Ausgabe 
4.8.1926
 
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Altersturner (35 bis 45 Iahre): 1. 3. Lemlpecher, Tv. Sieburg. 76 P: 2. CB. Ender-, Lv. Kreuznach, 75 P; 3. F. Kotier. Tv. Hom­burg v. d. H., 73 P.

Frauen (175 Bewerberinnen): 1. Tilly Fleischer, Eintracht Frankfurt a. M 71 P.: 2. Elis. Schauh, Tv. Biebrich, 06 P.: 3. Elif. Pfeiffer, Tv. GrieSheim, 64 P.

Im Mannschaftskampfe gewann Tv. 1860 Frankfurt a M. überlegen das historische Völfungenhorn mit 401' , Punkten- als zweiter Sieger placierte (ich Tv. ..Vorwärts' Bocken- heim. der seitherige Inhaber des Preises, mit 358 Punkten, während Tv. 1860 Bad-Rauhetm mit 355 Punkten dritter Sieger wurde.

Die deutschen Hochschuimeisterschaften.

Tie Deutschen Hochschulmeisterschaften wurden am Sonntag vor nahezu 3000 Zuschauern im Stadion des Deutschen Sportvereins in Iena ausgetragen und reibungslos durchgeführt- in mehreren Hauptkonkurrenzen wurden neue deutsche Hochschulrekorde erzielt, wie überhaupt der deutsche Hochschulsport große Fortschritte zu verzeichnen hotte. Ergebnisse: Weil'rrung: 1 L a d e w i g - Breslau 6,78 Meter. 80I-Meter-Lauf- 1. Mahr, Technisch« Hochschule Wien 2:01,3. 100-Meter-Lauf: 1 Körnig, llniü Breslau. 10,7 Sel (neuer deutscher Horch' schulrekard i 5000-Meter-Laus 1 Bauer, ilnio. Halle,> 18:15,6 Min. (neuer deutscher Hochschul­rekord- 100-Meter-Lauf: 1. S t v r z, Univ. Holle, 50 Sek (neuer deutscher Hochschulrekord). Äugel- flohen 1 Knopp, Univ Hamburg. 12,63 Meter. 1500-Meter-Laui. 1. Krause. Univ. Breslau. 4: 14,4 Min. (neuer deutscher Hochschulrekord). Hochsprung: 1. Bey, Univ. Berlin. 1,80 Meter berührt 4maI100-Meter-Staffel: 1. Technische Hochschule Eharlottenburg 45,1 Sek. Speerwurs: 1. Moll e s, Univ. Königsberg. 54.40 Meter (außer Konkurrenz, neuer Rekord 55,40 Meter). 110-Meter-Hürdenlaus en 1. Anton, Univ. Ber­lin. 16,4 Vel 3ma(1000-Qlieter Staffel. 1. tech­nische Hochschule Eharlottenburg 8:02,2 Min. (neuer deutscher Hochfchulrekord). 6mall00-Meter- Staffel: 1 Univ. Berlin 1:07.6 Mi" DiskuS- Wurf 1. Knopp. Univ. Berlin. 40,9 Meter (neuer deutscher Hochschulrekord). Stabhochsprung: 1. Spieler. Univ München, 3,30 Meter. SchwimNi-Mehrkämpfe 1. Albert. Univ. Bres­lau, 56' . Punkte. Olymp'i'chrr Fünflomps: 1. Ladewig, Univ. Breslau, 387 Punkte. Olym­pischer Fünfkampf für Altakademiker Klosse A: 1 Engertner. Univ. München. 348 P.. Klasse B: 1. ©träte, Univ. Greifswald, 221 P.: Klosse C 1 Dr Mollwi h-Berlin 105 P. Akademischer Aeunkamps: 1. Kohlih. Techn. Hochschule Dresden, 625.5 P: für Altokademiker Klas'e A: 1 Ä n i r I b c r g c r. Univ. München, 639 5 P : Kla'se B. 1 Dr. TD e r n c r, Univ. Greifswald 399 P: Klasse C: 1. Müller- Danzig 275.5 P.

Freie Turnerschaft Giehen I - M.-T.-D. Marburg I 9:1.

