ein Vorzugsrecht in der Benutzung de« Sportplatzes aus die Dauer von 15 Jahren einräumte und zu den Planierungsarbeiten >300 000 Mt. zur Verfügung stellte. Dieser Beschluß kam dadurch zustande, daß nach einer Vereinbarung die beiden Turnvereine aufgesordert werden sollten, die Planierung des Platzes selbst zu über-, nehmen, da in damaliger Zeit die Gemeinde sehr sparsam mit ihren Mitteln umgehen mußte. In einer nächsten Sitzung teilte der Bürgermeister das Ergebnis der Verhandlungen mit; es ging dahin, daß die Freie Turnerschaft zur llebernahme der Arbeit bereit sei. während, wie der Bürgermeister mitteilte, der „Turnverein" lein Interesse an der Anlage eines Sportplatzes habe. Der „Freien Turnerschaft" wurde damals die Arbeit übertragen, sie ersparte dadurch der Gemeinde eine große Summe Geld. Dafür wurde ihr als Aequivalent ein Vorzugsbenuhungsrecht auf die Dauer von 15 Iahren eingeräumt, außerdem leistete die Gemeinde einen Zuschuß von 300 000 Mk. Nachdem dieser Zustand drei Iahre lang bestand, bestreitet nunmehr der „Turnverein", die vom Bürgermeister angegebene Stellung eingenommen zu haben, die Interessen des „Turnvereins" seien vom Gemeinderat bewußt geschädigt worden. Der ganze Verlaus der Angelegenheit wurde in der Sitzung eingehend dargelegt, wobei der Bürgermeister ausdrücklich feststellt, daß ihm tatsächlich mitgeteilt sei. der „Turnverein" habe fein Interesse an der Anlage des Sportplatzes. Dieses geringe Interesse und das Bedürfnis habe der „Turnverein" auch dadurch bekundet, daß er in den drei Iahren seit Bestehen deS neuen Sportplatzes diesen fast überhaupt noch nicht benutzt habe. Hierbei stellt der Bürgermeister eine weitere falsche Darstellung des „Turnvereins" richtig, indem behauptet wurde, der Schulvorstand habe ein parallel mit der Eportplatzfrage eingereichtes Gesuch deS „Turnvereins" um lleberlassung eines Schulhofes a b g e l e h n t. Der Bürgermeister bestätigt, daß der Schulvorstand die Hergabe des Schulhofes einstimmig genehmigt habe. In einem Schreiben teilt die „Freie Turnerschast" nunmehr mit, daß ihr die Planierung des Sportplatzes 632 Mk. gekostet habe. Aach Abzug der von der Gemeinde erhaltenen 300 000 Mk. = 8.19 Am. bleibt ein Aufwand von 623.19 Am. In dieser Eumn^e ist nicht die laufende Unterhaltung des Platzes einbegriffen. Der Verein ist bereit, von seinem Vorzugsrecht zurückzutreten, wenn entweder die 623 Mk. von der Gemeinde zurückerstottet werden. oder der „Turnverein" die nachträgliche Erstattung der Hälfte der Kosten übernimmt. Der Gemeinderat erkennt einstimmig die Berechtigung dieser Forderung an, erklärt sich aber gegenwärtig außerstande, die Kosten zu übernehmen und beschließt, das Schreiben der „Freien Lurnerschaft" an den „Turnverein" weiter zu leiten, um so diesem die Möglichkeit zu geben, gleichberechtigt in der Benutzung des Sportplatzes zu werden. — Die Vorbereitung der Aegelung von Wohnungszuweisungen, die bei der dernnächstigen Fertigstellung einer Anzahl Neubauten akut wird, wurde der Wohnungskommission übertragen. — Die Reparatur der Fuhrwerkswage wurde genehmigt. Gewünscht tourbe hierbei, zu untersuchen, ob es möglich sei. die Wage zu heben, da sie gegenwärtig der Feuchtigkeit ausgesetzt sei. Im Auge behalten werden soll auch eine evtl. Verlegung oder die Anschaffung einer zweiten Wage. — Die Erwerbslosen hatten ein Gesuch eingereicht, nach dem sie verlangen, daß 1. die Erwerbslosen von l sämtlichen Steuern und Abgaben an die Ge
