den bei zehn Hin- und Rückfahrten 575 Per- | fönen befördert, darunter 250 mit Wochen- j karten und 75 sonstige Passagiere. Von diesen sind zirka 50 Prozent Schüler, die den halben Fahrpreis bezahlen. Die Arbeiter-Wochenkarte ist auf 3 Mk. festgesetzt und berechtigt zu sechs Doppelfahrten, der Kilometer tostet also 2,8 Psg. Die Einzelfahrl kostet 80 Pfg.» dabei ist der Kilometer mit 9 Pfg. eingesetzt. Die Gesamt- e in nähme für 1925 betrug zirka 7 5 000 Mk. Die Bilanz ist zwar noch nicht abgeschlossen: die Ausgaben werden sich auf zirka 65 000 Mark belaufen.
Da die Autohalle in Ober-Florstadt für den' Wagenpark nicht ausreichte, außerdem, da leine Wasserleitung vorhanden, die Reinhaltung der Wagen Schwierigkeiten machte, entschloß man 'ich zum Bau einer entsprechenden Halle in Rieder-Florstadt, die von der Gemeinde erstellt wurde und nun soweit fertig ist, daß die Wagen dort untergestellt werden können.
Die Verwaltungskosten des Betriebes find sehr gering, sie betragen etwa 1,5 Prozent dec Gesamteinnahmen. Die vier Wagenführer versehen zu gleicher vteit den Schaffnerdienst, so daß auch hier sparsam mit Personal gearbeitet wird.
Da sich der Verkehr außer einem kleinen Unfall reibungslos abwictelte, da int ersten Fahr, in dem noch gelernt werden mußte und die Frequenz erst im Rachsommer durch Einführung des vollen Fahrplanes die jetzige Höhe erreichte, schon ein Ueberschuß verbleibt, da auch die Straße, die in sehr schlechtem Zustand war, dauernd verbessert wird, da vor allen Dingen ein großer Stamm Dauerfahrer vorhanden ist und auch der Lastwagen, der hundert Personen faßt, gern benutzt wird, kann man mit dem Verbandsvorsteher sagen: „Die Autolknic bleibt solange bestehen, bis sie durch ein besseres Verkehrsmittel erseht wird."
'T'ITHII
Turnen, Sport und Spiel.
Lahnkreismeister — Nordmain- kreislabeZlensührer.
Das ursprünglich bereits für gestern vorgeschriebene Treffen muhte infolge eines telephonischen Mißverständnisses noch in letzter Minute verschoben werden.
V. f. R. 01 Frankfurt a. M. tritt nunmehr bestimmt morgen, Sonntag. 3. Januar, nachmittags 2.30 Uhr auf dem Waldsportplatz gegen die Liga des Vereins für Bewegungsspiele an. Die Frankfurter Mannschaft hat bisher alle Ver- bandsspiele gewonnen und steht mit 14 Spielen, 28 Punkten und einem Torverhältnis von 70:10 an der Spitze der Tabelle. Sie spielt einen tedjnifcf) hochstehenden Fußball und ist in allen Teilen gut besetzt. Besondere Ueberraschung bot die Mannschaft im letzten Jahre in einem Spiel gegen den in kompletter Aufstellung spielenden Mainbezirkmeister . Fußballsportverein Frankfurt a. M., den sie auf eigenem Platz mit 5:2 zu schlagen vermochte.
Die in stärkster Aufstellung spielende D. f. B.- Glf wird alles daran setzen müssen, wenn sie gegen einen solchen Gegner ehrenvoll abschnei- den will.
Bereits um 1 Uhr nachmittags spielt die dritte V. f. B.-Mannschast gegen den Sportverein „Hessen"-Giehen ebenfalls auf dem Waldsportplatz.
Fußball am NZujahrstag.
Serdette-Gens gegen Frankfurter Fußball- sportverein 4:2.
