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Nr. 104 Erstes Blatt

Mittwoch, 5. Mai 1926

176. Jahrgang

Gießener Anzeiger

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General-Anzeiger für Oberheffen

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Vrrck vnd Verlag: vrühl'fche Univerfitälr-Vuch- und Steinörutferei R. Lange in Gießen. 5christleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7.

Der Generalstreik in England

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Fahrt nach dem Rathause an überall von'der spalierbildenden Menge lebhaften Ovationen herzlichst begrüßt. Kurz zwei älfjr traf der Reichspräsident auf dem Tausenden von Zuschauern umsäumte Platz

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Während des Essens begrüßte der Präsident des Senats, Bürgermeister Dr. Petersen, den

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seiner Begleitung gegen 1.45 Uhr hier eingetrossen. Zum Empfang hallen sich auf dem Bahnhof u.a. ter regierende Bürgermeister der Stadt Ham- turg, Dr. Petersen, der kommandierende @e- »eral des Wehrkreises II und die Stationschefs ton Wilhelmshaven und Curhaven eingefunden. Mach herzlicher Begrüßung durch den Bürger- mciftcr und Vorstellung dec erschienenen Herren Hegab sich der Reichspräsident nach dem Platze Dor dem Dahnhose, wo eine Ehrenkompag- mie der Küstenwehräbteilung Cus - laben, der einzigen Reichswehrformation auf Hamburgischem Staatsgebiete, Aufstellung ge­nommen hatte. Der Reichspräsident schritt unter Cen Klängen des Präsent iermarsches dfe Front ter Kompagnie ab und begrüßte dann die in Hamburg lebenden Pension erlen Generäle und Admirale, die auf dem linken Flügel der Kom­pagnie Aufstellung genommen hatten. Rachdem der Reichspräsident den Vorbeimarsch der Ehren- kompagnie obgenommen hatte, trat er die

Linaywe vo» Lnzeiae, für die lagtsnemmcr vis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Steile örtlich 8. auswärts 10 tReidjspfennig; für Ne- klamean^eigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig. Platzvorschrift 20", mehr.

Chefredakteur.

Dr. Friedt. Wilh. Lange. Verantwortlich für Volitili Dr Ft. Dilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THytlot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den An­zeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen.

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London. 5. Mai. (£11.) Premierminister Baldwin wurde gestern vom König in Audienz empfangen. Für heute ist ein K r o n t a t cinberusen. Allgemein wird darauf hingewiesen, daß die Regierung durch die An­nahme der Verordnung über den Ausnahme­zustand durch das Parlament sich eine außer­ordentlich günstige Lage geschas'en Hot. Alle Maßnahmen sowie auch die weitgehenden Eingriffe der Regierung in die Freiheit des Einzelnen geschehen nunmehr im Rahmen der Verfassung. Hierdurch ist der Streik, ohne daß dies ausdrücklich erklärt wird, als ver­fassungswidrig gestempelt. Die Regierung be­dient sich des Rundfunks zur Verbreitung ihrer Verordnungen sowie für alle Erklärungen und Mitteilungen. Während die Slreik.eitung kei­nerlei Mittel besitzt, um sich fortlaufend mit den Verbänden und Untergruppen zu ver­ständigen. hat die Regierung mit Hilfe des Rundfunks den ganzen Derwaltungs- apparat in der Hand.

In gut informierten Kreisen will man wissen, daß die Regierung mit einer achtwöchigen Dauer des Streiks rechnet. Jedenfalls werden von der Regierung alle Maßnahmen für eine längere Dauer des Streiks getroffen. Für eine weit­gehende Verbreitung der von Mittwoch an er­scheinenden RegierungszeitungBritish Ga­zette" ist gesorgt worden. Die Zeitung wird täglich mit einem Sonderzug nach Dover zum Versand auf dem Kontinent befördert werden. In politischen Kreisen werden heute schon für den Generalstreik Kostenberech­nungen aufgestellt, denen der 14tägige Berg­arbeiterstreik von 1921 mit seinen Gesamtlosten von 350 Millionen Pfund zu Grunde gelegt wird. Danach kostet der Generalstreik täglich 3 bis 4 Millionen Pfund, die in den nächsten Tagen auf 6 bis 8 Millionen steigen dürsten. Mit dem Betrag von drei Millionen würde das täg­liche englische Rationaleinkommen ein Dritte'« einbüßen.

