Ausgabe 
4.11.1926
 
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Irchen Vorteile genieben wollen. Ist es rechtzeitig errichtet, so genießen auch die erst in späteren Jahren auf das Sparkonto gemachten Einzah- hingen den Vorteil der Ciirkommensteuerfreiheit im Einzahlungsjahr und sind ebenfalls 20 Jahre nach Leistung der e r st e n Einzahlung zurück- zuzahlen. Die zwanzigjährige Sperr­frist bezieht sich also nur auf die Sperrdauer der ersten Einlage, und verringert sich ent­sprechend für Einzahlungen, die erst im Laufe der Jahre erfolgen.

Angesichts dieser Sachlage empfiehlt es sich, daß die Sparer möglichst bald, spätestens aber vor Jahres schluß 192 6 sich ein solches Konto anlegen, auch wenn sie vorerst größere Einzahlungen nicht leisten können. Denn mit der ersten, wenn auch ganz geringen Einlage setzen sie die 20jährige Sperrfrist in Lauf und verringern die Sperrdauer der Einzahlungen späterer Jahre.

Daß der jährliche Aormalsah von 480 Mark sich auf Spareinlagen und Lebensversicherungen bezieht, sei nochmals besonders betont. Dieser Sah von 480 Mark jährlich kann nur einmal als Spareinlage zusammen mit der Lebensver- jicherungsprämie in Abzug gebracht werden. Die Frage, ob Lebensversicherung oder Spareinlage vorzuziehen sei, kann nicht generell, sondern nur von Fall zu Fall entschieden werden. Der Ge- sehgeber hat Wohl eine Kombination von Spar­einlage neben Lebensversicherung im Auge ge­habt, da er für beide zusammen den Aormal- sah aufstellt. Jedenfalls können die Spar- stellen durch die lange Verfügbarkeit, die sie über die Spareinlagen im allgemeinen haben werden, sehr wohl einen Zinssatz gewähren, der über den sonst üblichen Zinssatz hinausgeht.

Wirtschaft.

Aufhebung der Steuer ber» zugszuschläge bevor st ehend. Aach Ar­tikel 18 der zweiten Steuernotverordnung ist bei nicht rechtzeitiger Zahlung der wichtigsten Steu­ern für jeden auf den Zeitpunkt der Fälligkeit folgenden angefcmgenen halben Monat ein Ver­zugszuschlag zu entrichten, der zur Zeit noch immer 0,75 Prozent beträgt. Der Zentralverband des Deutschen Großhandels E. V. hat sich wie­derholt an das Reichsfinanzministerium gewandt und die Aufhebung dieser den heutigen Ver­hältnissen nicht mehr gerecht werdenden Einrich­tung erbeten. Wie wir vom Zentralverband des Deutschen Großhandels E. V. hören, hat sich das Reichsfinanzministerium nunmehr zu einer alsbaldigen Beseitigung der Verzugszuschläge entschlossen, so daß in Zukunft bei nicht recht­zeitiger Zahlung lediglich Verzugszinsen zur Er­hebung gelangen werden. Eine diesbezügliche Verordnung durfte in den nächsten Tagen er­gehen.

Die Stinnes-Anleihe über­zeichnet. Wie aus Aeuyork gekabelt wird, ist die zu einem Kurse von 99Va Proz. zur Zeichnung aufgelegte Stinnesanleihe in Form von 121/2 Mill. Dollar Iproz. Debentur-Bonds überzeichnet worden, äleber die Höhe der Lleberze'.chnung und die Form der Zuteilung ist näheres noch nicht bekannt.

* Hugo Stinnes Reederei A.G., Hamburg. Die Llmgründung der Hugo Strnnes A. G. für Osthandels- und Industrieunterneh­mungen Mülheim (Ruhr) in die Hugo Strnnes Reederei A.G., Hamburg ist mehr aus formalen Gründen erfolgt, denen keine große Bedeutung zukommt. Es war nötig, für die im Stinnes- Konzrrn verbliebenen Schiffsinteressen eine neue juristische Form zu finden. Das nominelle Aktien­kapital der Gesellschaft beträgt 500 000 Mark. Vorstand sind Direktor Struwe und Dr. Hensel.

