Ausgabe 
5.2.1926
 
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Da öle beiden Vereine ihre sämtlichen Spiele absolviert haben, geben wir einen Rückblick über ihre Erfolge und Verluste am besten in Form ihres nunmehr endgültigen Tabellenstandes:

Sport"-Kassel 26 Spiele 43 9^Punkte. Spiele gew. 19. unentsch. 5, verl. 2. Sore: 9126. Kurhessen-Kassel 26 Spiele 4012 Punkte. Spiele gew. 18. unentsch. 4, verl. 4, Lore: -- 122 26. _ , r

Damit sind die Kämpfe um den -titel abge­schlossen. Was nun noch folgt, sind, da auch Vie 2lbstiegsfrage geklärt ist. nur noch Treffen um eine bessere Plazierung im Tabellenstand. Kom° menden Sonntag stehen folgende Entscheidungen auf dem Programm:

3n Kassel: (5.6.03 gegen S.Bg. Göt ° t in gen. Beide Mannschaften haben gerade in der zweiten Serie der Saison 1925/26 an Spiel­starke erheblich zugenommen. BesondersS. C. 03, der in der ersten Hälfte mit zu den schwächsten Vereinen des Bezirks zählte, hat sich sehr her- ausgemacht, und erst kürzlich gelang ihm der große Wurf: den Altmeister Kurhessen einwand­frei zu schlagen. Man geht sogar soweit, S. C. 03 als die zur Zeil bedeutendste und spielstärkste Elf Kassels und des ganzen Bezirks zu bezeichnen. Sein Gegner, die Göttinger S. Vg'er. haben Zuwachs aus Mitteldeutschland erhalten, der eine große Verstärkung für sie bedeutete. 3n der zweiten Serie errangen sie Sieg auf Sieg, und erst vergangenen Sonntag gelang es ihnen, beste norddeutsche Klasse, ..Rot-Weiß" Hannover, überzeugend mit 4:2 zu schlagen. Die Leistung der E. Cer ist jedoch relativ besser, so daß ihnen, zumal auf eigenem Boden, der Sceg zuzutrauen ist. Sie werden, aber nur knapp, gewinnen.

Hessen 09 Kassel empfängt den F. C. 05 Wetzlar. 3m Wetzlarer Sportbetrieb liegt zur Zeit durch Erringung der Dezirkshandball- meisterschast der Schwerpunkt auf Handball. Zn der F. C.-Mannschaft fehlen also Paulus und Schindler. DieHessen" werden einen siche­ren Sieg landen.

Der übrige Sport.

Wintersport.

Zahlreich sind die für den kommenden Sonntag in Aussicht genommenen wintersportlichen Veran­staltungen, doch dürfte ein großer Teil der warmen Witterung zum Opfer fallen. Um die Weltmeister- ftraft geht es im Kunstlaufen m Stockholm, wo Fr^ Brockhöft die deutschen Farben vertreten wird. ?n^L i e n ladet der Wiener Eislausverein zu einer internationalen Veranstaltung ein. In Oberst- d o r f soll die bayerische Eishockey-Meisierichaft zur CntsclMung kommen. Breslau will ein inter­nationales Kunstlaufen abhalten und Königs­berg seine Lerbandsmeisterschaft im Eishockey zur Entscheidung bringen. Wegen der Ungunst der Wit- terung verlegt find bereits die österreichische Bob- meistcrschaft am Semmering, die Fünfer-Bobmeister- schast von Deiusch - Krummhübel die öster­reichische Robelmeisterfchast auf Kunstbahnen soll in Mödling, die deutjche in Schierke ausgetragen werden. Im Skilauf stehen an erster Stelle die intern. Wettläufe in Lahti (Finnland) aus Anlaß dse intern. Skikongresses in Helsingfors. Am Bödele bei Dornbirn geht die österreichisch- SN- meisterschast vor sich. Die sächsische wird in Gei­sing - A l t e n b e r g stattfinden. Auch die schle­sische Skimeisterschaft - ist oorgemerkt. Johann- Georgenstadt bringt einen Staffcllauf des Kreises Wefterzgebirge.

