Ausgabe 
3.9.1926
 
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Nr. 206 Erstes

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Gießener Familienblätter Heimat im Bild

Die Scholle

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Blatt ' , 176. Jahrgang

Freitag, 5. September 1026

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfiläts-Buch- und Steinöruderei R. Lange in Sietzen. Schriftleitunz und Sefchästsftelle: Zchulstratze 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für I mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichsofennig, Plahvorschrist 20' , mehr.

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Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil i.Dertr. H.Bcck, sämttich in Gießen.

Eine Aenderung des Dawesabkommens.

Derkleine Befferungsschcin". Herabsetzung der Sondcrreparation.

B e>r l l n. 2. Sept. (111.) Rach längeren Ver­handlungen zwischen dem Reichsfinanzminisler und dem Reparatlonsagenten ist über die Ablösung der sogenanntenkleinen Besse- rungsschelne" ein Abkommen getroffen wor­den, das die Zustimmung des Reichskabinetts ge­sunden hat. Auch die Reparationskommission hat diesem Abkommen zugestimmt. Das Abkommen ist im Geiste der gegenseitigen Verständigung und m i t Rücksicht a u f die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Deutschlands geschlos­sen worden. Liner Ratifizierung durch die Repara- lionsgläubiger bedarf es nicht.

Aach dem Dawesplan war ein besonderes, als kleinerBesserungsschein" bezeichnetes Ver­fahren vorgesehen, wonach im Falle einer Erhöhung der Einnahmen aus den Zöl­len und bestimmten indirekten Steuern für das Reich in den Jahren 1926 bis 1928 1/3 davon bis zur Gesamthöhe von 1/2 Milliarde Mark a l s Sonderreparativn gezahlt wer­den sollte. Auf Grund der vereinbarten Ab­änderung wird nun die zusätzliche Zahlung auf Grund des kleinen Besserungsscheines von je 250 Millionen Mark für das laufende und kom­mende Jahr, insgesamt also von 500 Millionen Mark, ist auf 300 Millionen Mark her­abgesetzt worden. Dafür werden die Zahlun- gen von der Reichsregierung erst in den späten Herbstmonaten des nächsten und übernächsten Jahres in 12 Raten, beginnend mit dem Oktober dieses Jahres abgetragen. Für die ersten sieben Monate ist eine Zahlung von 18 Millionen Mark vorgesehen, für die weiteren eine Zahlung von 84,8 Millionen. Ein zweites Abkommen mit dem Kommissar für die verpfändeten Einnahmen sieht vor, daß der Kommissar auf die Einbehaltung der Einnahmen verzichtet und diese sofort der Reichshauptkasse überweist. Ein drit- tes Abkommen mit dem Transfer-Agenten sieht vor, daß die 300 Millionen Mark zur Ablösung der Desserungsscheine nicht in Waren geleistet werden, sondern in voller Höhe für Aufträge an die deutsche Industrie eine Verwen­dung finden. Durch dieses Abkommen wird der Reichsetat bedeutend entlastet. Der Reichsftnanz- minister errechnet sich daraus für das laufende Jahr eine Ersparnis von 37,8 Millionen, für das nächste Jahr von 58 Millionen und für das übernächste Jahr von 104,2 Millionen Mark. Infolgedessen wird eine nicht unbeträcht­liche Summe an Steuern weniger auf­zubringen sein. Aach dem Sonderabkommen mit dem Kommissar für dfe verpfändeten Ein­nahmen wird der Kommissar am 15. September die für August vereinnahmten Veträge an die Reichshauptkasse zurückführen, dann fortlaufend die jeweiligen Tageseinnahmen. Die Liquidität der Reichshauptkasse verbessert sich dadurch im Oktober um 162 Millionen, Ende des Etatjahres sogar um etwa 50 Millionen. Es wird dann eine Periode geringerer Liquidität folgen, im Januar 1928 aber eine erhöhte Liquidität um etwa 180 Millionen Mark. Infolge der ge­besserten Liquidität der Reichshauptkasse wird die bekanntlich durch die Aenderung des Reichsbankgesehes geschaffene Möglichkeit einer weiteren Emittierung von Schatz­wechseln zunächst nicht ausgenuht werden. Mit einer Ausgabe von Schatzwechseln ist also für die nächsten Monate nicht zu rechnen. In die­sem Zusammenhang wird vom Reichsfinanzmini- ster darauf hingewiesen, daß die Gerüchte über bevorstehende Anleihe-Emissionen des Reiches in nichts begründet sind. Das Arbeitsbeschaffungs- Programm der Regierung sei zu einem großen Teil bereits finanziert und werde vor- aussichtlich auch in den kommenden Monaten aus den laufenden Einnahmen finanziert werden.

