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Nr. 285 Drittes Blatt Gießener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Gberheffen) Montag, ü. oezeinber 1926

Wochenendtagung des yeimatdienstes in Gießen.

3n der Turnhalle der Schillerfchule veranstaltete cm Samstagvormittag der Heimatdienst für Die Lehrer und Bürgermeister des Kreiles eine Wochenendtagung.

Eröffnet und einqeleitet wurde die überaus stark besuchte Bersan.nilung von Prooinzialdirektor Q r n * - , bei belonders aus die Unparteilichkeit sol- N)er Beranstalltingen hinwies.

Als erster Redner sprach Pros. Dr. Raab, früher Privatdozent dn der hiesigen Universität, über Gegenwartsausgaben der Volkswirtschaslspolitik.

Drei Probleme: Finanzen und Steuerdruck. Woh­nungsnot und Wirtschaft und Arbeitslosigkeit legte er seinen Ausführungen zugrunde. Einleitend führte er aus, daß in Deutfchlanb 40 Proz. der Gesamtbc- oölkerung zur Erzeugung von Nahrungsmitteln er­forderlich sind, gegen nur 20 Proz. in den Ver­einigten Staaten. Während an diesen Grundursachen der Verschiedenheit der wirtschaftlichen Leistungs­fähigkeit der Länder nichts geändert werden kann, lassen sich aber Nöte, durch organisatorische Fehler hervorgerufen, beseitigen. Als Tatsache steht fest, daß heute die Steuersummen geringer als das Bedürfnis danach ist. und dost der Steuerdruck zu hoch ist. Da­her wirkt die Steuerlast als Konsumbeschränkung. Nach neuesten Feststellungen der Stadt Kassel zahlt ein Steuerzahler 85 verschiedene Steuerarten. 1913 betrug der Steueranteil des Einkommens 10 bis 11 Prozent, 1924 dagegen 24 bis 26 Prozent. Da manche Steuerarten auch depressiv wirken, ergibt sich, dost bei einem Einkommen bis zu 7000 Mk. die Gc- famtsteuerlast proportional sich auswirkt. Der Steuerdruck wird sich aber noch erhöhen, da zur Zeit ^'Milliarden Mark von einmaligen Einnahmen gedeckt werden und das Reich noch einen Nachtrags- etat von J MUiarden Mark hat. Somit erhöht fiel) die Steuerlast in den nächsten 3 Jahren um 14 Mil­liarden Mark. Durch folgende Maßnahmen kann ober nur eine Milderung herbeigeführt werden: 1. Cs hat eine durchgreifende Verein­fachung des Steuersystems durch Beseiti­gung der kleinen Steuern, deren Erhebungskosten zu hoch sind, zu geschehen: 2. must eine einheitliche 'Steuervcrwaltung einsesten. Sämtliche Ver­anlagungen haben noch einheitlichen Gesichtspunk­ten zu geschehen. Die Lohnsteuer kann vom Arbeit- Lieber durch einen festen Hundertfatz erhoben werden, ebenso die Sozialversicherungsbeiträge. Hunderte von Millionen können durch Vereinfachung des ganzen Steuersystems erspart werden. Das A r b c i t s - lofenproblem, das auf Deutschland noch vier Jahre lasten wird, weil wir bann mit dem Ge- burtenausfaU des Krieges 200 000 Menschen weniger Im Erwerbsleben stehen haben, kann nur durch ein neu gestaltetes Wohnungsbaupro­gramm gelöst werden. Die Verwirklichung dieses Programms erfordert ein Kapital von 8 Milliarden Mark und ist auszuführen, wenn der Wohnungs­bau unter stärkster Heranziehung des internatio­nalen Kapitalmarktes vollständig privatwiri­sch a f t l i ch unternommen wird. Dabei dürfen die Mieten der neuen Wohnungen höchstens 15 öle 20 Prozent über der alten liegen- dies ist zu ermöglichen, wenn der Unternehmer i der Bausumme aufbringt und $ von einer staatlichen Bodenkreditbank erhält, die das Geld zu 8 Prozent sich verschaffen kann, aber es zu 1 Prozent an Den, der bauen will, abgibt; dis restlichen 7 Prozent plus Verwaltungskosten wären von dem Teil der Miet­zinssteuer zu decken, der seither als Baukapital hin- ausgegeben wurde. Berechnungen haben ergeben, daß man im ersten Jahr nur 100 Millionen Mark zur Deckung der Zinsdisserenz braucht, während zur Zeil j Milliarde der Mietzinsfteuer zum Bauen ver­wandt wird.

