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von Junkers. Der türkische Generalstabschef ge* dachte in seiner Rede mit sehr anerkennenden Worten des wegen Krankheit leider abwesenden Professors Junkers. In Anaora wird zur Zeit über den deutsch-türkischen Handels- und Nie- derlassungsvertraa verhandelt. Der deutsche Botschafter Radolny führt die Verhandlungen deutscherseits, während turkischerseits der frühere Handelsminister Ali Djenani Bey Derhand- lungsleiter ist. Nach türkischen Pressemeldungen ist der Stand der Verhandlungen sehr weit fortge­schritten und mit einem baldigen Abschluß ist zu rechnen. Nur in der Frage des deutschen Teppich­zolls soll noch keine Einigung erzielt sein. Bisher wurden in Deutschland 24 Mark je Kilogramm Teppich erhoben, die Türken wünschen Herabsetzung bis auf 6 Mark, während wir angeblich auf 12 Mk. gehen wollen.

Die Deflation der amerikanischen Millionäre.

Don unserem A. G. A.-Derichlerstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenI)

N e u y o c k, Oktober 1926.

Wenn man den Ziffern des Washingtoner Schatzamtes Glauben schenken darf, haben die Vereinigten Staaten heute um 2800 weniger jener glücklichen Sterblichen, die sich Millionär nennen dürfen, als vor einigen Jahren. Es scheint dem­nach leichter zu sein, in diese Menschenllas.e auf­zurücken, als in ihr zu verbleiben, leichter eine Million zu erwerben, als sie fest zuhallen.

Die Ziffern, die dieser Vermutung zugrunde liegen, stammen vom ersten Aktuar im Schatzamt, Joseph S. McCoh, der seine Beobachtungen auf Grund der Einkommensteuer-Einschätzungen in einer überaus interessanten, in einem Finanz­fachblatt veröffentlichten Abhandlung zu Proto- koll gibt. Somit sind Zweifel an der Dichtigkeit derMillionärs-Statistik" kaum zulässig. Man darf jedoch daraus nicht ohne weiteres schließen, daß die Verminderung der amtlich feststellbaren Zahl der Millionäre von Dauer sein werde, ja nicht ejnmal darauf, daß die 2800 Entthronten tatsächlich nicht mehr in die Klasse gehören. Denn es handelt sich vornehmlich um die sogenannten Kriegs-Krösusse, die Schnellreich geworde­nen und Amerika hat heute noch ungefähr elf- laufend Steuerzahler, deren Jahreseinkommen darauf schließen läßt, daß sie jener Rubrik ein- zyreihen sind, so daß von je 10 450 Bewohnern des Landes einer ein Millionär ist.

Wie so vieles andere, hat auch diese an sich ja schätzenswerte, wenn auch nicht immer ehren­volle Bezeichnung seit dem Kriege erheblich von ihrem einstigen Glanz etngebüßt. Alan hat feit 1914 so viel von Millionen und Milliarden ge- gehört, daß man die Ehrfurcht vor der langen Reihe von Nullen fast abgestreift hat. Dazu hat die allgemeine Lebenshaltung in Amerika ein Niveau erreicht, das heute auch dem Durch­schnittsbürger und seiner Familie die Anschaf­fung von Dingen ermöglicht, die früher als das Nonplusultra allen Luxus angesehen wurden und nur den Reichen erreichbar waren.

Die Analyse des Herrn McCoh zeigt, daß laut den letzten Berichten des Dinnensteueramtes Amerika im Jahre 1924 vierundsiebzig Steuer­zahler hatte, deren Jahreseinkommen eine Mil­lion überstieg. Das bedeutet keineswegs, dyß eS nur 74 Millionäre gibt. Mehr als die Hälfte hiervon bezog ihr Einkommen aus Dividenden großer und kleinerer Korporationen. Weniger als 1 v. H. war der Ertrag in Alleinbesih befind­licher Geschäftsunterrrehmungen und ungefähr 6 v. H. entflammte Teilhabergeschäften. Daraus läßt sich ein Schluß ziehen auf die rapide Verdrängung des von einem einzelnen geleiteten Geschäfts durch das G r o ß g e s ch ä f t, die rie­sigen Korporattonen, die Trusts usw.

