Der jüngere Recknagel blintzelte vergnügt nach seinem Vater hin: „Es ist vielleicht besser, Kaptein,' meinte er dann, „wann Sie gar nicht erfahren, wie die Zeit für Sie gearbeitet hat. Nicht, wahr, Papa? Wieviel brauch^ Sie denn momentan, Freund Hinriks?"
Wieder gab sich der Seemann einen Ruck. „Wenn Sie' so rund hundertfünfzig Milliönchen entbehren könnten, wäre es mir lieb. Nun war es heraus — die Arbeit war schwerer als Tauwinden.
„Hundertfünfzig Millionen? kaptein, das halten Sie wohl für bannig viel Geld, nid)?" Der alte Recknagel klopfte Onkel Otto jovial auf die Schulter.
„Ja — vel schall bat wohl sin — aber billiger kann ick's nich daun!"
Ein brausendes Gelächter war die Antwort.
„Guter, lieber Hinriks," sagte Recknagel senior, „wenn Sie nicht mehr als hundertfüns^ig Milliönchen nötig haben, damit Ihre Pip wieder Rauch gibt, dann brauck)en Sie Ihr schönen Parten gar nich zu verkloppen! Die klettern nämlich mit dem Dollar von Tag zu Tag um die Wette, und wenn das Klettern so weiter geht, dann wird Onkel Otto am Ende gar noch ein übermütiger Mann!"
„Gott soll mi bewahren!" rief Hinriks in komischem Entsetzen.
„Glauben wir auch im Ernste niemals", versicherte der junge Recknagel. „Wissen Sie was, Kaptein," fuhr er fort, „über die hundertsün^ig Millionen kriegen Sie einen Scheck auf die Rostocker Bank. Wie wir das nun machen, ob wir Ihnen die Papiere beleihen ober so, bas wird Ihnen Jacke wie Hose sein, nich?"
„Machen Sie bat, wie Sie 's |ür gut hollen, meine Herren — bloß man nich —
„Wat bloß man nich, Ohm Otto?"
„Bloß man nich, bat ick mir schämen muß!*
„Unsinn, Kaptein! Wir schenken Ihnen nichts! Und was Sie heute per Scheck erhalten, wird Ihnen angefreibet, verlassen Sie sich brauf! Sie ünb jetzt unser Schulbner und" — der alte Herr machte ein drollig-ernstes Gesicht — „wehe Ihnen, wenn, na, wenn Sie nicht wieberkommen und mehr verlangen!"
(Fortsetzung folgt.)
gterung nicht selbst wiederholt den Tl-Doot-Krieg sabotiert hätte".--
Churchill sagt über den Krieg: „Es war ein gleiches Rennen bis zum Ende, aber am Ende sind wir sicher durchgekommen, weil die ganze Ration unverwandt zusammenhielt. Je mehr wir von dem Kampf erfahren, um so mehr erkennt man, an welch kleinem, dünnen, gefährlichen Fädchen unser Erfolg hing!" — —
In der Kraft unserer Flotte, deren Aeber- legenheit in Material und Durchbildung der Engländer durch viele Stimmen anerkennt, lag bis zur letzten Stunde die Entscheidung gegen England.
Oderhessen.
Landkreis Bietzen.
ck. H e u ch e l h e i m , 2. Febr. Am Samstag- nbcnb feierte der Gesangverein Lieber- kränz sein diesjähriges Winterfest in dem großen Saale der neuerbauten Turnhalle. Das Programm bestand aus verschiedenen Chören der aktiven Sänger, die Theaterabteilung wartete mit der bekannten ^rkalposse „Der tolle Hund" von Niebergall auf, den Schluß bildete der übliche Tanz. Die Chöre wurden unter der Leitung des Dirigenten Gerlach-Gießen in musterhafter Weise vorgetragen. Mit Befriedigung konnte man feststellen, baß der Saal eine >ehr gute Akustik hat und daß er den Ansprüchen, die man an einen Saal zum Vortrag von Chören stellt, in jeder Weise gerecht wird. Die Aufführung der Lokalposse stellte die Theaterabteilung vor eine sehr schwere Aufgabe, die in glänzender Weise gelöst wurde.
* Großen - Linden, 2. Febr. Ortsgerichtsmann und Feldgeschworener Ludwig Velten V. dahier feierte gestern in voller Gesundheit seinen 8 8. Geburtstag.
