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Nachdem sodann einige Redner verschiedener Gruppen im Prinzip sich mit dem heutigen Regie- rungsentwurf einverstanden erklärt hatten, an ver­schiedenen Einzelheiten des Regierungsentwurfes jedoch Kritik übten, wandte sich das Interesse des Hauses den Ausführungen zu, die

der frühere Präsident der Reparakionskommif- sion, Dubois,

im Namen der demokratisch-republikanischen Ver­einigung zu dem Regierungsentwurf machte.

Auch er erklärte sich im Prinzip mit der Gesetzesvorlage einverstanden, bedauerte jedoch lebhaft, daß an der Spitze sowohl des Finanz- als auch des technischen Komitees der Amor­tisationskasse Politiker stünden. Er befürchte, daß hieraus wesentliche Schwierigkeiten entstehen würden, die eine ungünstige Rückwirkung auf die Arbeiten der Kasse haben könnten. Ferner be­mängelte er, daß in dem Entwurf eine Deutliche Trennung der Kompetenzen fehle, er zweifele aber nicht, daß der Ministerpräsident die Bedenken seiner Freunde zerstreuen würde. Rach ihm ergriff

Ministerpräsident poincare

das Wort und wies darauf hin, dah es zweifel­los wünschenswerter gewesen wäre, eine Amor- tisationskasse für die Tilgung der gesamten öffentlichen Schulden zu schaffen, jedoch dränge die gegenwärtige Finanzlage des Staates zu einer sofortigen Tilgung derjenigen Schulden, die in erster Linie Gefahren in sich trügen. Die Amortisationskasse werde nur wirksam arbeiten können, wenn sie weitgehende finan­zielle Autonomie erhalte. Aus diesem Grunde werde auch die Regierung in der Kammer den Antrag stellen, der Amortisationskasse einen konstitutionellen Charakter zu verleihen. Der So­zialist Beduce geht auf sein Gegenprojekt zur Verbreiterung des Tabakmonopols ein. Poincare erklärte dazu, dah er verschiedene Anregungen aus dem Plane Beduce entnommen habe, aber weiter könne er darin nicht gehen. Lieber die Ablehnung des sozialistischen Gegenentwurfes stellte Poincare die Vertrauensfrage. Das Pro­jekt Beduce wurde bei der Abstimmung mit 350 gegen 172 Stimmen abgelehnt Der Abg. Conde brachte darauf erneut das Gegenprojekt zur Schaffung der Amortisationskasse ein, wo­nach die Amortisationskasse von der Verwaltung des Lababnonopols zu trennen sei. .Eine neue Labakgesellschast soll ermächtigt werden, 34 Mil­liarden neue Obligationen auszugeben.

Die Donnerstag n a ch t sihung, die um 1/4. Llhr begann, war nur von kurzer Dauer. Auf der Tagesordnung stand das zweite Finanzproiert der Regierung, das die neue Devisen- konzessivn an die Dank von Frank­reich vorsieht.

Gleich bei der Eröffnung der Sihung erklärte Ministerpräsident poincars, dah das Finanz- Projekt in keiner Meise einen inflatorischen Lharakter habe.

Die Regierung werde bei der Abstimmung über die Gesetzesvorlage in gleicher Weise wie bei den Abstimmungen über die übrigen Finanz- prvjelte die Vertrauensfrage stellen. Rachdem ein sozialislischer Gegenantrag des Deputierten Mar- gaine, der eine sofortige Stabilisierung des Fran­ken forderte, mit 360 gegen 15 Stimmen abgelehnt worden war, nahm die Kammer das Projekt der Regierung, das der Dank von Frankreich die Ge­nehmigung zum Ankauf von Goldgeld und De­visen und zur Emission von Banknoten für den Gegenwert hierfür erteilt, mit 365 gegen 181 Stimmen an. Der Senat wird am Freitag nachmittag ^usammentreten, um sich mit den Heiden von der Kammer am Donnerstag ange- nommenen Finanzprojekten der Regierung zu be­fassen.

