alle Beamte dar. die nicht überzeugte Republikaner feiert Außerdem sei die Erklärung des Innenministers verfassungswidrig, da die Verfassung die freie politische Meinungsäußerung schütze.
Abg. Koch- Weser «Dem.) halt den im deutschnationalen Wttrag seinerzeit arrsgesproche- nen Gedanken, eine vom Reichstag unabhängige Reichsregierung zu bilden, für unmöglich. Eine Heraufsetzung des Wahlakt e r s auf 21 Ähre hält Redner für annehmbar, aber für nebensächlich im großen Rahmen der Wahlreform. Dem Reich müsse eine Möglichkeit gegeben sein, in den Ländern gewisse Fragen gebührend beeinflussen zu können. Das sei- Uni» tarismus. Auch müßten wir zu einer Reichsangehörigkeit kommen. Der Plan des Baues eines Hochhauses für die Zusammenfassung der Reichsministerien, der vom Reichstage zum Beschluß erhoben worden ist. sei endlich durch-- zuführen. Die republikanische Gesinnung müsse bei allen öffentlichen Amtshandlungen vorausgesetzt werden.
Abg. Schreiber (Zentr.i: Die Verwaltungsreform soll dem Reichsinnenministerium seine zentrale Stellung wiedergeben. Dass Reichsfinanzministerium hat dieses Ministerium praktisch zurückgedrängt. Die Föderativstaaten sollen ihre Kulturpolitik behalten, aber in einem gegenseitigen Einverständnis mit den Ländern hat das Reich im Auslanddeutschtum und in der wissenschaftlichen Kultur eine bedeutsame Tätigkeit zu vollziehen. Der Rotgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft und anderen großen Kulturinstituten müsse die volle Entfaltungsmöglichkeit gestattet werden.
Hierauf vertagte sich der Ausschuß auf Dienstag.
Deutscher Reichstag.
Soziale fragen.
Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung des Haushaltes des Reichsarbeitsministeriums.
Abg. Großmann (Soz.) ersucht bei dem Etattitel „Beiträge für das Internationale Arbeitsamt in Genf" um schleunige Vorlegung des angekündigten Arbeitszeitgesetzes, das den gewerkschaftlichen Wünschen auf Festlegung des A ch t - stundentages entsprechen müßte. Der englische Arbeitsminister habe sich kürzlich auch in einer Rede für die internationale Festlegung des Achtstundentages ausgesprochen. Die für Ende dieses Monats geplante Zusammenkunft der Arbeitsmini st e r der wichtigsten Länder werde hoffentlich zur allgemeinen Ratifizierung des Washingtoner Abkommens führen. Der Redner ersucht weiter um Fortführung der Bestrebungen auf Anerkennung der deutschen Sprache als dritte offizielle Amtssprache des Internationalen Arbeitsamtes. Im Zusammenhang damit müßten auch mehr erts bisher deutsche Beamte vom Inter- nationalen Arbeitsamt eingestellt werden. Auf der anderen Seite sollte auch Deutschland dem Internationalen Arbeitsamt einen Beitrag zahlen, der Deutschlands Größe und Bedeutung entspreche.
Abg. Thiel (D. Vp.) begrüßt es, daß nach der Erklärung des soz. Redners eine Einheitsfront von links nach rechts besteht in der Forderung der Einführung der deutschen Sprache als offizielle Amtssprache des Internationalen Arbeitsamts. In der Zusammensetzung der Verwaltung des Amtes müsse auch Wandel geschaffen werden. In der eigentlichen Leitung des Amtes sei Deutschland jetzt überhaupt nicht vertreten. Bevor dieser skandalöse Zustand nicht beseitigt ist, dürfe Deutschland , kein Abkommen des Internationalen Arbeitsamtes ratifizieren, sonst werde der gerechte Anspruch V Deutschlands niemals erfüllt werden.
