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stand hoben könne, wenn die politische Verständi­gung folge. Freiherr von Reibnitz nahm dann das Wort ohne besonderes Mandat einer Partei oder eines Verbaftdes. Er erklärte, er wolle dem Irrtum vorbeugen, als ob die nationalen Ver­bände dem Gedanken einer europäischen Verständi­gung entgegenstünden. Die vereinigten vaterlän­dischen Verbände hätten einstimmig vor 2j Jahren beschlossen, daß sie den Gedanken einer Revanche ablehnen, da vom Gesichtspunkt des Prestiges oder des militärischen Ruhms Deutschlands der Gedanke eines Vergeltungskrieges in den vaterländischen Gr­einen keinen Boden hat. Der allgemeine Ausgleich werde jedoch leichter, wenn sich die Führer der alten Soldatenverbände von hüben und drüben zu rit­terlicher Verständigung an einen Tisch setzten. Im Schlußwort betonte der frühere Reichs­tagsabgeordnete Wilhelm Heile, daß in 26 euro­päischen Staaten Verbände für die europäische Der- ständigung am Werke seien.

Chamberlain

über den Völkerbund.

London, 2. Rov. (WB.) Wie die Blätter berichten, hielt Chamberlain, der heute in Glasgow feierlich als Lordrektvr der dortigen Universität eingeführt wurde, eine Rede, in der er ausführte: Der Völkerbund hat die Praxis des internationalen Zusammenwirkens geschaffen und mahnt dauernd alle Rationen an ihre Ab­hängigkeit voneinander. Die friedliche Regelung internationaler Schwierigkeiten ist leichter und ein Krieg Mischen den zivilisierten Rationen schwie­riger gemacht worden.

Ein neuer Geist ist in die Welt gebracht worden. Durch Vlut und Tränen ist man so weit gekommen.

Ich habe mit Besorgnis einige sich kürzlich be­merkbar machende Anzeichen dafür beobachtet, daß daS gegenseitige Vertrauen, das Mischen dem Völlerbundsrat und der Vll.'erbundsversammlung bestehen mühte, noch nicht voll gesichert ist. Man kann nicht verfehlen, zu bemerken, daß eine gewisse Unter ft rbmung von Eifersucht auf die Stellung bestanden hat, die den Großmächten durch die Völkerbundssahung zugewiesen wird. 3d) bitte diejenigen, die sich durch dieses Gefühl beeinflussen lassen, zu erwägen, wohin es sie führen würde, und welches die Folgen davon für den Völkerbund sein mühten.

Neue Verschwörung gegen Mussolini?

Rom. 2. Rov. (WTD.)Lavoro d'Italia" berichtet aus Rizza, dah dort eine Ver­schwörung italienischer Emigranten gegen das Leben Mussolinis aufgedeckt, und zwei Emigranten verhaftet worden seien, die bereits Vorkehrungen für die Rückkehr nach 31 a [1 e n getroffen hätten. Die Grenzen würden stark überwacht.

Aufruf zur Lynchjustiz.

Mailand, 2. Rov. (SU.) Der »Popolo b'3talia" fordert In einem aufsehenerregenden und anscheinend inspirierten Artikel in einem Extrablatt das Volk zur

Lynchjustiz

«ms. Er schreibt: »Die Volksjustiz ist die heilsamste Form der Rache. Sie muh ausgeübt werden. Dir werden erst daS Ver­brechen bis in alle seine Einzelheiten verfolgen und dann ohne weitere- zuschlagen." Rach der Aussage Marinellis vom Zentralvor­stand derfaszistischen Partei soll Mussolinis erstes Wort nach dem Attentat gewesen sein, dah alle 3taliener und die Welt wissen müsse, dah der Attentäter gelyncht worden sei. Rach demCottiere della Sera" sind in Ferrara bereits

faszisiische Gebeimliften über die Gegner des Faszlsmus aufgestellt worden, deren Leben von demjenigen Mussolinis abhängig gemacht wird.

3)i Mailand wurden einige Kommunisten ver- .hastet. Ferner wurden alle Oppositionsblätter, lowie verschiedene Witzblätter verboten. 3n Surin ^dürfen sogar dieStampa" und der katholische (Sortiere nicht erscheinen. 3n Venedig, Brescia und Verona wurden auch die katholischen Blätter am Erscheinen verhindert.Popolo d'3talia" schreibt, das vierte Attentat beweise, dah es sich nicht um ein Einzelverbrechen handele, sondern um eine diabolische weitgehende Ver­schwörung. Aber man solle in 3talien und außerhalb 3taliens wissen, dah faszisiische Ver­geltung ohne Erbarmen und ohne Vergessen ge­übt werde. Der3mpero sagt, das vierte Atten­tat in einem 3ahrel Wolle man denn durchaus eine Bartholomäusnacht? Der politische Polizeisekretär Zuratti hielt vom Palazzo Chigi vor den demonstrierenden Faszisten eine Ansprache, in der er schärfste Maßregeln ankündigte.

