•jflenn her Völkerbund nur zu einer spanischen Wand würde, hinter der sich verschiedene Intrigen entwickeln würden, wenn er nur nvch eine OrganifationohneMacht bleiben würde, neben der die Interessen und Bestrebungen der einzelnen 'Regierungen durch Geheimverträge gefördert würden, dann könne man mit einiger Besorgnis fragen, in welcher Atmosphäre Deutschland in acht Lagen in den Völkerbund eintreten werde. Auch Perttnax schreibt, daß Spanien sich nicht an den Völkerbundsarbeiten beteiligen werde. Brasilien und Spanien würden erklären, daß Frankreich seine Verpflichtungen nicht gehalten habe. Deutschland werde sich als Triumphator in Gen, vor stellen. Cs werde wahrscheinlich am 10. September aufgenommen werden und werde dort sehr rasch eine beträchtliche Mächtegruppe schaffen. Der Genfer Korrespondent Les „Petit Parisien" schreibt, der Studienausschuh zur Reorganisation des Völkerbundes, dessen Anfangsarbeiten schwierig gewesen seien, habe sein Werk in der wieder ruhig gewordenen Atmosphäre vollendet und nach Ansicht aller zuständigen Persönlichkeiten seien keineäleberraschungenmehrzu befürchten, außer dem Rückzug Spaniens, mit dem nunmehr jeder rechne. Die Linkspresse beurteilt im allgemeinen die Frage, ob Spanien an den Arbeiten deS Döllerbundes tellnehmen werde oder nicht, eher optimistisch.
Französische Sanierungsmahnahmen.
Paris, 2. Sept. (WLD.) Der heutige Ka- binettsral *at die endgültigen Ziffern des allgemeinen Budgets für das Jahr 1927 nach einer Prüfung der besonderen Budgets der einzelnen Ministerien festgesetzt und sich im übrigen mit der Frage der Vereinfachung des Dienstbetriebes im Kriegs- und Marineminister cum beschäftigt. Das Budget wird etwa 40 Milliarden Franken erreichen. In dem Budget für 1926 fehlen zwei wichtige Einnahme- queUen: Die Einnahme aus dem Tabakmono- pol in Höhe von 2,5 Milliarden Franken und der Ertrag aus der Erbschaftssteuer, die der Anwrtisativnskafse zugewiesen worden sind. An neuen Ausgaben enthält das Budget vor allem die zur Erhöhung der Löhne und Gehälter festzusetzenden Beträge und die noch zu bestimmende Summe für die Tilgung der schwebenden Schuld für den Fall, daß die Mittel der Amortisationskasse nicht ausreichten
Der „Matin" glaubt mitteilen zu können, das; der Finanzminister gegenwärtig eine Anleihe von geringer Höhe plant, die durch das Tabak- monvpol garantiert werden soll. Diese Anleihe, die in den ersten Tagen des Oktober aufgelegt werden soll, ist zur Stärkung des nationalen Tabakamtes und der Amortisationskasse bestimmt. Wie „Echo de Paris" erfährt, handelt es sich zunächst um die Ausgabe gewöhnlicher Schahbonds, wie sie vor dem Kriege waren. Die Höchstgrenze dieser vom Schatzamt vorzunehmenden Emission werde 5 Milliarden Franken betragen. Der Kabinettsrat hat sich nach der gleichen Quelle die Anregungen des Innenministers auf die Aufhebung einer beträchtlichen Anzahl von Hnterpräfektoren (es soll sich um über 100 handeln) zu eigen gemacht. Die Regierung beabsichtigt ferner die Abschaffung einer Anzahl Arrondissementsgerichte, die in den einzelnen Departements durch ein Gericht ersetzt werden sollen, dessen Abteilungen sich je nach Bedarf in einzelne Ortschaften begeben.
Wie havas aus Toulon meldet, haben die Bäcker entgegen der Verfügung des Bürgermeisters das Brot nicht zu 2,70 Franken, sondern zu 2,80 Franken verkauft und angesichts der gegen sie getroffenen Maßnahmen beschlossen, ihte Betriebe zu schließen. Das gleiche wird aus anderen Gegenden gemeldet.