Den zweiten Vortrag hielt Stuhtenrat Körber, Frankfurt a.M., über

Der Gedanke der Bismarckschen Skaalskunfl für die Gegenwart.

Der Redner führte u. a. aus Bismarck hat für alle Zeit für das deutsche Volk eine große Bedeu- iung. Nicht dos Bild Bismarcks mit dem Panzer und Helm, sondern der Bismarck, dessen Größe in seinem Mahhalten bestand, soll uns Führer sein. In seiner ersten politischen Tätigkeit als preu­ßischer Vertreter im Bundestag lernte er: 1. Er­werb von Sachkenntnis in politischen Dingen, 2. den Parteimann ablegen, 3. Interessen des Vater-

OerFrosch mit derMaske

Roman von Edgar Wallace.

8. Fortsetzung. Nachdruck verboten

Es war ärmlich und schäbig möbliert. Der Lehn­stuhl neben dem Kamin hatte gebrochene Federn, in der einen Ecke stand ein unordentlich gemachtes Bett und in der Mitte des Zimmers ein Tisch, den ein fleckiges Tuch bedeckte. Darauf lagen einige Bücher und ein paar Blätter Papiers, die mit un­geschickter Kinderfchrift bedeckt waren.

Elk las neugierig:Der Mann hat einen Hund. Der Mann ruft den Hund und der Hund bellt den Man an." Es gab noch mehr Blätter dieser Art. Die Bücher waren Fibeln der Volksschulklasse. Elk sah umher unb gewahrte ein billiges Grammo­phon unb auf der Krebenz ein halbes Dutzend zer­kratzter und beschädigter Platten.

Er drehte das Gas auf und zündete es an. nachdem er den Riegel vorgeschoben hatte, um sich gegen Uederraschungen zu sichern. Die vorn Hellern Licht beschienene Armseligkeit des Zimmers erschüt­terte ihn. Der Teppich mar abgetreten und voller Löcher. Es gab fein Möbelstück, das nicht Schäden getragen hätte Auf der Kredenz stand die Rechen malchine eines Kindes, ein mit Drähten bespannter Raymen, auf welchem Perlen aufgereiht waren, und woran man die Kleinen zählen lehri. Ein Pa­pier auf dem Kaminsims zog ihn an. Es war eine Kopie des Millionenkontraktes, den Maitland heute morgen unterschrieben hatte. Seine klare Unter­schrift mit dem charakteristischen Schnörkel stand Darunter. Elk legte das Papier zurück und begann die Wohnung zu durchsuchen. In einem Geschirr- schrank neben dem Kamin fand er eine eiserne Geldbüchse, in der Münzen klapperten. Etwa hun­dert Briefe lagen dabei, an Ezra Maitland, 193, Eidorstraße, Tottenham, adressiert. Es waren ent­weder Zirkulare von Geschäftsleuten ober politische Pamphlete, mit welchen bie Kandidaten ihre Wäh ter überfluteten. Sie waren alle uneröffnet. Sonst gas es nichts Jnterefiantes in dem Zimmer. Es war sicher, baß Der alte Mann hier schlief, aber wo war das Kind? Elk drehte das Licht ab und ging die Treppe hinauf. Die Türe war versperrt

landes über Gefühle von Liede und Haß zu an deren überordnen, und 4. auswärtige Politik könne keine Jllusionspolittl. ionbern nur Sachpoiiiik fein. Hinter all feinem politischen Wirken stand fein per­sönlicher Mut, Der mit außerordentlich großem Ber- antwori'inasgefühl gepaart war, der auf einer schlichten Frömmigkeit fußte. Dos Werden des Reiches war bedingt für ihn durch seine außen- politifdie Arbeit. Hier galt es vorerst Freundschaf­ten zu erwerben, sein Maßhalten zeigte sich so recht nach Der Schlacht bei Köniagrätz. Rach dem Zu standebringen dcs Reiches, das nicht allein durch gro'.e Siege gelang, sondern in erster Linie besiegte die Staatskunst Bismarcks den Partikularisnnis bet Fürsten, war seine auswärtige Politik die Desen- sioc, um dem jungen Reiche Ruhe zur Entwicklung zu gönnen. Direkt genial ist daher sein Bündnis mit Oesterreich unb der Dreibunt); daß aber biete Bund niiie nicht für die Ewigkeiten feien,, wußte auch Bismarck. Aus dieser Einstellung, dem Reiche Ruhe zu sichern, ist seine Stellung im Kulturkampf und in der Bekämvsung der Sozialdemokratie zu ver­stehen; hierin sah er Beunruhiget des Reiches. Die Imponderabilien der geistigen Bewegungen in einem Volk hat er dabei aber verkannt. In der Sozial- vcrsicherungsgesetzgebung gab er dem Volk aber ein Werk, in dem er zum erstenmal das Wirken der ganzen Nation sah. Nicht nur aus seinen Erfolgen, sondern auch aus feinen Niederlagen kann das Volk lernen.