L In letzter Stunde wurde seitens der Be­zirksleitung das vorgesehene erste Verbandsfpiel zwischen Wieseck und Marburg nicht zur Durch- sührung gebracht, dafür trug Marburg gegen Giehen als letztes Ge'ellfchofts'piel ein Treffen auf dem (Siebener Trieb aus. Trotz der Kürze hc x/it seit Bekanntwerden deS Spiels hotte sich eine zahlreiche Anhängerschaft eingefunöen, die zunächst die angefünöigtc OteuaufUefhing der Gießener sehen wollten. Das gegen die Mar­burger erzielte Otetultat zeigt, daß Giehen im Vergleich zu früher nichts verloren hat. Verfügt die Mannschaft über den nun einmal erforder­lichen Zusammenhalt, so wird -ie bei dieser Spiel- weite den Wetzlarern die Tabellenspitze bald streitig machen. Im Sturm ist nur die rechte Seite etwas unsicher, die Läuferreihe war ihrer Aufgabe vollkommen gewachsen, im Mittelläufer, nach langwieriger Verletzung geheilt, verfügt die Mannschaft üver eine außerordentliche Stütze. Die Verteidigung ist balllicher und mit einem weiten Schlag ausgerüstet, der Tormann war zu wenig beschäftigt, um übet ihn ein Urteil ab­gehen zu können: die wenigen »ich bietenden Gelegenheiten »cigtcn ein ansprechendes Können. Der Mannschaft fehlt nur noch eines, um sie sympathischer zu machen: etwas mehr Ruhe, dem aufmerksamen Beobachter stört dies viele

Die Krummhölzer.

Roman aus den bayerischen Bergen.

Von Michael Wagner.

22 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

empfanden die einen Tonis Vorgehen, den sie längst nicht mehr als zu ihnen gehörig ansahen, als Protzerei und unschöne Handlung gegenüber dem allseits geachteten und beliebten Förster, so wuchs dafür bei den andern die Ehrfurcht und Bewunbc- rung vor demsakkrülhetz" Urachertoni um so mehr. In ihren Augen wuchs er zum Allgewaltigen, dem alles gelang, dem es das Geld zum Fenster hinein­schneite, und der wußte, wie und wo es zu holen war ...

Auch mit dem Vater hatte^Toni bald nach besten Zusammentreffen mit dem Förster aus der Alm eine Auseinandersetzung. Bei allem damals zur Schau gestellten Selbstvertrauen gegenüber den Warnungen des Annodomini mochte Uracher doch sein rechtschassener Sinn dazu treiben, mit Toni ein ernsthaftes Wort über die Sache zu reden. Günstige Gelegenheit ergab sich bald daraus, als Uracher und Toni' eines 'Abends was bei dessen häufiger Ab­wesenheit eine Seltenheit geworden war bei- fammcnfafecn. Da leitete der Uracher das Gespräch in Sie gewünschte Richtung.

Lus, Toni! Heul' Höft' i a tfrag an dich'.''

Toni, der in einem Rotizbtiche blätterte, an­scheinend nach Schieberart die gesamte Buchführung seines einträglichen Großhandels, blickte auf.

Wo brennfs denn?"

Der Vater tat erst noch schweigend einige Luge aus der Pfeife, hob dann den Kopf und faßte mit einem seiner durchdringenden Blicke dem Sohn ins Auge. Toni fühlte unter diesem Blicke, den er noch aus der Kindheit her fürchtete, eine sonderbare Un­sicherheit und Unruhe in sich auskommen.

Za i töt halt amal reden!" stieg er un­gehalten und gereizt hervor.

Nur Zeit lassen! Kommt schon! Lus: Daß deine Hanbelschasten viel Geld abwerfen, is mir net unbekannt es freut mi a fetal, mennst du in d' Höh' kommst! Was dös für Handelschasten sind, hat mich noch niemals bekümmert a heut net.