Vor neuen Verhandlungen in England.
London, 2. Sept. (WTD.) Der Vollzugsrat des Dergarbri.terverbandes beschloß, der heute zusammengetretenen Versammlung der Bezirksdelegierten aus sämtlichen Kohlenbezirken vorzuschlagen, dem Vollzugsrat Vollmacht für die Führung von Verhandlung en zur Beilegung des Dergarbetterkonflik- tes zu erteilen. Der Vollzugsausschuß würde dann die Regierung um Einberufung einer neuen Konferenz ersuchen. Die Delegiertenkonferenz der Bergarbeiter hat mit 557 000 gegen 225 000 Stimmen den Vorschlag des Vollzugsausschusses angenommen. Der Vollzugsausschuß wird freie Hand haben, sowohl über die Zahl der Arbeitsstunden, als auch über Löhne zu verhandeln. unter der einzigen Bedingung, daß ein nationales Uebereinfnmmen zustande-- kommen müsse.
Vor neuem Umsturz in Griechenland. Plaftiras gegen Kondylis.
Paris, 3. Sept. (£U.) Aach Meldungen von der serbisch-griechischen Grenze ist es dem General P l a st i r a s , der sich in Jugoslawien aufhält, gelungen, die griechische Grenze zu überschreiten. Plastiras soll "in Saloniki Kontingente mazedonischer Truppen für sich gewonnen und die Absicht haben, an der Spitze dieser Regimenter nach Athen zu marschieren und die Regierung des Generals Kondylis zu stürzen. General Kondylis soll seinerseits in Athen alle Regimenter, die sich in den Garnisonen in Alt- griechenland befinden, zu seiner Verteidigung zusammengezogen habeii. In der nächsten Woche beginnt in Athen der Prozeß gegen Pangal v s. Im Zusammenhang damit steht die Heberfütjrung Pangalos' von Kreta nach Athen bevor. Die Anhänger des General P l a st i r a s und der größte Teil der Athener Presse fordern die Erschießung des Generals Pangalos und seiner Freunde, während General Kondylis und Staatspräsident Kvndurivtis dagegen sind.
Vergleich zwischen Primo de Nivera und der Armee.
Paris, 3. Sept. (WTB. Funtspruch.) Der Konflikt zwischen der spanischen Regierung und dem Offizierkorps wegen den neuen Beförderun
gen soll beige legt worden fein. Die Regierung hat zugesagt, nur solche Beförderungen vorzunehmen, die von den Offizieren selbst befürwortet werden.
Der Reichsverband der deutschen Industrie.
Leipzig, 2. Sept. (WTB.) Das Präsidium des Reichsverbandes der deutschen Industrie trat unter dem Vorsitz des Geheimrats Dr. Duis- berg zu einer Sitzung zusammen. Der Vorsitzende berichtete über die bisherigen Versuche, sich mit anderen Spitzenorganisationen, insbesondere der Landwirtschaft und dem Deutsche, Städtetag über wirtschaftliche Fragen zu verständigen. Das geschäftsführende Präsidialmitglied, Geheimrat K a st l, berichtete über den Verlaus der Verhandlungen des Reichswirtschaftsrates über das Ar beitSbes chaf- fungsprogramm der Regierung. Das Präsidium billigte trotz mancher grunösähllcher Bedenken die im Reichswirtschaftsrat eingenommene Haltung der Industrievertreter. Die Kanalbauprojekte des Reiches unb der Länder sollen in einer besonderen Kommission einer eingehenden Prüfung unterzogen werden.
