Ausgabe 
6.2.1926
 
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Heil könnte Frankreich auch nicht ein Regiment aus seinen Kolonien nach dem Mutterlande brim gen. Wenn aber Frankreich in einem Kriege gegen eine dritte Macht die Hilfe Italiens anrufen wollte, so müßte Frankreich vorher in treundschaftlicher Weise auf einen großen Teil seiner afrikanischen und asiatischen Kolonien z u« gunsten Italiens verzichten.

Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Vermehrte Bereitstellung von

Notftandsarbeiten.

Berlin, 6. Febr. (TU.) Das Reichsarbeits- Ministerium hat zu Anfang des Jahres im Einver- nehmen mit den Ländern gewisse Erleichte­rungen für die Finanzierung der öffentlichen Not st and s arbeiten geschaf­fen. Der Anteil des Reiches und der Länder an den Kosten der Notstandsarbeiten ist erhöht worden. Ferner kommen auch in den Zins- und Tilgungs­bedingungen Reich und Länder den Gemeinden weitgehend entgegen. Diese Erleichterungen haben es den Ländern und Gemeinden ermög­licht, für die Zeil der gegenwärtigen Arbeitslosig­keit Notftandsarbeiten in erheblichem Um­fange in Angriff zu nehmen. Nach Mitteilungen der Länder, die beim Reichsarbeitsministerium vorliegen, waren am 15. Januar d. I. Notstands- arbeiten bereitgestellt, die insgesamt Arbeit für rd. 20 Millionen Erwerbslosentage umfassen.

Fu begrüßen ist es, daß die bereitgesiellten Ar­beiten durchweg auch hohen ivirlschaftlichen Wert haben. 3n der Hauptsache handelt es sich um dringend notwendige Strahenbauten. Jlufjregulierungeii, kanalbautcn, landwirt­schaftliche Meliorationsarbeiten und Anlagen zur Versorgung mit Wasser und Kraft. Dem­nach wird es voraussichtlich möglich fein, in den nächsten vier Monaten täglich etwa 200 000 Erwerbslose bei Notstandsarbeiten zu beschaf- iigen.

Wenn diese Zahl auch nur einen Bruchteil der Gesamtzahl der unterstützten Erwerbslosen bar« stellt, so laßen es die hohen Kosten, die Notstands- arbciten verursachen, doch kaum zu, Arbeiten in erheblich größerem Umfange durchzuführen. Zu be­rücksichtigen ist auch, daß diese Notstandsarbeiten der doppelten oder dreifachen Zahl von unterstützten Erwerbslosen zugute kommen, wenn die Ge­meinden, der Anregung des Reichsarbeitsmini­steriums nachkommend, die Notstandsarbeiter in möglichst kurzen Zeiträumen auswechseln. Endlich ist von dem Fortschreiten der Iah re s zeit erfahrungsgemäß eine Entlastung des Arbeitsmarkres durch die Sufien berufe zu erwarten.

Der Konflikt bei der Reichsbahn.

Die Klage gegen die Reichsbahn- gesellschaft von den Gewerkschaften beschlossen.

Berlin, 6. Febr. (Sil.) Die drei großen Eisen b ahn e rg e v>erks cha f ten traten am Sfeeitag in Berlin wieder zusammen, um über ihre weiteren Schritte gegen die Reichsbahn zu be­raten. Es wurde beschlossen, nunmehr die K l a g e auf Leistung gegen die Reichsbahn- gesellschaft unverzüglich einzureichW. Die g®rntulierung der Klage dürfte schon in den nächsten Tagen erfolgen. 3n der Sitzung der Ge­werkschaften wurde auch die Frage erörtert, ob man nicht demnächst den Reichskanzler um eine Besprechung ersuchen solle, in der die im Äugenblick schwebenden Streitigkeiten, so z. D. Beamtenabbau, Lohn- und Gehaltsregelung, Dienftdauervorichriften usw. vorgetragen werden sollen. Hierbei ist jedoch noch kein definitiver Be­schluß gefaßt worden. Bon einer Gewerkschasts- richtung wurde weiterhin der Vorschlag gemacht, man solle zur Verstärkung der Forderungen gegenüber der Reichsbahn einen eintägigen Demonstrationsstreik durchführen. Her­über wurde ebenfalls kein endgültigerDe» schluß gefaßt, vielmehr kam man dahin überein, daß die Hauptvorstände aller Gewerkschaften bis zum nächsten Montag zu dieser Frage Stellung nehmen sollen.