Rasensport.

Im Fußball beginnen zum Teil die Meister- ^chafts-Schlußspiele. In Süddeutschland steigt die erste Runde zwischen den fünf Bezirks- und dem Hlokalrneifter. 5n Pommern tragen Titania Stettin rnb Stettiner S.E. das Meisterfchofts-Schlußspiel aus. Auch in den andern Landesteilen werden die Meisterschaftsspiele fortgesetzt. Die Handball­spiele befinden sich ebenfalls im Stadium der Schlußspiele. Ein T e n n i s - S t ä d t e k a m p f Köln Bremen sindet in Bremen start.

Boxen.

_3n Göteborg wird Rispel den Larpentier- pefai verteidigen. An einem Stockholmer Amateur­borturnier nimmt eine Mannschaft des D. f. D. Teu­tonia Berlin teil.

Fechten.

Ein 'Säbei-Mannjchastskampf Berlin Dresden findet in Berlin stau.

Motor- und Radsport.

In Garmisch-Partenkirchen versam­meln sich die Teilnehmer zur bayerischen Winter­fahrt. Ebenfalls veranstaltet die Wiener motorjport- liche Herrenfahrer-Vere'migung eine Winter-Wer- tungsfahrt mit otart und Ziel in Pukersdorf. Erstmalig kommt in der Westfalenhalle zu Dort­mund die Winter-Meistersäsaft der Steher von Deutschland zum Austrag.

Billard-Sport.

Ab 10. Febr. findet in Frankfurt a. M. die Meisterschaft für Vi lla rdmei st er in Süddeutfchland statt. Teilnehmer sind die besten Berufsspieler von Bayern. Württemberg, Baden, Heften. Der Gicßener Dillardmeister L. H a u b f nimmt als Vertreter Hessens teil.

Wintersport.

Deutsche Rodelmeisterschaft auf Kunstbahn.

vo. 3n Titisee kam die deutsche Rodelmeister­schaft auf Kunstbahnen bei schlechten Bahnver­hältnissen zum Austrag. Die Ergebnisse sind: Damen: 1. Frl. S ch ow e r ° Titisee 1:47,11: 2. Frl. Wintcrhalder-Titisee 1:49,1. Herren: 1. V. Weiner- Wien 1:46.1; 2. K. H or u-Titisee 1:42,4; 3. Langer- Wien 1:42.5. Doppelsitzer: 1. Frl. Schcuzh - Frankfurt a .M. Ha u s ch - Wien 1:46.5; 2. Frau Langer -- P otyka ° Wien 1:46.1; 3. Ehepaar Horn- Oberwesel 1.47,3.

Schwäbische Ski-Meisterschast.

vo. Trotz aller Schwierigkeiten konnte doch die schwäbische Skimeisterschaft in Daiersbronn zur Durchsilhrung gebracht werden. Entgegen aller Voraussicht waren die Schneeverhältnisse noch recht gut. Den Meistertitel holte sich K r ö ck e l vom Wintersportverein Thüringen. Mit Rote 17,652 erzielte er den ersten Platz vor dem Allgäuer Meister Schlegel mit 17.312. 30.5, 39,5 und 385 Meter waren die Leistungen des Meisters im Springen.

Oberhesfen.

Kreistag rn Büdingen.

