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jflenn her Völkerbund nur zu einer spanischen Wand würde, hinter der sich verschiedene In­trigen entwickeln würden, wenn er nur nvch eine OrganifationohneMacht bleiben würde, neben der die Interessen und Bestrebungen der einzelnen 'Regierungen durch Geheimverträge ge­fördert würden, dann könne man mit einiger Be­sorgnis fragen, in welcher Atmosphäre Deutsch­land in acht Lagen in den Völkerbund eintreten werde. Auch Perttnax schreibt, daß Spanien sich nicht an den Völkerbundsarbeiten beteiligen werde. Brasilien und Spanien würden erklären, daß Frankreich seine Verpflichtungen nicht ge­halten habe. Deutschland werde sich als Triumphator in Gen, vor stellen. Cs werde wahrscheinlich am 10. September aufge­nommen werden und werde dort sehr rasch eine beträchtliche Mächtegruppe schaffen. Der Genfer Korrespondent LesPetit Parisien" schreibt, der Studienausschuh zur Reorganisation des Völker­bundes, dessen Anfangsarbeiten schwierig gewesen seien, habe sein Werk in der wieder ruhig ge­wordenen Atmosphäre vollendet und nach An­sicht aller zuständigen Persönlichkeiten seien keineäleberraschungenmehrzu befürch­ten, außer dem Rückzug Spaniens, mit dem nunmehr jeder rechne. Die Linkspresse beur­teilt im allgemeinen die Frage, ob Spanien an den Arbeiten deS Döllerbundes tellnehmen werde oder nicht, eher optimistisch.

Französische Sanierungsmahnahmen.

Paris, 2. Sept. (WLD.) Der heutige Ka- binettsral *at die endgültigen Ziffern des all­gemeinen Budgets für das Jahr 1927 nach einer Prüfung der besonderen Budgets der einzelnen Ministerien festgesetzt und sich im übrigen mit der Frage der Vereinfachung des Dienst­betriebes im Kriegs- und Marine­minister cum beschäftigt. Das Budget wird etwa 40 Milliarden Franken erreichen. In dem Budget für 1926 fehlen zwei wichtige Einnahme- queUen: Die Einnahme aus dem Tabakmono- pol in Höhe von 2,5 Milliarden Franken und der Ertrag aus der Erbschaftssteuer, die der Anwrtisativnskafse zugewiesen worden sind. An neuen Ausgaben enthält das Budget vor allem die zur Erhöhung der Löhne und Gehälter festzusetzenden Beträge und die noch zu bestimmende Summe für die Tilgung der schwebenden Schuld für den Fall, daß die Mittel der Amortisationskasse nicht ausreichten

DerMatin" glaubt mitteilen zu können, das; der Finanzminister gegenwärtig eine Anleihe von geringer Höhe plant, die durch das Tabak- monvpol garantiert werden soll. Diese Anleihe, die in den ersten Tagen des Oktober aufgelegt werden soll, ist zur Stärkung des nationalen Tabakamtes und der Amortisationskasse be­stimmt. WieEcho de Paris" erfährt, handelt es sich zunächst um die Ausgabe gewöhn­licher Schahbonds, wie sie vor dem Kriege waren. Die Höchstgrenze dieser vom Schatzamt vorzunehmenden Emission werde 5 Milliarden Franken betragen. Der Kabinettsrat hat sich nach der gleichen Quelle die Anregungen des Innen­ministers auf die Aufhebung einer beträchtlichen Anzahl von Hnterpräfektoren (es soll sich um über 100 handeln) zu eigen gemacht. Die Re­gierung beabsichtigt ferner die Abschaffung einer Anzahl Arrondissementsgerichte, die in den ein­zelnen Departements durch ein Gericht ersetzt werden sollen, dessen Abteilungen sich je nach Bedarf in einzelne Ortschaften begeben.

Wie havas aus Toulon meldet, haben die Bäcker entgegen der Verfügung des Bürger­meisters das Brot nicht zu 2,70 Franken, sondern zu 2,80 Franken verkauft und angesichts der gegen sie getroffenen Maßnahmen beschlossen, ihte Betriebe zu schließen. Das gleiche wird aus anderen Gegenden gemeldet.