Abg. Schneider (Dem.) fordert gleichfalls die F Zulassung der deutschen Amtssprache in Genf und eine stärkere Vertretung Deutschlands in der Ver- 1 waltung. Die vom Abg. Thiel dazu vorgeschlagenen Zwangsmittel seien freilich verfehlt. Es sollte auch darauf hingewirkt werden, daß sich das internationale Arbeitsamt nicht nur der reinen Arbeiterfragen, sondern mehr als bisher auch der Angestelltenfragen annimmt. Für Angestelltenfragen sollte ein besonderes Referat in Genf geschaffen werden, . Das am besten mit einem Deutschen zu besetzen wäre.
Beim Kapitel „Gewerbeaussicht"
führt Frau Abg. Sender (Soz.) Beschwerde über unvollkommene Durchführung der Arbeiterschutz- bestimmungLn. Der Apparat der Gewerbeaufsicht reiche nicht einmal aus, um jeden Betrieb einmal im Jahre zu revidieren. 3m Arbeitsministerium sollte eine besondere Abteilung für Arbeiter- und Angestelltenschutz eingerichtet Werdern Die reichsgesetzliche Regelung der Hcrndelsauf- sicht müsse beschleunigt werden. 3n allen Berichten der Gewerbeaufsicht werde die segensreiche Tätigkeit der Betriebsräte anerkannt.
Abg. Dr. Spuler (Dntl.) erörtert Fragen der Sozialversicherung. Es müßte möglich sein, an die Stelle der Invalidenrenten auf Antrag des Versicherten eine Kapitalabfindung zu setzen. Die Hausangestellten sollten nicht in die allgemeinen Ortskrankenkassen ausgenommen werden. Von größter Bedeutung sei der Umstand, daß die Beschäftigungsart sich immer mehr so entwickele, daß der Arbeiter nicht mehr Freude an seiner Tätigkeit habe. Die Erwerbslosenversicherung mühte zu einem Teil der Krankenversicherung gemacht werden. Für Jugendliche sollten Zwangssparkassen eingerichtet werden. Bei der Regelung der Arbeitszeit müßte aufdieArtderArbeitRücksicht genommen werden. Eine Arbeit, die den Menschen zur lebenden Maschine mache, müsse so kurz und intensiv wie möglich sein.
Abg. Dierath (Komm.) fordert eine Erweiterung der Rechte der Betriebsräte auf dem Gebiete des Arbeiterschuhes.
Abg. Frau Schroeder (Soz.) fordert gesetzlichen Schutz der Kinder vor Ausnutzung bei der Landarbeit.
Beim Kapitel ..Sonstige soziale Maßnahmen" tritt Frau Müller-Otfried (Dntl.) für Verbesserungen in der Kleinrentnerfürsvrge ein.
Abg. Frau Dr. Matz (D.B.P.) begründet eine Interpellation der Deutschen Volkspartei, in der über mangelhafte Durchführung der Kleinrenterfürsorge Beschwerde geführt wird.
Abg. Frau Iucharz (Soz.) fordert Individualisierung bei Anwendung der Fürsorge- pslichtverordnung.
Ministerialdirektor Dr. Ritter erklärte zu den Beschwerden übet mangelhafte Kleinrentnerfürsorge, daß die Reichsregierung sich bei solchen Beschwerden immer auf die Seite der Kleinrentner gestellt habe. Die Regierung achte streng auf die Durchführung der zugunsten der Kleinrentner und Sozialrentner ausgestellten Richtsätze, lieber die
Fürsorgepflichtverordnung stehe die Aufsichtspflicht nicht dem Reiche zu. sondern Den Ländern. Weiterberatung Dienstag nachmittag.
