Ausgabe 
3.8.1926
 
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Ur. 179 Zweites Blatt

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

: Beuern, 2. Aug. Ein Schmerzenskind unserer Gemeindeverwaltung ist unsere Wasser­leitung. Bei ihrer Anlage vor nunmehr 20 Jahren wurde schlechtes Material verwendet, so daß schon ungezählte Rohrbrüche vorgekom­men sind. Trotz der überaus starken Regengüsse der letzten Wochen mangelt es gegenwärtig wieder an Wasser. Die Ursache ist wahrscheinlich wieder darin zu suchen, dah das Wasser innerhalb des Dorfnehes durch zerbrochene Rohre der Wasser­leitung entweich:. Da die Oefen unserer beiden Schulhäuser nicht mehr in Ordnung sind, trägt man ltd) mit dem Gedanken, Zentralheizung in die Schulhäuser zu legen. Bei dieser Gelegen­heit wird sich auch die Anlegung eines Volks- Labes in den Schulkellern ermöglichen lassen. Dieser Gedanke mühte unbedingt verwirklicht wer­den, da in unferm Dors jegliche Badegelegenheit für Erwachsene fehlt. Auch der gegenwänigs Badeplatz für unsere Jugend unterhalb des Dorfes im Krebsbach ist ungenügend, mißt doch das Wasser an seiner tiefsten Stelle kaum mehr als 50 Zentimeter bei einer Breite des Baches von nur etwa zwei Metern.

ch. Lich, I.Aug. Aus Veranlassung des hiesigen Aewerbevereins sand dieser Tage eine Steuerprote st Versammlung aller Hand­werker und Gewerbetreibender von Lich und Um- gegend statt, die sehr zahlreich besucht war. Die überaus große Rotlage des Handwerks und Ge­werbes zwingt diese, mit aller Entschiedenheit gegen die bestehende Steuerpolitik zu protestieren. Es wurde einstimmig eine Entschließung ange­nommen, die der Regierung übermittelt werden soll.

Kreis Friedberg.

ss. Friedberg, 1. Aug. Zn der letzten Woche stand unsere Stadt im Zeichen des Bundes' tage s derAdler und Falken" und der S ch i l l j ug e n d"; aus allen Teilen Deutschlands und der deutschen Grenzlandc waren sie herbeige­strömt und durchzogen mit ihren Wimpeln und Fahnen die geschmückten Straßen: man schätzte die Zahl der Anwesenden auf über 1500. Mit der Bun­destagung sind auch zwei sehr beachtenswerte Ausstellungen verbunden, die eine im Hotel Trapp bietet als Grenzlandausftellung ein lücken­loses Material von Büchern, Schriften und Karten über alle deutschen Grenzlande. Die andere Aus­stellung im Saale des Polytechnikums bringt neben Büchern und Schriften eine sehr große Zahl selbst­gefertigter kunstgewerblicher Gegenstände, wie Zeich­nungen, Scherenschnitte, Aquarelle, Plastiken, Schmucksachen usw. Die meisten der Sachen sind verkäuflich und stehen auf beachtenswerter künstle­rischer Höhe. Der Verlauf der Tagung bietet fortwährend Neues und Interessantes. Während in den Zwischenzeiten auf der Seewiese die turne­rischen Hebungen, die Wettkämpfe und Geländespiele ihren Fortgang nehmen, tagen auch die einzelnen Arbeitsämter, wie das Kunstamt, das Amt für Hei­matkunde, für Rasfenkunde, für deutsches Schrift­tum usw. Außerdem fand zwischen Friedberg und Fauerbach auf einer Freiluftbühne die Aufführung eines Eddafpielcs statt, von besonderer Bedeutung war die Dichterstunde an der Georgskapelle. Der Dichter Dr. Ldw. F i n ck h , Baienhofen, war selbst erschienen, um aus seinen Romanen, seinen Ge­dichten und den Ahnenbüchlein einzelne Stellen oor- zulesen: eine große Anzahl der Bundesteilnehmcr und Bewohner unserer Stadt lauschten mit Andacht seinen Worten. Der Sonntag begann mit einem großen Singen an der Georgskapelle, wohin die Mannschaften in geschlossenem Zuge anrückten: Gc- samtchöre, Chöre der einzelnen Gaue und ein von einem Quartett vorgetragenes Menuett von Beet­hoven bewiesen, daß auch die musikalische Ausbil­dung eine liebevolle Pflege findet. Die Spielabtei­lungEkkehard" gab in den benachbarten Gemein­den Usingen und Bad-Nauheim einen bunten Abend und erntete in beiden Orten vollen Beifall. Unter lebhafter Anteilnahme der Friedberger Bevölkerung fand dann noch am Nachmittage 3 Uhr auf der Seewiese ein Tanzfest statt, welches uns altdeutsches Tanzgut, Reigen und Tänze brachte und einen überaus malerischen Anblick bot.

