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Dieses Ereignis gibt dem Preußischen Landtag lebhaften Anlaß, seiner besonderen Freude dar­über Ausdruck zu geben. Er entbietet der Bevölke­rung des jetzt befreiten Gebietes seine herz­lichen Glückwünsche und dankt ihr zu­gleich für ihr treues Bekenntnis zu Preußen und dem Reich, in dem sie auch in schwersten vielten nicht wankend gewesen ist. Der Landtag spricht damit zugleich die Hoffnung aus. daß auch die Räumung der beiden weiteren Zonen in absehbarer Zeit, jedenfalls aber vor Ablauf der vertraglich bedungenen Fristen er­folgen möge. Immer wird die Besatzung als etwas Demütigendes empfunden werden, und so­lange sie besteht, nur geeignet sein, die so not­wendige friedliche Annäherung der Völker zu erschweren. DaS jetzt befreite Gebiet wird aber nun in der Lage sein, mit uns gemeinsam die Schäden der Mffatzungszeit zu beseitigen und ungehindert am Wiederaufbau des Vaterlandes initzuarbeiten. Nichts sehnlicher wünschen wir in dieser Stunde, als daß neben der Befreiung von fremdem Druck unser Volk, insbesondere seine arbeitenden Schichten, auch von dem Druck wirt­schaftlicher Rotlage recht bald befreit werden möge.

Das Haus hört die Ansprache stehend an und begleitet sie mit lebhaften 'Beifallskundgebun­gen. Besonders der Schluß wird mit stürmischen, Beifall ausgenommen. Damit tritt das Haus in die Tagesordnung ein. Als 'Vertreter des Mi­nisterpräsidenten Braun, der noch in Köln weilt, ist Staatssekretär W e i s m a n n er­schienen. Außerdem nahm der preußische Gesandte beim Vatikan v. D e r g e n an der Feier teil.

Das Haus geht dann über zur Besprechung der zahlreichen Anträge zur

Reform des Strafvollzugs.

Der Ausschuß hat ein ausführliches Reform- Programm vorgclcgt und ersucht das Staats­ministerium. dieses Programm beschleunigt durch­zuführen. So wird u. a. verlangt, daß alle Strafanstaltsbeamten eine der Eigenart ihres Berufes entsprechende Ausbildung erhalten sollen, damit eine wirtschaftliche Ausnutzung der vollen Arbeitskraft der Gefangenen möglich ist. An größeren Anstalten mit einer durchschnittlichen Belegung von 500 Gefangenen und mehr soll ein Arzt hauptamtlich angcstellt werden. Auf 300 Gefangene desselben Bekenntnisses ist ein Geistlicher hauptamtlich zu ernennen. Wei­tere Vorschläge betreffen die Unterbringung, Wäsche und Kleidung der Gefangenen, Beschäf­tigung, Gesangenenbücherci, Verpflegung, Be­suchszeit, Briefverkehr und Pakeisendungen, Ge- fangcnenfürsorge auch nach der Entlassung und Durchführung der Dienst- und Dollzugsordnung sowie der Statistik. Das Justizministerium soll alljährlich dem Landtag einen Bericht über die preußischen Strafanstalten vorlegen.

Abg. Gchrmann iSoz.) erklärt das Ein­vernehmen feiner Fraktion mit den Reform- vvrschlägen, wenn auch bei weitem nicht alle Wünsche berücksichtigt worben seien. Die Fehler des Hös' .-Prozesses müßten auf alle Fälle in Zukunst unmöglich sein

Die unteren Beamten müssen weitestgehende Aufstiegsmöglichkeiten erhalten. Die Hilfsbe­amten sind zu beseitigen. Lächerlich gering sind die Dummen für die Ernährüng der Ge­fangenen und unerhört die Einschätzung der Ge­fangenenarbeit mit 12 Mark monatlich. Straf­vollzug muß nicht nur Strafe, sondern auch Er­ziehung zum Ziele haben. Eine richtige Für­sorge ist das beste Dorbeugungsmittel gegen Rückfälle.

