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Schreiben der englischen Dergarbeiterverbände zu , beraten. Ein Sewerkschaftsoeamter äußerte, et sLhe keine Möglichkeit zu einem Sym­pathiestreik der Bergleute auf den ameri­kanischen Anthrazitgruben, denn die Gewerkschaft könne die mit den Bergwerksbesitzern abgeschlosse­nen K o n t r a k t e nicht annullieren. Der Sekretär der Bereinigten Bergarbeiter, KennedH, erklärte, ein unmittelbarer Schritt der Bergarbeiterorgani- fation im Zusammenhang mit dem englischen Dergarbeiterstreik sei nicht in Aussicht ge­nommen.

Die Rückwirkung auf den Franken.

Paris, 5.Mai. (WTB. Funkspruch.) Der Vor­stand des Allgemeinen Arbeiterverbandes des EGT. fordert alle gewerkschaftlichen Organisationen auf, sich nicht zu Manövern herzugeben, die das Gelingen der Bewegung der englischen Arbeiter beeinträchtigen würden. Auch die Gewerkschaften Moskauer Rich­tung erlassen an die französischen Arbeiter einen Aufruf, in dem sie erklären, daß kein Kilo Kohle nach England transportiert werden dürfe. In politischen und industriellen Kreisen befürchtet man Rückschläge auf die Pariser Börse. Die Voraussagen, wonach die Londoner Börse große Mengen von Franken zur Stützung des Pfundes aufdenMarktwerfen würde, haben sich bewahrheitet. An der Börse wurden am Diens­tag große Posten von Franken angeboten. Das Psund Sterling stieg infolgedesien auf 148,50 und erreichte zum Schluß 149,40. Der Dollar notierte am Vormittag 30,6 und nachbörslich 30,8.

Rllhrbergdau und Generalstreik.

($4ne Richtigstellung

des Bergbaulichen Vereins.

Essen. 4. Mai. (WB.) 3n der anläßlich des britischen Dergarbeiterausstandes erlassenen Aufrufe des Alten Bergarbeiter- Verbandes werden die deutschen Bergarbeiter aufgefordert, den englischen Kameraden zu hel­fen, insbesondere durch die Deseitigung der Lieb er schicht en, die gegenwärtig im Ruhr­bergbau trotz der zahlreichen Feierschichten in erheblichem Llmfange verfahren würden. 3n einer Zuschrift des Dergbauvereins wird demgegenüber erklärt, daß es sich hierbei um unzutreffende Darstellungen handelt. Cs sei auch behauptet worden, daß durch diese Lleberschichken mehr als 23 000 Bergarbeiter brot­los gemacht worden seien. Solchen Berechnungen liege eine völlige Verkennung des Be­griffes der Lieberschichten in amtlichen Rachweisungen zugrunde. 3n den Lieberschichten­zahlen seien auch sämtliche tariflich fest gelegte betriebsnotwendige Lieberschichten (Sonn­tagsschichten usw.) enthalten, die über Tage in den durchgehenden Betrieben. Kokereien usw. und unter Tage von Maschinisten. Pumpwerkern, Pferdeknechten usw. verfahren werden müßten. Die Zahl der zumZweckeerhöhterFörde- tung eingelegten Lieberschichten sei sehr ge­ring. Sie könnten nur in Frage kommen ge­legentlich einer gesteigerten Nachfrage nach be­stimmten Kohlensvrten, die zu befriedigen nicht nur im Interesse der Zechen liege, sondern auch in dem der Belegschaften. 3n solchen Fällen ohne weiteres neue Arbeitskräfte einzustellen, die nur vorübergehend beschäftigt werden könnten, sei unmöglich. Cs sei auch festgestellt worden, daß beispielsweise im Ruhrbergbau im dritten Viertel des 3ahres 1925 mehr als drei­viertel aller Lieberschichten belriebsnotwendig ge­wesen seien.