3m Zusammenhang mit dem Anschlag auf Mussolini fanden in einigen Städten 3taliens Kundgebungen gegen umstürzlerische Ele­mente statt. 3n Genua wurden zwei Per­sonen getötet. 3n Cagliari tötete ein antifaszistischer Abgeordneter einen Faszisten, der eine Rede an Manifestanten hielt.

Mussolini dankt Vriand.

Paris, 3. Rov. (SU.) Mussolini sandte an Briand ein Telegramm, in dem er für die Glückwünsche des französischen Außen­ministers dankt.

Der gelynchte Knabe nicht der Attentäter?

R c m, 2. Rov. (SU.) Eine aus Mailand vorliegende Meldung gibt der Vermutung Raum, dah es sich bei dem anlählich des Attentates gegen Mussolini verübten Lynchgericht gegen den jungen Zamboni um einen entsetzlichen Irr­tum handelt. Es wird versichert, dah die gairze Familie Zamboni in feiner Weise den Faszisten feindlich gegenübersteht. Der junge Zamboni soll sogar vor einigen Monaten seine Aufnahme in ine faszistische 3ugendorganisation beantragt haben. Diese Angaben, die von einem älteren Bruder Zambonis stammen, der in Mailand Militärdienst tut, werden von anderer Seite be­stätigt, so dah man in journalistischen Kreisen Mailands glaubt, dah im Verlaufe des kurzen Handgemenges, das unmittelbar nach dem Atten­tat entstanden ist, der wirkliche Täter ent­flohen ist und der junge Zamboni das

unschuldige Opfer wurde. Wie die Agen­tur Ste/ani mitt eilt, fehlt bisher von amtlicher Seite eme zuverlässige Bestätigung dafür, daß der gelynchte Urheber des Attentats auf Musso­lini entsprechend den Angaben der Zeitungen mit Anteo Zamboni identisch ist (?).

Frankreich und die Zaszisten.

Paris, 2. Noo. (WTB^ Der chavasoertreter in Nizza berichtet über den Zwischenfall, der sich in Ventimiglia zwischen den italienischen Faszisten und französischen Eisenbahnern aestern er­eignete, noch folgendes: Die faszistiscyen Be­hörden hätten bei dem französischen Konsul ihr Bedauern über die gestrigen Zwllchensälle aus- gebrikft. Im übrigen heißt es in der Mildung weiter, sei es richtig, daß ein Faszist in das französische Konsulat eingedrungen sei, nachdem er der Polizei erklärt habe, er habe eine Begegnung mit dem Kon­sul, und daß er dann vom Balkon des französischen Konsulates gerufen haben soll:

her zu mir, 3hr Kameraden!

Die Franzosen fordern uns heraus!

Die faszisiische Miliz habe die Faszisten daran gehindert, weitere Kundgebungen zu veranstalten, jedoch hätten die Faszisten am Abend Umzüge veranstaltet, in denen sie franzosenfeind­liche Bemerkungen fallen ließen. Die Bevöl­kerung von Ventimiglia mißbillige diese Kund­gebungen. Eine hohe polittsche Persönlichkeit habe dem Havasvertreter gegenüber erklärt, die Ursache für die Zwischenfälle sei in der Art gewisser in Nizza in italienischer und französischer Sprache erscheinen­den Zeitungen zu suchen, die unaufhörlich auf Mussolini und die italienische Regierung schmähten. Es wäre deshalb nötig, diese Zeitungen in italienischer Sprache zu verbieten.

Rach einer Meldung des3ournal aus Rizza herrscht bei den französischen Eisenbahnern und Zollbeamten infolge der Vorgänge in Ventimiglia starke Erre­gung. Einer Meldung aus Rizza zufolge übten die Vorfälle in Ventimiglia bereits gestern ihre Rückwirkung aus. 3n Beau für Eil kam es zu Zusammenstößen zahlreicher Mitglieder des Verbandes der französischen Front- k ä m p f e r mit einem Zuge 31aliener, die das faszistische Abzeichen trugen und eine Fahne mit sich führten.

