Luft und Leid ist Schröer anS Herz gewachsen, und aus ihr plaudert er. wie nur einer kann, der in dem Kinde und mit dem Kinde die Welt gesehen hat. Das Buch wird für alle, die Kinder lieben, ein Quell des reinsten Genusses sein. 895 — Deutsches Heirna 1 glück. Ein Ju- gendleben auf dem Lande. Don Marie Martin. «Verlag Georg Westermann. Braunschweig.) — Aus dem Buche strömt uns sprudelndes, frisch pulsierendes Leben entgegen. Inn g:s Empfinden, naturhaft schlicht, zeichnet die fesselnden Erzählungen aus. Eine warme Empfehlung sei dem Buch auf den Weg mitgegeben. 8£1
— „Das Licsche n“. Ein Odenwald°Lust- ipiel in zwei Akten. Von Hans Otto Decker. Darmstadt 1926; Verlag von H. L. Schlapp, Hof- buch Handlung.
— „Bauer und Bell mann". Odenwäl- der Dolksschauspiel in 5 Akten von Hans Holz- amer. Darnistadt 1925; Verlag von H. L. Schlapp. Hofbuchhandlung.
Zur Heimatgefchichte.
— Friedberger G e s ch i ch t s b l ä t t e r, Beiträge zur Geschichte und Landeskunde der Wetterau, Heft 7 (1925). Herausgegeben im Auftrage der Stadt Friedberg durch den Geschichts- und Altertumsvercin. Schriftleitung: Professor Ferdinand Dreher, Stadtarchi'var. (Verlag C. Bindernagel in Friedberg.) Die Frage der Heimatforschung und die Fruchtbarmachung ihrer Ergebnisse für Schule und Haus, wie sie Professor Dreher in einer der letzten Nummern unserer „Heimat im Bild" grundlegend erörterte, ist praktisch wohl kaum so weitgehend gelöst wie in Friedberg für das Gebiet der alten Reichsstadt selbst wie für die ganze Wetterau. Der Friedberger Geschichtsverein hat es unter der umsichtigen Leitung seiner Vorsitzenden, der Professoren Dr. G. B l e ch e r und F. Dreher verstanden. In weiten Kreisen der Bevölkerung von Friedberg und der Wetterau reges Interesse für die heimatliche Geschichts- und Altertumsforschung zu wecken und durch Veranstaltungen verschiedenster Art nunmehr dreißig Jahre hindurch wachzuhalten. Der literarische Niederschlag dieser sammelnden, sichtenden, beschreibenden und belehrenden Arbeit des Vereins sind die „Friedberger Ge- s ch i ch t s b l ä t t e r" von denen nun das 7. Heft vorliegt. Dem Schriftleiter, Professor Ferdinand Dreher, dem nur die Geschichte Friedbergs und der Wetteratu ditrch seine eigene reiche schriftstellerische Tätigkeit wie durch den weitblickenden Ausbau des Museums und Stadtarchivs hochverdienten Geschichtsforschers ist cs auch in diesem Jahrgang gelungen, interessante Beiträge aus allen Gegenden der Wetterau und unter Berücksichtigung aller Zweige der Heimatgeschichte zu einem überaus vielseitigem Bande zu vereinigen. Der Herausgeber selbst hat sich allerdings ein überaus trauriges Kapitel Vorbehalten „Hoimatvflegc und Geldentwertung", der Jahresbericht 1923 2-1 des Vereins, der jedoch zeigt, daß auch in der schlimmsten Zeit der Inflation die Friedberger ihrem Geschichtsverein treu geblieben und ihn durch große Opfer über die schweren Krisenjahre in die der Forschung wieder günstigere Gegenwart hinüberzuretten. Von den übrigen Beiträgen verdient den Aufsatz „Die Heimorte der Wetterau in ihrer Bedeutung für die Geschichtsforschung" aus der Feder Professor Dr. Georg Wolffs, des Nestors der mittelrheinischen Altertumsforschung, wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung besondere Beachtung. Interesse beansprucht auch ein Aufsatz von Dr. Leonhard Kraft, der die wechseloolle Geschichte des Klosters Ilbenstadt durch den Lauf der Jahrhunderte verfolgt. ^Weiter feien von größeren Beiträgen u. a. Backhaus: Die Entschädigungslande im Oberfürstentum dessen, eine auf Grund gründlicher archivalischer ^Studien ruhende, auch in der Darstellung wohlgelungene Arbeit, ferner aus dem Gebiet der Volkskunde Maul: Teufelsbannung, Teufelskünsteley und Zauberei); ein interessanter Bericht eines Hexenprozesses in Ossenbeien aus dem Jahre 1753. Das Beispiel einer mustergültigen Dorfgeschichte gibt Pfarrer i. R. Jakob Knab für Bruchenbrücken. An biograpischen Aufsätzen seien erwähnt Oberge- wsrberat Dr. F. Gerhards Plauderei über den „alten und jungen Falck" und Würdigung Paul Trapps durch Professor Dr. Richard Trapp.