, Abg. Dr. Deerberg (Dtschn.) Die Strafe muffe zwar abschreckend und Vergeltung sein, o£er das Abschreckungsprinzip allein führe nicht dazu, daß der Verbrecher gebessert in die Frei­heit zurückkehrt. Bei denen, welch« zum ersten Male mit dem Gesetz in Konflikt kommen, sei es Pflicht der Gesellschaft, den Grundsatz der Menschenliebe anzuwenden, der Kern und Wesen unserer christlichen Idee ist. Alles käme auf die Perfön lichkeit an, die diefe Strafvvllzugs- reform in die Praris umzusehen berufen fei.

Abg. Schmitt- Düsseldorf (Zentr.) führt aus, es bedürfe aber noch der Aufllärung in der Oeffentlichkeit darüber, daß bei den Reform­plänen die Vergeltungs- und Abschreckungsidee nicht verschwunden sei. Auf keinen Fall dürfe Strafverfolgung und Strafvollzug in einer Hand sein.

Gewünscht müsse unbedingt werden, daß der erzieherische Gedanke mehr in den Vorder­grund tritt.

Dafür fei wesentlich, daß zu Anstaltsleitern mehr als bisher solche Lehrer. Geistliche, Aerzte und Inspektoren gemacht werden, die längere Er­fahrungen im Strafvollzug haben. DaS Gros der Beamten habe sich auf den Boden des neuen humanen Strafvollzuges gestellt. Weiter wünscht der Redner, daß die Fürsorgeämter durch die Regierung Mittel für die Betreuung der Ge­fangenen nach ihrer Entlassung er­halten und genügend AebergangSheime für Ge­fangene errichtet werden.

Abg. Metzer-Herford <Dt. Dpt). Der El^iehungs- und Besserungsgedanke verdiene die größte Beachtung. Zucht und Ordnung mühten herrschen, aber auch der Geist der Gerechtigkeit und Liebe. Die Gefängnisarbeit sei not­wendig als Grziehungsfattor, sie dürfe aber dem Handwerk keine allzu große Konkurrenz machen.

Abg. Dr. Grzimek. Königsberg <Dem.) fordert stärkere Beachtung des Unterschiedes zwischen Untersuchungshaft und Strafe. Die Behandlung müsse so schonend wie möglich sein. Die Schreib-, Lesv- und Sprecherlaubnis Dürfe Antersuchungsgesangenen nicht entzogen werden. Ferner sei der Ausbau größerer tech­nisch einwandsreier Gefangenenarbeitsanstalten erforderlich; ferner sei der Gesichtspunkt der Oedlandkultur zu beachten. So werde die Frage der Ko^urrenz der Gefangenenarbeit gelöst.

Abg. Mvhrbotter (Wirtsch.Vgg.) wünscht individuelle Behandlung des einzelnen Gefange­nen. Verlangt muffe aber werden, daß das seß­hafte Handwerk durch die Gesängnisarbeit nicht schwer geschädigt wird.

Hierauf wird daS Programm des Rechtsaus­schusses für einen modernen Strafvol^pg ange­nommen. 3n einer Entschließung wird das Staatsministerium ersucht, bei der Reichsregierung baldmöglichst eine reichsgesehliche Neuerung des Strafvollzuges nach modernen und humanen Grundsätzen zu erwirken

Aaatshilse uni» wirtschaft.

Berlin, 1. Febr. (WB.) Zu der in der Presse verbreiteten Mitteilung über angebliche Millionen kreditc an die Wirtschaft aus öffentlichen Mitteln wird amtlich festgestellt, daß sich das gegenwärtige Reichskabinett selbstverständlich ebenso wie das vorhergehende mit der Frage beschäftigt, wie der Wirtschaft in der gegenwärtigen schwierigen Lage Erleichterung gebracht werden kann. Es ist aber völlig ausgeschlossen, daß auch nur an­nähernd die genannten phantastischen Summen zur Verfügung gestellt werden können. Es ist insbeson­dere auch zu bedenken, daß die zur Zeit oer° fiigbaren öffentlichen Mittel bereits in der Wirtschaft arbeiten und es sich bestenfalls darum handeln kann, diese Mittel i n anderer Weise als bisher der Wirtschaft zuzu­leiten. Ueberdies geht das Reichskabinett, wie in der Regierungserklärung deutlich ausgesprochen wurde, vor allen Dingen darauf aus, Steuer­erleichterungen herbeizuführen, wodurch sich die für Kreditzwecke zur Verfügung stehenden Mittel selbstverständlich vermindern. In Heidel­berg sprach