!! Büdingen, 3. Febr. Der neue Kreis­tag des Kreises Büdingen hielt heute feine erste Sitzung ab. Bor Beginn der Verhandlungen begrüßte der Vorsitzende die Mitglieder und ver­pflichtete sie durch Handschlag. Hierauf wurde die Wahl des K r e i s a u s s ch u s s e s vorgenommen. Es wurden gewählt: Gustav M o g k, Landwirt zu Grundschwaldenn, August B i r k c n st o ck, Bürger­meister, Ranstadt, M u l l e r - T h ü r i n g , Kauf- n ann. Büdingen, Dr. Andrae, Amtsgerichtsrat, Lrtenberg, Georg Hildner, Beigeordneter, Bü­dingen und Joh. Friedr. Dietz, Vorarbeiter, Rom­melhausen. Bei der Beratung des Straßen- unterhaltungsvoranschlags für 1926 entspann sich eine längere Debatte über die Kreis­straßenunterhaltung im Kreise. Schließlich wurde der Entwurf des Voranschlags für 1926, der mit einer Gesamtsumme von 222 427,40 Mk. balanciert, un­verändert angenommen. Eine Aenderung der Kreis-Feuerlöfchordnung wurde ohne Widerspruch angenommen. Die Drandhilfekosten werden demzufolge nunmehr tot die Mannschaften pro Stopf und Stunde auf 50 Pf., ,edoch nicht unter 2 Mk., festgesetzt. Weiter lag ein Antrag des Mit­glieds Dr. Andrae vor, der die Herabsetzung der Kreistagsdiäten forderte. Nachdem hier­zu während der Verhandlung weitere zwei Anträge gestellt waren, wurden alle Anträge abge­lehnt. Es bleibt somit bei der derzeitigen Rege­lung der Tagegelder, die für außerhalb wohnende Mitglieder 10 Mk., für Einheimische 8 Mk. be­tragen. Zum Schlüsse wurde noch einem Antrag Dr. Andrae und Genossen zugestimmt, wonach der Landtag ersucht werden soll:1. auf das schärfste darüber zu wachen, daß die durch die Londeshypothekenbank vermittelten Kredite den landwirtschaftlichen Betrieben und

nicht, wie das bereits geschehen ist, in gesetzwid- | riger Weise Nichtlandwirten zugeführt wer­den, daß ferner nicht einzelne übergroße Summen, ! die Mehrzahl der kredilsuchenden Landwirte jedoch nichts erhält; daß endlich der Kreis Büdingen bei der Verteilung der Kredite jo berücksichtigt wird, wie das der Bedeutung der Landwirtschaft im Kreis entspricht; 2. mit Beschleunigung darauf hin,zuwir­ken, daß auch den anderen B e r u s s st ä n d e n, z. B. dem Handwerk in gleicher Weise wie der Landwirtschaft K r e d i t q u e (len erschlossen wer­den; 3. zu veranlassen, daß die Hypothekenbank die Gewährung von H y p o t h e k a r k r e d i t e n so­bald wie möglich wieder aufnimmt; 4. dafür zu sorgen, daß billiges (Selb für Wohnungs- b a u t e n zn niedrigem Zinssatz beschafft wird.

Landkreis Gienen.

* G r o ß e n - L i n d e n, 4. Febr. Vom 24. bis 3t. Januar fanden im Saale der Christlichen Gemeinschaft hiersekbst religiöse Vor­träge von Prediger t ö h r statt. Das General- thema war:Jesus und die Menschenseele". Mit großer Klarheit und Wörme wurden die verschie­denen Seelenzustände an das Licht gestellt. Da­neben wurde aber auch gezeigt, wie Jesus, der Arzt der Seele, letzten Endes allein helfen kann, daß die kranke Menschenseele gesund und fröhlich wird. Wohltuend war es, wie die Gedanken der Zuhörer weit emporgehoben wurden über den Materialis­mus unserer Zeit mit seiner seelischen Depression. Welchen Anklang die Vorträge fanden, zeigte sich in der starken Zahl der Besucher, die der schöne, ge­räumige Saal kaum zu fassen vermochte. Die Abende wurden umrahmt von gediegenen Vorträgen des gemischten Chores.