— Bad-Rauhei rn. Die Erbohrung der Ernst Ludwig-Quelle Sprudel 14, von Oberbadmeister Kissel, Dod-Rauheim. (Verlag Ludwig Wagner, Bad-Aauheim), Preis 1 Mark. — Der Verfasser, der durch seine jahrzehntelange Tätigkeit im Dienste unseres hessischen Weltbades wie selten einer befähigt ist, über dieses P^d und seine Entwicklung zu berichten, hat hier eine Schrift herausgebracht, die ernster Beachtung wert ist. Dieser Abriß aus der ad-Aguheimer und hessischen Heimatgeschichte ?eichnet sich durch gute Übersichtlichkeit aus, die Behandlung des Stoffes verrät den ausgezeichneten Sachkenner. Das Büchlein, dessen wertvoller textlicher Gehalt durch gute Bilüdrucke bereichert ist, darf als ein sehr beachtenswerter Gewinn der hessischen Heimatliteratur begrüßt werden. Es sei der allgemeinen Aufmerksamkeit, insbesondere auch zu Geschenkzwecken für die reifere Jugend, bestens empfohlen. 857
Die Arbeit der hessischen Volkskammer.
Von Oberstiidiendircktor Dr. Keller, M. d. L. H*).
Wenn die Kosten der Erwerbslosenfürsorge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemeinsam getragen, also auf die Wirtschaft abgewälzt werden, so zeigt das, wie wirtschaftliche und soziale Fragen nicht reinlich zu trennen sind. Und wenn andererseits der Volksstaat Wert darauf legt und legen muß, daß die Grundlagen der Bildung und alle kulturellen Fortschritte dem Aermsten so gut wie dem zugänglich gemacht werden, der dafür bezahlen kann, so sehen wir weiter, wie das Band zwischen sozialen und Kultur- fragen sich knüpft. Da schließlich die gewaltigen Ausgaben für Schulen, Hochschulen, Theater usw. (in Hessen weit über 30 Millionen) sich in den Steuern auswirken, die die Wirtschaft aufbringen muß, so schließt sich auch hier der Ring zwischen scheinbar weit voneinander abliegenden Gebieten. Nun sagt die Linke: „Bei den kulturellen und sozialen Ausgaben darf unter keinen Umständen abgebaut werden", und sie findet dabei die Zustimmung des Finanzministers. Die Rechte erwidert: „Gewiß, Deutschland würde sich selbst aufgeben, wenn es feine Bildung und fein Fürsorgewesen vernachlässigen wollte, aber mir alle (eben nur von den Hebers chüssen der Wirtschaft, und wenn diese nicht aiisreichen, so müssen wir eben sehen, wie wir Notwendiges von nur Wünschenswertem unterscheiden, wie wir Ersparnisse machen, indem wir kostspielige Neuorganisationen vermeiden, wir müssen erkennen, daß wir zuerst leben müssen. ehe wir uns bilden können." Dem wird sich nicht allzuviel entgegnen lassen, und in der Praxis wird man auch mit Naturnotwendigkeit den allein gangbaren Mittelweg finden. Sein Beschreiten wäre aber leichter, wenn nicht auf Schritt und Tritt in die Bildungsfragen andere hineinspielten, die an sich mit ihnen nichts zu tun haben, vor allem die, ob nicht Beamte brotlos gemacht, ob nicht den Anwärtern Anstellungsmöglichkeiten entzogen werden, bitterernste Fragen für die Betroffenen, aber doch nicht das, womit sie verquickt werden.