Frankfurt a. M.. 1. Jan. (Wolff.) Das heute im Stadion stattgefundene Fuhballwettspiel Servette-Genf gegen den Frankfurter! Fußballsportverein endete nach außer* ordentlich interessantem Spiele mit 4 zu 2 für die Schweizer, die namentlich in der ersten Halbzeit bereits durch prächtiges Sturmerspiel auffielen und bei Halbzeit bereits 3 zu 0 führten. In der zweiten Halbzeit lieferten die Frankfurter ihren Gasten ein gleichwertiges Spiel und setzten einem vierten Tor der Schweizer ihrerseits zwei entgegen.
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Weiterhin erwähnenswert aus den Fußball- ergebnissem im Reich ist der Sieg des 1. F. E. Nürnberg über den V. f. R. Heilbronn und die hohe Riederlage des Bezlrksmeisters Hertha-Berlin gegen Brandeirburg- Berlin (0:5).
Die Handballbilanz des alten Jahres im Lahnkreis.
tz. Noch ist die Meisterschaftsfrage im Handball nicht entschieden. Die Anwärter auf den Meistertitel sind in der Tabellenreihenfolge F. C. Wetzlar, „Hessen" Gießen und Polizei Wetzlar. Den spielerisch besten Eindruck machte bislang der Wetzlarer F. C., was die Geschlossenheit seiner Mannschaftleistung, sein System und seinen zeitweise fast fehlerlosen Angriff betrifft. Bedauerlich ist nur, daß dieser Tabellenführer in den jetzigen Verbandsspielen noch nicht ein einzig^ Mal auf einen starken Gegner traf. Mit
seinem 4:2 Sieg gegen seinen Lokalrivalen, die Polizei, hatte er nicht.deren komplette Mannschaft gegenüber, da die Drei Besten Der Polizei noch nicht spielberechtigt waren. In Dem abgebrochenen Punktekampf gegen die nur 9 Mann starken „Hessen" läßt sich kein Schluß ziehen auf das Ab schnei den gegen die volle „Hessen"- Mannschaft. Erst das neue Jahr wird über Dcn/ wirklich stärksten Verein Ausschluß geben. Die an zweiter Stelle stehenden „Hessen" zeigten keine überzeugenden ßeiftungen gegen die Polizei; sie.gewannen gegen eine kopflose, nervöse Elf 2:0 ohne Feldüberlegenheit, spielten schlecht und ' recht mit Verhältnis einfacher und alter Technik gegen gute Einzelleistungen Der Polizisten, die keinen -Zusammenhang hatten. Trotz ihres Sieges werden sie toenig Aussicht aus Wiederholung desselben gegen die Polizei haben, während letztere mehr Möglichkeiten zum besseren Abschneiden haben, sprunghafte Verbesserungsmöglichkeiten, nämlich, wenn sie richtig gestellt werden und einen Mann, einen Kopf Dirigieren lassen. Haben sie das Führertalent? ja! Voß soll Mittelläufer spielen, soll verteilen, arbeiten, kurz und bündig, ohne Mätzchen! Aussicht auf Den ersten Platz haben noch alle Drei Vereine, die meiste hat nach wie vor Wetzlar F. C. Das Abfchnei- den Der drei letzten war vorauszusehen. Gießen 1900 schied aus, legte zu wenig Wert auf Punkte. Gut, sie sollen nach ihrer Fasson selig werden. B.E. Wetzlar und Riedergirmes stehen in ihrer Leistung wenig auScinanDer. B. C. scheint eine Kleinigkeit stärker. Beider Leistung ist noch zu wenig abgerundet. Bei B. C. ist Volkmer die treibende Kraft, bei Girmes Schönberger ein Talent! In die Meiflerschaftsfrage entscheidend einzugreifen, sind sie jetzt noch nicht befähigt. Alles in allem haben Unregelmäßigkeiten Den Betrieb stark gestört und auch geschwächt. Das Handballspiel ist aber entwicklungsfähig, wenn auch entwicklungsbeDürftig. Glück auf dem Handballsport im neuen Jahre!
Verein
Spiele gew. unentsch. verl. Punkte
F. C. Wetzlar 5
Hessen Gießen 5
P. Sp. V. Wetzlar 4
B. C. Wetzlar 3
D. C. Riedergirmes5
Gießen 1900 3
5 — — 10
4 — 18
2 — 24
1 — 22
1 — 42
— 30
SLadtauswahlsplel in Wetzlar.
