Rußland Verträge auf der Basis völliger Gleichberechtigung abgeschlossen. Wenn die Ausländer fortführen, außerordentlich politische und wirtschaftliche Vorrechte zu beanspruchen, so werde der chinesische Widerstand bald einen Grad erreichen, der es jedem Ausländer in China unmöglich machen würde, Geschäfte zu betreiben. Auf die Frage, ob China eine große Militärmacht werden könne, antwortete der Gesandte, daß es bereits eine Militärmacht sei. Es habe P/s Millionen mit modernen Waffen ausgerüsteter Soldaten. China sei ein so riesiges Land, und deshalb benötige es natürlich eine sehr große Armee für die Verteidigung seiner souveränen Macht. Jedoch sei China, wenn seine Souveränität wiederhergestellt sei, in älebereinstimmung mit dem Ab- rüstungsprooramm des Völkerbundes bereit, ab- zurüften.
Ernste Lage in Damaskus.
London. 2. Aug. Damaskus scheint sich nach den Mitteilungen eines dort befindlichen Amerikaners in einer so schlimmen Lage zu befinden, wie sie seit der großen Beschießung im Oktober vorigen Jahres nicht mehr eingetreten ist. Am 13. Juli war die Stadt bereits drei Tage lang vollkommen isoliert. Rie- niand durfte sie betreten oder verlassen. Der Zugverkehr war vollständig eingestellt, auch bestand weder eine telephonische, telegraphische noch sonstige Verbindung. Vier französische Abteilun- gen in einer Gesamtstärke von 5000 Mann, die in die letzten Kämpfe an der Gnuta-Oase verwickelt waren, halten schwere Verluste erlitten. Es wurde gemeldet, daß sich alle Kurdenstämme den Aufständischen angeschlossen hätten. In Damaskus wimmele es von Gerüchten: man sei in der Stadt auf alles gefaßt. Die Mohammedaner seien übermütig, die Ehristen dagegen von 'Furcht erfüllt. Besonders die Armenier zitterten vor dem Lose, das sie erwarte, wenn die Ausstän- dischen Sieger blieben.
Aach einer Meldung aus Beiruth sollen 18000 Mann französische Truppen seit dem 18. Juni in einer schweren Schlacht rings um Damaskus stehen, ohne bisher nennenswerte Erfolge erzielt zu haben. Das Kurden- Viertel in Damaskus und ein anderer Teil der Stadt, wo sich die Aufständischen verschanzt hätten, seien beschossen und eingeäschert worden. Die Beziehungen zwischen den einzelnen Truppen- sührern der Eingeborenen hätten sich wieder enger gestaltet, so daß das ganze Land als im Aufstand befindlich angesehen werden müsse.
Zur inneren Politik.
Ein Beschluß der süddeutschen Deutschnationalen.
München, 2. AuH. (Sil.) In einer stark besuchten Versammlung tn München ist die süddeutsche parlamentarische Arberts- gemeinschaft der Deutschnationalen Volkspartei, die die deutschnationalen Parlamentarier von Bayern, Württemberg, Baden und Hessen umfaßt, gestern zu der ileberzeu- gung gekommen, daß die unhälvolle Lage der Reichsfincmzen und der deutschen Wirtschaft sowie die dadurch begünstigten offensichtlichen Bestrebungen, die Revollition weiterzutragen, unbedingt die gemeinsame Abwehr aller staats- und wirtschaftserhaltenden Kräfte verlangt, zumal über die Kreise der Kommunisten und Sozialisten hinaus Elemente der Linken, namentlich die international eingestellte Presse, der Dolschewisierung Deutschlarids Vorschub lüsten.-Die Arbeitsgemeinschaft begrüßt den mit der ileberzeugung weitester nationaler Kreise sich LÄenden Aufruf der Herren Freiherrn von GaYl und Dr. Jarres und verlangt, daß das für Staat und Volk lebensnotwendige Ziel einer geschlossenen starken Rechten weder an parteipolitischer Engherzigkeit noch an persönlichen Interessen scheitern dürfte.
Aus aller Welt.
Die Entscheidung über das Reichsehrenmal vertagt.