Geschäftsführer Dr. herle berichtete über die Arbeiten der Spitzenoerbände, die sich mit dem Eindringen der öffentlichen Hand in die Privatwirtschaft befqjjen. Geheimrat Kastl sprach über die zahlreiche?! Organisationen, die sich eine Derständigung zwischen den europäischen Staaten in wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Fragen zum Ziele setzen. Das Präsidium ist der Auffassung, daß sich eine gewisse Heber- Organisation iu der Behandlung dieser Frage herausgebildet, die geeignet ist, dem durchaus begrüßenswerten Ziel der internationalen Verständi- gungsarbeit zu schaden. Herle berichtete über die Anbahnung von Beziehungen zwischen dem Reichs- verband der deutschen Industrie und den entsprechenden ausländischen Verbänden.
In der anschließenden Dorstandssitzung berichtete Dr. Fischer (Jena) über den Verlauf der Genfer Verhandlungen der Paß - und Visa-Konferenz. Eine Reihe wertvoller Anregungen zur Erleichterung des zwischenstaatlichen Verkehrs seien in Genf durchberaten worden. Außerdem sei die Frage der ständigen Riederlafsung deutscher Staatsangehöriger in feindlichen Ländern behandelt worden. Aach dem Bericht Dr. Sil- verbergs billigte der Vorstand die bisherigen Beschlüsse des Präsidiums zur Organisation der Wasser st raßenverwalt un g. Er stellte sich auf den Standpunkt, daß die auf diesem Gebiet vom Reich beabsichtigte Politik seitens der Wirtschaft tatkräftig zu unterstützen sei. Direktor Dr. Haußmann legte eine Entschließung über die bevorstehende Regelung des Finanzausgleiches und der Gewerbesteuer vor, die u. a., besagt: Der Reichsverband sieht in der Regelung des Finanzausgleichs in Verbindung mit dem unter Kautelen gestellten Zuschlagsrecht der Länder und Gemeinden auf die veranlagte Einkommensteuer von allen Einkommen den Kernpunkt der zukünftigen Entwickelung auf steuerlichem und finanziellem Gebiet, da von ihm die steuerliche Entlastung der Wirtschaft und die Derwaltungsvereinfachung in Reich, Ländern und Gemeinden ausgehen mutz.
Ein neuer Vergleichsvorschlag des Hauses Hohenzollern.
Berlin, 2. Sept. (TU.) Die .Berliner > Börsenzeitung" meldet: Am Samstag trifft hier der Generalbevollmächtigte des Hauses Hohen- zollern, Herr v. Berg, ein, um dem Staatsministerium einen neuen Vorschlag in der Aus» einandersetzungsangelegenheit zwischen dem Staat und dem ehemaligen Königshaus zu unterbreiten. Herr v. Berg weilte die letzte Zeit in Doorn, wo er alle strittigen Fragen mit dem Kaiser eingehend besprochen und auf Grund dieser Besprechungen den neuen Vergleichsvorschlag ab* gefaßt hat. Wie verlautet, zeigt der neue Ver- gleichsvorschlag ein weiteres Entgegenkommen seitens des Hauses Hohenzollem, das sich zur Rückgabe einer Reihe von Besitzungen bereit erklärt, die vor allem geschichtliche und kulturelle Bedeutung haben.
Der Reichspräsident in Bad Tölz.
München, 2. Sept. (TU.) Reichspräsident von Hindenburg besuchte gestern Bad Tölz, wo ihm auf Grund des einstimmigen Stadt» ratsbeschlusses die Ehrenbürgerurkunde überreicht wurde. Der Reichspräsident dankt gerührt für diese ehrende äleberraschung und gab seiner Freude über diese neue Würde Ausdruck. Dem Reichspräsidenten wurden von den Gästen und den Einwohnern des Bades Tolß stürmische Ovationen dargebracht.
Der Finanzausschuß in Oberhessen.
(Von unserer Darmstädter Redaktion.)