/ Watzenborn-Steinberg, 2. Febr. Einen harmonisch verlaufenen Familienabend veranstaltete im Saale zum „Goldenen Löwen" der hiesige Kriegerverein. Rach einem einleitenden Musikvortrag begrüßte der Vorsitzende Schäfer in herzlichen Worten die Teilnehmer. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Lichtbildervortrag über den „Seekrieg 1914—16“, den Pfarrer Staubach übernommen hatte. In 60 kolorierten, farbenprächtigen Bildern zogen die Taten unserer blauen Jungens an unserem Auge vorüber, und mancher neue Eindruck wurde durch die Bilder vermittelt. Die beiden Teile des Vortrags schlossen mit den Liedern vom „guten Kameraden" und dem „Morgenrot". Das Ganze klang aus wie die Mahnungn zur Einigkeit und Treue. Den Rest des Abends füllten vortrefflich vorgetragene Musikstücke und mehrere Vorträge ernster und heiterer Art aus. Die Veranstaltung war getragen vom Geiste echter Kameradschaftlichkeit, wie er in unseren Kriegervereinen heimisch ist.
-t- Watzenborn, 2. Febr. Der Ge- sängverein Sängerkranz feiert in diesem Jahre das Fest seines 5 0jährigen Bestehens und verbindet damit einen Gesangs- wett streit, der am 12., 13. und 14. Juni stattfindet. Sonntag fand im Saale der Wastwirt- schäft „Zum goldenen Stern" die Vertreterversammlung der wettstreitenden Vereine statt. Der festgebende Verein eröffnete die Tagung mit dem Sängergruß und dem Curtischen „Hoch empor". Die stattliche Sängerschar, die unter der Leitung des Lehrers Blaß, Großen- Linden, steht, nahm im Verlaus der Tagung wiederholt Gelegenheit, Proben ihres trefflichen gesanglichen Könnens zu Gehör zu bringen. Der erste Vorsitzende, I. Harnisch, entbot den Erschienenen den Willkommgruß, worauf der Dirigent des Vereins den Vorsitz übernahm und die Tagung leitete. An dem Wettstreite beteiligen sich 19 Vereine, darunter einer aus Rheinhessen. In den Stadtklassen fingen neun, in den Landklassen zehn. Insgesamt beteiligen sich etwa 1000 Sänger an dem Wettsingen. Der Antrag des Männergesangvereins Burgsolms, mit Rücksicht auf die leeren Vereinskassen statt der zwei aufgegebenen Chöre nur einen zu wählen, wird abgelehnt. Man will gerade die Pflichtchöre, die als ganz besondere Gradmesser für die gesanglichen Leistungen anzusehen sind, trotz erheblicher Mehrkosten nicht vermindert haben. Doch soll man seitens des festgebenden Vereins bestrebt sein, die dafür nötigen Ausgaben auf ein erträgliches Maß herabzudrücken. Außer den Klassen- und Ehrenpreisen werden vier Sein oder Nichtsein.
Ein Kriminalroman von der Wasserkante.
Von Moritz Schäfer.
11. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Ehe die Meuterer das Schiff in Brand stecken konnten, hatte die kaltblütige und umsichtige Defensive des alten Hinriks die Flamme der Empörung ausgetreten. Fünf Tote und mehrere Schwer- verwundete hatten die Reihen der Meuterer gelichtet, der Haupträdelsführer lag in Eisen und der Rest bat um Pardon. Ohne den Verlust auch nur eines einzigen Pferdes gelangte Hinriks mit seinem treu gebliebenen Steuermann, drei Matrosen und einem Schiffsjungen, die Meuterer in sicherem Gewahrsam, nach dem Heimathafen. Das Seeamt billigte sein Verhalten, die Aufrührer wurden zu schweren Freiheitsstrafen verurteilt, und die Firma Recknagel & Sohn erwies dem alten. Kapitän ihre dauernde Dankbarkeit. Nicht nur, daß Hinriks, ebenso wie seine Getreuen, eine materielle Belohnung erhielt — die Chefs der Firma, Vater und Sohn, zeichneten ihn auch durch persönliche Freundschaft aus. Sein Reeder war eine nüchterne Natur, er verstand es weniger, hen erprobten Seemann zu würdigen, und Hinriks, ein wenig verändert, ging alsbald nach der denkwürdigen Schärenfahrt in Pension. Aber Recknagel & Sohn hatten noch eine lieber rcischung für ihn in petto. „Kapitän," sagte der Seniorchef, als Hinriks in den Ruhestand trat, „wir bleiben in Ihrer Schuld! Bezahlen läßt sich das, was Sie für uns getan haben, nicht, aber mit schönen Reden und einer treuen Gesinnung, die wir Ihnen bewahren, ist Ihnen auch nicht gebient. Da haben wir so ’ne Idee, mein Sohn unb ich. Wir meinen, es freut Sie vielleicht ein bißchen, wenn wir ben Transportdampfer, den wir nachher für die Fahrten zwischen Rybnik und Malmö auf eigene Rechnung bauen lassen, wenn wir ben Kasten in bankbarer Erinnerung „Otto Hinriks" taufen. Ja, das ist Ihnen recht? Schön also, es bleibt dabei. Aber auch das ist nur eine halbe Sache. Sie müssen uns glei^-eittg gestatten, Ihnen ein paar Schiffsparten auf den „Otto Hinriks" so quasi als Ehrensold anzubieten. Keine Gegenrede, Kaptain; Sie haben Ordre zu parierens
Hauptehrenpreise ausgesungen, von denen zwei den Stadtklassen, zwei den Landklassen zufallen. Entscheidend ist die Punktzahl in den beiden auf- gegebenen Choren. Der Dirigenrenpreis fällt dem zu, der in der Auffassung bei sämtlichen Chören zusammen die höchste Punktzahl erreicht. Der festgebende Verein wurde ersucht, nach Möglichkeit einen zweiten Dirigentenpreis auszusehen, was auch zugesagt wurde. Die Tagung verlief äußerst anregend ohne irgend einen Mißklang.
)( Mainzlar, 2. Febr. Im Müllerschen Saale fand ein Familenabend des hiesigen Männergefangvereins statt. Die Gäste füllten den geräumigen Saal bis auf den letzten Platz. Der Vorsitzende, Ludwig Kreilinlg. begrüßte die Erschienenen. Der Verein erfreute unter Leitung seines Dirigenten Borger durch eine Anzahl sehr schön vorgetragener Chöre. Auch die Sologesänge und das Quartett gefielen sehr gut. Wesentlich zur Verschönerung des Abends trug die Kapelle Otter bei. Sie hatte ein auserlesenes Programm zusammengestellt, das sie mit feinem Verständnis und technischer Meisterschaft abwickelte. Sänger und Künstler ernteten reichen Beifall. Zur Erheiterung trug ein Theaterstück bei, das von jugendlichen Kräften in bester Weise gespielt wurde. Dem Mitglied Ludwig F i n d t überreichte der Vorsitzende eine Ehrenurkunde. Verlosung und Tanz bildeten den Abschluß der Veranstaltung.
X Wieseck, 1. Febr. Die Ortsgruppe des ReichsoerbanbesberKriegsbeschädig- ten unb Krieger Hinterbliebenen veranstaltete am Samstagabenb im Saal von Bierau einen in schöner Harmonie verlaufenen Familien- abenb. Der Vorsitzende, Reusch, begrüßte bie zahlreich erschienenen Besucher. Den musikalischen Teil bestritt unter ber Leitung seines Dirigenten Pfeif- f e r bas hiesige Mandolinen- unb Gitar- renorchester, ein Rezitator aus Gießen brachte Ernstes unb Heiteres. Auch eine Verlosung von Lebensmitteln unb Gebrauchsgegenstänben fehlte nicht. Für bie Gießener Gäste sprach ber Vor- sitzenbe bes Bezirksausschusses Schirmbeck - Gießen. Pfarrer Sattler ging in seiner Rede auf Ersuchen aus ber Reihe bei Kriegsbeschäbigten unb Kriegerhinterbliebenen auf die brennende Frage ber Schaffung einer roürbigen Kriegerehrung ein. Allseitige Zustimmung zeigte, baß man die von Seiten ber örtlichen kirchlichen Organe auf diesem Gebiet in Verbindung mit Kreisbaumeister Schneider geleistete Vorarbeit anerkannte und wünschte, daß die Sache im Zusammenwirken mit dem neuen (Semeinberat im laufenden Jahre gefördert wurde. Ein gleicher Wunsch richtete sich auf bie Sammlung ber Silber ber Kriegsopfer, bie auf ihren früheren, als vorläufig angesehenen Platz in der neuhergestellten Kirche nicht mehr zurückkehren können.