al. A l l e n d o r s a. d. Lahn, 3. Febr. Bei der heute stattgefundenen IagdverPachtung war der Höchstbietende mit 795 Mk. Herr Willi Inder- t h a l von Gießen. Die Pachtdauer ist 6 Jahre. Zu der Verpachtung waren zahlreiche Liebhaber erschienen.

t). Lollar, 3. Febr. Gestern abend tagte in derTraube" dahier die ordentliche General­versammlung des Vereins Kinderfreund. Der Vorsitzende. Dekan Gußmann, eröffnete und leitete die Tagung. Aus dem Jahres­berichte war zu entnehmen, daß der Verein 383 Mitglieder zählt und die Kleinkinderschule sowohl wie die Gemeindekrankenpflege im ver­flossenen Jahre segensreich gewirkt haben. Es wurde von der Krankenschwester in 134 Fami­lien Hilfe geleistet, und zwar in 15 Tagpflegen, 50 Nachtwachen und 4016 Krankenbesuchen. Der Bericht des Rechners, Vektor Saab, ergab eine günstige Finanzlage des Vereins, die außer den Mitgliederbeiträgen, der Unterstützung des Frauenvereins Lollar und der Buderusschen Eisenwerke ganz besonders der tatkräftigen, ver­ständnisvollen Hilfe der Gemeinde Lollar zuzu­schreiben ist. 'Dem Rechner wurde für feine selbstlose, verständnisvolle Tätigkeit herzlicher Dank ausgesprochen, sowie allen, die an dem ge­meinnützigen Werke der Liebe mithelfen, ins­besondere dem Oberhaupt der Gemeinde, Bürger­meister Schmidt, nnd dem Vorsitzenden des Vereins.

Göbelnrod, 4. Febr. Schon seit Mo­naten waren bei den Benutzern des Personen- 5 u g e s, her um 8 Uhr in Gießen ist, Bemühungen unternommen worden, um ein Halten dieses Zuges auch an Werktagen zu erreichen. Durch freiwilliges Aufbringen der von der Reichs­bahn geforderten 12 Mk. ist es nunmehr erreicht worden, daß seit 1. Februar der Zug täglich hält. Es halten jetzt wieder 3 Zugpaare auf unserem Haltepunkt.

= Reinhardshain, 4. Febr. Zu der Verpachtung unserer Gemeindejagd war nur ein Interessent erschienen. Zum Preise von 400 Mk. pachtete Fabrikant Allmendinger die Jagd.

_!_Aus dem Bezirk Grünberg, 4.Febr. Für den 3. Jahrgang der Mädchenfortbil­dungsschule ist lehrplangemaß bekanntlich ab Ostern 1926 Haus wirtschaftlicher Unter­richt zu erteilen. Zu diesem Zwecke trifft die Stadt Grünbera die nötigen Vorbereitungen; denn außer den Krimberger Fortbildungsschülerinnen werden auch die pflichtigen Mädchen aus den Gemeinden Beltershain, Göbelnrod, Lauter, Reinhardshain, Stangenrot uni) Weickartshain den Hauswirtfchafts-

unterrid)t in Grünberg besuchen. Zur Tragung der entstehenden Kosten sind die beteiligten Gemeinden int Verhältnis der Schülerinnenzahl verpflichtet.

ton. Weickartshain, 4. Febr. Dieser Tage hielt der K r i e g c r v e r e i n im Vereins- lotal des Gastwirts Brüller seine General­versammlung ab. Im Lause des Jahres sind in dem Verein 11 Mitglieder zugekommen, ein Mitglied ist freiwillig ausgetreten. Im ganzen zählt der Verein jetzt 64 Mitglieder.