* Rückgang der österreichischen Ar­beitslosigkeit. Die amllichen Ausweisungen über den Stand der Arbeitslosigkeit in Oesterreich haben auch in der zweiten Oktoberhälfte einen klei­nen Rückgang ergeben. Man rechnet damit, daß bei Anhalten der günstigen Witterung die Arbeitslosen­ziffer auch in der nächsten Zeit eine absteigende Linie beibehalten wird.

* * Londoner Goldpreis. Der Londoner Goldpreis beträgt für eine Unze Feingold 84 sh 11 i d, für ein Gramm Feingold demnach 32,7777 Pence.

Frankfurter Börse.

Frankfurt a. M., 4. Aov. Tendenz: Sehr fest. Die Depression, die gestern zeitweise die Börse beherrschte, machte heute bereits wieder einer äußerst lebhaften Llmsatztätig- k e i t Platz. Besondere Anregung boten dir Be­richte der preußischen Handelskammern, dir eine weitere Besserung der Wirtschaftslage feststellen. Die Kaufaufträge haben einen großen ilmfang angenommen, und erstreckten sich nicht nur auf führende Werte, sondern auch auf die Aktien, der Aebenmärkte. Tie Spekulation zeigte sich sehr unternehmungslustig. Tas Hauptinteresse nahmen I. G. Farben in Anspruch, die eine neue Haussebewegung verzeichneten. Der Vortragskurs von 346 Prozent sprang gestern abend auf 369 Prozent, und erreichte zu Beginn des heutigen Verkehrs einen neuen Re­kordstand von 380 Prozent. Es ergibt sich also ein Kursgewinn von 34 Pro­zent. Montanaktien blieben weiter­hin ein beliebtes Kaufobjekt. An der Spitze standen hier Rheinstahl mit einem Gewinn von etwa 17 Prozent. Von den übrigen Werten waren stärker gesteigert: Harpener plus 4 Pro­zent, Rheinische Braunkohlen plus 7 Prozent, Riebeck-Monlau plus 5 Prozent, Am Chemie­markt betrugen die Steigerungen für die übri­gen Werte 3 bis 4 Prozent. Der Elektro- markt lag gleichfalls sehr fest. Mit Ausnahme von AEG. zogen die Kurse um 3 bis 4 Prozent an. Von Bankaktien standen Darmstädter an der Spitze der Auswärtsbewegung, mit einem Ge­winn von 5 Pro enl. Metallbank plus 4 Prozent. Von Schiffahrtsaktien lagen Hapag um 3,75 Pro ent gebessert, während Lloyd unverän- bert blieben. Motorenaktien fest. Klever plus 3 Prozent, Daimler plus 3,5 Prozent, Hansa= Lloyd plus 2,5 Prozent. Baustoffaktien und Mafchinenwerte 2 bis 3 Prozent fester. Zuckeraktien vernachlässigt und kaum ver­ändert. O e Ito er t e gut gebessert. Rütgerswerke

plus 7 Prozent, Deutsche Erdöl plus 2,25 Pro­zent. älnbeeinfluht von der Höherbewegung blie­ben deutsche Renten, die eher zum Aach- geben neigten. Auch ausländische Sen» ten waren kaum verändert. Der weitere Ver­lauf brachte bei lebhaftem Geschäft neue Kurs­steigerungen. Der Geldma rkt ist flüssig. Tagesgeld 5 Prozent, Monatsgeld 5,75 bis 7,5 Prozent je Adresse. Privatdiskonten 4,62 bis 4,87 Prozent, Industrieakzepte 5,25 Prozent. Die lateinischen Valuten lagen im Devis enver- l e h r fest, vor allem Paris, das sich gegen London auf 147,25 erheblich befestigte. Mailand mit 112,75 und Delga-Drüssel mit 34,85 gegen das Pfund behauptet. London-Kabel 4,8565, die Reichsmark gegen Kabel 4,2085.

Börsenkurse.

Datum:

5% Deutsche Rcichsan leihe 4% Deutsche RetchSanleiye 8/»*/« Deutsche Reichsanleihe 3% Deutsche Reich San lei he Deutsche Svarprümienanleihe 4°/o Preußische Konlols . . . 4° o Hessen

3Vi0/o Hessen ..........

