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Das Vertrauensvotum für Chamberlain hat das Ergebnis von Genf, also die Neubestätigung des Locarnowerkes auch für England bestätigt. Die darin enthaltene Billigung der Haltung Chamber­lains aber ist eine reine Parteisache und ver­schleiert nicht, daß Chamberlain an Prestige sowohl bei der eigenen Partei wie in der englischen öffent­lichen Meinung überhaupt sehr stark eingebüßt hat. Man zollt nach wie vor seiner Ehrlichkeit allen Re­spekt, aber man sieht doch deutlich, daß seine staats­männische Fähigkeit weder in der Strategie noch in der Taktik den Anforderungen in Genf wirklich ge­wachsen war. Darüber hinaus geht man im Augen­blick nicht. Man wartet ab, was werden wird, ob etwa Deutschland und Frankreich einander näher kommen, wie sich Nordamerika dazu stellt, usw.

Systems vertragsmäßig in der Richtung eines ent- sprechenden deutsch -russischen politischen Ver- träges absolut notwendig ist. Wie bedauern, daß die Art, in der die Pnrlamentsdebatten im Plenum über solche Dinge geführt werden, nicht dazu kommen läßt, die damit doch auch zusammenhängenden gro­ßen Fragen im Blick auf den Osten, den Fernen Osten und Nahen Orient usw. zu behandeln.

Brentano den nachstehenden Aufruf:

Arbeitskraft ist zurzeit fast das einzige, jedenfalls das wertvollste Gut, das Deutsch­land noch besitzt.

dem soll sich einmitteleuropäisches Co» carno" herauskristallisieren. Darin gehe:. 2L 21.. sichten merkwürdig durcheinander. Sie betreffen ein­mal die Beziehungen Italiens und Jugoslawiens und weiter die zu Griechenland, die Angelegenheiten der Adria, der Freizone von Saloniki, das Mittel-

Gesundheit ist die Grundlage der beitSkraft, Gesundheitspslicht eine Pflicht Gesamtheit und des Einzelnen.

Aiemand hat das ausschließliche Recht,

(Bin Aufruf der hessischen Regierung. Zur Reichsgesundheitswvche erläßt Hessische Minister des Innern von

Hautpflege.

Von Dr. Walter Schultze.

Privatdozent an der Universität Gießen.

Eine gesunde Haut unterstützt den Körper wohl bei der Abwehr wie auch bei der Heilung Krankheiten.

Zukunft unseres Volkes ruht.

Für das Wohl unseres Volkes und die Zu­kunft unserer Ration arbeiten alle, die sich an der Reichsgesundheitswoche beteiligen. Die ReichSgcsuudheitswoche will vom Wissen zum Ge­wissen, von der Erkenntnis zur Verantwortlichkeit hinlenken. Alle sollen dabei, sei es gebend, sei es empfangend, mitwirken. Alle rufe ich zur Reichsgesundheitswoche.

Allein­vertretungen

von

IHärioiuiiis

Belieben mit seiner Gesundheit zu schalten zu walten. Das Volksganze hat Anspruch auf die Gesundheit jedes seiner Volksgenossen. Die Ge­sundheit des Einzelnen ist ein bedeutsamer mate­rieller Faktor in der Volksgemeinschaft.

Die Volksgenossen, die sich zur Lebensge­meinschaft ehelich verbinden, besitzen als Lebens­

gefährten ein gegenseitiges Recht auf Gesundheit. Beide haben die heilige Pflicht, Gesundheit als gemeinsames Gut mit in die Ehe zu bringen und nach Möglichkeit dauernd zu erhalten.

äinbest reitbar ist das Recht der Kinder auf Gesundheit. Es beginnt schon vor dem ersten Augenblick ihres Daseins: denn das größte und reichste Erbteil, das Eltern ihren Rachkommen geben können, ist die durch Erkenntnis und Willen vor Schaden bewahrte gesunde Erbmasse des Körpers und des Geistes. Die Eltern haben in dieser Hinsicht ihren Rachkommen gegenüber eine große, unabweisbare Pflicht, für deren Erfüllung sie, und zwar nur sie allein verantwortlich sind.