Vor neuen Verhandlungen in England.

London, 2. Sept. (WTD.) Der Vollzugs­rat des Dergarbri.terverbandes beschloß, der heute zusammengetretenen Versammlung der Bezirks­delegierten aus sämtlichen Kohlenbezirken vorzu­schlagen, dem Vollzugsrat Vollmacht für die Führung von Verhandlung en zur Beilegung des Dergarbetterkonflik- tes zu erteilen. Der Vollzugsausschuß würde dann die Regierung um Einberufung einer neuen Konferenz ersuchen. Die Delegierten­konferenz der Bergarbeiter hat mit 557 000 gegen 225 000 Stimmen den Vorschlag des Vollzugs­ausschusses angenommen. Der Vollzugsausschuß wird freie Hand haben, sowohl über die Zahl der Arbeitsstunden, als auch über Löhne zu ver­handeln. unter der einzigen Bedingung, daß ein nationales Uebereinfnmmen zustande-- kommen müsse.

Vor neuem Umsturz in Griechenland. Plaftiras gegen Kondylis.

Paris, 3. Sept. (£U.) Aach Meldungen von der serbisch-griechischen Grenze ist es dem General P l a st i r a s , der sich in Jugoslawien aufhält, gelungen, die griechische Grenze zu über­schreiten. Plastiras soll "in Saloniki Kon­tingente mazedonischer Truppen für sich gewonnen und die Absicht haben, an der Spitze dieser Regimenter nach Athen zu marschieren und die Regierung des Ge­nerals Kondylis zu stürzen. General Kondylis soll seinerseits in Athen alle Re­gimenter, die sich in den Garnisonen in Alt- griechenland befinden, zu seiner Verteidigung zusammengezogen habeii. In der nächsten Woche beginnt in Athen der Prozeß gegen Pan­gal v s. Im Zusammenhang damit steht die Heberfütjrung Pangalos' von Kreta nach Athen bevor. Die Anhänger des General P l a st i r a s und der größte Teil der Athener Presse fordern die Erschießung des Generals Pangalos und seiner Freunde, während General Kondylis und Staatspräsident Kvndurivtis dagegen sind.

Vergleich zwischen Primo de Nivera und der Armee.

Paris, 3. Sept. (WTB. Funtspruch.) Der Konflikt zwischen der spanischen Regierung und dem Offizierkorps wegen den neuen Beförderun­

gen soll beige legt worden fein. Die Regie­rung hat zugesagt, nur solche Beförderungen vorzunehmen, die von den Offizieren selbst befürwortet werden.

Der Reichsverband der deutschen Industrie.

Leipzig, 2. Sept. (WTB.) Das Präsidium des Reichsverbandes der deutschen Industrie trat unter dem Vorsitz des Geheimrats Dr. Duis- berg zu einer Sitzung zusammen. Der Vor­sitzende berichtete über die bisherigen Versuche, sich mit anderen Spitzenorganisationen, insbe­sondere der Landwirtschaft und dem Deutsche, Städtetag über wirtschaftliche Fragen zu ver­ständigen. Das geschäftsführende Präsidialmit­glied, Geheimrat K a st l, berichtete über den Verlaus der Verhandlungen des Reichswirt­schaftsrates über das Ar beitSbes chaf- fungsprogramm der Regierung. Das Prä­sidium billigte trotz mancher grunösähllcher Bedenken die im Reichswirtschaftsrat eingenom­mene Haltung der Industrievertreter. Die Kanal­bauprojekte des Reiches unb der Länder sollen in einer besonderen Kommission einer eingehenden Prüfung unterzogen werden.