Die Mitglieder des Finanzausschusses unö Vertreter der hessischen Regierung begaben sich am Donnerstag nach Oberhessen, um die staatlichen Werke in Wölfersheim und Bad Salzhausen zu besichtigen. Der unge» wöhnliche Zeitpunkt, mitten in den Parlamentsferien, hat feine älrfache in einer Verschiebung des Termins. Die Fahri war von einem Mitglied des Ausschusses in einer Sitzung im Juni angeregt, kam aber damals nicht zustande und ist jetzt nachgeholt worden. Unter den hessischen Staatsbetrieben sind die Braunkohlenwerke Ludwigshoffnung, Wolfersheim und Weckesheim und das Kraftwerk in Wölfersheim Schmerzenskinder, weit der Staat beträchtliche Summen erst hinein- stecken muß, um sie vielleicht einmal gewinnbringend zu bewirtschaften. Das finanzielle Erträgnis der Werke ist im letzten Rechnungsjahr erheblich hinter dem Voranschlag zurückgeblieben. Gleichwohl war im Landtag versucht worden, die Verwaltung und Detriebskosten, sowie den Zuschuß herabzusetzen. Die schwierige Lage dieser Staatsbetriebe steht im engsten Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Verhältnissen der Gegenwart. Man erhofft u. a. eine eventuelle Besserung durch Lösung der Verschwelungsfrage. wenn es also gelänge, die Braunkohle zu verschwelen und die Schwelprodukte (Teer, Benzin, Halbkoks und Gas) im Großen zu guten
IPreisen abzusetzen. Aach einer Mitteilung der Regierung hatten die technischen Verschwelungsversuche, die Anfangs dieses Jahres vorgenommen wurden, günstige Ergebnisse gezeitigt. Die wirisckaftliche Zukunft der Wölfersheimer Werke ist im wesentlichen abhängig von der ©eftaltung der Verhältnisse auf dem Kohlenmarit. Anders ist es mit Bad Salzhausen, das im letzten Jahre keinen Fehlbetrag aufzuweisen hatte: wenn es dem Staate auch keinen Gewinn abwirft, so kann man unter den obwaltenden Zuständen immerhin zufrieden sein. In früheren Jahren hat das Bad, (wenn auch geringe) staatliche Beihilfen erhalten. Der Finanzausschuß konnte deshalb auch weniger sorgenvoll in Salzhausen sein und die Besichtigung des Bades war wohl wehr ein Höftichkeitsbesuch aus Anlaß des Jubiläums- jahres.
Aus aller Welt.
Die Unwetterkatastrophe in Spanien.
lieber die Verheerungen des Unwetters in wellen Gebieten des Landes werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Gin Industrieller aus Barcelona, der eine Autofahrt mit seiner Familie unternahm, wurde vom Unwetter überrascht. Das Automobll geriet ins Gleiten und überschlug sich. Alle Insassen des Autos wurden getötet. In der Ortschaft San Antonio verursachte das Eindringen der Wassermassen in eine Fabrik eine schwere Explosion, wobei drei Arbeiter getötet und zehn schwer verletzt wurden. In der Provinz Almeria wurden acht Personen getötet und fünf schwer verletzt. In Malaga zählt man fünf Tote und 18 Verwundete, die teils durch Blitz getroffen wurden. In der Ortschaft Mora zählt man sieben Tote und 60 Verwundete. In Cordoba war das Gewitter so heftig, daß Frauen und Kinder sich in die Kirche flüchteten. Vier Personen wurden durch Blitzschlag getötet. Die an- geschwollenen Flüsse führen zahlreiche Tierleichen und Möbelstücke mit sich.
Die spinale Kinderlähmung.