In maßgebenden Kreisen des Ruhrbergbaues herrscht starke Zurückhaltung wegen der eventuellen günstigen Auswirkung des englischen Generalstreiks auf den Absatz der deutschen Kohle, da man allge­mein damit rechnet, daß der Streik nicht lange andauern kann. Wenn man erwägt, daß die L a g e r b e st ä n d e des Ruhrkohlenberg- baus ca. acht Millionen Tonnen betragen, so müßte der englische Streik, um diese deutschen Bestände zu räumen, von sehr langer Dauer sein. Tatsache ist, daß bereits eine größere Anzahl Nach­fragen bei dem Rheinisch-Westfälischen Kohlensyn- dikat eingegangen sind. Allerdings ist es zu f e st e n Abschlüssen noch nicht gekommen. Es verlautet, daß die luxemburgischen Hütten bedeu­tende Abschlüsse in Hochofenkoks bei den Ruhrzechen getätigt hätten. Aber auch hierzu ist zu sagen, daß auf Grund der englischen Stteikbewegung neue Ab­schlüsse bisher nicht gemocht sind. Es kann sich dabei nur um die Erfüllung der regelmäßig laufenden Abschlüsse handeln. Durch die englische Arbeitskrise ist die Rheinschiffahrt ebenfalls noch nicht in erheblichem Matze gesteigert worden. Der nied- rige Preis der Ruhrkohle wird bewirken, daß vor­aussichtlich viele Schiffe, die sonst in England bun­tem, in kontinentalen Häfen die Kohlen überneh­men. So verlautet von der holländischen Grenze, daß in dieser Woche in den Rotterdamer Häfen große Zufuhren von deutscher Kohle erwartet werden.

Wohnungsdebatte im Deutschen Reichstag.

Berlin, 4. Mai. Präsident Löbe wid­mete bei Eröffnung der Sitzung dem gestern in München verstorbenen deutschen Gesand­ten in Wien, Dr. Pfeiffer, einen in herz­lichen Worten gehaltenen Rachruf, der von den Abgeordneten stehend angehört wird.

Abg. Silberfchmidt (Soz.) erstattet dar­auf den mündlichen Bericht des Ausschusses für Wohnungswesen über den demokratischen An­trag auf Vorlegung eines Wohn- reformgesetzes. Der Ausschuß hatte den Antrag in der Fassung angenommen, daß die Regierung ersucht wird, alsbald ein Wohn­heimstättengesetz im Sinne des Entwurfes des ständigen Beirates für Heimstättenwesen beim Rcichsarbeitsministerium" vorzulegen. In e'ner einstimmig vom Ausschuß angenommenen Ent­schließung wird die Regierung weiter ersucht, einen umfassenden Wohnungsbauplan auszuarbettev und dabei Vorschläge vorzulegen, durch die der erforderliche Boden zu an - nehmb are n Preisen sichergestellt wird. Bei der Beseitigung der Wohnungsnot sind weitestgehend die Gedanken ber Wohnungs­reform zu verwirklichen

Abg. Dr. Steiniger (Dn.) stimmt der Entschließung des Ausschusses zu, wendet sich aber gegen d e n Ausschußantrag, weil der Entwurf deS ständigen Beirates für Heim­stättenwesen beim Reichsarbeitsministerium als undurchführbar erscheint. Die gegen die Bodenspekulation gerichteten Bestimmungen die-

Eine Flaggenverordnung

von der deutschnationalen und der volksparteilichen Presse begrüßt. Die D e u t s ch e Z e i t u n g schreibt: Die Notwendigkeit, die Verordnung erst noch be­gründen zu wollen, erübrigt sich. Sie hängt sachlich und zeitlich offensichtlich zusammen mit dem Be- such Hindenburgs in Hamburg, wo man weiß, was für die deutsche Haltung im Auslande förderlich ist. Auch im Lokalanzeiger heißt es: Besonders aus Hamburger Han- dels kreisen war die Anregung zu der Aende- rung in der Flaggenfrage an die Reichsregierung gerichtet worden.