Wie der „Lokalanzeiger" hört, herrscht in der Reichsregierung über die Frage des Reichsehrenmals die Ansicht, die ganze Angelegenheit vorläufig so lange zu vertagen, bis eine Einigung der bei der Errichtung des Reichsehrenmals in Frage kommenden Gruppen zustande gekommen ist.
Hamburger Kolonialwoche.
Die am 31. Juli bis 4. August von der kolonialen Arbeitsgemeinschaft Grohhamburgs veranstaltete Kolonialwoche 1926 nahm am Samstag mit dem 25. Stiftungsfest ehemaliger O st a s i a t e n ihren Anfang. Der Sonntag, der Haupttag der Kolonialwoche, begann mit der Fahnenweihe des Vereins ehemaliger Deutschsüdwestafrikaner von 1914 in der St. Georgskirche. Rachmittags folgte eine Kranzniederlegung am Wihmanndenkmal, an die sich ein für den kolonialen Gedanken werbender Festzug anschloß. In der Stadthalle hieß Hamburgs erster Bürgermeister Petersen die Teilnehmer willkommen. Der Redner gedachte der großen Verdienste Hamburgischer Häuser um die Erschließung der ehedem deutschen Kolonien. Die koloniale Sache sei deutsche Sache und sei unbedingt unabhängig von irgendwelchen Partei- interessen, sondern tief begründet in den Lebensinteressen des deutsch enVol- k e s. Eher als man habe hoffen dürfen, sei die Behauptung, Deutschland habe in der kolonialen Verwaltung versagt, widerlegt worden. Jeder fachliche Beurteiler des Auslandes müsse heute für das Gegenteil zeugen. Gouverneur a. D. Dr. Seitz erklärte, die Rotwendigkeit deutscher Kolonialpolitik sei in der Vergangenheit bewiesen worden und werde noch dringender werden in der Zukunft. Heute, wo der Sah gelte, daß Roh- stosf die Industrie anziehe, Deutschland das Recht zu (kolonialer Betätigung abzusprechen. heiße, dem 60-Millionenvolk die Existenzberechtigung zu bestreiten. Seih schloß mit dem Wunsche, daß die hanseatische Zähigkeit und Energie zur Erfüllung der Aufgabe helfen möchten. Am Montag vormittag begann im Institut für Schiffs- und Tropenkrantheiten die vorgesehene akademische Vortragsreihe, zu der auch Gouverneur a. D. Exz. Dr. Seih erschienen war. Einleitend sprach Prof. Dr. Thilenius über „Hamburg und die kolonialen Wissenschaften". Im Anschluß an den Vortrag sprach der Erforscher afrikanischer Sprachen Prof. Meinhof über die Kultur der afrikanischen Völker, sowie Prof. Hambruch über das Verhältnis der Südseeinseln zu Deutschland. Auf
die Vorträge folgte eine Besichtigung des Tropen- hygienischen Instituts, bei welcher Prof. Dr. Wocht über die wirtschaftliche Bedeutung der Tropenmedizin berichtete.
Die Reise des Kreuzers „Hamburg".
Berlin, 2. Aug. (Wolff.) Der Kreuzer „Hamburg", der am 31. Juli von Yokohama ausgelaufen ist, ist am 2. August in Kobe einge- troffen. Die Weiterfahrt nach R a g a s a k i erfolgt am 12. August.
Die Dcltkonferenz der christlichen Zungmännervereine.
Den Vorsitz der Weltkonfereirz der christlichen Jungmännervereine hat Jahn Mott übernommen. Mott ist bereits im Weltmissionsbund sowie in den Weltorganisationen der Studenten und der weiblichen Jugend tätig gewesen und steht mit diesen weiter in Fühlung. Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden Prof. W j e l t - Finnland, der die örtlichen Vorbereitungen geleitet hat, und Prinz Bernadotte gewählt Rachdem die Konferenz einen kurzen Bericht des Generalsekretärs Fries entgegengenommen hatte, trat sie in die Gruppenbesprechungen ein. Im Laufe des Rachmittags empfing der Staatspräsident Rolander zahlreiche Konferenzteilnehmer und brachte in einer Ansprache das große Verständnis der Regierung für die Tagung zum Ausdruck. John Mott antwortete dem Präsidenten und wies dabei auf den hohen Stand der Volksbildung in Finnland und auf die große Frömmigkeit des Landes hin.