In der letzten Zeit hat sich in der Presse eine Aachricht über die andere über das Auftreten von spinaler Kinderlähmung gehäuft und es ist dadurch eine gewisse Beunruhigung in die Bevölkerung bineingetragen worden. Tatsächlich ist jedoch, wie dem Amtlichen Preußischen Pressedienst aus dem Wohlfahrtsmini st erium gemeldet wird, kein Grund zur Beunruhigung vorhanden. Es wird in den letzten Jahren mit mehreren Fällen von spinaler Kinderlähmung jährlich gerechnet. Aur sind diese Fälle früher nicht bekannt geworden, weil diefe Erkrankungen nicht cnueigepflichtig waren. Sell dem Jahre 1924 jedoch ist die spinale Kinderlähmung in die Reihe der anzeigepflichtigen Erkrankungen aufgencmmen worden. Diese Verfügung wirkt sich nun allmählich aus und so kommt es, daß jetzt erheblich mehr Fälle bekannt werden, als früher und den Eindruck erwecken, als ob die spinale Kinderlähmung einen epidemischen Charakter angenommen hätte. Dazu kommt, daß die Erkrankungen sich alljährlich gerade in den Sommermonaten häuften, eine Erscheinung, die auch in diesem Jahre zu beobachten ist. In Wirklichkeit übersteigt die Zahl der in letzter Zeit bekannt gewordenen Fällen die Zahl der vorjährigen nicht wesentlich. Schließlich ist auch deshalb kein ©runb zur Beunruhigung vorhanden, weit die Behörden alles tun, um einer Ausbreitung der Krankheit energisch entgegen* zuwirken, wozu ihnen die eben erwähnten Unterlagen als notwendige §arü habe dienen.
Schwarze Pocke» in Hamborn.
Lm Krankenhaus in Hamborn wurden bei einem aus Oberschlesien zugereisten Arbeiter schwarze Pocken festgestellt. Um ein weiteros Umfidjgreifen der Krankheit zu verhüten, sind von behördlicher Selle umfassende Maßnahmen getroffen worden. Alle Personen,, die mit dem Mann in Berührung gekommen waren, wurden im Krankenhaus untergebracht und isoliert.
Ruhrepidemie in Westfalen.
In Erwitte, einem Nachbarort von Dortmund, ist eine Ruhrepidemie ausgebrochen. Dreißig Personen sind erkrankt. Zehn Kinder sind g e - ftor& en. Die Kranken werden in Baracken untergebracht.
Bundestag des Gewerkschaftsbundes für Angestellte.
In den Tagen vom 2. bis 5. September hält der Gewerkschaftsbund der Angestellten in Hamburg feinen dritten Bundestag ab, der seinen Ausklang am Sonntag, 5. September, im Dritten Deutschen Angestelltentag finden wird, auf dem Reichsfinanzminister Dr. Reinhold einen Vortrag über „Die wirtschaftliche Lage Deutschlands und ihre Beziehungen zur Wirffchaft anderer Staaten" halten wird. Eingeleitet wurde der Bundestag mit einer Arbeitsversammlung der Reichsberufsgruppe der technischen Angestellten des G. D. A. Weiter hält die Frauengruppe des G. D. A. eine Sonderzusammenkunft ab, um die besonderen Arten der Berufsinteressen der weiblichen Angestellten zu beraten.
Veteranen der Arbeit.
Der Dienstälteste im Betrieb der „Mindener Zeitung", Schriftsetzer KarlSchmücke, erhielt vom Reichspräsidenten v. Hindenburg folgendes, vom 1. September datiertes Schreiben: „Aus Anlaß Ihrer am heuttgen Tag vollendeten 50jährigen Dienstzeit spreche ichIhnen meine herzlichsten Glückwünsche sowie meine besondere Anerkennung für die treuen Dienste aus, die Sie in ununterbrochener und hingebender Arbeit im Betrieb der dener Zeitung" als Schriftsetzer geleistet haben." Aecch der Senior im Verlag der „Mindener Zeitung", der saft 74jährige Schriftsetzer Josef Orichel, der schon 59 Jahre im Beruf ist (davon 45 Jahre ununterbrochen bei dem genannten Blatt), wurde vom Reichspräsidenten mit einem anerfeimenben Schreiben bedacht.
Hindenburgs Glückwunsch an Vierkötter.
Reichspräsident v. Hindenburg hat an Ernst Vi-rkötter das nachfolgende Telegramm gerichtet: „Zur erfolgreichen Durchquerung des Aermel- kanals in bester Zeit spreche ich Ihnen herzlichste Glückwünsche aus."