Diese allgemeine Betrachtung vorauszuschicken, schien uns nicht ganz überflüssig, wenn sie auch weniger für die letzte Tagung als für die vergangene lind künftige Generalaussprache beim Voranschlag in Betracht kommt. Diesmal beschäftigten den Landtag nur Einzelfragen sehr mannigfacher Art: die Kommunisten liefen im Auftrag der „Freidenkergemeinschaften" Sturm gegen die Förmlichkeiten, die beim Austritt aus den Landeskirchen erfüllt werden müssen, fanden aber nur die Beihilfe der Sozialdemokraten und damit keine Mehrheit. Das gleiche Bild zeigte eine endlose Aussprache über die H e b a m m e n l c h r a n st a l t in Mainz, in der nach den Behauptungen der Kommunistin Roth den werdenden Müttern das Leben zur Hölle gemacht wird, weil sie allerdings im Haushalte mithelfen müssen. Ein etwas seltsam anmutenbes Triumvirat, nämlich die Abg. Dr. Werner, Reibe r und Dr. Greiner, sand sich zusammen bei der Forderung der Impf klau sei, mit der andere Staaten nach der Ansicht der Antragsteller gute, nach der Statistik des Regierungsvertreters dagegen sehr trübe Erfahrungen gemacht haben. Der Antrag wurde abgelehnt. Ein scharfer Kampf wird seit langem besonders von den weiblichen Abgeordneten der Rechten und des Zentrums gegen „Schmutz in Tat, Wort und Bild" sowie gegen den Alkoholmißbrauch geführt. Widerspruch erhebt fick) bei derartigen Anlässen kaum je gegen die erstrebten Ziele, wohl aber des öfteren gegen die vorgeschlagenen Wege zu ihrer Erreichung; natürlich sieht auch je nach ihrer Gesamteinstellung nicht jede Partei die Grenzen zwischen sittlich und unsittlich an derselben Stelle. Jedenfalls fand sich eine sichere Mehrheit für die Bekämpfung von Filmschund und andern Anreizungen zur Sittenlosigkeit, sowie der Volksseuche der venerischen Krankheiten; diese Mehrheit brach aber glatt auseinander, als der gleiche Antrag in einem weiteren Absätze die Einführung des G e - meindebestimmungsrechtes verlangte, in dem seine Anhänger eine gesunde Maßnahme gegen Völlerei, die Gegner jedoch den ersten Schritt zu einer „Trockenlegung" nach amerikanischem Muster sehen, vor deren Heuchelei uns allerdings der Himmel bewahren möge.
Von Schulanaelegenheiten war zunächst eine Vorlage der Regierung bemerkenswert, durch die sie mit Zustimmung der Landtagsmehrheit eine aus guten Gründen angegriffene Maßregel wenigstens vorläufig rückgängig machte: Der Eintritt der ABC-Schützen in die Grundschule soll 1926 und 1927 noch möglich fein, wenn diese erst zwischen dem 1. Mai und 30. September sechs Jahre alt werden. Es darf wohl angenommen werden, daß man es dauernd dabei belassen wird, und daß zahlreiche Eltern, besonders des Mittelstandes, damit der schweren Sorge ledig werden, ihr Kind ein Jahr später selbständig zu sehen, als dies sonst der Fall gewesen wäre. Mit einer Zufallsmehrheit von einer Stimme abgelehnt wurde ein Antrag Dr. Keller-
*) Vgl. Nr. 27 des G. A. vom 2. Februar.
Konzert der Musikschule Körner.
Die Musikerziehung der Jugend ist ein Problem von größter Reichweite, insbesondere auch für unsere Zeit, die sich in Erziehungsfragen um eine Neuorientierung bemüht. Sollen alle die geistigen Kulturwerte, die unsere Musik in weit größerem Ausmaße umfaßt, als es offensichtlich zutage tritt, verschlossen bleiben? Sind nicht gerade sie imstande, unserer geistigen Pildung Zusammenhänge au geben, besonders durch die Wechselstellung der Musik zu den anderen Künsten?
Frühere Zeiten hatten der Musik in der Erziehung eine weit gewichtigere Stellung einräumen können, als es im vergangenen Jahrhundert möglich war; erst die Gegenwart stellt die Musik wieder als Kunstfach in den Kreis der allgemeinen Schulerziehung. Jedoch kann sich die,e Art der Heranbildung zunächst nur auf das Verstehen und Erschließen des Wesens der Musik erstrecken, weniger auf ein praktisches Ausüben, abgesehen von dem Gesanglichen.