* L o 11 a r, 2. Febr. Am Sonntag fand bie bies- jährige Generalversammlung des Turnvereins Lollar statt. Nächdem ber 1. Vorsitzenbe, Bürgermeister Schmidt, die Mitglieder begrüßt und auch den Turnern für bie im Jahre 1925 errungenen Siege sowie bem Vorstanb für seine Arbeit Dank gesagt hatte, konnte ber 1. Turnwark Bericht über den Turnbetrieb im vergangenen Jahre erstatten. Der Verein beteiligte sich in 1925 an allen innerhalb des Lahn-Dünsberg-Gaues bzw. des Südwestdeut- schen Turnerbundes abaehaltenen Turnfesten. Das Jahr 1925 ist für ben Turnverein Lollar in bezug auf turnerische Leistungen als bas erfolgreichste feit Bestehen zu bezeichnen. Don aktiven Turnern, Zöglingen, Turnerinnen, Schülern und Schülerinnen würben in 1925 insgesamt 98 Preise errungen, darunter ein Ehrenpreis, fünf 1. Preise, sechs 2. Preise, acht 3. Preise, sieben 4. Preise und zwei 5. Preise. Ferner errang der Verein bei dem Bundesfest des Südwestdeutscyen Turnerbundes ben Wanderpreis des Bundes sowie ben 1. Preis im Musterriegen- turnen am Pferb. Außerbem nahm der 1. Turnwark an bem Meisterschaftsturnen bes Allgemeinen Deutschen Turnerbundes in Darmstadt teil und ging aus diesem Wettkampfe als 12. Sieger hervor. Bei der Vorstandswahl wurde ber langjährige 1. Vorsitzenbe unb Gründer des Vereins, Bürgermeister Schmidt, einstimmig als 1. Vorsitzender wiedergewählt. Ebenso traten bei ber Wahl des übrigen Vorstanbes keine befonberen Aenderungen ein. Dem wiebergewähtten 2. Vorsitzenben, L. Klinkel, würbe gleichzeitig die Leitung des gesamten, jetzt sehr umfangreich gewordenen Turnbetriebs übertragen. Besonderer Dank gebührt dem 1. Vorsitzenden, Bürgermeister Schmidt, für seinen am Schlüsse der Versammlung gehaltenen sehr interessanten Vortrag über das Leben, Leiben und Wirken des Turnvaters Jahn, denn nur wenige
Dagegen war nun nichts zu machen. Onkel Otto hielt zwar nicht ben Munb, sondern brummte allerlei unverständliches Zeug, aber er schüttelte Vater und Sohn bie Hände, daß bie Gelenke knackten.
Die Schiffsparten blieben in Hänben ber Firma: Hinriks kümmerte sich nicht um bie Papiere und wußte nichts von ihrem Kurs. Er kam mit feiner Pension aus, unb trotz ber Gelbentwertung reichte es noch zum Pipentobak. Von ben Geldwerten, bie für ihn in Recknagels Besitz steckten, sprach der Wackere zu niemand: er vergaß seinen Besitz beinahe selbst. Seine Steuereinschätzung machte ihm alljährlich bie Firma, Hinriks wußte nur mit nautischen Berechnungen Bescheib. Die Firma forderte auch jedesmal bie angeblich fälligen Steuersätze von bem alten Herrn ein, um ihn bie Last ber Zahlung abzunehmen. Daß die Raten in Wirklichkeit ein Vielfaches bes von ber Firma erhobenen Betrages ausmachten, brauchte der Wackere nicht zu wissen. Seine Parten lauteten ja noch auf ben Namen ber Firma als Inhaber, waren von ihr bei ber Reichsbank beponiert und mußten auch von den nominellen Inhabern besteuert werden. Das war, wie Recknagel & Sohn stillschweigend voraussetzten, ein nobile officium ber Geschenkgeber.
„Na, Kaptain," sagte Bernhard Recknagel, als man im Hafen des Firmakontors gelandet war, „nun schießen Sie mal los. Wo drückt der Schuh?"
„Es sollte uns freuen," fügte Herbert hinzu, „wenn wir Ihnen endlich mal ein Riesterchen auf= legen dürften."