Wettervoraussage.
heiter bis wolkig, bei Winden aus südwestlicher Richtung warm, vorwiegend ttocken.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 26,5 Grad Celsius, Minimum 14,8 Grad Celsius, heutige Morgentemperatur 17 Grad Celsius.
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Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 3. September 1926.
Schulrat E. Schmuck f-
Aus Darmstadt kam gestern die Kunde von dem Ableben des langjährigen hessischen Landes- turninspektors, Schulrat E. Schmuck. Diese Nachricht wird bei vielen, besonders aber in der Deut- schon Turnerschaft,, herzliche Teilnahme auslosen. War doch Schulrat Schmuck eine Persönlichkeit, die weit über die Grenzen des Hessenlandes hinaus bekannt und geachtet war. Dies kam im vorigen Jahre bei der Feier seines 70. Geburtstages so recht zum Ausdruck. Auch zu unserer Stadt stand er in nahen Beziehungen. Wirkte doch der Verstorbene mehrere Jahre lang als Turnlehrer an der hiesigen Oberrealschule und betätigte er sich auch sehr eifrig am Vereinsleben, zuerst im Turnverein von 1846, später im Männerturnverein, der ihm seine Gründung verdankt. Als 1. Kreisverireter des Mittel- rheinkreises und als Leiter der Kreiszeitung der Deutschen Turnerschaft hat er eine hervorragende Tätigkeit entfallet, die ihm bei seinen Turnbrüdern unoergeffen bleiben ront.-ffllit seinem lobe wird aber auch in dem Hauptausschuß der Deutschen Turnerschaft eine sehr fühlbare Lücke entstehen. Sie verliert in ihm einen Kämpfer, wie sie ihn so leicht nicht wiederfindet. und einen Mann, dessen ganzes Streben und Wirken den hohen, vaterländischen Zielen der D.T. galt. Ehre seinem Andenken!
Die Bestattung der sterblichen Hülle Schmucks indet am Sonntagnachmittag 3 Uhr statt. Sie )ürfte sich zu einer großen turnerischen Kundgebung üt den Entschlafenen gestalten.
Die Heimatforschung.
In einer sehr gut besuchten Lehreroer* sammlung, zu der die Arbeitsgemeinschaften der Junglehrer im Kreise Gießen in der Stadtknabenschule eingeladen hatten, sprach am Mittwochnachmittag Dr. U h l b o r n aus Marburg über „Die Entwicklung des Territoriums Solms-Li ch". Ausgehend von der Neubelebung des Heimatsinns nach dem Kriege, stellte der Redner die erfreuliche Tatsache fest, daß auch die Wissenschaft sich der Heimatkunde angenommen hat. Einen beachtenswerten Platz habe sich u. a. die geschichtliche Landeskunde erobert, die durch die Bearbeitung geschichtlicher Kartenwerke, wie ein solches beispielsweise im rheinischen Allas vorliege, der .Yeimatforschung ganz neue feste Grundlagen biete. Auch für Hessen, d. h. für die kurbessischen und darmstädtischen Lan- desteile, ist ein solcher Atlas in Marburg im Auftrage der historischen Kommission für Hessen und Waldeck in Bearbeitung. Der Redner, selbst Mit- arbeiter am Werke und ein besonders trefflicher Kenner der solmsischen Geschichte, gab an dem Beispiele einer eng begrenzten Landschaft einen Einblick in die gründlichen Methoden der neuen Forschung, die als Endergebnis den Atlas gestalten und mit seinem reichen Kartenmaterial, w.enn möglich, auch in einer Schulausgabe in den Dienst es heimatkundlichen Unterrichts stellen will.