Mögen daher alle sich durch die Reichs­gesundheitswoche von ihrer Gesundheilspflicht überzeugen lassen. Ich habe das Vertrauen zu unserer Tugend, daß sie sich ihrer ernsten, nicht zu umgehenden Verantwortung bewußt wird, die auf ihr und die kommende Generation und die

Der Bericht Hougthons hat eine scharfe Stel­lung Nordamerikas gegen den Völkerbund und Frankreich ausgesprochen. Man hatte sich in Wa­shington wohl nicht überlegt, welche Wirkung das n Europa auslösen mußte. Diese Wirkung ist vom Standpunkt der europäischen Befriedung keineswegs zu beklagen, aber sie hat in Nordamerika dazu ge­führt, die eben abgeschlossene Diskussion über das Verhältnis zu Europa wieder zu eröffnen, und zwar nicht zu Nutzen der Republikanischen Partei. Die nachfolgenden Verlautbarungen ließen ja auch erken­nen, daß man nicht mehr als eine Warnung aus­sprechen wollte und daß Nordamerika nach wie vor bereit ist, an der Abrüstungs- und der Weltwirt­schaftskonferenz mitzuarbeiten, daß es in der Linie einer Zusammenarbeit mit Europa, wenn irgend möglich, weitergehen will.

Parallel mit Genf und in Genf sind Verhand­lungen gepflogen worden, zu d.enen der jugo­slawische Außenminister die Anregung gab. Er war in Rom und in Paris. Er bat in Genf Ver­handlungen mit dem Italiener und mit dem Griechen geführt, der Grieche wieder mit Rom, und aus alle-

lst schon so, daß erst vonAnwärterelend" in weiteren Kreisen gesprochen wird, seit die Volks­schule in Fraae steht, Unb doch ist es bis vor ganz kurzer ZAt so gewesen, daß Schulverwalter rmd Schulverwalterinnen spätestens zur Zeit ihrer Mündigsprechung auch zu Brote kamen und wenige Jahre danach $u fester Anstellung! Wenn es nun schlechter um ihr Dorwärtskommen aus- sieht, so ist das gewiß beklagenswert, aber f o a I t werden sie alle bis zur Verwendung und Anstellung gewiß nicht werden wie die Assessoren im höheren Schuldienst, in der Verwaltung oder in der Forstwirtschaft, auch nicht so alt wie zahl­reiche Anwärter mittlerer Deamtenberufe. Lind dabei rekrutieren sich alle in der Hcnrptsache aus den gleichen Kreisen, vor allem aus dem heute völlig verarmten kleineren Mittelstände. Wie lange die Rot der akademischen Anwärter schon währt und wie groß sie ist, scheint leider bisher der Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit entgangen zu sein. Vermutlich, weil man auf Protestversammlungen und Demonstrationen ver­zichtet hatte! Aber die Rot war da, und nur als kleines Beispiel wiederhole ich hier eine Feststellung, die ich im Landtage gemacht habe, daß nämlich im Bereich der höheren Schulen seit neun (genauer seit beinahe zehn) Monaten eine einzige Anstellung getätigt worden ist gegen­über 140 im Bereiche der Volksschule. Könnte man. nicht dieses Verhältnis 1:140 auch auf den Abbau übertragen, anstatt des anderen von 35:200? Dann brauchten wenigstens nicht 30- jährige und Kriegsteilnehmer auf die Straße zu fliegen, die schon jahrelang redlich für den Staat gearbeitet haben. Aber was macht das alles gegenüber der weltgeschichtlichen Tatsache der gekleisterten Koalition?

-Zum Schlüsse wäre noch zu erwähnen, daß Sozialdemokraten und Demokraten die theo­logische Fakultät, letztere auch die L e h r° stühle und Institute der Forst- und Landwirtschaft bei der Gießener Universität beseitigen wollten.Diesmal ver­sagte die Koalition, und mancher wird es als bemerkenswert empftnden, daß ausgerechnet das Zentrum die evangelische Theologie ret­ten mußte.