Ist die Jugendzeit wirklich am geeignetsten für die musikalische Erziehung? Wenn ja, kann in dieser Zeit das Wesen der Musik voll erschlossen werden? Die erste Frage ist unbedingt zu bejahen, die zweite nicht ohne Einschränkung.
Für die technische Grundlegung ist die Zeit des Heranwachsens durchaus als die geeignetste anzusehen; denn die physiologischen Grundlagen der instrumentalen Technik finden bei dem Wachstum ihre günstigste Berücksichtigung und Durchbildung. Doch eine noch so sorgfältige, aber rein
technische Ausbildung würde nicht in das geistige Wesen der Musik hineinführen; denn Technik an sich würde nur einen mechanisch-akustischen Eindruck vermitteln.
Um in die Musik, als einer Welt subjektiven geistigen Erlebens hineinzugelangen, bedarf es geistiger aktiver Mitarbeit. Ist diese Forderung für Jugendliche nicht doch etwas zu hoch? Scheinbar vielleicht.
In jeder Melodie sind Energien gebunden, die in unserer Psyche bestimmte Reaktionen auslösen, so z. B. das Leittonverhältnis, das Tonalitätsgefühl u. y. m. Diese Reaktionen wirken sich formgestaltend aus, und indem wir diese Reaktionen mitschaffen, erleben wir den musikalischen Formungsprozeß In seinen Spannungen und Lösungen mit und dringen somit in die Formen der musikalischen Logik ein. Dazu die rhythmisch-metrischen Energien, denen selbst der Unmusikalische nicht fremd gegenübersteht.
Diese in der allgemeinen Menschennatur liegenden psychologischen Grundlagen des Musikerlebens find, wenn auch individuell verschieden, auch bei Jugendlichen weckbar. Das persönliche Identifizieren von Spannung und Lösung mit menschlichen Erlebnisgrundlagen und deren Auswirkungen, kurz, was wir als Einfühlung im engeren Sinne zu bezeichnen Pflegen, kann her» ständlicherweise erst mit dem Heranreifen und Erwachen der eigenen Persönlichkeit sich ausprägen. Der Unterschied des musikalischen Gestaltens bei Jugendlichen und Erwachsenen liegt also im Erfassen des Formalen, das mit zu-
Birnbaurn, der für die Wahlen z u Schulaus- f di u i f e n usw. eine Aeuderung dahingehend wollte, daß für die Einreichung von Vorschlag-listen statt 10 Prozent nur 5 Prozent Unterschriften nötig sein sollten. Auch hier ging das Zentrum mit den Rechtsparteien zusammen, diesmal ohne Erfolg. —
Eine ganz besondere Note tragen alle jene Forderungen, die von den weiblichen Mitgliedern des Parlaments mehr oder weniger gemeinsam in Schulfragen gestellt werden. Sic betreffen die Lehrerinnen, die Mädchenschule oder meist beides zusammen. Ale wichtigster derartiger Antrag der letzten Tagung darf ein von den Damen Birnbaum, Hat- temer, Heräus und Steinhäuser gemeinsam eingebrachter gelten, der ft ä r k e r e Verwendung von weiblichen Lehrkräften auf allen Unterrichtsstufen der Mädchenschulen verlangt. Er wurde durch eine entgegenkommende Regicrungs- antwort für erledigt erklärt; es kann aber kühnlich behauptet werden, daß sich innerhalb wie außerhalb des Volkshauses bei solchen Gelegenheiten ein leichtes (gelegentlich auch schweres) Mißbehagen männ- lid)erseits geltend macht, weil bei allem Wohlwollen für berufstätige Frauen doch nun einmal nicht weg- zuleugnen ist, daß sie häufig Männern die Stellen wegnehmen, damit Eheschließungen verhindern und so der Ausübung des natürlichsten Frauenberufes nidjt gerade förderlich sind. Wozu außerdem noch kommt, daß gerade Mütter oft männliche Klassenleitung für ihre Töchter vorziehen, wenigstens wurde das in Gießen dann und wann festgestellt.