Die Wirren in China.

Die Kämpfe um Hankau. Wnpcifu abgesetzt und gestorben?

Schanghai, 2. Sept. (Reuter.) Die jüdchine- sischen siantonlcuppen setzten ihren vor- marsch auf fiantau fort und übten damit einen starken Druck aus die Truppen Dupeifus aus, der in aller Eile aus nördlicher Richtung Verstärkungen herbeigeführt hat. w u t s ch a n g . dos am Zfanglje- kiang hankau gegenüber liegt, soll noch nicht ein­genommen werden. Dagegen werden beide Städte von den kcmtonischen Truppen stark bedroht. In hankau sollen ausländische sreiwillige Truppen aufgestellt und auch ausländische Marinetruppen zur Bewachung der Konzessionsgebiete gelandet worden sein. Da der Zangtsekiang bei hankau nahezu eine Meile breit ist, so würde dec Fall Dutfchangs noch nicht notwendigerweise den Fall von hankau bedeuten. Die südchinesische Armee wird voraussichtlich den Fluh weiter oberhalb über­schreiten und hankau auf dec rechten Flanke an- gceifen. In der Nähe von hankau befindet sich auch das hanjang-Arsenal, das größte wasfen- lager Chinas, dessen Eroberung die Kantontruppen der augenblicklich bestehenden Schwierigkeit ihrer langen Rachschublinien entheben würde. Der Fall hankaus würde bedeuten, daß sowohl ganz Westchina wie Südchina in die Hand der Kantontruppen fällt. Die kanton- fnippen werden übrigens nach Meldungen aus Ja-

keine Einigung in der Studienkommission.

Um den spanischen Ratssitz.

Genf, 2. Sept. ($11.) Die Studienkommis­sion behandelte in ihrer heutigen abschließenden Sitzung wiederum das Projekt der Erweiterung des Rates. Die Sitzung, in der dem Bericht des Präsidenten Motta die letzte Redaktion ge­geben werden sollte, dauerte von 6 bis 8 llyr abends. Es gelang nicht, eine Einigung herbeizuführen. Dadurch verlor die Sitzung ihren ursprünglich formellen Charakter einer letzten Lesung und bekam einen hochpolittschen Anstrich.

Ueberraschenderweise wurde von englischer Seite der versuch eines letzten Druckes auf die spanische Regierung unternommen, indem in dem Bericht ein Passus ausgenommen werden sollte, der besagt, daß die Studienkommission alle nur denkbaren versuche ge­macht hätte, den spanischen Wün­schen enlgegenzukommen, doch leider ohne Erfolg. Sie könne die Ansprüche Spaniens aus einen ständigen Sih im Augenblick nicht anerkennen.

Die Sitzung, die einen recht dramatischen Ver­lauf nahm, wurde um sechs Uhr abends vom Schweizer Bundesrat Motta eröffnet. Nach einer kurzen geheimen Aussprache wurde die Sitzung für öffentlich erklärt. Sämtliche Delegierte, ausgenom­men der Brasiliens, waren vertreten. Auch der spa­nische Gesandte Palacios batte sich eingefunden. Bundesrat Motta verlas den sechs Seiten umfassen­den Bericht der Studienkommission, den er als ein Werk bezeichnete, das geeignet fei, eine Lösung in der politischen Situation zu finden. Der Bericht bringt dann den Text der in vier Paragraphen niedergeleaten neuen Bestimmungen für d i e Zusammensetzung des Rates. Er geht auf die Stellungnahme der einzelnen Kommis- sionsmitglieder ein und erwähnt u. a., der deutsche Vertreter hätte seine Anschauungen über die Frage der Vermehrung der ständigen Ratssttze nicht ge­äußert, sich jedoch an der allgemeinen Sympathie- kundgebung für Spanien beteiligt.

Zu ihrem lebhaften Bedauern und trotz ihres lebhaften Wunsches, den Interessen Spaniens in wohlwollendem Geiste entgegenzukommen, sei die Kommission nicht in der Lage gewesen, sich für eine Vermehrung der ständigen Rats- sihe über die Zahl fünf hinaus auszusprechen.

