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mehr denn je aufeinander angewiesen sind, und meiftt diese Einsicht allen Bevölkerungskreisen zu- ciqcn wird, dann dürfte im Interesse unserer Ge­schäftsleute zu hoffen sein, daß in den nächsten Monaten jedweder Pfennig, der von der Devöl- ierung un'erer Stadt ausgegeben wird, den hie­sigen Kaufleuten und Gewerbetreibenden zugute lommt. Bach dem einmütigen Urteil vieler Ge- 'chäftsleute Hot auch die Tatsache, daß die etwa 500 hier ansässigen Beamten, ihr Ge­halt nicht vor den Feiertagen aus- bezahlt bekamen wie im Vorjahre, das Weih­nachtsgeschäft ungünstig beeinfluß t. Wenn auch der Verein des Einzelhandels öffent­lich bekanntgegeben hatte, den Beamten Waren auf Kredit zu liefern, so machten, davon nur wenige Gebrauch, weil es nicht jedermann liegt, Weihnachtsgeschenke auf Pump zu kaufen. Zn° 'ammenfassend kann gesagt werden, daß. wie in den meisten anderen Geschäftsstädten, auch hier die Kaufleute ihre Kassen zu Weihnachten nicht stillen konnten.

O Steinfurth, 31. Dez. Heute abend 61 , Uhr erlebten ein Drittel der hiesigen Ein­wohner eine Silvester-Ueberraschung dadurch, daß plötzlich das elektrische Licht aus ging. An und für sich hätte dieser Vorfall wenig zu bedeuten! wenn nicht, der Weg und die nähere Umgebung der Transformatoren-wtation durch das viele Bah der letzten Tage sich in einen großen See verwandelt hätten. Bun aber war guter Bat teuer. Der Monteur, welcher daS Auswechseln der Sicherungen im Transfor­matorenhaus besorgt, versuchte durch die Fluten zu kommen, allein vergebens, denn als ihm das Wasser am Hosenboden stand, mußte er wohl oder übel umkehren. Man wird sich voraussichtlich einige Zeit mit der Kerze oder Lampe begnügen müssen, und wenn das Wasser noch mehr steigt, kann es wohl noch soweit kommen, daß das gonge Dorf ohne Elektrizität ist. Dah dieser Zustand einmal kommen muhte, sah das Ueber- landwerk lange voraus. Es ist deshalb vor län­gerer Zeit an die Gemeinde herangetreten mit dem Vorschlag, die Gemeinde möge einen Platz, nördlich des Dorfes, in der Gröhe von etwa 20 Quadratmeter zur Verfügung stellen zur Er­richtung eines trockenen Transformatorenhauses. Die Gemeinde sollte lediglich den Platz zur Ver­fügung stellen, während das Heberlandwerk in der Erkenntnis der Botwendigkeit alle anderen Kosten übernehmen wollte. Die Gemeinde hat den Vorschlag abgelehnt mit der Begründung, daß der Eigentümer des in Frage kommenden Geländes dieses nicht abgibt. Die er Grund dürfte j^och nicht stichhaltig sein: hat doch die Ge- inerndevertretung schon früher die Enteignung viel größerer Objekte beantragt. Wir wollen hoffen, daß sich der neugewählte Gemeinderat erneut in dieser Angelegenheit mit dem Heber» lanbtoerf insBenehmen setzt, denn es kann und darf nicht vorkommen, daß die Versorgung der Gemeinde mit elektrischer Energie durch solche Vorfälle unterbunden wird.