Das Anglück beim Heidenheimer Flugtag.
Von der Württembergischen Luftverkehrs- A.-G. wird mitgeteilt: Das schwere Anglück beim Heidenheimer Flugtag, über das wir Montag berichteten, ist auf eine unberechenbare Raturgewalt zurückzuführen. Eine Fallböe ließ das Flugzeug mit einem Schlage bis beinahe auf den Boden durchfallen. Der Flugzeugführer gab darauf sofort Vollgas und erreichte, daß die Maschine wieder stieg und glatt über das vov- liegende Hindernis, die 2 Meter hohe Bretterwand des Sportplatzes, hinweggekommen wäre, wenn nicht vor der Wand eine zweite Fallböe das Flugzeug nochmals heruntergedrückt hätte. Infolgedessen erfaßten die Räder des Flugzeuges den oberen Rand der Bretterwand und rissen diese um. Di« Zuschauer wurden durch die Bretterwand zu Boden geworfen und zum Teil an die Barriere des inneren Sportplatzes gedrückt. Die Maschine selbst flog im freien Raum vor den Zuschauern, etwa 12 Meter an diesen vorbei, fast senkrecht mit dem Propeller voraus und überschlug sich, wobei sie beim Führersitz auseinanderbrach. Durch das Flugzeug selbst wurde kein Zuschauer getötet oder verletzt. !
Hochwasser der Mulde.
Das Hochwasser der Mulde ist über Rächt in Dessau eingetroffen und hat die Felder und Fluren erneut überschwemmt. Der Rest der vom ersten Hochwasser verschont gebliebenen Ernte ist dadurch gänzlich vernichtet worden. Auch die Elbe ist erneut über die Afer getreten und überschwemmte große Flächen an der Muldeschleuse. Bei dem anhaltischen Dorfe R i e s a u riß gestern morgen der Damm. Alle verfügbaren Mannschaften aus den benachbarten an» haitischen und preußischen Dörfern bemühen sich im Verein mit anhaltischer und preußischer staatlicher Ordnungspolizei den Damm zu schließen. Eine Abteilung der Ordnungspolizei aus Dessau ist mit 2000 Sandsäcken nach der Bruchstelle abgefahren. Den vereinten Anstrengungen gelang es in später Abendstunde, den Dammbruch der Mulde bei Riesau abzudichten und den Strom in sein natürliches Bett zurückzudrängen. Gleichwohl ist der Schaden, der durch die Aeber- flutung der Mulde entstanden ist, außerordentlich groß.
Furchlbares Autounglück in Italien.
Bei Alessandria in Piemont wurde ein Auto auf einen unbewachten Bahnübergang von der Lokomotive eines Zuges erfaßt. Dabei explodierte der Benzinbehälter. Alle fünf Insassen des Autos verbrannten bei lebendigem Leibe.
Panik durch eins fliehende Elefantenherde.
In Edmonten A. S. A. gerieten vierzehn Zirkus-Elefanten, die sich auf dem Wege zum Zirkus befanden, infolge des Bellens eines kleinen Hundes in große Aufregung, rissen sich los, warfen zwei Wagen mit Bären und Tigern um und rasten durch die Stadt. Die wilde Flucht der Elefanten erzeugte eine Panik. Die Herde wurde schließlich in einem Walde vor der Stadt von Polizeibeamten und Zirkusangestellten eingefangen. ,
Aufdeckung eines Wettschwindels.
In Hannover wurde ein im Telegraphen- amt angestellter Mechaniker und ein Ober-Tele- graphen-Sekretär wegen Wettschwindels verhaftet. Der Mechaniker hatte sich regelmäßig bei der telephonischen Aebermittelung von Rennergebnissen eingeschaltet, den Ober-Telegraphen- Sekretär verständigt, der dann in letzter Minute bei einem Buchmacher aus den Sieger setzte.
Ein Taucher im Recken dec Talsperre ertrunken.