meinde befreit werden, 2. an sämtliche Erwerbs- F lose, soweit sie Mieter find, ein monatlicher Zu
schuß in der Höhe der zu zahlenden Miete ge- 7 zahlt wird und 3. der Sitzungssaal der Bürger
meisterei kostenlos zu Versammlungen berettaestellt wird. Nach einer ausgiebigen Aussprache, in der besonders betont wurde, daß die beste Hilfe für Erwerbslose die Schaffung von Arbeitsgelegenheit sei. wurde beschlossen, der Schaffung von Notstandsarbeiten beschleunigt näherzutreten. Der Bauausschuh soll die netto enbigen Vorarbeiten erledigen. Die finanzielle llnterftühung des Einzelnen könne nur individuell geregelt werden. Diese Angelegenheit gcht an den Finanzausschuß. Zu Steuer-Erlassen sei der Gemeinderat nicht zuständig, et könne nur Steuern stunden. Von dieser Gelegenheit werde ausgiebig Gebrauch gemacht. Bezüglich des dritten Teiles des Anttages der Erwerbslosen wurde der Bürgermeister beauftragt, auf Kosten der Gemeinde einen Raum sicherzustellen, in dem die Erwerbslosen ihre Versammlungen, ohne zu Geldausgaben gezwungen zu sein, ab- halten können. Die Hergabe des Sitzungssaales könne in Anbetracht dessen, daß darin die Akten der Bürgermeisterei aufbewahrt werden, für die Oeffentlichkeit nicht mehr in Frage kommen. — Der letzte Punkt betraf die Verlegung einer Transformatorenstation, dre durch die Vergrößerung des Ortsnetzes und die Ausdehnung des Ortes selbst notwendig geworden ist. Nach der vom Elektrizitätswerk Gießen vor- geleaten vorläufigen Kostenrechnung erfordert die Verlegung der Station und der damit verbundenen Arbeiten eine Ausgabe von 15 500 Wk. Zu einer derartig hohen Ausgabe sind vorläufig keine Mittel voichanden, die Angelegenheit wirb vertagt, um zunächst festzustellen, welche iwt- toendigen Arbeiten in allererster Linie auszuführen sind.
+ Rödgen, 1. Febr. Heute wurde die hiesige Feld- und Waldjagd verpachtet. Die neuen Pächter find drei Gießener Herren: Gastwirt Boller, Tierarzt Dr. Erb und Bier- grvhhändler E. Schmal l. Die Pachtfumme von 750 Mark bleibt um 150 Mark hinter der vom letzten Iahre zurück. Linser Bestand an Hasen und Rehen ist sehr gering; dagegen beherbergen imfere Wälder viele Füchse und Dächte.
--[■ Rödgen, 1. Febr. Der Gemeinderat und GemeinLevorstand beabfichttgen, den bezeichnenderweise als „D r e ck g a s s e" bekannten Weg vom Bahnhof um das Dorf unmittelbar auf die Gießener Straße so herzustellen, daß man ihn auch benutzen kann; zur Zeit ist es unmöglich. Die alte Kirchhofsmauer, ein Wahrzeichen des Ortes, wird bröckelig und rissig; sie wird erneuert, denn ein Wegreihen wird der Hessische Denkmalsschutz kaum erlauben. In der Hintergässe soll die Mauer soweit zurückgefetzt werden, daß Raum für eine Strahen- e rto eiterung gewonnen wird. — Pfarrer Groth hat für den hiesigen Frauenverein einen Lichtbildwerser angeschafft. Ieden zweiten Donnerstag finden Vorführungen im Saale der Kleiickinderschule statt. Leider find die Bilder sehr undeutlich; anscheinend ist der Apparat zu klein.