Äas Programm der Rationalverfamm- I u n g in Versailles, die aller Voraussicht nach am 10. August um 10 Llhr vormittags zu­sammentreten wird, dürfte bereits im großen fest­gelegt sein, obwohl noch über verschiedene Fra­gen der Kompetenz der Rationalverfammlung sowie eine Reihe von Geschäftsordnungssragen wenig Klarheit besteht. Man erwartet allgemein, dah die Kommunisten die Gelegenheit benützen werden, um in der Rationalversammlung zu demonstrieren. Er scheint möglich, dah die Ratio- nalvcrsammlung erst am Mittwoch in die ent= scheidende Debatte über das inzwischen bereits vom Senat und der Kammer angenommene Fi­nanzprojekt eintreten wird.

Montabaur besatzungssrei?

Frankfurt a. M., 5. August. Wie aus Kob­lenz mitgeteilt wird, wird die Kreisstadt Montabaur Qi(fT)6m Westerwald, aus der am 1. April bereits , die Besatzung von einer Kompagnie zurückgezogen worden war, nunmehr auch von dem damals verbliebenen G e n d a r m e r i e k o m m a n - do verlassen, so daß die Stadt von jeder Be­satzung frei sein wird.

Der Neligionsstreit in Mexiko.

Rom, 5. Aug. (Wolff.) Die Agenzia Radio Razionale beschäftigt sich mit den Vorgängen in Mexiko und weist darauf hin, dah der Vati­kan infolge der Ausweisung der apostolischen Legaten keine direkte Verbindung mehr mit Mexiko habe. Der Vatikan habe die Bischöfe angewiesen, nach Gutdünken zu handeln. Allerdings mühten sie sich an die Richt­linien halten, die in dem apostolischen Schreiben an das Episkopat festgelegt seien.

In einer Unterredung mit dem Vertreter der Associated Preß erklärte der mexikanische Bischof D i a z, die Kirche werde niemals einen bewaffneten Aufstand gegen die Regierung billi­gen. Die Behörden sind damit beschäftigt, das Verschwinden der Goldkrone der be­rühmten Statue der Madonna von Guadalupe zu untersuchen. Die Krone soll 800 000 Pesos wert sein.

3n Guadalajara sind bei einem zwischen Soldaten und wie es heißt Katholiken stattge- fundeneni nächtlichen Kanrpf bei der Kirche Gua­dalupe sechs Personen getötet und 14 verwundet worden. In Torreon sollen bei Demonstrationen Sonntagnacht eine Person getötet und acht ver­wundet worden sein.

Begnadigung Ztratii-Sauers.

Berlin, 5. Aug. (TLl.) Amtlich. Der Emir von Afganistan, A m a n - Ll l l a h - Chan, hat den deutschen Gelehrten Dr. Stratrl- Sauer, der in diesen Tagen von dem zustäw» Ligen afganistanifchen Gericht wegen der Tötung eines Afganen zu vier Jahren Gefäng­nis verurteilt worden war, durch einen spontanen Gnadena't die Strafe erlas,en.

Dr. Stratil-Sauer, der bereits der deutschen Ge­sandtschaft in Kabul übergeben wurde, wird in den nächsten Tagen die Rückreise nach Deutsch­land antreten. Dieser Akt des Herrschers von Afganistan wird als ein neuer Beweis für ferne freundschaftlichen Gefühle für Deutschland mit Befriedigung und Dankbarkeit begrüßt werden.

Der Internationale Iuristenkongreh.

