Für den Büchertisch.
Handwörterbuch der Kommunaiwijsenfchasten.
In der Kommunalpolitik der Nachkriegszeit sind in raschem Fluß immer wieder zahlreiche hochbedeursame Probleme aufgetaucht, und nirgendwo ist ein Abklang dieser Entwicklung heute abzusehen. Kaum glaubt man die eine Frage gelöst zu haben, so stehen schon mehrere andere unmittelbar wieder an. Reich und Länder betrachten in vielerlei Hinsicht die Gemeinden als die Packesel, denen man alles aufbürden kann. Nur" mit der Bereitstellung der erforderlichen Geldmittel hapert's vom Reich sowohl wie von feiten der Länder. Was das bedeutet, weih jeder, der praktisch in der Kommunalpolitik steht.
Weitblick, nie rastende Tatkraft, vorsichtiges Wägen gepaart mit energischem Zupacken zur rechten Zeit, das richtige „Fingerspitzengefühl" für das, was entscheidungsreif herannaht, vor ollem aber tiefgründiges Fachwissen, das sind einige Haupteigenschaften, die der Kommunalpolitiker sein eigen nennen must, wenn er auf diesem Arbeitsfeld produktiv wirken und dabei seinen Aufgaben gewachsen sein will. Neben dem fortlaufenden Studium kommunalpolitischer Zeitschriften muh der Kommunalpolitiker sich aber auch auf gute, mit gröstter Sorgfalt bearbeitete Nachschlagewerke stützen können, denn schließlich kann auch der klügste Mensch nicht alles wissen, nicht ohne jede Informationsquelle aus- kommen.
Ein austerordentlich lehrreiches, den vielseitigsten Problemen gewidmetes Werk, das dem Kommunalpolitiker ein vortreffliches Rüstzeug bietet, liegt uns vor in dem „Handwörter- buch der K o m m u n a l w i s s e n s ch a f t e n". (Verlag von Gustav Fischer, Jena.) Herausgegeben von dem Geh. Regierungsrat, Stadtbaurat a. D., o. Professor an der Technischen Hochschule zu Berlin-Charlottenburg, Dr.-Jng. h. c. Josef Brix, dem früheren Herausgeber des Kommunalen Jahrbuches in Stuttgart, Staatsminister a. D. Prof. Dr. Hugo Lindemann, dem Oberbürgermeister und M. d. R. Dr. Otto Most, dem Reichsminister a. D. und Prof, an der Handelshochschule zu 'Berlin Dr. Hugo P reust (der erst kürzlich verstorben ist) und dem Herausgeber des Kommunalen Jahrbuchs, Staats- und Finanzminister a. D. Dr. Albert Südekum in Zehlendorf-Berlin bietet es in vier Bänden einer großen Zahl von hervorragenden Kommunalpolittkern, Wirtschaftlern, Derwaltungsbeamten, Schulmännern usw. usw. Gelegenheit, aus dem reichen Schatze ihres Wissens und ihrer Erfahrung zu berichten, daraus anregend zu mancherlei Entschlüssen für die Zukunft. Cs sind viele klangvolle Namen, die man in diesen vier Bänden mit sehr fruchtbringenden Aufsätzen vorfindet. Aus der grohen Fülle der Mitarbeiter auch nur eine Auswahl zu nennen, ist im Hinblick auf den knappen Raum ein Ding der Unmöglichkeit.
Der erste Band handelt aus 740 Seiten Umfang von dem Kapitel „Abdeckerei" bis zum Abschnitt „Filtration des Wassers"; der zweite Band (667 Seiten) beginnt mit dem Kapitel „Finanzbedarf" und endet mit dem Kapitel „Kommunalisierungsgesetz"; im dritten Band (826 Seiten) begegnen wir zuerst einer Abhandlung über die „Kommunalpolitik der politischen Parteien", wobei führende Männer der verschiedenen Parteien über die Ziele ihrer Partei sprechen, der Band endet mit dem Kapitel „Staatsgeschäfte in den Gemeinden"; im vierten Band (626 Seiten, lesen wir zuerst über '„Stadt und Etadtverfassung" und am Schluß über „Zweckverbände". Ein systemattsches Gesamtverzeichnis zu Band 1 bis 4, das recht übersichtlich geordnet ist, gestattet eine schnelle Orientierung in der umfangreichen Schöpfung.