Schon wieder einmal besteht zwischen Litauen
und Polen ein ernstlicher Konflikt. Rach litauischen Meldung sollen reguläre polnische Soldaten auf litauisches Gebiet vorgedrungen sein und nach lebhaftem Kampf den litauischen Grenzschutz zurückgedrängt haben, der dabei sieben Gefangene verloren hat. So die litauische Darstellung an den Generalsekretär des Dölkerbun- des. Auch Die polnische Vertretung in Genf hat eine Erklärung an den Generalsekretär des Döl- kerbundes gerichtet, in der behauptet wird, daß 50 bewaffnete litauische Grenzwächter auf polnisches Gebiet vorgedrungen seien. Polen habe mit Hilfe der Polizei die Ordnung in diesem Grenzgebiet hergestellt und dabei acht Personen festgenvmmen. Wie immer schiebt Der eine die Schuld auf Den anderen. Polnisch-litauische Grenzzwischenfälle haben sich in den letzten Jahren häufig wiederholt und werden auch in Zukunft nicht ausbleiben, da in verschiedenen Gegenden die Grenze noch immer nicht so festgelegt ist, daß ein für allemal jede Streitigkeit über ihren Verlauf ausgeschlossen ist. Vor allem Polen ist nicht mit der Grenzziehung einverstanden, wie sie im Jahre 1922 und Dann nochmals im Jahre 1923 vom Völkerbund vorgenommen wurde. Run wird sich der Dölkerbundsrat wieder einmal mit einem litauisch-polnischen Kon- flitt zu beschäftigen haben. Seine Vermittlung wird nicht dazu dienen, den alten Gegensatz zwischen Polen und Litauen zu vermiirdern, so lange er nicht seine Haltung in der Wilna-Frage gründlich revidiert hat. Litauen wird es dem Rat nie vergessen, daß er in der Wilna-Frage zu seinen Ungunsten entschieden hat.
Das syrische Mandat.
Die gegenwärtig in Rom tagende Mandatskommission des Völkerbundes hat sich sehr eingehend mit dem syrischen Mandat beschäftigt. Da Die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen stattfinden, ist über den tatsächlichen Verlauf der Verhandlungen bisher wenig bekannt geworden. Eins steht jedoch fest: In italienischen und englischen Kreisen zeigt man das größte Interesse für die Untersuchungen der Mandatskommission. Besonders Italien ist es keineswegs unangenehm, toeitn von der in Rom anwesenden Drusendelegation immer wieder der Oeffentlichkeit erklärt wird, daß Frankreich nicht in der Lage sei, das Mandat zu verwalten, und daß die französische Politik immer neue Fehler macht, Die geeignet sind, die Völker des nahen Orient in Bewegung zu bringen. Frankreich beschwert sich Darüber, daß England nichts zur Unterdrückung des Drusenaus- slandes beigetragen habe, und der französische Konnnissar für Syrien, de Iouvenel, erklärte erst kürzlich daß 10 000 aufständische Wahabiten unter den geschlossenen Augen der englischen Behörden Transjordanien durchquerten. Schon verschi^>entlich "hat Mussolini zu erkennen gegeben, daß er durchaus bereit sei, das syrische Mandat zu übernehmen. In Verbindung • mit dem vor einigen Wochen aufgetauchten Gerücht über ein englisch-italienisches Geheimabkommen wurde von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen, daß England Italien das syrische Mandat in Aussicht gestellt habe. Irgendwelches positive Ergebnis wird die Untersuchung der Mandatskommission natürlich nicht haben und auch die Beschwerden der Drusen werden nicht berücksichtigt werden, trotzdem die Drusenvertreter dieses Mal dafür gesorgt haben, daß ihr Standpunkt in der Oeffentlichkeit weiteste Verbreitung fand. Sie werden hoffentlich dieses Mal nicht wieder vor ihren Landsleuten beschimpft werden.
Italienische Provokation in Innsbruck.
Wien, 1. März. (WTB.) Amtliche Rachrichtenstelle. Eine Abteilung italienischer Eisenbahner, die in Innsbruck dienstlich beschäftigt ist, ließ sich gestern auf Dem Dortigen HaupLbahnhof photographieren, wobei als Hintergrund eine aufgepflanzte italienische Trikolore mit Dem Bilde Mussolinis benutzt wurde. Alle Teilnehmer hatten das Zeichen des Fascio angelegt Gegenüber dem ruhigen Einspruch deutsch-österreichischer Einwohner erwiderten die Italiener, Innsbruck werde sich an den Anblick der italienischen Trikolore gewöhnen müssen. (!) Dem besonnenen Eingreifen des Stationsvorstandes gelang es, einen tätlichen Zusammenstoß zu verhindern.