Rach einer Mitteilung der Agentur Havas ist über die Zwischenfälle in Ventimiglia eine Untersuchung eingeleitet worden. Von dem Ergebnis werde es abhängen, ob der fran.zösische Botschafter in Rom Anweisung erhalte, bei der italienischen Regierung Protest zu erheben.

Massenverhastungen in Frankreich.

Paris, 2. Rov. (WB.) Wie Havas aus Perpignan meldet, haben die Gendarmerie und die Polizei in der Umgegend von Perpignan und in Estagoi 38 Spanier und 3taliener verhaftet, die einer revolutionären spanischen Vereinigung «angeboren sollen. Sie sollen sich als Wanderer verkleidet nach Spanien begeben haben. Wan habe jedoch in ihren Rucksäcken Feldtelephone, Führ-w und kom­plettes Lederzeug vorgefunden. PolizO.öeamte ans Paris seien an Ort und Stelle eingetroffen.

Das Wahlreformgesetz ferliggesteM.

Nach einer Meldung des Demokratischen Mittei- lungsdtenstes hat das Ministerium des Innern die Arbeiten zur Wahlgesetzreform abge­schlossen und den Gesetzentwurf dem Reichs- kabinett zur Beschlußfassung zugeleitet.

Die englischen Gemeindewahlen

3n England haben am 1. Rovember in zahl­reichen Gemeinden die Wahlen zu den Stadt­parlamenten stattgefunden, die ein starkes An­wachsen der für die Arbeiterpartei abgegebenem Stimmen brachten Das ist überraschend, wenn man sich aber vor Augen halt, daß die Berg­arbeiter bereits sechs Monate im Streik stehen und dah dieser Streik zahlreiche Unbeteiligte äußerst schwer in Mitleidenschaft gezogen hat, dann wird es verständlich, wenn in den großen 3ndustrierevieren auch jene beruflich tätigen Wähler sich aus Sympathie für die Arbeiter­kandidaten ausgesprochen haben, die früher ihre Stimme den Konservativen oder den Liberalen gaben. Als Gradmesser der politischen Stimmung kann das Ergebnis dieser Wahlen wohl kaum angesprvchen werden, da nach der Beilegung des Dergarbeiterstreiks und der Wiederherste^ lung der Ordnung in der englischen Wirtschaft die Dinge wieder ein anderes Gesicht bekommen und bei Wahlen zum Unterhaus die Wählerschaft veranlassen werden, sich wieder auf die großen politischen Probleme, wie früher, einzustellen.

Der englische Vergarbeilerstreik

London, 3. Roo. (W. S. B. Funlspruch.) Morgen wird in London eine Versammlung von Bergarbeiter-Delegierten die Lage im Kohlen streik prüfen.Daily Herald" zufolge ist zu erwarten, daß im Anschluß an die heutige Konferenz der Vollzugsausschüsse der im Gewerlschastskongreh zusammengeschlosfenen Arbeiterorganisationen weitere Entwickelungen in der Vermittelung des Generalrates des Gewerkschaftskongresses für eine Wiederauf­nahme der Verhandlungen zu erwar­ten ist.

Der Vollzugsrat 'des Bergarbeiterve r-- b a n d e s erhielt aus Rußland zur Unter­stützung der streikenden Arbeiter einen Sowjet­scheck über eine Million Rubel.

Die nationale Gewerkschaft der Seeleute hat den Anttag auf Verhängung einer Ein­fuhrsperre über ausländische Kohle mit 10 060 gegen 908 Stimmen abgelehnt.

Die Wahlen in Amerika.

Washington, 3. Rov. (WTD.-Funk- spruch.) Der Obmann des demokratischen Kon­greß-Komitees O l d f i e l d erklärte, daß nach den letzten Wahlergebnissen die Demokraten die Mehrheit im Senat, wie im Repräsen­tantenhaus e erlangt haben dürsten.

Rach einer Meldung derRewyork Times" wurde im Staate Reuhork der Demokrat Wag­ner in den Dundessenat gewählt.

Bei der Volksabstimmung über eine Ab­änderung der Prohibitionsgeseh- gebung wurden im Staate Reuhork für die Qlbänberung schätzungsweise über eine Mil­lion Stimmen abgegeben.

Schwedisch-belgische Hochzeit.