Es bliebe nun noch die Erwähnung der zahlreichen sog. „Fäll e" übrig, mit denen eine un- liebenswürdige Opposition Regierung und Koalition zu behelligen pflegt. Abgesehen von andern interessanten Einzelheiten bieten sie meist das pikante Schauspiel, daß man dem „rechtesten" Koalitionspartner deutlich anmerkt, wie wenig wohl er sich im Weimarer Bunde fühlt. Nun ist diesmal so manche kitzelige Anfrage unerledigt geblieben und wird, wenn sie erst bei der Etatberatung zur Sprache kommt, ihren sensationellen Charakter verlieren; von den erörterten Fällen verdient aber wenigstens einer, daß seiner in der Presse einer Universitätsstadt mir kurzen Worten gedacht wird: Der „Fall Goldstein", der eigentlid) ganz etwas anderes ist. nämlich feit Menschengedenken in Hessen der erste Eingriff einer R e - gierung in die Selbstverwaltung einer Hochschule. Ein philosophischer Lehrstuhl war zu besetzen, und der Senat der Darmstädter Technischen Hochschule reichte dem Landesamte für das Bildungswesen zunächst einen Vorschlag, bann auf Anfordern eine ganze Vorschlagsliste ein. Aber auch auf ihr fehlte der einzige Name, den die demokratische Negierung sehen wollte, und so begannen Verhandlungen, in denen der Senat, dem übrigens Linksparteiler und Juden angehören, e i n st i m - m i g bei feiner Meinung blieb, allerdings auch den vom Staatspräsidenten geheischten Nachweis der „wissenschaftlichen Unfähigkeit" seines Schützlings Goldstein 311 liefern nicht für seine Aufgabe hielt. Und nun geschah das für das Professorenkollegium überaus Kränkende, daß die Regierung noch einmal eine Vorschlagsliste einforderte, gleichzei - t i g indessen bereite die Ernennung Goldsteins voll- zog. Die erste Folgeerscheinung war eine scharfe Kritik des Geschehenen im „Darmstädter Tageblatt" und „Gießener Anzeiger", ihr Verfasser aber war der — demokratische Führer und Reichstagskandidat Prof. Heidebroek. Schon diese Tatsache bürgt Im Verein mit der oben erwähnten von der Zusammensetzung des Senats dafür, daß hier von keiner Antisemitenhetze" die Rede sein kann, wie die sozialdemokratischen und demokratischen Verteidiger einer wahrlich nicht demokratischen Negierungsyandlung behaupteten; daß auch die Deutsche Volkspartei, die durch ihre Abgeordneten Dingelbey und Dr. Keller ihre Meinung über Unioersitätsfrciheit und Forschereignung besonders deutlich zum Ausdruck brachte, von grundsätzlicher Judengegnerschaft nichts weiß, zeigte ihre Stellung zur ebenfalls recht autokratisch getätigten Ernennung des Generalmusikdirektors Josef R 0 s e n st 0 ck , die sie billigt, weil dieser Hervorragendes leistet. Die Aufgabe des Ministerialdirektors Urftabt war gegenüber der geschilderten Sachlage trotz temperamentvollen Beistandes des Staatspräsidenten Ulrich nicht besonders dankbar; einige auch von dem demokratischen Rednern als „nicht gerade glücklich" bezeichnete Redewendungen berührten wohl selbst seine Freunde unangenehm, so die bebenflidje Auseinandersetzung, eine Hochschule dürfe nicht immer den Ehrgeiz haben, den b e st e n Dozenten bekommen au wollen, ein anderer genüge auch, und zudem müsse man sparen. — Nun hat ja die Koalition in der Ablehnung der deutschnationalen und deutschvolksparteilichen Anträge zusammengehalten, und der „Fall Goldstein" ist somit parlamentarisch erledigt. Wer aber behütet uns davor, daß er sich morgen in Gießen ober Darmstabt wieberholt, unb baß mit ber Zeit Hochschulkörper entstehen, nicht mehr erlesen von benen, die in ber Geistesrepublik ber deutschen universitas Sitz unb Stimme haben, sonbern von einem Ministerkollegium, bas seine Machtbefugnis lediglich der wankelmütigen Volksstimmung verdankt?
nehmender Reife immer mehr mit dem Persönlichen, Individuellen in Beziehung gebracht wird.