Kleine politische Nachrichten.
Reichskanzler Dr. Luther ist in Hamburg eingetroffen. In seiner Begleitung befanden sich Der Hamburgische Gesandte in Berlin, Senator Brandes, Geheirrrat Z e ch l i n. von der Presseabteilung der Reichsregierung. und Rittmeister Blank von Der Reichskanzlei. Der Reichskanzler wurde im Auftrage des Senats am Bahnhof von Regierungsrat Dr. Meyer empfangen. Der Reichskanzler hat im Hotel „3u Den vier Jahreszeiten" Wohnung genommen.
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Der Kreuzer „Berlin" ist am 1. Marz in St. Vincent (Kap Verdische Inseln) eingetroffen und fährt am 3. März weiter.
Mit Zustimmung der preußischen Regierung hol der Senat der Freien Stadt Hamburg den acht Freiwilligen der Mannschaft des Rettungsbootes Der „W estfalia", die preußische Staatsangehörige sind, die Hamburgische Rettungsmedaille verliehen.
Die Reichsregierung hot dem Reichsrat einen Gesetzentwurf oorgelegt. Der Die Verlängerung des Befoldungssperrgefetzes bis zum 31. März 1927 Vorsicht.
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Wie verlautet, wird die Reichsregierung durch Den deutschen Gesandten in Warschau Der polnischen Regierung eine Beschwer!»e- nvte überreichen lassen, in D$r gegen Die unqualifizierten Angriffe Der polnischen Presse gegen die Beamten des deutschen Generalkon- sustits in Kattowitz anläßlich der Deutschen-Ver- Daf tun gelt in Oberschlesien energischer Protest erhoben werde.
Der Parteivorstand der Deutschnationalen Volkspartei wird am 24. März zusammentreten, um Die Wahl des Parteivorsitzenden an Stelle des zurückgetretenen Dr. Winkler vorzunehmen. Gleichzeitig soll über eine Umbildung des Parteivorstandes im Sinne einer verstärkten Einflußnahme der Provinzvertretim- gen beraten werden.
Die demokratische Reichstagsfraktion hielt am Montagnachmittag eine Sitzung über die Frage Der Fürstenabfindung ab. Eine Darüber ausgegebene Mitteilung besagt, Daß Die bis jetzt erreichten Verbesserungen des ursprünglichen Kompromißent- wurses den demokratischen Forderungen noch nicht gerecht werden. Wenn nicht aus Den im Gange befindlichen Verhandlungen wesentliche Verbesserungen hervorgehen, so werde sich die Fraktion in einer ihrer nächsten Sitzungen Darüber schlüssig werden, ob sie ihren Anhängern eine Beteiligung am Volksbegehren empfehlen soll.
Sämtliche Gemeinden Des Kreises Bingen, außer Heidesheim und Wackernheim, wurden dem englischen Besahungsgebiet §ugeteilt. Die Grenze DeS englischen Desatzungsgebietes ist Ingelheim. Heidesheim und Wackernheim gehören weiterhin Der französischen Desatzungszone an.
In Chemnitz fanden große, von den Kommunisten inszenierte Demonstrationen statt. An einigen Stellen kam die Polizei wiederholt in bedrängte Lage und mußte gegen Die an- stürmende Wenge vorgehen. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Gegen Abend gelang es, die Ruhe wieder herzustellen.
Im norwegischen Storthing wurde daS bürgerliche Linkskabinett Mohwinckel bei den Etatsberatungen durch die beiden Rechtsparteien und Den Bauernbund mit 76 gegen 74 Stimmen gestürzt.
Staatsminister Mohwinckel hat Dem König fein Abschiedsgesuch überreicht. Als Rachfolger hat Mohwinckel dem König den Führer Der Rechten, Lykke, und Den Führer der Bauernpartei, Melkbye, in Vorschlag gebracht. Die beiden Politiker wurden später zum König gerufen. Man erwartet, daß Die neue Regierung von Der Rechten unD Der freisinnigen Linken mit Lykke als Ministerpräsidenten gebildet werden wird.