Reichswirtfchaftsministcr Dr. C u r t i u s auf einer Tagung des Landesverbandes Baden der Deutschen Volkspartei über die gegenwärtigen Wirt­schaftsprobleme. Ausgehend von den gegenwärtigen Röten der Wirtschaft erklärte der Minister, daß man sich heute darüber streite, ob es sich um eine P r o» duktions - oder Absatzkrise handle. Eines sei von Dem andern untrennbar. Die beste Hilfe für die Ueberwindung der Krise müsse von derWirl» schäft selbst kommen. Der Staat könne nur Hilfe zur Selbsthilfe leisten. In erster Linie müsse eine st a rke Beschränkung der Ausgaben der öffentlichen Hand, besonders in den Gemeinden, eintreten. Der Entschädigungs­agent G i l b e r t habe in seinem Bericht über die Auswirkungen des Dawesplans, der übrigens sehr optimistisch gehalten fei, besonders auf die Ver­schwendung in den Gemeinden hingewiesen. Der Minister hofft, daß bald eine Steuerreform und damit auch eine Steuererleichterung geschaffen werden könne. Jetzt gelte es, über den toten Punkt hinwegzukommen und hierfür neue Wege zu suchen. Die Schaffung einer neuen Organisation zur Kreditsicherung bei den Exporten und die Exportförderung nach Rußland^ seien die nächsten Aufgaben.

Das Auswärtige Amt.

Aus dem Haushaltsausschntz des Reichstags.

'.Berlin,!. Febr. Im Haushaltsausschuß des Reichstages wird der Etat des Auswärtigen Amtes beraten. Als Berichterstatter gab Abg. Dr. H o e tz sch (On.) eine ausführliche Darstellung des Haushalts­planes des Auswärtigen Amtes. Der Redner be­tonte, daß der Rahmen der A u s l a n d Ver­tretungen nach übereinstimmender Ansicht durch Abstriche und Verkürzungen nicht mehr ein­geengt werden könne. Auch bezüglich der Zen- traloerwaltung habe der Abbau fein Ende erreicht. Die Aufnahme einer in Goldmark gleichmäßig durchgeführten Besoldung der Auslandbeamten habe sich im Etat für 1926 noch nicht durchführen lassen. Trotzdem werde der Versuch in der Weise gemacht, daß die Besoldung der Auslandbeamten in Goldmark für das ganze Haushaltjahr geregelt wird. Der Redner berührt bann noch die große Frage der Kulturpolitik und kündigt einen Antrag auf Erhöhung des entsprechenden Etat­titels an.

Der Mitberichterstatter des Ausschusses Abg. Dr. Dernburg (Dem.) macht in der Hauptsache 'Aus­führungen über die Möglichkeit des Ausbaues der Auslandmissionen und des Nachrichten- wesens im Auslande.

Abg. Freiherr von Rheinbaben (Du.) ist der Ansicht, daß die im Etat ausgeworfene Ge­samtsumme nicht überschritten werden darf. Schon aus wirtschaftlichen Gründen sei eine weitere plan­mäßige Vermehrung der Konsulats- (teilen notwendig.

Abg. Dr. B r e i t s ch e i d (S.) bemängelt, daß die Kosten für das Auswärtige Amt stark gestiegen feien. Man dürfe aber dabei nicht außer Acht taffen, daß ein großer Zuschuß für das Auswärtige Amt durch den Wegfall der Visa nötig sei.

Abg. Quaaß (Dn.) wünscht, daß die Handels- Verhandlungen dem Ressort des Reichswirtschafts- minifteriums zugeteilt werden.

Abg. Äube (Völk.) verlangt Auskunft darüber, wieviel deutsche Reichsangehörige in der französi­schen und spanischen Fremdenlegion seien.

Staatssekretär o. S ch u b e r t bestreitet an Hand von umfangreichem Zahlenmaterial die Behaup­tung, daß die Beteiligung des Adels und des K ö f e n e r S. C. an den höheren Stellen des Auswärtigen Amtes eine unverhältnismäßig hohe fei. Im übrigen würde bei der Auswahl des Nach­wuchses nach sachlichen Gesichtspunkten verfahren.