A-Mannschast—B-Mannfchast 9:2.
tz. Es ist in Wetzlar gelungen, Turnen, und Sport zu obigem Zweck unter einen Hut zu bringen. Gestern trafen sich also zwei kombinierte Mannschaften, in denen Spieler sämtlicher Wetzlarer Vereine vertreten waren. Die Organisation der Veranstaltung (sowie auch die geplanten Städtekämpfe Wetzlar gegen Kassel, Siegen, Universität Köln und Marburg) lag in Den Händen des Wetzlarer Stadtamtes für Leibesübungen, dessen sportfreudiger Bürgermeister Dr. Kühn durch seinen Sportlehrer Paulus die Handballbewegung eifrigst unterstützt.
Um 3,05 Uhr stellten sich die beiden Auswahlmannschaften int städtischen Spilburg-Sta- dion ht folgender Aufstellung:
A.-Cßl aunschaft: Brill F. C.; Spring, Eberhard B. C.; Sckvnberger. Riedergirmes, Ru- sert F. C., Marauardt T. V, Voß P. Sp. V., Röth II. F. E. Paulus, Dademasch P. E.V., Blum F. E.
ll.^M a n n s ch a s:! Guina B. 6»., Eapello ($., P. S. V., Maust P. S. V., Roldt T. V., Koch F. E.. Volkmer B. C., Pieper P. S. V., Walter P. o. V., O. Waldsckmidt F. E., Ebeling P. S. V.. K. Eapello P. S. V.
Die Mannschaft sollte von vornherein die stärkste Aufstellung repräsentieren. Das Spiel zeigte. Daß Die Aufstellung im allgemeinen richtig getroffen war. Der A.-Sturm ihielte ein febv schönt Spiel und zeigte große Schußfreudigkeit. Vor allem ein wunderbares Freistellen, das türmet gleich zwei bis Drei Stürmern Schuh,gr- legenheit gab. Eine sehr gute Partie lieferte auch Die Läuferreihe, in der besonders Der Mittelläufer große Uebersickt zeigte. Die B-Spieler fanden sich nicht rccht, hatten audi technische Mängel aufzuweisen, die ihr Spiel unsicher erscheinen ließen. Gut waren Mittelstürmer imb Läufer, sowie der linke Verteidiger. Diese Drei Leute würden am ersten zum Austausch gegen schwache Stellen Der A-Mannschaft in Frage kommen, während die A-Leute im allgemeinen die gegebene Städtevertretung repräsentieren würde.
Bei schönem Wetter, war d.is Spiel von ca. 300 Zuschauern gut besucht. Schiedrichter Engel B. C. leitete korrekt. Erfreulich war das durchaus faire und fleißige Spiel auf beiden Seiten. VerfchiÄrene Glanzleistungen, oefonDcrS einige glanzvolle Kombinationsreihcn im A-Sturm, erhielten starten Beifall.
Der erste Städtekampf steigt am 14. Februar 1926 gegen Kassel in Wetzlar.
LahnkreishandbaA.