Kunst und Wissenschaft.
Zum 90, Geburtstag Theodor Nöldekes.
21 m heutigen Tage begeht Der berühmte Orientalist Theodor N ö l D c f c in Karlsruhe, wo er seit seiner Vertreibung aus Straßburg lebt, Den 90. Geburtstag. Geboren am 2. März 1836 in Harburg, ragte er in eine Zeit hinein, Die nun schon einer ferneren Vergangenbeit angehört; hat er doch seine erste große wissenschaftliche Arbeit über Die Korn- Position Der Suren und Des Korans, mit Der Der 19jährige Student an Der Universität Göttingen den akademischen Preis gewann, bereits im Jahre 1855 entworfen. In Göttingen habllitierte sich Nöldeke im Jahre 1861 für orientalische Sprachwissenschaft, 1864 ging er als außerordentlicher Prosesior nach Kiel und wurde von dort im Herbst 1872 an die neugegründete Kaiser-Wilhelms-Universität in Straß- bürg berufen. Er war einer Derjenigen, die am meisten zum Ruhme dieser unvergeßlichen Stätte Deutscher Wissenschaft beigetragen haben. Eine ungemein fruchtbare literarische Tätigkeit, die insbesondere Der arabischen, der syrischen und der persischen Sprache und Kultur gewidmet war, von hier aus aber auf die verschiedensten' Gebiete, wie Die Kritik des Alten Testaments und die alte Geschichte Übergriff, hat Nöldeke ein Ansehen verschafft, das vor keinen politischen Grenzen Halt machte. Auf das Haupt Des stillen Gelehrten häuften sich äußere Auszeichnungen aus Dem In- und Ausland in Hülle und Fülle — unter anderem ist er Inhaber Der Friedensklasse Des Ordens Pour le M^rite —; und doch blieb er Der bescheidene Mann, der nur der Wissenschaft und seiner Lehrtätigkeit lebte. Den größten Teil seiner Straßburger Zeit bewohnte er in Der Altstadt an Der III ein kleines, modernen hygienischen Ansprüchen wohl kaum mehr genügendes Häuschen. Dort versammelte er den bei seinem Fach naturgemäß beschrankten Kreis seiner Zuhörer, aus Deren Zahl hier Der früh verstorbene frühere Orientalist unserer Landesuniversität Friedrich S ch w a l l y hervorgehoben sei. Aber über diesen Kreis der Schüler hinaus war die Universität und die Stadt stolz auf den berühmten Professor, Der, von kleiner Gestalt, ein fast schwächliches Aussehen hatte, und der doch alle feine Straßburger Alterskollegen überleben sollte. Nöldeke ist Straßburg treu geblieben, auch nachdem er sich mit siebzig Jahren am 1. April 1906 von den Lehrverpflichtungen hatte entbinden lassen. Erst der unglückliche Ausgang des Krieges, der Verlust Elsaß-Lothringens und der Zusammenbruch Der Universität hat den damals 83jährigen Gelehrten gezwungen, Straßburg zu verlaßen, um in Karlsruhe feinen Lebensabend zu beschließen. Nicht allein, wer das Glück hat, die Freundschaft dieses ausgezeichneten Mannes zu besitzen, sondern auch, wer von Der stillen Arbeit eines Großen im Dienste der Wissenschaft Achtung empfindet, Darf am heutigen Tage mit Gefühlen inniger Dankbarkeit des 90jährigen Theodor Nöldeke gedenken. R. L.
Die Grundmauern einer alten Königsburg gefunden.
Rachdem im vergangenen Herbst bei Ausgrabungen in Der Rähe der Raminebsbergkaserne in Goslar die Grundmauern der alten I o - hanniskirche freigelegt wurden, hat jetzt ein glücklicher Zufall zur Freilegung von Grundmauern geführt, die mit Sicherheit der alten Steinbergburg Heinrichs IV. zuzuweisen sind, dem Kastellanum in Monte Lapideo, wie sie in den Urkunden genannt wird. Die Mauer wurde bei Ausschachtungsarbeiten am Schieferberg freigekgt und als ein unzweifelhaft mittelalterliches Bauwerk festgestellt. Sie ist etwa 90 Zentimeter stark, einen Meter hoch und in einer Länge von dreißig Meter blohgelegt.