Deutscher Reichstag.

D e r l i-n, 5. Febr. Die auf der Tagesord­nung stehenden Anträge zur Mildernng d er Steuergesetze werden ohne Aussprache dem Steuerausschuß überwiesen. Angenommen wird eine vom Verkehrsausschuß beantragte Entschlie­ßung auf Vorlage einer Denschrift über die Fahrpreisermäßigungen bei Ju­gendausflügen. Ein Zentrumsantrag zur Aufhebung des § 33 des Gerichts verfassungS- gesetzes wird angenommen, nach dem die Bestim­mung fortfälll, daß Armenunterstützungsempfän- ger nicht Schöffen fein können.

Es folgt die zweite Beratung eines sozial­demokratischen Antrages auf Aenderung der Em° meringsche Justizordnung von 1924. Rach dem Antrag soll die Besetzung der großen Schöffengerichte dahin geändert werden, daß die Laien gegenüber den Richtern die Mehr­heit haben. Außerdem sollen die früheren Schwur­gerichte wieder eingeführt toerben, wahrend die Zuständigkeit der Einzelrichter beschränkt werden soll. Der Rechtsausschuß beantragt Ableh­nung des Antrages, was auch g^chieht.

Angenommen wird ein Antrag des Volks­wirtschaftlichen Ausschusses, der die Regierung um schleunige Abhaltung einer wirtschaft­lichen Enquete ersucht. Hierauf kommt ein Antrag zur Beratung, der eine Aenderung der Gewerbeordnung dahin verlangt, daß die in Bahnhofsgebäuden und auf Bahnhofsgelände un­tergebrachten Derkaufsstände grundsätzlich in die Bestimmungen über Sonntagsruhe und Laden­schluß ein bezogen werden.

Der Antrag wird fast einstimmig angenom­men. Damit ist Die Tagesordnung erledigt. Heber die Tagesordnung der nächsten Sitzung entspinnt sich eine längere Geschäftsordnungsdebatte, in der Abg. Andre (Z.) beantragt, am Samstag keine Plenarsitzung abzuhalten.

Im Hammelsprung wird mit 143 gegen 122 Stimmen im Sinne des Antrages Andre ent­ziehen. (Die Kommunisten rufen:Die Faulheit hat gesiegt!")

Montag 3 llfjt. Bericht über die Rechts= Verhältnisse der Rrichsbahn.

Aus dem Haushaltsausschutz des Reichstages.

B c r l i n, 5. Febr. In Der allgemeinen Aus­sprache über den Haushalt des Rerchsarbeits- ministeriumS kritisiert Abg. S chne i de r-Berlin (Dem., die Lleberfülle her Verordnungen und Ausführungsbestimmungen zu den sozialpoliti­schen Gesetzen. Die Leistungsfähigkeit der Kran­kenkassen sei sehr geschwächt worden. Abgeschafft werden müsse das Verbot der Zusammenlegung privater Kassen zur Erhöhung ihrer Leistungs­fähigkeit. Reu zu regeln fei die Kurzarbeiter­frage. Die ArbeitSruhe am Sonntag werde über­all durchbrochen.

Abg. Andre (Z.> fordert eine Erhöhung der Ausgaben für soziale Zwecke. 'Bezüglich der Zahlung von Wartegeldern an die abgebauten Beamten ginge es nicht an, denjenigen Per­sonen. die jetzt wieder in der Privatindustrie voll beschäftigt seien, das volle Wartegeld toeiter- zuzahlen.