Die hessische Hartsteinindustrie und die Frredhosskunst.

Die hessische H a r t st e i n i n d u st t i e, die ihren Sitz in Starkenburg und in Oberhessen hat, leidet unter mancherlei Schwierigkeiten des Ab- satzes; selbst die Konkurrenz schwedischer Steine macht sich geltend. Diese Industrie zählt mehrere lausend Erwerbstätige. Nicht selten stößt sie aus Widerstand bei der Friedhofskunst; auf man­chen Friedhöfen ist die Verwendung von Hartstein überhaupt ausgeschlossen. Der Anlaß zu dieser Aech- tung sind die polierten Grabsteine. Wie Prof. Dr. Georg H a u p t, der Leiter des Gewerbemuseums in Darmstadt, in einemV o n neuer Friedhofs- k u n ft" betitelten Aussatz in der ZeitschriftVolk und Scholle" zeigt, kommt es nur Da rau* an, den Hartstein richtig zu bearbeiten. Er schreibt u. a. dazu:Wird der Hartsteln scharfkantig behauen mit ebenen Flächen, so erscheint er kalt unb leblos, von erzwungener Steifheit. Das liegt aber nicht am Material, sondern an seiner Behandlung, Granit verträgt keine Formgebung, wie sie sich bei der Bearbeitung weicher Gesteinsarten ausgebildet hat. Es wird sich nur darum handeln, bie richtigen Methoden für seine Behandlung zu finden. Das lehrreiche Vorbild haben wir in der Plastik der alten Aegypter. Aegypten ist das klassische Land für die Behandlung des harten Gesteins. Die Fülle von Denkmälern, die die alten Aegypter in solchem Ma­terial ausgesührt haben, unb der Umstand, daß Ihr plastischer Sinn sich gerade an diesem Material ent­wickelte unb übte, verschaffte ihnen eine Meister- Ö:, die sonst nirgends erreicht ist. Nickt darum

eit es sich, daß wir für unsere Friedyofskunst, soweit Hartstein in Betracht kommt, ägyptische For­men entlehnen, fonbem darum, daß wir für die Be­handlung des Materials bei ihnen in bie Schule gehen. Die übte Gewohnheit, daß der Steinmetz bei feiner Arbeit in Abhängigkeit bleibt von dem Reiß- brett des Zeichners, macht sich nirgends so lästig geltend, wie gerade beim Granit. Scharfe, bestimmte Formgebung widerspricht der Eigenart dieses Ma­terials. Der Eindruck einer unfaßbaren, von innen dringenden Kraft, der ihm In so hohem Maße eigen sein kann, wird durch scharfe Kanten unb knappe Formen zerstört. Die Aegnpter haben es wundervoll verstanden, dieser Eigenschaft des Steins Rechnung zu tragen. Ihre Profilierung ist so leise wie mag lich, und bie Behandlung der Oberfläche erstrebt überall eine Rundung und Weichheit, welche bie Schönheit bes Materials zu vollster Wirkung bringt. B e i richtigerVerwenbung ist b e r Hart- ft e i n für unsere Friebhöfe sehr geeig­netes Material. Für die hessischen Fachschu­len wäre es eine dankbare Aufgabe, seine richtige Verwendung in diesem Sinne zu üben." Bei dieser Gelegenheit weist Prof. Dr. Haupt auch darauf hin, baß die Steinmetzen vielfach nicht die für Hart­stein geeignete Schriftform bei Grabsteinen wählen. Er meint, sie hielten sich allzusehr an die Schablone und die Muster wären veraltet. Schrift­

iünstler unb Steinmetzen müßten in dieser Frage zusammengchci. Pros. Haupt erklärt, daß Hellen bie Steine habe, die Fachschulen und die Schreiber; er denkt hier in erster reime an bie erfolgreichen Offenbacher Schriftkünstler.