In Eitykreisen wird gegenwärtig besonders start die Frage der möglichen Dau 6 r des Streiks erörtert. Die Meinungen sind sehr geteilt. Rach der einen Auffassung wird ange­sichts der Stärke der Stellung der Regierung und der wirtschaftlichen Hoffnungslosigkeit und Zwecklosigkeit der Streik sehr bald in sich zu­sammenbrechen. Die andere Meinung, die von der Mehrheit geteilt wird, geht jedoch dahin, daß es sich bei dem gegenwärtigen Streik gar nicht um die Frage der wirtschaftlichen Lage der Berg­arbeiter. sondern in erster Linie um d i e Macht im Staat handelt. 'Beide Parteien, sowohl Regierung wie Gewerkschaften, haben sich seit acht Monaten auf den Kampf vorberei- t c t Die Regierung hat eine Reihe von Organi­sationen geschaffen, die ausschließlich den Zweck haben, während eines Generalstreiks oder revo­lutionärer Unruhen eingesetzt zu werden. Man glaubt allgemein, daß ein derartiger Aufwand von Mitteln auch ausgenutzt werden wird und rechnet daher mit einer längeren Dauer des Streiks.

AusdemRegierungsblatt

London. 5. Mai. (WTB. Funkspruch.) Gestern wurde von feiten der Regierung mitgeteilt, daß die Regierung eine Zeitung herausgeben werde, dieBritish Gazette" heißen und ein Penny kosten werde. Die erste Ausgabe lag heute zum Verkauf ans und enthielt Regierungs­mitteilungen fowie allgemeine Rachrichten. In ihrer Darstellung der Lage hebt das neue Regie­rungsblatt Hervor, baß der Streik nicht so voll­ständig sei. wie es seine Veranstalter vorgehabt hätten. Solange der Generalstreik von den Füh­rern nicht aufgehoben werde, könne nichts geschehen. Dies sei eine Bedingung, die jeder Wiederaufnahme von Verhandlian en vorausgehen müsse. Die Regierung teilt mit. daß F r e i - willige in großen Mengen der Aufforde­rung Folge leisten. Der Kanalverkehr zwi­schen Calais und Dover ist gestern mittag mittels

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hauptsächlich für eine ausgedehnte Dersor- auna der Hauptstadt und des übrigen Landes mit den notwendigen Lebens­mitteln Sorge getragen. Der H y d e p a r f ist für das Publikum geschlossen und zu einer Milchzentrale umgewandelt worden. Die Sicherstellung der gan­zen Lebensmittelversorgung geschieht übrigens unter tätiger Mitarbeit der Gewerk- schaffen. Schon vor Einbruch der Nacht war in der Nähe des Marmorbogens eine ausgedehnte Budenstadt ausgestellt. Ein Fernsprechamt und ein geräumiges Geschäftszimmer für die Leitung waren mit unter den ersten Bauten, die fertig mür­ben. Am frühen Abend kam eine Anzahl Güter- wagen, beladen mit Lebensmitteln, an. Feldküchen, Feldöfen, Zelte und eine Verbandsstation wurden in der Mitte des Parks errichtet.

In der Provinz.

London, 4.Mai. (TU.) In Edinburg und Glasgow ist der Verkehr völlig eingestellt. In Plymouth und Manchester wurden sämt­liche Transporte aufgehalten. Auch in Südwales liegt der Verkehr völlig darnieder. In Woolwich haben die Arbeiter des Arsenals die Arbeit einge­stellt. Das Arsenal wurde darauf von Truppen be­setzt. Etwa 10 000 Arbeiter der chemischen Indu­strie in Cheshire, die von ihrem Verband zur Niederlegung der Arbeit aufgefordert worden waren, erschienen gestern trotzdem zur Arbeit.

Die Verbindung mit dem Kontinent.