Abg. Koch- Düsseldorf (Dn.> hebt hervor, daß ein Drittel der Unioften für die Arbeits­nachweise von den Erwerbslosen bezahlt wird. Auch versagten sowohl Länder wie Kommunen vollständig auf dem Gebiete der Einrichtung von Rotstandsarbeiten.

Abg. Thiel (Dt.Vpt.) führte Klage über das Verhalten des 'Verbandes der Ortskranken­kassen. die jetzt in großem Umfange Bandagen und Heilmittel lieferten. Auch sei die Art des Kampfes zu verurteilen, den die Allgemeinen Ortskrankenkassen gegen die Aerzteschaft geführt hätten.

Eine Sitzung des Reichskabinetts.

Berlin, 6. Febr. (Wolff.) Das Reich tz- ko bin eit Hal gestern eine längere Sitzung ab- gehalten, bei der innerpolitische und sozialpolitische Angelegenheiten, darunter das neue Wahl­gesetz, das mit möglichster Beschleunigung ver­abschiedet werden soll, behandelt wurden. Die Völkerbundsfrage stand nicht im Vorder­grund der Beratungen, da die Entscheidung prin­zipiell bereits gefallen ist und der formelle Beschluß am Montag unter Vorsitz des Herrn Reichspräsidenten gefaßt werden soll.

Die Befehlsgewalt des Reichswehrministers.

Berlin, 5. Febr. (ZDB.) Der Herr Reichs- Präsident hat am 28. Januar eine Verordnung über die Reuregelung der Befehlsge­walt im Reichsheer unterzeichnet, die in der neuesten Rümmer des heeresverordnungsblattes veröffentlicht ist. Entsprechend den Abmachungen mit der Botschafterkonferen; von Milte November v. 3. wird nunmehr die ganze Befehlsgewalt über das Heer durch den Reichswehrminister ausgeübt, während der Ches der Heereslei­tung künftig der militärische Berater des Reichswehrministers und fein Vertreter 'm den militärischen Angelegenheiten des Heeres ist.

Wirtschaftsbesprechungen im Bergbau.

Essen, 5. Febr. (TA.) Auf Einladung der Unternehmer erfolgte kürzlich eine Besprechung zwischen Unternehmervertretern und Vertretern der Gewerkschaften im Bergbau, die sich aber, wie entgegen anderslautenden Rkel- dungen seftsteht, nicht auf Wiedererichtung der Arbeitsgemeinschaft erstreckte. Einleitend wurde von Generaldirektor Vogler auf die schwie- rige W ir 1 schaf ts läge hingewiesen. Die Unternehmer hielten es für zweckmäßig, mit den Vertretern der Gewerkschaften über diese Frage, die doch beide Seiten berühre, eine Aussprache herbeizuführen. Fragen, wie Lohn und Arbeits­zeit usw., sind bei der Besprechung nicht berührt worden, vielmehr wurden nur ganz unverbind­lich allgemeine Wirtschaftsfragen wie Steuer, Handel und Zollpolitik besprochen. Eine Ver­ständigung erfolgte dahin, daß über allgemeine Wirtschaftsfragen, bei denen ein gemeinsa­mes Vorgehen möglich ist, in Berlin zwischen den Spitzenverbänden der Unternehmer und der Gewerkschaften weiter verhandelt werden soll. Die Frage der Reuschaffung der Zentralarbeits- gemeinfefjaft in Berlin ist gleichzeitig nicht behandelt worden.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 5. gebt. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags begann heute seine Be­ratungen bei Kapitel 75 (Ministerium für Arbeit und Wirtschaft). Ein Antrag Dr. Leuchtgens, 10 Beamte der Gehaltsgruppe 10 und hoher sowie 20 mittlere und llnterbcamte auf den Inhaber zu bewilligen ober zu streichen, wurde mit 11 gegen 3 Stimmen abgelehnt. Ebenso wurde ein Antrag Angermeier, mehrere Stellen zu streichen, abgÄehnt unb dann das Kapitel angenommen. Ferner wurden genehmigt Kapitel 76 (Stellver­tretungen und Aushilfskoften), Kapitel 77 (Post­gebühren), Kapitel 78 (Hochbauwesen), Kapitel 79 (Geologische Landesanstalt), Kapitel 80 (Kosten der Pachteinigungsämter). Zu Kapitel 82 (Land­wirtschaftliches Versuchswesen unb Landwirt-- schaf tspflege) lag ein Airtrag Dr. Büchner-Reiber vor, die Zahl der Landwirtschaftsäm­ter auf lOherabzusetzen und die Zahl der Beamten auf die Hälfte. Der Antrag wurde mit 10 gegen 3 Stimmen abgelehnt. Angenommen wurde dagegen ein Antrag Dr. Büchner-Reiber, in dem die Regierung ersucht wird, zur Vorlage eines Gesetzes, das die Kosten der Gemeinden, der Kreise und der Landwirtschaftskammer zu den landwirtschaftlichen Schuler, regelt. Ein weiterer Antrag Dr. Büchner-Reiber, die Tagegelder auf 4000 Mark festzusehen, wurde mit 11 gegen 2 Stimmen abgelehnt. Dagegen nahm der Ausschuß einen Antrag, die Zuschüsse für die landwirtschaftliche Versuchsstation in Darmstadt zu streichen, da die Landwirtschasts- lammer eine ähnliche Anstalt unterhalte, mit 7 gegen 5 Stimmen an.