Berlin, 4. Mai. (VDZ.) wie das Nachrlch. fenbureau des Vereins Deutscher Zettungsverleger von unterrichteter Seite erfahrt, steht eine Ver­ordnung des Reichspräsidenten in Aus­sicht, daß für die ausländischen Missionen vorschreibt, daß bei offiziellen Anlässen neben der schwarzrotgoldenen Jab ne d i e Handelsflagge gesetzt wird, die bekanntlich die schwarzweihroten Farben mit einer schwarzrot­goldenen Gösch zeigt. Gleichzeitig sollen die Reichsbehörden zur See, die bisher die schwarzwe.hrolen Farben mit dem Staatswappen führten, die schwarzrotgoldene Gösch er­hallen. wie versichert wird, sollen die Auclanomis- flonen und die Deutschen im Auslande diese Rege­lung befürwortet haben. Rach Ansicht der Reichs­regierung liegt bei dieser Maßnahme keine Ver­fassungsänderung vor, da die Handelsflagge gesetz­lich sestgelegt ist und die Bestimmung der Diensl- flaggen Sache der Anordnung der Verwaltung ist. Es handelt sich also hier um einen verwalkingsakt, der vom Reichskanzler gegengezeichnet wird. Das Reichskabinett hat »ch mit der Verordnung einver- standen erklärt, wird sich jedoch erneut mit der Ver­ordnung beschäftigen, da Zwei Regierungsparteien st arte Bedenken geäußert haben.

Die Stellung der Parteien.

Protest der Linke», Bedenken des Zentrums.

Berlin, 4. Mai. (TLl.) Drr demokra­tische Fraktivnsvor sitzende. Koch- Weser, sprach heute beim Reichskanzler Dr. Luther wegen der Flaggenverordnung vor. Er legte im Ramen der demokratischen Reichstags­fraktion entschiedenen Protest gegen die beab­sichtigte Verordnung ein und betonte, daß die demokratische Fraktion mit allen parlamentari­schen Mitteln sich gegen die Verordnung wenden würde. Sie werde gegebenenfalls sogar überlegen, ob ste den demokratischen Minister nicht aus dem Kabinett zurückziehen soll.

Dom sozialdemokratischen Vor­stand war beim Außenminister Stresemann der Abg. Müller-Franken erschienen, der sich ebenfalls gegen die Verordnung erklärte. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion tritt zur Erörterung der Angelegenheit am Mittwochabend ach der P e ar itzung ie > Re chs a e zusammen.

Die Zentrumsfraktion des Reichs­tages beschäftigte sich nach der Plenarsitzung eben­falls mit der Verordnung zur Flaggenfrage und kam zu dem Ergebnis, daß eine solche Aktion zur Zeit nicht als angebracht ange­sehen werden könne. Rach Schluß der Sitzung wurde der Beschluß dem Rnch^,außenminister zur Kenntnis gebracht. Die Fraktion der Baye­rischen Volkspartei beschäftigte sich ledig­lich mit laufenden Angelegenheiten. Zur Flaggen­frage wurde keinerlei Stellung genommen, da diese Angelegenheit der Fraktion weder durch die Regierung noch von einer Partei bisher nabe» gebradü worden ist.

3m Widerstreit der presse.

Die angekündigte Flaggenverordnung, der das Reichskabinett einftimig zugestimmt hat, wird

In der Täglichen Rundschau

wird ausgeführt: Es mar sicher kein Zufall, daß die großen Handelshäuser in Hamburg gestern bet dem Besuche des Reichspräsidenten die Handels­flagge gehißt hatten. Die Herstellung einer deutschen Einheitsfront im Auslande, der die neue Verordnung dient, liegt in dringendem Interesse des Deutschen Reiches, und wenn der Reichspräsi- deut einen Schritt tut, um in der Flaggenfrage eine Einheitlichkeit des Auftretens zu schaffen, so sollte dies wahrscheinlich nicht Gegenstand eines klein­lichen inneren Parteizwistes fein. Das Blatt glaubt schließlich die oben angeführte Mitteilung, wonach sich das Reichskadinett infolge der Bedenken der demokratischen und der Zentrumsfraktion erneut mit der Flaggenverordnung beschäftigen werde, d e» mentieren zu können und erklärt: Die Verord­nung wird unter allen Umständen ver­öffentlicht werden.