London, 4. Mai. (WB.) Ein einziger D- Zug wird morgen zwischen London und Dover in beiden Richtungen verkehren, um die Reisenden nach und von dem Kontinent zu be­fördern. Ein erheblich verbesserter Zugverkehr für morgen ist eingerichtet, namentlich auf der Central Metropolitan Railway. Der Verkehr zwischen Calais und Dover wird nur von einem einzigen Dampfer aufrechterhalten. Desgleichen wird der Verkehr zwischen L e H a v r e und Southampton bis auf weiteres nur durch einen Dampfer gesichert. Die hollän­dische Dampsschiffahrtsgesellschast hat beschlossen, vorläufig keine Schiffe mehr nach England und Schottland aussahren zu lassen. Auch der Kanal- Verkehr Hoeck van Holland-Harwich ist ab morgen eingestellt. Heute abend geht das letzte Schiff auf dieser Route nach England ab.

Die Hamburg - Amerika » Linie nimmt für den DampferDeutschland" feine Passagiere nach Southampton an, da nach den neuesten Meldungen Ausschiffungen dort nicht stattsinden. Ob der Dampfer Southampton über­haupt anläuft, ist vorläufig noch unbestimmt: dagegen wird der DampferColumbus" des Rorddeutfchen Lloyd Southampton antaufen. Die Reedereien, die ihre Sänfte in England be­rührenden Linie, befääs i e.i, verhalten sich vor­läufig abwartend. D e für heute angelünbigten Abfahrten sind größtenteils bis auf weiteres verschoben worden. Auch die englischen Ree­dereien halten ihre Schiffe in Hamburg und Bremen zurück, da sie für die Dauer des Streiks hier billiger aufgelegt werden können als in englischen Häfen.

g n j | u i 3) d u (| o jianJjtnoua© aaq 4J1 uaßaßDQ; auf die von der Deutschen Lufthansa betriebene Luftverkehrs st recke zwischen dem Festland und London geblieben. Die Strecke Amsterdam London und umgekehrt wird nach wie vor mit brei- motorigen Iunkersmaschinen beflogen. Die fran­zösische Lufttransportgesellschaft hat bie Flugpreise von Dienstag an verdoppelt, weil der Zubrang ber englischen Fluggäste außer- orbentlid) groß unb nicht zu bewältigen war.

Keine Aktivnderamerikanischen Bergarbeiter.

Wilkesbarre. 4. Mai. (WTB) Der C x e k u t i v a u s s ch u ß der vereinigten Bergarbeiter von Amerika hält zur Zeit eine besondere Sitzung ab, um über das

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eines Passagierschiffes und zweier Frachtdampfer aufrechterhalten worden. Es wird geschätzt, daß in Hüll 2 5000 Arbeiter ft reifen. Die Passagiere der gestern aus Reuyork in Southamp­ton angckommen.n Dampfer .Mauretania" wurden in Kraftwagen nach London be­fördert. In Cork werden die Derluste infolge der Richtausfuhr von Tee. Eiern und Butter auf 103 000 Pfund pro Woche geschätzt. Weitere Mel­dungen besagen: In Liverpool haben zwei Kriegs­schiffe Lebensrnittel gelandet. In Bristol war der Straßenbahn- und Autobusdienft in vollem Gange. Auf dem Dock ruht die Arbeit. Doch werten Dor- kehrungen getroffen, um das Löschen leicht ver­derblicher Waren zu sichern. Die Zeitungen sind nicht erschienen.

Die ersten Ausschreitungen.

London, 5. Mai. (WTB. Funkspruch.) Rachdem der gestrige Tag ohne Ruhestörungen verlausen war, kam es abends in den öst­lichen Bezirken Londons zu Ausschreitun­gen. Autos und Lastwagen wurden verschiedent­lich von jungen Burschen angehalten und die Insassen gezwungen, auszustcigen. Als im Lause des Abends die Polizei verstärkt wurde, nahm die Feindseligkeit der Menge zu. Die Polizei machte infolgedessen von ihren Knüppeln Ge­brauch. Zahlreiche Personen wurden ins Ho­spital gebracht. Den Ausschreitungen fiel ein sehr wertvolles Auto zum Opfer, das voll­kommen zerstört wurde. In einem weite­ren Falle wurde ein Lastauto in Brand ge - ft e d t und ein Feuerwehrauto am Weilerfayren verhindert. Sine Autodroschke wurde von der Menge über eine Brücke i n s Wasser ge­worfen.