Strafkammer Gießen.

* Gießen, 3. De; Am 5. April 1926 fahr ein Metzger von Allertshausen auf einem Aad die Kreisstraßc nach Londorf zu. Er fuhr sehr schnell, To daß Passanten ihn In Voraussicht eines Unglückes warnten. Trotzdem verringerte er seine Schnüllgke't nicht und fuhr dabei auch in einer steilen, u.übersichtlichen Stunx einen 60jährigen Landwirt so unalückl.ch an. daß dieser alsbald verstarb Oa-3 Amtsgericht Grünberg hatte wegen fahrläfttge Tötung aus zwü Monate Gefängnis erkannt. Die Strafkammer wandelte diese Strafe mit AücNichi auf die Jugend, lln« bestraftheit und sonstige gute Führung des An­geklagten in eine Geldstrafe von 300 Mk. um

Unter Ausschluß der Oessentlichkeit wurde gegen vier junge Leute auS Vurg-Gemün- d e n verhandelt. Mitte Juni dS. IS. war dort ein junges Mädchen aus einem Aachbardors von jungen Leuten in der gröblichsten Weise wörtlich und tätlich beleidigt wor-den. Zwei An­geklagte wurden mangels ausreichende.: Beweises freigesprochen. Die anderen bc den behielten ihre Gefängnisstrafen oongtoei unb einet Woche.

Buntes Allerlei.

Edison über bie Stabt bet Zukunft.

Der greife Erfinder Edison, der so viel für den technischen Fortschritt geleistet hat, tut einen Mick in die Zukunft und schildert im .Forum Magazine", wie er sich die Drohstabt in fünfzig Jahren vorstellt. Zeitsparende. Maßnahmen wer­den daim noch weiter entwickelt sein als heute, und die Derkehrssragen werden von dem Mathe­matiker gelöst werden, der den jetzigen lebenden Derkehrsschuhmann durch wissenschaftlich arbei­tende Maschinen erseht. In manchem wird es den Leuten dann besser gehen als heute, aber in manchem auch schlechter. So erhofft der Weise von Menko-Park eine erstaunliche Herabsetzung der Steuern, weil daimbie Städte von Sach­verständigen verwaltet sein werden", aber er furchtet eine grobe Zunahme der Verbrechen. Die Regelung deS Verkehrs erwartet er von zwei Methoden, einmal von der Anlegung besonderer Straßen sür die raschen Beförderungsmittel und dann von der ünterfcrücfung der Straßenkreu­zungen. Die Dächer, die jetzt im allgemeinen unbenutzt sind, werden in Landungsstellen für Flugzeuge verwandelt werden, da man durch die Vervollkommnung des Helikopters imstande sein wird, senkrecht herunterzugehen. Das wird aber eine Menge neuer Anglücksfälle mit sich bringen, ohne freilich die allgemeine Verwendung des Flugzeugs aufzuhalten. Edison glaubt, daß der Lärm in den Städten der Zukunft sehr viel größer sein wird, so groß, daß die Menschen es in diesem Höllengetöse nur aushalten können, wenn sie so ziemlich taub werden. Der Verlust des Gehörs, den er voraussieht, wird eher ein Segen als ein Hindernis für den Stadtbewohner sein. Der Erfinder spricht aus eigener Erfahrung, denn er ist fast völlig taub geworden und emp­findet das durchaus nicht als störend, sondern glaubt, daß dadurch seine Aerven gestärkt wor­den sind. Durch die Verkümmerung des Hör­sinnes werden nach seiner Ansicht die andern Sinne eine bessere Ausbildung und Verschärfung erfahren. 3n fünfzig Jahren muß es wirklich eine Lust sein zu leben.

Das Kamel als Foxtrott-Tänzer.