Der aus allen Poren Zahlen schwitzende Experte des Schatzamtes wendet sich dann den tatsächlichen Millionären zu. deren Vermögen mindestens eine Million Dollar be­trägt. Ein Amerikaner, der so genügsam wäre, eine Dollarmillion in sagen wir Liberty Bonds, die 4,5 Prozent Zinsen tragen, anzulegen, hätte ein Einkommen von nur 42 500 Dollar. Steckt er chon seinem Vermögen 50 000 Dollar in ein Stadt­haus, ebensoviel in ein Landhaus, denselben De- -cag in deren Inneneinrichtung, in Automobile usw., behält 100 000 Dollar auf der Dank und legt den Rest in fünfprozenttgen Wertpapieren an, so beträgt sein Jahreseinkommen 37 500 Dol­lar. Demnach ist mit Sicherheit anzunehmen, daß der Amerikaner, der sein Jahreseinkommen der Steuerbehörde gegenüber mit 50 000 Dollar be­ziffert, d. h. bas Einkommen aus Zins tragen­der Kapitalanlage, nicht aber das Gehalt, das er in seinem Geschäft bezieht, als Millionär gelten darf. Don den dem Dinnensteueramt vor­liegenden 7 698 321 Steuereinschähungen für 1924 stammen 8600 von Personen deren Vermögen auf eine Million beziffert werden kann, d. h. deren Netto-Einkommen abzüglich ihrer Gehälter usw. 50 000 Dollar überstieg.

Auf dieser Grundlage gab es 1914 etwa 4500 amerikanische Millionäre. 1915 war die Zahl auf 6600 gestiegen, 1916 auf rund 10 900, 1917 er­reichte sie mit 11 800 ihren Höchststand, um bis 1923 auf rund 9000 herunterzugehen. Dieser Rück­gang zeigt, daß ein erheblicher Prozentsatz der Kriegsgewinnler den Mammon ebenso rasch durch die Finger gleiten ließ, wie er ihn erworben hatte. Don diesen Entthronten 2800 waren diele sogar gänzlich von der Einkommen­steuerliste verschwunden, während zahlreiche andere verhältnismäßig geringe Einkommen ver­steuerten. Und wenn die Ziffer auch heute wie­der auf rund 11 000 schätzungsweise ge­stiegen sein sollte, so ist dies zum großen Teil dem Aufschwung des legitimen Ge­schäfts, der Ausbreitung des Handels, der un­geheuren Entwicklung des Landes nach innen wie nach außen zuzuschreiben, die man unter dem Namen Prosperität zusammenzufassen pflegt.

Von Interesse ist was Herr McCoY über die Reichsten der amerikanischen Reichen zu sagen hat. Denen, die gewohnt sind, von ^Milliar­dären" zu sprechen, bereitet er eine gewisse Ent­täuschung. Ohne Namen zu nennen, erwähnt er den als steuerpflichtig zu Protokoll gegebenen Aktien- und Bondsbesih dreier Amerikaner mit 800 Millionen Dollar, das daraus erzielte Jah­reseinkommen an Zinsen und Dividenden beträgt 34.5 Millionen.Zählt man diesem Desih an Wertpapieren das übrige Vermögen dieser drei Millionäre hinzu," fährt Herr McCoY fort,ihre inaktiven Sekuritäten. ihren Grundbesitz, ihre Kunstsammlungen, Schmucksachen, ihre gesamte persönliche Habe, so darf man als sicher an- nehmen, daß der Wert ihres Desihes zwei Milliarden Dollar übersteigt, oder, in Anbetracht

Reichswehr und Landwirtschaft.