In einem weiteren Antrag, der mit 7 gegen 6 Stimmen angenommen wurde, wird die Re­gierung ersucht, ob nicht die Landwirtschafts­ämter und landwirtschaftlichen Schulen, ohne Kostenersah an die Landwirtschafts­kammer übertragen werden können. Ein Antrag Dr. Werner, die Frage zu prüfen, ob und inwieweit hie Aufgaben der landwirtschaft­lichen Versuchsstation anderenorts ober ander­weitig geleistet werden können, wurde gegen vier

Stimmen angenommen. Ferner stimmte der Aus­schuß einem Antrag Widmann-Stork zu, von den Vergütungen für 15 Assessoren, die für 8 zu streichen. Der Beschluß fand mit 7 gegen 5 Stimmen Annahme. Ebenso wurde ein Antrag Lux. den Beitrag für die landwirtschaft­lichen Haushaltungsschulen, in Hohe von 3000 Mk. zu streichen, mit 7 gegen 6 Stimmen angenommen. Ein Antrag, die Landwirt­schaftsschule in Alsfeld zu einer klein­bäuerlichen Musterwirtschaft auSzubauen, wurde der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen, sobald die finanziellen Verhältnisse den Ausbau erlauben; Das Kapitel selbst wurde bann an­genommen. ebenso Kapitel 86 (Reichsversiche- rung); ein Antrag Angermeier hierzu, zwei Re­gierungsräte zu streichen, wurde abgelehnt. Auch Kapitel 87 (Schlichtungswesen) wurde genehmigt.

Zu Kapftel 88 (ErwerbSlosenfürsorge) lag em Antrag Roth vor. statt 500 000 Mk. 3 000 000 Mk. (für Rotstandsarbeiten) einzusetzen. Der Antrag wurde der Regierung als Material überwiesen. Ein Antrag, den Aufwand von 3 439 000 Mark in diesem Kapitel spezialisiert aufzuführen, wurde abgelehnt, ebenso ein Antrag Kiel, einen Zuschuß zu der Sonderunterstützung der Ta­bakarbeiter zu leisten, weil dies gegen reichs­gesetzliche Bestimmungen verstoßt. Das Kapitel 88 wurde bann angenommen, in gleicher Weise das Kapitel 89 (Landeskredit). Zu Kapitel 83, das bann beraten wurde, lag ein Antrag Dr. Büchner-Reiber vor. die Tagegelder des Ver­messungspersonals zu streichen Es sollen also, wie bei den Forstbeamten, nur die Reisekosten vergütet werden Der Antrag wurde gegen 3 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen abgelehnt. Gin Antrag, die Tagegelder und Reisekosten der Kulturbeamten auf 45 000 Mark herabzufetzen, wurde mit 5 gegen 4 Stimmen bei 3 Stimment­haltungen angenommen. Ein Antrag Dehlinger, der sich auf unentgeltliche Mitwirkung der Be­hörden bei Feldbereinigungen usw. bezieht, wurde der Regierung als Mäterial überwiesen. Eben­falls wurde ein Antrag Birnbaum-Haury, daß die Vermessungspraktikanten, die schon vor dem Kriege in der Gehaltsgruppe 7 waren, in diese Gruppe wiedereingestellt werden ober en fie auf­rüden. der Regierung als Material überwiesen. Das Kapitel selbst wurde genehmigt.