Man hat es hier mit einem Standard-Werk der Kommunalwissenschaften zu tun, das auf die vielseitigsten Fragen der Praxis sehr gediegene Auskunft und lehrreichen Rat gibt. Das Werk ist . für die moderne Kommunalpolitik in den Städten aller Größen schlechthin unentbehrlich. Mit Freude und Genugtuung nimmt man es immer wieder vor, und nie legt man es ohne reichen Ruhen aus der Hand. Zum mindesten sollte das Werk auf jedem Bürgermeisteramt zur Beratung der Verwaltungsmitglieder und der Stadtverordneten bereitliegen. 1162
Politik und Geschichte.
— Der berühmte Münchener Historiker Hermann Oncken läßt in Kürze bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart ein dreibändiges Aktenwerk Über „Die Rheinpolitik Kaiser Napoleons HI. von 1863 bis 1870 und den Ursprung des Krieges von 1870/71“ erscheinen, zu dem ihm österreichische, preußische und süddeutsche Archive das Material lieferten. Das Werk, das als ein Anfangsglied der großen Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes bezeichnet werden kann, enthüllt in eindeutiger Weise die Kriegsschuld und den Kriegswillen Frankreichs und seines letzten Kaisers. 3n einer glänzenden Einleitung, die gleichzeitig als Sonderausgabe erscheint.' gibt Hermann Oncken ein lebendiges und anschauliches Bild von der napoleonischen Politik, die zum deutsch-französischen Kriege führte.
— Zuletzt regiert der Bestinformierte!" So beginnt Karl Haushofer, der Münchner Professor für Geopolitik, seinen Aufsatz im Märzheft der „Z e i t - wend e" über die Wirren in China. Seine klaren Ausführungen werden den meisten Lesern wohl zum erstenmal einen wirklichen Ueberblick über die chinesische Frage ermöglichen; zugleich unterstreichen sie die Notwendigkeit solcher weltpolitischer Orientierung. Eng berührt sich hiermit, was Justus Has- hagen über Historikerpflichten im neuen Deutschland zu sagen hat, über den Dienst, den der Historiker gerade heute in absoluter Wahrhaftigkeit dem Volke durch den immer erneuten Hinweis auf feine Vergangenheit und die in ihr ruhenden Kraftquellen zu leisten hat. Ein lebendiges Beispiel solchen Dienstes gibt der mit vier Bildern versehene Beitrag von Elisabeth Sulzer über Augsburg, der das architek- tonifche Bild der alten Reichsstadt als überzeitliches Symool des deutschen Staatsgedankens wertet.
— Gandhis Leidenszeit. Briefe, Berichte und Aufsätze aus Gandhis Gefängnis- und Spitalzeit, herausgegeben von Emil R o - n i g e r. Rotapfelverlag, Zürich und Leipzig. Geb. 8 Mk. Die wichtigsten Dokumente aus Gandhis Leben, nach den Hauptepochen von
Literaturgeschichte.