Soweit wir die Geschichte verfolgen können, bestehl ein enger Zusammenhang zwischen den miles und rustici, den Soldaten und den Bauern. Sofern die Soldaten nicht das Wasfenhandwerk betrieben, beschäftigten sie sich in aller Zeit meist als Land­leute auf dem Acker und mit dem Vieh. Vielfach sehen wir Soldaten zu Zeiten, als es noch keine schnellen Verkehrsmittel gab, in fremde Länder zur Führung von Kriegen ausmarschieren, und sich dann dort nach Eroberung des Landes als Kolonisten, als Landwirte ansiedeln. In der nachgermaniscyen Ge- schjchtsperiode finden wir den wesentlichsten Teil der Wehrpflicht und der Kriegslasten auf dem Grund­besitz lasten. Die wohlhabenden Besitzer mußten in eigener Rüstung erscheinen und sich ihre Waffen selbst halten.

Betrachtet man die Zeil der modernen Heere vor dem Weltkriege, so ist es eine statistisch feststehende Tatsache, daß die größte Tauglichkeit der männ­lichen Bevölkerung zum Heeresdienst auf dem Lande zu finden war, und daß bei allen Waffengattungen die Bauernsöhne am meisten geschätzt werden. Der Bauer, der feine berufliche Tätigkeit in der freien Natur, auf den Feldern ausübt, hat die gute Be­obachtungsgabe, den freien Blick, den -uch der Soldat braucht; er ist gewohnt im Stall mit Tieren umzugehen, sie zu füttern und zu pflegen, wie es auch von den Soldaten vielfach verlangt wird.

Wendet man nun den Blick auf die Jetztzeit, so sieht man, daß die Berufe des Bauern und des Sol- oaten noch viel enger als früher zusammengehören. Einerseits spielen Die gleichen Erwägungen wie in früheren Zeiten die Tauglichkeit zur Einstellung eine Hauptrolle. Ferner kommt noch hinzu, daß man den gesunden, staatserhaltenden Sinn des Landmannes in der Wehrmacht heute weit weniger entbehren kann, als ehemals. Die Liebe zur Scholle und zur Heimat ist bei der Landbevölkerung weit mehr aus­geprägt als bei einem großen Teil der Stadtbe- völkerung. Da wir heute aber keine allgemeine Wehrpflicht mehr haben dürfen, so hat der Staat ein ganz besonders großes Interesse an der Unter­bringung der nach 12jahriger Dienstzeit abgehenden Soldaten in einem zivilen Berufe. Denn wenn für das Fortkommen der ehemaligen Heeresangehörigen nicht weitgehend gesorgt wird, so wird sich schwer­lich jemand finden, der dem Staate 12 Jahre lang als Soldat freiwillig dienen will. Bei unserer heu­tigen Wirtschaftslage, die li Millionen Arbeitslose aufweist, ist es besonders schwer, ausscheidende Heeresangehörige unterzubringen. Hier findet nun der Soldat wieder den Weg zur Landwirtschaft, be­sonders derjenige, der ursprünglich aus der Land­wirtschaft kam. Vom 8. Dienstjahr ab ist es dem Soldaten möglich, sich für einen Zivilberuf vorzube­reiten. Auch im alten Heere war dies möglich für diejenigen, die als Kapitulanten 12 Jahre Dienst taten. Heule ist das in noch weitgehenderem Maße der Fall. Früher wurden die Heeresanaehörigen fast ausschließlich Beamte, heute können sie in den Heeresfachschulen zu jedem Berufe vorbereitet wer­den. So gibt es auch eine Heeresfachschule für Land­wirtschaft, die es dem Soldaten ermöglicht, sich prak­tisch und theoretisch auszubilden. Der theoretische Lehrplan gleicht etwa demjenigen einer landwirt' schaftlichen Schule; der praktische sieht vor, daß selbst