In einem Längsschnitt, der von der vorgeschichtlichen Zeit über das Mittelalter in die Neuzeit ging, zeigte Dr. Uhlborn die allmähliche Besiedlung unb die geschichtliche Entwicklung bes ehemaligen Oberamtes Lich. Aus vorgeschichtlicher Zeit seien nur wenige Funde in dem betreffenden Gebiet bekannt, das als Randlandschaft kaum von der Siedlung erreicht worden sei. Was an prähistorischen unb römischen Sieblungen vorhanben, sei in den Stürmen ber Völkerwanberung sicherlich hinweggefegt worben. Die Karolingerzeit erst habe bas Dunkel gelichtet, bas über ber Frühgeschichte ber Eegenb liege. Als besiebelte Orte sinb aus biefer Zeit nur Lich unb Bessingen bekannt. Eine stärkere Besied- lung setzte mit bem 11. Jahrhundert ein. Eine Arnsburger Urkunde von 1239 gibt uns die vollständige Besiedlung ber Licher Mark an. Orte, die heute Wüstungen find und deren Namen zum Teil noch in ber Flurbenennung wieberkehren, entstanden, wie Menaelshausen, Robenscheit, Westwich, Nieber-Albach, Schurfheim: Westwich, Robenscheit unb Wornsberg als Sperrforts zum Schutze Lichs. Eine große Rolle in ber mittelalterlichen Geschichte des Gebietes spielen bie Klöster Lorsch unb Fulba unb später Arnsburg unb Schiffenberg. Die territoriale Entwicklung ist burch bie Häuser Fal- fenftein unb Solms bebingt gewesen. Wieberholte Teilungen unb auch Fehden, wie ber Reichskrieg 1365, gaben bem Territorium nach unb nach bie Gestalt, bie es bei feiner Mebiatisierung 1806 inne- hatte. An ber hanb von Karten unb mit Hilfe zahl- reicher urkunblicher Belege konnte ber Rebner bas Bilb ber Entwicklung äußerst feffetnb gestalten.
Man gewann aus ben Ausführungen ben Eindruck, daß das großangelegte Atlaswerk, bas alle Teile Oberhessens mit ber Grünblichkeit be- handeln wirb, wie es ber Rebner an bem Beispiele von Lich gezeigt, eine bebeutenbe wissenschaftliche Leistung werden wirb, bie wir mit Stolz erwarten dürfen. Dr. U h l b o r n bat bie Lehrerschaft, nach Kräften mitzuarbeiten am Ausbau bes Werkes. Durch bas Sammeln alter Flurkarten unb der Flurnamen könne gerade bie Lehrerschaft wichtige Bausteine für bie Wissenschaft zusammentragen. Auch empfahl er bie Ncic^rüfung ber von Wagner in „Die Wüstungen von Hessen" angegebenen Lage ber ausgegangenen Orte in ben einzelnen Gemar- hingen.
Fortbildungsschullehrer Dietz (Lich), ber bie Tagung leitete, bankte bem Rebner mit herzlichen Worten für feine anregenben Ausführungen unb künbete bie Behandlung weiterer heimatkundlicher Themen an.
Eine AuLonrobilstratze Hamburg-Frankfurt-Mailand?
Seit etwa zwei Jahren tauchen in der deutschen und in ber auslänbischen Presse, balb ba, balb bort, Nachrichten über ben beabsichtigten Bau einer Automobilstraße Deutschlanb—Italien auf, ohne baß man eigentlich recht weiß, wo bie Urheber bes Gedankens sitzen. Zunächst erschien ber Plan so phantastisch, baß man nur an eine Jbee amerikanischer Finanzleute, bie wieberum mit Automobilfabriken in Verbinbung stehen, benfen konnte. Dann roieber wurde bie Angelegenheit von Italien aus propagiert, ohne baß man auch hier wüßte, wo bie treibcnben Kräfte sitzen. Inzwischen hat man sich in Deutschlanb selbst so mit bem Gedanken befreundet, daß uns seine Ausführbarkeit gar nicht mehr so unmöglich erscheint, namentlich bann, wenn alle Kräfte, die ein Interesse an bem Bau einer solchen Straße haben, zusammenwirken. Der Kernpunkt der Angelegenheit ist natürlich bie Finanzierung, ba aber eine ganze Reihe von großen Kommunalverwaltungen unb schließlich auch die einzelnen Länder, die an der geplanten Straße liegen, großes Interesse an dem Plane bekunden,