Wien, 5. Aug. (Sil.) Im Zeremoniensaal der Hofburg fand heute vormittag die feierliche Eröffnungssitzung des Internationalen Juristen- kongresses statt. Präsident Lord Phillimore eröffnete die Sihung und stellte den Antrag, den Vorsitzenden des österreichischen Zweig- vereins, ilniversitätsprofessor Dr. Gustav Wal­ter zum Präsidenten des Kongresses zu wählen. Der Antrag wurde unter großem Beifall ange­nommen. Rach der Begrüßungsrede beä neu ge­wählten Präsidenten ergriff Bundeskanzler Dr. R a m e k das Wort. Er wies darauf hin, dah das alte Oesterreich und noch mehr das neue Oesterreich sich um die Entwicklung des sozialen Rechts bemüht hätten. Ein deutlicher Beweis dafür, in welcher Richtung sich die Politik Oesterreichs bewege, seien die in letzter Zeit abgeschlossenen Schiedsgerichts­verträge. Die Arbeitsgesetzgebung werde weiter ausgebaut. Die gesamten sozialen Ver­sicherungen seien in ein Reformstadium einge­treten. Im Ramen der Stadt Wien begrüßte Oberbürgermeister Seih, im Ramen Riederöster­reichs Landeshauptmann Dr. Burg die Kon­greßteilnehmer. Der Sprecher der rechts.vissen- schaftlichen Fakultät der ilniversität Wien wies darauf hin, dah es im Zeitalter der Demokratie nicht genüge, das Recht zu finden und zu kodi­fizieren, sondern man müsse auch in der Allge­meinheit das Interesse für diese Bestrebungen wachrufen. In diesem Belange sei die anglo­amerikanische Welt ein Vorbild. Besonderen Ein­druck erweckte die Rede des Präsidenten des deut­schen Reichsgerichts, Dr. Walter Simons, der in außerordentlich herzlichen Worten den Zusammenhang der alten Kultur Oesterreichs mit der Kultur Deutschlands hervorhob. Dr. Simons hat auch Wiener Zeitungen eine Erklärung über die Rechtsangleichung zwischen Oe st erreich und Deutschland und über die Anschlußfrage zur Verfügung ge­stellt. Er schließt seine Ausführungen mit den Worten: Die Arbeit an der österreichisch-deut­schen Rechtsangleichung macht rasche Fortschritte. Wenn wir sie auch als wichtige Voraus­setzung für den staatlichen Zusammenschluß be­trachten, so erwarten toit diesen in erster Linie von einer anderen Bewegung, nämlich von der Entwicklung, die zum Abbau der Grenzen führen muf). Wenn Europa sich selbst behaupten will, so muh es auf die heute unerträg­lich überschätzte Bedeutung der inner europäischen Grenzen verzich­ten, mag das neue Gebiet nun Paneuropa heißen oder europäischer Zollverein oder wie immer. Die Grenzen müssen jedenfalls abgebaut werden, und die erste Grenze, die unbedingt fallen muh, ist die, die die beiden deutsche n Staaten von einander scheidet.

Am Rachmittag trat unter dem Vorsitz Dr. Simons das Reutralitätstomitee zu feinen Beratungen zusammen, in welchen der südamem- kanische Delegierte, Professor Dr. P v l o m b o s, über die Entwicklung des Völkerrechts Bericht erstattete. An diesen Bericht knüpfte sich eine lebhafte Aussprache an, die morgen ihre Fortsetzung findet. Professor D a g e berichtete dann über die Schaffung eines internatio­nalen Obligationsgerichts. ilm 8ilhr abends fand für die Kongrehteilnehmer ein Emp­fang durch die Stadt statt.

Abschluß des Bonner Sludsntenlages.

In der Sitzung am Mittwochabend wurde die Besprechung des Haushaltsplanes der Deut­schen Studentenschaft in Angriff genommen und der Etat mit unwesentlichen Aenderungen angenom­men. Nach einem Referat des Rechtsausschusses wurde ein Antrag angenommen, mit allen Mitteln auf die S t u d i c n a n g l e i ch u n g zwischen Deutschland und Oe st erreich zu bringen. Es kam dann zunächst die Arbeit des Fachgruppen­ausschusses zur Besprechung. Die Vollversammlung mißbilligte ein Schreiben einiger Fachgruppenvor­sitzender an das preußische Kultusministerium, in dem das Ministerium ersucht worden war, von sich aus auf eine Neuregelung der Fachgruppenarbeit hinzuwirken. Danach trat die Vollversammlung ' in die Beratung des Berichtes des Ausschusses für Leibesübungen ein.