Bei dem Versuch, im Auftrage der Siemens- Dau-Anion einen im Becken der Schwarzenbach-Talsperre (Baden) ertrunkenen Arbeiter zu bergen, war der Mainzer - Taucher Willy Moos bereits drei Wochen in dem 48 Meter tiefen Staubecken tätig. Als er nach einem zweiten Tauchversuch nach oben kam, war er derartig erschöpft, daß er in bewußt- losem Zustande in das Krankenhaus ü b erführt werden muhte. Entweder hat er die Leiche gefunden, oder es hat ihn ein Anwohlsein in der großen Tiefe des Deckens überfallen. Alle Wiederbelebungsversuche waren leider ohne Erfolg. Moos starb trotz aller ärztlicher De- mühungen abends 9 Ahr. Der Verstorbene, der gebürtiger Mainzer ist, war an mehreren Ber- gungsarbeiten im Rhein hervorragend mittätig gewesen.
Das größte Pasfagiersluzeug der Welt.
Das größte Flugzeug, das bisher im regelmäßigen Luftverkehr von irgendeiner Linie Ver- Wendung gefunden hat, legte seinen ersten Flug von Flughafen Croydon nach Paris zurück, wobei e« achtzehn Fluggäste und zwei Führer beförderte Das Riesenflugzeug wird von drei 400pserdigen Motoren angetrieben.
kanipf im Hühnerhof.
Der Schwetzinger Bienenzuchtverein hat in Geroldsau bei Baden-Baden mehrere Bie - n en stocke stehen, in deren unmittelbarer Nähe sich ein huhuerhos befindet. Dort befindet sich auch ein Trlnkbecken, das bisher von den Hühnern und den Bienen gemeinschaftlich friedlich benutzt wurde. Plötzlich, aus bisher nicht bekannter Ursache, nahm das friedliche Verhältnis ein Ende. Die
Bienen überfielen in großem Schwarm die Hühner und stachen sie buchstäblich zu Tode. Bei einem toten Huhn wurden über 100 Bienenstiche gezählt. Elf Hühner fielen den Bienen zum Opfer. Sämtliche Hühner wurden durch Stiche in den Kops getötet.
Vorsicht beim Obslessen.
In Gau-Algesheim trank das fünfjährige Söhnchen des Landwirts Fleischmann, nachdem es Pflaumen gegessen hatte, Wasser darauf. Der Tod erfolgte unmittelbar darauf. Die Eltern waren während des Vorfalles auf dem Felde.
Wettervoraussage.
heiter bis wolkig, tagsüber mäßig, Erwärmung, sonst noch kühl, durchweg trocken.
Nach dem Abzug eines östlichen Wirbels ist das Druckgefälle über Mitteleuropa verringert worden, so daß eine Beruhigung der Wetterlage eingetreten ist; jedoch ist eine ausgesprochene Schönwetterlage noch nicht zu erwarten, da die nördliche Luftströmung anhält.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 3. August 1926.
Die Jagd im August.
Die Anwetter, die im Juni und Juli weite Teile Deutschlands in einer Weise und einem Umfange heimsuchten, wie es seit Menschengedenken nicht mehr beobachtet wurde, und die auch zahlreiche und ausgedehnte Aeberschwemmungen im Gefolge hatten, haben auch unser Wild stark in Mitleidenschaft gezogen. Ramentlich das Riederwild hat sehr gelitten. Druten und Küken der Feldhühner und Fasanen, Hasensähe gingen verloren, und besonders den Rehen hat das Hochwasser arg mitgespielt. Vielfach wurde berichtet, daß die reißenden Ströme massenhaft ertrunkene Stücke sogar mit sich führten. Man wird deshalb in allen vom Anwetter besonders stark heimgesuchten Feld- und Waldrevieren mit nicht erfreulichen Jagdaussichten zu rechnen haben. Ja mancher Revierinhaber wird froh sein, wenn ihm überhaupt Anwetter und Hochwasser noch einen Bestand an Wild gelassen haben. Aus einen Abschuß wird er wohl oder übel dann ganz und gar verzichten müssen. Er hat sich auf Hie Hege des ihm gebliebenen Wenigen zu beschränken.