Mit diesen Tatsachen hat der Musikunterricht zu rechnen wenn er der naturgemäßen Entwicklung Sorge tragen will. Je mehr der Ton bei seiner Hervorbringung im Physiologischen bzw. im Psychischen verankert ist, wie bei der Geige, um so leichter führt das Instrumentale in den Geist der Musik hinein. Um so schwerer, wo nur ein Tastendruck, wie beim Klavier, der Künder inneren Erlebens wird. Gelingt es, das musikalische Erleben auch beim Klavierspiel zu Wecken, so ist damit die Hochwertigkeit des Unterrichts gegeben. Und daß dieses Ziel erreichbar ist und erreicht werden kann, dafür sprechen die Vorführungen in der Schule für höheres Klavierspiel von Minna Körner.
Solch eine Reife von Schülerleistungen eröffnet am allerbesten den Einblick in das Musik- erleben der jugendlichen Psyche. Jede Leistung ist interessant, mag sie auch diesem oder jenem noch nicht vollkommen scheinen, sie zeigt ja nur den jeweiligen Standpunkt des Herangebildeten, genau wie in einer Werkstatt, wo man das Werk in allen seinen Stadien heranreifen sieht; das Erstreben des Zieles, sein Festhalten, der Wille zum Werk prägt sich jeder Leistung auf, so auch hier; der Weg des Emporwachsens ist klar gezeichnet. Dem jugendlichen Stadium entsprechend, wurde Musik gespielt, die aus den formgestaltenden Kräften herausgewachsen war, und sich den Jugendlichen als besonders faßlich und erziehlich erwies. Urb der zunehmenden Reife und Entwicklung und damit auch dem Ge-
Flotte und Krieg.
Von Vizeadmiral a. D. v. Trotha.
Für Englands Denken und Handeln sind die Völker des Kontinents immer nur Schachfiguren gewesen, die so zu setzen waren, daß die „gottgewollte englische Herrschaft über die salzige Flut" nicht in Gefahr kommen könne. Die Freiheit der Meere hatte für jeden Engländer nur eine Auslegung: die der Herrschaft englischen Willens, nur ein Fundament: das der allseits anerkannten englischen Macht.
Ein Volk, das in natürlicher Entwicklung seiner Tüchtigkeit und Kraft sich als Konkurrent fähig zeigte, muhte aus göttlichem Recht geschwächt oder mit den brutalsten Mitteln niedergerungen werden, bis es sich beugte und daS Zoch Englands freiwillig tragen gelernt hatte. Frankreichs Hatz gegen uns und fein Jahrhunderte alter Drang zum deutschen Rhein, der pan- slavistische Geist, die italienische Untreue, serbischer Mord und was sonst waren nur Faktoren, die in die englische Politik eingestvltt^wurden. um zu gegebener Zeit das erstaunliche Herauswachsen geeinter deutscher Tüchtigkeit auf allen Gebieten zu brechen.
So lag, als ber Weltkrieg entfacht wurde, in England der Mittelpunkt des Vernichtungswillens, und seine Flotte, über der der Rhrnbus der Unbesiegbarkeit schwebte, war das Herz des Völkerringens gegen Deutschland.
So gesehen, tritt erst die wahre Bedeutung der Skagerrak-Schlacht hervor, nachdem bei Coronel der Glaube an Englands Unbesiegbarkeit den ersten Stotz erhalten hatte.
Die Macht der Flotte Englands wird aber erst ganz verstanden, wenn man sich klarmacht, daß sie „durch die Beherrschung der salzigen Flut" überall entscheidend hinreichte, wo das Salzwasser des Meeres der Kampffront nahekam oder unsere Küsten bespülte, und wo der Weltverkehr über See einen wesentlichen Einfluß ausübte.
Das, was wir diesem entscheidenden Druck der englischen Flotte entgegensetzen konnten, war allein die für die Hochsee kampffähige deutsch«, schwimmende Streitmacht in allen Teilen vom Linienschiff bis zum U-Boot.
Es ist uns jetzt belegt durch die offenen Enthüllungen des Bandes ll von Churchills Buch „Die Weltkrise", (erscheint demnächst im Verlage K. F. Koehler in Berlin), daß ohne das Vorhandensein einer kampffähigen deutschen Flotte die Engländer sich nicht hätten abhalten lassen, die Seeherrschaft in der Ostsee sich zu erzwingen, dort das für uns unentbehrliche Wirtschaftsleben zu vernichten, und eine von den Russen bereits vorbereitete Landungsarmee gegen das Herz Deutschlands anzusetzen; daß sie in dem in allem burchgearbeiteten Plan durchgeführt hätten, in erster Linie Borkum zu nehmen, damit auii) in ber Nordsee jeden deutschen Verkehr zu unterbinden, unseren außerordentlichen regen Dampferverkehr nach Holland und auch jeden U-Boot-Krieg unmöglich zu machen.