Ministerialdirektor v. S t o h r e r vom Auswär­tigen Amt wies darauf hin, daß der im Etat aus- gemorfene Betrag der Gebühren für Paßvifa uon 14 Millionen im vorigen Jahr auf nunmehr Zwei Millionen zurückgegangen fei. Die Pah- oifa feien im deutschen Grenzverkehr völlig aus­gehoben mit ji) o 11 a n b, Oesterreich und der Schweiz. Für Reisen nach Amerika feien Paßvisa noch notwendig, aber ohne Kosten erhält- lich. Verhandlungen zur völligen Beseitigung der Paßvisa fchwedlen noch mit Schweden und Dänemark und bezüglich der Ermäßigung der Visagebühren mit Frankreich und der Tsche­choslowakei. Es sei daraus zu ersehen, daß das Auswärtige Amt mit allen Kräften auf die Be- feitigung der Paßvisa hinarbeite.

Hierauf vertagte sich der Ausschuß auf Dienstag.

Kleine politische Nachrichten.

Generalleutnant Ludwig Wurtzbacher, Chef des Heereswaffenamtes, ist in der Nacht' vom 31. Januar zum 1. Februar im Alter von 56 Jahren an den Folgen eines Schfeganfalls gestorben.

Wie das B. T. aus diplomatischen Streifen er­fahren haben will, soll der italienische Botschafter in Berlin, Graf Bosdari. nicht mehr nach Berlin zurückkehren. Als voraussichtlichen Nachfolger nenne man den Grafen Bordonaro, den frühe­ren Vertreter Italiens in Prag, Wien und Brüssel.

In Rom ist aus Deutschland eine zweite B ü ch e r- scndung a l s Reparationsleistung ein­getroffen. Es handelt sich um 18 UOU Bände im Werte von 200 000 Goldmark. Die Bücher sind an Universitäten und Lehranstalten des Landes verteilt worden.

Nach demPopolo di Roma" wird M u | f o - I i n i Anfang März der tripolitanischen Kolonie einen offiziellen Besuch abftatten.

Das frühere Parlamentsmitglied Letwistle feilte Lord Oxford feinen Austritt aus der liberalen Partei mit, die mehr auf inneren Zwist konzentriert zu fein scheine, als auf den Ver­such, die Politik mit dem Geiste des Lioeralismus zu erfüllen. Letwistle kündigte seinen Uebertritt zur konservativen Partei an.

Nach einer Meldung aus Manila gewinnt die 11 n a b l) ä ii g i g f e i t d b e m e g u n g auf den P hiIippine n an Ausdehnung. Die in der Stadt ansässigen Amerikaner haben beschlossen, sofort bei der amerikanischen Regierung vorstellig zu werden, damit den Selbständigkeitsbestrebungen der Ein­wohner vorgebeugt wird. Die Einwohner hatten beschlossen, die amerikanischen Firmen zu boykot­tieren, die gegen die Unabhängigkeit der Inseln Stellung genommen hätten.

Finonzausschutz des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 30. San. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags setzte heute seine Bera­tungen bei Kapitel 6 sBad-Rauhcim und Bad- Salzhausen) fort. Ein Antrag Dr. L e u ch t g e n s. die Verwaltungskosten von 838 584 Mark und die Betriebskosten von 714 000 Mark um zusammen 300 000 Mark zu ermäßigen, wurde abgelehnt. Ein Antrag Heinstadt-Blank. von den Ver- waltungs- und Betriebskosten 100 000 Mark, eben­so vom Erneuerungsfonds 100 000 Mark der Hauptstaatskasse zu überweisen, wurde mit 9 gegen 3 Stimmen angenommen. Ein Antrag W i d - mann (Soz.), den Ansatz im Hauptstaatsvoran- schlag von 200 000 Mark auf 400 000 Mark zu erhöhen und dementsprechend die Summen für die Kapitel 4 bis 8 zu kürzen, wurde angenommen. Das Kapitel 6 wurde dann genehmigt. Ferner stimmte man einer Vorbemerkung zum Voran­schlag zu, wonach das Ministerium ermächtigt wird, bei großer Arbeitslast besondere Hilfs­kräfte anzunehmen. Kapitel 6a (Bad-Salzhausen) wurde genehmigt Kapitel 7 bis 12 fallen aus, Kapitel 13 (Münzstempel), 14 «Staatsrenten) wur­den angenommen, Kapitel 15 zurückgestellt, Ka­pitel 16 genehmigt, Kapitel 18 (Landtag) ge­nehmigt.