derjenige Soldat, der nicht aus der Landwirtschaft stammt, sich in allen Zweigen des landwirtschaftlichen Betriebes ausbilden kann. In vielen Garnisonen ist die Heeresfachschule entweder an einen landwirt- schaftlichen Betrieb angegliedert, oder sie ist selbst im Besitze eines kleineren Betriebes. Außerdem gibt es im Bereiche eines Wehrkreiskommandos militär- fiskalische landwirtschaftliche Betriebe, zu denen Heeresangehörige zur Ausbildung auf längere Zett kommandiert werden. Gegen Ende der Dienstzeit wird eine Abschlußprüfung gefordert, durch welche die Soldaten von ihren Kenntnissen und Fähigkeiten vor einer Prüfungskommission von Landwirten der verschiedensten Berufsrichtungen Zeugnis ablegen sollen. Für den jeweilig ältesten Jahrgang ist ferner noch die Möglichkeit gegeben, in Sonderlehrgängen eine Sonderausbildung für Gutssekretäre, Buchfüh­rungsbeamte, Genossenschaftsbeamte u. dgl. durch­zumachen. Für die letztgenannten Berufe ist nun in der Landwirtschaft ebenso wie im übrigen Wirt­schaftsleben ein außerordentlich großes Angebot an Bewerbern vorhanden, so daß hier die Anstellungs- ausfichten wenig gut sind. Anders verhält es sich, wenn ein Heeresangehöriger sich durch Ankauf oder Siedlung selbständig machen will. Hierfür sind die Aussichten bedeutend günstiger. Das Problem der Siedlung ist für Deutschland ein äußerst wichtiges, und schwierig ist es, die daraus entstehenden Aus­gaben zu lösen. In Süd-, West- und Mitteldeutsch­land ist infolge der gröhern Bevölkerungsdichte verhältnismäßig wenig Siedlungsland vorhanden. Im Norden und Osten dagegen werden Siedler ge­sucht. Gerade ehemalige Soldaten werden von den Siedlungsgesellschaften besonders gern genommen, denn es gibt kaum eine bessere Gewähr für die Geeignetheit zum Siedeln als die Ausbildung eines Soldaten, der Bauernsohn ist, der sich während der MiNtärzeit zivilberuflich noch gründlich weiter ge­bildet hri und noch eine gewisse Lebenserfahrung dazu erhält. Hat ein solcher eine gute Abschluß­prüfung gemacht und kann er von seinen mili­tärischen Vorgesetzten und seinen landwirtschaft­lichen Lehrmeistern ein gutes Zeugnis bekommen, so erhält er weitgehende, pekuniäre Unterstützung zur Gründung einer selbständigen Landwirtschaft. Da­durch ist nicht nur ihm selbst geholfen, sondern auch dem Staate, von dem die notwendige Siedlung und innere Kolonisation unterstützt wird. Sehr we­sentlich ist habet, daß die Frau des Soldaten selbst vom Lande stammt und in landwirtschaftlichen Dingen Bescheid weiß. Denn gerade in kleineren Betrieben ist die Frau die Seele der Wirtschaft. Die Siedlerstellen werden naturgemäß von den Siedlern gekauft und gehen in deren freies Eigentum über. Desgleichen besteht auch die Möglichkeit für den Soldaten, sich auf dem freien Markt angutaufen. Hier ist nur im allgemeinen weit größere Vorsicht geboten.

Gerade in unseren westlichen und südlichen Teilen des Reiches fällt es manchem Landwirt schwer, seine Söhne unterzubringen, zumal bei den heutigen schwierigen Verhältnissen ein kleiner Betrieb eine große Zahl von Familienmitgliedern kaum zu er­nähren imstande ist. Daher sehen wir in den ge­schilderten Einrichtungen einen günstigen Ausweg zur Linderung mancher Notlage und zum Nutzen des einzelnen, wie auch der Gesamtheit. Ch.