> Holzheim, 4. Febr. Die Holzhauer haben Ende voriger Woche ihre A r b e i t abge- schlossen. Es wurden im ganzen nur 200 Raum­meter gefällt. Davon war her größte Teil Windfatt, er gehört dem hiesigen Markwalde an. Die Holz­macher, nun arbeitslos geworden, finden z. T. Be­schäftigung im hiesigen Steinbruch. Die Erwerbs- losenziffer hätte sich damit wieder erhöht, wenn nicht einige Bauhandwerker bereits auswärts Arbeitsmöglichkeit gefunden hätten. Immerhin be­läuft sich die Zahl'der hiesigen Unterstützungsemp­fänger noch auf 3540.

tötete Büdingen.

IT! Ridda , 1. Febr. In der hrtjüiu G e - meinderatssitzung wurden folgende Be­schlüsse gefaßt: Die Niddaer Wald- und Feld­jagd ist im Jahre 1923 auf die Dauer von sechs Jahren für den jährlichen Pachtpreis von 990 000 Mark an die Niddaer Jagdgenoffenschaft verpachtet und die Pacht seither teils im Wege von Verhand­lungen, teils durch das Pachteinigungsamt von Jahr zu Jahr neu festgesetzt worden. Für den Rest der Pachtzeit, und zwar für die Jahre 1926, 1927 und 1928, soll die Pächterin eine jährliche Pacht von 650 Mk. zahlen. Um die Erwerbslosen- f ü r f o r g c nach Möglichkeit produktiv zu gestal­ten, stellt das Reich zur Durchführung von Not- standsarbeiten Zuschüsse und Darlehen zur Ver- fügung. Als Notstandsarbeiten kommen hier in Betracht: Anlage eines Eisteiches auf der Känsweib beim Schloßbrückchen in Lerbindtmg mit Erhöhung des Ufers des Hohensteiner Baches zum Schutze gegen die Hochwassergefahr, Regulierrmg der Nidda einschl. evll. Erhöhung des rechten Nidda-> Ufers, Ausführung von Grabenarbeiten auf den Wiesen unterhalb der Stadt, sowie Anlage eines Schwimmbades. Zunächst soll die Einlage eines Eis- riidjes und Erhöhung des Ufers des Hohenstemer Baches zur Ausführung kommen. Die 93 er brei­te r n n ii der neuangelegten Straße nach dem städtischen Steinbruch auf den Gold ackern hat sich als notwendig herausgestellt und soll noch im Feldbereinigungsoerfahren durchgeführt werden. Die Herstellung der Straße in der vorhandenen Breite wird beschlossen, die Lieferung der Ch imster- fteme der Firma Drott & Wirth zum Prefte von 6,50 Mk. pro Kubikmeter übertragen. Der G r=* werb des Waldbestandes von dem im Feldbereinigungsverfahren auf die Stadt Nidda: ubergegangenen Waldgrundstück des Gustav Lind zu Geiß-Nidda auf dem Helmsberg wird genehmigt. Im Hinblick auf die verspätete Zustellung der Steuerbescheide für die Sonder st euer vom bebautem Grundbesitz für Gemeinde, Kreis und Provinz für das Rj. 1925 beschließt der Ge­meinderat, beim Kreisamt Büdingen zu beantragen, daß die Fälligkeitstermine für das 1. und 2. Ziel auf den 15. Februar 1926, für das 3. und 4. Ziel auf den 15. April 1926 und für das 5. und 6. Ziel auf den 15. Juni 1926 festgesetzt werden. Das Gesuch der Firma D r o 11 L W i r t h zu Nidda um Einleitung von Verhandlungen zwecks Neufest­setzung der Pachtbedingungen über Ver­pachtung des städtischen Basaltstein­bruchs auf den (Solbädern wird bis zum Frühjahr zurückgestellt. Das Schafweidegeld wird, ebenso wie im Vorjahre, auf 2 Mk. pro Schaf fest­gesetzt.. Für die Mädchenforlbildungs- s ch u l e wird die Einrichtung einer Küche be­schloßen und für diesen Zweck ein Raum im Krnfi­schen Saalbau in Aussicht genommen. Die Einrich­tung der Küche erfolgt, sobald sich dies ermöglichen läßt. Der Gemeinberat nimmt Kenntnis davon, daß die Oberpoftdirektion die projektierte Auto- postlinie Ulfa Nidda Hirzenhain vorerst fallen gelassen hat, da angeblich Kosten­ersparnisse für den Postbetrieb nicht erzielt wer­den. Es wurde die Abschaffung des an Maul- und Klauenseuche erkrankten Bullen be­schlossen, ferner noch, daß die Gewerbesteuer für das Rj. 1925 hinsichtlich der bisher von dieser

Christian Morgenstern.