Geschäftsführer Dr. herle berichtete über die Arbeiten der Spitzenoerbände, die sich mit dem Eindringen der öffentlichen Hand in die Privatwirtschaft befqjjen. Geheimrat Kastl sprach über die zahlreiche?! Organisationen, die sich eine Derständigung zwischen den euro­päischen Staaten in wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Fragen zum Ziele setzen. Das Präsidium ist der Auffassung, daß sich eine gewisse Heber- Organisation iu der Behandlung dieser Frage herausgebildet, die geeignet ist, dem durchaus be­grüßenswerten Ziel der internationalen Verständi- gungsarbeit zu schaden. Herle berichtete über die Anbahnung von Beziehungen zwischen dem Reichs- verband der deutschen Industrie und den ent­sprechenden ausländischen Verbänden.

In der anschließenden Dorstandssitzung be­richtete Dr. Fischer (Jena) über den Ver­lauf der Genfer Verhandlungen der Paß - und Visa-Konferenz. Eine Reihe wertvoller Anregungen zur Erleichterung des zwischenstaat­lichen Verkehrs seien in Genf durchberaten wor­den. Außerdem sei die Frage der ständigen Riederlafsung deutscher Staatsan­gehöriger in feindlichen Ländern behandelt worden. Aach dem Bericht Dr. Sil- verbergs billigte der Vorstand die bisherigen Beschlüsse des Präsidiums zur Organisation der Wasser st raßenverwalt un g. Er stellte sich auf den Standpunkt, daß die auf diesem Gebiet vom Reich beabsichtigte Politik seitens der Wirtschaft tatkräftig zu unterstützen sei. Direktor Dr. Haußmann legte eine Ent­schließung über die bevorstehende Regelung des Finanzausgleiches und der Gewerbe­steuer vor, die u. a., besagt: Der Reichsver­band sieht in der Regelung des Finanzausgleichs in Verbindung mit dem unter Kautelen gestell­ten Zuschlagsrecht der Länder und Gemeinden auf die veranlagte Einkommen­steuer von allen Einkommen den Kernpunkt der zukünftigen Entwickelung auf steuerlichem und finanziellem Gebiet, da von ihm die steuer­liche Entlastung der Wirtschaft und die Derwaltungsvereinfachung in Reich, Ländern und Gemeinden ausgehen mutz.

Ein neuer Vergleichsvorschlag des Hauses Hohenzollern.

Berlin, 2. Sept. (TU.) Die .Berliner > Börsenzeitung" meldet: Am Samstag trifft hier der Generalbevollmächtigte des Hauses Hohen- zollern, Herr v. Berg, ein, um dem Staats­ministerium einen neuen Vorschlag in der Aus» einandersetzungsangelegenheit zwischen dem Staat und dem ehemaligen Königshaus zu unterbreiten. Herr v. Berg weilte die letzte Zeit in Doorn, wo er alle strittigen Fragen mit dem Kaiser eingehend besprochen und auf Grund dieser Be­sprechungen den neuen Vergleichsvorschlag ab* gefaßt hat. Wie verlautet, zeigt der neue Ver- gleichsvorschlag ein weiteres Entgegenkommen seitens des Hauses Hohenzollem, das sich zur Rückgabe einer Reihe von Besitzun­gen bereit erklärt, die vor allem geschicht­liche und kulturelle Bedeutung haben.

Der Reichspräsident in Bad Tölz.

München, 2. Sept. (TU.) Reichspräsi­dent von Hindenburg besuchte gestern Bad Tölz, wo ihm auf Grund des einstimmigen Stadt» ratsbeschlusses die Ehrenbürgerurkunde überreicht wurde. Der Reichspräsident dankt ge­rührt für diese ehrende äleberraschung und gab seiner Freude über diese neue Würde Ausdruck. Dem Reichspräsidenten wurden von den Gästen und den Einwohnern des Bades Tolß stür­mische Ovationen dargebracht.

Der Finanzausschuß in Oberhessen.

(Von unserer Darmstädter Redaktion.)