Das Projekt, das doch schon von den Mitgliedern angenommen worden ist, entfesselt darauf eine neuerliche Debatte. Der Grund dafür ist, das; Lord Cecil den oben angeführten Passus eingefügt wissen will, der darauf hinweist, daß die Kommission alle nur denkbare Mühe Hube walten lassen, um den Wünschen Spaniens ent­gegenzukommen. Das soll der letzte Versuch sein, auf die spanische Regierung einzuwirken, die wohl zur gleichen Stunde in Madrid ihre Be­schlüsse faßt. Der spanische Gesandte Palacios ist gegen eine derartige Einfügung in den Text des Berichts, da man es nicht mit Gefühlen, sondern mit realen Tatsachen zu tun habe und die Tatsache bestehen bleibe, daß die spanische Forderung auf einen ständigen Ratssih nicht erfüllt sei. Um acht Uhr abends vertagt der Vorsitzende Motta die Sitzung auf Freitag zehn Uhr vormittags, um einem Redaktionsaus- schuh die Möglichkeit zu geben, die einzelnen

pan von dem ruffischen General Radek und zahl- reichcu russischen Offizieren befehligt. Eine Reihe von englischen und sranzöfifchen Kriegsschiffen sind in hankau angelangt zum Schuhe der fremden In- terefsen. Rach einer noch unbestätigten Meldung der in Schanghai erscheinenden englischen Zeitung Rord-china Daily Rews" soll D u p e i f u , der in den letzten Kämpfen durch einen Brustschutz schwer verwundet wurde, von seinen Truppen des Kom­mandos enthoben worden fein und sich als G e - f a n g en er an Bord eines Kriegsschiffes auf dem Hanglfekiang befinden. Rack) anderen Rachrichken aus chinesischen Quellen soll der Marschall bereits gestorben sein. Den Oberbefehl über Wupeifus Truppen soll General Tschinyunao übernommen haben.

Englands ChinapslitiK.

London, 2. Sept. (WTB.) 2n einem Leit- artckel behandelt derDaily Telegraph" die Lage in China und erklärt, daß die verschiedenen eng­lischen Regierungen der letzten Jahre, in denen der Bürgerkrieg in China tobte, dec die Hilfs­quellen des Landes verzehrte und den allmäh­lichen Ruin der einst glänzenden britischen Han­delsstellung in China herbeiführte, eine wenig mehr als beobachtende Haltung ein­genommen haben. Die wirksame Zusammenarbeit zwischen der Armee Fengyuh'iang und der eben­falls von Moskau unterstützten Kantontrupyen würde eine Lage darstellen, die um so gefähr­licher wäre, als kein entsprechendes Gegengewicht vorhanden wäre, da Tschang- tsolin und Wupeifu sich wieder in offener Feind­schaft gegenüberstünden. Unter den englischen Untertanen in China herrsche die feste lieber» zeugung, daß das englische Ministerium des Aeu- Hern die Bedeutung der chinesischen Vorgänge nicht richtig einschähe. Das Blatt be-

Dorschläge nochmals zu revidieren. Der Redak­ttonsausschuß besteht aus dem Vorsitzenden Motta, Lord Cecil und dem Generalsekretär des Völkerbundes.

Die ersten Ratssitzungen.

Hinter verschlossenen Türen in Genf. Brasilien und Spanien fehlen.

Genf, 2. Sept. (TU.) Unter dem Vorsitz des tschechischen Außenministers Dr. D e n e s ch trat Heute vormittag punkt 11 Uhr der Völker- b u n d s r a t zunächst zu einer geheimen S i t° zung zusammen. Kurz vor 12 Uhr wird die geheime Ätzung des Rates geschlossen und der Presse und dem Publikum der Zutritt zum Ratssaar geöffnet. Aur acht Mitglieder des Rates haben am Beratungstisch Platz ge­nommen. Den Vorsitz führt Dr. De ne sch (Tschechosiowakei). Rechts von ihm sitzt D r i a n d (Frankreich), Scialoja (Italien), Vander- velde (Belgien), Guani (Uruguay), links Ge­neralsekretär Sir Eric Drummond, Sir Austen Chamberlain (England), Graf Ishii (Ja­pan) und Unden (Schweden). Es fehlen die Vertreter Spaniens und Brasiliens. Der Rat tritt in die Behandlung seiner umfangreichen Tagesordnung.ein.