Stufen und meistens auch die eigenen Spieler Zu sagen hat doch eigentlich nur der Spiel- führet etwas! Warburg erschien in seiner alten Ausstellung. Vorn Anstoß weg entwickelte sich sofort ein äußerst lebhaftes Spiel, Marburg drückte sich bis zum Tormann durch, der Harle. Im exakten Dreieckspiel griff Gießen an, erzielte nach 3 Minuten Spielzeit eine Ecke, die von Marburg ins Feld befördert wurde. In Aus­wirkung des folgenden Angriffs gelang es ihnen, den Gießener Tormann zu täuschen, der nach der verkehrten Seite herauslief, und nach 4 Minuten Spielzeit führte Marburg. Durch diesen über­raschenden Erfolg der Marburger spielte Gießen recht aufgeregt, kurz darauf konnten die Gäste ihrerseits eine Ecke erreichen. Gießen mußte recht aufmerksam verteidigen. Aach und nach kam Schwung in die Mannschaft, die nun mit Un­gestüm das Gästetor angriff In der 12. Minute fiel denn auch der Ausgleich. Von da ab hatten die Gießener das Heft in dec. Hand. Angriff aus Angriff erfolgte, die Ausbeute waren bis Halbzeit 4 weitere Ecken und in der 40. Minute das 2. Tor. Aach dem Wiederanstoß zeigte die Gießener Mannschaft noch größeres Können, Marburg wurde völlig zurückgedrängt In der 4., 7. und 18. Minute fielen 3 weitere Tore. Eine Ecke wurde kurz danach von Warburg mit der Hand abgewehrt. der dafür gegebene Elf­meter von Gießen inS Aus geschos-en. Bis zum Schluß änderte sich an dem Spielverlauf nichts. Gießen konnte feine Torzahl auf 9 erhöhen und zeigte damit gegenüber Marburg eine Besser- Iciftung, die an Klassenunterschied grenzt. Auch das Eckenverhältnis 11:2 für Gießen unterstreicht diele Tatsache. Die Tätigkeit des Schiedsrichters ist mit der vorzüglichen Leistung der Gießener auf eine Stufe zu stellen.

Die Verbandsspiele im Arbeiter-Turn- und Sporlbund.

L Am Sonntag begannen in ter Ingendklasse die Derbandsfpiele der Aachrunde, die gleich zu Beginn recht lebhafte Kämpfe brachten. Eine Aenderung der Aeihenfolge trat, durch die Spiele nicht ein, Gießen und Wieseck, die seit­her führenden Mannschaften, konnten auch jetzt den Sieg an ihre Fahnen heften.

In Heuchelheim standen (ich Heuchelheim Igd. und Gießen 3 g b. gegenüber. Aach wenig schönem und unruhigem Spiel siegte Gie­ßen 4: 3.

Seinen ersten Punkt in den Derbandsspielen holte sich die Iugend Blasbachs im Spiel gegen Lollar auf eigenem Platz, indem sich beide Vereine ein unentschiedenes 3:3°Aesultat lieferten.

Einen einwandfreien Sieg errang die Iugend Wiesecks im Spiel gegen Aaunheim aus dem dortigen Platz. Bei Halbzeit stand die Partie 0:0, die zweite Spielhälfte sah die Wiesecker m besserer Form, -o daß sie ein Schlußergebnis von 3: 0 herausholen konnten.

Recht knapp ging es wieder in Wetzlar zu, wo die dortige Iugend gegen die des Männer- Turn-Vereins Marburg antrat. Marburg konnte mit Muhe und Aol 3:2 gewinnen und damit Wetzlar den Platz in der Spitzengruppe streitig machen. y

Rückspiel des (Siebener Tennis­clubs gegen den Homburger

T. Ck. 7:18.

ck. Am Sonntag weilte der Gießener Tennis- club in Homburg, wohin er seine Turniermann­schaft zum Aücklpiet gegen den Homburger Elub gesandt hatte. Gießen trat mit Ersatz an. Hom­burg dagegen hatte eine noch stärkere Mannschaft als bei der ersten Begegnung aufgestellt. Von der Gießener Mannschaft spielte zum ersten Male Bostroem mit, der einen sehr schnellen Vor­handschlag hat. Sein Aückhandspiel muß noch schneller und sicherer werden. Auch die Aufgabe läßt noch zu wünschen übrig. Bet eifrigstem Training ist anzunehmen, daß Bostroem ein be­achtenswerter Tournierspieler werden wird. Gute Leistungen zeigten wiederum die Gießener Kirchner und A o 11. die in scharfem Kampf über ihre Gegner triumphieren konnten. Von den Homburgern gefiel am besten M 6 groz . cm routinierter Tennisspieler, der durch gut durch­dachtes Spiel and geschickte Angrisfsmrthodik das zahlreich erschienene Publikum besonders fesseln konnte.