Die Mitglieder des Finanzausschusses unö Vertreter der hessischen Regierung begaben sich am Donnerstag nach Oberhessen, um die staat­lichen Werke in Wölfersheim und Bad Salzhausen zu besichtigen. Der unge» wöhnliche Zeitpunkt, mitten in den Parlaments­ferien, hat feine älrfache in einer Verschiebung des Termins. Die Fahri war von einem Mit­glied des Ausschusses in einer Sitzung im Juni angeregt, kam aber damals nicht zustande und ist jetzt nachgeholt worden. Unter den hessischen Staatsbetrieben sind die Braunkohlen­werke Ludwigshoffnung, Wolfers­heim und Weckesheim und das Kraft­werk in Wölfersheim Schmerzenskinder, weit der Staat beträchtliche Summen erst hinein- stecken muß, um sie vielleicht einmal gewinn­bringend zu bewirtschaften. Das finanzielle Er­trägnis der Werke ist im letzten Rechnungsjahr erheblich hinter dem Voranschlag zurückgeblieben. Gleichwohl war im Landtag versucht worden, die Verwaltung und Detriebskosten, sowie den Zu­schuß herabzusetzen. Die schwierige Lage dieser Staatsbetriebe steht im engsten Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Verhältnissen der Gegen­wart. Man erhofft u. a. eine eventuelle Besse­rung durch Lösung der Verschwelungs­frage. wenn es also gelänge, die Braunkohle zu verschwelen und die Schwelprodukte (Teer, Benzin, Halbkoks und Gas) im Großen zu guten

IPreisen abzusetzen. Aach einer Mitteilung der Regierung hatten die technischen Verschwelungs­versuche, die Anfangs dieses Jahres vorgenom­men wurden, günstige Ergebnisse gezeitigt. Die wirisckaftliche Zukunft der Wölfersheimer Werke ist im wesentlichen abhängig von der ©eftaltung der Verhältnisse auf dem Kohlenmarit. Anders ist es mit Bad Salzhausen, das im letzten Jahre keinen Fehlbetrag aufzuweisen hatte: wenn es dem Staate auch keinen Gewinn abwirft, so kann man unter den obwaltenden Zuständen immerhin zufrieden sein. In früheren Jahren hat das Bad, (wenn auch geringe) staatliche Bei­hilfen erhalten. Der Finanzausschuß konnte des­halb auch weniger sorgenvoll in Salzhausen sein und die Besichtigung des Bades war wohl wehr ein Höftichkeitsbesuch aus Anlaß des Jubiläums- jahres.

Aus aller Welt.

Die Unwetterkatastrophe in Spanien.

lieber die Verheerungen des Unwetters in wellen Gebieten des Landes werden noch fol­gende Einzelheiten bekannt: Gin Industrieller aus Barcelona, der eine Autofahrt mit seiner Familie unternahm, wurde vom Unwetter überrascht. Das Automobll geriet ins Gleiten und überschlug sich. Alle Insassen des Autos wurden getötet. In der Ortschaft San Antonio verursachte das Eindringen der Wassermassen in eine Fabrik eine schwere Explosion, wobei drei Ar­beiter getötet und zehn schwer verletzt wurden. In der Provinz Almeria wurden acht Per­sonen getötet und fünf schwer verletzt. In Malaga zählt man fünf Tote und 18 Ver­wundete, die teils durch Blitz getroffen wurden. In der Ortschaft Mora zählt man sieben Tote und 60 Verwundete. In Cordoba war das Gewitter so heftig, daß Frauen und Kinder sich in die Kirche flüchteten. Vier Per­sonen wurden durch Blitzschlag getötet. Die an- geschwollenen Flüsse führen zahlreiche Tierleichen und Möbelstücke mit sich.

Die spinale Kinderlähmung.