„Schomakers haww ick freilich nich nöbig", antwortete der Alte. So ’ne Menge Stäbeln, als ick to hus stöhn heww, bat langt, bis ick afffegeln tu. Repraturen tun ook nich not, unb wenn eins, denn ging ich an 'ne andere Adreff."
„Uff," machte ber Seniorchef belustigt, „bas war ’ne "lange Vorreb'. So viel Haden Sie gewiß nich mal bei Ihre berühmten Brautens bies- unb jenseits gesnakt, Kaptein."
„Nee," sagte Henriks unb schmunzelte, „die hebben mi allens verstahn, wenn ich gornir (eggt heww." £
„Soweit haben wir's leider noch nicht gebracht, lieber Henriks."
ber Versammlung haben jebenfaUs gewußt, wie Turnvater Jahn für die edle Turnerei gewirkt, gekämpft und gelitten hat.
- ® aubringen, 2. Dez. In seinem Vereinslokal bei Gastwirt Weimer hielt der Gesangverein Saubringen sein diesjähriges Wintervergnügen in Gestalt einer Familienfeier ab. Die vielseitigen Darbietungen standen unter den beiden Gesichtspunkten ..Heimat — Vaterland" und ..Das deutsche Volkslied". Die Lieder des Vereins wurden unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer Eberle, Treis, präti tig zu Gehör gebracht und ernteten reichen Beifall. Im Mittelpunkt des ersten Teils der Gesamtdarbie- tungen stand ein Singspiel „Heimweh", das mit großer Hingebung gespielt wurde und bei allen allen Anwesenden großen Anklang fand. Einzelne Musikstücke wurden von der Kapelle Linker, Lollar, ausgeführt. Tanz hielt alt und jung noch einige Stunden zusammen. — Auf dem nahe gelegenen Hof Heiberts- hausen ist dieMaul-undKlauenseuche ausgebrochen: sie hat fast den gesamten Viehbestand befallen.
v. Londorf, 2. Febr. Am Samstag und Sonntag veranstaltete der Geflügel- und Kaninchenzuchtverein Londorf und Umgebung im Dögerschen Saale eine Ausstellung mit Prämiierung und Verlosung. Die Veranstaltung war sehr stark — über 200 Rummern — beschickt: man konnte ganz vorzügliches Material sehen, so daß der Preisrichter-, Verbandsoor- sihender Kolter aus Dad-Rauheim, keine leichte Aufgabe hatte. Am Sonntag war die Ausstellung aus der näheren und weiteren Umgebung sehr stark besucht. Die Veranstaltung fand all- seitige Zustimmung. — Am nächsten Sonntag findet hier der Delegierten tag des L a h n- talfängerbundes statt, zwecks Besprechung über das im Sommer dahier stattfindende Bundesfest.
: Beuern, 2. Febr. Am Sonntag veranstaltete der hiesige ONännergesang verein P o l y h y m n i a im Saale des Karl Dietrich fein Wintervergnügen. Der erste Vorsitzende des Vereins, Wilhelm Hermann, begrüßte Sänger und Gäste und pries in madigen Worten den Wert des Deutschen Liedes als einen Haupt- saktor, der heute in der Zeit des harten Existenzkampfes manchem helfen möge, über die schwere Gegenwart hinüberzukvmmen. In einem Hoch auf das Deutsche Lied klang seine Rede aus. Die zu Gehör gebrachten Chöre des Vereins, geleitet von feinem Dirigenten, Musiker Heinrich S ch o m- b e r von Beuern, fanden allseitigen Beifall. Zwei Mitglieder des Vereins. Beigeordneter Heinrich Arnold 5. und Schmiedemeister Heinrich Sch o m ber 5., wurden aus Anlaß ihrer langjährigen Zugehörigkeit zum Verein unter lleberrciqjung von Ehrenurkunden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Schauspiel in drei Akten: „Um der Ehre willen" von Hermann Reiselt. Sie Spieler gaben ihr bestes. Das Stück üble tiefe Wirkung auf die Zuhörer aus. Ferner fand eine Verlosung statt. Die Preise dazu waren sämtlich von Mitgliedern und Freunden des Vereins gestiftet und bestanden in Haushaltungsgegenständen aller Art. und einzelnen Scherzartikeln. Tanz hielt die Besucher noch lange beisammen.