In brr autobiographischen NotizHeber mich selbst" berichtet Morgenstern von der geizi­gen Wandlung seines 35. Lebensjahres:... im Winter 1905 06 vollzog sich die entscheidende Wendung: die Natur, die Welt vergeistigten sicb ihm völlig, und das Wort des Iohanneifchen ChristusIch und der Vater sind eins" wurde ihm zum erstenmal Erlebnis." Diese völlige Hm- ipeninntg zum Geistigen, das Ergebn^ derun­vermeidlichen Suche seiner Seele nach dem Ort ihres Ursprungs", die den ernsten und grutfe- rischen Dichter von srüh an erfüllte, und die da­mit verbundene Aufnahme des Ioyanneifcherr Christusbildes, des geistigen, im ganzen Erden­leben, tm ganzen All wirkenden Christus, waren der Angelpunkt der Darstellung, die gestern abend Lic. Robert Goebel aus Marburg im Keißner- scheu Vortragssaal von dem Religiösen im Chri­stian Morgensterns Leben und dichterischem Werk gab.

Die tiefe Religiosität des Menschen stellte der Redner dar, unter Ablehnung einet bloß ästhetischen Betrachtungsweise feines Werkes. Re­ligiös find ihm die Wurzeln, religiös der Werde­gang des großen Sinnierers, den weitere Kreise bis^zu seinem Tod nur als den Dichter der Galgenlieder gekannt haben. Sein Lebensgang legt Zeugnis ab von seinem Ringen mit und um sich selbst, seinem Leiden an sich selbst, feinem unermüdlichen, ergreifenden Suchen. In der Ju­gend ist für ihn von Bedeutung das Verhältnis zu feiner Mutter, zu Nietzsche, zu Lagarde, zu Ibsen, bis dann das 35. Jahr entscheidend ihn zu dem Iohannesedangelium führt, das ihn in ein ganz neues Verhältnis zum Menschen, zur Geisleswelt, zur Natur e'mtreten läßt. (Ne­benbei: An den immer sieben Jahre zusmn- mens ass enden Rhythmus, in dem sich das gei­stige Leben eines Individuums genau wie fein körperlicher Organismus entwickeln soll, glaub ich nicht so unbedingt wie der Redner, der in un­nötiger Breite mehrere Beispiele aus andern ..Biographien" vorbrachte; geistige Entwicklung hängt von so ungeheuer vielen und verschieden­artigen Einflüssen ab, daß sich ein sür alle Merckchenfeelen geltendes Schema gor nicht in der gleichen Weise aufstellen läßt, wie dies für ihren physischen Organismus wohl möglich ist.) Später, 1909, lernt Morgenstern den Mann len» nen, dessen Gestaltetwas ganz Neues für die Entwicklung der menschlichen Seele bedeutet".

Rudolf Steiner, vor dem er fich in höchster Ehr­furcht beugt. Im Jahr 1914 ries als einen wachen Geist" der Tod den Dichter ab.