— Dämon Kunst. Das Leben E. T. A. Hoffmanns. Aus Briefen, Tagebüchern und den autobiographischen Stellen seiner Schriften zu- sammengestellt und eingeleitet von Walther Harich. 428 Seiten 8°. Deutsche Buch-Gemeinschaft G. m. b. Sy, Berlin 1926. — Das ist, in Wahrheit, der Roman des Künstlers und Menschen Ernst Theodor Amadeus, von ihm selber — „nicht gewußt oder nicht bedacht" — in Briefen nieder- geschrieben, in abgerissenen Tagebuchvermerken ausgezeichnet, in seinen Dichtungen eingesprengt; vom berufensten Hoffmannbiographen ausgewählt, geordnet und durch einen knappen Text verbunden, der dem Ganzen das Gerüst und den inneren Halt und Zusammenhang gibt. Neben feine Geschichte von Hoffmanns Leben und Werk stellt Harich nun gewissermaßen die Autobiographie, und es ist, was er hier mit unendlicher Spürkraft, mit überlegener Meisterung eines gewaltigen Stoffes und liebevollem Verständnis zusammengefügt hat, ein erstaunliches, phantastisches und tiefergreiifettdes Buch geworden, ein menschliches Dokument von romantisch gesteigerten Formen und ein Künstlerspiegel, der — das ist das Wichtige nut) Bleibende im Falle Hoffmann und in diesem Buche — über die zeitlich-individuell begrenzte Einmaligkeit hinaus Symbolkraft gewinnt. Dies ist die tiefere und zeitlose Bedeutung des Königl. Preußischen Kammergerichtsrates: in ihm ist jener Typus des Künstlers schlechthin geboren und unsterblich geworden, er hat. weltliterarisch, in schärferen Formen das disproportionale Dasein gelebt, um dessen ästhetische Formulierung man sich seit Goethe („Tasso") und Hebbel („Michelangelo") bis zu Hauptmann und der Gegenwartsdichtung immer wieder bemüht hat. Das liegt beschlossen in Harichs Buch zwischen den räumlichen Polen Königsberg und Berlin, zwischen den Jahren 1776 und 1822; solche geistige Form kennzeichnet den weiten, wirren, verschlungenen Abcnteuerweg der Jagd nach dem Erlebnis, der Reise ins Jenseitige und der großen Wandersehnsucht eines verzauberten Musikanten, der sich selber nicht finden kann. Zu Hoffmann, dem letzten Ritter der blauen Blume, kann freilich niemand gezwungen werden. Man liebt ihn und kehrt immer wieder zu ihm zurück; oder man geht an ihm vorüber. Wer ihn aber liebt — dem wird dieses Werk eine kostbare Gabe sein. Die Duchgemeinschaft hat auch mit der verlegerischen Ausstattung das Ihre dazu getan. 173
— Lessing, Kleist, Büchner. Drei Versuche. Von Arnold Zweig. 195 Seiten. I. M. Spaeth Verlag. Berlin 1925. — Im Jahre des Unheils 1923 entstanden, getrennt voneinander. drei Essays: im Frühling über Kleist, im Sommer über Büchner, im Herbst über Lessing. Jeder als Einleitung zu einer Ausgabe der gesammelten Werke, doch alle drei in innerm Zusammenhang und im Hinblick auf ihre Vereinigung in einem selbständigen Buche konzipiert. Rach einer gründlichen Umarbeitung stellen sie sich nebeneinander im vorliegenden Bande dar. Der Dichter der „Novellen um Claudia" entwickelt einleitend, als welcher Art die Gemeinsamkeit und Zusammenhänge der drei Versuche gedacht sind. Das geistige Band wird erkennbar in dem Sah der Vorrede: „Die Leidenschaft dieses Buches heißt Shakespeare (sic!) . . . das ist der große Heilige, zu dem wir wallfahrten . . . seine Linie im deutschen Drama zieht das Buch nach . . ." Die Unvollständigkeit ist sogleich angedeutet im Hinweis auf die Namen, die die Linie (annähernd) vervollständigen würden: Lenz — Goethe und Schiller — Grabbe — Wedekind und Strindberg. Das Ganze bemüht sich, ausdrücklich, um das Drama als Form und um seine bestimmenden, künstlerischen