Kunst und Wissenschast.

Sowjethilfe für Amnudfens Nordpol - Expedition.

Die Sowjetregierung hat sich entschlossen, die Erlaubnis für die Erforschung des Rordpoles durch Amundlen von russischem Gebiet aus, zu erteilen und die Expedition zu unter­stützen. Die russische Kriegs- und Handelsflotte werden sich an der Forschungsreise beteiligen. Kleber die Reise schweben noch Verhandlungen zwischen der norwegischen und der Sowjetregie­rung. Die russische geographische Gesellschaft wird von sich aus Amundsen einladen, um in Moskau eine Reihe von Vorträgen zu halten. 3n Moskau wird der Forscher u. a. auch über die Beteiligung der russischen Luftflotte verhandeln. Auf Anord- irung der Sowjetregierung wurde ein besonderes Komitee gebildet, das die Verhandlungen mit Amundsen führen wird. Man glaubt, daß die Vorbereitungen zu dieser Forschungsreise am 1. 3uni beendet sein werden.

Reichsminister Dr. David Münchener Ehrendoktor.

Die staatswissenschaftliche Fakultät der Univer­sität München hat den bekannten sozialdemokra­tischen Reichstagsabgeordneten und früheren Reichs­innenminister Dr. Eduard David, jetzt Ber- treter des Reichs in Hessen, wegen seiner wertvollen, unparteiischen und unbefangenen wissen­schaftlichen Erörterungen agrarpolitischer Probleme zum Doktor der V o l k s w i r s ch a f t ehren­halber ernannt.

Auszeichnungen der Technischen Hochschule Darmstadt.

D a r m st a d t, 30. Jan. (WSN.) Die Technische Hochschule Darmstadt hat aus Anlaß der feierlichen Uebergabe der neuerbauten Turn- und Festhallen den nachstehenden Herren unter Ueberroeifung der dazu gehörigen Auszeichnungen die Würde eines Ehrensenators verliehen: Geheimrat Otto Bernd t, Professor der Technischen Hochschule, Dr.-Jng. Hans Hermann - Gustavsburg, Dipl.-Jngenieur S. Stamm, Direktor der Siemens-Schuckert-Werke, Bureau Frankfurt a. M., Jakob Nohl ° Darmstadt, Vorsitzender der Hefsischen Handwerkskammer, Di­plomingenieur Josef G e rst e r-Mainz, Dipl.-Jng. Bernhard Fischer- Gustavsbura, Dipl.-Jng. Ernst D y ck e r h o s - Biebrich und Dr. August Dycker- Hos- Amöneburg.

Aus aller Well.

Zwei Kinder verbrannt.

3n Dietschweiler hat sich in der Rächt vom Samstag auf Sonntag ein schweres Drand- unglück ereignet, dem zwei Kinder zum Opfer fielen. Das Landwirtsehepaar S t em m l e r hatte feb zu einer V e r e in s f e st li ch ke i t begeben, ©eine beiden Kinder im Alter von neun Monaten bzw. zwei wahren hatte es einem Onkel anver­traut. Als die Kinder schliefen, begab sich der Onkel in ein Rachbarhaus. Bald darauf entstand aus bisher ungeklärter Ursache ein Brand, der das Anwesen bis auf die Ilmfaffung8mauem einäscherte. Von dem Inventar konnte nichts gerettet werden. Die beiden Kinder konnten nur alsverkohlte Leichen in dem Trümmer- Haufen geborgen werden.

Anter dreifachem Mordverdacht.

In Ramserberg bei Waldbreitbach wurden kurz nach dem Umsturz 1918 zwei Männer ermordet. Die Täter konnten dainals nicht entdeckt werden. Zwei Jahre später zog man auch den Korbmacher Hau Pen als Leiche aus der Wied. Die Untersuchung ergab, daß auch hier ein Mord vorlag. Inzwischen hat sich der Ver­dacht, die drei Personen ermordet zu haben, in immer stärkerem Maße auf den Sohn des Korb­machers Haupen, Jakob Haupen aus Breit- bach, gelenkt. Jakob Haupen verbüßt zur Zeit längere Freiheitsstrafe in Reuwied. Zur Zeit inden umfangreiche Vernehmungen in der ganzen Amgegend statt.