Ein neuer Foxtrott macht augenblicklich in Lon­don Aussehen. Er führt den schönen TitelWenn die Sahara schläft" unb wirb auf ber Bühne bes Viktoria-Palastes getanzt von einem Kamel! DasSchiff ber Wüste" bewegt sich rhythmisch unb so anmutig, wie ihm irgend möglich ist, zu ben Klangen biefer verführerischen Musik in grellem Licht ber Scheinwerfer. Doch die Wirkung bes Tanzes auf bas Kamel ist fast zu stark. Wie ein Lonboner Theaterblatt erzählt, folgte es kürzlich allzu wörtlich ber Aufforderung der Musik, unb schlief ein. Durch kein Mittel tonnte es bazu be­

nutz hier waren feine Instrumente ohne Nutzen, denn es war ein Patentschloß unb erst kürzlich an­gebracht. Vielleicht ist das Kinb hier, backte er. Ein zweites Zimmer, sichtlich bas ber alten Frau, war ebenso ärmlich möbliert, wie das Wohnzimmer unten. Elk trat auf ben Treppenabsatz hinaus unb just als er bie erste Stufe hinabstieg, horte er einen scharfen Ton. Er horchte, aber alles blieb still.

Elk war ein Mann von guter Beobachtung unb er war ganz sicher, daß bas Tor offen gestanden war, als er bas Haus betreten hatte. Jetzt war es von innen verriegelt unb ber Schlüssel stak im Schloß. War es bas Kinb, bas durch seine An­wesenheit erschreckt, bas Tor versperrt hatte? Elk war klug genug, seine Forschungen nicht allzuweit auszudehnen. Er ging, so leise er es vermochte, den Gartenweg entlang auf bie Straße hinaus. Hier wartete er, indem er einen Posten cinnahm, wel­cher ihn befähigte, bie ganze Länge ber Eidorstraße unb ben Heinen Weg, ber sich in ber Mauer öffnete, zu überschauen. Bald daraus sah er bie Maillanbs zurückkehren. Der alte Mann trug bas Einkaufs­netz, bas jetzt angefüllt war. Elk sah bas Grün eines Kohlkopfes, als sie unter ber Laterne vor­beigingen. Er beobachtete sie, bis sie in ber Fin­sternis verschwanden unb hörte ben Klang ber sich schließenden Haustür. Fünf Minuten später kam eine dunkle Gestalt den Weg Hintes den Häusern hervor. Elk beeilte sich, den Mann zu verfolgen. Er tauchte in ein Labryrintb kleiner Gassen unter, der Detektiv ihm immer auf den Fersen. Er ging schnell, aber nicht zu schnell für Elk, der ein aus­gezeichneter Fußgänger war. Im Lichte der Haupt- strahe drehte der Fremde um und Elk hielt ein Duuend Schritte hinter ihm. Aber er konnte sein Gesicht nicht eher sehen, als bis ber Verfolgte bie Türe eines wartenden Autos auftat und hin- einfprang.

Es war Joshua Broad, ber Mann, ber Schlüssel­ringe in Whitehall feilhielt, in der teuersten Woh­nung wohnte und Zeit fand, sich für Ezra Mait­land auf bas nachbrücklichste zu interessieren.

Kommen Sie nur herein, Elk, es regnet zu stark", sagte er, unb Elk sprang in ben Wogen. Das Auto setzte sich in Bewegung und der Ame-, rifaner wendete ihm sein Roubvogelgesicht zu.

Sagen Sie, Elk, haben Sie das Kind gesehen?"

Elk schüttelte den Kops.Nein", sagte er. Er hörte bas Kichern seines Gefährten.

So, ich habe das Baby gesehen", sagte Broad und rauchte gemütlich seine Zigarre.

Wo war sie denn versteckt?"

Es ist ein Er", antwortete Broad ruhig.Unb ich hoffe, daß Sie mir die Beantwortung dieser Frage erlassen werden. Ich bin fd)on eine Stunde lang im Hause gewesen, bevor Sie ankamen. Sie haben mir Angst gemacht. Ich hörte Sie kommen und dachte, es wäre St Nikolaus mit dem Barte. Nebenbei bemerkt, hatte ich bas Tor offen gelassen. Also, mein Lieber, was benten Sie darüber?"

lieber Herrn Maitland?"

Exzentrisch, hm? Wenn Sie erst wüßten, wie exzentrisch!"

Als der Wagen vor Caverley Haus hielt, fuhr Elk aus seinem langen Sinnen auf.Was sind Sie, Herr Broad?"

,Zch gebe Ihnen zehn Fragen vor!" lachte der andere fröhlich, als sie aus dem Wagen stiegen.

Geheimagent", meinte Elk prompt.