Gesetze. Das Verbindende des Buches (vom Autor her) liest ferner in der geistigen Spürkraft und Einfühlungsfähigkeit des Schreibenden und in einer gleichmäßigen (auf vollendete Rundung bedachten) Stilhöhe, in der sprachlichen Gebärde der Darstellung. Cs soll an dieser Stelle nicht verschwiegen sein, daß Form und Fassung an innerer Vornehmheit gewonnen hätten, wenn es der Autor vermocht hätte, in manchen Partien eine gewisse, über die sachliche Bettachtung und Formulierung hinausreichende, polemisch-politische und persönliche Zuspitzung auszumerzen. Dergleichen hat mit dem Gegenstand nichts zu tun und verstimmt. Die drei Dichterbilder beginnen jeweils mit den in Kürze zusammengefahten, bekannten biographischen Voraussetzungen und versuchen sich im Folgenden (immer die oben angedeutete Linie der Gemeinsamkeit beobachtend) an der Darlegung dessen, was in diesen drei Gestalten — Lessing, Kleist, Büchner — vergänglich, was bleibend war; Zweig gibt eine Bestimmung ihrer Entwicklung, ihrer Zusammenhänge, ihrer Form im Drama. Gut ist die einleitende Lessing-Studie, ausgezeichnet die abschließende Verlebendigung Büchners (dessen starke Bedeutung für die Entwicklung unserer dramatischen Form wohl immer noch unterschätzt wird). Zwischen beiden: Kleist. Im ganzen behutsam, verstehend und fein. Im Einzelnen nicht immer überzeugend. Man sollte endlich davon abstehen,
das dunkle Problem hin und her zu wälzen, das aus gewissen Briefstellen und der ominösen Würzburger Reise aufgestöbert wurde. Die Beurteilung des „Homburg" ist nicht völlig einleuchtend, der „Zerbrochene Krug" und die „Hermannsschlacht" unbefriedigend gewertet. Der ganze Versuch wird weniger einer Hinführung zum Einzelnen, als der Bildprägung eines einmaligen und einsamen künstlerischen Phänomens gerecht.
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— Geschichte der deutschen Dichtung. Ein Lieberblick von Friedrich von der Leyen. In Ganzleinen 6 Mk. Verlag F. Druckmann A. G., München 1926. — Der vornehmlich durch seine Märchenforschungen bekannt gewordene Kölner Ordinarius der Germanistik gibt im vorliegenden Buche, ausgehend von Problemen der Stoffgliederung (am anfechtbarsten erscheint die konstruierte „Wellentheorie"), eine Darstellung unserer deutschen Literatur in nuce; es gelingt ihm, auf 130 Seiten, in zehn Abschnitten, einen Ueberblick über das Schrifttum von der Völkerwanderung bis Thomas zu vereinigen. Gewissermaßen: Literaturgeschichte in einer Stunde. Aber es ist anzuerkennen, daß von der Leyen mehr gibt, als Klabund, der sich die Sache reichlich leicht gemacht hat. Dieses Buch ist immerhin um Linienführung, Zusammenhänge, Entwicklungen und Verwandtschaften bemüht. Die Vorzüge einer einheitlichen, in einer Hand versammelten, und überdies möglichster Kürze sich befleißigender Darstellung liegen auf der Hand. Ebenso offensichtlich (und wohl unvermeidlich)^ daß es dabei nicht ohne Unebenheiten, Ungerech- I tigfeitcn und Härten abgeht. 201
— Geschichte des deutschen Stils in Einzelbildern. Von Professor Dr. E. Hofsmann-Kraher. 