Der Notverkehr in London.

London, 4. Mai. (TU.) Die Streiklage be­ginnt allmählich dach übersichtlicher zu werben. Die Eisenbahngesellschasten hoben bereits für bestimmte Stunben des Tages einen Notverkehr auf ben wichtigsten Linien eingerichtet. Die Schiffszüge von ber Küste finb fast ausnahmslos eingetroffen. Die Anschlußzüge für bie Kanalbamp- fer von Dover unb Folkestone würben ebenfalls gefahren. Das Straßenbilb Lonbons ge­winnt burch bie Auswahl ber zum Verkehr heran­gezogenen Fahrzeuge einen eigenartigen Reiz. Das Publikum nimmt bie Unbequemlichkeiten mit gutem Humor auf. Die Parole lautet:Einmal eine Ab­wechslung". Ein unübersehbarer Strom von Ar­beitern unb Angestellten bewegt sich von allen Sei­ten Lonbons unb aus ben Vororten zur City. Alle Straßen finb überfüllt von Fußgängern, Radfah- rern usw. Die unbenklichsten Fahrzeuge werben zum Transport herangezogen. Im Lauf bes Tages hat bie Desorganisation ber Eisenbahnen leicht nach­gelassen. Ein beschränkter Verkehr ist zwi­schen London und den Vororten aufrechterhalten worden besonders auf den elektrischen Linien. Einige Züge verkehren noch zwischen London und einigen Großstädten, sowie in Schottland. Alle Pferderennen sind abbestellt worden. In London halten alle Autobusse, die nicht der Allgemeinen Autobusgesellschaft gehören, ihre normalen Fahrten aufrecht. Tausende von Taxametern und Gesell­schaftsautos aus den volkstümlichen Seebädern ver­sehen den Dienst. Das ganze provisorische Ver­kehrswesen steht unter der Aufsicht der Regierung und funktioniert bis auf wenige unvermeidliche Stö­rungen durchaus befriedigend.

In einzelnen Bureaus der City find Vorkeh­rungen getroffen worden, um dem Personal ein Uebernachten im Bureau zu ermöglichen, da die zur Verfügung gestellten Privatautos nur einen Teil des Verkehrs bewältigen können. Der Zivil Oberlomwisiar forderte heute in einem Aufruf die Meldung Freiwilliger für die Bedienung der Züge. Auch bie Admiralität appellierte an alle Re­serveoffiziere, sich für bie Hilfspolizei zur Verfügung zu stellen. Die Gas-, Elektrizitäts- unb Wasser­versorgung funktioniert weiter, ebenso die Lebens­mittelversorgung. Neben der Organisation bes Transport- unb Verkehrswesens hat bie Regierung

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Erscheint täglich außer Sonntags unb Feiertags.

Beilagen:

Gießener Famikienblätter Heimat im Bild Die Scholle

Hlonats-reiugsprels: 2 Reichsmark unb 20 Neichspfennig für Träger­lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: öchriftleitung 112, Ver­lag unb Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gießen.

Postscheckkonto:

Frankfurt am Blain 11686.

Hindenburg in Hamburg.

Hamburg, 4. Mai. (Wolfs.) Seit den frühesten Morgenstunden steht das Stadtbild im Zeichen des Hindenburgbes uches. Hunderte und Aberhunderte von Flaggen wehen im leichten Winde des sonnigen Maitages. Auf den staat­lichen unb den Reichsgebäuden sind die Hcust- burgischen und die schwarzrotgoldenen Farben aufgezogen. Die Schiffe im Hafen sind über die Toppen geflaggt. Der Zustrom aus den Außenbezirken und der Umgebung in die Innere Stadt ist gewaltig. Ein starkes Polizei­aufgebot begann um die Mittagsstunden mit den Absperrungsmoßnahmen. Die Schuljugend, die aus Anlaß des ersten Besuches des Reichs­präsidenten in der Hansastadt schulfrei hat, Stu-