Von der Universität Marburg.
Der außerordentliche Professor am Anatomischen Institut Der Universität Leipzig Dr. Eduard I a - cobshagen ist an Stelle von Professor Dr. Otto Veit zum Abteilungsvorsteher am Anatomischen Institut der Universität Marburg ausersehem Der früher in Marburg, jetzt in Kiel tätige außerordenl- liche Professor Dr. Alfred Bcnninghoif ist als zweiter Prosektor am Anatomischen Institut Der Universität Berlin ausersehen.
Aus aller Welt.
Der Fall Iuergens.
Berlin, 1. März. (WTB.) Veranlaßt durch die Veröffentlichungen der Presse über Den Fall Iuergens haben sich bet Den Untersuchunasbehörden in Stargard unD in Berlin eine ganze Reihe wich, tiger Zeugen gemeldet, die geaen das angefchul- Digte Ehepaar Iuergens äußerst belastende An- gaben machten. Es. soll sich herausgestellt Haden, daß Die Eheleute Iuergens bei ihrem Wegzug aus Stargard an etwa 50 Stellen Schulden in einer Gesamthöhe von rund 25 000 Mark hinterlassen haben. Diese Forderungen, Die teilweise auf große Zechen zurückgehen sollen, werden erst jetzt bet der Staatsanwaltschaft angemeldet. Frau Iuergens soll ihrem Gatten über ihre Geldverhültnisse oft u n - wahre Angaben gemacht Haden, weshalb von Der Behörde angenommen wird, daß Frau Iuergens Die alleinige Urheberin Der fingierten Einbrüche gewesen sei, und die gestohlenen Gegenständs verkauft oder versetzt habe, um auf diele Art zu Geld zu kommen. Die weitere Untersuchung wird ergeben müssen, ob Iuergens tatsächlich nachträglich von Den durch seine Gattin finaierten Einbrüchen Kenntnis erhalten habe. '
Eine turbulente Hochzeitsfeier.
In O r c ch o w (Karpatharußland) kam es bei einer Hochzeit in der Kirche während Der Trauungs- geremonie zwischen Den Hochzeitsgästen zu einem erbitterten Streit, so daß Der Geistliche gezwungen war, die Gendarmerie zu Hilfe zu rufen. Bevor diese aber zur Stelle war, gab es einen Toten und mehrere Verwundete.
Die Einführung der Sommerzeit in Frankreich.
Paris, 2. März. (WTB. Funkspruch.) „Journal" veröffentlicht heute ein Dekret, wonach die Sommerzeit in Der Nacht vom 17. auf Den 18. A v r i l d. I. eingeführt und die normale Zeit am 2. Oktober wieder hergestellt wird.
Schwere Gasvergiftung.
In Köln- M.ü hlheim wurde der Arbeiter Peter Gassen, ferne Frau und Jein achtjähriges Töchterchen im gemeinsamen Schlafzimmer infolge Gasvergiftung tot aufgefunden. Der 13jährige Sohn, der' im anderen Zimmer geschlafen hatte und erst morgens das Zimmer der ®ltecn betrat, mußte ebenfalls infolge Gasver> gifttrng ins Krankenhaus gebracht werden. Das Unglück ist durch einen beschädigten Schlauch verursacht.
Wettervoraussage.
Meist bedeckt, westliche Winde, Temperaturen etwas ansteigend, noch Niederschläge oder Nebel» dildung.
Die Hochdrucklage hat sich zwar wieder hergestellt, doch greifen heute Ausläufer des nördlichen Fallgebiets tief nach Mitteleuropa hinein und bewirkten unter Zufuhr westlicher Luft vielfach Niederschläge. Erst nach Vorübergang des Wirbels dürfte eine leichte, nur kurze Besserung der Wetter läge einsetzen.
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Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 2. März 1926.