am Stammheim. 2. Aug. Am Sonntag fand hier bei günstigem Wetter ein Dolks- missivnSfest statt. Der FestLottcsdienst wurde unter Mitwirkung des Posaunenchors Ober-Mock­stadt und des hiesigen Kirchenchors von Missio­nar Walther. Beuern, gehalten. Rachmittags

Das Bibliographische Institut in Leipzig.

(Zu seinem 100jährigen Bestehen am 1. August.) Von Peter W a r m u n d.

Man gerät leicht in den falschen Verdacht, man wolle für ein einzelnes Unternehmen wirt­schaftliche Reklame betreiben, wenn man über die Geschichte eines der großen deutschen Der- lagshäuser schreibt. Wer sind nicht die Annalen der großen Verlage selbst ein Stück von deutscher Geschichte, bergen nicht die Entwicklungen dieser Unternehmungen immer eine Episode deutscher Kultur in sich? Das Bibliographische Institut, das heute im Osten Leipzigs mit seinen Werk­stätten. Druckereien, Maschinenräumen und Seher­sälen eine kleine Stadt für sich bildet, entstand aus febr winzigen und wenig beachtenswerten An­fängen.

Joseph Meyer, Angehöriger einer alten Handwerkerfamilie, war 1816 nach London aus- gewandert, weil ihm der Umkreis des väterlichen Geschäfts zu eng deuchte: hier verlief nicht alles so. wie er es berechnet hatte: nach einigen Jahren kehrte er. von seinem Vater unter Auf­opferung seines Vermögens von den Schulden erlöst, nach der Heimat zurück. Aber er hatte Erfahrungen gesammelt und konnte daran denken, 1823 in Gotha einKorrespondenzblatt für Kauf­leute" herauszugeben. Diese ganz fachliche Zeit­schrift ist eigentlich der Grundstein zu seinen literarisch-buchhändlerischen Anfängen und der «erste Schritt zur Gründung seines großen Insti­tuts gewesen.

Freilich war bis dorthin noch ein weiter Weg. Damals war die romantisch-abenteuerliche Welt Walter Scottscher Romane eine beliebte Kost. Meyer begamt sie zu übersehen, er legte Wert auf eine sehr blllige und lieferungsweise erscheinende Ausgabe, bie man durch Subskription beziehen und ratenweise bezahlen konnte: eine bis dahin in Deutschland unerhörte und kühne Reue- tung. Gleich seine ersten Verlagswerke schafften

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)

Dienstag, 3. August 192b

fand auf dem Zwirnleinshof eine Dachseier statt. Rach kurzen Degrühungsworten des Ortsptarrers sprach Pfarrer Knodt, Bad-Rauheim. über Luk. 16,112. Danach sprach Missionar Wal­ther über 1. Petr. 2,18. Pfarrer Hamburger dankte zuleht allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen hatten. Zwischen den Ansprachen spielte der Posaunenchor in belanntcr Tonreinheit mehrere Stücke und fang unser Kirchenchor meh­rere Lieder. Auch die Sammlung für die Arbeit der Dolksmission hatte ein recht erfreuliches Er­gebnis.

Kreis Büdingen.