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Tausende unb Abertausende haben heute in ben Straßen unserer' Stabt durch begeisterte Zurufe jubelnden Herzens und strahlenden Auges der Ver- e?Mimg für Sie einen so starken unb unmittelbaren tur-brud geoeben, daß Worte diesem Bekenntnis Camburgs nichts hinzuz-'füyen vermögen. Diese Kundgebungen sind zugleich eine Huldigung für ben dmtschcn Gebauten. D?s können sie sein, well der Dlame Hindenburg bc deutschen Dolle zum Symbol für beutsches Denken, deutsches Fühlen unb deut­sches Handeln geworden ist. In gleicher Straft hat unser Volk nur wenigen angchangen. Der Mann, dessen steinernes Ehrenmal in der Gestalt des ge- vunzerlen Rolands auf unseren Haf n lnnausblicki gehört dazu. Die Geschichte unserer alten Stabt, de mehr denn ein Jahrtausend lang mit ber repu­blikanischen Staatsform verwachsen ist, beweist, was de Kraft einer einzelnen Führerpersönlichkekt ge­rade in einer Demokratie zu bedeuten vermag. Aber »ach Führerpersönlichkeiten großen otils können sich nicht auswirken ohne das freudige Ver­

trauen, ohne die opferwillige Mitarbeit der Allgemeinheit.

Mir scheint es eine der bedeutungsvollsten Forderungen an das neue Deutschland zu sein, daß es diese Voraussetzungen für die Entfaltung von Führerpersönlichkeiten erfüllt. Entscheidend dafür, ob es gelingt, ist die Kraft des Willens, die unser Volk für unsere Zukunftsgestaltung einzusehen vermag.

Wenn wir Sie heute, Herr Reichspräsident, gleich nach Ihrem Besuch im Rathaus in unseren Hafen führten, fo geschah das in der Erkenntnis, daß wir den Gast, den wir lieben und ehren wollen, da draußen am herzlichsten willkommen beißen können, wo die Heiligen in den Himmel ragen, wo die Schiffe der ganzen Welt mit ihren Flaggen grüßen, wo die Güter der Erde bewegt werden, wo sich jenes Hamburg am klarsten ausprägt, für dessen deutsche Mission wir leben und arbeiten. Wer uns verstehen will, der kann uns nur von dieser Seite unseres Wesens her begreifen. Erlauben Sie es mir auszusprechen. Herr Reichspräsident, es ist nicht Partikularis- mus unb nicht Ucberljebung. wenn wir Hanse­städte an die Berechtigung und Rotwendig:eit der Erhaltung un'erer staatlichen Selbständigkeit glau­ben. sondern die Erkenntnis, daß aus unterer einheitlichen Struktur, aus unserem unmittel­baren Eingestelltfein auf die Bedürfnisse von Handel und Schiffahrt dem deutschen Vaterlande

Hindenburg, der Ehrenbürger des deutschen Volkes, hochk

Der Reichspräsident erwiderte mit Worten herzlichen Dankes. Im Verlaufe des Abends hatte sich eine nach vielen Jehntausenden zähle nde Menge auf dem Rathausmarkt angejammelt. Der Reichspräsident erschien zweimal auf dem Dalcon bes Rathauses und richtete unter lautloser Stille zur Einigkeit mahnende Worte an die Versam­melten. die mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland schlossen. Das Publikum feierte den Reichspräsidenten stürmisch und fang das Deutsch­landlied. Um 10 Uhr abends rückten die Tum- und Sportvereine an um vom Rathausmarkt bis zum Dammtorbahnhof Fackelspalier zu bilden. Der Reichspräsident erschien nochmal? auf dem Balkon des Rathauses. Bürgermerüer Dr. Petersen brachte ein Hoch auf den Reichs­präsidenten aus. in das die gewaltige Menschen­menge begeistert einstimmte. Der Reichspräsident dankte sichtlich gerührt für den herzlichen Emp­fang in Hamburg und begab sich dann mit Bür­germeister Dr. Petersen und den ihn begleiten n Herren von ständig sich erneuembzn Zurufen be­grüßt. in Kraftwagen in langsamer Fahrt zum Dammtorbahnhvf. Fahrplanmäßig ve li.h der Zug mit dem Salonwagen des Reichspräs: enten um 10,54 Uhr den Bahnhof.