Den sämtlichen Wünschen der Landesuniver­sität war die Abgeordnete Birnbaum wie immer eine warmherzige Fürsprecherin: daß sie um deswillen vom Vizepräsidenten Ruh wegen allzulangen Redens (es mögen 20 Minuten ge- tticfen fein!) und Aufhaltens der Gemeinde mo­niert wurde, war auch ein Zeichen dafür, was in diesen Tagen Sachlichkeit für unsere hessische Volkskammer bedeutete. Im ganzen ist von den beiden Landeshochschulen feine halbe Stunde die Rede gewesen dafür hatte ja auch derFall Goldstein" neulich zwei Sitzungen beansprucht!

Die Anwendung von Wasser, das in erster Linie für eine Hautpflege in Frage kommt, geschieht vor allem zu Reinigungszwecken. Kluge Gesetzgeber forderten, um ihr Volk reinlich zu erziehen, Waschungen des Körpers als religiöse Handlungen. Das Ziel unserer Wohnungshygiene sollte sein, jedem es zu ermöglichen, täglich ein warmes Bad nehmen zu können, am besten in Form eines Vollbades ober doch wenigstens einer guten Dusche. Bei der Verunreinigung durch den Staub in der Stadt sollte jeder wenigstens wöchentlich ein­mal ein Bad nehmen. Außer für die Säuberung

von dem von außen eingedrungenen Schmutz wollen wir durch das Bad auch für eine Reinigung der Haut von den »ingetrockneten Absonderungen der Schweiß- und Talgdrüsen sorgen und die in steter Abschilferung befindlichen Oberhautzellen entfernen. Das Vollbad ist für diese Reinigung am geeignet­sten, weil warmes Wasser die fettigen Substanzen besser angreift und löst. Zweckmäßig ist es, die tägliche Reinigung des Körpers im Anschlich an die Tagesarbeit vorzunehmen, damit die hierbei auftre­tenden Verunreinigungen möglichst bald entfernt werden.

Mit Wasser allein ist aber eine gründliche Rei­nigung des Körpers nicht möglich, dazu bedarf es noch der Anwendung der Seife. Seifen, die wohl­riechen, find nicht immer die besten. Eine gute Seife soll den Körper so reinigen, daß nach der Waschung kein übler Geruch mehr da ist. Wir können also bet guten Seifen auf Zusätze von Wohlgerüchen ver­zichten. Auch soll man vorsichtig sein gegenüber sol­chen Seifen, die als Allheilmittel gegen die ver­schiedensten Hautkrankheiten angepriefen werden. Eine Seife kann für gewisse Erkrankungen der Haut ein vortreffliches Mtiltel sein, doch es gibt eine Reihe von Hauterkrankungen, wo die kritiklose An­wendung von Seife nur Schaden stiftet. Nicht zu unterschätzen ist der Wert einer guten Seife als Desinfektionsmittel. Hier möchte ich noch erwähnen, daß Seifen von empfindlicher Haut oft besser vertragen werden, wenn sie aufgelöst dem Bade zugesetzt werden. Für den allgemeinen Gebrauch sind überfettete Seifen zu empfehlen, die im war­men Wasser eine leichte Löslichkeit haben und beim Reiben gut schäumen.

Wichtig für eine gute Hautpflege ist auch die Beschaffenheit des Wassers. Wir unter­scheiden harte und weiche Wasser. D:e harten Wasser haben einen höheren Gehalt an Kalk- und Mugne- siumsalzen. Hartes Wasser wird nach längerem Kochen, wenn sich der Kesselstein abgesetzt hat, weich. Auch durch Zusätze von Borax ober Soda Fann es weichgemacht werden. Regenwasser ist weich und da­her sehr geeignet zum Waschen. Badezusätze wie Extrakte von Fichtennadeln wirken erfrischend auf das Nervensystem, besonders auf die Geruchsner- oen, haben aber sonst für die Hautpflege keine be­sondere Bedeutung.