Falsch! Ich bin Privatdetektiv und mein Stecken­pferd ist das Studium der Derbrecherkaiegorien. Wollen Sie heraufkommen und dn Glos Bier trinken?"

Ich will hinaufkommen, aber nicht trinken", sagte Elk.Das heißt: nicht wenn Sie mir Gin mit Drangen anbieten. Ich habe mir auf meiner Reise nach den Vereinigten Staaten den Magen ver­dorben."

Broad steckte ben Schlüssel in das Schloß seiner Wohnungstüre, als Elk plötzlich die Hand auf feinen Arm legte.

Deffnen Sie die Türe nicht!" sagte er flüsternd. Broad sah ihn überrascht an. Alle Muskeln im Gesicht des Detektivs waren abgespannt.

Warum nicht?"

Es ist nur ein Gefühl. Ich bin Schotte von Geburt und wir haben ein Wortfeg", bas Heber« natürliches bedeutet." Broad ließ die Hand sinken.

Sind Sie abergläubisch? ober spaßen Sie?" fragte er.

Es ist etwas hinter dieser Türe, ich könnte einen Eid darauf leisten." Elk nahm ben Schlüssel

wogen werden, im graziösen Rhythmus bie Bühne zu überschreiten unb mußte idjhrtrunlen in seinen Stall gebracht werden. Der Direktor des Varietes war darüber gerade nicht 'ehr entzückt, aber der Schöpfer de: Forlrotts sicht darin nur einen neuen Beweis für die Wunderwiriiing feiner Melodie ...

Die Vögel ihre Wunden hellen

.Wenn ein starkes Schic' ;:a, esuuden hat." schreib' der bekannte Ornithologe Oliver

Pike in einem englischen F'.chblattz .dann bleiben immer zahlreich. verwundete Vögel in Wald und Feld liegen. Viele von ihnen werden von den Wildhütern gehimmelt, aber manche entkommen auch Tiefe zeigen eine sehr

bemerkenswerte Fähigkeit, ihre Wunden zu hei­len und sich wieder aus die V.-ine zu helfen. Wenn c.:i Fuß abgeschossen ist, fo yüpst der Vogel aus dem übnggebliebenen Vein munter toeiter. Schlimmer ist es schon, wenn ein Flügel gebrochen ist, denn dann besteht wenig Aussicht, den vielen Feinden zu entrinnen. Aoer ich kenne manche Beispiele, daß Vögel mit gebrochenen Flügeln sich das Leben retteten, bis sie wieder fliegen konnten. Einer war ein Turmfalke, und dieses geschickte Tier blieb einen Monat lang auf der Erde, lick von allen möglichen Abfällen näh­rend, bis ick ihn dann gelegentlich wieder so gut wie je fliegen sah. Denn ein Vogel ein Dein bricht, so wird er sein eigener Arzt und legt sich aus Schlamm und Haaren einen hin ft- gerechten Verband an. V:sonders Schnepfen sind in biefer Chirurgie sehr geschickt Kürzlich sah ich einen Steinadler über ein schottisches Moor fliegen mit einer großen eisernen Falle am Fuß. Selbst mit diesem furchtbaren Hindernis lebte er weiter Fangen sich Vögel in Faller», so suchen sie sich zunächst durch wahnsinnige ftraftanftren- gung zu befreien, aber wenn sie finden, datz daS nichts nützt, dann untersuchen die intelligenteren) sehr genau die Sachlage. Ich sah einmal einen) Falken, der sich in einer starken Schlinge ge­fangen hatte. Der Vogel beobachtete sorgfältig die Schnur von jeder Seite und mochte sich dann ruhig daran, den Knoten mit dem Schnabel aufzulösen. Er war auch so erfolgreich, daß er sich nach wenigen Minuten befreit hatte. Ich habe ein verwundetes Aebhuhn beobachtet, das oen Flinten der Jäger während der ganzen Saison entging. Dieser Vogel konnte nicht fliegen, lebte aber doch unter seinem Schwarm weiter und fand sich immer wieder bei ihm ein. toenm er weggeflogen war. Der Dchrvarm wurde wäh­rend der Jagd von 15 Stück aus 4 verringert, aber unter den ileberlebenben war der ver­wundete Vogel, der allen Aachstellungen glücklich entging.

Ivie LeonardosMona Lisa" entstand.

