nächst auf der Strecke BerlinMünchen und Ber­linFrankfurt o. M. Künftighin hak jedermann Das Recht, gegen Entrichtung Der Gebühren die Be­förderung von Rachrichten vom und zum fahrenden Zuge zu verlangen. Die Gebühren betragen für ein Telegramm von zehn Worten 3,60 sJJlL; für ein Dreiminutenqefprcich 5,40 Mk. und für eine Bestellung 1,80 Mr.

Prvf. Eucken Ehrendoktor der LIniverMt Jena.

Geheimrat Prof. (Surfen ist zu seinem 80. Ge­burtstage von der juristischen FFakultcft der Mniocrfltät Jena zum Di', juris 1). c. ernannt worden.

Sie Königsgrenadiere" in Mainz verboten.

In den hiesigen Markt-Lichtspielen wurde bet seit vier Tagen lausende FilmDie Königsgrena« biere" während der Dorsteliung von Der fran­zösischen Desahungsbehörde verboten. Die Vorführung muhte abgebrochen und Den Be­suchern das Eintrittsgell» zurückerstattet werden.

Aus brr Bühne erstochen.

Ein entsetzliches Hnglürf ereignete sich in Volkmarsen (bei Kassel> bei einer Theater- aufführung, die Der katholisch? Iünglingsvetein Volkmarsen veranstaltete. Zwei junge Leut? hakten die Rolle eines Polizisten bzw. eines Ver­brechers zu spielen, wobei nach Der Szenenvor- schrist der Polizist seinen Partner er­schießen mußte. Doch der Schuh ging nicht los. Am den Anschein eines wirklichen Kampfes zu erwecken, zog Der den Polizisten darstellende Spieler den Dolch und traf feinen Partner, ben 18 jährigen Sohn des Försters Orlowski, so un­glücklich in die Herzgegend, daß er mit dem nach Der Szenenvorschrift vorgefchrieveneu RuseHilfe! Hilfe' Ich sterbe!" zusammen-

b r a cf). Bald darauf ist der junge Mann seinen Verletzungen erlegen.

Sier Kinder derbrannt.

Bei einem Brande in Liftovel (Ontario), in Kanada. Der durch das Umfallen einer Petroleumlampe entstand, isnd vier Kinder einer Familie ums Leben gekommen.

Trüber, mitte, westliche Winde, mäßig starke Regenfälle.

Im Zwischengebiet eines nordöstlichen Ge­bietes hohen Druckes und eines von Rordwesten gegen Den Kontinent vor rücken den Tiefdruck-Ge­bietes ist vorübergehend ruhiges, zeitweise hei­teres Wettet eingetreten, während Die Regenfälle in Den letzten 24 Stunden nachgelassen haben. Das nordwestliche Fallgebiet hat zwar etwas an Stärke verloren, es schickt aber seine Ausläufer langsam nach Mittelteutschkand hinein vor. Danilt hält die Westluftströmung an. so daß neue Rieberschläge, wenn auch von mäßiger Stärke, zu erwarten sind.

Gestrige Tagestcmperatuven^ Max'.mum 5,4 Grab C., Minimum: 2,7 Grad C. Riederschläga 0,8 Millimeter. Heutige Moraentemperatur: 3,2 Grad C.

Aus der ProvinzialhauMadt.

Gießen, den 7. Januar 1926.

Patience.

Das vielgestaltige, neroenzerrüttende Leben der Gegenwart kennt keine Ruhe und keinen Feierabend. Boni frühen Morgen bis tief in die Nacht ist es ein Haften und Eilen, Schaffen und Mühen, Sorgen und Quälen. Ungelöste Probleme gehen mit uns schlafen und verfolgen uns oft in grotesker ober grausamer Weise in unseren Träumen. Uni) will man sich einmal von all Dem befreien, bann sucht man ben laut tosenden Alltag durch noch auf- peitschender- 'Vergnügen zu übertönen. Man kann aber auch ben entgegengesetzten Weg gehen, durch eine stille, friedfertige Beschäftigung, die restlos die Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, allen Gedanken an die Gegenwart entrinnen mit Hilfe der Pa­tience.

Das Spiel mit ben vielen, kleinen Kärtchen er« forbert, wie schon sein Name sagt, Gebulb! Um sich aber einem Gcbulbspiel roibmen zu können, braucht man vor allen Dingen Zeit. Diese fehlt aber ber beute mehr benn je auf Erwerb angewiesenen unb für hunberteflei interessierten Jugend so sehr, baß nur wenige überhaupt wissen, was Patience ist.