Stockholm, 2. Rov. (WTD.) Der König von Schweden gab abends ein Festessen für das heute vormittag zur Hochzeit hier eingetroffene belgische Königspaar. König Gustav hieß in seiner Rede in französischer Sprache das belgische Königspaar in Schweden willkommen und gab ferner Freude über die bevorstehende D e r- mählung der Prinzessin Astrid vonSchwe­den mit bem Kronpringen Leopold von Belgien Ausdruck. Er hoffe, dah die eheliche Verbindung die ausgezeichneten Beziehungen star­ken würde, die bereits zwischen beiden Ländern bestehen. Der König schloß mit einem Hoch auf ben König und die Königin von Belgien, auf die königliche Familie und das belgische Volk. König Albert von Belgien dankte für die Auf­nahme in Schweden und gab seiner und der Königin Freude Ausdruck, demnächst die Prin- -iessin Astrid empfangen zu dürfen, die, wie er boffe ein vollkommenes Lebensglück in ihrem neuen Vaterland finden möchte. Mit Freude und Sympathie begrüße er diese Verbindung, ganz und gar entsprossen aus der warmen Reigung, die die beiden Länder nur noch einander näher- bringen werde. Der König sprach zum Schluß seine herzlichsten Wünsche für das schwedische Volk aus.

Ermordung eines französischen Konsuls in China.

Peking, 2. Nov. (WB.) Der französische Konsul in Lunschau, Robert, ist während einer Automobilfahti von Stäubern getötet worden.

Aus aller Welt.

Die dritte Sammer des Grabes lutankhamons geöffnet.

Aeghptischen Zeitungen zufolge wurde die dritte Kammer des Grabes Tutankhamons kürzlich geöffnet. Obwohl sie nicht so reich ausgestattet war wie die zwei ersten, so ist doch ihre geschicht­liche B^ieutung sehr groß, da sie alle bei denl Begräbnisse! erlichkeiten gebrauchten Gegenstände enthielt.

Französisches Verbot eines deutschen Films.

Der FilmDas deutsche Mutterherz", der in einem Andernacher Lichtspieltheater zur Auf­führung gelangen sollte, wurde von der fran­zösischen Gendarmerie nach der ersten Vorstellung beanstandet. Dem 3nhaber des Lichtspieltheaters wurde untersagt, den Film, der das Mutterleid im Weltkrieg schildert, weiter zu spielen.

Richt Lrzbergermörder sondern Hochstapler.

Das Geheimnis des unter dem Verdacht der Mittäterschaft am Erzbergermord in Kalmar verhafteten Edelmann ist aufgeklärt worden. Es handelt sich um einen 26jährigen Hochstapler, Sohn des Gymnasialprofessors Edelmann in Kaiserslautem. Edelmann wird gegenwärtig von drei deutschen Behörden wegen Hochstapeleien gesucht.

Anfall des Segelfliegers Espenlaub.

Der bekannte Rhönsegelslieger Espenlaub (Kassel) veranstaltete in Aschaffenburg am Aller- Heiligentage trotz der ungünstigen Witterung einen Schauflug. Gleich nach dem Start stürzte er jedoch in eine Daumgruppe, wobei das Flug­zeug sehr stark beschädigt wurde. Espenlaub selbst blieb unverletzt.

Raubmord in Dortmund.

Eine schwere Bluttat hat sich in der Rächt zum Dienstag in Dortmund zugetragen. Ein junger Mann namens Franz ©triefe aus Herne hatte den Hausdiener gebeten, ihn am anderen Morgen nicht zu früh zu wecken. Rach- bem das Zimmermädchen am nächsten Mittag wiederholt vergeblich geklopft hatte, wurde die Tür mit einem zweiten Schlüssel geöffnet. Das Bett war vollkommen mit Blut besudelt, be­sonders die Kopfkissen. Wände und Fenster waren mit Blut bespritzt, vor dem Bette befand sich eine große Blutlache, ©triefe war im Zimmer nicht mehr aufzufinden. Rach den vor­läufigen Ermittelungen der Kriminalpolizei scheint es sich um einen Raubmord zu handeln. An­scheinend hat der Mörder seinem Opfer mit einem Rasiermesser, das gefunden wurde, den Hals durchschnitten. Unerklärlich bleibt, wie der Säter die Leiche hat unbemerkt fortschaffen können.

Mord und Selbstmord im Auto.

Wie aus Dresden gemeldet wird, mieteten zwei Arbeiter aus Copitz in Sachsen auf einem Ausflug eine Kraftdroschke, um nach hause zu fahren. Während der Fahrt hörte der Krftwagen- führer kurz vor Copitz im Innern des Wagens mehrere Schüsse fallen. Er brachte seinen Wa­gen sofort zum Stehen und fand beide Fahr­gäste erschossen vor. Der eine hielt den noch rauchenden Revolver in der Hand. Offenbar hat er erst seinen Freund und dann sich selbst erschossen, lleber das Motiv der Tat ist nichts bekannt.