Uebersall auf Sowjetkuriere.

Riga, 5. Febr. (Lokalanzeiger.) Zwei di­plomatische Kuriere der Sowjetregierung sind im Moskauer Personenzug zwischen Aeksküll und Salspils die Opfer eines Raub­überfalles geworden. Der eine wurde ge­tötet und der andere schwer verletzt. Die Räu­ber, zwei junge Leute, hatten vorher im Reben­abteil einem Reisenden Geld abgeforberti, sie fanden jedoch bei den Kurieren Widerstand. Im Kampf mit ihnen wurden beide Räuber er­schossen. Die Llntersuchung ist im Gange.

Dar. lettische Außen Ministerium hat an den hiesigen Vertreter Sowjetruhlands ein Schreiben gerichtet, in dem das tiefste Bedauern über den Vorfall ausgedrückt wird. Außerdem sprach der Leiter des Auhemnini- sleriums persönlich das Bedauern der lettischen Regierung aus. Der Sowjetgesandte hat dem lettischen Außenministerium eine Rote überreicht, in der die lettische Regierung für den Vorfall verantwortlich gemacht wird, da sie keinerlei Maßregeln zmn Schuhe der Kuriere getroffen habe. Er behält sich weiter das Recht vor, Genugtuung zu verlangen.

Kunst und Wissenschaft.

Eine Relchsgesundheitswoche.

Auf Anregungen verschiedener Krankenkasfen- verbände ist beschloßen worden, in der zweiten Hälfte des April eineReichsgesundhcitswoche" zu veranstalten. Die allgemeine Organisation der Reichsgesundheitswoche ist dem Reichsausschuß für hygienische Volksbclehrung und den ihm angeschlos­senen Landesausschüssen übertragen worden. Die Veranstaltung bezweckt, wahrend einer Woche gleichzeitig in möglichst zahlreichen Orten des Rei­ches mit Mitteln der Belehrung und der Propa­ganda die Aufmerksamkeit auf bie Notwendigkeit der Volksgesundheitspflege hinzulenken.

Ein Echeffelmuseum in Karlsruhe.

Aus Anlaß des hundertsten Geburtstages Joseph Viktor v. Scheffels wird am 12. Februar das vom Deutschen Scheffelbund eingerichtete und verwaltete »Deutsche Scheffelmuseum" in Anglie­derung an das badische Landesmuseum im ehe­maligen Schloß in Karlsruhe unter Anteilnahme der Behörden und vor geladenen Gästen feierlich eröffnet.

Gustav Eberlein f.

In Berlin ist der Blldhauer Professor Gustav Eberlein gestorben. Eberlein war 1847 geboren, war zuerst Goldschmied in Rürnberg, dann Bild­hauer. Seine Hauptwerke sind der Domauszieher in der Berliner Rationalgalerie, eine Reihe Denkmäler der Kaiser Wilhelm und Friedrich in Mannheim, Elberfeld und Krefeld, das Reiter- denllnal Herzog Ernst II. in Koburg. Auch als Schriftsteller hat Eberlein sich betätigt.

Der neue Würzburger Internist.

Dom bayerischen Staatsministerium für Un­terricht und Kultus wurde mit Wirkung vom 1. April an der ordentliche Professor an der älniversität R o st ock Dr. Erich Grafe zum ordenllichen Professor für innere Medizin in der medizinischen Fakultät der Llniversität Würz­burg in etatmäßiger Eigenschaft ernannt.