Bg. Großen-Buseck, 2. Febr. Am Samstag abend veranstaltete der hiesige Turnverein „Gut Heil" einen Werbe- und Un» terhaltungsabend, der bei den sehr zahlreichen Besuchern den besten Eindruck hinterließ. Der 1. Vorsitzende begrüßte die Anwesenden, gab einen kurzen lleberblicf über die Erfolge der Wett-Turner im vergangenen Jahr und wies auf die Forderung hin, die die Regierung dem Turnen und Sport angedeihen läßt. Zum Schluß forderte er die noch fern stehenden Eltern und die Jugend auf, im eigensten und im Interesse des Volksganzen dieser Bewegung mit warmem Herzen näherzutreten, damit jeder an seinem bescheidenen Teile mit beifrage zum Wiederaufstieg des deutschen Volkes. Hierauf wechselten in bunter Reihenfolge turnerische Darbietungen mit solchen unterhaltender Ratur ernster und heiterer Art. Die turnerischen Leistungen zeugten von guter Durchbildung fast aller Turnenden. Den Höhepunkt des unterhaltenden Teils bildeten zwei Theaterstücke. Die Darsteller hatten sich durchweg gut eingespielt und boten treffliche Leistungen. Mit Tanz schloß der Abend.
„Na, denn möt ick bat bittlicher feggen." Henriks war aufgeftanben unb hatte sich bas Jackett aufgeknöpft. Was er anzubringen wünschte, machte ihn reichlich heiß. Aber er gab sich einen Ruck, blies bie Backen auf unb begann: „Meine Herren, bamit Sie bat nu weiten baun. Sie können mich an bie Luft setzen. Sie können ooch feggen, ick wir' en ollen Esel. Ick will Sei bat gor nich öwel nehmen."
Vater unb Sohn sich an. Dann pruschten sie beibe los.
„Onkel Otto! Sie wollen doch nicht —"
„Am Enbe gar —"
„In Ihren alten Tagen —"
„Sie wollen boch nicht etwa auf bie Freite geh'n?
Wie ein Feuerwerk prasselten bie Fragen auf ben wackeren Hinriks herein. Der stutzte einen Augenblick, bann lachte auch er, baß ihm bie hellen Tränen übers Gesicht liefen. „Ha ha ha", kam es aus seiner breiten Brust. „Ha ha ha. Sei meinen von wegen bes ollen Esels? Gott soll mi bewahren. So 'ne lange Löffels gibt bas ja gor nich!"
Aber ber Gute mochte einsehen, baß er bie Ge- bulb ber beiben Herren nicht länger in Anspruch nehmen dürfe, und so fuhr er benn, nachbem feine Heiterkeit abgeebbt war, in ernsterem Ton fort: „Nein, zu solchen Scherzen bin ich nicht aufgelegt. Ums kurz zu machen, es ist ein Leck an Bord, unb ich muß pumpen gehen! Da wollt' ich fragen, eh mir bas Wasser bis an ben Hals geht, wie is bas nu mit ben Schiffsparten?"
Fast hätte ber junge Recknagel Hurra geschrien, und auch ber Alte schmunzelte über bas ganze Gesicht. Zwar, baß Onkel Otto persönlich Schulden habe, glaubte keiner ber beiden Herren. Aber daß sie endlich in bie Lage versetzt wurden, ,hm eine Gefälligkeit zu erweisen, gab ihnen hohe Befriedigung. Ohne nach dem Verwendungszweck irgendwie zu fragen, erklärte Recknagel senior: „Die Schiffsparten, Kaptein, sind selbstverständlich jederzeit zu Ihrer Verfügung. Wünschen Sie die Papiere selbst ober ihren Gegenwert in bar?
Onkel Otto kratzte sich hinter ben Ohren. „Van so 'ne Dinger versteh' ich rein gornix! Was sind denn nun die Parten wert?"
fGrünberg 2. Febr. Am Sonntaanach- mittag und -abend veranstaltete der hiesige Männe rgesangverein, der aus ein säst hundertjähriges Bestehen zurückblicken kann, sein diesjähriges Konzert. Schon vor Beginn war die geräumige Turnhalle von den Besuchern stark gefüllt. Zur Darbietung kamen verschiedene Chore unb Quartette, die sämtlich starken Beifall fanden. Abends wurde durch einen Musikvortrag, gespielt von Mitgliedern des MusikvereinS in Begleitung von Frl. Hamel, das Abendkonzert eröffnet, hierauf folgten Chore, gesungen von dem Verein. Anschließend kam zur Ausführung „Lindenwirtin, du junge". Alle Darbietungen wurden mit großem Beifall ausgenommen.