An der Hand der Dichtungen und Sprüche Morgensterns führte Lic. Goebel durch alle Phasen der religiösen Entwicklung des Dichters. In der Frühzeit ist es noch die neckische Phan­tasie, mit der Morgenstern unter Ueberwinbung der rein naturalistischen Schauweife die Natur betrachtet (Dgl. die Gedichte3n Phantas Schloß"). Dann aber lenit den Dichter uner­müdliche Arbeit an sich selbst, die Suche nach dem Geist, weiter auf höhere Pfade, wo er jo recht desStaubs der breiten Spur" gewahr Wird, dem er sich zu entziehen trachtet. Seine Abneigung gegen die seichte, philisterhafte Zeit, die die Forderungen des Geistes nicht versteht, es nicht ernst nimmt mit der Wirklichkeit des Geistes, spricht er immer wieder aus. Er kämpft gegen das versimpelnde Bürgerliche im Menschen, das die Resignation vor den Forderungen des Gei­stes zu einer Gewohnheit macht wie Essen und Trinken, gegen den Philister im Menschen, der allein diesen von Ehristus trenne. Dieses Leiden am Zeitgeist ist auch der tiefste Hintergrund seiner Galgenlieder und der ihnen nahestehenden Ge­dichte, die durchaus nicht als Behälter bloßen prickelnden Spottes aufzufaffen ftnd. Aus feinem suchenden 2Lenschtum sind auch sie geboren. Er­habene Aeußerungen seines immerwährenden Strebens, wie die von feinemunaufhörlichen Trieb zur Tiefe", von der Vertiefung durch dos Gebet, von dem einzigen Glück des Menschen, nämlich dem, das den Wert des Menschen er­höht, der Arbeit an sich selbst, leiten über Zu dem unvergleichlichen philosophischen Glaubens- bstenntnis, das in denStufen" medergelegt ist. In diesen Aphorismen und Tagebuchnotizen sehen wir die einzigartige menschliche Entwick­lung vor unS, die der Dichter genommen hat. Gr hatte wie jeder Edle den Zwiespalt auszu- kämpfen, den er mit dem Gegensatz desMöchte sein" zumDin" bezeichnet hat; er konnte streben, weil er an die Möglichkeit, ja Notwendigkeit einer Entwicklung glaubte, er hatte den Willen zur Entwicklung, deren Voraussetzung die Ueberwin- dunq und Abstreifung der alten Seelenform ist, er hatte diesesSich opfern wollen", weil es allein ein Leben verbürgt, ein Nichtverderben auch im Tode, ein Hineinsterben in ent höheres Leben; und dieser Opferwille stellte ihn irr die Welt des Ehristus Religion ist ihm nichts anderes als ein ..Sich entwickeln wollen", der

Weg der Selbsterkenntnis des menschlichen und damit auch des göttlichen Geistes, denn in jedem Menschen wie in der ganzen Welt offenbart sich Gott. Sv ist des Dichters religiöses Erleben nicht landläufig herkömmlich, sondern aus feinem eigenen Innern, aus seiner Arbeit zum Geiste hin, aus seinem Entwicllungswttlen hervorgewach- fen. Auch seine Betrachtung der stofflichen Welt setzt in gleicher Weise das Geistige auf den Herrscherthron: die Erscheinungsformen der Ma­terie, Bäume, Pflanzen und die konkrete Welt, sie alle sind ihm Leibesteile geistiger Wesen­heiten; die Erde schaut er geistig verklärt. Auch deren Sinn istUntergang in Höheres": diese Erde wird ein Sonne fein. Christus ist es auch hier wieder, der im Zusammenhang mit ihr wirkt. Lebensbejahend ist also letzten Endes das Werk des Dichters, das mit dem so todesernsten BandWir fanden einen Pfad" schloß. Und so kann Morgenstern als der Sprecher eines echten Christentums empfunden werden, das sich die ernste, Leben und Entwicklung fördernde Auf­gabe stellt, Mensch und Erde ihrer Geistgestalt, ihrer geistigen Bestimmung entgegenzuführen, -g.