Das berühmteste Frauenbildnis der Welt­kunst, Leonardos ..Mona Lisa" mit dem rätsel­vollen Zauberlächeln, ist wieder einmal der all­gemeine Gesprächsstoff, nachdem behauptet wor­den ist, das echte Meisterwerk fei nach jenem sensationellen Diebstahl nicht in den Louvre zurückgekehrt. Do sinnlos diese Vehauptung ist, so gern gedenkt man jener Monate vor 425 Jahren da das Wunderwerk entstand. Mona Lisa Gherardlni war eine junge schöne Floren­tinerin. die im Jahre 1495 ein ältlicher Herr Francesco del Giocondo als seine dritte Ge­mahlin heimführte. Schon diese Tatsache gab der Phantasie erwünschten Anlaß, einen 2icbc8- roman auszuspinnen, als der berühmte Meister Leonardo nach seinem langen Aufenthalt in Mai­land wieder nach Florenz kam und dort von dem Signor del Gioeondo den Auftrag erhielt, das Bildnis seiner Gemahlin zu schaffen. Damals entstand in langen Sitzungen, in denen der groje Magier der Kunst seine ganze Kraft einsetzte, das Bild derGiocenda". Vasari erzählt uns, daß der Maler Musiler herbeilommen lieh, )a- mtt sie durch ihre Töne das schöne Modell in die rechte Stimmung versetzten. Später hat man freilich gemunkelt, daß diese Stimmung von dem Maler selbst ausgegangen fei, von Leonardo, der damals ein Fünfziger war, aber .noch immer eine wundervolle Erscheinung, ein Kavalier, der über alle Versahrungskünste des Mannes von Welt und des Genies verfügte. Leonardo srll Mona Lisa öfters gemalt haben, und es gibt verschiedene Repliken, die aber wohl alle nicht eigenhändig sind. Das Gemälde des Louvre kann allein den Anspruch erheben, ein Original zu

aus Broabs Hand, stich ihn ins Schloß unb öffnete. Dann riß er mit raschem Stoß bie Türe auf, indem er Broad zur Seite in ben Schutz der Wand drängte. Eine Sekunde lang geschah nichts. Aber bann sprang Elk zur 6liege.

Lausen Sie, laufen Sie!" rief er. Der Ame­rikaner sah die erste Wolke grünlichgelben Dun­stes aus der offenen Türe rollen und folgte. Der Portier schloß eben seine Kammer für die Nacht, als Elk ohne Hut und atemlos ihn zur Seite drängte.

Können Sic in die Wohnungen telephonieren?" fragte er.Gut! Rusen Sie sofort unterhalb des dritten Stockes an unb sagen Sie den Mietern, daß auf keinen Fall die Türen geöffnet werden dürfen. Sagen Sie, daß alle Ritzen mit Papier verschlossen, die Briefkasten nerftopft und die Fenster aufgemadj» werden müssen. Das Haus ist mit giftigen Gasen angefüllt. Fragen Sie mich nicht, sondern tun Sie, was ich Ihnen sage!"

Er selbst telephonierte der Feuerwehr und we­nige Sekunden später erklang draußen das Ge­bimmel von Glocken unb Männer in Gasmasken stampften die Stiege hinauf Glücklicherweise halten alle Mieter außer Broad unb seiner Nachbarin für bas Wochenende die Stadt verlassen.

Unb Fräulein Bassano kommt immer erst in früher Morgenstunde zurück", sagte der Portier.

Die Nacht verging, bevor bas Gebäude mit Hilfe von Hochdruckluftpnmpen unb chemischen Be­schleunigungsmitteln gelüftet worden war. Broad hatte keinerlei Schaben erlitten als ben, daß sein Silber schwarz verfärbt und jede Fensterscheibe, jeder Spiegel in seiner Wohnung, mit einer gelblichen Ablagerung bedeckt war. Trotz ber weit offenen Fen­ster durchzog ein muffiger Geruch die Räume, aber der Morgenwind kam, um die letzten Spuren bes lleberfaües fortzuwehen. Die beiden Männer be­gannen gemeinsam die Zimmer zu durchsuchen, um zu entdecken, auf welchem Wege das Gas einge­strömt war.

Durch den offenen Kamin", sagte Elk.Go, ist schwerer als Lust und kannte den Rauchfang hin- untergeschüttet werden, so leicht wie Master/

(Fortsetzung folgt.)