Ausgabe 
3.6.1926
 
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Donnerstag, 3. Juni 1926

176. Jahrgang

Ur. 127 Erster Blatt

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr.

Chefredakteur

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil § ans Iüstel, sämtlich in Gießen.

Erscheint täglich,außer

Äichcner Aiizclgcr scheineneinztlnerRummern Jy WW

Infolge höherer Gewalt

MM General-Anzeiger für Oberhefien richten: Anzeiger Stehen. 8ranth,°rt«mmaii°ii686. vntck tittbVerlag: Brüt)ljd)c Univerfitätr-Vuch- unö Steindrucker« R. Lange in Sietzen. Schnstleitung uni, Seschästrftelle: Schalftratz« 7.

Atempause des Kabinetts Briand.

England und Aegypten.

Die Genfer Arbeitskonferenz.

Genf, 2. Juni. (WB.) Der heurige Tag brachte nach weiteren Reden der Vertreter des Fernen Ostens, Südafrikas und Süd- amerikas, die im wesentlichen die Arbeitver- hältnisse und die Arbeitsbedingung in ihren Län­dern darlegten, den Abschluß der allge­meinen Aussprache über den Jahres­bericht des Direktors des Internationalen Ar­beitsamtes; Albert Thomas. Aus den Reden der Schlußdebatte sind die Ausführungen des Präsidenten der italienischen faszisrischen Gewerk­schaften, Rossoni, bemerkenswert, der unter starker Betonung der gründ hlichen Bereitwil­ligkeit des saszistischen Italiens zur Zusammenarbeit mit dem Internationalen Ar- beitSamtc, von der Konferenz die Anerkennung seines Mandats als Vertreter der italienischen Arbeiterschaft forderte und die Gelegenheit be­nutzte, um das neue italienische Gewerkschafts- geseh, das im Interesse des Staates sowohl die Streiks als auch die Aussperrungen verbiete, in seinen großen Linien darzulegen. Schließlich gab vor Abschluß der allgemeinen Aussprache der französische Regierungsvertreter Fontaine eine kurze Erklärung über die Washingtoner Kvnventien betreffend den Achtstundentag ab, wobei er betonte, daß der Umftanb, daß die französische Gesetzgebung bereits den Acht­stundentag fast allgemein gewährleiste, von der französischen Regierung nicht als Grund zur Richdratifizierung der Washingtoner Konvention angesehen werde. Sie sei vielmehr der Meinung, daß die Ratifizierung dieser Konvention im Interesse sowohl der Arbeiter als auch der indu­striellen Betriebe selbst notwendig sei. Dann ergriff der Direktor des Internationalen Arbeits­amtes, Albert Thomas, das Wort, um in einer langen Rede zu den in der 5>ebatte ange­meldeten Wünschen und Anregungen Stellung zu nehmen und die Tätigkeit Internationalen Arbeitsamtes zu schildern, die sich in allen Län­dern immer mehr fühlbar mache. Dabei erklärte er u. <l, daß ohne das Bestehen der Washing­toner Äonbention über den Achtstundentag und den dadurch ausgeübten Druck nach seiner Lieberzeugung wahrscheinlich einzelne Teile der Arbeiterklasse unter dem Druck der wirt­schaftlichen Röte der letzten Jahre den Achtstundentag verloren hätten.

Konflitt

auf der Abrüstungskonferenz.