Drei Selbstmorde In einem Dorfe.

3n einem Dorfe bei Saalfeld ereigneten sich in der Rächt zum 2. Rovember 3 Selbst­morde. Ein junges Liebespaar lieh sich vom Zuge überfahren. Man fand die beiden mit zertrümmertem Schädel neben dem Gleise liegend. Ferner erschoß sich ein Trschlergeselle mit der Doppelflinte seines Hauswirtes.

Schifferdrama.

Nach einer Meldung aus Stettin wurden beim Rohrschneiden auf dem Neuwarper See ein'71 Jahre alter Schiffer und sein Enkel vom Sturm überrascht und mußten die Nacht im offenen Boote bei Regen, Hagel und Schnee verbringen. Als sie am andern Morgen von Berufsgenossen aufge­funden wurden, waren beide oollkommer er­starrt. Wiederbelebungsversuche hatten nur noch bei dem Enkel Erfolg.

Hochwasser der Weser und Leine.

Durch die Niederschläge der letzten Tage sind die Seine, Aller und Oker stark ge st Legen und haben zum Teil weite Strecken überschwemmt. Die Weser ist innerhalb eines Tages von 3,10 auf 5,28 Meter gestiegen.

Hochwasser der Oder.

Infolge der zahlreichen starken Aiederschläge der letzten Woche ist die Oder in ihrem ganzen Lauf stark gestiegen. Die großen Oderwlefen bei Frankfurt a. d. Oder sind völlig überschwemmt. Dies ist das dritte Hochwasser in diesem Fahre. Der Frankfurter Pegel zeigte gestern mit 2,38

s Meter über normal den Höchststand deS Herbst- hochwassers.

Todesurteil In Dessau.

Das Schwurgericht in Dessau verurteilte den Schlosser Christoph Schröder, der im Septem­ber die Witwe yäntz, mit der er ein Verhältnis unterhielt, ermordet hatte, z u m S o ö e.

(Eine Jamille durch Gar vergiftet

3n Würzburg wurde der pensionierte Eisenbahninspektor Heiler unt) seine Gattin in­folge Gasvergiftung tot aufgefunden. 3hre Toch­ter wurde bewußtlos ins Krankenhaus verbracht. Da in der Wohnung sämtliche Gashähne ge­schlossen vorgefunden wurden, ist das llnglüd nur so zu erklären, daß infolge Bruches des in der Erde liegenden Gasleitungsrohres Gas durch das Mauerwerk in die Heilersche Wohnung eingedrungen ist.

(Eisenbahnunglück in Südtirot

Auf der Linie Bozen Meran, in der Nähe des Bahnhofs Lana, stürzten infolge eines Dammbruches die Maschine und vier Wagen eines Zuges in biß hochgehende Etsch. Der Loko­motivführer und der Heizer des Zuges wurden ge­tötet, eine Reisende wurde leicht verletzt.

Ueberfälle auf Deiße in Reu-Pommern.

Nach Nachrichten aus Rabaul ist in Nakats (Neu-Pommern) eine Expedition, die sich nach den Goldfeldern der Insel begeben wollte, von Eingeborenen überfallen worden. Drei Teilnehmer der Expedition wurden getötet, wahrend ein anderer vermißt wird. Zwei konnten sich durch Flucht retten. Es ist eine Strafexpedition nach Nakats entsandt worden.

Wettervorarrksags.

Meist bewölkt, wenig kühler, südliche Winde, weiterhin Rlederfchlagsrreigung.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 3. Rovember 1926.

Hubertustag.