Als Berichterstatter verliest Graf I s h i i den Bericht der Hhgienekvmmission. Der Bericht wird angenommen. Er erwähnt die Arbeit der Kommission im lohten Quartal und weist ins­besondere auf die Beratungen hin, die die Grün­dung einer Hygiene st ation in Ostafrika betreffen. Das internationale Sanitätsab- kommen von 1918 ist in Paris im Mai des Jahres einer Revision unterzogen worden. Der frühere schwedische Außenminister Unden be­richtete über die Arbeiten der Opiumkom- missivn. Es handelt sich im wesentlichen um die Kampsmittel gegen den illegitimen Handel mit Opium und andere Aarkottka. Zum Schluß der Sitzung berichtete Chamberlain über die Frage des Kinderschuhes. Hierauf wurde die öffentliche Sitzung wieder geschlossen und der Rat blieb in geheimer Sitzung beisammen. Die nächste öffentliche Sitzung findet morgen nach­mittag 3,30 Uhr statt. Wie aus Ratskreisen verlautet, werden die Danziger- und die Saarfrage erst nach dem Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund vom Rate behandelt werden, damit Deutschland Gelegenheit hat, an den Besprechungen teilzunehmen.

Eine Intervention des Papstes?

Rom, 2. Sept. (TU.) Der Papst soll heute eine längere Unterredung mit dem Madrider Auntius Monsignore Tedeschini gehabt haben. Der Auntius wird sofort nach Madrid zu­rückkehren und dort eine Audienz sowohl beim König, als auch bei Primo de Rivera nachsuchen, denen er erklären werde, daß nach Ansicht des Dattkan sowohl im Interesse der katholischen Kirche, als auch im Interesse des Friedens Spanien Mitglied des Völ- kerbundes bleiben müßte. Die Demarche des päpstlichen Aunttus soll die Form eines, per­sönlichen Appells des Papstes an den König von Spanien haben.

Brasiliens Rückzug.

G e n f, 2. Sept. (TU.) Der Vertreter Bra­siliens beim Völkerbund, Mello Franco, hat nunmehr endgültig Genf verlassen und sich nach Paris begeben. Er wird sich am 5. Oktober mit

dem Personal der Gesandtsäiaft von Cherbourg nach Rio de Janeiro einschiffen. Der Gesandt­schaftsrat Montarrohas bleibt als Beob­achter der brasilianischen Regierung gegen­wärtig noch in Genf.

Die deutsche Delegation für Genf.

Dr.Stresemann Führer dcrDelegatio».

Vier Parlamentarier.

Berlin, 2.Sept. (WTB.) Das Reichs- [abinett hat sich in seiner heutigen Sitzung mit der Frage der deutschen Dertretung auf der Dölkerbundstagung in Genf befaßt. Der deut­schen Vertretung werden hiernach als Delegierte angehören: Reichsaußenminister Dr. 6 t r e f e mann, Staatssekretär Dr. b. Schubert und Ministerialdirektor Dr. Gau s. Die Delegation wird ferner die Reichstagsabgeordneten Graf Bernstorfs (Dem.), Dr. D r e i t s ch e i d (2oz.), Dr. K a a s (Zentr.) und Freiherrn von Rheinbaben (Dtsch. Dp.), die Staatssekretäre Dr. P ü n d e r und W e i s m a n n, die Mini­sterialdirektoren Dr. Ä le p und Dr. Schäffer fotole Sachverständige aus verschiedenen Mini­sterien umfassen. Wie die Blätter melden, wird unmittelbar nach dem Eintreffen der Nachricht von der erfolgten Aufnahme Deutsch­lands in den Völkerbund und seiner Wahl in den Bat die deutsche Delegation nach Genf abreisen. Die Abreise wird entweder am 7. oder 8. September erfolgen, so daß der Einzug der Deutschen in den Reformationssaal spätestens am 10. September stattfinden wird. Geführt wird die Delegation vom Reichsminister des Aeußeren Dr. Stresemann werden, da weder der englische Premierminister Baldwin noch der französische Ministerpräsident Poincare an der Tagung in Genf teilnehmen dürften.

Botschafter v. Hoesch bei Briand

Genf, 2. Sept. (WTB.) Botschafter von Hoesch hattte heute nachmittag eine längere Unterredung mit dem französischen Minister des Aeußern Briand. Die Besprechung galt vor­wiegend der durch die Vorschläge des Prüfungs­ausschusses für die Zusammensetzung des Völker­bundsrates geschaffenen Lage. Briand zeigte sich über die zustande gekommene Lösung sehr be­friedigt und äußerte auch Genugtuung über die nunmehr feststehende Tatsache des Ein­tritts Deutschlands in den Völkerbund als ständiges Ratsmitglied. Die Besprechungen, bei denen ferner verschiedene technische Einzel­heiten über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund behandelt wurden, drehten sich schließ­lich um verschiedene laufende Fragen, darunter auch um die Frage der Verminderung der Desahungstruppen im Rheinland.