In der Schlußsitzung wurde der Bericht des Ausschusses für Leibesübungen behandelt. Es folgte hierauf der Bericht des Ausschusses für Auslandarbeit, den Dr. Vogel erstattete. In einer Entschließung wurde die Bildung von deutschen Stubcntenoereinigungen im Auslanbe begrüßt und für engste Zusam­menarbeit mit ihnen eingetreten. In gleicher Weise wurde die Bildung von nationalen Vereinigungen ausländischer Studierender in Deutschland und ihre Zusammenarbeit mit der deutschen Studentenschaft für wünschenswert gehalten. Für das kommende Amtsjahr wurde zum Vorsitzenden der Deut­schen Studentenschaft cand. ing. Guntherthen gewählt. Mit dieser Wahl wurde zum erstenmal ein sudetendeutscher Student mit der Leitung der ge­samten deutschen Studentenschaft betraut. Mit dem LiedeEs braust ein Ruf wie Donnerhall" fand der 9. Deutsche Studententag seinen Abschluß.'

Bayrische Hochverräter vor dem Reichsgericht.

Leipzig, 5. August. (Wolff.) Wegen Beihilfe zum Hochverrat, Sprengstoffverbrechens und Ver­brechens gegen das Republikschutzgesetz haben sich vor dem Ferienstrafsenat des Reichsgerichts a ch t Kommunisten zu verantworten. Angeklagt sind der 23jährige Eisendreher Rothormel aus Füssen, der Malergehilfe Frank aus München und sechs weitere Personen aus Füssen und anderen Orten. Den Angeklagten wird zur Last gelegt, im Novem­ber 1923 sich Spreng st offe verschafft zu haben, um gewaltsam durch Anschläge die Republik zu ge­fährden und eine Diktatur zu errichten. Äm 22. November 1923 wurde em Bombenatten- tat auf das Bezirksgebäude in Füssen verübt. Die Bombe war im Keller zur Explosion gebracht worden und hatte erheblichen Schaden an dem Gebäude angerichtet. Auch wurden zwei Ver- sonen erheblich verletzt. Erst nach mehreren Mo­naten lenkte sich der Verdacht auf die Angeklagten,

die alle Mitglieder der Ortsgruppe derKPD. in Füssen waren. Als geistiger Urheoer des Sprengstosfattentats wird Wendelin Thoma bezeichnet, der nach diesem Anschläge flüchtete. Die Angeklagten bestreiten, sich an dem Attentat be­teiligt zu haben. Der Prozeß wird mehrere Tage dauern.

Die Beamtenbesoldung.

Berlin, 6. August. Wie mehrere Blatter mit­teilen, ist eine Vereinbarung zwischen der Reichsregierung und Den Länder- regierungen in der Frage der Einheitlichkeit der Beamtenbesoldung nicht zustandegekommen. Vor allem konnte eine Uebereinftimmung zwischen dem Reich und Preußen nicht erzielt werden. LautLokalanzeiger" wünschte Preußen vor einet Aenderung in der Beamtenbesoldung eine jedes­malige Fühlungnahme zwischen den Län­dern und dem Reich und die Einsetzung einer Stelle, die etwa auftretende Streitigkeiten schlichten soll. Diese Vorschläge seien vom'Reich ab gelehnt worden.

Aus aller Welt.

Das Autounglück von Burgbernheim

Heber das Autounglück wird noch gemeldet: Der Kraftwagen, ein Sechssitzer, in dem sich 12 Personen befanden, stürzte offenbar in­folge Heberlastung und Versage ns der Bremse an einer scharfen Kurve die 30 Meter hohe Böschung hinunter, auf dem Bahndamm alles unter sich begrabend. In dem­selben Augenblick passierte eine Lokomotive die Hnglücksstelle und schleifte den Wagen und die Verunglückten noch etwa 150 Meter weit. Die Verunglückten blieben in furchtbarem Zu­stande auf dem Geleise liegen. Die Insassen des Autos, darunter eine Anzahl Mädchen aus Uffenheim, hatten an einem Kränzchen teil­genommen. Auf der Rückfahrt mit einem Lohn- auto bemerkte der Chauffeur auf dem steilen Abhang in der Rähe des Bahnhofs Burgbern­heim, daß die Bremse des Autos nicht in Ord­nung war, und forderte die Insassen auf, aus­zusteigen. Der Wagen geriet jedoch ins Rol- l e n und stürzte die Böschung hinab. Bei dem Unglück fanden 7 Mädchen, der Chauffeur und ein Reichswehrsoldat den Tod.