0 Steinfurth, 31. Dez. Statt einer draina-- tifchen Darstellung der Weihnachtsgeschichte, wie in icüheren Jahren, sand diesmal am Weihnachts­abend ein liturgischerGottesdienst statt, bet dem zum ersten Male wieder seit den Jahren des Krieges die beliebten Weihnachtsbüchlein zur Verteilung an die Kinder kamen. Bei der liturgi­schen Feier brachten Mädchen ausgewählte Dich­tungen deutscher Meister von Advent, heiliger Nacht und weihnachtlicher Freude und Erfüllung in wir­kungsvoller Weife zum Vortrag, die dreistimmigen Chorgesäng« wechselten mit den alten Liedern der Gemeinde und Stellen der messianischen Hoffnung und der Weihnachtsgeschichte. Bei den in diesen Tagen besonders gefüllten Gottesdiensten war es ein erfreuliches Zeichen, am 2. Feiertage und bei der vorbereitenden Beichte am Nachmittage des 1. Weih- nach^tager die stattliche und kraftvolle fugend der Gemeinde beisammen zu sehen. Nicht we­niger al« 105 unverheiratete junge Männer und B»rschen und 76 Mädchen nahmen am heiligen Abendmahle teil. Bedenkt man, daß im Lause des Jahre« nicht weniger als 22 Trauungen von jungen Paaren stattfanden und die jungen Leute der Gemeinde mit seltener Energie durch Neubau oo n Wohnungen der Wohnungsnot zu steuern iuthen, da infolge der Rosenzucht hier wenige weg- zieyen, so darf dies wohl als ein erfreuliches Zeichen einer kraftvollen Lebensgestaltung angesehen weroen in eiper Zeit, die in ihren wirtschaftlichen Auswir­kungen zu nicht allzuviel freundlichen Ausblicken berechtigt.

** Rockenberg, 30. Dez. Am Sonntag fand durch einen feierlichen Gottesdienst die Einweihung unserer renovierten evangelischen Kirche statt. Der Ortsgeist­liche, Pfarrer Dörmer. hielt die Festpredigt auf Grund des 1. Joh.-Briefs, Kap. 4, V. 9 und zeigte, wie das feste Zusamenhalten, die Opferwilligteit der Gemeindeglieder und ihre Liebe zu> Gott, und die Liebe zu ihrem Kirchlein dieses Werk ermöglichten. Bei der Feier wirkte der Kirchenchor mit und fang unter Leitung von Oberinspektor Ludwig zwei Chöre.

SXvete Schotten.

2 au bad), 30. Dez. Gestern abend sand im hiesigen Kasino eine außerordentliche Mit­gliederversammlung der Laubacher Kon­zert- und VortragsvereinigungJtatt. Der Vorsitzende, Kammerdirektor B i r n 6 a u in, gab eine genaue Hebersicht über die finanzielle Lage der Vereinigung. Obgleich die Vereini- ßgung mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, ist dennoch kein Desizit entstanden. Da­gegen sind, wie in der Aussprache allgemein anerkannt wurde, erstklassige künst­lerische Leistungen zu verzeichnen. Des­halb wurde einstimmig beschlossen, von der Auf­lösung der Vereinigung, die angesichts der all­gemeinen Geldknappheit drohte, abzusehen und das vorgesehene Programm durchzuführen. Die Tlbhaltung der Konzerte der Klaviervir- tu'osen Eckel und v. Koszalski wurde noch für die Wintersaison in Aussicht genommen. Der Virtuose v. Koszalski, der von seinem letzten Besuche unserer Stadt, wie er selbst wiederholt betonte, sehr befriedigt war, hat in Absicht, ein musikalisches Wunderkind (italieni­scher Abkunft, 7 Jahre, das er neuerdings ent­deckte, bei seinem nächsten Konzerte hier vor- zuführen. Auch soll einmal im Sommer (diese Saison soll auch für die Durchführung der Pro­gramme der Vereinigung in Zukunft in Betracht kommen) die hervorragende Gießener Militär­kapelle für ein Konzert im Freien herangezogen werden. Für die Zahlung der Beiträge wurde eine Erhebung in monatlichen Raten beschlossen.

Streik AlsfclV.

WSB. Alsfeld, 1. Jan. Der Kreisaus- schuß hat in seiner letzten Sitzung die Gemein­deratswahlen in den Gemeinden Angen­rod und Vadenrod wegen unzulässiger Waßlbeeinftussung für ungültig erklärt und eine nochmalige Wahl anberaumt.

Kreis Lauterbach.