!! Büdingen. 1. Aug. Schon seit Wochen hatte sich der Verein ehemaligerSchüler des Wolf g-ang-Ern st- Gymnasiums Büdingen zur Feier des 3 2 5jährigen De- st e h e n s der Lehranstalt gerüstet. Am Sams­tag war Büdingen zu dem Empfang seiner Gäste bereit. Alle Häuser. Stadttore usw. waren reich mit Fahnen und Girlanden geschmückt. Rach­mittags wurden die Gäste an den einzelnen Zügen abgeholt. Voran das neugebildete Trommler- und Pfeifer-Korps der Schule, sowie die Kapelle Kalbhenn. Rachmittags wurde die Gedenktafel für die Gefallenen enthüllt. Die Tafel ist ganz aus Holz geschnitzt und enthält in goldener Schrift 97 Damen. Die Feier selbst war sehr stark besucht. Eingeleitet wurde sie durch einen Posaunenchor, den Vortrag von Ge­dichten und einem Chorgesang. Pfarrer Gustav Lenz hielt die Weiherede und unter den Klängen des LiedesIch halt' einen Kameraden" fiel der Vorhang. Die Tafel wurde dann von Oberstudiendirektor Keller in das Eigentum der Schule übernommen. Die Feier schloß mit Gedicht». Gesangs» und Musikvorträgen. Um 5.45 Uhr fand eine Pennälerversammlung im Rat­haussaal statt. Für den Abend waren zwei Veranstaltungen vorgesehen: Kommers für die Herren und ein Festabend für die Damen. Der Kommers wurde von dem Vorsitzenden Oberpost­meister Hofmann unter Begrüßung aller Er­schienenen eröffnet. Die Festrede wurde von Ober­studiendirektor Keller gehalten. Gemeinsame Lieder und Musikstücke trugen zur Verschönerung des Abends bei. Sämtliche Räume des Fürsten­hofs waren beseht bis auf den letzten Platz. Ebenso im Stern, bei den Damen. Hier gefiel besonders das von Direktor Keller selbst ge­dichtete Festspiel, das von Schülern und Schüle­rinnen vorgetragen wurde. Auch die Rüpel- komödie aus ShakespearesSommernachtstraum" fand allgemeine Anerkennung. Sehr schön sang ferner das Büdinger Doppelquartett unter Lei­tung des Rektors Pebler. Das Programm des Sonntags umfaßte Gottesdienste, einen Festzug. ein Festessen und nachmittags ein Volksfest auf dem Hammer.

-.- Nidda, 2. Aug. Der Reichsbahn­direktion Frankfurt a. M. wurde eine Eingabe unterbreitet, die sicherlich dem Wunsche aller Eltern im Interesse ihrer Kinder, welche das Wolfgang-Ernst-Gymnasium in Bü­dingen und die Realschule in Didda besuchen, Rechnung trägt. Die Eingabe bringt den Wunsch um Späterlegung des Personenzuges 504 W. (Gießen ab 5.31 Uhr vormittags) um etwa 25 Minuten zum Ausdruck und gibt hierfür folgende Gründe an: Der genannte Zug wird ab Didda, zum Teil auch schon von Hungen in der Haupt­sache von Schülern des Büdinger Gymnasiums bzw. der Realschule in Didda benutzt. Zur Zeit kommen 124 Schüler in Frage. Diese Zahl er­höht sich' im Winter noch wesentlich durch die zahlreichen Schüler der Landwirtschaftlichen Schule zu Büdingen und der Gewerbeschulen zu Didda und Büdingen. Der fragliche Zug erreicht Didda bereits um 6.36 Uhr, Büdingen um 7.18 Uhr, während der Unterricht allgemein erst um 8 Uhr beginnt. Die Schüler sind dadurch genötigt, sich bis zu Beginn des Unterrichts in der Stadt oder im Wartesaal aufzuhalten, nachdem sie ver­hältnismäßig früh ihre Ausgangsstation ver­lassen mußten. Besonders hart empfunden wer­den die frühen Abfahrtszeiten von den Kindern namentlich im Winter, die in tiefer Dunkelheit bei Wind und Wetter weite Wege zur Bahn­station zurücklegen müssen. Außerdem wird in der Eingabe zum Ausdruck gebracht, daß auch die Anschlußzüge zu dem in Frage stehenden Zug (Pz. 4134 ab Gedern 6.03 Uhr. Pz. 4101 ab Heldenbergen 6.22 Uhr) entsprechend später gelegt werden möchten. Die Antragsteller er­brachten in der Eingabe der Reichsbahndirektion in einem skizzierten Fahrplan den Beweis, daß

ihm einen derartigen Erfolg, dah er auf diesen bewährten Grundsätzen einen eigenen Verlag be­gründete. So entstand 1826 in Gotha, drei Jahre darauf nach Hildburghausen und 1874 nach der Buchhändlermessestadt Leipzig verlegt, das Biblio­graphische Instttut.