Genf, 2. Juni. (TU.) Die militärischen Sachoerständigen der Abrüstungskommis- s i o n find in ihren geheimen Verhandlungen gestern nachmittag an eine bedeutsame grund­sätzliche Frage gekommen, bei der das Unter- ko m i t e e in zwei unversöhnliche La­ger zerfiel. Die französischen Sachverständigen, unterstützt von den japanischen und italienischen, wollten ein für allemal festlegen, daß die Re­servemannschaften nicht unter den Begriff bet Friedensrüstungen fal­len sollen, die nach dem Kommissionsbeschluh allein als Grundlage für die spätere Abrüstung angesehen werden. Die Sachverständigen der Ver­einigten Staaten von Amerika und Deutsch­lands stellten Hd) auf den entgegengesetzten Standpunkt und erklärten, daß alle Reser­ven ohne IreitcieS lei den Friedensrüstun­gen mitzählen müssen, weil es sonst, be­sonders unter Berücksichtigung einer verkürzten Dienstzeit, wie sie z.B. in Frankreich ge­plant ist, möglich wäre, bei einem relativ kleinen stehenden Heere über unge­heuere Zahl von ausgebildeten Mannschaften zu verfügen, die jeden Augen­blick mobil gemacht werden können.

Der englische Sachverständige versuchte zu vermitteln und wollte die Sache vertagen, da sie ohnehin bei den späteren Fragen wieder würde behandelt werden müssen. Der französi­sche Sachverständige verlangte aber, ebenso wie übrigens der deutsche und amerikanische, wenn auch aus ganz verschiedenen Gründen angesichts der prinzipiellen Bedeutung, die völlige sofortige Entscheidung. Die Debatte wird morgen nach­mittag weitergehen. Das Unterkomitee steht aber vor einer überaus ernsten Schwierigkeit, die, wenn auch anzunehmen ist, daß sie zunächst einmal hinausgeschoben werden dürste, die Losung der Abrüstungsfrage schon am Beginn stark gefährdet.

Kritische Lage in Portugal

Paris, 2. Juni. (WB.) General Gomez Costa hat allen Divisionskommandeuren telegraphisch mitgeteilt, die gegenwärtige Regierung werde mit Major Cabecadas gerade gebildet. Cabecadas sei der Führer der Revolutionäre in Portugal, den der Präsident der Republik als für die Regierung in Frage kommend be­zeichnet habe. Cabecadas verdiene das Ver­trauen des Heeres jedoch nicht. General Gomez Costa ziehe daher sieben Divisionen in der Um­gegend von Lissabon zusammen, um dort einzu­ziehen und der gegenwärtigen Revolution ihren wirklichen Charakter zu geben.

Der Präsident der Republik hat folgendes Schreiben an den Chef der Regierung, Major Cabecadas, gerichtet: Da die öffentliche Ordnung vor Gewalttätigkeiten und Zusammenstößen gesichert ist, und Ihnen, Herr Major, die Bildung eines neuen Ministeriums anvertraut ist, und da die Re­publik zu Ihnen Vertrauen hat, ist es mir unmög­lich, meinen Posten weiter zu führen. Dieses .Schreiben ist am 31. Mai im Nationalpalast von