. - Lauterbach, 31. Dez. Zur Ehru ng der Gefallenen des Weltkriegs ist in unserem Kreise seitens der Behörden und der Gemeinden sehr viel geschehen. Besonders wachen die hessische Denkmalpflege und die Kreis- daubehvrde darüber, daß nur Schönes, Wür­diges und Geschmackvolles geschaften wird. So haben die drei Gemeinden Ober-Wegfurth, Hnter-Wegsurth und Hnter-Schwarz in ihrer gemeinsamen Kirche eine Holztafel mit den Bamen der Gefallenen angebracht. Rimbach besitzt eben­falls eine Gedächtnistafel im Gotteshaus unter Verwendung der Holzumrahmung eines früheren Epitaphiums. Queck hat in der Kirche eine Ehren­tafel angebracht und auf dem Friedhof ein Denk­mal errichtet. Sehr geschmackvoll hat Maler Belte aus Darmstadt die Gedenktafeln in den Kirchen zu Hartershausen und Frau-Rombach ausgestattet. Hartershausen besitzt auch ein Sand fteinbenfmal auf dem Friedhof. Die Gemeinden Hellershausen, Pfordt, Bieder-Stoll, Berns- Hausen und Willofs im Schliherland haben Denk­mäler auf ihre Friedhöfe gesetzt, während Hem­men und Hehhausen über Gedenktafeln in der Kirche verfügen. In Wernges, Reuters, Sicken­dorf, Wallenrod, Almenrod, Hopfmannsfeld, VeitShain, Bermutshain, Salz, Radmühl, Fle­schenbach und Holzmühl wurden Ehrenmale auf den Friedhöfen errichtet. Andere Gemeinden stell­ten die Denkmäler mitten in das Dorf, z. D. Grebenhain, Crainfeld, Freiensteinau, Meylos, Metzlos-Gehag und Blitzenrod, oder bei der Kirche z. B. Stockhausen. Lanzenhain, Bandenhausen, oder bei der «chule wie Weidmoos und Nösberts. Auf bzw. bei dem Friedhof finden wir ferner die Kriegergedenksteine zu Maar, Niedermoos, Ban­nerod, Heisters, Wunschenmoos, Zahmen, Stein­furth, Altenschlirf, Schadges, Rixfeld, Angersbach. Erwähnt feien noch die Gedächtnistafeln in Heb- los, Rimlos, Ober-Moos, Gunzenau, Wallenrod, Schlechtenwegen. Eine besondere Gedächtniskapelle

auf dem Friedhöfe hat die Gemeinde Engelrod ihren Gefallenen erbaut, die Ausmalung ist durch Maler K i e n z e 11 - Darmstadt ausgeführt wor­den. Das Städtchen Schlitz besitzt ein von dem Denkmalpfleger Professor Dr. Walde- Darmstadt entworfenes Denkmal vor der Totenkapelle. Diese selbst ist als Gedächtnishallc ausgenutzt worden dadurch, daß die '.Hamen der Gefallenen auf der Brüstung der Empore von Maler Belte- Darm­stadt aufgemalt wurden. Im Bau befindet sich die Ehrenhalle auf dem Friedhof der Stadt Lauterbach, während die Gemeinde Reichlos die Errichtung eines Denkmals befchloffen hat.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

kz. Münchholzhausen. 31. Dez. Der gewaltige Sturm in den letzten Tagen hat in den Waldungen bös gehaust. Viele Bäume liegen abgeknickt am Boden, als seien sie von einer Riesenhand erfaß, worden. Auch die Obstbäume haben gelitten, große Aeste mit vielen jungen Trieben find abgerissen. Auf der Straße nach Rechtenbach stürzte eine hohe, dicke Tanne, deren Inneres morsch geworden war, quer über den Weg und sperrte fange den Ver­kehr. Der ganze Schaden durch Windfall läßt sich augenblicklich noch nicht übersehen.

Maittgau.