Bg. Großen-Buscck, 1. Febr. Auch in unserem Dorfe lief gestern nachmitlags für die Kinder und abends für die Erwachsenen derBethc 1 si 1 m. Mit Bewunderung erkannten die Besucher, welch Riesenwerk ans bescheidensten Anfängen entstand, und mit welch unerschütterlichem Vertrauen jener immer wieder auf das (Sitte im Menschen bauende Mann trotz aller Enttäuschungen an dem einmal für richtig und nötig Erkannten festhielt. Mit ernsten Gedanken über das Schicksal, das jedem einzelnen in der dort geschauten Gestalt begegnen kann, und mit dankbarem -Herzen für die in jener Anstalt geschaffene Möglichkeit der Rettung und Hilfe verließen die Besucher das Gotteshaus.
Beuern, 1. Febr. Für den Samstag abend hatte der hiesige VolksbildUngs- verein den Obstbauinsvektor Wiesner, Gießen, von der Landwirtschaftskammer (Ausschuß für Oberhessen) zu einem Vortrag gewonnen. der im Saale des Holländischen Hofes gehalten wurde. Der Vortrag behandelte das Thema „Notwendige Maßnahmen zur Verbesse» rung des ländlichen Obstbaues". Die anschließende Aussprache trug noch viel zur Klärung mancher wichtigen Fragen aus der Obstbaumzucht bei. Der Vortrag wurde dankbar aufgendmmen und wird sicherlich auf fruchtbaren Boden gefallen sein. Der Vorsitzende des Volksbildungsvereins dankte dem Vortragenden für seine Ausführungen und ermahnte die anwesenden Landwirte, alle Kräfte mobil zu machen, damit der deutsche Markt mit inländischem gutem Obst beliefert werden kann und wir auf die Einfuhr ausländischen Obstes verzichten können. — Die Zahl der Erwerbslosen hat sich gegen die vorige Woche um etwa 10 erhöht und beträgt jetzt 30. Da die Holzhauerarbeiten in den nächsten Tagen beendet werden, wird die Zahl voraussichtlich noch weiter steigen.
z. Allendorf a. d. Lda., 31. Ian. Gestern veranstaltete im „Gasthof zum Bahnhof" der Iungdeutsche Orden „Schar Allendorf Lda.". seinen diesjährigen Familienabend. Der geräumige Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Von den umliegenden Orten waren einige Bruderschaften erschienen. Die Begrüßungsrede hielt Bruder Dr. Kunz. In eindringlichen Worten ermahnte er die Anwefen- den, dem Wahlspruch des Ordens folgend, treu deutsch zu denken und au handeln, in jedem Deutschen, gleich welchen Standes, ob Kopf- oder Handarbeiter, nur den deutschen Bruder zu sehen. Nur durch Einigkeit im deutschen Volk fei es möglich, daß wir wieder den Platz in der Welt einnähmen, der uns gebühre. Mit dem Deutschlandliede schloß die Ansprache. ES folgten nun in bunter Reihenfolge Theater, Musikstücke, Gedichte und gemeinsam gesungene Lieder ernsten und heiteren Charatters. Sehr zur Verschönerung des Abends trugen Mitglieder der Bruderschaft Marburg bei. Mit dem Liede „O Deutschland hoch in Ehren" und einem Marsch schloß der Abend.