3°/e Hriirn...........

Deutsche Wertb. Dollar-Lil. dtv- Doll -Schatz-Anweisng.'l </» Zoll türken 5% Soldmerikaner . . .

Berliner Handelsgesellschaft Lonnnerz- and Privat-Bank Darmst. und Nanonalbank Deutsche Bank Deutsche vercioSbank .... DiSconro Commandit Metallbank ....

Mitteldeutsche Lreditbank . Oesterreichische Creditanstall Weltbank ..... .

Bochumer ^ng ......

BuderuS .........

Taro . .

Deurlch-Lnreorburg ....

Gelsenkirchener Bergwerke.

Harvener Bergbau ... Kaliwerke Aschersleben. . . , Kaliwerk Westeregeln .... llaurahütte Lberbedan Phönix Bergbau ..... Rbeinuohl ...... 'Xiebeet Montan ...... Tellus Bergbau Bereinigte Stahlwerke A.-G- Hamburg-Amerika Pakt. . . Norddeutscher Llovv . . , Tberaunsche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . .

Püilwv Hotzmunn .... Anglo-Cont.-Guano . . . . Chemische Mayer Alapin . . I. G Jarbcnindustric, A.-G. Goldschmidt Holzverkohlung Rütgerswerke ...

v'chcldeanstalt . .

All« Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann ......

Mainkraitwerke ...... Schlicken .. , Siemens & Halst» .....

Adlermerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Hcyligensioedr . Meguin

Motorenwerke Mannheim

Frankfurter Armamrrn Konservenfabrik Braun . Metallgesell chafi Frankfurt . Pc«. Union A.-G Cchub'abrik Herz . . .... Sichel ........ Zellstoff Woldhok .... Zuckerfabrik Frankenthal . . -suckerkabrik Wag baute! . . .

Frankfurt a.M.

Berlin

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215

202.5

211

92

92,75

84.5

112,25

112,25

111

Devisenmarkt BerlinFrankfurt a. M.

Telegraphische 01 u « » a b u n a.

.3 Novbr-

4. Novbr.

Amtliche Noti runa

Amtliche Notierung

Keld

Brief

(Held

Brief

Ämir.-r-ion

167.92

168.34

168.01

168,43

Buen.-Aires

1.706

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1.706

Brss.-Anlw

58.45

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Chriltiania

105.37

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111,66

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Stockholm

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Italien .

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Schweiz .

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Danzig

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Qonft nttn

2.045

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Canada.

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1.155

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Banknoten.

Berlin, 3 Novbr

lAeld

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Amerikanische Note» ..... Belgische Noten ..... Dänische Noten ....... Tnglilche Noten. ....... ifranwssiche Note» ...... Holländische Noten ..... Jiilienjschr Noten......

Norwegische Noten ...

Deuisch-Oesterr.äioo Kronen Rumänische Noten ....

Schwedische Noten.....

Schwerer Noren ...... Spanische Noten ......

Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noien

1.186 68.2?

U1.37 41,318 13.61

167.55 18,05

105,13 59.05

111,82 60,75 63,42

12,405 ».842

4,206 58,57

Hl.93

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105,65 59,35

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12.465 ».882

Berliner Börse.

Berlin, 4 Roo. Die Stimmung der Aktien­märkte ist nach den gestrigen Realisationen über­raschend schnell wieder in das alte Fahr­wasser geraten. Schon im Frühverkehr waren die Kursverluste voll aufgeholt worden. Bei Beginn des amtlichen Verkehrs stellte sich heraus, daß die Ban­kenkundschaft die niedrigeren Kurse zu umfangreichen Neuanschaffungen ausnutzte. Infolgedessen sah sich auch die Baissespekulation zu Deckungen veranlaßt, so daß ein ungewöhnlich lebhaftes Geschäft einsetzte. Es traten Kurs st ei gerungen bis zu 20 Prozent und darüber hinaus ein. Im Mittelpunkte des Kaufinteresses standen J.-G.-Far- ben und sämtliche irgendwie bainit zusammenhän­genden Werte. J -G.-Farben eröffneten 22,5 Proz., Rheinstahl 18 Prozent über ihren gestrigen Schluß» kursen. Daneben wurden Kohlen-, Oel-, Eisen» und Bankwerte bevorzugt. Darmstädter Bank plus 8,