tz. Die für Den 2. Weihnachtsfeiertag nachmittags angesetzte Handballspiel P o l i z e i f p o r t- verein Wetzlar gegen Sport-Club N i e- bergirtnes kam nicht zum Austrag. Niedergirmes verzichtete schon vorher auf Die Punkte und trat nicht an. Wenn das so weiter geht, fallen fast 50 Proz. Der Spiele aus. Auf Der einen Seite ist zu wenig Jnteesse atn Austrag Der Spiele, auf Der anderen fehlt es an Spielermaterial, und um solche Ausnahmen im Spielbetrieb zu gestatten, wie sie verlangt werden, sind die Grenzen durch Die Satzungen zu streng gezogen. Cs ist vielleicht nicht richtig, einer solchen jungen Bewegung wie Dem Handballsport jo strenge Grenzen zit ziehen: dazu fehlt ihm zahlen- und inieressenmäßig noch die nötige Grundlage. Vielleicht empfiehlt sich neben der Verbandsrunde für Die fest im Sattel sitzende» Vereine noch eine Privatspielrunde ohne Punktwertung (um die Mannschaft und das System zu komplettieren für die sog. Anhänger. Um die Anteilnahme am Handballspielbetrieb zu heben unb Dafür zu werben, ist and) der Weg nicht schlecht, Den Wetzlar eingeschlagen hat: nämlich Die Aufstellung einer StäDtemannschast unD Spiele Dieser gegen andere Städtevertretungen. Wetzlar cklant Die Begegnungen mit Kassel unb Siegen, mit den Universitäten Köln und Marburg. Ob sich nicht Gießen auch mal (zu Propagandazwecken) zu ähnlichen Maßnahmen aufschwingen könnte? Die beiden dortigen Turnvereine, T. V. und M. T. D., die Sportler „Hessen" und 1900 und vor allem auch die Universität wurden eine erstklassige Vertretung zusammenbringen können. Vielleicht läßt sich mit diesen Zeilen die alljährliche Durchfüyrung eines Handball - S tä d te ka m p fe s Gießen - Metzlar inszenieren. Cs wäre der schlechteste Gedanke nicht!
Nun intereffiert die Leser des „Gießener Anzeiger-Sports^ sicher noch die erste Niederlage des Handballbezirksmeisters, Polizei- Turn- und Sportvereins Kassel, Der am Sonntag gegen die Handballligaelf von Hessen 0 9 Kassel gegen alle Erwartungen 1:2 verlor. Die Polizisten, wenn auch mit Ersatz, nahmen das Spiel nicht ernst und sahen sich außerstande, Den knappsten aller Vorsprünge aufzuholen. Die mächtig aufstrebenden Kasseler „Hessen- Preußen" unter Führung Des alten Jung - Denn haben nur ein Spiel bisher verloren (gegen die Polizei) und haben nun gleiche Punktzahl. Es ist für unseren Lahnkreis von großem Interesse, wer im Nochbarkreis Meister wird, Denn die beiden Kreismeister kämpfen wieder um Den Be- zirksmeistertitel (Mitte ober Ende Februar 1926)1
Amtsgericht Wetzlar.
Wetzlar, 30. Dez Wegen Betrugs ist bet Händler Philipp B. von Wetzlar unter Anklage, Der Landwirt Georg sch. zu Aaunheim hatte dem Angeklagten im November dieses Jahres zwei Schale vertanii unb sich ansbednnqen, daß die Schafe vor ’lbboluug bezahlt werden mußten. Trotzdem holte sich Der Angeklagte einige Zeit später von der Schafherde im Felde ein Schaf, Das dem Sch. gehörte, ohne Sch. davon etwas zu sagen unb ohne es zu bezahlen. Sch., Dem die Vermögenslosigkeit des Angeklagten befanni war, beauftragte, als er von der Abholung Des Schafes erfuhr, feinen Sohn. Der Angeklagten auszusuchen und wegen Bezahlung vorstellig zu merben. Letzterer traf mich Den An- geklagten n einer Wutschnis. Vom Jeugen über seine Han diu m. weise zur Rede gestellt, erbot der Angeklagte sich schließlich zu zahlen, und fragte, ob Der Zeuge ihm hermisgeven könne. Er zeigte ihm dabei einen aufammengefalteten Schein, auf oem Die Zahl 100 zu lesen war. Der Zeuge erbot sich sogleich, aut Den vermeintlichen Hundertmarkschein heraus« zugeben. Der Angeklagte legte nun dm Schein auf den Tisch ,unb Der Zeuge steckte ihn, nadjbem er dem Angeklagten 70 Mark her,ms gezahlt hotte, ein. Beide gingen nun noch ein Stück Wegs zusammen. Als der Zeuge allein war, befall er sich Den vom Angeklagten erhaltenen Schein, und gewahrte nun, bau es kein Hundertmarkschein sondern ein Hundert- rnillionenscheiN aus Der Inflationszeit war. Er lief sofort Dem Angeklagten nach unb stellte ihn zm Rede. Dieser behauptete jedoch wiederholt, er habe Dem Zeugen einen echten Hundertmarkschein gegeben, und weigerte sich. Die 70 Mk. zurückzugeben. Auch in Der heutigen Verhandlung leugnet Der Angeklagte hartnäckig, mährend Der Zeuge unter Eid bekundet, vom Angeklagten Den Schein erhalten zu haben. Auch ein weiterer Zeuge behinber unter Eid, daß er in der Wirtschaft Den Angeklagten aus nächster Nähe beobachtet und dabei gesehen hat, daß der Schein, den Der Zeuge vom Angeklagten erhielt, auf Der einen Seite weiß unb unbebrurft mar. Das Gericht sieht den Angeklagten- als überführt an unb erkennt, indem cs Die gemeine Handlungsweise sowie Das überaus freche Benehmen des 2lngeftagten scharf geißelte, auf 3 Monate Gefängnis und 2tufp erlvgung Der Kosten des Verfahrens.