Meyer blieb seinen Grundsätzen treu und hatte damit den Erfolg auf seiner Seite. Er gab die deutschen Klassller, die griechischen und römischen Autoren, die Bibel, Andachtsbücher, die Geschichtsbibliothek und die Rattvnalbibliothck, die Bibliothek für Kanzelberedtsamkeit und die Familienbibliothek heraus, lauter kleine, billige Lieferungsbändchen, die sehr wohlfeil und Volks- tümlich gehalten waren. Daneben war es stets Meyers Bestreben gewesen, durch eine Zeitschrift in die Weite zu wirken. In dem politisch er­regten Jahre 1830 schuf er seinenDolksfreund", dessen liberale Tendenz bald verdächtig wurde und den die Zensur verbot: an seiner Statt gab Meyer das Universum heraus, das bald nach seinem Erscheinen gegen hunderttausend Abon­nenten aufwies und in verschiedenen Sprachen gedruckt wurde. Er schuf ein sehr umfängliches Lexikon in nicht weniger als 52 Bänden, er ent­warf. als sich Tellnahme für die ersten deutschen Eisenbahnen zu regen anfing, weitschauende Pläne für ein zentraldeutsches Eisenbahnnetz, er lieh Bergwerke entdecken und ausbeuten, um die Industrie seines Heimatlandes Thüringen zu heben, zu dessen Erschließung er wiederum Eisen­bahnprojekte entwarf, nicht phantastische Utopien, sondern durchaus realisierbare Anschläge, die aber durch die Ungunst der Zeiten Meyer war unter denen, die im Revolutionsjahr 1848 Presse­vergehen mit Gefängnis bühen mußten zer­schlagen wurden.

Sein Sohn Hermann Julius Meyer führte ^s Bibliographische Institut zu weiterer Aus- Sehnung, indem er den Verlag von den un­glücklichen wirtschaftlichen Unternehmungen seines Vaters loste und ihm neue Ausgaben stellte Er revidierte die große lexikalische Enzyllopädie des Vaters, indem er sie auf ein handliches und

eine Späterlegung sehr wohl möglich ist unter Berücksichtigung der Anschlüsse der Seitenlinien.

Didda, 1. Aug. Gestern vormittag fan­den die vom hiesigen Ortsgewerbeverein fett Ostern abgehaltenen Gefellenprüfungen des Bttirks Didda durch Uebcrreidyung der Gesellenbriefe in der Gewerbeschule einen feierlichen Abschluß. Zu der Feier waren der Gesellenprüfungsausschuh, die Junggesellen mit ihren Angehörigen und Meistern sowie einige Mitglieder und Freunde des Gewerbevereins erschienen. Die Zahl der Anmeldungen war zu diesem Prüfungstermin geringer als in vorher­gehenden Jahren, weil jetzt zum erstenmal die Verlängerung der Lehrzeit von 3 Jahren aut 31 /'_> Jahren bei manchen Gewerben sich geltend macht. Voraussichtlich wird deshalb int Herbst eine weitere Prüfung stattfinden müssen, zu der die Anmeldungen größer sein werden. Zehn Lehr- jungen und vier Lehrmädchen hatten sich mit Erfolg der Prüfung unterzogen. Die Leistungen waren in der Mehrzahl als gut zu bezeichnen. Mit einem beherzigenswerten Mahnwort an die Junggesellen und der Betonung be£ Wertes und Zwecks der Gesellenprüfungen verteilte Rektor Vitt, der Leiter der Gewerbeschule, die Ge­sellenbriefe an die Prüflinge. Bei der abgeschlosse­nen Prüfung hatte auch die Schreiner- und Metzgerinnung zum erstenmal mitgewirkt.