Roch in der letzten Phase des Krieges hat der englische Flottenchef, wie wir heute von drüben wissen, sich dahin geäußert, daß er „eine Veränderung der Seestrategie — im aktiven Sinne — für zu gewagt, den Einsatz der englischen Flotte für zu groß hielte,, solange die Flotte des Gegners noch vorhanden fei“.
So hat unsere Flotte auch als sie in der ersten Kriegszeit noch stark gebunden war, allein durch ihre burchgebildete Kampfbereitschaft und Einsahmöglichkeit einschneidend auf die Kriegsführung eingewirkt, unb Englands weit überlegene Grand fleet veranlaßt, von für den Krieg schnell entscheidenden Maßnahmen abzusehen, und die große Kriegsführung bis hinunter zu den Dardanellen, indem sie Englands Seemacht in der Rordsee band, beeinflußt.
Für uns waren U-Boot und Flotte eins. Ohne die Flotte wäre dem U-Boot-Krieg in kürzester Frist der Garaus gemacht worden, und der U-Boot-Krieg muhte den durch die Taten der Flotte am Stagerrak bis in den tiefste* Grund erschütterten englischen Ueberlegenheits- glauben durch schärfstes Zugreifen gegen die dem Jnselreich unentbehrliche Handelstonnage brechen. Flotte unb U-Boot muhten und konnten Englanb gemeinsam zwingen!
Wie verhängnisvoll hierin unser Zögern auch nur um Wochen unb Monate gewesen ist, dafür ist das im Parlament in Washington feftgcftellta Zeugnis des amerikanischen Generalstabes im Kriege Beweis, wonach die amerikanische Armee in Frankreich „mit Rücksicht auf den nötigen Rachschub an Verpflegung, Waffen, Munition usw. sich noch höchstens vier Monate hätte halten können, da auch die übrigen Ententemächte nicht hätten aushelfen können." „Die Transportlag«: sei so schlecht geworden, daß, wenn die Deutschen nicht Schluß gemacht hätten, die amerikanische Armee es hätte tun müssen.“
Dies Zeugnis deckt sich mit dem Ausspruch eines englischen Vertreters bei ber Abrüstungskonferenz in Washington, ber, über bie U-Boote sich auslassend, ausführte: „Ich brauche wohl nicht daran zu erinnern, daß die Alliierten den Krieg verloren hätten, wenn die deutsche Re
staltungsvermögen Rechnung tragend, waren die Ausgaben gewählt: C. Saint-Saens' Variationen für zwei Klaviere über ein Thema von Beethoven. Largo, Menuetto aus der O-Dur-Sonate von Beethoven (dessen Wirken die beiden Veranstaltungen fast ausschließlich gewidmet schienen) waren solche Höhepunkte.
Richts aber lehrt das musikalische Werk mehr als Organismus erfassen, als das Zusammenspiel, eingeführt durch das vierhändige Spiel, als Begleitung zu einem Soloinstrument, zum Ensemble; auch da ein Eindringen in den Geist der Musik, das zum Teil schon seine eigenen Wege gefunden hatte und für die Zukunft manches verspricht. Und selbst die Kleinsten fanden ihre Betätigung im Durchführen einer Orchesterstimme. und mochte es selbst der Brezelknarre sein, in Haydns Kindershphonie.
Frau Dr. Rohkopf-Pseifser, Gießen (Sopran), und Herr Otto Gabel. Wiesbaden (Baß), brachten durch Soli und ein Duett erwünschte Abwechslung in die Reihe der Klaviervorträge. Die Herren Otto Seeger (Cello), cand. forest. Bernhard Geißler (Flöte), Fräulein Friedel Mulch und Herr Paul Köhler (Violine) machten sich mit Solo- und Ensemblestücken mit bestem Erfolge um die Veranstaltungen verdient, insbesondere sei Herr Köhler noch erwähnt als ein Werdender, der aber schon mit rechter Musikalität zu gestalten weiß. Der Leiterin, Frl. Minna Körner, sei noch mit Dank gedacht, auf ber die gesamte Verantwortung ruhte, und die sich auch als Begleiterin der Solisten in btn Dienst der guten Sache stellte. -in-