is. Steinbach, 2. Febr 3m vollbesetzten Saale von Ludwig Hahn 2. hielt der Gesangverein „Eintracht" sein diesjähriges Wintervergnügen ab. Der erste Teil des Abends bestand in Musik und Gesangsvorträgen. Die unter Leitung von Karl Sommer, Watzenborn, vorgelragenen Chöre zeugten von guter Schulung und fanden allgemein Anklang. 3m zweiten Teil kam zur Aufführung „Am Waldkreuz", ein dramatisches^Volkvstück in sechs Bildern, weiter wurde der Schwank „Der Bureauvorsteher" gegeben. Mit Tanz sand der Abend seinen Abschluß.
bf. Langsdorf, 2. Febr. Am Samstag veranstaltete ber Gesangverein Concordia einen wohlgelungenen Familienabend. Der Verein brachte etwa 10 seiner neueren Lieber zu Gehör, die mit Beifall aufgenommen wurden. Zwischendurch wurde auch bas Tanzbein geschwungen, doch waren nur beutsche Tänze zugelassen. Den Höhepunkt bes Abenbs bilbete bie Ehrung ber fünf Mitglieder, die 25 Jahre unb länger aktiv bem Vereine angehören. Es find bies bie Herren Heinrich Schmalz, aktiv feit 1891, Karl Roth I., aktiv feit 1895, Abam Z a y IV., aktiv feit 1899, Heinrich Schiel, aktiv feit 1900 unb Hermann Krämer, aktiv feit 1901. Diesen wurden nach einer Ansprache in Anerkennung ihrer treuen Mitgliedschaft Ehrenzeichen in Form eines Silberkranzes mit der Zahl 25 verliehen.
Holzheim, 2. Febr. Am Samstag abend hielt der hiesige Turnverein bei Gastwirt Sarnes seine diesjährige Generalversammlung ab. Da der seitherige 1. Vorsitzende, Heinrich Müller 1, sein Amt niedergelegt hatte, leitete Vorstandsmitglied W. A r ch die Versammlung. Der Jahresbericht des Schriftführers K. Jung zeugte von den guten Leistungen des Vereins im verflossenen Jahre. Der Rechner Ernst Jung konnte nach Abführung aller Beiträge an die deutsche Turnerschaft mit einem kleinen Ueberschuß abschließen. Zum 1. Vorsitzenden wurde Turner Kd. Klee gewählt. Dies ist zu begrüßen, da Herr Klee schon seit einer Reihe von Jahren als Turnwart sich große Verdienste um den Verein erworben hat. CS erfolgte alsdann die Wiederwahl des seitherigen Vorstandes: zum 1. Turnwart wurde Hch. Jäger gewählt.
Kreis Friedberg.
WSR. Bad-Rauheim, 2. Febr. DaS kürzlich gemeldete Verschwinden des hier zur Kur wellenden Michael S t a i b 1 auS Wackersheim hat sich aufgeklärt. Staibl hat sich kein Leid angetan, wie ursprünglich angenommen worden war, sondern sich freiwillig nach Köppern im Taunus begeben, um in der dortigen Rervenhellanstalt von feiner Schwermut geheilt zu werden.
4 Butzbach, 1. Febr. Die Hauptversammlung des hiesigen Turn- und Sportvereins war von 120 Mitgliedern besucht, sie nahm unter der umsichtigen Leitung des ersten Sprechers, des 2. Gauvertreters K. Schneider, einen echt turnerischen Verlauf. Beschlossen wurde, das 80jährige Bestehen des 1846 gegründeten Vereins im Mai d. 3. in würdiger Weise zu begehen. Abgelehnt wurde die Abhaltung eines Maskenballs. Der diesbezügliche Vorschlag des Vorstandes fand eine zustimmende Mehrheit: besonders hat sich auch die Turner- jugenb gegen die karnevalistischen Veranstaltungen ausgesprochen. Reu in den Vorstand gewählt wurde Dr. Hermann R a u.
<> Steinfurth, 2. Febr. In seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich ber Gemeinberat mit bem Problem ber Wasserversorgung. Anlaß bazu gab der Bericht einer in Bab-Nauheim abgehaltenen Versammlung aller an bas Gruppen-