Arbeilslosenkrawalle in Berlin.

Dor dem Zentralarbeitsnachweis der Stadt Berlin in der Germannstraße kam es zu Kra­wallen, in deren Verlauf zwei Polizei­beamte von Arbeitslosen mißhan­delt wurden. Die Polizei sperrte sofort die umliegenden Straßen ab und trieb mit Kara­binern und Gummiknüppeln die Menschenmenge auseinander. In den ersten Rachmittagsstunden war die Ruhe wieder hergestellt.

Hauseinsturz.

In dem slowakischen Orte Mosocz stürzte in einem alten Gasthaus, wo mehrere Personen versammelt waren, plötzlich die Decke ein. In der Finsternis entstand eine schreckliche Panik, da diese glaubten, daß das ganze Gasthaus ein­gestürzt sei. Als sich die Staubwolke etwas ge­legt hatte, bot sich ein schreckliches Bild. Aus den Trümmern wurden fünf Tote und fünf Schwerverletzte geborgen.

Riesenbrand in afrikanischen Zuckerplantagen.

Durban, 6. Aug. (WTB. Funkfpruch.) Einer der verhängnisvollsten Zuckerrohrbrände in der Geschichte Ratals ist am Illowofluß aus­gebrochen und breitet sich auf einer Strecke von 5 Meilen in Richtung Durban aus. Hebet 500 Acres Zuckerrohr sind schon zerstört. Man glaubt, dah mindestens 12 Eingeborene in den Flammen umgekommen sind.

Schneefall und Gewitter in Italien.

Rom, 6. Aug. (WTB. Funkspruch ) Das schlechte Wetter in Italien hält weiter an. In den Dörfern Verona ist wiederum ReusHnce niedergegangen. In Mantua und P i a c e n 5 n. gingen schwere Gewitter mit Hagelschlag niet 2 die großen Schaden anrichteten. In Livorno wurde' ein Mann durch Blitzschlag getötet und ein anderer gelähmt.

Schmuggel mit Narkotika.

Reuhork, 6. Aug. (WTB. Funkspruch.) Ein mit dem Montreal-Expreß angelangter großer Koffer wurde hier beschlagnahmt. Er enthielt eine große Menge narkotischer Mittel, die, wie man annimmt, aus Rußland hierher geschmuggelt worden sind. Zwei weitere derartige Koffer sollen auf dem Wege nach Reuhork fein. Der Gesamt­wert des Inhalts der drei Koffer wird auf drei Millionen Dollar zum Verkaufspreis geschäht.

Am der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 6. August 1926.

" Unvollständig entwertete Brief­marken. Von zuständiger Stelle wird auf fol­gendes hingewiesen: Es kommt ab und zu vor, daß einzelne Freimarken auf den mit der Post beförderten Briefsendungen nur geringfügige oder schwache Entwertungszeichen, oftmals nur Striche ober schwärzliche Flecken tragen, weil sie beim Abstempeln in der Eile nicht getroffen worden sind. Selbstverständlich ist es verboten und straf­fällig, solche unvollständig entwertete Freimarken, nachdem sie von den plmschlägen abgelöst worden sind, nochmals zur Freimachung von anderen Postsendungen zu benutzen. Trotzdem geschieht dies sehr oft in der falschen Voraussetzung, der Betrug wurde nicht bemerkt. In den meisten Fällen werden diese Gebührenhinterziehungen! aber bet den Postanstalten entdeckt; gegen die Absender wird bann von der oberen Postbehörde die dafür in dem Postgesetz vorgesehene Geldstrafe verhängt. Allem Anschein nach werden derartige schwach entwertete Freimarken auch vielfach in betrügerischer Absicht als Ersah für Kleingeld, in Verkehr gesetzt. DanOn tut jebeimann, der sich plnannehmlichkeiten ersparen will, gut, Frei­marken. die er nicht selbst am Postschalter gekauft hat, vor ihrer Verwendung genau zu besichtigen. Bei verdächtigen Wahrnehmungen, insbesondere auch beim Fehlen des Klebsto-fes auf der Rück­seite. empfiehlt sich eine Anfrage über ihre Gültigkeit am Postschalter.