Berliner Handel plus 7 Prozent. Zu der heutigen Haussebewegung dürfte die flüssige Lage des Geldmarktes und die sehr günstig lautenden Berichte der preußischen Handelskammern beige­tragen haben. Tagesgeld war zu 5,5 bis 7 Prozent in großen Beträgen erhältlich, teilweise war auch schon hierunter anzukommen. Monatsgeld bei 6 bis 7 Prozent zurückhaltender. Im Deoisenver- k e h r hatte Paris gegen London eine bauf feartige Befestigung zu verzeichnen. Die Pariser Pfundparität stellte sich auf 146. Die Reichsmark lag gegen Kabel fest Die übrigen Va­luten hatten keine nennenswerten Veränderungen aufzuweisen.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 4. Noo. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 29,50 bis 29,75 Mark: Roggen, inländischer, 24,25 bis 24,50; Sommergerste für Brauzwecke 24,50 bis 27; Hafer, inländischer, 20 bis 20,75; Mais (gelb) 20 bis 20,25; Weizenmehl, inlän­disches (Spezial 0), 42 bis 43; Roggemehl 35,25 bis 36; Weizen- und Roggenkleie 11 bis 11,25 Mark.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 4. Noo. Auftrieb: 53 Kühe, 708 Kälber, 1123 Schafe, 836 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 75 bis 80 Mark; mittlere Mast» und Saugkälber 68 bis 74; geringe Kälber 58 bis 67. Schafe: Mast- lämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 38 bis 42; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 32 bis 37; fleischiges Schaf­vieh 24 bis 31. Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 74 bis 76; oollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebend­gewicht 74 bis 76; von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 74 bis 76; von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 73 bis 76; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 70 bis 74 Mark. Marktverlauf: In Kälbern und Schafen langsames Geschäft und ausverkauft. In Schweinen gedrückter Handel und Ueberstand.

Berliner Produktenbörse.

Berlin, 3. Aov. Die Märite der Ver­einigten Staaten, die gestern geschlossen wa­ren, und den wenig veränderten Winnepegec Preisberichten konnte Berlin heute keine toesent» lichen Anregungen entnehmen. Die Forderungen zeigten sich etwas ermäßigt und auch Liverpool hatte nicht voll behauptete Anfangskurse ge­meldet. Dies veranlaßte im Lieferungsmarkt für Weizen und Roggen Preisrückgänge in Höhe von 0,50 Mark. Für Export bestand etwas Frage nach Weizen, doch hielt das Angebot zurück und zeigt sich in den Forderungen unnachgiebig. Auch beim Roggen zeigten sich nur geringe Ein­fuhren. Gerste ruhiger, Hafer liegt verhältnis­mäßig still bet kleinen Einfuhren. Mehl trotz ermäßigten Preisen nur schwer abzusetzen. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märki­scher, 270 bis 273; Roggen, märkischer, 219 bis 224; Sommergerste 220 bis 261; Wintergerste 192 bis 205; Hafer, märkischer, 178 bis 193; Mais, loco Berlin, 201 bis 206; (100 Kilo­gramm): Weizenmehl 36 bis 38,75; Roggen­mehl 31,75 bis 33,75; Weizenlleie 12; Roggenkleie 11,75; Viktoriaerb'en 58 bis 68; kleine Speise­erbsen 40 bis 42; 7 uttererbsen 22 bis 26; Pelusch­ken 21 bis 22; A-, oohnen 21 bis 23; Wicken 25 bis 26; Lupinen, blau, 13 bis 14; Lupinen, gelb, 14 bis 15; Rapskuchen 15,60 bis 15,80; Leinkuchen 20,60 bis 20,80; Trockenschnitzel 9,70 bis 9,90; Soyaschrot 19,30 bis 19,60; Kartoffelflocken 23,80 bis 24 Mark.

Gerxchtsfaal.

3m Wiederaufnahmeverfahren freigesprachen.