172 Seiten. Quelle & Meyer. Leipzig. — Der bekannte Baseler Germanist und Folklorist gibt in diesem Buche eine sehr lesenswerte Uebersicht über die Entwicklung unseres literarischen Stils von den ältesten Aw» sängen unseres Schrifttums bis zum Expressionismus. In großen Zügen, versteht sich. Aber, aufs Ganze sehend, wird man sagen können, daß die gravierenden Stationen, „Strömungen" und Revolutionen treffsicher erfaßt und ans Licht gestellt sind. Obwohl man vielleicht in der Gesamtverteilung des Stoffes die Gewichte gern ein wenig verschoben sähe. U. E. ist die Env- wicklung des mittelalterlichen Stils doch Wohl, auf Kosten sehr wesentlicher späterer Partien, zu einläßlich behandelt. Wert zu legen ist auf die Titelformulierung „in Einzelbildern". Das war ein glücklicher Griff, der das Buch selbst sprechend, einleuchtend und beispielhaft macht. Der eigentliche Text ist in weise bemessenen Grenzen gehalten und auf Notwendiges, Verbindendes, Weiterführendes beschränkt; geistiges Band des ganzen Buches, dem eine möglichst weite Verbreitung in unserem Zeitalter sinkenden und verwirrten Stilempfindens herzlich zu wünschen wäre. 1961
— Heutige Deutsche Dichtung in Hes- f e n. Eine Sichtung von Will Scheller. 59 Seiten mit 23 Abbildungen. Heimatfchollen-Verlag, A. Bernecker, Melsungen. — Es ist gut, von Zeit zu Ze.t (mit aller gebotenen Delikatesse) den von Nadler zuerst gewiesenen Weg behutsam weiter zu verfolgen und Literaturgeschichte nach Landschaften zu schreiben. Will Scheller unternimmt es in diesem kleinen, bildergeschmückten Bande, der bei Licht besehen, nichts weiter darstellt, als eine schriftlich fixierte Erweiterung eines halbstündigen Rundfunkvortrages, sehr begrüßenswerter Weise einen kurz- gefaßten, lebendig geschriebenen Ueberblick über die zeitgenössische, hessische Literatur zu geben. Eine ganze Reihe klangvoller Namen zieht vorüber; nur Stefan George fei genannt. Will Vesper, Karl Neurath. Leo Weismantel, Adam Korillon, Wilhelm Schäfer, der Meister der neudeutschen Anekdote und Alfred Bock dessen Schaffen ein französischer Literarhistoriker kürzlich in einer größeren Abhandlung würdigte; sie schließt mit den ehrenden Worten: Wir würden ihn gern den hessischen Mörimee ober Maupassant nennen. 131
— Gleichzeitig mit der Erinnerungsfeier des Meininger Theaters am 100. Geburtstage des Herzogs Georg II. von Meiningen erscheint aus Max Grubes berufener Feder die „Geschichte der Meininger" (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart), ein Werk, das neben der Ehrung eines genialen Fürsten die einzigartige Darstellung seines Lebenswerkes gibt. Illustriert nut den Porträts der hervorragendsten Mitglieder des berühmten Dühnenverbandes bringt das Buch auch noch mehr als 100 Handzeichnungen des Herzogs, die beweisen, in wie ernsthafter, künstlerischer Arbeit der fürstliche Regisseur mit der Gestaltung seiner neuartigen Dühnenideen rang. Das Buch ist ein Denkmal der Triumphzüge der Meininger und ihrer jetzt historisch gewordenen Theatermission. Aeltere Theaterfreunde finden darin eine Fülle unvergessener Erinnerungen und zahlreiche Anekdoten, in denen die großen Mimen jener Tage in ihren kleinen Eigenheiten neu aufleben. Den Jüngeren aber gibt es ein miterlebtes Stück Theatergeschichte.
Gandhis Leben geordnet, will E. Roniger der europäischen Leserschaft darbieten. Der vorliegende Band umfaßt die Leidenszelt „des indischen Christus". Er erzählt nicht, er berichtet Tatsachen: Die Verhaftung und Untersuchung, der Prozeß und indische Stimmen zum Prozeß, Voung Jndia während Gandhis Gefangenschaft, Briefe und Erinnerungen aus der Gefängniszeit. Nicht mit Unrecht hat man den Prozeß gegen Gandhi eiii menschheitliches Ereignis genannt: ein Prozeß, in dem nicht Gandhi, sondern die englische Regierung vor dem Gericht stand. Diese Dokumente der indischen Non-Violens-Dewegung führen in das Herz der Bewegung ein; sie sind ein ergreifendes Zeugnis, wie der Geist Gandhis bezwingend aus seiner Anhängerschaft in Boung Jndia spricht. ' n