3n der Germania

erfährt die angekündigte Verordnung eine scharfe Kritik. Das Zentrumsblatt schreibt u. a.: Die neue Flaggenverordnung soll angeblich dazu dienen, Be­ruhigung in der Flaggenfrage wenigstens bei den Auslanddeutschen zu schaffen. Es gibt gute Grunde für die Auffassung, daß diese Beruhigung bei den Deutschen im Auslande nicht eintritt. Dagegen steht es aber außer allem Zweifel, daß diese Flag­genoerordnung ein schweres Moment der Beun­ruhigung in die deutsche Innenpolitik trägt und unsere ohnehin schon aufs äußerste gespannte innenpolitische Lage in geradezu gefahrdrohender Weise verschärft. Für eine auf schwachen Füßen stehende Minderheitsregierung gehört ein geradezu erstaunlicher Mut dazu, in den gegenwärtigen kri­tischen Zeiten ohne einen besonders dringenden An­laß in das Wespennest der Flaggenfrage zu greifen. Im Reichstag herrscht Krisenluft.

Das Berliner Tageblatt

fragt: Soll wirklich jetzt in Paris und in London und in Wien dem Ausland vor Augen geführt wer­den, daß die Republik ihre Farben nicht zu behaup­ten wriß, weil es eine Anzahl Auslanddeutscher gibt, die aus fanatischer Abneigung gegen die Republik auch btren Fayne beschimptt? Will man den Aus- 4anddeutschen jetzt in den Rücken fallen, die treu zu Schwarzrotgold gehalten haben? Glaubt man der Würde des Deutschen Reiches zu dienen mit einem Zustand, angesichts dessen die fremden Staaten über­haupt nicht mehr wißen, welche Fahne als amtliche Flagge des Deutschen Reiches anzusehen ist? Der Vorwärts sagt: Die neue Flaggenverordnung I ist nach außen rne Schädigung der deutschen Inter­essen und nach innen eine Herausforderung der re- publikanisch gesinnten Bevölkerung.

ses Cesehentwurfes würden sehr bedenkliche Rebenwirkungen haben. Die Erfahrungen mit dem alten Heimstättengeseh seien nicht ermuti­gend für ein neues reichsgesetzliches Vorgehen dieser Art.

Abg. Rönneburg (Dem.) äuhe'ck sein Be­fremden über die Haltung der Deutschnationalen. Den Führer der deutschen Bodenresor. ier, Dr. Damaschke, hätten zu seinem 60. Geburtstage auch die Deutschnationalen beglückwünscht, jetzt aber lehnten sie den Entwurf ab, der Damaschkes Werk sei. Der Ausschuhantrag wolle nur den Artikel der Reichsverfassung verwirklichen.

Abg. Dr. B r e d t (Wirt. Ver.) bekämpft den AuSschuhantrag und den Entwurf desstän­digen Beirats". Das jetzt von den Bodenrefor- mern propagierte Heimstättenwesen sei gar nicht praktisch z u verwirklichen. Die Fläche Berlins würde dazu gar nicht ausreichen. Die sonst erstrebte möglichst enge Verbindung zwischen Wohn- und Arbeitsstätten wäre unmög­lich und das Wohnen würde für die breiten Massen viel z u teuer werden.

Abg. Seiffert (Völk.) begrüßt die Aus- schußentschließung. Ein gesetzgeberisches Vorgehen müsse vor allem verhindern, baß die in der 3nflationszeit oft von Ausländern für ein Butterbrot erworbenen Grundstücke bodenwuche­risch ausgenuht werden. Der vom Ausschuß an­genommene Entwurf müßte so erweitert werden, daß man gegen diejenigen Grundstücksbesitzer vorgehen kann, die die Wohnhäuser rücksichts­los verwahrlosen lassen. ^>lche Grund­stücke müßten enteignet werden. Abg. Dey - t h i e n (D. Vp.) weist daraufhin, baß der Aus- schußbeschluh nur dadurch zustandegekommen fei, daß zwei Gegner des Entwurfes bei der Abstimmung gefehlt hätten. Der vom Aus­schuß empfohlene Entwurf müsse grundsätzlich ab­gelehnt werden, weil er das System dev Zwangswirtschaft in verstärkten Form wieder einführen will. Hier müsse man schon dem Antrag widerstreben.