Giehener Ruder-Gesellschast 1877

Zu den bereits aemelbeten Erfolgen des Vereins auf der Limburger üRegatta. der mit der ausgezeichneten Dierermannschaft Georgi, Michel, Becker. Müller zwei schöne Siege an sich bringen konnte, wird uns noch folgendes geschrieben.

Die Mannschaft Georgi wird nach einer kurzen Ruder-Paule da- Training wieder auf­nehmen, um in der gleichen Besetzung auf der in Gießen am 12. September stattfindenden Herb st »Regatta des Lahn-Regatta-Ber-

bandeS die beiden großen Vierer-Reimen zu be­streiten. ®lei(Zeitig wird sie, komplettiert durch vier weitere Mitglieder, den ersten Achter be­legen und die Gießener Farben bei dem Städte- Achter-Wettkampf Gießrn-Wetzlar am 5. September vertreten.

Breitensträter schlägt Fröhner fc. o.

Der Exmeister Hans Breitensträter schlug in Mühlhausen den elsässischen Schwerge­wichtsmeister Fröhner in der dritten Runde k. o.

Der Sternhimmel im August.

Sonnenaufgang von 4.20 bis 5.10 Uhr.

Sonnenuntergang von 7.50 bis 6.50 Tlhr.

Lichigestalten des MondeS: 1. Viertel am 16. 6 Uhr iiachm., Vollmond am 23. 2 Uhr nachm.. 3.

Viertel am 30. 6 Uhr nachm.

Der August bietet dem Sternfreund vor allem der Sternschnuppenschwann der Perseiden, der von dem in unserer Sternkarte mit 5 bezeich­neten Punkt ausgeht.

Dem braven Bürger, der nur gelegentlich man möchte säst sagenversehentlich" seine Blicke auf den Sternhimmel richtet, erscheinen

wobei seine Erdnähe und demnach auch seine Helligkeit fortwährend zunehmen. Der Morgen­himmel wird im August naturgemäß weniger beachtet: wer Gelegenheit hat, seine Blicke auf ihn zu richten, sieht hort den untergehenden Iupiter im Westen, die ausgehende Venus im Osten. Am Morgen deS 6. streicht der Mond dicht unter dem helleiuhtenden Morgenstern da­hin. Am westlichen Abendhimmel erblicken wir auch den Saturn.

Der Fixsternhimmel erstrahlt gegefx Ende des Monats Ichvn in überraschend schöner Pracht, und

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Der die Stundenzahlen enthaltende Kreit und die dick punktierte Lime, der sogenannte Horizont, sind feststehend zu danken. Der Sternhimmel dreht tich samt dem damit verbundenen, durch Mitternacht gezeichneten Pfeil ge­wissermaßen dem Zeiger der Himmelsuhr in 4 Minuten weniger als 24 Stunden im Sinne des durch f2 Uhr mittags gezeichneten Pfeils einmal um feinen Mittelpunkt. Der etngezeirhnete Horizont bildet ein Fenster, das die 'um Mitternacht der Monatsmille sichtbaren Sterne umschließt. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel so gedreht, daß der durch Mitternacht gezeichnete, milzudrehende Pfeil nunmehr durch die Beobachlungutunde geht, wodurch dann die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht werden. Für je 5 Tage Vf>r der Monatsmille ist der Sternhimmel um '/» Stunde früher, für je 5 Togo nach der Monatsmitte um/j Stunde später einzuslcllen. Man vergleiche die nächste Monatskarte Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen, ein, wann

er die angedeutete Lichtgestalt zeigt-

Sternschnuppen als ein so seltenes Ereignis, daß lic nach einer altbekannten Redensart sogar die Erfüllung eines gleichzeitig gehegten oder aus­gesprochenen Wunsches gewährleisten. Wer den Himmel wirklich beobachtet und um ihn etwa Jüngeren zu erklären stundenlang seinen Blick unverwandt nach oben richtet, weih, daß sie gar nicht so selten sind: aber zu feiner Iahres- 'zeit sind sie so häufig wie zu Beginn des August und besonders am Tage des Laurentius, am 10., weshalb man auch vom »Laurentiusstrom" spricht.