Limburg, 2. Aov. Der Grubensteiger Ludwig Haus aus Hartenrod (Kreis Biedenkopf) wurde durch Urteil des Schöffen­gerichts Wetzlar vom 16. Juni 1924 zu 1 Jahr Gefängnis wegen Aotzucht, be­gangen an der minderjährigen A i x, verurteilt. Die an die Strafkammer Wetzlar eingelegte Be­rufung wurde verworfen. Der Angeklagte be­teuerte im Vorverfahren und in beiden Hauptrer- handlungen seine Tln schuld; insbesondere be­stritt er, überhaupt von Juni 1922 bis April 1923 mit der angeblich Verletzten zusammengekommen zu sein. Im April 1923 habe die Zeugin Aix und ihre Großmutter bei ihm Holz geholt. Straf­bares sei hierbei nicht vorgekommen. Das Gnaden­gesuch des Qlngefigten wurde zurückgewiesen, Haus mußte die Gefängnisstrafe ver­büßen. Er betraute nunmehr den Rechts­anwalt Dr. L. Katz in Gießen mit dem Wie­deraufnahmeverfahren, dem das La: d- ger'cht Limb rg nach Ver ehmung von Zeugen stattgab. Zu der heutigen Hauvtverhandiung vor der großen Strafkammer in Limbura waren 22 Zeugen erschienen. Cs wurde tatsächlich festgestellt, daß das behauptete Zusammentreffen nicht im Aovember 1922, sondern im Avril 1923 stattge­funden hat. Weiterhin, daß angesichts der Wider­sprüche, in die sich die Zeugin Aix und ihre Großmutter verwickelten, sowie ihrer Persönlich­keit und ihrer moral'chen Qualifikation ihren Angaben kein Glauben zu schenken sei und daß daher der Angeklagte auch nicht der Vater des im Juni 1923 geborenen Kindes sein könne. Das Landgericht hob nach mehrstündigen Verhandlun­gen die be'den eingangs erwähnten Urteile auf und sprach den 69jährigen, unvorbe­straften Angeklagten frei. De Kosten des Verfahrens einsch'eßlich der der Verteidigung toirrbm d?r Staatskasse auferlegt. Wie uns mit- geteilt wird, soll nunmehr Zivilklage auf Scha­denersatz gegen den Fiskus von dem Frei- gesprochenen wegen der von ihm vm:büßten ein­jährigen Gefängnisstrafe erhoben werden.

Büchertisch.

Thomas Mann: Lübeck als gei­stige Lebensform. Otto Quitzow Verlag, Kom.-Ges., Lübeck 1926. Was auf den 55 kleinen Druckseiten dieser Rede (gehalten am 5. Juni im Stadttheater zu Lübeck aus Anlaß der 700-Iahrfeier der freien und Hansestadt) ge­schrieben ist, gehört zum Feinsten, was man seit langer Zeit zu lesen bekam, ist ein Leckerbissen für literarisch Genuhfähige. Dies begründet sich zwie­fach. Einmal in der beim Lesen überwältigend auf tauchenden Erinnerung an ein Wort Thomas Manns, in dem gesagt wird, ein Schriftsteller

sei einer, der nicht leichter, sondern schwerer schreibt, als andere, gewöhnliche Menschen. (Man darf es nur nachher nicht merken.) In solcher Bemerkung ist die Quintessenz dessen enthalten, was vor allem Geschriebenen (ober Gesprochenen) dieses Menschen immer wieder hinreibt und ent­zückt: das in unserer sprach- und stilmörderischen Zeit immerhin rar gewordene Bewußtsein, einem Meister des Wortes zu begegnen, dem feine Muttersprache musikalisch gehorcht, wie ein edles Instrument. Das ist das Eine. Das Andere aber ist das Tiefgeistige des unscheinbaren Düchelchens, das bekenntnishaft Persönliche (im großen Werk immer nur durchscheinend durch den einhüllenden Schleier streng gewollter Sachlich­keit), der Einblick in die Werkstübe künstlerischen Gestaltens, den diese wahrhaft festliche Rede gestattet. Man folgt den unendlich reizvollen Einzelheiten der Entstehungsgeschichte derBud­denbrooks", als eines schlechthin genialen Erst­lingswurfes; man sieht einen Künstler mit leichter Hand und sicherstem Bewußtsein die Grenzen seiner inneren und äußeren Heimat ziehen und die Hrgrünbe seines Schaffens vor unseren Augen entschleiern. Dieses Andere und jenes Eine machen die 50 Seiten des Buch:s zu einem lite­rarischen Dokument von unalltäglichem Schwer­gewicht. 560

Kauft in Giessen!