Das Kabinett Briand hat in der gestrigen Kammersitzung, in der erneut die Frage der 23er- chiebung der Finanzdebatte aufgerollt wurde, zum zweiten Mole ein Vertrauensvotum erhalten und damit Zeit gewonnen, seine Maßnahmen zur Sa­nierung des Franken durchzuführen. Eine Klärung dcr politischen Lage ist damit allerdings kaum er­reicht worden, zumal es Briand nicht gelungen ist, die Radikalsozialisten, die eine Reihe Minister sei­nes Kabinetts stellen, geschlossen für sich zu ge­winnen. Auch diesmal setzt sich die Mehrheit aus den Rechtsparteien und den gemäßigten Mittelpar­teien zusammen, während nur etwa zwanzig Ra- dikalspzialisten für die Regierung stimmten. Die Tatsache, daß ein Teil der Radikalsozialisten ent­gegen dem Parteibeschluß sich bei der Abstimmung nicht der Stimme enthielten, zeigt sehr deutlich, daß die Partei gespalten ist, wenn sich auch Schlüsse auf eine endgültige Spaltung der Partei daraus noch nicht ziehen lassen. Auf alle Fälle zeigt aber die Abstimmung, daß das Linkskartell nur noch dem Namen nach besteht und daß Briand gezwungen ist, mit einer ausgesprochenen Rechtsmehrheit zu regie­ren. Die Unzufriedenheit mit der Finanzpolitik be­herrscht aber die große Mehrheit der Linksparteien und nur dem sehr energischen Auftreten Briands und der Drohung mit dem Rücktritt des Kabinetts ist es zuzuschreiben, daß die Zahl der Stimmenthal­tungen nicht größer war und das Vertrauensvotum in Frage stellte. Dabei muß außerdem noch berück- ichtigt werden, daß die Zustimmung der Rechten keineswegs aus einer Zufriedenheit mit der Finanz­politik des Kabinetts hervorgegangen ist, denn auch dort ist man sich darüber einig, daß die Maßnah­men der Regierung keineswegs geeignet sind, die Finanzkrise dauernd zu beseitigen. Aber der Um­schwung im Rif, die gescheiterten Verhandlungen in Udjda und die dadurch erzwungene Kapitula­tion des Rifführers wirken noch nach. Schon dar- aus ergibt sich, daß die politische Lage nicht geklärt ist, daß Briand nur eine Atempause bekommen hat, die er neben den Erfolgen in Marokko seinem ener­gischen Auftreten zu verdanken hat und wohl auch dem Hinweis darauf, daß noch vor Ablauf dieses Monats die Finanzdebatte in der Kammer eröffnet wird. Bis dahin werden die Parteien noch genug Gelegenheit haben, in den Kommissionen die F' nanzprojekte nach ihren Wünschen zu modeln. B'.s dahin wird allerdings auch die Marokkofrage schon wieder ein anderes Gesicht bekommen haben. So einfach wird sich die Sache nicht abwickeln, daß nun mit der Gefangennahme des Rifführers auch die Feindseligkeiten in Marokko aufhören werden. Gegen die Spanier führt, ein Teil der Rifstämme weiter Krieg, weshalb auch die Spanier eine Er­neuerung des Madrider Vertrages wünschen, der die Franzosen zu weiterer militärischer Hilfe zwingt. Außerdem drohen die großen Auseinandersetzungen mit den Alliierten über die Liquidierung der Ma- rokkosrage. Italien hat ja seine Wünsche schon sehr deutlich angemeldet, so daß wohl anzunehmen ist, daß das diplomatische Nachspiel vielleicht schlimmer wird als das Militärabenteuer selbst. Die Spanier und Franzosen werden sich nicht ganz in der Stille allein in Marokko einrichten können, wenigstens nicht ohne Italien für einen Verzicht in Marokko Ersatz zu leisten, der sicher nicht unerheblich ist. Die Gelegenheit ist für Italien sehr günstig, seine weit­gehenden Kolonialansprüche zu befriedigen. Wenn diese Auseinandersetzungen kommen, wird Briand auch im Innern auf neue Schwierigkeiten stoßen und es ist fraglich, ob ihm dann die Rechte noch Gefolgschaft leistet und zu einem Vertrauensvotum gegen die Linke verhilft.

Die gestrige ttammersitzung.

Paris, 3. Juni. (TU.) Die Kammer be­schäftigte sich am Mittwoch zunächst mit dem Bericht des Abg. G a m a r d über den Armee- bestand an Militärflugzeugen. Der Berichterstatter wies u. a. darauf hin, daß, obwohl seit 1920 bis 1925 zum Ankauf von Flugzeugen durch das Kriegsministerium 1,35 Milliarden Franken ausgegeben worden seien. 1926 noch Flugzeuge vom Typ 1918 verwandt werden und daß noch dieselben Motoren im Gebrauch seien. Es kam zu einem erregten Zwischenfall, als der Abg. D e l t i l dem Kriegsmini st er Rachlässigkeit in die­sem Punkt vorwarf. Painleve antwortete heftig daraus. Deltil erklärte, Painleve stelle eine öffentliche Gefahr dar. Der Redner wurde zur Ordnung gerufen. Zum Schluß der Sitzung ersuchte der Ünterstaatssekrctär für das Flugwesen, die Schlußfolgerungen des Berichterstatters zu widerlegen. Die Debatte wurde vertagt. Ein kommunistischer Interpellationsantrag über die Lage der Eingeborenen in Tunis wurde mit 370 gegen 150 Stimmen abgelehnt. Die Kam­merkommission für auswärtige Angelegen­heiten beschloß, den Ministerpräsidenten Bri­and fobals als möglich zur Frage desdeutsch- russischen Vertrages zu hören. Der französische Oberkommissar in Syrien, de I d u - venel. soll aufgefordert werden, einen Bericht über die Lage in Syrien zu erstatten. Paul