Amundsen erkrankt.

In Los Angeles ist Amundsen, der sich zur Zeit dort aufhält, ernstlich erkrankt. Die Aerzte befürchten, daß es sich um eine schwere Lungentzündung handelt.

Aus aller Welt.

Der Erfolg einer Berufung.

Der Angestellte der städtischen Sparkasse in Altona, Hasler, war vom Schöffenaericht wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu einem Jahr neun Monaten Gefängnis und der Kaufmann Jansen zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Gegen das Urteil gegen Hasler wurde vom Staatsanwalt und gegen das Urteil von Jansen von Jansen Berufung eingelegt. In zweiter Instanz wurde Hasler zu drei Jahren sechs Mo­naten Zuchthaus und 5000 Mark Geldstrafe verurteilt. Jansen wurde freigesprochen.

Wirbelsturm auf Madagaskar.

Dom 30. Januar bis 2 Februar hat auf Madagaskar ein heftiger Wirbelsturm gewütet. Sämtliche Telephon- unb Telegraphenleitungen 1

zwischen der Hauptstadt und der übrigen Insel sind unterbrochen gewesen, eine Ortschaft zerstört, ein Eingeborener getötet und zahlreiche Personen verletzt worden. An anderen Stellen hat eine Springflut bedeutenden Schaden angerichtet.

Schweres Eisenbahnunglück im Moskauer Bahnhos.

Der Leningrader Schnellzug fuhr bei seiner Ankunft im Moskauer Bahnhof infolge Ver­sagens der Bremse auf den Prellbock auf unb prallte gegen den Bahnsteig. Fünf Personen wur­den getötet und 21 verletzt.

Opfer des Karnevals.

Eine in Köln-Kalk wohnende Frau, die mit ihrem Ehemann von einer .Karnevalfeier heim- gekehrt war, lehnte sich, weil ihr infolge des ge­nossenen Alkohols schlecht geworden war, aus dem Fenster ihrer im dritten Stock liegenden Wohnung. Dabei bekam sie das Uebergewicht und stürzte in ihrem Fastnachtskostüm auf d i e Straße hinab. Sie erlitt so schwere Verletzungen, daß sie auf der Stelle st arb. In derselben Nacht wurde ein Baler mit seiner Tochter, die ebenfalls von einet# Masken ball kamen, von einem Auto über fahren. Beide wurden schwerverletzt ins Hospital geschafft, wo der Mann kurz noch der Einlieferung starb.

Aus der Vrovinzialhauptstadt.

Gießen, den 6. Februar 1926.

Die Treppe.

Wenn sie reden konnte - so wie die Lust jetzt redet, die auf unsichtbaren, unerkennbaren Schwingungen uns über Länder und Meere hin­weg tausend Geräusche und Erlebnisse über­mittelt! Ich würde mich auf eine Stufe setzen und zuhören, was sie von all denen weiß, die täglich auf ihr hinauf- und herabeilen, die vielen, vielen Füße, die sie längst kennt.

Morgens läuft zuerst das Dienstmädchen oder die Hausfrau herunter, um die frischen Brötchen zu holen: barm folgen polternd die Schullinder, die immer so entsetzliche Eile haben. Leichtfüßig folgt in unserem Hause die fleißige kleine Steno- thpistin aus dem dritten Stock die Treppe weiß schon, abends kommt sie in Begleitung ihres Verlobten zurück, des jungen Bankangestellten, der sie vom Kontor abgeholt hat: es gibt dann immer einen langen Aufenthalt auf dem letzten Absatz aber die Treppe ist verschwiegen.