Frankfurter Mufikbries«

Von den Neueinstudierungen und Neuinsze­nierungen im Opernhaus unter der Leitung von Prof. Krauß steht die desRing der Nibelungen" im Vordergrund des Interesses. Seit der Erstaufführung des Werks hatte sich an der Szenerie nichts geändert, besondere Re­gieleistungen waren nicht zu verzeichnen, es stand im Mittelpunkt die Leistung des Diri­genten und die Leistung der Sänger, die den Abenden das Gepräge gaben. Und da hatte allerdings Frankfurt Namen zu verzeichnen von bestem Klang, Verkünder hehrster Kunst; Per­sönlichkeiten wie die Greiff-An drießen, die Schröder-Hanfstängl, wie Baudrowski und Forch- hammer lassen sich von dem Kunstleben Frank- surtS und Deutschlands nicht trennen. Nun ist das anders geworden: Im Mittelpunkt steht der Regisseur, ihm hat sich der Darsteller zu beugen; die Entwicklung, die das Schauspiel seit längerer Zeit genommen hat, hat auch in der Oper eingesetzt. Immerhin typisch für unsere so gar nicht auf Persönlichkeiten eingestellte Zeit.

- Dr. W a l l e r st e i n ist der Regisseur der Frankfurter Oper,ein guter Meister", der schwerlich seinesgleichen findet, und der ko­chen ruhmbekränzt von einem Gastspiel "bei der

Wiener Staatsoper zurückgekehrt ist. Von Be­ruf Frauenarzt, hat er sich der Musik zugewcmdt, wurde Kapellmeister und nun ist er Oberregisseur, einer von den ganz musikalischen, und das ist gerade das Bezeichnende an seiner Regiekunst. Er, der die Partituren genau kennt, geht nur davon aus, auf musikalischer Grundlage seine Arbeit zu leisten, aber nicht in dem maniriertert Bayreuther Stil, sondern bei weitem gelöster, freier und deshalb künstlerisch wertvoller. Gr läßt nicht in sklavisch nachäffender Weise z. D. die Motive der Riesen und des Loge dauernd in den Bewegungen der Darsteller nachklingen, er ist der Wagner-Regisseur der Jetztzeit, die durch die zeitliche Entfernung der objektiven Beur­teilung des Meisters im Gegensatz zu früher nähergekommen ist. So gibt er der Wagnerischen Kunst mit den Mitteln unserer Tage szenisches Leben.

Neben ihm Ludwig Sievert, aus dessen Hand die Bühnenbilder stammen; sie passen sich der Wucht des Werkes an. Am Pult: Prof. Krauß, dem die dramatischen Akzente beson­ders liegen und der vermöge seiner bei seiner Jugend erstaunlichen takttechnischen Begabung dem Orchester Klänge zu entlocken versteht, die man vordem nicht gehört hat.

Gegen die Leistungen dieser drei treten die der Darsteller ein wenig zurück bis auf die Brunhilde Frau L a u e r - K o t t l a r s, die mit der Zeit eine Künstlerin größten Formats und größter Innerlichkeit geworden ist. Darstellerisch und stimmlich ausgezeichnet der Wotan des Herrn v. Scheidts, der, wie in all seinen Partien, das Menschliche in den Vordergrund stellt. Der Siegmund und besonders der Sieg­fried des Herrn Fänger find in ihrer jetzigen Wiedergabe trotz mancher mehr äußerlicher Mängel vorbildlich, ganz den Geist des an den Leistungen offenbar nicht ganz unbeteiligten Re­gisseurs atmend. Unbefriedigend in feiner Aeu- herlichkeit der Alberich Jean Sterns das technische Können und das stimmliche Material allein genügen nicht zur Darstellung des dämo­nischen Zwergs. Intelligent wie immer der Loge Hans Brandts, aber doch im Schatten der Titanen fechtend: noch hat man Forchhammers Wiedergabe der Rolle nicht vergessen. Alles in allem eine große Tat des Instituts, geleistet nach harter, mühevoller Arbeit von Berufenen, denen, bann auch die Zuhörer in begeisterten Ovationen ihren Dank aussprechen. W. Kn.