Das Edel- und Damwild steht wieder im Holz, der reifende Hafer und die Kartoffel- schlüge locken jedoch mit unwiderstehlicher Anziehungskraft. Deshalb wählt das Wild ruhige Vorhölzer oder Dickungen, die unfern der Felder liegen. Gewöhnlich in der Vormitternachtsstunde zieht das Wild zur Aesung und wechselt in der dritten Morgenstunde in den Forst zurück. Die Hirsche fegen. Die Feistzeit ist eingetreten. Das Schalenknacken des Feisthirsches hört man in stiller Rächt auf Düchsenschußweite. Starke Hirsche Pflegen sich erst zu Ende des Monats in die Gefolgschaft des Mutterwildes zu begeben. Dis dahin führen sie ein mißtrauisches Einsiedlerleben.
Die Sauen stecken, gleich dem Edelwild, am Tage mit Vorliebe tn den Dickungen, die unfern vom Felde liegen. Haferfelder und Kartoffelschläge müssen durch Abschuß von Keilern und Aekerläufern geschützt werden. In mondhellen Rächten wählen die Sauen für ihr Erscheinen gerne zeitweise Verdunkelungen durch Wolken oder sie kommen nach Monduntergang.
Der R e h b o ck springt noch aufs Dlatt, und man hat damit die Möglichkeit, starke Docke auch in solchen Revierteilen wegzunehmen, wo ein Pürschen nicht möglich ist. An gefährdeten Grenzen muß man eventuell die Böcke dort Verblatten. Die Rehe stecken auch jetzt noch auf den' Feldern im Hafer und auch in den Kartoffeln umher. Im Walde bevorzugen sie grasreiche Vorhölzer, wo sich der Bock beim Schmalreh hält. Die Auffrischung der Salzlecken ist um so mehr geboten, als Salzgaben das einzige bekannte Vorbeugungsmittel gegen verschiedene Krankheiten der Rehe sind. Schlingenstellern, Füchsen und jagenden Hunden ist auf das Handwerk zu passen.
Dep Hase setzt auch noch im August das Fortpfanzungsgeschäft fort. Vielfach sehen Jung- Häsinnen des ersten Satzes. Gegen Ende des Monats rückt der Hase bei abnehmender Deckung vielfach in die Dorhölzer. In Wald und Feld muh auch ihm Schuh vor zwei- und vierläufigem Raubzeug werden.
Die H ü h n e r j a g d beginnt Ende des Monats. Man hüte sich, die Alten von Ketten mit noch geringen Hühnern zu schießen, besonders aber dann, wenn sich die Alten schreiend und aufgeplustert flügellahm stellen.
Gießener Wochemnarktpreise.
Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 180 bis 190 Pfennig, Matte 30, Käse (10 Stück) 60 bis 80, Wirsing 12 bis 18, Weißkraut 12, Rotkraut 20 bis 35, gelbe Rüben 15, rote Rüben 10, Spinat 30, Römischkohl 10, Bohnen (grüne) 20 bis 25, Bohnen (gelbe) 30, Erbsen 10 bis 12, Mischgemüse 10, Tomaten 20 bis 40, Zwiebeln 20, Kartoffeln =>, Pilze 25, Falläpfel 8 bis 10, Frühäpfel 20» bis 40, Dirnen 15 bis 45, Heidelbeeren 25 bis 40, Johannisbeeren 30. Stachelbeeren 35, Himbeeren 80, Pflaumen 35 bis 50, Zwetschen 50, Pfirsiche 70, Aprikosen 80, Mirabellen 55 bis 60, junge Hahnen 90 bis 100, Suppenhühner 110 bis 130, Tauben 80 bis 90; das Stück: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 20 bis 140, Salat 5 bis 10, Salatgurken 25 bis 50, Einmachgurken 3 bis 5, Oberkohlrabi 5 bis 15, Sellerie 20 bis 25, Rettich 5 bis 20 Pfennig.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 8 Ahr, Gastspiel des Bad-Rauheimer Kurtheaters „Rur kein Skandal". — Bauerscher Gesangverein: Zusammenkunft, Cafe „Astvria". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Mädchenhändler in Afrika". — Astoria-Licht- spiele: „Warum soll er nicht..