Wenn die Hausväter bedächtig herunter- gegangen sind, zu ihren Behörden, Bureaus ober Geschäftslokalen, kommt bald bie Witwe aus bem zweiten Stock, bie im vorigen Jahre ihren Mann verlor, und die nun als Erwerbsquelle einen Mittagstisch gegründet hat: mit dem großen leeren Einyolebeutel geht sie eilig herunter, um schwerbepackt eine Weile später wieder hinaafzu- fteigen. Jetzt stützt es sich schwer auf das Ge­länder. mühsam nimmt der kräftige junge Mann, Stufe für Stufe die Treppe weih, er hat ein künstliches Dein, er verlor das lebende Glied in der Holle von Verdun. Wie gern hätte die Treppe für ihn breitere, bequemere Stufen! Zier­lich trippeln jetzt die Füßchen in Lackschuhen der reizenden jungen Frau aus dem ersten Stock herab. Wie kann man nur so kleine Füße haben", horte die Treppe neulich den verliebten jungen Ehe­mann sagen. Unb jetzt wagen noch kleinere Füße bie Gefahren beS Abstiegs, hübsch langsam, Stufe für Stufe, kleine Hände halten sich an den Ge­länderstäben fest Brüderchen und Schwesterchen begeben sich zum luftigen Spiel auf die Straße. Dazwischen steigt der Briefträger mit seinem gleichmäßigen Schritt hinaus und herunter, gute unb traurige, gleichgültige und ärgerliche Rach­richten an die Hausbewohner verteilend.

Ach ja. die Treppe kennt große Teile der Lebensgeschichte jedes einzelnen Hausbewohners, sie unterscheidet die Soliden und die älnsoliden, bie Frühaufsteher unb die Langschläfer; sie ver­folgt den Lebenslauf vom Kinderwagen bis zum Sarge--wenn fie nur reden könnte! Ich setzte

mich fo gern auf eine Stufe und liehe mir er­zählen E. v. M.

Gegen diePoftautolinie Gießen - Krofdorf - Fellingshausen

die am kommenden Montag ihren Betrieb auf­nehmen sollte, werden fortgesetzt alle möglichen Einwände erhoben zu dem Zweck, diese für die beteiligten Gemeinden dringend not- wendigeVerbindungzumScheiternzu bringen. Die Schwierigkeiten gehen von der B i e- bertalbahn-Gesellschaft aus, bie ganz unbegründeter Weise einen Einspruch nach dem andern bei den Ministerien erläßt. Die ßinie ist von den zuständigen preußischen und hessischen Verwaltungsstellen bereits genehmigt, sie kann aber wegen der Einsprüche der CBicbertalbabn) nicht in Betrieb gesetzt werden, obwohl der Wa­gen schon seit mehreren Wochen in Gießen bereit­steht. Mit dieser Sachlage befaßte sich am Don­nerstag eine stark besuchte Einwohne r--D e r- fammlung in Krofdorf, in der das eigen­artige Verhalten der Diebertalbahn in scharfer Weise gekennzeichnet und gleichzeitig energisch Protest erhoben wurde gegen die auf Grund der Einsprüche immer wieder hinausgeschobene Inbetriebnahme des neuen Verkehrsmittels. Die Versammlung betonte mit Rachdruck, daß für bie Gemeinden Krofdorf und Fellingshausen ein dringendes Bedürfnis vorhanden sei, diese Verbindung sofort in Betrieb zu nehmen. Dem ReichspostMinisterium wurde die Stellungnahme der Versammlung telegraphisch und eingehender noch brieflich zur Kenntnis ge­bracht. (Wir werden auf diese Angelegenheit zurückkommen. D. Red.)

Wettervoraussage.

Wolkig, kühler bis zu leichtem Rachtfrost, tagsüber milde, durchweg trocken.

Während im Osten Frost eingetreten ist und leichter Schneefall niedergeht, ist die kalte Luft des nordöstlichen Hochdruckgebietes noch nicht bis in unseren Bezirk vorgedrungen. Die Anzeichen mehren sich jedoch, daß der Einfluß dieses Hoch­druckgebietes zunächst überwiegt, wenn auch eine im Kanal liegende Randbildung vorübergehend schwächere Störungen Hervorrufen kann.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 9,6, Minimum 2,7 Grad Celsius. Riederschläge: 0,8 Millimeter, Heutige Morgentemperatur: 5,3 Grad Celsius.

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