Deruichtung von 77 000 Rebstöcken.

Wegen Reblausverseuchung ist im pfälzischen Alsenztal die Vernichtung von 77 000 Reb­stöcken notwendig geworden. Wegen der dadurch für die pfälzischen Winzer entstehenden Ein- nahmeausfälle wird im bayerischen Landwirt­schaftsministerium eine entsprechende Hilfe in Er- toägung gezogen.

Aus der Provinzialhauptftadt. -

Gießen, den 2. Februar 1926. |

Gießener Wocherrmarktpreise.

Es kostete auf dem heutigen Wochcnmarkt das Pfund: Butter 160 bis 180 Pfennig, Maite 35 bis 40, Käse 60 bis 70. Wirsing 20 bis 40, Weißkraut 15 bis 25, Rotkraut 25 bis 30, gelbe Rüben 20 bis 25, rote Rüben 15 bis 20, Spinat 40 bis 50, Unterkohlrabi 10 bis 15, Grünkohl 30 bis 35, Rosenkohl 60 bis 70, Feldsalat 100 Endivien 100 bis 120. Zwiebeln 15 bis 25, Meer­rettich 40 bis 100, Schwarzwurzeln 50 bis 70 Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 15 bis 25, Birnen 25 bis 40, Rüsse 40 bis 80. junge Hahnen 120 bis 130, Suppenhühner 120 bis 130; das Stück: Eier 19 bis 20, Blumenkohl 60 bis 180, Lauch 15 bis 40, Sellerie 20 bis 60.

Bornotizen.

' TageSkalender für Dienstag, ^aöttbeater 7.15 UhrWiener (Ende 10 -Uot). Lichtspielhaus Bahnhosstr.:Bismarck".

® dem Stadttheaterbureau wird

Im- rCI<^ie^n:~®cnn bie Theaterleitung auch nach Möglichkeit im vpielplan die deutschen Autoren bc= Dor3ugt, |o sollen doch auch ab und zu ausländische Verfasser zu Wort kommen, damit unser Theater- publikum über die gesamte dramatische Produktion der Gegenwart, gewissermaßen durch Kostproben, auf dem lausenden gehalten wird. Ein für die mo­derne englisch-amerikanische Produktion bezeichnen­des Werk ist Sutton Banes originelles Schauspiel , Uebcrfahr t", das am morgigen Mitt- wach, 3. Februar, hier zum ersten Male aufge- fuhrt wird, und das überall, wo es bis fetzt qe- geben worden ist, tiefe Wirkung erzielt hat. Gegeben wurde das Werk bisher am Landestheater Darm­stadt, Staatstheater Wiesbaden, Schauspielhaus Düsseldorf, den Stadttheatern zu Köln, Aachen, Chemnitz, Dortmund, Bremen, Breslau u. a. m. Es fei noch darauf aufmerffam gemacht, daß beute die letzte Aufführung der beliebten Operettg Wiener Blut" stattfindet.

Lichtbilder vom Gustav-Adolf- U e st. Von dem großen Gustav-Adolf-Fest, das im September vorigen Jahres hier in Gießen stattfand, ßnd viele Aufnahmen gemacht worden, die nun als Lichtbilder auch den Gemeinden gezeigt werden können. Morgen, Mittwoch abend, findet ein solcher Lichtbilderabend mit sehr vielen interessanten Bil­dern aus Gießen im Markussaal statt, auf den auch bter nochmals aufmerksam gemacht sei. Jedermann ist dazu eingeladcn. (Siehe heutige Anzeige.)