Die Ehefrau Lina H. von Wetzlar ist wegen Unterschlagung angeklagt. Ihr ist zur Last gelegt, einen Der Zeugin B. gehörigen Persianerpelz im Wert - von 300 Alk., den letztere verloren hatte, ge» sunden unb nicht wieder abgeliefert und für sich behalten zu haben. Die Angeklagte bestreitet hie Unter- schlagung. Dav Gericht sieht Die Angeklagte, Die übrigens nicht das erstemal vor Gericht sieht, als hhulbig an und erkennt auf 2 Monate G e - s ö n g n i s unb Auferlegung Der Kosten.
Wegen gefährlicher Körperverletzung hat sich der Hüttenarbeiter Heinrich M. von Wißmar zu verantworten. Dieserhalb mar gegen M. burch gerichtlichen Strafbefehl auf 150 Mk. Gelbstrafe, hilssweise 30 Sage Gefängnis erkannt, wogegen er Einspruch erhob. Wie die Verhandlung ergab, hat der Angeklagte anläßlich eines Streites dem Zeugen L. einen Messerstich beigebracht, wodurch dieser ärztliche Hilfe aufsuchen mußte und acht Tage arbeitsunfähig war. Der Angeklagte ist geständig, will aber vom Verletzten vorher mit einem Knüppel bedroht worden sein. Die Vernehmung der Zeugen ergibt jedoch, daß Der Angeklagte der Angreifer war. Das Gericht billigt dem bis dahin noch unbestraften Angeklagten mildernde Umstände zu und ermäßigt die Strafe auf 100 Mark, Hilfsweife 20 Tage Gefängnis.
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neuen
S9
die Den' sehe Nothilfp.
PelzmSrtel.
Ein Nürnberger Spielzeugroman.
Nach dem Italienischen der Teresah erzählt von Gustav W. Eberlein.
Copyright 1925 by A. Scherl G. m. b. H.. 'Berlin. 29. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Sie waren es daher ganz zufrieden, als die Königsfee Morgana, um Liefet eine besondere Freude zu machen, wie sie glaubte, die Magier zu einer Versammlung einberief, die auf Antrag des Oberzauberers Merlino beschloß, daß Om° bretta und Ombricina die Reise nach Nürnberg mitmachen Dürften. Sie konnten auf diese Weise als Zeugen dienen, falls man dort oben etwa den Erzählungen der Kinder keinen Glauben schenken sollte, und zür Bekräftigung ein von Morgana entworfenes und von sämtlichen Feen unterzeichnetes Dokument vorweisen, das einen genauen Bericht über den Aufenthalt im Feenland enthielt. Natürlich mußte das Dokument ein säuberlich auf Pergament geschrieben und mit goldenem Faden geheftet werden.
„Erzählt ihnen alles, gelt? Erzählt ihnen von uns!" baten sich die Zwerge aus, strahlend bei dem Gedanken an die ^verdutzten Gesichter der Nürnberger. „Und vergeßt nicht, ihnen klar- zumachen, daß wir den Rus, die gescheitesten Kobolde zu sein, verdienen", setzten die eitlen Wichtel hinzu.
Otto und Liesel versprachen es, und ihre Augen leuchteten schon bei der Vorstellung, was sie alles an schönen und wunderlichen Sachen zu erzählen haben würden.