y. Ridda, 1. Aug. Die Geistlichen des De­kanats Didda hatten im vorigen Monat gemein- sam unter Führung von Dekan Sc r i ba in Eichelsdorf eingehend die Z e 11 e n ft r a f a n - statt Butzbach besucht. Pfarrer Kohler von hier schilderte im Abendgottesdienst seine Wahrnehmungen und Eindrücke in diesem Ge­fängnis und die Belehrungen des Direktors der Anstalt in so ernster, tiefgründiger Weise, dah er heute seine Predigt auf Wunsch der Gemeinde im Hauptgottesdienst wiederholen mußte. Zu der großen Zahl der Zuhörer im Abendgottesdienst hatten sich noch viele neue eingefunden, die von den Worten des bedeutenden Kanzelredners tief ergriffen waren und mit starken Eindrücken das Gotteshaus verliehen.

le. B l e i ch e n b a ch . 13. Aug. Die üble An­gewohnheit der Kinder, sich an fahrende Wagen hinten anzuhängen, hat gestern hier einen iln- glücksfall verursacht. Ein Heiner Junge lief seitwärts von dem Wagen weg, an den er sich gehängt hatte, in ein entgegenkommendes Mo­torrad. Er wurde überfahren und trug einen Beinbruch und - eine erhebliche Kopfverletzung davon. Die hiesige Schule beschloß ihren Sommerunterrichc mit einem Ausflug nach Aschaffenburg. Die Gemeinde hatte jedem Schü­ler einen Reiselostenzuschuh von 1 Mk. bewilligt. Die Ernteferien beginnen hier gewöhnlich mit der Weizenernte, die im Laufe dieser Woche einfehen wird. Der Weizen steht in Anbettacht der auch hier im Frühjahr stark aufgetretenen Rostkrankheit überall verhältnismäßig gut, hat sich auch wenig gelagert. Es ist nur ein besseres Erntewetter zu wünschen.

Kreis Schotten.

-.- Gedern, 2. Aug. Die hiesige Klein­kind e r s ch u l e wurde am Donnerstag mit etwa 30 Kindern eröffnet. 'Das Amt einer Kindergärtnerin übernahm Fräulein Elli Bau­mann von hier. Die Schulzeit wird unter­brochen durch einstündige Mittagspause im Eltern- Hause. Das Verbringen der Kinder zur Schule sowie das Abholen in der Mittagspause und abends hat durch die Eltern oder sonstige An­gehörige der Kinder zu erfolgen. Den Bedürf­nissen hauptsächlich der landwirtschafttreibenden Bevölkerung kommt die Errichtung der Klein­kinderschule sehr zustatten.

wg. Ulfa, 1. Aug. Der Zweigverein Schotten derGu st av-Adols-Stiftung feierte hier das erste der für diesen Sommer ge­planten Iahresseste. Im Festgottesdienst, der durch Chorvorträge des Männergesangver­eins und des Iungfrauenvereins verschönt wurde, predigte der bekannte Diasporageistliche Pfarrer Weih aus Bieber bei Offenbach: der Redner schilderte an Hand des Gleichnisses vom barm­herzigen Samariter Rot und Leid der Diaspora und die glaubensbrüderliche Liebesarbeit des Gustav-Adolf-Dereins. Am Rachmittag fand auf dem Festplah unter der alten Dorflinde die auch von den Gemeinden der Umgegenb sehr stark besuchte Rachversammlung statt. Hier sprachen nach der Begrüßungsansprache des Ortsgeist- lichen Pfarrers C r u l l der Vorsitzende des

I vernünftiges Maß zurückführte, er hielt sich an | wc Tradition des Hauses, indem er die alten Klassikerausgaben in neuer Gestalt herausgab. Er verlegteDrehm's Tierleben" und stellte diesem grundlegenden Werk ähnliche umfassende aus allen Gebieten des Raturlebens zur Seite.

Er war nicht nur Verleger, er wurde auch der Redakteur und Mitarbeiter der von ihm angeregten Verlagserscheinungen. Er und seine Sohne, die Forschungsreisenden Hans und Her­mann Meyer, führten die vom Gründer aufge­stellte üeberlieferung des Instituts weiter: Wis­senschaftliche Bildung in schöner Form und ge­meinverständlicher Art über alle Schichten Deutschlands hin zu verbreiten.

Dazu half ihnen der technische und maschi­nelle Ausbau der großen Werkstätten. Das Bibliographische Institut ist völlig darauf ein­gerichtet, alles, was zu einem Buche gehört, selbst herzustellen, so daß das eingelieferte Papier bedruckt, gebunden, mit Karten und Dildbeigaben ausgestattet, in die Welt hinausziehen kann.