j) Lich, 30. Jan. Gestern nachmittag sand in Steins Saalbau dahier eine von dem Hessischen Landbund einberufene Versammlung statt, die von Lich und Umgegend so zahlreich besucht war, daß die geräumige Lokalität die Besucher kaum zu fassen vermochte. Landtagsabgeordneter Fenchel gab bekannt, daß der Abg. Dr. Leuchtgens vormittags noch einer Finanzausschußsitzung hatte beiwohnen müssen und daß er aus diesem Grunde etwas später eintreffen würde. Sodann wandte er sich mit scharfen Worten gegen die Mißwirtschaft des hessischen Staates, die einen einfachen und sparsamen Betrieb vermißen lasse. Das Heß. Landes- theater, die Fortbildungsschule und insbesondere die jetzt noch neueingerichtete MädchensottbildungS' schule und der Ausbau von höheren Lehranstalten verursachten Ausgaben, die das hessische Volk nicht mehr tragen könne. Der Landbund würde sich mit aller Macht für den Abbau der Staatsausgaben ein» setzen. Dies könne aber nur dann verwirklicht werden, wenn sich alle Landwirte, Gewerbetreibende, Kaufleute und Beamte eng zusammenschlößen und dem Landbund ein Machtmittel in die Hand legten. Der inzwischen eingetroffene Landtagsabgeordnete Dr. Leuchtgens beleuchtete sodann eingehend die herrschende Rot und bezeichnete mit klaren Watten den Weg, der beschritten werden müsse, wenn unser Wirtschaftsleben durch den Steuerdruck nicht zusam- menbrechen solle. Die beiden Reden wurden von der Versammlung mit großem Beifall aufgenommen. An der folgenden Aussprache beteiligten sich die Herren Schlossermeister Friedrich Schmidt» Lich, Vorsitzender des hiesigen Ottsgewerbevereins und Bür- germeifter Jäckel» Grünberg, die die Ausführungen der Vorredner unterstrichen und ebenfalls zum Zusammenhalten aufforderten. Sodann fand eine Entschließung einstimmig Annahme, die Pro- test gegen die zur Zeit in Hessen und im Reich durchgeführte Steuer- und Finanzpolitik erhebt und eine sofortige Herabsetzung der heute geltenden Steuersätze, Erlaß der gestundeten Einkommen- und Umsatzsteuer des Rechnungsjahres 1924/25, eine Verminderung der öffentlichen Aufgaben, Abbau des aufgeblähten Behördenapparates, Einschränkung der Verwaltung und Beseitigung unnützer Staatsaufgaben fordert. Diese Entschließung soll der hessischen Regierung unverzüglich unterbreitet werden. Landwirt Ludwig Wolff II., dahier, schloß hierauf die von ihm geleitete Versammlung.
ri. Rieder-Bessingen, 2. Februar. Nach mehrwöchentlichen Leiden starb hier Landwirt Wilhelm Wirth IV. im 77. Lebensjahre. Seit 32 Jahre gehörte er der Gemeindevertretung, seit 17 Jahren dem Kirchenvorstand an. Die Kirchenvorsteher gaben ihm das Geleite zu seiner letzten Ruhestätte und legten ihm an seinem Grab einen Kranz nieder.
bs. Steinheim b. Hungen. 1. Febr. Der Schulvorstand faßte in seiner letzten Sitzung den Beschluß, den einschlägigen Bestimmungen des Vviksschulgesetzes nachzukommen, mit Beginn des Schuljahres 1926/27 den Hauswirt s ch a f t 1 i ch e n Unterricht in der Mädchensortbildungsschule einzufuh- ren und die damit nötig werdende Küche einzurichten. Der Gemein de rat trat in seiner gestrigen Beratung diesem Beschluß bei, betoil- ligte die nötigen Mtttel und genehmigte den 2ut8bau als Schulverbandsküche. Diese Beschlüsse des Schul- und Ottsvorstank^s sind ein neuer Beweis dafür, wie sehr man sich hier des Wertes der Fortbildungsschule bewußt ist, die doch in erster Linie der praktischen Ausbildung dienen will. Aus diesen Erwägungen heraus wurde im vergangenen Iahr einmütig beschlossen, den Unterricht an der hiesigen Pflichtfortbil- dungSschule, die zur Zeit auch noch von 5 Mädchen freiwillig besucht wird, als Iahres- »nterricht beizubehalten Die Schülerinnen aus dem benachbarten Rodheim sind hier eingeschult.— Gestern abend beging der Gesangverein I „Frvhsinn" dahier im Saale deS Wirtes
Döpfcr seine diesjährige Abendunterhaltung. Neben vier Theaterstücken, die flott gespielt wurden, brachte der Verein eine größere Zahl Chöre in gutem Vortrag zu Gehör. Der Verein gehört dem Sängerbünde „Mittleres Niddatal" an, hat bereits auf einem Gesangswettstrett einen ersten Preis errungen und steht seit 15 Iahren unten Leitung von Lehrer Beppler.