Von den Planeten wird am Abendhimmel der Iupiter immer schöner sichtbar: auch der Mars gebt zu Beginn des Monats etwa um 11. gegen Schlutz des Monats schon um 9 -Ufjr aus.

namentlich die Milchstraße mit ihrem im Stern­bilde des Schwans gelegenen Verzweigungspunkt, der in den Abendstunden fast senkrecht über dem Beobachter im Scheitelpunkt zu erblicken ist, macht an den Sommerabenden großen Eindruck. Rechts über dem Schwan erstrahlt die Helle Wega und ein tüchtiges Stück rechts von ihr, nunmehr immer tiefer hinabsteigend, der Helle Arctur. Vorn Schwan nach Aordosten steigen die Milch- strahenbilder der Cassiopeia und des Perseus immer höher hinaus. Andromeda und Pegasus stehen unter der Milchstraße.

Gegen Ende des Monats ist es abgesehen von den westlichen Gegenden Deutschlands schon um 8 Tlhr abends völlig dunkel..

Küstermann.

«I I»» I.---__

Alles dös is dein' Sach' und net die meinige. Wollt I Aber bloß bös macht i heut von btr wissen | machst du a solcherne G'schiister, die wo dich und den Hof jo quafi in G'sahr bringen könnten?! Unrechte??"

Ganz ruhig und gemessen sprach Uracher diese schwerwiegende Frage aus. Sein Blick aber war tiefbringenb wie zuvor, unb hielt ben Sohn gleich einer züpackenben Faust fest. Toni roanb sich inner­lich unter biefem Blick bes Vaters. Zorn unb Wut röteten sein fleischiges Gesicht.

Warum sau mir vielleicht in der Christen- lehr jetzt, Han?! Oder bin i a Schuldua?! Aber i kenn den Wind schon der blast vom Markt­platz rauf, gel?! Wenn i dir an Rat geben darf, Baler bann halt's wie bisher unb laß bir nix in b* Ohren blasen!"

Ob bersell Winb jetzt grab vom Marktplatz* rauf ober vom 'Jliebcrlegcr runterblaft bös bleibt" sich ganz gleich, Toni g'sragt hab allrocil jetzt i!" entgegnete ber Uracher bestimmt.

Unb i mag amal die dumme Ausfragerei net!"

Zwischen Ürachers graubauschige Brauen grub sich eine scharfe, tiefe Falte. In seinen Singen blitzte cs auf.

Toni, wenn i a im Austrag bin, dein Vater bin i deswegen allrocil noch! Ader ohne alle Seitenhieb und Sprung, reden mir dös Ding aus mitnand, Mann zu Mann mein' Frag' kennst!"

Toni wußte genau, daß solch dumpf grollende Ruhe beim Pater stets das Wetterzeichen eines drohenden Zornfturmes war. Deshalb zwang er sich wenn auch mühsam wenigstens zu äußerlicher Gefaßtheit.

Gut nachher sollen die Ohrenbläser bloß zu mir selber kommen und sich die richtige Antwort holen!"

Uracher schien diesen Einwand gelten zu lassen. Jenes Drohende wich wieder aus seinen Zügen und machte ber gewohnten Ruhe Platz.

Unb wenn i bich also selber frag?"

Dann sag i bir, baß i nix zum Fürchten hab! Dös rannst jebem ins G'sicht sagen, der . . Toni würbe schon roieber heftig.

Der Vater unterbrach ihn mit einer wegwerjen- ben Hanbbewegung.Woll 's langt mir schon! Unb bös G'reb, ber Hof könnt amal . . ."

Schwinbel! Da reb' ber 'Jleib braus unb b* Gift!" sprach ber Toni nun eifrig auf ben Vater ein, froh, ein Ventil gefunben zu haben. Dann hieb er mit ber Faust auf ben Tisch unb lachte höhnisch auf.Grab guat is', ba i da gleich bie richtige Ant­wort brauf geben kann! Unb zwar durch ben Notar!"

Notar ist so ein Wort, bas auf ben Bauern immer eine gewisse Zugkraft ausübt. Kein Wunber beshalb, wenn auch ber Uracher barob von lebhaf­tem Interesse ergriffen würbe, bas vorerst alles an= bere in ben Hintergrund brängt.

Durch den Notar ? Wieso durch den Notar?"