Die gebräuchlichsten Arzneimittel zur Pflege der Haut sind Puder und Salben. Puder werden zur Austrocknung der Haut und zum Aufsaugen non Ausscheidungen gebraucht, während mit Salben eine Zuführung von Fett erreicht werden soll. Mit beiden wird als sogenannte Schönheitsmittel viel Reklame gemacht. Man tut daher gut, in ihrer Beurteilung und Benutzung Vorsicht zu üben oder sie nur nach Vorschrift eines Arztes anzuwenden. Von den stark parfümierten Salben gilt ungefähr das gleiche wie bei den Seifen.

Leider spielen in der heutigen Schönheitspflege nach allzusehr geheimnisvolle Rezepte von Schmin­ken, Pulvern und Salben eine Rolle. Sie führen meist zu einem Verkleistern der Hautporen, trocknen sie unnötig aus und schaden dadurch. Unser natür­licher Sinn sträubt sich gegen eine Schönheit, die ab­waschbar ist. Eine echte Schönheitspflege verlangt eine Pflege des ganzen Körpers in Ver- binbung mit Leibesübungen und natürlicher Lebens­weise.

Außenpolitische Umschau.

Von Prof. Dr. Otto Ho-etzsch, M.d R.

Im großen Kampf um den Genfer Fehlschlag ist zuruckgetreten, daß in Genf auch das Geärge­rt et behandelt wurde. Eigentlich sollte das schon unter Hinzuziehung Deutschlands geschehen, in einem wichtigen Augenblick, da es sich um die Neuwahl der Präsidenten der Reaierungskommission handelte. Endlich ist der Franzose R a u l t, der 6 Jahre diesen Posten gehabt und ihn ganz im einseitigen franzö­sischen Sinne ausgenutzt hat, ohne Kenntnis der deutschen Sprache, ohne Verständnis für die Inter­essen der Saar, beseitigt worden. An seine Stelle tritt ein Kanadier, an sich ja auch ein hohn- sprechender Widerspruch, daß eine spezielle schwie- rige deutsche und europäische Frage von einem Ka- nadier behandelt werden soll, aber Herr Stephens 6 hat bisher immer am meisten Objeküvität gezeigt, er spricht deutsch, und so ist das wenigstens ein Fort- f schritt. Dagegen ist das belgische Mitglied, das - die Saarbevölkerung durchaus ablehnte, und das ' ganz Poincars-Politik machte, zum sechsten Male wieder bestätigt worden. Ebenso sind entgegen dem (Saarreglement heute noch französische Truppen im Saargebiet, und auch dieses Mal hat die Erwartung getrogen, daß das endlich anders werde. Der Völkerbundsrat hat sich der Re­gierungskommission angeschlossen, die auf die Hin- .zuziehung französischen Militärs nicht verzichten zu können glaubt, als wenn im Saargebiet Mord und Totschlag herrsche, und eine wilde, 'unzivilisierte Be­völkerung dort lebe. Immerhin will die französische Regierung vorn 1. Mai an staffelweise ihre Trup­pen zurückziehen.

Das ist im ganzen keineswegs befriedigend, in alledem hat man sehr wenig vom Geist von Lo­carno gespürt. Allmählich bekommt man es ja nun auch satt, diesen sogenannten Geist immer wieder 3'tiert zu hören. Das Vertragswerk non L o- carno, man stehe dazu, wie man wolle, ist heute ein durch die Abstimmungen der Parlamente erneut befestigter, gewissermaßen neu ratifizierter 61 a a t s v e r t r a g, dessen Wirkungen abzuwarten sind, namentlich als sogenannteRückwirkungen", und weiterhin auf die Staatsbeziehungen überhaupt, m denen ja ohne Zweifel sowohl im Westen wie im Osten die Locarnoverträge eine neue Periode ein» geleitet haben. Ob das zum Vorteil ober zum Nach­teil für Europa und für Deutschland sein wird, das muß sich erst zeigen. Aber allein die Beziehungen der Staaten im Sinne des Systems der Staaten, der Gesellschaft der Staaten haben sich natürlich ba- geändert, daß ein solcher Garantiepakt von tun. Machten, ergänzt durch die bekannten Ost- vertrage, entstanden ist. Wir wiederholen un­ablässig vom deutschen Standpunkt aus, daß, wenn das nun einmal so ist und wenn daran infolge der getroffenen Entscheidungen nichts geändert werden 1°H oder kann, die Ergänzung dieses Locarno-