WSB. Frankfurt a.M. 1. Jan. Die Beujahrsnacht ist in unserer Stadt außer­ordentlich ruhig verlaufen. Abgesehen von einigen harmlosen, durch den Alkohol hervor- gerufenen Exzessen, ist so gut wie nichts passiert. Die Polizei brauchte fast nirgends einzuschreiten. Die Schießerei war längst nicht so stark wie in früheren Jahren. Die Feuerwehr, die einige­mal e,meistens grundlos, gerufen wurde, konnte bald wieder abziehen, ohne in Anspruch ge­nommen flu werden. - Wie jetzt bekannt wird, wurde am 23. Dezember- um 4 Hhr nachmittags in der Schumannstraße eine 15jährige Schüle­rin von einem unbekannten, etwa 170 großen Manne überfallen und ihrer H a ndt asche mit Inhalt beraubt.

Em ZahrZweckserbcmdwetterau Attto-Omnibns-Verkehr Friedberg-Florstadt.

L Am 3. Januar ist es ein Jähr, daß die Autolinie F r i e d b e r gF l o r st a d t im Saale des Gastwirts und Verbandsvorstehers Anton Lux in Bieder - Florstadt eingeweiht wurde. Zu der Feier waren die Vertreter der Behörden und der beteiligten Gemeinden in statt­licher Zahl erschienen.

Heute, am ersten Jahrestag des Zweck­oerbandes, sei ein kurzer Rückblick auf Werden und Entstehen dieser wichtigen Berkehrsrnöglich- feit gestattet. Bieder-Florstadt mit 1800 und Ober-Florstadt mit 300 Einwohnern blieben bei Anlage der Bahnlinie Friedberg -Bidda abseits vorn Verkehr liegen. Täglich mußten 200 bis 300 Arbeiter an die Bahn gehen oder mit dem Rad fahren. Die Straße nach Friedberg war stets von Fußgängern und Radsahrerrr, die auf dem Wege von oder nach der Stadt waren, belebt. Die Kinder, die die Friedberger Schulen be­suchen, mußten täglich einen Weg von 2x9 Kilo­metern machen. Die ersten Arbeiter marschierten morgens um 3.30 Hhr ab, abends um 9 Hhr kamen die letzten wieder. Wenn die Arbeitszeit ungünstig lag, mußten viele Arbeiter die Woche über in Frankfurt bleiben und kamen nur Sonn­tags heim. Der Anmarsch zur Bahn hinderte selbstverständlich mandjen älteren Mann, eine Arbeitsstätte außerhalb zu suchen. Er muhte sich im Ort mit einer wenn auch schlechter bezahlten Beschäftigung zufrieden geben. Welche Beschwerden besonders bei schlechtem Wetter ertragen werden muhten, können sich Leute, die einen kurzen und bequemen Weg zur Arbeitsstätte haben, nicht vorstellen. Der Besuch einer Schule in Friedberg war dann fast nicht möglich, da die Kinder den Anstrengungen nicht gewachsen waren.

Bun hatte schon vor dem Kriege die Post eine Autoverbindung von Friedberg nach Ranstadt eingerichtet, die aber die Wünsche der Arbeiter gar nicht berücksichtigte. Die Wagen waren viel zu klein, denn sie faßten nur 12 bis 15 Personen, und die Fahrzeiten entsprachen nicht

Franziska.

Roman von Liesbet Dill.

3t. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Immer wieder kehrten ferne Gedanken zu ihr zurück. Ehe ist das Ende der Liebe? pflegte fetne Mutter zu lagen, es war ihm eingepflanzt von Jugend auf.Dans le mariage, la ten- dresse se nourrit dhabitude. Das tägliche Zu­sammenleben stumpft die Gefühle ab.

Franziska flehte immer wieder:Bur keine öffentliche Verlobung, das schadet mir mehr, als wenn ich eine Rolle umwerfe. Wenn du einmal das Krankenhaus bekommst, bann Die wußte, dah dies noch weit hinauslag. Hnd sie in bescheidenere Verhältnisse zu sich zu neh­men, wagte er nicht. Sie war verwöhnt und verschwenderisch veranlagt, sie durfte nicht einge­engt werden, doch bei der Bühne durfte fte keinen Tag länger bleiben. Als seine Frau mußte sie damit abschliehen Aber wenn sie einen wirklichen Erfolg mit ihrer großen Rotte hatte, für die sie nur noch lebte, würde sie barm dazu bereit sein? Er schrieb ihr dieses atteS in einer Rächt und trug den Dries zu einem Postkasten in der Bähe des Schlosses.