** Ablösung von Anleihen. In der Zeit vom 2. August bis einschließlich 1. Rovember b. I. kann die Anmeldung des Altbesitzes von Anleihen der Länder, Gemeinden und Gemeinde- Verbände bei den Gießener Bankinstituten erfolgen. Als Altbesih gelten Werte, die seit 30. Juni 1920 ununterbrochen Eigentum der derzeitigen Besitzer waren, worüber bei Antragstellung Beweis zu führen ist. Der Antrag muß in jedem Fall persönlich gestellt werden. Wir verweisen im übrigen auf die gestrige Anzeige.
** Der 3000. Gast im Flug-Kaffee. Polizei-Obersekretär i. R. Sier, Roonstrahe 34,
war am Sonntag der 3000. Gast im Flug-Kaffee. Ihm wurde, wie bisher jedem 500. Besucher, ein Freiflug nach Kassel oder Frankfurt a. M zugesprochen.
** Vorführung eines Motor- sprengwagens. Gestern nachmittag hatte die Stadtverwaltung Vertreter des Gießener Der- kehrsvereins und der einheimischen Presse zur Besichtigung eines neufonftruierten, motorisch betriebenen Sprengwagens eingeladen, der zum Zwecke einer Probevorführung am Oswaldsgar- ten im Hof der Feuerwache aufgestellt war. Es handelt sich um einen Daimler-Spreng- und Spülwagen mit ganz neuartiger Arbeitsweise. Der auf einem Fahrgestell für 5 Tonnen Ruhlast montierte Wasserkessel faßt 5000 Liter und ist hinten und an jeder Seite mit je einem Drause- körper versehen. Mit Hilfe einer vom Fahrmotor aus angetriebenen Zentrifugalpumpe lassen sich Sprengbreiten bis zu 24 Meter erzielen, ledoch ist die Vorrichtung je nach Bedarf für enge und breite Straßen einzustellen. Der Wagen, der sich übrigens durch einen modernen sog. Rihelantrieb auszeichnet, konnte innerhalb 5 Mi- nnten gefüllt werden; es werden hierzu nur 3 Minuten benötigt, wenn die Pumpe zum Anfängen und damit zum Selbstfüllen (ettoa in der ~aim) benutzt werden kann. Außer öcr-tiQQnalen Sprengvorrichtung ist der Wagen mit einer Spülvorrichtung ausgestattet, die, mit einer Geschwin- bigfeit 12 bis 18 km/(5tun&e das Wasser gegen Die Fahrbahn strömen läßt, wodurch der Schmutz nr Bordschwellen gespült wird und in die l%ong[$a$te abfließen kann. Außerdem ist der Wagen, übrigens ein gutgebautes, statt- Uches Fahrzeug von bemerkenswerter Wendigkeit als Feuerlöschsprihe zu verwenden und erreicht als solche eine bedeutende Wurfweite. Der Probewagen arbeitete bei der Vorführung in allen Funktionen tadellos und exakt, sowohl im Spülen, d. h. der eigentlichen Straßenr einigung, als auch im Sprengen, sowie bei der Feuerlösch- probe. Die Vorführungen erfolgten zunächst am Oswaldsgarten, später in der Ludwigstraße und (als Steigungsprobe) in der Ebelstrahe; endlich schloß sich eine Umfahrt durch den Anlagen- gurtel an. Die Vorführungen erregten natürlich allenthalben nicht nur das rege Interesse der Geladenen, sondern auch des Straßenpublikums. (Zumal die Jugend nahm an der Spritz-Fahrt regen Anteil.) Man wird, ehe man sich zu einem -Ankauf entschließt, in den nächsten Tagen Gelegenheit haben, die Vorführungen eines anderen Sprengwagens in Augenschein zu nehmen.
** Turnverein von 1846. Rur noch wenige Tage trennen uns von der 80jährigen Jubelfeier. Die Vorbereitungen für den 7. und 8. August sind soweit beendet, so daß die Veranstaltungen an beiden Tagen einen würdigen Verlauf nehmen werden. RWge der 7. und 8. August ein Markstein sein in der Geschichte des alten Turnvereins von 1846, und mit dem alten Wahlspruch „ Frisch, fromm, fröhlich, frei“ wollen wir an beiden Tagen zeigen, daß deutscher Wille und deutsches Tun und Treiben noch beseelt ftt vom Geiste Vater Jahns. Die Riege der Besten des Mittelrheinkreises wird von nachstehenden Turnern gestellt: Höflich, Mainz-Kost- beim, Pfeiffer, Frankfurt, Bunt, Wiesbaden, Hahn, Esch, Gebrüder Menz, Mainz, Kretz, Mainz, Ries, Ridda, Hofmann, Rürnberg, Steinmüller, Rürnberg und Reuter, Gießen.