dcm Rathaus ein. An der Seite des Ersten Bürgermeisters Dr. Petersen schritt der Reichs­präsident die Front der zur Begrüßung aus­gestellten Orpo-Abteilung ab und verweilte län­gere Zeit bei den auf seinen Wunsch in großer Zahl erschienenen Veteranen. Beim Eintritt in das Rathaus, wo vor dem Bürgermeisteramts­zimmer eine kurze Vorstellung der Mitglieder des Senats und des Präsidiums erfolgte, er­neuerten sich die Kundgebungen, die ihren Höhe­punkt erreichten, als der Reichspräsident hinaus­trat. um für die Huldigungen der Hamburger Bevölkerung zu danken, woraus die Menge spon­tan das Deutschlandlied anstimmte. Von immer erneuten Zurufen umjubelt, verließ der Reichs­präsident um 2' .> ÜIhr das Rathaus, um von den Landungsbrücken aus eine zweistündige

Fahrt durch ben Hamburger Hofen zu unternehmen.

Begleitet von D irgermeifter Dr. Petersen unb den an der Fahrt teilnehmenden Herren begab er sich an Bord der Staatsyacht .Hamburg". Alle im Hasen liegenden Schiffe, auch die ausländischen, hatten über die Toppen geflaggt Die Fahrt ging zunächst elbaufwärts an den festlich geschmückten Dampfern der Hafen- dampfschiftahrtsgcsellichast vorbei. UeberaH wur­den dem Reick spro i eiten stürmische Ova­tionen zu teil. Dor ben Elbbrücken wurde ge­wendet. Dann ging es efbabwärts bis zur Hafen­grenze. Auf ber Rückfahrt legte die Staatsyacht an dem DampferDeutschland" der Hapag an. Der Reichs prüf ident und die ihn begleitenden Herren begäbe:! sich an Bord, wo sie von Reichskanzler a. D. Dr. Cuno, dem Vor­sitzenden des Direktoriums der Hamburg-Ame- rika-Linie und den Herren des Aussichtsrates empfangen wurden. Darauf wurde der Tee ein­genommen. wobei Geheimrat Dr. Cuno den Reichspräsidenten mit cner Ansprache begrüßte.

Um 4 30 iüjr nachmittags machte b?r Staats- dampferHamburg" an den St. Paulilandungs- brücken wieder sest Von hier begab sich der Reichspräsident nach dem Hause W e d e l l. ber Dienstwohnung des Regierenden ersten Bürger- rneisters. Hm 7 Hhr abends gab der Senat

im großen Festsaal des Rathauses iu Ehren des Reichspräsidenten ein Essen, zu Gern eine große Reihe von Einladungen ergangen waren.

wesentliche Vorteile erwachsen. Darum haben wir unser hanseatisch Fähnlein fest an die Stange gebunden, und wir werden es nicht herunter­holen, es sei denn, wir zögen die Flagge des Deutschen Reiches dafür auf!

Wir sind stolz darauf, Sie, Herr Reichs- präsidertt, den Ehrenbürger unserer alten Hansestadt nennen zu dürfen. Die Ehrung galt einst dem Sieger von Tannenberg, dem Feldherm, der, gestüHt auf die in der Geschichte beispiellosen Leistungen der deutschen Armee unb des gesamten deutschen Volkes, die Heimat verteidigte und vom Feinde freihielt. Heute schlagen unsere Herzen nicht nur _ dem Feldherrn, sondern auch dem deutschen Bürger zu, der sich in der Treue zu seinem Volkes im einer Pflichterfüllung dem Staat gegenüber, die vorbildlich für jed-m Deutschen bleiben muh, bewährt hat als ein Ehrenbürger des ganzen deutschen Volkes!

Rehmcn Sic es, Herr Reichspräsident, als einen Ausdruck solcher Empfindungen, daß ber Senat beschlossen hat, diewichtigsteStraße in feinem schönen Stadtparkviertel nach Ihnen zu benennen. Wir sind uns bewußt, daß wir damit vor allem unsere» Vaterstadt selb st ehren. Dieser Vereh­rung unb unserem Danke für bie Freube und die Ehre Ihres Besuches geben wir Ausdruck durch ben Ruf: Der Herr Reichspräsident von

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