Belem vom Präsidenten der Republik unterzeichnet worden.

Die Eidesleistung Moscickis.

Warschau, 2. Juni. Die für Freitag mit­tag 12 Ufjr vorgesehene Eidesleistung des neuen Präsidenten Ignatz M o s c i ck i wird nicht im Landtagsgebäude sondern im gro­ßen Empfangssaal des an der Weichselbrücke ge-

B o n c o u r soll über den Stand der Arbeiten der vorbereitenden Abrüstungskonferenz gehört werden. Die Kommission beschloß ferner die Einsetzung eines gemischten Ausschusses zur Berichterstattung über die Einführung des Pe­troleummonopols.

Die Pariser Blatter zur Abstimmung.

Paris, 2. Juni. (WB.) Die gestrige Ab- timmung in der Kammer wird von den Morgenblättern eingehend kommentiert.

ImJournal" wird ausgeführt: In der Kammer des nationalen Blocks vollzog sich im Lause der letzten Monate seiner Existenz eine Entwicklung nach links. Ist nun in der jetzigen Kammer des Kartells der Linken schon nach zweijähriger Tätigkeit eine Entwicklung nach rechts erfolgt? Man muß es annehmen, wenn man das Ergebnis der Abstimmung in Betracht zieht, die am 19. Juni 1925 erfolgte. Briand suchte nicht die Mehrheit der Rechten. Mit Leidenschaft hat er gestern von der Kammer die Abstimmung, die die nationale Einigkeit bewies, gefordert. Er tat das Menschenmögliche, um sie zu erzielen. Einige Radikale, darunter der Alterspräsident Pinard. haben sich dazu bereit­gefunden, aber die meisten zogen es vor, Taten Briands abzuwarten.

ImPetit Parisien" heißt es, die Frage, ob beim wirklich die Formel: Keine De­batte während der Schlacht für den Franken! die linksstehende Opposition leitete, ist mit Rein zu beantworten. Das Gegenteil wäre bewiesen, wenn eine Mehrheit von fast 450 Stimmen vorhanden gewesen wäre, aber der Sozialist Vincent Auriel erklärte, daß es sich gestern um eine Doktrin, handele.

DasOeuvre" schreibt: Die gestrige Mehr- hett seyt sich ta.sächlich nicht ausschließlich aus Republi'anern zusammen. Ist das die Schuld DricmDO? Er hätte es ohne Zweifel vorgezogen, wenn diese Abstimmung keinen politischen Cha­rakter getragen hätte. Er bat die Kammer, sich ohne Rücksicht auf Parteigrundfätze auszuspre­chen, aber es scheint, baß das unmöglich ist. Attes hängt nun vom Ergebnis der Bemühunge t um die Finanz, anierung ab. Wenn Briand und Pöret Erfolg haben, wird das ganze Land ihnen rückhaltlos sein Vertrauen aussprcchen. Auch die linksstehenden Abgeordneten, die gestern ihre Stimme Briand verweigerten, werden sich ihm dann nicht entziehen.

ImQuotidien" heißt es: Der Mi­nisterpräsident verlangt drei Wochen Zeit für die Aktion, von der er die Stabilisierung der französischen Währung, und für die Reformen, von denen er das Heil erwartet. Der Einsatz ist zu beträchtlich, als daß man sich der Be­teiligung entziehen könnte. Die Kammer, die die Lage so ausfaßte, schob ihre Entscheidung auf.