Fluß ist. Er sieht weiter, daß sich neue Staaten« b^ziehungen bilden, und daß darüber im Laufe der Monate der Völkerbund stark in den Hinter- gründ treten kann, vielleicht sogar zur Abdankung gezwungen wird. Das ist nun, nachdem im Kampf um das Sicherheitsproblem dieser große Abschnitt beendet ist, der Ausblick auf das weitere: Wie wird der Völkerbund dieser ganzen Lage gegenüber sich benehmen? Man glaubt wahrzunehmen, daß seine Führung in Genf die Gefahr der Lage begriffen hat, man merkt, das an der Aktivität, die von dort aus­geht. Das Arbeitsprogramm nach Dftein ist ja nicht gering. Am 26. April soll die Vorbereitungs« kommission für die Weltwirtschaftskonferenz begin­nen, am 10. Mai die Studienkommission für die Frage der Ratserweiterung, am 18. und 19. Mai die vorbereitenden Kommissionen für die Abrüstungs­konferenz. Zu allen dreien ist Deutschland einge« laben, zur ersten und dritten auch Nordamerika und Rußland. Bei der dritten will man sogar diese drei Mächte auch in die stündigen Militärkommis­sionen und die sogenannte Wirtschaftskommission mit hereinnehmen.

In bezug auf Deutschlandsmoralische Mitglied­schaft im Völkerbund" geht es also, saweit das von &enj aus zu beeinflussen ist, mit Volldampf vor­aus! Deutschland hat die Einladungen zur Ab­rüstungskonferenz und zur Weltwirtschaftskonferenz angenommen, und wird sich selbstverständlich daran beteiligen. Die Beteiligung an der Studienkomis« swn ist durch den Beschluß des Reichskabinetts eben­falls in Aussicht gestellt. Wie die Dinge nun gelaufen sind, rückt nun das Schwergewicht aller Deryanb- lungen und Entscheidungen in diese Sttidienkom- miffion. Zu einer Konferenz der Abrüstung und Wirtschaftsfragen kann man sich auch ohne den Völ­kerbund zusammenfinden, namentlich, in der Ab» rüftungsfrage ist Nordamerika jeden Tag bereit, die Initiative zu ergreifen. Die Frage aber, die im Vordergrund steht, ist, ob überhaupt der Völker- bunb sich über das, was er bisher war, vor­wärts entwickeln kann, ober ob auf die Krise in Gens ber volle Bankerott folgt.

Das ist gar nicht übertrieben unb gerade ber Völkerbundsenthusiast muß sich doch bieje Frage sehr ernst verlegen, die uns an sich kühl lassen kann. Wir haben uns nicht fjereingebrängt, ohne unsere Schuld ist dieser ganze Krakeel entstanden. Wir haben keine Vorschläge zu machen und uns zu be­mühen, nun eine Organisation zu bessern, der Deutschland durch die ganzen Jahre ihres Bestehens hindurch wahrhaftig nichts zu danken hat. Genau zu beobachten aber sind diese Vorgänge, die nach Ostern eine neue Phase einleiten sollen. Und je mehr man sie durchdenkt, um so klarer wird, daß Deutschland sein Eintrittsgesuch formal hätte zurück nehmen müssen. Es wäre viel freier, es ginge frei wie Ruß. land ober Nordamerika auf jene Konferenzen, es würde sich beteiligen an der Studienkommijsion, wenn es die andere Seite wünscht, aber es hätte b i e Hänbe frei für bie letzten Entschlüsse, bie es sich selber durch bie Entscheidung seiner Regierung unb ber Mehrheitsparteien vor ber Zeit festgelegt hat. Es ist merkwürbig, daß im Parteikampf diese einfache und klare Gedankenführung, bie in ber Rebe des Abmirals von Tirpitz herauskam, nicht erfaßt wurde und baß bie Mehrheit den zutage tretenden Wider­spruch des Kanzlers ohne weiteres hinnahm. Denn nach ihm soll Deutschland faktisch frei in seine» Ent­schlüssen fein, ob es in den Bund eintreten will ober kann. Aber sein Eintrittsgesuch konnte es unter Feinen Umstünden zurücknehmen, weil sonst das Lo­carnowerk gefährdet worden wäre!? Das Locarno- werk, das ja gerade durch das (Kommunique vom 16. Mürz und die darauf folgenden Abstimmungen in London und Berlin unabhängig non (9enf auf die Beine gestellt wurde.