Ein Handelslexikon
Ein ausgezeichnetes kaufmännisches Nachschlagewerk, das schnelle, zuverlässige, erschöpfende und klare Auskunft über alle im Geschäftsleben vorkommenden Fragen gibt, liegt in Georgs Handels-Lexikon (Ausgabe in einem Band. Weltbund-Verlag, Ha. 'bürg. Preis für den Halblederband Rm. 25.—) vor v .•
Dieses Werk ist eine vortreffliche Tat, deren Wert hock) zu veranschlagen ist. Die Behandlung des weitschichtigen Stoffes —es sind rund 15 000 Artikel und Stichwörter — ist nicht nur vom wirtschaftlichen Standpunkt aus vorgenommen, sondern alle damit verwandten Gebiete sind berücksichtigt worden, so Finanzwirtschaft, Statistik, Detriebswiffenschaft, Bilanzkunde, Reklame, Wirtschaftsgeographie, Technik, das Recht, kaufmännisches und gewerbliches Bildungswesen, Sozialpolitik, Zeitungswesen usw. Dieses Handels- Lexikon wird daher nicht nur Kaufleuten, Industriellen und Gewerbetteibenden, sondern auch Rechtsanwälten, Revisoren, Syndici, Ingenieuren, Technikern, Lehrern, Beamten usw. wertvolle Dienste leisten, da die Fäden des Wirtschaftslebens heute mehr denn je durch alle Berufszweige laufen. Die Anschaulichkeit des Werkes wird durch zahlreiche Beispiele, Muster, Liebersichten, Statistiken, Tabellen usw. erhöht. Aeußer- lid) stellt sich der 800 Seiten starke Band in einem geschmackvollen Halblederband dar, der Druck ist klar und übersichtlich. Der Preis von Rm. 25. ist bei der Beschaffenheit, dem Um- fang und die Ausstattung als mäßig zu bezeichnen. Wir geben diesem Buche unsere Empfehlung Wit 887
Zwei Scheffelbücher.
— Scheffel als Student. Von Dr. Bogdan Krieger. 244 S. mit Bildnissen Scheffels und seiner Freunde, Wiedergabe einer Handzeichnung und bekannter Oertlichkeiten aus dem Scheffelkreise. Verlag von Adolf Bonz & Co., Stuttgart 1926. - Der bekannte Hohenzollernhistoriker und Hausbibliothekar legt hier eine schöne und gediegene Gabe zum 100. Geburtstage Scheffels vor, den wir vor kurzem festlich begingen. Zugrunde gelegt wurden in erster Linie die erst kürzlich erschienenen Briese an die Eltern, der bereits früher veröffentlichte Briefwechsel mit den Freunden Friedrich Eggers und Karl Schwanitz, sowie Mitteilungen und Erinnerungen von Persönlichkeiten aus dem Scheffelkreise (wie dem bekannten Mediziner Kußmaul), die hier und dort im Lauf der Jahre zerstreut bekannt geworden find. Das Ganze rundet sich zu einem lebendig geschriebenen Bilde des jungen Dichters auf den akademischen Lebensstationen München, Heidelberg und Berlin, gibt das studentische Vorspiel zu einem Dichterleben, in dem dieser Auftaktt-viLj» mehr und Tieferes bedeutet, als bei den meisten andern, die diese Lehrjahre auch durchlaufen haben. Im Bilde des jungen Dichters aber spiegelt sich zugleich als der rahmengebende Hintergrund der Schilderung das bewegte, politisch-freiheitliche Spiel vormärzlichen, deutschen Studententums. 137
— Scheffel im Lichte seines 100. Geburtstags. Eine Huldigung deutscher Dichter und Schriftsteller. Herausgegeben vom Scheffel-Museum in Mattfee. Verlag von Adolf Bonz u. Comp., Stuttgart. Der alte Freund Scheffels und Gründer des Scheffelbundes in Oesterreich, Anton Breitner, hat eine Sammlung charakteristischer Aussprüche und Aufsätze im Austtag des Scheffel-Museums zusammengebracht, die sich in der Hauptsache mit der Frage beschäftigen: Was ist das Schöne am Ekkehard? Es ist erstaunlich und erhebend zu sehen, wie weit die Wirkung dieses Meisterromans gegangen ist, und wie stark sie auch jetzt noch nachtönt. 136
weltschöpsung und Weltschau.