Die Jagd im März.
Der diesjährige Winter ist wirklich recht wandelbar. Vorherrschend war fein Verlaus verhältnismäßig miß), nur Keine Frostperioden kennzeichneten seinen Charakter. Für unser Ruhwild, das in diesem Monat allgemein Schonzeit hat. war das Wetter nicht ungünstig. Größere Wild - Verluste sind kaum zu bÄllagen, da Schnee und Frost nur zeitweilig dem Wilde zusehten und ihm Aesungsschwierigkeiten bereiteten. Mit dem zunehmenden Hochstande der Sonne ist auch wohl weiter damit zu rechnen, daß gelegentliche Kälte- rückfätte nicht mehr so schwer ins Gewicht fallen können.
Das Edelwild zieht an Waldbäche und warme Quellen, wo die Brunnenkresse sprießt, um davon gierig zu äsen. Diese Aesung ist für das Wild geradezu Medizin. Auch kräftig entwickelte Saaten üben ihre Anziehungskraft aus. In höheren Gebirgslagen allerdings muß sich das Edelwild noch mit Heidekraut und Knospenäsung begnügen. Fütterung ist dort um so mehr geboten, als das Wild an Engerlingen ’ leidet und dadurch leicht herunterkommt. Starke Hirsche, die das Geweih abgetoorfen haben, bevorzugen als Standort raume Stangenorte, um die wachsenden Geweihe nicht zu verletzen. Vorhandene Salzlecken sind neu aufzufrischen, neue anzulegen.
Die Sauen haben in diesem Winter kaum zu leiden gehabt. Hochbeschlagene Dachen trennen sich von der Rotte, um in dichten Dickungen zu frischen. Keiler stecken auch jetzt einsam im tiefsten Forst, halten feiten Wvchsel und noch weniger die Zeit inne. In warmen Rächten zu Ausgang des Monats nehmen die Sauen schon gern Feldsuhlen an.
Die Rehe ziehen aus dem inneren Walde nach den Vorhölzern, um auf gepflegten Revieren gewöhnlich mehrmals nahe Saatfelder aufzu- suchen. Abends tritt das Reh gewöhnlich bei oder nach Sonnenuntergang aus. Auf Die Salzlecken ist Obacht zu geben und für neue Auffüllung zu sorgen. Schneereiche Märzmonate, in Denen Frost und Regen einander ablösen, tun öft großen Schaden.
Die Auerhähne haben sich ihre Balz- stände erkoren und treten in manchen Gegenden schon Ende März bei guter Witterung in die Balz.
Der Hase hatte früh mit dem Rammeln begonnen, deshalb werden Hasensätze in diesem Monat keine Seftenheit fein. Die jungen Häschen fallen nur zu leicht der Rässe zum Opfer. Dagegen kann sie der Jäger nicht schützen, wohl aber gegen das Raubzeug, die Hunde, Katzen und Krähen, auf die er nach Kräften passen muh.
Rebhühner beginnen sich zu paaren, und kämpfen Die Hähne um die Hennen. Kleine, zum Schutze des Federwilds angelegte Feldremisen begünstigen die Paarung und fördern zeitige Gelege auch da, wo schwache Felddeckung vorhanden. Auch ist hier kein Ausmähen zu befürchten.
Die Märzenten haben sich gepaart und beginnen zu legen. Sie sind zu schonen.
Der Vogelzug beginnt. Allem Anschein nach haben wir mit einem früheren Eintreffen verschiedener Vogelarten zu rechnen. Strichvögel, z. B. Stare, waren in vielen Gegenden bereits im Januar anzutreffen; die Lerchen und die ersten Ringeltauben folgten im Februar. Haus- rotschwanz. Bachstelze. Singdrossel, Kiebitz ufto. werden bald folgen als Quartiermacher.
Rraftpi plane der und SllsfeJ Führten jt aufgehoben. Süttorf tagt fiCi'ljrf, uni seid an M 11.45 W. Alsfeld ab Avm gleid Kirchhain ( von Sirtoi legt, ab J 7.20 Uhr.
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