In der letzten Zeit hat sich in der Presse eine Aachricht über die andere über das Auf­treten von spinaler Kinderlähmung gehäuft und es ist dadurch eine gewisse Beunruhigung in die Bevölkerung bineingetragen worden. Tatsächlich ist jedoch, wie dem Amtlichen Preußischen Presse­dienst aus dem Wohlfahrtsmini st erium gemeldet wird, kein Grund zur Beun­ruhigung vorhanden. Es wird in den letzten Jahren mit mehreren Fällen von spinaler Kin­derlähmung jährlich gerechnet. Aur sind diese Fälle früher nicht bekannt geworden, weil diefe Erkrankungen nicht cnueigepflichtig waren. Sell dem Jahre 1924 jedoch ist die spinale Kinder­lähmung in die Reihe der anzeige­pflichtigen Erkrankungen aufgencmmen worden. Diese Verfügung wirkt sich nun allmäh­lich aus und so kommt es, daß jetzt erheblich mehr Fälle bekannt werden, als früher und den Eindruck erwecken, als ob die spinale Kinderlähmung einen epidemischen Charakter an­genommen hätte. Dazu kommt, daß die Er­krankungen sich alljährlich gerade in den Sommermonaten häuften, eine Erschei­nung, die auch in diesem Jahre zu beobachten ist. In Wirklichkeit übersteigt die Zahl der in letzter Zeit bekannt gewordenen Fällen die Zahl der vorjährigen nicht wesentlich. Schließlich ist auch deshalb kein ©runb zur Beunruhigung vor­handen, weit die Behörden alles tun, um einer Ausbreitung der Krankheit energisch entgegen* zuwirken, wozu ihnen die eben erwähnten Unter­lagen als notwendige §arü habe dienen.

Schwarze Pocke» in Hamborn.

Lm Krankenhaus in Hamborn wurden bei einem aus Oberschlesien zugereisten Arbeiter schwarze Pocken festgestellt. Um ein weiteros Umfidjgreifen der Krankheit zu ver­hüten, sind von behördlicher Selle umfassende Maßnahmen getroffen worden. Alle Personen,, die mit dem Mann in Berührung gekommen waren, wurden im Krankenhaus untergebracht und isoliert.

Ruhrepidemie in Westfalen.

In Erwitte, einem Nachbarort von Dort­mund, ist eine Ruhrepidemie ausgebrochen. Drei­ßig Personen sind erkrankt. Zehn Kinder sind g e - ftor& en. Die Kranken werden in Baracken unter­gebracht.

Bundestag des Gewerkschaftsbundes für Angestellte.

In den Tagen vom 2. bis 5. September hält der Gewerkschaftsbund der Angestellten in Ham­burg feinen dritten Bundestag ab, der seinen Ausklang am Sonntag, 5. September, im Dritten Deutschen Angestelltentag finden wird, auf dem Reichsfinanzminister Dr. Reinhold einen Vor­trag überDie wirtschaftliche Lage Deutschlands und ihre Beziehungen zur Wirffchaft anderer Staaten" halten wird. Eingeleitet wurde der Bundestag mit einer Arbeitsversammlung der Reichsberufsgruppe der technischen Angestellten des G. D. A. Weiter hält die Frauengruppe des G. D. A. eine Sonderzusammenkunft ab, um die besonderen Arten der Berufsinteressen der weib­lichen Angestellten zu beraten.

Veteranen der Arbeit.

Der Dienstälteste im Betrieb derMin­dener Zeitung", Schriftsetzer KarlSchmücke, erhielt vom Reichspräsidenten v. Hin­denburg folgendes, vom 1. September datiertes Schreiben:Aus Anlaß Ihrer am heuttgen Tag vollendeten 50jährigen Dienstzeit spreche ichIhnen meine herzlichsten Glückwünsche sowie meine besondere Anerkennung für die treuen Dienste aus, die Sie in ununterbrochener und hingebender Arbeit im Betrieb der dener Zeitung" als Schriftsetzer geleistet haben." Aecch der Senior im Verlag derMindener Zeitung", der saft 74jährige Schriftsetzer Josef Orichel, der schon 59 Jahre im Beruf ist (da­von 45 Jahre ununterbrochen bei dem genannten Blatt), wurde vom Reichspräsidenten mit einem anerfeimenben Schreiben bedacht.

Hindenburgs Glückwunsch an Vierkötter.

Reichspräsident v. Hindenburg hat an Ernst Vi-rkötter das nachfolgende Telegramm gerichtet: Zur erfolgreichen Durchquerung des Aermel- kanals in bester Zeit spreche ich Ihnen herz­lichste Glückwünsche aus."