— Bilder aus dem Weltenraum Sonne und Planeten. Im Dienste der Hans Bredow-Schule der DeutschenRundfunkgesellschaf- ten. 45 einseitig bedruckte Tafeln mit 52 Abbildungen und erläuterndem Text. Verlag E. H. Mayer, Leipzig. — Die Sammlung wurde angeregt und aufgestellt vom Herausgeber der Rundschau der gesamten Sternforschung „Sirius". Dr. H. H. Kritzinger in Dresden, dessen zähl- reichische asttonomische Rundfunk-Vorträge besonderes Interesse gefunden haben. Durch 45 Kunstdrucktafeln werden wir auf dem Wege durch die Planetarien in das Reich der Urania eingeführt, lernen die gewaltigen Teleskope kennen und bekommen von den Ergebnissen der Forschung des Astronomen unmittelbare Anschauung. Zunächst werden fesselnde Abblldungen der Sonne mit ihren Flecken und .riesigen Protuberanzen — unter Berücksichtigung der allerneuesten Forschungsergebnisse — geboten. Es folgen hochinteressante Mondlandschaften, deren bizarre Formen in einem eigentümlichen Gegensatz zu unserer alpinen Gebirgswelt stehen. Die Planetenabbil- öungen bieten vorzügliche Zeichnungen des Mars, des Saturn, des Jupiter und der Venus, wie sie unter den günstigsten Deobachtungsbedingun- gen gewonnen werden konnten.
— Weltschöpfung und Weltanschauung. Wege zur Lebenskunst und Gesundheit. Don Professor Dr. W. L i e p m a n n. 2. erweiterte und verbesserte Auflage. 243 Seiten una 23 Abbildungen. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Die stärkste Hilfe im Lebenskämpfe ist die Bildung einer harmonischen Weltanschauung. In der Harmonie des Ganzen mit seinen Teilen sah Goethe immer die große Linie des Naturverstehens. Für alle die, die den Wunsch haben, aus dem öden Materialismus unserer Zeit heraus, in stillen Stunden zu eigener Harmonie zu gelangen, ist das vorliegende Buch bestimmt, das die Entwicklungsgesck'ichte der Natur vom ersten Kreisen des Urnebels bis zu den heutigen Menschen und zu den heutigen Zivili- sations- und Kulturformen zum lebendigen Besitz werden läßt. 189
— Harmonie in der Natur von R. Sy France. Mit zahlreichen Abbildungen von R. H. France, R. Oeffinger und einem farbigen Um« schlagbild von W. Planck. Kosmps, Gesellschaft der Naturfreunde. — Daß die Harmonie eines der grundlegenden Gesetze im Dau des Weltalls ist, lernen wir zwar in der Schule, und w'tt können auch manchmal schöne dichterische Ergüsse darüber lesen, aber die meisten Menschen haben doch nur sehr verschwommene Begriffe davon. Da ist es nun eine sehr dankbare Aufgabe der Naturwissenschaft, diese Harmonie im Ganzen wie im Einzelnen nachzuweisen, und gerade ein Naturforscher wie R. H. Francs, der mit einem weiten Blick im Getriebe des Weltalls zugleich eine tiefe philosophische Schulung verrät, war berufen, die große Gemeinde des Kosmos, wie alle, die sich nach einer sicheren Erkenntnis sehnen, über die Fragen aufzuklären, die sich auf die Harmonie in der Natur beziehen. Sein schön illustriertes Buch ist eines von denen, die Genuß beim Lesen bereiten und nach denen der nachdenkliche Mensch immer wieder gerne greift. 130
— D i e neuent stehende Welt. Vom Grafen Hermann Keyserling. 139 S. 8°. — Otto Reichl, Verlag, Darmstadt, 1925. — Der bekannte Führer der Darmstädter Philosophenschule versucht in diesem Buche eine Auseinandersetzung mit den brennenden Kulturproblemen der Gegenwart. Ausgehend von einer Umdeutung Spenglers und einer Verbreiterung seiner berühmten Theorien, bemüht sich Keyserling, in den Symptomen des Kulturverfalls zugleich schon erste Anzeichen eines beginnenden Ausstieges erkennbar zu machen, und einen individuell gangbaren Weg zur Mitarbeit an der „neuentstehen- den Welt" aufzuweisen. 103
Sei vorsichtig es gibt nur einen echten —™ Kathreiners Malzkaffee! I