Kreis Friedberg.
ss. Friedberg, 1. Febr. Dieser Tage brachte und der Geschichts- und Altertum s v e r e i n einen Vortrag von dem Vorsitzenden der „Fam il ie n g esch i ch t l i chen Vereinigung in Hessen", Regierungsrat Schäfer- Darmstadt. Welches Interesse dieser Sache entgegengebracht wird, bewies nicht nur der starke Besuch, sondern auch die lebhafte Aussprache und die verschiedenen Anfragen, welche sich an die Ausführungen des Redners an- schlossen. Der Vortragende gab ein Bild von dem Wesen und der 7Bebeutung der Familien- forschung, welche nicht nur in einer trockenen Ausführung von Daten bestehen soll, sondern auch in Schilderungen der geistigen und körperlichen Eigenschaften der Persönlichkeiten. Er schilderte die Bedeutung der Forschungen auch in geschichtlicher, rechtlicher und medizinischer Beziehung, den Wert für die Vererbungslehre und ihre ethisch-moralische Bedeutung. Auch den Unterschied zwischen einer Stammtafel, welche nur die männlichen Vorfahren aufführt, und einer Ahnentafel, welche alle Vorfahren auch nach der weiblichen Seite umfaßt, wurde erläutert, ebenso der Begriff des Ahnenverlustes, der dadurch entsteht, wenn Verwandte die Ehe eingehen unö so gemeinsame Ahnen haben. Zum Schlüsse berichtete er über die Tätigkeit der familiengeschichtlichen Vereinigung in Hessen, die stets bereit und meistens auch in der Lage sei, den auf diesem Gebiete Arbeitenden mit Rat und Tat Unterstützung zu gewähren. Der Vorschlag des Vorsitzenden des Geschichte und Altertumsvereins, Professor Dr. Blecher, auch am hiesigen Orte eine an diesen Verein angeschlossene Ortsgruppe zu bilden, fiel auf fruchtbaren Boden, da sich sofort eine Anzahl der Anwesenden in die aufgelegte Liste einschrieben.
Friedberg, 1. Febr. Der Leiter des Gruppenbezirks Friedberg der Technischen Nothilfe, Gewerbelehrer Rudolf Wel° koborfki, ist nach längerem Kranksein, das ihn aber nicht abhielt, bis zum letzten Tage in seinem Lehrerberufe an den Fortbildungsschulen zu Bad-Nauheim, Friedberg und Butzbach tätig zu sein, unvermerkt im besten Mannesalter gestorben. Um die Organisation der Technischen Nothilfe in unserem Kreise hat sich der Der- ftorbene ganz besondere Verdienste erworben, wie er auch als ein Führer der Deut schen Volkspartei trotz des aus dem Kriege mit- gebrachten Lungenleidens seine ganze Kraft für das Allgemeinwohl einfehte. Bei der in Bad- Nauheim ftattgefunbenen Beerdigung wurden unter ehrenden Nachrufen zahlreiche Kränze am Grabe des Verstorbenen niedergelegt, so von der Schulverwaltung, der Technischen Nothilfe. der Deutschen Volkspattei, dem deutschen Offiziersbund.