„Schlimmstenfalls, wenn euch die Leute nicht glauben sollten," sagte Morgana, mit den Augen zwinkernd, „ist ja der Nürnberger Trichter da."
Der glorreiche Nürnberger Trichter war auch im Reiche Morgauas volkstümlich geworden, und die Feen hatten den Zwergen den Auftrag gegeben, auch einen für Italien herzustellen. Ob diese Bestellung ausgefiihrt worden ist, weiß ich freilich nicht.
So verging mit Abschiednehmen und Zärtlichkeiten, Scherzen und Reisevorbereitungen der letzte Tag, den die Kinder in dem unvergeßlichen
Lande verbringen sollten. Eusrasia brachte sie zu Bett, Zerlina hüllte sie in die Decken, ©in» forosa löschte das Licht.
„Schlaft jetzt," sagten die drei Feen, „wir müssen nun packen "
Luginsland, Schnabelspitz und Wiesenftelz schliefen schon, auf einem Beine stehend, Den Kopf unter Dem Flügel geborgen. Kunigunde hatte sich in ihre Gemächer zurückgezogen. Krach- auf schnarchte wie ein Sägewerk, unb Karl Der Große war in den Garten gegangen, um seine Abendpseife zu rauchen. Die Hunde, Die Marionetten, Die Bleisoldaten waren flugbereit. Der Reisewagen, frisch ausgepolstert und bis zum Brechen mit Proviant und Andenken beladen, hielt vor der Tür. Alles war in Ordnung- nichts fehlte. Befriedigt suchten Die drei Feen Hans Sachs auf, der diese Tage sehr wenig Zeit zum Lautenspiel gefunden hatte, Da alle Feen von ihm Atlasschühchen und Samtpantosfeln haben wollten, die keiner der Zwerge so märchenhaft zu machen verstand wie dieser Mann aus der Fremde. „So schön sind sie wie feine Lieder", hatte eine Tanzsee gehaucht, indem sie ihn errötend anblickte.
Cufrasia, Zerlina unb Sinsorosa probierten ihre neuen Pantöffelchen an, die wie Handschuhe faßen. Sie verglichen sie mit Den anderen und schlüpften übermütig in Die Schuhe Alcinas hinein, in denen sich ihre kleinen Füßchen beinahe verliefen. Denn Alcina, kann ich euch im Vertrauen sagen, hatte unglaublich große Füße. Während sie sich darüber lustig machten, merkten sie nicht, wie Siebenschelm sie hinter der Tür beobachtete.
Siebenschelm, Der feinen Namen davon hatte, weil sieben Teufel in diesem bösesten der Zwerge zu hausen schienen, verfolgte Hans Sachs mit tödlichem Haß. Er hatte Die Unverschämtheit gehabt, von Hans Sachs zu verlangen, er solle ihm ein Paar JagDstiefel machen, unD eine Antwort erhalten, wie es sich gehörte: Ballschuhe für Feen, ja, Die mache er gern, sagte Hans Sachs. inDem er lustig Darauf loshämmerte, aber Stiefel für den nächstbesten Siebenschelm, nein, dazu gebe er sich nicht her. Dem schwarzen Jäger lief Die Galle über, als er solches horte. Und bald Darauf verscherzten sich auch Otto und
Liesel seine Freundschaft, weil sie ihn, ohne es zu wollen, aufs tiefste beleidigten.