Trotzdem glaube ich nicht, baß bas zur Gebulb erziehenbe unb durch die Ausschaltung der un­erquicklichen Gegenwart nervenberuhigende «spiel im Aussterben begriffen ist. Sv friedlich wie die Beschöf- tigung mit ben zierlichen Kärtchen ist, so bcscheiben hält sich die Patience verborgen. Es liegt nicht in ihrer Art, marktschreierisch von sich zu reben, es steht ihrem Wesen nicht an, durch irgendwelche modernen Mittel, etwa ber Reklame, um neue Frennbe zu werben, sie weiß genau, tuet sich zum Umgang mit ihr eignet, findet irgendwie Den Weg zu ihr. Unb hat man sich ihr erst einmal verschrieben, bann ist man zeitlebens mit ihr verbunben unb Fann nicht mteber von ihr loskommen. Einmal versuchte ich. mich bern Bann ber Patience zu entziehen, weil' ich glaubte, bic kostbare Zeit nützlicher unb vorteilhafter für mich verroenben zu können unb verbrannte Dir armen Kärtchen! Aber wenige Monate später ergriff mich bic Reue, unb ein neues Doppelspiel hielt seinen Einzug!

Wie ich die Bekanntschaft der Patience machte? Ich verlebte einst meine Sommerserien in ber Nähe von Limburg. In Der gleichen Pension weilte eine Same, welche Die reizenDen Kärtchen besaß unb sich bes öfteren bamit beschäftigte. Sie erklärte mir bic .ftarfe" unb vertraute mir, ber bamals Zwölf­jährigen, verschiebentlich bas Spiel an, als sie mein brennenbes Interesse unb mein rasches Derstänbnis bafür wahrnahm.

Dann begegnete ich erst einige Jahre später, un­mittelbar vor Ausbruch des Krieges, ber Patience in ber Französischen Schweiz wicbei. Dort lernte ich eine russische Generalin unb mit ihrla dame qui sort" kennen. Da ich inzwischen erwachsen war unb über Taschengelbverfügte kaufte ich mir bamals dis Pcttiencekcirtchen, unb wir übten um bic Wette Ge­duld.

«später war ich einmal in einem kleinen Schwarz- roalborte zur Erholung. Der Lehrer des Dorfes, ein einsamer, älterer Junggeselle, besaß auch seine Pa­tience, deren Namen er leider nicht kannte. Er lehrte sie mich gerne, unb ich legte ihm meine beiden Spiele, aber er fand nicht viel Gefallen daran. Meine ist Die schönste," erklärte er,warum mehr als eine spielen, jedes Spiel ist doch anders!* Das stimmte wohl, unb bie beiden Damen hatten auch jede nur eine einzige, aber es knüpften sich für mich so viele Erinnerungen daran, daß ich, wenn ich ein­mal Zeit fand, alle drei spielte.

Bald darauf befreundete ich mich mit einem jungen Mädchen, bas auch Anhängerin der Patience war, und dem ich die Kenntnis bestürkischen Halb- monbes" verdanke.

Als ich kurz danach meine Verwandten in Düs­seldorf besuchte, war ich erstaunt, zu sehen, daß auch mein Onkel Patience legte. Während die übrigen saßen und plauderten, zog sich Onkel Richard in Die Zimms recke unter die behagliche Stehlampe zurück unb war für nichts mehr zu haben. Natürlich habe ich mir auch seine Patience,le mariage", um­gehend ungeeignet.

Die letzte Patience, bie mir begegnete, habe ich von einer mir befreundeten, alten Same, und sie trägt ben unheildrohenden Namenber doppelte Dämon", weil bei diesem Spiel zweierlei Klippen zu umschiffen sind, toobnrd) die Patience einen be­sonderen Reiz erhält.

Irgendwo hielt ich auch einmal ein Buch in Händen, indem unzählige Patiencen beschrieben waren unb wollte es mir im ersten Impuls an- schasfen. Dann aber gebuchte ich ber schönen, leben­digen Erinnerungen, die mir jede auf meine Weise erworbene Patience erweckt, unb bic mir durch solch erlcbnislose Aneignung entheiligt erschienen, unb ich unterließ es. Das Leben kann mir ja noch so viele Derartiger Begegnungen bringen! Neugierig bin ich nur darauf, ob und wann ich eine mir schon bekannte Patience treffe! Aber bas weiß ich, wenn ick. auch oft Wochen unb Monats hinburch keine Zeit für Die kleinen Kärtchen finDe, werde ich sie doch niemals wieder schnöde abzuschütteln ver­suchen, Denn kein Buck), keine Unterhaltung und feine Geselligkeit kann Die Gegenwart jo gut ans-- löjchen wie die Patience. s2( n n i c A.

Statistik der Pfarrbezirke in Metzen.

Die Zentralstelle für die Lanbesstatistil ver- öffentlio)t in Dem jüngsten Heft ihrer Mitteilun­gen die Ergebuiffc der Volkszählung