Wettervoraussage.

heiter bis wolkig, bei Winden aus südwestlicher Richtung warm, vorwiegend ttocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 26,5 Grad Celsius, Minimum 14,8 Grad Celsius, heutige Morgentemperatur 17 Grad Celsius.

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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 3. September 1926.

Schulrat E. Schmuck f-

Aus Darmstadt kam gestern die Kunde von dem Ableben des langjährigen hessischen Landes- turninspektors, Schulrat E. Schmuck. Diese Nach­richt wird bei vielen, besonders aber in der Deut- schon Turnerschaft,, herzliche Teilnahme auslosen. War doch Schulrat Schmuck eine Persönlichkeit, die weit über die Grenzen des Hessenlandes hinaus bekannt und geachtet war. Dies kam im vorigen Jahre bei der Feier seines 70. Geburtstages so recht zum Ausdruck. Auch zu unserer Stadt stand er in nahen Beziehungen. Wirkte doch der Verstorbene mehrere Jahre lang als Turnlehrer an der hiesigen Oberrealschule und betätigte er sich auch sehr eifrig am Vereinsleben, zuerst im Turnverein von 1846, später im Männerturnverein, der ihm seine Grün­dung verdankt. Als 1. Kreisverireter des Mittel- rheinkreises und als Leiter der Kreiszeitung der Deutschen Turnerschaft hat er eine her­vorragende Tätigkeit entfallet, die ihm bei seinen Turnbrüdern unoergeffen bleiben ront.-ffllit seinem lobe wird aber auch in dem Hauptausschuß der Deutschen Turnerschaft eine sehr fühlbare Lücke ent­stehen. Sie verliert in ihm einen Kämpfer, wie sie ihn so leicht nicht wiederfindet. und einen Mann, dessen ganzes Streben und Wirken den hohen, vaterländischen Zielen der D.T. galt. Ehre seinem Andenken!

Die Bestattung der sterblichen Hülle Schmucks indet am Sonntagnachmittag 3 Uhr statt. Sie )ürfte sich zu einer großen turnerischen Kundgebung üt den Entschlafenen gestalten.

Die Heimatforschung.

In einer sehr gut besuchten Lehreroer* sammlung, zu der die Arbeitsgemein­schaften der Junglehrer im Kreise Gießen in der Stadtknabenschule eingeladen hat­ten, sprach am Mittwochnachmittag Dr. U h l b o r n aus Marburg überDie Entwicklung des Territoriums Solms-Li ch". Ausgehend von der Neubelebung des Heimatsinns nach dem Kriege, stellte der Redner die erfreuliche Tatsache fest, daß auch die Wissenschaft sich der Heimatkunde angenommen hat. Einen beachtenswerten Platz habe sich u. a. die geschichtliche Landeskunde er­obert, die durch die Bearbeitung geschichtlicher Kartenwerke, wie ein solches beispielsweise im rheinischen Allas vorliege, der .Yeimatforschung ganz neue feste Grundlagen biete. Auch für Hessen, d. h. für die kurbessischen und darmstädtischen Lan- desteile, ist ein solcher Atlas in Marburg im Auf­trage der historischen Kommission für Hessen und Waldeck in Bearbeitung. Der Redner, selbst Mit- arbeiter am Werke und ein besonders trefflicher Kenner der solmsischen Geschichte, gab an dem Bei­spiele einer eng begrenzten Landschaft einen Ein­blick in die gründlichen Methoden der neuen For­schung, die als Endergebnis den Atlas gestalten und mit seinem reichen Kartenmaterial, w.enn möglich, auch in einer Schulausgabe in den Dienst es heimatkundlichen Unterrichts stellen will.