Stiefel zu haben, Das war nämlich Siebenschelms heißester Wunsch geworden, seit er die Kinder von dem gestiefelten Kater erzählen hörte, Der in ihrer Heimat eine bedeutende Persönlichkeit zu fein schien. Da ihm Hans Sachs keine machen wollte, hätte er sich mit einem Paar gebrauchter Stiesel begnügt, welche Die Reisenden zusammen mit Taschentüchern, Schulheften. Dem Tintenfaß, Der Wärmeflasche unD anderen schätzbaren Dingen von Nürnberg mitgebracht hatten. Im FeenlanD ist ja zwar alles zu haben unD alles neu, großartig, üher Die Maßen prächtig, aber wie es so geht, Die Leutchen Dort waren Der allzu schönen Dinge so überdrüssig wie die mit teuren Spielsachen verwöhnten Kinder, Die Dann lieber mit Knöpfen unb Pfirsichkernen spielen. Den Zwergen und Wichteln stachen Die alten Sachen Der Kinder dermaßen in Die Augen, daß sie ihre Schätze an Edelsteinen gern für Den PlunDer hergegeben hätten. Siebenschelm verschlang das alte Tintenfaß mit Den Augen, unD eines schonen Tages schlich er sich in Das Zimmer Der KinDer, wo es auf dem Tische stand setzte es an die Lippen und leerte es in einem Zug. Darauf bezichtigte Der ausgeschämte Spitzbube den klügsten der Zwerge namens Hütdiezunge. Natürlich hielt niemand Hütdiezunge eines so törichten Streiches für fähig, und um Siebenschelm zu blamieren, berief Morgana das Feengericht ein, das mit salomonischer Weisheit vorging.
„Man steche Den Angeklagten mit einer Nadel in die Haut!"
Rot und klar wie Wein spritzte aus Hüt- Diezunge das Blut.
Zweiter Befehl: „Man steche in Den Ankläger!"
O weh, ein schwarzer Strahl kam heraus!
Er hatte sich also nicht nur Die Finger mit Tinte bekleckst, wie er angab. So. sagten sich Otto und Liesel, Denen Siebenschelm mit seinen Ziegenfüßen und seinem tückischen Blick noch nie gefallen hatte, zur Strafe kriegst du jetzt auch nichts!
Und sie verschenkten Die Pfennighefte, Die alten Taschentücher und Die groben Schuhe an
Die beglückten Zwerge und Wichtel. Hütdie- zunge erhielt obendrein noch Die Wärmeflasche, Siebenschelm ging leer aus.
Nicht mehr wie recht unD billig, werbet ihr denken. Und Doch sollte diese kleine Strafe die schlimmsten Folgen haben, Folgen, die sogar Dem Pelzmärtel zu schaffen machten: Denn Sieben» schelm stand im Dienste Der Hexe Olkina, und zwischen Alcina und Morgan« herrschte feit Jahren grimmigste Feindschaft.
Alcina war früher Hexenmeisterin und als solche viel mächtiger als Die Fee Morgana gewesen. Sie konnte Verhexungen ausführen, Die nur Der Oberzauber-.r Merlino zu lösen vermochte. Aber eines Tages verscherzte sie sich seine Gunst, und er nahm ihr das große Zauberbuch weg, Das sie in Verwahrung hatte. So verlor sie ihre Macht und sank zu einer un* beDeutenden ' Unterhexe am Hofe MorganaS herab.
Als nun Siebenfchelm die Drei Spielzeug» feen mit Den großen Schuhen Alcinas ihren Spaß treiben sah, lief er eilends zu feiner Meisterin und verklatschte sie. Alcina war eine schrecklich häßliche, Dürre, zahnlose Alte, sie hatte eine Glatze. Dafür aber einen Bart und bildete sich ein, blühend und samten zu fein wie ein reifer Pfirsich. Kein Wunder, daß sie bei Dem Bericht Siebenschelms fast aus Der Haut gefahren wäre.
„Ich wäre nicht Die, Die ich bin, wenn ich mich nicht rächen würde! Oh, wenn ich nur das große Zauberbuch hätte!"
„Was würdest Du Denn Dann tun?“ fragte Siebenschelm, Die Ohren spitzend.
„Gegen Die Feen selber könnte ich nichts ausrichten, das ist wahr, aber sind Diese drei Vogelscheuchen die Spielzeugfeen ober find sie es nicht? Wohlan, ich würde mich an Kunigunde und ihrer ganzen Sippe rächen!"
„Bravo! Aber das große Zauberbvch, weißt Du, wo es ist?"
Die Hexe betrachtete Siebenfchelm, dessen» Augen im Schatten wie glühende Kohlen glänzten«
„Was hast Du vor?" fragte sie mißtrauisch. „Wo steckt Da wieder Die Gaunerei?"'
(Fortsetzung folgt)