DerFigaro" schreibt: Der parlamen­tarische Erfolg Briands ist nur das Vorspiel. Er gibt ihm und das ist viel die Möglich­keit eines Sieges bei der kommenden Finanz­debatte. Die nationale Mehrheit, die gestern Briand unterstützte, wird sich wieder finden und festigen, wenn der Kampf für die Auswertung des Franken mit der Energie durchführt, mit der er gestern in seiner Rede gegen die kämpfte, die Frankreich den Lebensnerv abschneiden.

In derVolonte" heißt es: Für Briand ist der politische Kampf gewonnen, ohne daß er wirklich begann. Das Land atmet auf, denn die Rettung und Heilung des Franken wird jetzt ohne Hindernisse durchgeführt werden kön­nen. Es geht aus der gestrigen Debatte hervor, daß eine Kartellierung von nun an unmöglich wurde.

Vorläufige Sicherung.

Paris, 2. Juni. (TU.) Die Lage des Kabinetts Briand ist nach der Auffassung der Pariser Mittagsblätter nunmehr bis Ende des Monats gesichert. Es ist möglich, daß die Regierung bei der kommenden Aussprache der inzwischen beschlossenen Finanzmahnahmen eine noch größere Mehrheit erhält, da die Radikalsozialisten sich gestern größtenteils der Abstimmung enthielten. Die Radikalsozialisten werden heute erneut zusammentreten, um über ihre Haltung gegenüber dem Kabinett Briand zu verhandeln. Sie wollen sich vor allen Dingen darüber schlüssig werden, ob ihre Mitg lieber im Kabinett zum Rück­tritt veranlaßt werden sollen oder nicht. Rach dem offiziellen Abstimmungsergebnis haben 7 Radikalsozialisten. 11 republikanische Sozialr- ste.r, 98 Sozialisten und 31 Kommunisten gegen die Regierung gestimmt. Der Stimme ent­halten haben sich 88 Radikalsozialisten. 6 repu­blikanische Sozialisten und ein Mitglied der radi­kalen Linken.

legenen alten königlichen Schlosses vor sich gehen. Der Feier wird auch das diplomatische Korps, die Presse und Teile der Bevölkerung beiwohnen. Der neue Präsident wird, wie die Abendblätter erfahren, nicht wie fein Vorgänger im Belvedere, sondern in dem erwähnten königlichen Staats- schloh Wohnung nehmen. Auch für den Mar­schall Pi 1 sudski wird im gleichen Schloß eine Wohnung hergerichtet werden.

Die Forderungen Zagluls Paschas.

London, 2. Juni. (TU.) Die englische Presse beschäftigt sich eingehend mit der Lage in Aegypten und zeigt sich über die Vor­gänge äußerst besorgt. Mit dcr Spaltung Zagluls Paschas ist man sehr unzu­frieden und befürchtet weitere Schwie­rigkeiten, da Zaglul Pascha nicht gewillt ist, auf die Kabinettsbildung zu verzichten. Man glaubt daß er sich für fein Kabinett Mitarbeiter wählen wird, denen politischeDerganaen- beit und englandfeindliche Ernste 1 - lung das größte Mißtrauen in Eng­land Hervorrufen müßte. In englischen Kreisen rechnet man ferner damit, daß Zaglul Pascha die volle Unabhängigkeit Aegyptens zu erreichen versuchen wird und den englisch-ägyp­tischen Vertrag vom Jahre 1922 nicht anerkennen wird. Das englische Kabinett hat sich bereits mehrmals in längeren Sitzungen mit der ägyp­tischen Frage beschäftigt und dem Oberfommiffar die nötigen Weisungen erteilt. In englischen po­litischen Kreisen rechnet man damit, daß die Regierung entschlossen fei, alles zu tun, was zur Stützung der englischen Interessen in Aegypten notwendig sei.