2lbg. Tremmel (Z.) tritt für den Be­schluß des Ausschusses ein. Die Tatsache, daß früher die notwendigsten Maßnahmen aus dem Gebiete des Boden- und Wohnungswesens ver­säumt wurden, dürfe nicht den Vorwand bilden, es beim Alten zu lassen. Die vollkommen freie Wohnungswirtschaft würde zur Verdreifachung der Wohnungsmiete führen. Das wäre nun durchführbar, wenn die Arbetterlöhne entspre­chend erhöht würden.

Abg. Schirmer (Dayr. Dp.) erklärt sich für den Ausschußbeschluh.

Hieraus vertagt das Plenum die Abstimmung auf Mittwoch.

Die Fürstenabfindung.

B e r 11 n , 4. Mai. (DDZ.) In der heutigen Sitzung des Rechtsau sschusies des Reichs- tvfls wurde der sozialdemokratisch-kommunistische Gesetzentwurf des Volksentscheides mit 17 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten nur die Sozialdemokraten und die Kommunisten. A b ge­lehnt wurde auch der demokratische Aenderungsontrag, für den nur die Demo­kraten stimmten. Ferner wurde mit 21 gegen 6 Stimmen der Abänderungsgefetzentwurs des Zentrums abgelehnt. Dafür stimmten nur die Demokraten und das Zentrum. Es bleibt in der Frage der Fürstenabfindung jetzt nur noch der R e -

gierungsentwurf übrig, der erst im Plenum vorgelegt werden muß, nachdem der Reichsrat ihn erledigt hat.

Ein deutsch-türkisches Abkommen?

Berlin, 5. Mai. Wie dieDeutsche Tagesztg." rnitteilt, verlautet in diplomatischen Kreisen, die tür- fische Regierung beabsichtige, mit Deutschland in Beratungen einzutreten, um einen bedeutenden, langfristigen Kredit und im Zusammenhang damit ein besonderes Abkommen mit Deutschland abzuschließen, dos in ähnlicher Linie wie das entsprechende deutsch-russische Ab­kommen liegen würde.

Aus aller Welt.

Folgenschwere Explosion.

3n einer X a | (c k r Bäckerei ereignete sich durch Explosion einer Heizcöhre des Dampf- backofens ein schwerer Unfall, dem ein Menschen­leben zum Opfer fiel. Infolge des Dampfdruckes ist das Ende einer Röhre aufgeplatzt, der aus­strömende Dampf durchschlug mit der Wirkung eines Geschosses die Backsteinwand und schleu­derte einige Backsteine und die vor der Röhre sitzende gußeiserne Ofenk.appe an die gegenüber» liegende Wand, die das 20jährige Dienstmädchen Clise Siebert trafen, wodurch die Wirbel­säule durchschlagen wurde. Das Mädchen brach sofort tot zusammen. 3m Augenblick der Explosion befand sich die Geschäftsinhaberin in gebückter Stellung unter einer Türe neben dem Ofen, so daß die fliegenden Steine über sie hinweggingen, und sie nut durch die glühende Asche im Genick einige Brandwunden erlitt Sie erlitt einen Rervenschock.

Großfeuer im Rotterdamer 5)asen.

Rotterdam, 5. Mai. (WTB. Funkspruch,) Im südlichen Teil des Rheinhafens brach gestern abend ein gewaltiger Brand aus, dem außer einem großen Vorratsspeicher und verschiedenen anderen Gütern auch 4000 Tonnen Chilesalpeter voll­ständig zum Opfer fielen. An der Bekämpfung des Brandes beteiligten sich 18 Löschdampfer. Infolge des durch den Brand entwickelten Gases ereigneten sich mehrere Explosionen, durch welche vier Mitglieder der Löschmannschaften schwer verletzt wurden. Der Schaden wird auf rund eine Million Gulden geschätzt.

Die Frau aus dem Fenster geworfen.

Der Tiefbauarbeiter Gottfried Würfel, der seine Frau am Abend des 3. Ottober in Berlin wahrend eines Streites in der Ange­trunkenheit aus dem Fenster feiner im vierten Stockwerk gelegenen ehelichen Wohnung warf, wurde wegen Totschlages zu acht Jah­ren Zuchthaus und acht Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Angeklagte behauptete, die Frau habe Selbstmord begangen.