WSR Die Freunde des Waidwerkes be­gehen am 3. Rovember den Gedenk- und Ehren­tag ihres Schutzpatrons Sankt Hubertus. Die Hubertussage ist eine der weitestverbrelteten Sagen und ausgiebig in Wort und Bild I eft- gehalten. St. Hubertus spielt daher auch unter den Schutzpatronen eine bekannte und bedeutende Rolle. Mellich dürste trotzdem wohl in abseh­barer Zeit Hubertusverehrung und Hubertus­gedenken selbst der Sage angeboren. 3mmer spärlicher und dürftiger werden von 3ahr zu 3ahr unter dem Druck einer unvermeidlichen Entwicklung die 3ägersreuden. 3n demselben Maße, wie die 3agd nach Geld und Gut rasen­dere Form annimmt, geht umgekehrt die 3agd auf großes und kleines Wild, auf Hirich und Reh und Sauen im tiefen Forst zurück. Die Gegenden in Deutschland, wo die 3agd sich für die 3äger noch lohnt und ihm auch echte 3äger- sreuden beschert, sind wirklich bald gezählt. Meister Lampe spielt gewöhnlich unsreitoitliger- toeife die Hauptrolle und ziert häufig auch nur in wenigen Exemplaren die Strecke. Damit ver­schwindet in nicht ferner Zeit wieder ein roman­tisches Stück Geben, das uns bereits heute so sagenhast geworden ist, dah wir uns von seinem wahren Wesen nur noch aus gemalten Schilde­rungen vergangener 3ägerzeit ein richtiges Bild machen können. Der Hall des 3agdhornes, das Hussa des 3ägers und der Schrei des Hirsches sind eben kaum vereinbar mit dem Schrillen der Fabriksirenen, der Autohupe und all den anderen unromantischen Erscheinungen unseres technischen Zeitalters, und so schmilzt wohl im Laufe der Zeit die Schar der Hubertusjünger immer mehr zu­sammen. Roch aber tönt da und dort das Halali des 3agdhornes, noch findet sich immer wieder eine frohe, dem Däterbrauche treue 3ägerschar zusammen, um am 3. Rovember den Sag des heiligen Hubertus festlich zu begehen.

Theaterzüge der Reiüsbahu.

RDB. Die Einrichtung der Reichsbahn, neben den Wochenend- und Sonntagssonderzügen von den Großstädten aufs Land, in die Berge oder ans Meer, auch vom Lande her Sonder- züge nach der Stadt verkehren zu lassen, insbesondere zum Besuch von Theatervor­stellungen, setzt sich immer mehr durch. Dor einiger Zeit konnten wir berichten, daß z. B. die Reichsbahndirektion Kassel derartige Sonder- züge zum Besuch der Oper in Kassel mit großem Erfolg verkehren läßt und dah dabei von der Reichsbahndirektion sogar das ganze Theater für den Rachmittag bzw. für den Wend gemietet wird. Auch die Reichsbahndirektion Schwerin läßt jetzt am Sonntag, 7. Rovember, einen b illi- genTheater-Sonderzug 4. Klasse nach Rostock verkehren zum Besuche einer Sonder­vorstellung im Stadttheater. Dieser Sonderzug fährt von Fürstenberg ab ül ec Reust, e itz, Waren, Güstrow und nimmt hier den Anschlußzug, der von Reubrandenburg kommt, auf. Die Reisenden treffen um 10.30 Uhr vorm. in Rostock ein und werden dann von 3 bis 6.30 Uhr der Aufführung einer Sondervorstellung im ©tadltheater bei­wohnen. Hierzu sind die Preise der Theaterkarten besonders ermäßigt worden, so dah man schon für 50 Pfennig einen Sitzplatz erhält. Die Reichs­bahn verkauft sogar Textbücher für die Vorstel­lung am Fahrkartenschalter.

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Diese Mitteilung ist auch für Gießen sehr interessant. Sie zeigt, was man in anderen Städten mit Hilfe der Reichsbahn tut, um auch auf kulturellem Gebiet Verkehrswerbung zu be­treiben. Leider hält es in Gießen mit der Ver­wirklichung solcher Veranstaltungen etwas schwer. Wir hatten in Rr. 73 vom 27. März bekanntlich einen Artikel unter der ÜberschriftTheater­gemeinde Gießen-Oberhessen" veröffentlicht, in bem wir einen Plan skizzierten, der auf das gleiche Ergebnis abzielte, wie die obenerwähnte Rostocker Unternehmung der Reichsbahn, nur mit dem Unterschied, dah wir wünschten, solche Ver­anstaltungen unseres Stadttheaters sollten für die Provinz Oberhessen den ganzen Winter hin­durch allmonatlich mindestens einmal in die Wege geleitet werden. Unsere Vorschläge waren so genau umriffen, daß es wohl nicht allzu schwer gewesen wäre, sie in die Tat umzuse'.^n. Der Verkehrsverein hat diese Anregung in einer Zu­schrift an die maßgebenden städtischen Stellen nachdrücklich zur Verwirklichung empfohlen, weil dadurch nicht nur unser Theater, sondern auch die Geschäftswelt einen Vorteil haben dürste.