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Wie Reuter erfährt, hat die b r i t i s ch e R e - gier un g an die ägyptische Regierung eine Rote gerichtet, in der sie mitteilt, daß sie sich ihre Stellungnahme zu dem Urteil wegen der Ermordung des Sirdar vor­behält. es jedoch vorläufig nicht als einen Be­weis der Unschuld von vier Angeklagten hin­nimmt. Ferner behält sich die britische Regierung volle Freiheit vor. alle von ihr für notwendig gehaltenen Schritte zur Gewährleistung der Sicherheit der Fremden in Aegypten zu unternehmen. Das britische SchlachtschiffRe­solution" hat Befehl erhalten, nach Aegypten auszulaufen. Mehrere andere Kriegsschiffe sollen sich zur Ausfahrt bereit halten.

Die englische Kohlenfrage.

London, 3. Juni. (WTD. Funkspruch.) Daily Telegraph" und andere Blätter berichten, daß ein Schritt der Grubenbesitzer be- vorstehe. Der Sekretär des Bergarbetterver- Handes Cook hat übrigens offenbar ohne Kennt­nis von einer bevorstehenden Wieder­aufnahme der Verhandlungen gestern in einer Rede den Premierminister aufgefordert, eine Regelung unter den alten Arbeitsbedin­gungen zu erzwingen. Es verlautet, daß die Grubenbesitzer Vorschlägen, ein kleiner Ausschuß aus Vertretern der Grubenbesitzer und der Berg­arbeiter solle unter einem neutralen Vorsitzenden die Bedingungen prüfen, unter denen die Arbeit wieder aufgenommen wer­den könne. Die Einzelheiten der Vorschläge der Arbeitgeber sind noch nicht bekannt.

Der parlamentarische Korrespondent des Daily Telegraph" meldet, daß der erwartete Schritt zur Regelung des Kohlenstreites un­mittelbar bevorstehe. Das ArbeiterblattDaily Herald" erklärt, daß die Stockung in den Verhandlungen andauere. Die Arbeiter widersehen sich nach wie vor einer Herab­setzung der Löhne.

Unterhausdebatte über den Ausnahmezustand

London. 2. Juni. (211.) 3m Unterhaus wurde heute die Bekanntmachung des Königs verlesen, die den Ausnahmezustand, der am 30. April aus Anlaß der Eröffnung des Generalstreiks verhängt wurde, um einen Mo - nat üerlängert. Macdonald sprach ge­gen die Verlängerung des Ausnahmezustandes. Der Liberale Kennworthy bezog sich auf die ausgezeichnete Haltung beider Parteien während des Streiks und erklärte, die Beibehaltung des Ausnahmezustandes erübrige sich. Der Innen­minister erklärte, er müsse der Regierung Recht geben, wenn sie sich, da der Kohlen streik anbaute und noch immer das ganzeLand in Unruhe halte, auf alle Fälle schütze. Die Durchführung der Sparvorschriften sei ja auch nur Unter der Ausnahmeverordnung möglich.

Das Unterhaus nahm nach Abschluß der Debatte über die Proklamation des Königs, nach der der Ausnahmezustand verlängert wird, den Antrag des Innenministers mit 249 gegen 10 0 Stimmen an, dem König den Dank des Hauses für den Erlaß der Ver­ordnung auszusprechen.

Demission des schwedischen Kabinetts.

Stockholm, 2. Juni. (TU.) Der Reichstag beschäftigte sich in einer lebhaften Debatte mit der Arbeitslosenunter st ützung. Die Vertre­ter aller bürgerlichen Parteien sprachen sich gegen bie Regierungsvorlage aus. Nur die So­zialdemokraten befürworteten die Vorlage. Die vor­wiegend unter sozialdemokratischen Einfluß stehende Regierung hat wegen der Erwerbslosenunter­stützung die Kabinettsfrage gestellt und ihre D e - Mission eingereicht. Der König hat die De­mission angenommen und wird zunächst mit den Parteiführern über die Neubildung des Kabinetts verhandeln.