'2$. Bad-Nauheim. 1. Febr. Die im Iahre 1740 erbaute Wilhelmskirche, die bis vor zwei Iahrzehnten das Gotteshaus der Nauheimer war. ist nun zum Evangelischen Gemeindehaus umgebaut und dadurch vor dem Verfall geschützt worden. Nächsten Sonntag wird das Kirchlein seinem neuen Zweck übergeben.
y. Wölfersheim, 1. Febr. Auch unser Ort weist infolge der wittschaftlichen Not seit Wochen trotz der vier nahen Kohlengruben und der umfangreichen elektrischen Zentrale eine im fteten Wachsen begriffene Anzahl Ar- beitsloser auf. Zur Zett sind es 35. Als Notstandsarbeit ließ die Gemeinde zunächst den bei Regenwetter grundlosen Schulhof mit Kohlenschlacken von Wetzlar und Quarzit von Köppern — 2 zu solchem Zweck sehr empfehlenswerte Deckmittel — überschottern. Hieran schloß sich sechs Wochen lang das Holzfällen im Gemeinde- toald, welche Arbeit demnächst ^u Ende geht. Diejenigen Waldarbeiter, die mindestens 20 Tage beim Holzfällen beschäftigt waren, erhatten 2 Rm. Buchenknüppel zum Taxwert von 20 Mk. Um weitere Gelegenheit zu Arbeit und Verdienst zu bieten, beschloß der Gemeinderat in feiner letzten Sitzung eine Ortsstraße ausbessern und eine andere chauffieren zu kaffen. DeS wetteren sotten zu 3 neuen Wohnungen Wasserleitungen gelegt und die Erdarbeiten hierbei möglichst von Erwerbslosen ausgeführt werden. So Tann auch eine wenig bemittelte Gemeinde durch produktive Arbeiten der Not der Arbeitslosen einigermaßen steuern.
LGroß-Karben, 1. Febr. Zu der Nachricht von dem treuen Storchenpaar, das in diesem Winter bei uns geblieben ist. können wir noch mitteilen: Das anhängliche Storchenpaar bewohnt seinen Horst auf dem Stattgebäude eines Hofgutes. Während der kältesten Tage suchte es jedoch feine Zuflucht in dem warmen Stalle. Ietzt grüßt es aber wieder vom Dachfirst aus die Ortseinwohner und die Fremden, die erstaunt das seltene Naturwunder betrachten. Ein Hauptgrund des Verbleibens dürfte wohl der sein, daß die Störche hier ständig einen reich gedeckten Tisch haben. Ein von der Nidda aus in die Wiesen gehender Entwässerungsund Grenzgraben friert auch bei strengster Kälte nicht zu, was wohl auf warme Quellen zurück- zufichren ist, die hier zu Tage treten. Aus der Nidda ziehen sich daher zahlreiche Frösche in den Graben zurück, und hier haben unsere seltenen Wintergäste ein reiches Jagdrevier.
Kreis Büdingen.
—.— Merkenfritz, 1. Febr. Sein 30. Jubiläum als Gemeinderechner feierte Karl G a n ß. Mit Treue und Gewissenhaftigkeit hat er diese lange Zeit seines Amtes gewaltet; die Ge° meinbe veranstaltete ihm zu Ehren eine kleine Feier. — Lehrer K e i l, der 20 Jahre in unserer Gemeinde tätig war, ist dieser Tage nach seinem neuen Wirkungsorte Wieseck übergesiedelt. Die Gemeinde und die Schulklasse gaben Dem beliebten Lehrer das Geleite zum Bahnhof.