Als der Bries fort war, dachte er, es war unrecht von mir, sie in ihrer jetzigen Arbeits- stimmung zu einem derartigen bindenden Ge­löbnis zu zwingen... Sie wird sich da^u hin- reihen lassen, etwa« zu schreiben, ivas sie dann bereut und dann dachte er wieder. Bein, es ist recht so, eS ist daS wenigste, waS ich von einem Weib verlangen kann, das mir gehört. Aber gehört sie auch noch mir? Die Frage Heß ihn nicht schlafen.

Es war eine der zauberhellen Mondnächte Heidelbergs. Die alte Stadt mit ihren spitzen Türmen und den roten Dächern lag fast taghell unter ihm, die Berge wuchsen blau in die Rächt, und der Fluh zog silbern durch das grüne Tal. Gondeln mit bunten Lampions glitten daraus hin. Vor dem Fenster blühten rote Geranien, unb in den Gärten dufteten die Reseden. In einem der Gärten am Ufer spielte jemand Mandoline, ein Tenor fiel ein, die weiche, helle,

junge Stimme eine# Studenten. Aus den schma-- I len, gewundenen Wegen saßen zwei japanische Studenten auf der Gartenmauer aneinanderge" lehnt und lauschten. Der Mondschein beleuchtete die Dächer, die Katzen schlichen an den Garten­türen entlang, die klaren Brunnen rauschten ge­heimnisvoll und murmelnd wie in alten Bildern von Schwind... es war eine der warmen Früh­lingsnächte, in der das Märchen erwacht.

Wäre sie hier-, dachte er. Ich kann nichts mehr allein genießen, ohne sie ist selbst eine solche Rosennacht teer und traurig.

Gr blieb die Rächt aus, ans Fenster- gelehm, und trank den Rosendnst, der aus den feuchten Gärten herausquoll.

Franziska."

Am nächsten Morgen fand Hasse auf seinem Frühstückstisch auf der sonnigen Veranda einen schmalen lila Brief von einer spitzen, höchst re­denden Damen Hand, der den PoststenrpelSon­nenberg" trug. Er riß ihn auf, es flog ihn heiß an, während er las, entfärbte er sich. Das Mädchen, das den Tee und die Eier brachte, mußte dreimal dasselbe fragen, der Herr Doktor sah vor diesem Brief wie versteinert, und das freundliche Mädchen goß ihm schließlich den Tee auf, ohne auf Antwort zu warten, unb ent­fernte sich leise.

Ohne Heberschrift lautete der Brief:Es empfiehlt sich dringend, die Hauptprobe zurSa­lome" am Samstagvormittag zu befud>en, der Theaterportier hat den Befehl, Sie in die Pro- szeniumSloge einzulassen."

Er knitterte den Brief in feiner Hand. Da war es, was ihn ahnungsvoll durchschauert hatte.

ES war eine Damenhand, die diese rätsel­haften Worte schrieb. (Sine eifersüchtige Intri­gantin, die der Kollegin die neue große Rotte nicht gönnte? Die erste, auf die sein Verdacht fiel, war die Ebenhausen. Die feine, spitze Da- menhand, diese hochstrebenden ehrgeizigen Zeilen wiesen auf eine gebildete Person hin, der un- parfümierte, diskrete lila Brief auf die Dame, aber er verwarf dies wieder. - Die Gbenhausen schrieb keine anonymen Briefe, sie würde sich auf eine feinere Art zu rächen wissen. Hasse

glaubte bestimmt zu wissen, daß sie es nicht war. Gleichzeitig dachte er: wer kann von den Frauen jemals etwas Bestimmtes wissen?

Sin Zorn gegen die fremde Briefschreiberin, ein Groll und eine Bitterkeit, ein Bedürfnis nach Rache lebten in ihm auf.