*' V 0 m Staufenberg und Glei­berg. An der in unserer Rähe liegenden belieb­ten Ausflugsstätte Burg Staufenberg sind Re­pa r a t u r a r b c i t c n dringend erforderlich ge­worden. AI. a. haben die Einfahrten ein Sand­steinpflaster erhalten, das den Verkehr nach der Burg mit Auto und Fuhrwerk wesentlich er­leichtert. Pim fangreiche Erhaltungs­

arbeiten sind ferner seitens des (Sleiberg- Vereins an der Ruine Gleiberg vorgesehen. Fol­gende Arbeiten sollen zur Ausführung kommen: 1. Instandsetzung des Mauerrückens und Be­stechen der Innenfläche der an der Rordseite des Rassauerbaues anschließenden Mauer, 2. Aus­zwickeln und Bestechen eines Teils der Mauer zwischen Philippsturm, dem südlichen Wickbau und der Anschlußmauer bis zum viereckigen Turm, 3. Bestechen der Außenmauer des äußeren Burg» kellers, 4. Aufmauern einer Ecke der Mauer zwischen der Zwingmauer und der Anschlußmauer am Burgkeller, 5. Ausbesserung von Mauer­stellen am Eingang des Palas Ludwig des Saliers und in der Kapelle, 6. Unterhaltung der Dächer, 7. Erneuerung der sog. Bauernstube, der Farbenanstrich der Wände und der Decke, der Wandtäfelung und Säulen muh erneuert, die Trinksprüche auf den Wänden aufgefrischt werden, 8. Reuanstrich des Wirtschaftsmobiliars und der Gartenmöbel. Insgesamt sind zur Reno­vierung der Burg Gleiberg 2000 Mk. vorgesehen. Im verflossenen Rechnungsjahr wurden für den gleichen Zweck 2202 Mk. ausgegeben.

Anlagen-Konzerf. Heute nachmittag 5 Uhr findet am Liebigdenkmal ein Anlagen - konzert statt, ausgeführt durch diL-HM>elle des 1. Datl. Inf.-Regt. 15.

** Abermals eine Sprengwagen­vorführung. Gestern vormittag sand in un­serer Stadt die Probevorführung eines neuen, motorischen Spreng- und Strahenreinigungs- wagens statt, der sich von dem zuletzt gezeigten Modell dadurch unterscheidet, daß er 1000 Liter mehr, insgesamt 6000 Liter Fassungsvermögen aufweist, und daß der Dedienungsstand (Hand­hebel) hinter dem Kessel aufmontiert ist. Es sollen demnächst noch mehrere Probevorführun- gen anderer Konstruktionen folgen.

** Straßensperrung. Vom Polizeiamt wird mitgeteilt: Wegen Vornahme von Pflaster­arbeiten wird die D a m m st r a h e zwischen Walltorstraße und Rordanlage von Mittwoch, 4. August 1926, ab bis auf weiteres für leglichen Fährverkehr gesperrt.

** Eine Feuerlöschprobe, die zahl­reiche Zuschauer angelockt hatte, fand gestern nachmittag auf Oswalds garten statt. Eine mit Karbolineum bestrichene, leichte Bretterbude wurde, nachdem sie mit Stroh ausgelegt, und dieses mit Benzol übergossen worden war, in Brand gesteckt. Das Innere der Bude bildete sofort eine riesige Flamme, der man mit dem zur Vorführung gelangenden Trockenfeuerlösch- apparatAghela" zu Leibe ging. Durch das ein­gestreute Löschpulver, das der Flamme den Sauerstoff entziehen soll, wurde das Feuer inner­halb weniger Augenblicke erstickt. Ein Vertreter der Herstellerfirma gab vor Beginn und am Schluß der Probe den Interessenten erläuternde Erklärungen.