Kreis Alsfeld.
er. Homberg a. d. O., 1. Febr. Im Saale des „Frankfurter HofS" hielt unser Wander- und Verschönerungsverein feine diesjährige Hauptversammlung ab, die zahlreich besucht war. Nach der Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden wurde der Rechenschaftsbericht vorgetragen. Danach fanden im ganzen 11 Wanderungen statt, an denen sich durchschnittlich 19 Mitglieder beteiligten. Der neue Wanderplan für
das Iahr 1926 fand allseitige Zustimmung und Annahme; er sieht z.D. eine zweitägige Wanderung nach dem Hoherodskopf vor. Dem Rechne« wurde Entlastung erteilt. Bei der Vorstands- Wahl ertlärte der erste Vorsitzende. Lehren Hedrich. daß er infolge seines Alters eine Wiederwahl ablehne. Lehrer Qlllenbörfec wurde zum ersten und Lehrer I m in e l zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Die übrigen Vorstandsmitglieder blieben int Amte. Anschließend folgte ein Vortrag von Lehrer 2 m m e l über „Vergessene Flurnamen"^ Der Vortrag fand begeisterte Aufnahme und zeitigte eine lebhafte Aussprache. Die erste Wanderung in diesem Iahr findet am 7. Februar nach Schweinsberg statt, woran sich abends eine Versammlung an- schließt, in der die Wanderauszeichnungen verteilt werden.
*!* Merlau, 30. Ian. Freche Einbrüche wurden in der vergangenen Nacht in dem hie-i figen Wirtschaften von Hörle und Zimmer verübt. In der ersteren erbeuteten die Diebe 5, in der letzteren 40 Mark, mtd—hj^x nahmen sie außerdem Margarine. Schokolade und Zigaretten mit. Mit einer Leiter, die sich nachher in der Wirtsstube fand, waren sie eingestiegen. Sie taten sich außerdem in der Wirtschaft gütlich- Der Verdacht lenkt sich auf ein Aut o, das kurz vor Mitternacht, offenbar mit abgeblendeten Laternen, im Dorf kurze Zeit hielt und "bann mit explosionsartigem Geräusch sehr schnell davonfuhr. Auch in Rieder-Ohmen wurde in die Wirtschaften eingebrochen. Zwei Tage vorher waren vier „fahrende Sänger" in unsrem Dorfe gewesen, hatten sich in der Witt- schäft von Zimmer aufgehalten, in Laden eine Kleinigkeit gekauft und sich dabei frech benommen. Es ist kein Wunder, wenn nach solchen Vorkomm- niffen den vielen herumziehenden Leuten, unter denen ja auch wirkllch Bedürftige fein mögen^ die Türen verschloßen bleiben.
Kreis Schatten.
■■ Schotten, 30. Ianuar. Vom Gern e i n d e r a t. In einer feierlichen EröffnungS-; sihung wurden die neugewählten Mitglieder vom Bürgermeister in ihr Amt eingeführt und in Pflicht genommen. Die verschiedenen Kommissiv-' nen wurden gebildet. Gin Lieberblick über die Finanzlage der Stadt wurde gegeben. Wenn auch der Rechnungsabschluß für das Rechnungsjahr 1924 für die Stadt günstig ist, auch im laufenden Iahre fein Defizit zu erwarten steht, wird der neue Gemeinderat sich doch größter Sparsamkeit befleißigen müssen und bei dem schweren Druck, der eben auf der ganzen Wirtschaft ruht, alle größeren Pläne zurückzuststten haben. — Die Vergnügungssteuer hat der Gemeinderat neu geregelt. Nach neuerlichen Verfügungen der Kreisämter sollen über Genehmigung von Tanzbelust igungen die Gemeindevertretungen gehört werden. Der Gemeinderat war der Auffassung, daß die Regelung dieser Materie Sache der Regierung sei und einheitlich für das ganze Land bestimmt werden sollte. Es fei unrichtig, wenn man diesen unerquicklichen Streit, Zulassung von Maskenbällen, Tanz, in den Gemeindeparlamenten austragen