.. ’* .®'cr Schottener S ommermarkt findet Vn althergebrachter Form am Montan, 9. August, als Pferde- und Rindviehmarkt, Diens- tag.10. August, als Rindvieh- und Schweine- Mittwoch, 11. August, als Krämermarkt und Volksfest statt. Es ist zu erwarten, daß der Markt gut besucht wird und seine alte Anziehungskraft ausübt. (vgl. die gestrige Anzeige.)
** Personalien. Auf Grund des § 1 des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten vom 2. Juli 1923/19. Dezember 1923 in der Fassung des Gesetzes vom 8. Oktober 1025 (R.--G -Bl ©. 249) treten am 1. August 1926 in den dauernden Ruhestand die im einstweiligen Ruhestand befindlichen Rektor Adam Kredel zu Bad°Rau° heim und Lehrer Georg G e ck zu Trais-Horloff, Kreis Gießen.
Fünfzig Fahre „FreiwilligeFeuerwehr" Lollar.
<5 Nach längeren Vorarbeiten beging am Sonntag die Lollarer Freiwillige Feuerwehr ihr 50 jähriges Stiftungsfest. Da mit dieser Veranstaltung der Verbands tag des Kkeisverbandes der Fre-fwilligen Feuerwehren im Kreise Gießen verbunden wurde, waren die Erwartungen für diesen Tag keine geringen. Reges Leben und Treiben herrschten den ganzen Samstag von früh bis spät in den Straßen. Unter Beteiligung der gesamten Einwohnerschaft und einiger Delegationen auswärtiger Wehren nahm das Fest am Samstagabend seinen Anfang. Das Übliche Abholen der Vereine von ihren einzelnen Lokalen mit Musik gestaltete sich wie zu einer Kundgebung für die Feuerwehr. Auf dem großartig angelegten Festplah entwickelte sich ein Programm, bei dem Wohl ein jeder auf seine Rechnung kommen konnte, und das das Wirken der einzelnen Vereine im besten Lichte zeigte. Rach einer Begrüßung durch den 1. Kommaiidanten Gerh. Rohrbach, der ein kräftiges „Gut Wehr!" für die noch lebenden vierzehn Grü.nder folgte, fand das Ortsoberhaupt, Bürgermeister Schmidt herzliche Worte des Willkommens. Lebhafte Anerkennung zollte er der Tätigkeit der Freiwilligen Feuerwehr und wünschte weiteres gutes Gedeihen im Interesse der Allgemeinheit. Mit kurzen Worten streifte er die Verhältnisse, die bei der Gründung der Wehr bestanden. Schwere Zeiten hatte damals die Wehr durchzumachen. Doch Opfersinn und Hingabe führten zu großem Erfolg, trotz dem heute nicht zu verstehenden, kleinlichen Verhalten einer damaligen Gemeindevertretung. Mit freudig aufgenommenem „Gut Wehr!" für den Gastgeber schloß die Rede. Anschließend folgten noch einige Ansprachen mit Geschenküberreichungen. Der Sonntagvormittag sah nun die Delegierten der freiwilligen Wehren des Verbandes int Kreise Gießen zu ernster Arbeit versammelt. Kurz nach 10 Uhr konnte der Vorsitzende des geschästsführenden Ausschusses den 6. Herbstverbandstag eröffnen. In seiner Begrüßungsansprache entbot er besonderen Gruß dem Regierungsvertreter, Ober-Reg.-Rat Dr. Hetz, den anwesenden Bürgermeistern aus dem Kreis, sowie den Vertretern aus anderen Feuerwehrverbänden.
Rach Feststellung der sahungsmäßigen Einberufung des Verbandstages wurde durch den Vorsitzenden Fr. Wenzel die Berichterstattung gegeben. Erfreulich war dabei, zu hören, daß in mehreren Orten des Kreises Gießen freiwillige