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der Tatsache, daß die Investierungen zweier dieser drei verhältnismäßig neu und von be­sonderer Eigenart sind, darf man dem reichsten Amerikaner eine MiUiarde zuschreiben Amerika hat demnach einen Milliardär."

Wie heißt der Mann? Wer ist er? Die Zeitungsredakteure im ganzen Lande haben das Rätsel zu lösen versucht. Aus Henry Ford haben sie geraten, auf John D. Rockefeller, auf George F. Daker und auf Andrew Mellon. Samt und sonders Nachfahren wei­land König Midas'. Samt und sonders Leute, die dergoldenen Regel" im amerikanischen Er­werbsleben gefolgt sind: Was du verdienst, das steck' wieder ins Geschäft. Dieser Regel sind die grünen Millionäre, die der Krieg zu Reich­tum kommen ließ, nicht gefolgt. Viele haben ihr nicht folgen können. Andere haben sich nicht auf die Friedensarbeit einzustellen vermocht, nach­dem für Kriegslieferungen kein Dedarf mehr vorhanden war. Diele haben es nicht einmal versucht. Viele sind Wall Street zum Opfer gefallen. Haben ihr Geld in mißglückten Land- spekulattonen verloren. Haben es verputzt und verpraßt und verjubelt.

Dor hundert Jahren hatte Johann Jakob A st o r, damals schon einer der begütertsten Neu« yorcker, 150 000 Dollar Vermögen. Er starb 1844. Sein Sohn, dem er seinen ganzen Desih ver­machte, war 1855 sechs Millionenschwer". Im Jahre 1815 gab es in Neuyork nur vier Männer, die 200 000 Dollar und mehr besahen. 1855 gab es 27 Millionäre, an deren Spitze Astors Sohn William D. Astor stand.

In einem Volke von 115 Millionen Seelen, das täglich Millionen neuer Werte schafft, das täglich neues erfindet und ausbeutet, wovon unsere Großväter nichts ahnten, ist es unvermeid­lich, daß sich den Cisenbahnmillionären, den Koh­len- Oel-, Elektrizitäts-, Gas-, Erntemaschinen-, Schlachthaus-, Stahl-, Zeilungs« und Grundbesitz- Millionären die Automobil- und die Radio- Millionäre hinzugesellten. llnb der morgige Tag schon mag eine neue Kategorie bringen.

Oberheffen.

Landkreis Gictzcn.

d1 Wieseck, 2. Nov. Der hiesige Ar b ei­le r g e s a n g v e r e i nS ä n g e r k r a n z" gab am Sonntagnachmittag vor einem zahlreichen Publi­kum sein diesjähriges Konzert. Der Braunsche Saal war von Zuhörern übersiillt, deren Erwar­tungen in vollem Maße erfüllt wurden. Der vortreff­lich besetzte Männerchor brachte gute Werke nam­hafter Komponisten ausgezeichnet zum Vortrag. Be­sonderes Lob verdient der erst seit ungefähr Jah­resfrist bestehende Frauenchor. Bei diesen Vor­trägen gefiel wohl am bestenDie Nacht" von Abt; eine wundervolle Leistung, die den Sängerinnen wie dem Dirigenten zur Ehre gereicht. Die Vorträoe des Gemischten Chors ließen ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Als Solistin wirkte Frl. Gisela W a n n e r aus Gießen mit. Die Dame brachte Kom- vositionen von Joh. Strauß und Schubert, sowie die Arie der Agathe ausFreischütz" zum Vortrag. Die Begleitung lag in den Händen des Kapell­meisters W. Krenael. Die anderen Solisten (Cello: Kl i n gelh ösf er; Trompete: Schwarz­lose; Xylophon: H. Panitz) entledigten sich in be­

kannter Weise ihrer Aufgaben. Die Kapelle, zusam­mengesetzt aus hervorragenden Kräften, schloß in würdiger Form den Reigen der Darbietungen. Die Zuhörer kargten nicht mit Beifall, so daß verschie­dentlich noch Zugaben gebracht werden mußten.