In einem Längsschnitt, der von der vorgeschicht­lichen Zeit über das Mittelalter in die Neuzeit ging, zeigte Dr. Uhlborn die allmähliche Besiedlung unb die geschichtliche Entwicklung bes ehemaligen Ober­amtes Lich. Aus vorgeschichtlicher Zeit seien nur wenige Funde in dem betreffenden Gebiet bekannt, das als Randlandschaft kaum von der Siedlung er­reicht worden sei. Was an prähistorischen unb römischen Sieblungen vorhanben, sei in den Stür­men ber Völkerwanberung sicherlich hinweggefegt worben. Die Karolingerzeit erst habe bas Dunkel gelichtet, bas über ber Frühgeschichte ber Eegenb liege. Als besiebelte Orte sinb aus biefer Zeit nur Lich unb Bessingen bekannt. Eine stärkere Besied- lung setzte mit bem 11. Jahrhundert ein. Eine Arnsburger Urkunde von 1239 gibt uns die voll­ständige Besiedlung ber Licher Mark an. Orte, die heute Wüstungen find und deren Namen zum Teil noch in ber Flurbenennung wieberkehren, entstan­den, wie Menaelshausen, Robenscheit, Westwich, Nieber-Albach, Schurfheim: Westwich, Robenscheit unb Wornsberg als Sperrforts zum Schutze Lichs. Eine große Rolle in ber mittelalterlichen Geschichte des Gebietes spielen bie Klöster Lorsch unb Fulba unb später Arnsburg unb Schiffenberg. Die territoriale Entwicklung ist burch bie Häuser Fal- fenftein unb Solms bebingt gewesen. Wieberholte Teilungen unb auch Fehden, wie ber Reichskrieg 1365, gaben bem Territorium nach unb nach bie Gestalt, bie es bei feiner Mebiatisierung 1806 inne- hatte. An ber hanb von Karten unb mit Hilfe zahl- reicher urkunblicher Belege konnte ber Rebner bas Bilb ber Entwicklung äußerst feffetnb gestalten.

Man gewann aus ben Ausführungen ben Ein­druck, daß das großangelegte Atlaswerk, bas alle Teile Oberhessens mit ber Grünblichkeit be- handeln wirb, wie es ber Rebner an bem Beispiele von Lich gezeigt, eine bebeutenbe wissenschaftliche Leistung werden wirb, bie wir mit Stolz erwarten dürfen. Dr. U h l b o r n bat bie Lehrerschaft, nach Kräften mitzuarbeiten am Ausbau bes Werkes. Durch bas Sammeln alter Flurkarten unb der Flurnamen könne gerade bie Lehrerschaft wichtige Bausteine für bie Wissenschaft zusammentragen. Auch empfahl er bie Ncic^rüfung ber von Wagner inDie Wüstungen von Hessen" angegebenen Lage ber ausgegangenen Orte in ben einzelnen Gemar- hingen.

Fortbildungsschullehrer Dietz (Lich), ber bie Tagung leitete, bankte bem Rebner mit herzlichen Worten für feine anregenben Ausführungen unb künbete bie Behandlung weiterer heimatkundlicher Themen an.

Eine AuLonrobilstratze Hamburg-Frankfurt-Mailand?

Seit etwa zwei Jahren tauchen in der deutschen und in ber auslänbischen Presse, balb ba, balb bort, Nachrichten über ben beabsichtigten Bau einer Automobilstraße DeutschlanbItalien auf, ohne baß man eigentlich recht weiß, wo bie Urheber bes Gedankens sitzen. Zunächst erschien ber Plan so phantastisch, baß man nur an eine Jbee ameri­kanischer Finanzleute, bie wieberum mit Automo­bilfabriken in Verbinbung stehen, benfen konnte. Dann roieber wurde bie Angelegenheit von Italien aus propagiert, ohne baß man auch hier wüßte, wo bie treibcnben Kräfte sitzen. Inzwischen hat man sich in Deutschlanb selbst so mit bem Gedanken be­freundet, daß uns seine Ausführbarkeit gar nicht mehr so unmöglich erscheint, namentlich bann, wenn alle Kräfte, die ein Interesse an bem Bau einer solchen Straße haben, zusammenwirken. Der Kern­punkt der Angelegenheit ist natürlich bie Finan­zierung, ba aber eine ganze Reihe von großen Kommunalverwaltungen unb schließlich auch die einzelnen Länder, die an der geplanten Straße liegen, großes Interesse an dem Plane bekunden,