WSR. Darf man beim Gewitter radfahr en? Wenn auch gemeinhin behaup­tet wird, daß der Gummireifen das Fahrrad genügend isoliere, so ist doch die Möglichkeit der Anziehung des Blitzes durch das Rad nicht von der Hand zu weisen. Man vermeide daher eine Fahrt über freies Feld, wenn ein Gewitter nahe ist. Wird man von einem solchen überrascht, so steige man ab und lege das Rad flach auf die Erde, und warte, bis das Gewitter vorüber ist.

*' O e f f ent (i b e Bücherhalle. Im Juli wurden 1215 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 762, Zeit­schriften 77, Iugendschriften 88, Literaturgeschichte 6, Gedichte und Dramen 16, Länder- und Völker­kunde 59, Kulturgeschichte 18, Geschichte und Bio­graphien 43, Naturwissenschaft und Technologie 40, Kunstgeschichte 10, Heer- und Seewesen 15, Haus- und Landwirtschaft 19, Gesundheits­lehre 2, Religion und Philosophie 34, Sprach­wissenschaft 7, Fremdsprach iches 19 Bände. Rach auswärts kamen 11 Bände. Vom 18. August bis 15. September ist die Bücherhalle geschlossen.

Wettervoraussage.

Anfangs wärmer und meist heiter, später erneute Abkühlung, stärkere Bewölkung, doch durchweg trocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 17,4 Grad Celsius, Minimum 9,2 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur 12,7 Grad Celsius.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Gießener Radfahrer-GesellschaftDieWanderer": Vereinslokal, Monatsversammlung. Saalbau Sauer: 8>/i Uhr. Experimentsl-DortragCous". Volkshochschule: 8 Tlhr, Ludwigsplatz, Zusam­menkunft zum Abendspaziei?gang. Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Frau van Corlands Ver­gangenheit". Astvria- Lichtspiele:McrrceoS tollste Wette".

Der neue Flessa - Prozeh.

Frankfurt a. M., 5. Aug. Aus dem Zeugentisch liegen, verpackt in einer offenen Pappschachtel, di e Kleider des erschossenen Dr. Seih. Gleich nach der Eröffnung der Ver­handlung erhebt sich die Angeklagte, bittet zu­nächst, bei der Vernehmung der Zeugen Pfarrer Borning und Dr. Seih (Bruder des Toten) nicht zugegen sein zu müssen. Dann:Sie waren gestern so taktvoll, Herr Staatsanwalt Floreh, bei der Vernehmung der Braut des Dr. S?ih diese Sachen nicht vor sie hinlegen zu lassen. Glauben Sie, mir tut der Anblick dieser Kleider nicht weh?" Der Vorsitzende gibt einen Wink, die Sachen werden unter den Tisch gestellt. Dann still die Angeklagte nochmals den Hergang der ^at erzählen.Ich verlieh mein Zimmer..$>w: schon verstummte sie, sagte, es sei ihr sehr schlecht. Wieder winkt der Vorsitzende, die Angeklagte Serläßt den Saal, der Gerichtsarzt, Geheimrat Dr. Roth, folgt ihr. Während ihrer Abwesenheit wird die Auskunft des Schwestembundes Oer- lesen. Reues ergibt sich nicht. Dann erscheint die Angeklagte wieder, spricht einige Sähe und seht sich wieder. Dann werden weitere Zeugen vernommen. Der Zeuge Dr. A. hat die An­geklagte zuerst nach dem Selbstmordversuch be­handelt.Man hätte ihn retten können, wenn man ihm sofort Kampfer gegeben hätte. Helsen Sie mir doch um Gotteswillen. Ich habe etwas Furchtbares gemacht. Sie sind doch Menschen­freund!". sagte die Flessa damals. Der Zeuge fragte sie nach ihren Beziehungen zu Dr. S. und ob sie ein Kind von ihm erwarte?Rein, nein!

Die folgende Zeugin, eine Krankenschwester, hat die Angeklagte damals gefragt, ob sie auch c.n sich selbst gedacht habe. Die Flessa verneinte das, ebenso daß sie Geschlechtsverkehr mit Dr. S. hatte. Die Zeugin berichtet ferner, daß die