lasse, die Not im Lande sei allenthalben gleich, man könne nicht die eine Gemeinde so, die andere anders behandeln, auch keinen llnterfchied zwischen Stadt und Land machen. — Für den hauswirtfchaftlichen Unterricht an der Mädchensortbil- dungsschule wurden 400 Mk. bewilligt. Es entspann sich hierbei eine längere Debatte, ob es eben an der Zeit sei, die finanziell ohnehin stark belasteten Gemeinden mit derartigen Ausgaben zu beschweren. Auf dem Lande sei dieser Unterricht weniger wichtig, die Mädchen hätten Wohl alle Gelegenheit, sich in Küche und Haushalt auszubilden. Ständig ergehe der Ruf nach Sparsamkeit, aber an keiner Stelle werde dec Anfang gemacht. — Die Kosten für Herstellung einiger Wege wurden bewilligt. Eine Ortsbesichtigung an Plätzen, an denen man die Kanalisierung fortführen will, soll stattfinden. — Dem Herrn A. Bartels, der das „Deutsche Haus" an der Bahn gepachtet hat und dorthin fein Cafö verlegen will, wird hierzu die Genehmigung erteilt, desgl. auch Herrn Bäcker und Gastwitt C. Müller. der seine Wittschaftsräume wesentlich erweitern will. — Eine längere Debatte entspann sich darüber, ob es ratsam sei, wie vorgeschlagen war. den städtischen Bull en st all aufzugeben und die Bullen privat bei Landwirten unterzubringen. Das Kreisveterinäramt und die Landwirtschaftliche Kommission sprachen sich entschieden dagegen aus, und der Gemeinderat entschied daher, daß der städtische Ochsenstall im seitherigen Betrieb weitergefühtt wird. — Zum Besten der N o t h i l f e wurde ein Betrag zum Ankauf von Wohlfahrtsmarken zur Verfügung gestellt- Die Anfuhr von Steinen zum Dau eines Weges wurde zum Preise von 2 RA. pro Kbm. vergeben. Die Gebühren des Totengräbers wurden auf 6 Mk. Kindergrab, 12 Mk. Reihengrab. 14 Mk. Familiengrab festgesetzt. — Bei der heutigen Iagdverpachtung wurden etwa 1200 Mark Pacht erlöst.
□ Dom oberen W etter tal. 1. Febr. Die Landwirte haben wegen des warmen Sonnenscheins und des bedeutenden Nachtfrostes schwere Befürchtungen für die schneefreien Felder gehegt. Cs zeigt sich jedoch jetzt, nachdem der Schnee völlig verschwunden, daß die Witterung dem Getreide nur wenig Schaden gebracht hat. Die frühen Saaten haben ein sehr gesundes und frisches Aussehen; das Getreide hat sich im allgemeinen schon gut bebuscht. Ebenso bieten auch die späten Saaten einen erfreulichen Anblick dar. Alles in allem kann man mit dem diesjährigen Winter bis jetzt zufrieden sein. Bei weiterer günstiger Witterung darf man hier auf eine gute Getreideernte hoffen.
Starkenburg.
Darmstadt, 31. Ian. Gestern sand die feierliche Einweihung der von der Vereinigung von Freunden der Technischen Hochschule zu Darmstadt errichteten Turn- und F e st h a l l e statt. Die Feier wurde eingeleitct durch einen Mufikvottrag des städtischen Orchesters unter Leitung von Direktor Wilhelm Schmitt. Der Vorsitzende der Hochschulgetell- schaft, Geheimrat Otto Berndt, hielt die Festrede, in der er die Vorgeschichte des Baues behandelte und den Spendenr für die Aufbringung der Mittel dankte. Der Redner übereignete dann die Halle dem hessischen Staat, wofür Ministerialrat Löh le in den Dank aussprach. Der Rektor der Technischen Hochschule. Professor Eberle, gab bekannt, daß die neue Festhalle den Namen O 11 o-B e r n d t-Halle führen soll, und überreichte Geheimrat Berndt eine Ehrenket te Nachmittags fand rin Schau-