Letzte Nachrichten., Deulschnalionale und Außenpolitik.

(Eigener Bericht desGießener Anzeigers".)

Berlin, 4. Aov. In Berliner politischen Kreisen bespricht man heute auch den Gegensatz, der im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages zwischen Dr. Stresemann und dem deutsch- nationalen Abgeordneten Dr. Hoetzsch zutage trat. Wie man hört, hat der deutschnationale Vertreter die Außenpolitik Stresemanns stark kritisiert. Demgegenüber hat der Reichs- außenminister ertlärt, daß er der deutschnationalen Kritik kein Verständnis entgegenbringen könne. Man bedauert diesen Gegensatz um so mehr, als die letzten Wochen Aeußerungen führender Deutschnationaler (Graf Westarp) brachten, die eine Ausgleichung der Anschauungen über die deutsche Außenpolitik zwischen Deutschnafio- nalen und Regierungsparteien erhoffen ließen. Es wird zudem nicht verkannt, daß eine möglichst geschlossene Front im Reichstag der Reichs­regierung bei den für ein Land ohne Macht so besonders schwierigen außenpolitischen Verhand­lungen einen guten Rückhalt geben würde. Der für den Beginn der nächsten Woche vorgesehenen Reichstagsdebatte über die außenpolitischen Pro­bleme sieht man deshalb mit Spannung, aber auch mit einer gewissen Sorge entgegen. Wie wir hören, wird Reichsaußenminister Dr. Strese- mann die Beratungen darüber mit einer Rede im Reichstagsplenum selbst ein leiten.

Die spanischen Putschpläne.

Paris, 4. Aov. (WTD. Funkspruch.) Wie Havas aus Perpignan meldet, wollten die Separatisten in Katalonien auf Grund der ihnen von den f oft genommenen, aus Frankreich stammenden Verschwörern über­brachten Weisungen, sich der revolutionären Be­wegung anfchließen. Ihre erste Aufgabe wäre gewesen, die Bahnhöfe. Telegraphen» unb Telephon-Aemter z u besehen. Man erwartet Verhaftungen.

General ©Srarb f.

Paris, 4. Nov. (WTB. Funkspruch.) Den Blättern zufolge ist General Gerard gestor­ben. Er führte im Kriege ein Armeekorps und leitete später die Besetzung der Pfalz. Der Verstorbene stand im 69. Lebensjahre.

Rundfunk-Programm

des Frankfurter Senders.

(Aus der .Radio-Umschau".)

Freitag, 5. November:

3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Hausfrauennachmittag. Programm u. a.: Elektrizität im Haushalt", Vortrag von Ingenieur Schulze. 6.15 bis 6.45 Uhr: Funkhochschule:Cha» raktergestalten aus der Geschichte des neueren deutschen Unternehmertums: Georg o. Siemens an der Spitze der Deutschen Bank", Vortrag von Prof. Dr. Küntzel. 6.45 bis 7.15 Uhr: Stenogra­phischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). 7.15 bis 7.45 Uhr: Italienischer Sprachunterricht. 8.15 bis 9.15 Uhr: Konzert der Frankfurter Kam» mermusikgemeinde. 9.15 bis 10.15 Uhr: Kammer­musikkonzert.

Sprechstunden der Nedaktion.

12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen.

Für unverlangt eingesandte Zfi a n u I f c I p I e ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen

Anzeigenausträge sind lediglich an die Geschäfts ft elle zu richten.

(Geschäftliches.

G ol d e n e Medaille. Die Firma Koch & Schenk, Chemische Fabrik A.-G. in Ludwigs­burg, die Herstellerin der bekanntenBüffel-Beize", ist auf der AusstellungDie Frau in Kleidung, Haus und Küche" in Nürnberg mit der Go Ide» nen Medaille ausgezeichnet worden.

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