Pariser Blätterstimmen zur Lage

Paris, 2. Sept. (Wolft.) Die Morgen­presse beurteilt die Lage in Genf nicht einheitlich. Während einige Blätter, wie derGaulois". der Meinung sind, daß eine kritische Lage geschaffen sei, die die Gefahr in sich schließe, eine neue Aera der Unsicherheit und Besorgnis für den euro­päischen Frieden herbeizuführen, urteilt der außenpolitische Redakteur desMattn", der sich in Genf aufhält, folgendermaßen: Der allgemeine Eindruck ist, daß Spanien sich nicht an den Arbeiten des Völkerbundes beteiligen und sich niemals dem vom Studienausschuß angenommenen System fügen werde.

merkt, daß das, was man Versöhnung genannt habe, was aber tatsächlich nicht besser als eine Unterwerfung gewesen fei, die Lage nur verschlimmert habe. Großbritannien sei die Macht, die in der Lage fei, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und Japan eine Inter- v e n t i 0 n s p 0 l i t i k einzuleiten, die den Zweck haben müßte, die Bestrebungen zur Aufrecht- erhaltungde r Rechte und Interessen der A u s l ä n d e r zu unterstützen und mög­licherweise allen bestehenden Behörden in China ihre Hilfe zur Herbeiführung deS Friedens an» zubieten. Die britische Regierung müßte die Initiative ergreifen und einen Sonder­vertreter als Bevollmächtigten nach China ent­senden. Lord Reading, der ehemalige Dize- könig von Indien, wäre dazu besonders geeignet. Ein russisch-afghanischer Vertrag

Moskau, 2. Sept. (Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Am 31. August fand in Pagman, der Sommerresidenz des afghanischen Padischahs, die feierliche Unterzeichnung des Oarantieocr: träges zwischen der Sowjetunion und Afgha­nistan statt, die der Vertreter der Sowjetunion Stark und der Minister des Aeußern von Afgha­nistan Mahmud Tarsi oornahm. Der Vertrag legt fest: Wahrung der Neutralität im Falle eines bewaffneten Konflikts zwischen einer der ver­tragschließenden Parteien und einem dritten Staate, beiderseitiges Nichtangreifen, Nichtbeteiligung an feindlichen Abkommen zwischen dritten Staaten, beiderseitige Nichteinmischung in innere Angelegenheiten, Nichtzulassung der Tätig­keit von Elementen auf eigenem Gebiet, deren Ziel der Kampf gegen die andere vertragschließende Partei ist, Verhandlungen zur Regelung von Diffe­renzen, deren Beilegung auf dem üblichen diplo­matischen Wege nicht möglich ist.

Die internationale Mißwirt­schaft in Tanger.

London, 2. Sept. (Wolft.) DieTimes" meldet aus Tanger: Der Vertreter des Sultans hat sich seit der Rückkehr aus Frankreich mit den Mißbräuchen in der gemischten internationalen Po­lizei in Tanger befaßt. Das Ergebnis seiner Unter­suchung beweise, wie es scheine, daß unter der gemischten Polizeitruppe Korrup­tion herrsche, und daß die begangenen Mißbräuche noch weit ernster seien, als man vermutet habe. Diese Mißbräuche hätten seit langem bestanden, und es sei jetzt klar, daß alle Anstrengungen ge­macht würden, um sie systematisch totzuschweigen. Sie feien der Verwaltung von Tanger bekannt gewesen, und als sie zum erstenmal bekannt wur­den, seien irgendwelche Schritte unternommen wor­den, um ihnen Einhalt zu tun. Der Vertreter des Sultans habe, vorn Kontrolleur der scherijischen Behörden, Caillat, und vorn französischen Polizei- fommiffar Palaccat bei seiner Untersuchung unterstützt, ein vollständiges System der Erpressung, Einschüchterung und Grausamkeit von feiten der Polizei- Offiziere und Mannschaften verschiedener Ratio- namäten und Religionen ans Licht gebracht. Be­sonders schamlos fei die Erpressung und Be­raubung von Frauen gewesen.

Abd ei Krims

Reise in die Verbannung.

Paris, 2. Sept. (WB.) Wie Havas aus Mar­seille berichtet, ist der DampferAmial Pierre" mit Abd el Krim an Bord heute nachmittag nach der Insel Rsunion in See gegangen.