Aus diesem kurzen Entwicklungsabriß des Unternehmend mag schon deutlich werden, welchen Ruhen das Unternehmen dem deutschen Dolle gebracht hat, wie fest seine Geschichte mit der Deutschlands verknüpft bleibt.Bildung macht frei!" ist der Wahlspruch seines Gründers ge­wesen. Möge es dem Bibliographischen Institut gelingen, diesen fruchtbaren Gedanken auf be­währtem Wege auch weiterhin zu verwirklichen in multos annos!

Aus dem Genf der Römerzeil.

Von Dr. Hans D e e r I i.

Die schon bei früheren Anlässen gemachten Römersunde in Genf haben in allerjüngster Zeit eine unerwartete Bereicherung erfahren. Was die neueste Entdeckung dieser Art besonders interessant macht, ist der iimftanb, dah sich die Fundstelle auf dem Boden der Dllla Dartholoni im sogenanntenSecheron". also auf dem Bau­gelände des künftigen Völkerbunds-

Schvttener Zweigvereins Hofprediger Wid­mann (Gedern), der die Grüße des Hauptvev- eins sowie des Dekanats überbrachte und den üblichen Jahresbericht erstattete, ferner Pfarrer Müller (Olmüh). der ein lebensvolles und interessantes Bild der deutsch-evangelischen Kirche in der Tschechoslowakei entwarf und von seiner persönlichen Berufsarbeit dort erzähtte, schließ­lich noch Pfarrer Weih «Bieber), der von der Diasporaarbeil vor den Toren von Offenbach berichtete und die Herzen warm machte zur Mit­hilfe am Dau der für Bieber geplanten neuen Lutherkirche. Das Fest ivrlief sehr schön und konnte auch durch die ungünstige Witterung in keiner Weise beeinträchtigt werden. Die Kollekten im Festgottesdienst und in der Rach Versammlung ergaben den Betrag von über 100 Mark.

t Groh-Eichen, 1. Aug. Unter recht zahlreicher Beteiligung hatte Dr. S e l z e r vom Landwirtlchaftsamt Grünberg hier einen G e» markungsgang unternommen. Die hierbei gemachten Wahrnehmungen in Bodenbeschafsen- heit. Erkrankungen in Getreide und Hackfrüchten wurden eingehend besprochen. Der Landwirl- schastSlehrer Dr. S c l z e r von hier unternahm in dieser Woche mit etwa 50 ehemaligen Land­wirtschaftsschülern eine Rh ein fahrt. In Op­penheim wurde die Obstbaum- und Weinberg- schule besichttgt.

KrciS Alsfeld.

-er. Homberg, 1. Aug. Dieser Tage feierte Rentmeister i. R. Gottfried Repp und seine Ehefrau Minna, geb. Engel, in voller körper­licher und geistiger Frische das seltene Fest der Goldenen Hochzeit. - Seit voriger Woche werden hier Kanalisationsarbeiten ausgeführt, um den nach der Stadthalle führenden Weg ttocken zu legen und in einen guten Zustand zu sehen.

»er. Aus d e in Ohmtale, 1. Aug. In der verflossenen Woche hat nunmehr der Schnitt der Wintergerste begonnen, dem der des Roggens jetzt folgen dürfte. Leider ist das Wetter für die Erntezeit höchst ungünstig, da kaum ein Tag ohne Regen vergeht. Der anhaltende Regen schadet auch den Kartoffeln, und die Reife des Obstes wird nicht gefördert.

Preußen.

KreiS Wetzlar.

Wetzlar, 1. Aug. Das Personenauto einer hiesigen Firma geriet vorgestern Nacht zwi­schen 11 und 12 Uhr an einer abschüssigen Wege- biegung am Dorfausgange von Nauborn ins Schleudern und stürzte die etwa zehn Me» ter hohe Böschung hinunter, wo es an der Hausecke der unten befindlichen Nonnenmühlc liegen blieb, nachdem es bei feinem Sturz noch zwei große Chausseesteine umgerissen hatte. Von den beiden Insassen hat wie durch ein Wunder keiner größere Verletzungen erlitten, das Auto selbst ist jedoch sehr stark mitgenommen worden.