Wettervoraussage.

Nördliche Winde, für die Jahreszeit kühl, wolkig bis aufklarend, meist trocken.

Die Bedingungen für das Anhalten des kühlen Wetters sind noch gegeben. Dadurch daß in Nord­europa eine Zyklone ostwärts zieht, verstärkt sich noch die Möglichkeit des Zuströmens von verhält- nismäßig kalter Luft nach Deutschland.

Aus der provinzialhaupiftM.

Gießen, den 5. Mai 1926.

Die Jagd im Mai.

Der Monat Mai ist die Zeit des Wachsens und Blühens und die Ratur ist eine große Kinderstube, die unbedingt der Ruhe und der Aufsicht bedarf. Die 3agd ruht fast vollständig, und toeim die Büchse sprechen muß, fo gilt dies meist nur der Hege und dem Jagdschutz.

Das Edel - und Damwild hat sich dem Geschlechte nach getrennt Der Wandertrieb ein­zelner starker Hirsche macht sich bemerklich. Des­halb sind die das Wild so sehr fesselnden Salz- lecken in bester Ordnung zu halten. Das Mutter- wild hat bereits gesetzt, oder es sucht wiesen­reichen Riederwald oder Druchränder auf, um es hier zu tun. Die 3agd ruht, da der Wald im Mai Ruhe gebraucht: deshalb ist auch jedem jagenden Hunde die Kugel anzutragen.

Die Sauen haben gute Zeit. Keiler, Heber- laufet und nicht 3unge führende Dachen suchen nachts die Sommerungsschläge auf und machen viel Schaden Alte Dachen frischen in tiefer Dickung und finden auch dort an reicher Erd- mast ihre Rechnung.

Dei den Rehen haben gute Böcke gefegt und sind habet Don Mitte des VDonats ab ist in einzelnen, wenigen Gegenden 1ffe 3agd auf Böcke frei Eine weitere freiwillige Schonzeit bis Ende des Monats ist jedoch anzuempfehlen. Auf gehegten Revieren schießt man nicht vor Anfang 3uni die Raufer und Dchadböcke ab, da diese bei Eintritt der sogenannten falschen Brunft schwächere Docke toeit abtreiben. Die Ricken setzen und wählen hierzu gern stille Feldhölzer oder größere Getreideschläge, wo sie mehr vor Fliegen und Bremsen geschützt find, als im Walde.

Die Auerhahnbalz geht im allgemeinen zu Ende, und die abgebalzten Hähne ergänzen die verbrauchten Kräfte bei der ihnen zur Ver­fügung stehenden reichen Kräuter-, Würmer- und 3nsekten-Aesung. 3n hochgelegenen GebirgS- rerrieten balzt zu Anfang des MonatS noch der Hahn. Die Hennen beginnen ihr Lege- und Drut» geschäft. Auf jegliches Raubwild und jagende Hunde ist acht zu geben.

Die Balz des Birkhahns geht zu Ende, die überflüssigen Hähne müssen bereits abgeschossen sein. Die Hennen legen, wie die vom Qluerge- geflügel, in Heidekraut und dichtem Gestrüpp. Grasreicher Riederwald mit Moosboden wird vom Dirkwild gern gewählt.

Der Fuchs raubt in diesem Monat mehr als in der übrigen Zett des 3ahreS, da eS gilt, die nimmerfatte Brut mit Fraß zu versorgen. Wo der Fuchs zu stark vertreten ist, sind die Fuchsbaue- auf ihr Defahrensein zu untersuchen.

Der Dachs hat seine Zungen im Mutterbau und geht gewöhnlich nur nachts in Wald und Feld auf Fraß aus. Ueberall sticht er nach Engerlingen, Larven und anderen Schädlingen, verschmäht aber auch bei sich darbietender Ge­legenheit Eier der Bodenbrüter nicht.

Der erste Hasenfatz ist bei der günstigen Witterung gut durchgekommen. Deshalb sind aber vor allem wildernde Hunde und Katzen kurz zu halten.