: Aus dem Dusecker Tal, 2. Nov. Die Aussaat ist im allgemeinen beendet. Der Stand des Winterroggens kann als gut bezeich­net werden. Trockene Aussaat und infolge der vielen Regen fällen der letzten Wochen reichliche Feuchtigkeit, haben die Saaten recht günstig beein­flußt. Schnecken- und Mäusesrah ist im Gegensatz zu den Vorjahren in diesem Jahre sehr gering. Als ein Futlerjahr ersten Ranges kann das Jahr 1926 bezeichnet werden. Wenn kein Frost eintritt und die Witterung einigermaßen günstig bleibt, kann der Landwirt bis halb in den November hinein zur Viehfütterung Grünfutter verwenden und die Wintervorräte schonen. De- sonders ist der bei der Frühjahrsaussaat ge­säte Klee (sogenannter Gersienklee) zu erwähnen, der sogar in vielen Fällen lagert und die Köpfe hob. Auch die Wiesen haben einen guten Aus­schlag und werden allenthalben noch einmal ge­mäht.

Z. Rödgen, 2. Nov. Im Lause dieses Jahres war die Daulust in unserem Dorfe recht rege. Einige Häuser tonnten unter Dach gebracht, zwei können demnächst bezogen wer­den, ferner wurde ein großer Wirtshaussaal er­richtet. Leider ist das Daugelände nicht besonders günstig; in der Struth müssen die Bauwilligen ein hohes Grundmauerwerk aus führen lassen und viel Erdboden zum Auffüllen anfahren. Andere Dauplähe sind schwer zu bekommen.

t Grünberg, 2. Nov. Die Gesellen­prüf ungen in unserer Stadt haben dieser Tage ihren Abschluß gefunden. Es nahmen daran teil: 9 Schreiner, 5 Schlosser und 1 Schuh­macher. 13 Prüflinge haben bestanden, denen die Gesellenbriefe ausgehändigt wurden. Lehrer Wenzel als Vorsitzender des Prüfungsaus­schusses wies bei dieser Gelegenheit die Jung­gesellen auf die Notwendigkeit beruflichen Wetter­strebens und der handwerklichen Vervollkomm­nung nachdrücklich hin. Am Sonntagnachmittag versammelten sich im Saale desRappen" die ehemaligen landwirtschaftlichen Schü- l e r des zweiten Lehrkurses unserer Landwirt­schaftsschule. Es wurde dabei über Fragen der Bodenbearbeitung, Saat und Düngung Dericht erstattet und im Anschluß daran eine rege Aussprache gepflogen. Hierauf hielt Landwirtschaftsassessor Doch er von der hiesigen Landwirtschastsschule einen Vortrag überSchweinezucht und Schweinehaltung". Seine Ausführungen gaben zu einer anregenden Aus­sprache Anlaß.

± Hungen, 2. Nov. Gestern wurde hier der Allerheiligen markt abgehallen. Wenn auch durch die in der Umgegend herrschende Maul- und Klauenseuche der Prämiierungsmarkt wieder ausfallen muhte, so wies doch der Krä­mermarkt außer den üblichen Vergnügungs- Veranstaltungen eine recht große Menge von Der- kaufsständen auf. Der Desuch des Marktes aus den umliegenden Dörfern war besonders am Nach­mittag außerordentlich stark, wie man es bei dem ungünstigen Wetter nicht erlnartet hätte. Ob aber bei der herrschenden Geldknappheit die Aus­steller große Geschäfte gemacht haben, ist eine andere Frage.

Kreis Friedberg.