Es war sicher ein Mann im Spiel. Je­mand war durch Franziska tödlich beleidigt oder glaubte sich bedroht. Stephansberger war nicht mehr da, die anderen Kollegen waren ihm so fremd, daß er nicht einmal ihre Barnen behielt. Brast kam schon aus Altersgründen nicht in Betracht, und der Tenor war ein Kopf kleiner als Franziska, sie schätzte keine Zwerge. Er stieß den Brief in die Ecke seiner Mappe, Er war aus seiner Arbeit herausgerissen.

Es fiel ihm ein, daß er abends einen Vor­trag im Aerztlichen Verein hatte. Er zog die Uhr. Der letzte Zug ging schon vor neun, es blieb nur ein Frühzug, ein Personenzug, übrig, der ihn um halb zehn nach Sonnenberg brachte. Gr dachte kaum an etwas anderes mehr. Gegen Mitternacht nahm er Veronal, bann schlief er mehrere Stunden.

Während der kurzeir Fahrt kam ihm der Zug vor wie ein Krebs, der rückwärts ging, jeder Aufenthalt war ihm eine Pein, er ging in dem engen Abteil auf und nieder, besah die frisch geackerten Felder, den frühlingsmä- ßigeu, grünenden Wald, die Dörfchen und die Bäche, die sich durch Wiesen schlängelten, ohne sie zu sehen, gemartert von Gedanken.

Endlich hielt der Zug, und er betrat den Boden der Stadt. Festen Schrittes, den Stock In der Manteltasche, schritt er durch die rau­chige Hatte, an der alten Blumenfrau, der er sonst jedesmal einen Strauß abkaufte und die sich ihm mit einem großen Relkenstrauß mit ihrem gewinnendsten Lächeln näherte, vorbei und ging zu den AutoS hinüber.

Fünf Minuten später betrat er das Theater. In dem leeren Vestibül wartete der Portier schon auf ibn, er ging ihm, ohne zu fragen, durch die leeren, halbdunklen Gänge voran, in denen ihre Schritte hallten unb in denen die Scheuer­frauen die Garderoben reinigten. Die Probe

den Bedürfnissen der Arbeiter. Außerdem wur­den keine Wochenkarten ausgegeben, und bet Preis von 60 Pfennig für die einfache Fahrt war für Dauerfahrten zu hoch. Dem Privatverkehr von und nach Friedberg war aber einigermaßen Rechnung getragen: doch hat sich das Postautv nie richtig eingebürgert, denn bei schlechtem Wetter war es vorher schon überfüllt, und bei guter Witterung wurde es auch von hier nicht! viel benutzt.

Im Krieg ging auch diese Verbindung wieder ein. Florstadt war erneut ganz vom Verkehr abgeschnitten. An eine Vollbahn mit elektrischem Betrieb für Personen» und Güter­beförderung, die vor dem Kriege projektiert war, konnte man nun nicht mehr denken. Die In­flation unterband jeden Versuch zur Durchführung einer entsprechenden Verbindung. Die Arbeiter, zum Teil durch den Krieg beschädigt, muhten, weiter die Wege zur Bahn machen.

Der jetzige Verbandsvorsteher, der Landtags­abgeordnete Lux, ließ trotz der Schwere der Zeit fein Ziel, den Arbeitern und der übrigen Bevölkerung ein Verkehrsmittel zu schaffen, nicht aus dem Auge. Durch Verhandlungen mit Fach­leuten. Behörden und Privaten entwickelte sich allmählich ein fester Plan. Es war sehr schwer, für die hohen Anforderungen bei der Geldknapp­heit ein sicheres Verkehrsmittel zu bringen. Im Kriege, bei Stillegungen von Bahnlinren^nr be­setzten Gebiet) hatte sich das Auto sehr gut be­währt. Damit schien eine Durchführung möglich, und nun kam es im Bachsommer 1924 zu Ver­handlungen zwischen den interessierten Gemein­den Friedberg, Ossenheim, Rieder- und Ober-Florstadt. Man gründete einen Zweckverband, die Gemeinden gaben anteil­mäßig die nötigen Gelder, Bieder-Florstadt 4/ii die übrigen je und sind in demselben Maße am Gewinn oder Verlust beteiligt.