Rebhühner, die jetzt ihr Drutgeschäst beginnen, sind ebenfalls vor herumstreunendem Raubgesindel zu schützen.

Schnepfen, Haselwild. Enten und Gänse find mit Legen und Brüten beschäftigt.

Die Fasanen legen und brüten. 3n Fa­sanerien kann daS Einsammeln von Eiern noch fortgesetzt werden. Zum Schuh vor dem Raub­zeuge sind hier zahlreiche Klappfallen vor den Fangöffnungen der LImzäunung am Platze.

St. Hubertus.

Der Derkehrsverern Metzen entfaltet in diesem Jahre eine besonders rege Tätig­keit. Zur Förderung des Fremdenverkehrs wird in Kürze ein kleiner Führer herausgegeben, der in großer Auflage an Kurverwaltungen, Verkehrsver­eine, Hotels ufw. zur Verteilung gelangen wird. Um­fangreiche Verhandlungen mit der Eifenbahnverwal­tung ufw. sollen günstigere ZuHverbin- düngen nach Gießen und zurück erzielen, sowie geplante Fahrplanoerschlechterungen yintanhalten. Weiter sucht der Verein fortgesetzt die Verbindung mit der näheren Umgebung durch Kraftsahr- p o st e n und dergleichen herzustellen bzw. zu ver- bessern. Hierzu gehören u. n. auch die Bestrebungen, im Sommer regelmäßig zweimal in der Woche Autopo st verkehr von Bad-Nauheim nach Gießen zu leiten, um den in Bad-Nau­heim weilenden Kurgästen die Möglichkeit zu geben, die Schönheiten unserer Stadt und ihrer Umgebung kennen zu lernen. Die Durchführung die­ses Planes ist von den maßgebenden Stellen be­reits zugefagt. Weiter sind seitens des' Verkehrs­vereins Bestrebungen im Gange, im Sommer einen Auto - Pendelverkehr vom Stad11hea- ter oder Ludwigsolatz bis zum Fuße des Schiffenbergs herbeizuführen, ähnlich wie dies z. Z. unseres Omnibusverkehrs eingerichtet war. Auch wegen besserer Beleuchtung der Straßen ist der Verkehrsverein vorstellig gewor­den mit dem Erfolg, daß eine Aenderung der Verhältnisse zugesagt wurde. Eine alte Einrichtung Gießens, die alljährliche Feier soll auf Anregung des Derkehrsvereins von diesem Jahre an wieder aufleben. Das Fest findet erstmalig acht Tage vor den diesjährigen Sommer­ferien statt. Mit einer weitgehenden Unterstützung des Festes durch die Lehrerschaft wird gerechnet. Der Verschönerung des Straßenbildes durch Blumen­schmuck bringt der Verein, wie an anderer Stelle berichtet, weitgehendes Interesie entgegen. Abgesehen von der Veranstaltung eines Blumenschmuck- roettbetr. erbes wurde die Herrichtung der An­lagen am Bahnhof (vor dem Hotel Kühnes angeregt und auf deren baldige Durchführung hingewirkt. Die in diesem -^abre vorgesehene Hessentagung soll mit Rücksicht auf die notwendioen umfangreichen Rorbereitiingsarbeiten bis zum nächsten Jahre ver­schoben werden. Dagegen wird im Herbst eine O b st­und Gartenbau-Ausstellung 'in der V o l k s h a l l e stattfinden. Gleichzeitig hiermit ver­bunden wird die Einrichtung von Verkehrs- tagen, bei denen ein Schaufensterwettbe­werb geplant ist. Als Preisrichter soll die Büroer- schäft füngieren. Auch den kommunalpolitischen Fragen bringt der Der°ehrsverein großes Interesse entaegen. In einer in Kürze stattfindenden öffent­lichen Versammlung des Vereins, die in Form eines kommunalpolitischen Dis- kussion-^abends gedacht ist wird ein Dor- llondcmitali-'d d--» Derkehnsoereins einen Vortrag halten, an den sich eine Aussprache über wichtige Fragen unseres Gemeinwesens anschließen soll