kz. Wetzlar, 2. Aug. Der gestrige F l u g t a g auf den Niedergirmeser Wiesen, veranstaltet vom Wetzlarer Verkehrsverein für Stadt und Land in Verbindung mit der Frankfurter Flugsport-Gesell schäft, G. m. b.H., war nicht allein für die Ein wohner Wetzlars, sondern für die weitere Umgebung ein bedeutsames Ereignis. Die Veranstaltung dieses Flugtages war für den Verkehrsverein als eine rechte Tat zu bezeichnen. Obwohl Wetzlar in bergi­gem Gelände liegt, besitzt es doch in den Wiesen von Niedergirmes ein Fluggelände, wie man es nicht besser zu wünschen braucht. Der Flugtag kündete sich durch die Ankunft der Spgttflugzeuge D 513, D 734 und D 855, die gegen 11 Uhr die Stadt überflogen und dann landeten. Ein Zustrom von Menschen, wie ihn Wetzlar wohl selten gesehen, wanderte nach dem Fluggeländc, das ringsum dicht umstanden war. Um U Uhr stiegen die Flugzeuge auf und führten über dem Flugplätze oft in geringer Höhe über den Köpfen der Zuschauer Flugkunst­stucke der verschiedensten Art aus. Die Kunstflüge mit Loopings und Rollings waren Meisterstücke. Ein interessantes Bild boten die drei Sportslug- zeuge, als sie gemeinsam einen Geschwaderflug vor- führten. Die Landungen gingen jedesmal mit Leich­tigkeit vor sich. Während der Kunstflüge der Sport­flugzeuge unternahm das VerkehrsflugzeugGie­ßen" ununterbrochen Passagierfahrten, bis am Spätnachmittag beim Landen ein Laufrad zerbrach. Doch bald war von Gießen ein Ersatzrad wieder zur Stelle, und es wurden bis zur Dämmerung Passagierfahrten durchgeführt, da die Jlugebegeiste

Palastes, befindet. Bei Kanalisationsarbeiten für den nahen Reubau des Internationalen Ar­beitsamtes sind die Erdarbeiter in der Wiese zwischen der Villa Dartholoni und dem See­ufer auf die Reste einer römische nn Villa gestoßen. Ohne zu wissen, was sie vor sich hatten, meldeten sie den Fund erst, als durch den Graben die Anlage^bereits in der Diagonale durchschnit­ten war. Trotzdem ist es unter der Leitung des kantonalen Archäologen, Prof. Dlondel, gelungen, wichtige Anhaltspunkte zu gewinnen. Die bis­her zutage geforderten Mauerreste lassen auf ein Gebäude von mäßigem Umfang schließen. W.is den Fund besonders cruszeichnet, ist der Timstand, daß der Standort dieser Villa auf dem rechten Seeufer war, während die bis anhin entdeckten Spuren der einstigen römischen Dillenkolonie Genfs auf der anderen Seite liegen. Dann aber weist auch alles darauf hin, dah hier eine ganz besonders luxuriöse Anlage aus der besten Zeit des römischen Kaisertums vorliegt. Die neben Bruchstücken kunstvoll modellierter Bordüren auf- gefunöenen zahlreichen Fragmente bemalten Stucks zeigen hübsche Motive in delikaten Far­bentönen. Außer einem Stück glatten Fußbodens aus zusammengekitteten weihen Marmorteilchen ist auch die zentrale Heizungsanlage (Hypokaust) freigeiegt worden, von der ebenfalls noch Rohren enthalten sind. Ferner hat man drei in ver­schiedener Richtung verlaufende Wasserleitungen feststellen können, was die Vermutung nahelegt, dah das bisher entdeckte Gebäude, das lediglich aus Daderäumen zu bestehen scheint, nur einen Teil einer größeren, vielleicht terrassen­förmig vom Wasser aufsteigenden Anlage bar- stellt. Leider werden die Rachforschungen gerade in diesem Punkt durch eine benachbarte alte Daumgruppe erschwert, die einstweilen nicht ge­opfert werden soll. Aber auch so darf man noch manche interessante Auftchlüsse über diese neueste Entdeckung erwarten, welche die in letzter Zeit hier gemachten Römerfunde nach verschiedenen Richtungen hin in wertvoller Weise ergänzt.