Die Leitung übernahm her Verbands­ausschuh, der qus je einem Vertreter (Bürger­meister der Landgemeinden und Beigeordneten der Stadt Friedberg) der beteiligten Gemeinden, dem Verbandsvorsteher mit weitgehenden Be­fugnissen, den Bieder-Florstadt stellt und zu dem der.Gründer des Hntemehmens, der Abg. Lux gewählt wurde, und dem Rechner besteht.

Im Oktober 1924 wurde der Verkehr ver­suchsweise mit einem geliehenen Last­wagen eröffnet. Obwohl die Fahrt in diesem Wagen fein Vergnügen war, übertraf der An­drang alle Erwartungen. Mit Jubel würbe her Wagen abends empfangen. Er hatte täglich 300 bis 400 Personen zu befördern und konnte selbstverständlich dafür nicht genügen. Deshalb wurde ein neuer Lastwagen mit Anhän­ger gekauft, ein zweiter Fahrer angenommen und ein Omnibus mit Anhänger, der.52 Sitz­plätze hat, bestellt.

Die Feier am 3. Januar wurde durch eine Probefahrt mit dem neuen Omnibus ein­geleitet, die von Friedberg bis zur ersten Auto- Halle in Ober-Florstadt führte. Da nun beide Wagen auch den Anforderungen nicht genügten, wurden noch zwei gebrauchte Omni­busse gekauft, die ja nicht mehr absolut zuver­lässig. aber dennoch für leichte Fahrten, z. W den Verkehr mit Staden, gut zu gebrauchen sind. Mit diesem Wagenpark ausgestattet, konnte nun auch der Fahrplan so eingerichtet werden, dah er allen Anforderungen genügt. Täglich wer-

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war schon im Gange. Man hörte gedämpft daS feurige Einsetzen des Orchesters und eine warme, vibrierende Tenorstimme:Wie schön ist die Prinzessin Salome beute nacht..."Hier ist dio Loge."

Eine kleine Tapetentür tat sich auf, und Hasse betrat die Parterreloge, in der es vöttig dunkel war, er stieß an einen Samtstuhl und tastete sich vorwärts.

Ein Theater am Vormittag hat etwas Ge­spenstiges, wie es leeren Tanzsälen anhaftet. Es war kalt und zugig, überall lag Staub, Das dunkle Parkett mit den grau verhängten! Logenbrüstungen gähnte herauf wie der geöff­nete Schlund eines Hngeheuers. Die Bühne war in ein graublaues Licht gehüllt, das die Darsteller nur undeutlich erkennen ließ. Der Wärme wegen, die bereits draußen herrschte, hatten die Sänger ihre Kragen abgelegt. Der Eberkopf des Kammersängers Brast sah un­geheuer schwarz aus in seinem kragenlosen Bor- malßemb. Er ging, die Daumen in den Achsel­höhlen, unwirsch vor dem Sousfieurkasten auf und ab. Es hatte zwischen ihm und Mariot eben Differenzen gegeben. Er war, wie gewöhnlich, eine Cßiertelftunbe zu spät gekommen und be-> hauptete, man habe die Theatcruhr vorgestellt.

Hasse hatte sich in die linke Ecke der Loge zurückgezogen und den kleinen toeinroten Samt- vorhang halb vorgeschoben, so daß ihm für feine Augen nur ein schmaler Spalt blieb. Bei sei­nem Eintritt wandte Mariot den Kopf, aber die Dunkelheit der Loge ließ ihn niemand dort erkennen... Die Sänger liebten es nicht, aus dem Hinterhahlt beobachtet zu werden an den Tagen großer Proben,..

Er ließ die Töne an sich vorüber rauschen, die flammende Einführung, den Gesang der Se- norstimme. Von diesem Sänger, einem blonden, kurzsichtigen, untersetzten Menschen, der den Hauchtmann gab, hatte ihm Franziska erzählt, daß er einen wunderbaren Tenor habe, der aber zu größeren Partien nicht ausreiche. Gr war halsleidend, nahm sich nicht in acht und war außerdem händelsüchtig. Bein, dachte er, dieser war es nicht... es mußte ein größerer, gefährlicherer Gegner sein...

(Fortsetzung folgt)