WSN. Friedberg, 2. Nov. In der Frage der Erhaltung der Amtsgerichte in Friedberg und Bad-Nauheim findet rn den näch­sten Tagen eine wettere Aussprache viel­leicht die entscheidende hn Ministerium in Darmstadt statt. Man spricht jetzt d^oon, einen der Amtsgerichtsbezirke zu verkleinern und die abzutrennenden Ortschaften dem andern Dezirk zu überweisen.

«^Bad-Nauheim, 12. Nov. Der hiesige Missionsf rauenoerein hat die Pflcgekosten für ein armenisches Waisenkind übernom­men. Die Anregung dazu gab der Mijsionsfilm, der dieser Tage von dem armenischen Ingenieur Kri- k o ri a n im Ev. Gemeindehaus hier vorgeführt und von der Armeniermissionarin Frl. R e y e r aus eigener Kenntnis der Not des christlichen Armenier­volkes erläutert wurde. 60 000 Waisenkinder sind in Armenien durch die türkischen Gewalttaten übriggc- blieben und nun zu betreuen und zu versorgen. Der von einem Amerikaner aufgenommene Film zeigte das internationale christliche Rettungswerk an den armenischen Waisen.

Dad-Nauheim, 2. Nov. Auf Ver­anlassung verschiedener Parteivorstande hatten sich am 13. Olt. ds. Js. 11 Landtagsabgeordnete jeder Richtung hier im Kreise der Stadtver­ordnetenversammlung eingefunden, um besondere Wünsche Bad-Nauheims entgegen» zunehmen. Wie wir seinerzeit berichteten, zeigten die Vertreter des Landes lebhaftes Interesse für die besonders gelagerten kommunalpolitischen Verhältnisse der Dadestadt. Die Abgeordneten er­warteten eine Eingabe der Stadt an den Landtag. Diese ist inzwischen eingereicht wor­den. Cs wird darin hervorgehoben. daß Staat und Stadt eine Schicksa 1 sg em ein- schäft bilden, die die fortschreitende Weiter- enttDidIung_ von Dad und Stadt stets im Auge behalten müsse. Die Stadt sei aber auf die Dauer nicht in der Lage, die Lasten, die ihr durch die besonderen Verhältnisse der Dadestadt erwachsen, allein zu tragen, da sie über die Leistungen gleich­großer Städte weit fjinauä gingen. Besonders der Ausbau und die Unterhaltung der dem öffent­lichen Verkehr dienenden Straßen, Plätze und Anlagen und die zeitgemäße Verbesserung der öffentlichen .Gesundheitspflege sei von der Stadt aus eigner Kraft kaum noch durchzuführen, was sich für den Kurbetrieb und somit für den Staat mit der Zett als verhängnisvoll erwttsen müsse. Als dringendste Aufgaben, die zu lösen seien, gibt die Stadt an: Kläranlage und Durch­führung des Trennsystems = 1 266 C00 Mark; Aufstellung eines Jsolierhauses als Bestandteil des Krankenhausneubaues und Anschaffung eines Krankenautos = 120 000 Mark; beschleunigte In­angriffnahme des Krankenhausneubaus = 1 000 000 Mark (von der ^Inzulänglichlett des derzeitigen Krankenhauses haben sich die Abge­ordneten überzeugt». Für die Straßenpflege wären 125 500 Mark nötig und für wcttere Ein­richtungen der öffentlichen Gesundheitspflege (Müllauto, Schlachthaus, öffentlichen Spielplatz usw.) insgesamt 710 000 Mark, so daß die Summe der gesamten Kapitalaufwendungen über 3 Mill. Mark betrage. Mittel, die eine Stadl von etwas über 9000 Einwohner allein nicht aufbringen und verzinsen könne, zumal mit dem Ver­lust der Fremdenabgabe (Deherb.rgungssleuer) und der Getränkesteuer, die zusammen etwa 160 000 Mark einbrachten, ein Drittel des städ­tischen Steuereinkommens in Wegfall gekommen sei, für das andere Deckung nicht zu beschaffen gewesen, da Erhöhung der anderen Steuern un­möglich Die Stadt sieht die beste Möglichkeit, ihre ihr durch das Dad gestellten besonderen kommunalen Aufgaben lösen zu können, darin, daß sie durch eine dauernde Einnahme an der Kur entschädigt wird. Die Ein­gabe schließt daher mit der Ditte, daß der Landtag eine Deteiligung an der Kur­taxe zusage und darüber hinaus auch zu b e = sonderen Zuwendungen (wie beispiels­weise zum Krankenhausneubau) feine Zustimmung gebe. Für das Krankenhaus wird ein Zuschuß in_ Höhe von drei Vierteilen der Daukosten ge­wünscht. Die Forderung der Deteiligung an der Kurtaxe ist schon alt, sie wurde des öfteren seilens der Stadt mit allem Nachdruck erhoben, wurde bis heute aber noch nicht verwirklicht.