Nun fühlte sich Toni wieder in seinem Element. Er wußte das .spiel gewonnen, die gefährliche Moralklippe glücklich umschifft. Die altgewohnte llcbcrlcgcnheit, bie ihn vorher beinahe im Stiche gelassen hätte, kehrte zurück. Er streckte bie Hände in die Hosentaschen unb lehnte sich zurück.

Aha! Gel. ba schaugst!" begann er mit her- ausforbernbem Lachen.Gel ba reißt's bich! Unb bie anbern erst, die eing'schworenen Neidhammel und Quertreiber denen werden erst d' Augen übergeh'n!"

Toni weidete sich mit größter Befriedigung an des Vaters unverhohlener Spannung unb Erwar­tung. Mit erhobener Stimme fuhr er bann fort:

Kannst benen Ohrenbläsern ausrichten: wenn's fürn Krummholzerhof a G'fahr gibt, nachher is' bie, daß er allweil großer unb foafter wirb, ver­stauben! So zum Beispiel gleich bie nächste Zeit wenn's Branbnerlehen bozuawachst!"

Ürachers Augen funkelten.

Was? 's Branbnerlehen?!"

Nun spielte Toni im Triumph ben großen Trumpf aus:

Iawohl nix anbers! 's Branbnerlehen wirb bazuakauft. nachdem 's bie anbern wegen ber Erb teilung loshaben wollen! So was macht ber Uracher toni natürlich ohne großen Tamtam, schön stab unter ber Hand! Gel, jetzt verschlagt's bir b Red! 5a, so richt i den Hof z'grund!"

Es is also wirklich wahr 's Branbnerlehen kommt zum Hof?" Helle Freube machte ben Uracher ganz aufgeregt.

Wenn i amal sag! Die nächst' Wach' werd's notariell g'macht. Jo. mein lieber alter Herr"

setzte Toni burschikos hinzu,dös hat aber a allerhand Diplomatie kost!"

Uracher hörte gar nicht auf Tonis selbstbewußte Nebenbemerkungen. Die überraschende Mitteilung zog ihn völlig in ihren Bann. Denn den Zukauf des kleinen Brandnerlehens, das mit feinen zwar nicht großen, aber ausgezeichneten Gründen an den Hof grenzte, hatte er selbst schon eifrig, aber ohne Er­folg betrieben. Unb baß bern Sohne bas gelungen sein sollte, ließ ihn neuerbings in seiner Achtung turmhoch wachsen. Als ihm bann Toni unter hämi schem Grinsen auch noch ben erstaunlich niebrigen Kaufpreis nannte, erreichte sein Staunen unb ehr­liches Serounbern ben Höhepunkt.

Jetzt war ber Uracher roieber ganz schollen- wüchsiger, erboeranterjer Bauer, ber um feines Hofes Gebeihen zum harten Egoisten wirb. Tonis Kalkulation war richtig gewesen: Er hatte ben gro ßen Trumpf ausspielen können unb ben Vater bamit roieber ganz auf feine Seite gezogen.

Seine funtelnben Augen verrieten alles.

An biefem Abenb konstatierte Toni mit restloser Genugtuung bie vielseitige Wirkung bes wohlgelun­genen Schachzuges: bie günstige SefiBerroeiterunp, bie vollkommene Wiedergewinnung des Vaters für sich und feine Zwecke unb bie Niederlage derjenigen, bie er seine Wibersacher nannte: in erster Linie na­türlich Zeno . . .

Der endgültige Bruch zwischen den Brüdern war bei der herrschenden Spannung unb ben tief« riaifenben Gegensätzen schließlich unvermeiblich ge­worben. Er ließ auch nicht mehr lange auf sich warten. Ein sogenannter Zufall führte ihn herbei.

Seit ber Toni burch seineHauspolitit" bes Vaters Vertrauen unb Wohlwollen mehr als je be­laß, unb ber Vater ebenso wie Toni schon bei der geringsten Anspielung, bie Zeno über bas Protzen- tum etwa machte, aufbrauste feitbem nahm Zeno bie zunehmenbe (Entfrembung als etwas Un vermeidliches hin. Er trug sie als ein Verhängnis mit sich herum, das drückend auf ihm lastete unb keine Hoffnung auf Licht, ionbern im Gegenteil nur irgendein weiteres, in nebelhafter Ferne bräuenbes unbestimmbares Unheil ahnen ließ.

(Fortsetzung folgt.)