Es ist nun, nach dem alles so durcheinander ge­raten ist, keineswegs leicht, bie neue Linie zu fin­den. Man kann nur bie Hoffnung aussprechen, daß bie Osterpause non ben Staatsmännern Deutschlanbs, Englanbs unb Frankreichs dazu benutzt werde, ein­mal in Ruhe unb Sammlung herüber nachzuben- Fcn, wie man bie selbstverschulbete Unorbnung wie­der in Ordnung bringt, bie Bahn frei machen Fann für bie doch unweigerlich im Laufe des Sommers Fommenben Auseinanbersetzungen um die großen Wirtschafts- und Finanzfragen: französisch-amerika­nisches 6d)uIbenabFommen, und französische Fi­nanzsanierung, und auf der anderen Seite Revision des Dawesplanes, handlespolitischer Aufbau für Deutschland und für Europa überhaupt!

meer im ganzen und berühren insofern selbstver­ständlich auch bie Interessen Frankreichs. Damit aber verbunden würbe bie Frage, wie ber Anschluß Deutschösterreichs an Deutschlanb zu verhindern wäre etwas, was gar nicht akut ist unb etwas, was mit ben anberen Plänen absolut nicht zusammen- hängt! DieTimes" hat sich besonbers angelegen sein lassen, diese Dinge zu besprechen, unb wir Horen da von benKleinlocarnisten", bie einen Bunb zwi­schen Jugoslawien, Italien, Frankreich, bann Tschechoslowakei, Rumänien unb vielleicht auch Deutsch-Oesterreich zustanbe bringen wollen, auf ber Plattform: Fein Anschluß Deutsch-Oesterreichs an Deutschlanb.

Soweit jene Verhanblungen, die bis heute nicht zu irgend einem Abschluß gediehen sind, bie Drbnung der süb- unb südosteuropäischen Verhältnisse betref­fen, können wir sie nur begrüßen. Sie gehen in der Linie ber Konjolibation unb Befriebung Europas, und je mehr darin Italien die Führung über­nimmt, um so besser wird es für den ganzen Zu­sammenhang und für Europa sein. Soweit diese Bestrebungen, bie natürlich auch auf bie Kleine En­tente weiterwirken, aber mit ber deutsch-oster- reichischen Anschlußfrage verquickt werden und gewisfermatzen einen Schwung in ber Richtung gegen Deutschland geben sollen, sehen wir ihnen mit großer Ruhe zu. Ein Bund zwischen ben genannten Staaten gegen Deutschlanb zu gebuchtem' Zweck ist von vornherein ein totgeborenes Kinb. Er geht voll- ftänbig in bie Luft, es ist kein Gegner ba, gegen den er feine Spitze richten könnte. Dagegen wäre er ein vortreffliches Mittel, bie Genossen dieses Bun­des recht gründlich auseinander zu bringen, unb was dem Locarno-Vertrag als Idee zugnmbe lag. bie Verhütung von kriegerischen Konflikten burch, Mittel frieblicher Auseinanbersetzung, bas ginge babei erst recht in bie Luft.

Wer bie Beziehungen ber europäischen Mächte zueinander jetzt verfolgt, sieht, daß überall viel Le­den ist, viel Aufregung unb daß - vieles in vollem

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