---Steinfurth, 2. Nov. Der Ver­sand der Rosenpflanzen war in den letzten Herbstwochen überaus rege. Die kleinen Pflanzen werden ballenweise in Sackleinen und Kisten verpackt und dann in ganzen Wagen­ladungen nach allen Weltteilen verschickt. Auf den Feldern herrscht jetzt rege Tätigkeit, denn es gilt die Rosenstöcke gegen die Fröste zu decken und zu schützen.

* Vilbel, 2. Nov. In einer M.tglieder- berfammlung der Deutschen Volkspartei sprach hier Provinzialgefchaftsführer Weißer aus Gießen über die Tätigkeit der D. V. P. auf außen- und wirtschaftspolitischem Gebiet. An die Ausführungen, die mit großem Deifall aufgenom­men wurden, schloß sich eine rege Aussprache an, in welcher der Redner noch auf die verschiedensten Fragen Auskunft geben konnte.

CO Nieder-Florstadt, 2. Nov. Auf dem Wege von der Postagentur nach ihrer Wohnung verlor die Frau eines kleinen Handwerkers 9 0 Mark. Sie merkte den Verlust erst, als sie schon daheim war. Vergeblich suchte sie nun die Straßen ab, durch die sie gegangen war. Sin 1 3jähriger Junge hatte inzwischen das Geld gefunden und es seinen Eltern abgeliefert. Als diesen durch die Ortsschelle bekannt wurde, wer das Geld verloren hatte, lieferten sie es ab und verzichteten, obwohl sie selber bedürftige Leute find und der Mann wenig verdient, auf den Finderlohn.

B. Rodheim vor der Höhe, 2. Nov. Eine wohlgelungene A b s ch i e d s f e i e r be­reitete die hiesige Freiwillige Feuer­wehr ihrem langjährigen Kommandanten Schrei- nermeifter Phil. Holl VII. anläßlich seines Weg­zugs von Rodheim. Holl ist seit dem Gründunzs- jahr 1875 Mitglied der Wehr, und war 35 Jahre deren Kommandant. Deteiligt war er bei den Löschungsarbeiten von 32 Bränden, und hat sich besonders ausgezeichnet bei der Bekämpfung des großen Brandes am 13. September 1901, dem durch ungünstige Windverhältnisse und das Nicht- Vorhandensein der Wasserleitung eine Kirche, 13 Wohnhäuser und 11 Scheunen mit sämtlichen Futtervorräten und allen Nebengebäuden zum Opfer fielen. Nachdem Holl 1920 au8 A'lers- rücksichlen fein Amt niedergelegt hatte, ernannte man ihn zum Ehrenkommandanten. Dem rüstigen Jubilar wurde jetzt im Beisein der Mit­glieder der Wehr und dem Musikkorps der Feuerwehr ein Ehrendiplom vom Kommandanten Küfermeister Emil Stengel überreicht. Dem