Oberhessisch er Geschichtsverein. Man schreibt uns: Den dritten Vortrag dieses Win­ters hält Univ.-Professor Dr. Strothmanii. Er wird uns in den Orient führen, jmb zwar in die Zeit des großen Mongolensturmes. In den Mittel­punkt geruckt wird der Fall von Bagdad und das Ende des Kalifates. Der Vortrag wird weniger die äußeren geschichtlichen Ereignisse behandeln, als viel- inehr die inneren Ursachen des Zusammenbruches im vorderen Orient zum Gegenstand der Betrach­tung machen, und zu diesem Zweck die Haltung der verschiedenen Neligionsgemein chaften während der Sturmjahre darstellen. Da auch die europäische Po­litik im Osten sich mit der der Mongolen begegnete, fo spinnen sich zugleich Fäden zu unserer Kultnr- welt herüber. Wir verweisen auf die Anzeige in der gestrigen Nummer.

Aus der religiösen Dichtung dec Gegenwart. Morgen, Mittwoch, abend wird im Vortragssaal der Buchhandlung Keißner über zwei der hervorragendsten Vertreter der religiösen Dichtung der Gegenwart aesprochen werden, über Christian Morgenstern und Albert Steffen. Näheres in der Anzeige.

Ein Vortrag über Amerika eröffnet eine Reihe von Einzelvorträgen über Tagesfragen, die die Volkshochschule in ihrem Wmterpro- granim bereits angekündigt hat. Als Redner gelang es, Prof. Frick-Gießen zu gewinnen, der als Gast des Theologischen Seminars in Hartford (Conn.) mehrere Monate in Amerika weilte und erst kürzlich zurückgekehrt ist. Er hat sich auf seinen Reisen auch über die allgemeinen Lebensverhältnisse des Landes eingehend unterrichtet und wird aus ferner reichen Erfahrung heraus über verschiedene fragen sprechen, die von allgemeiner Bedeuttmg smd. Der Vortrag findet am Samstag, 6. Februar, >m großen Hörsaal der Universität statt. Näheres siehe gestrige Anzeige.

Wc itcvDci ra nsmgc.

Milde, zeitweise Aufbesserung, doch meist trübe mit Riederschlägen.

Die Wetterlage ist weiterhin schnellen Der- anderungen unterworfen. Im Westen liegt ein arEgedehntes Tiefdruck-Shstem. dessen Rand­bildungen weiter östlich ausgreifen und die in unserem Bezirk noch keine beständige Witterung aufkommen lassen.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 7,4 Gpad Celsius, Minimum: 4,8 Grad Celsius. Rie- derfchläge 1,1 Millimeter. Heutige Morgentempe­ratur: 5,1 Grad Celsius.

*' -Mn f e r c Garnison ist heute in Den frühen Morgenstunden zu einer vierzehutägigen Hebung nach dem Truppenübungsplatz Senne abgefahren. Um 5.54 verließ Der Transportzug den Bahnhof.

Die Belege über Den Steuer­abzug vom Arbeitslohn für 1 925 be­trifft eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigen­teil, auf die hiermit besonders hingewiefen sei.

** Bei der 2. Kompagnie unserer 15er. Eine stimmungsvolle Kompagniefeier ver­einigte am Freitag abend die 2. Kompagnie des 1. Ball. unseres 15. Inft.°Rgts. mit einer außer­ordentlich großen Gästeschar aus der Bürger­schaft aus derLiebigshöhe". Die schneidige Regimentskapelle leitete den genußreichen Abend mit dem Parademarsch des Inft.-Rgts. 116 ein, danach sprach Unteroffizier M anns einen Pro­log. Der Kompagniechef Hauptmann Gohfeld hielt nach einer weiteren Darbietung Der Ka­pelle die Begrüßungsansprache, und dann folgte in abwechslungsreicher ZusammensteUung ein buntes, heiteres Programm, bei dem allerlei komische Darbietungen Der Kompagnie-Theater° truppe" viel Ergötze,i bereiteten und die Kapelle mit ihren flotten Riärschen die Herzen in Bann schlug. Lebhafter Beifall zeichnete die Darbie- bietungen mit Recht aus. Tombola und Lanz bildeten Den Abschluß der trefflichen Feier.

' Die Vereinigung der ehemaligen LeibgarDiften Nr. 11 5 für Gießen und Um­gegend hielt am Samstagabend im Katholischen Vereinshaus ihre Winterfestlichkeit ab. Der Besuch war außerordentlich zahlreich, so daß der große Saal dicht gefüllt war. Der 1. Vorsitzende Waas