er
1.
Nachdruck verbalen
30 Fortsetzung.
gnädiges Fräulein,
die
Preußen.
Kreis Wetzlar.
^prcrhfiunden der Redaktion.
12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags So istag nachmittag geschloßen
$üt unverlangt cingesandie Manuskripte ohne beigesiigtes Rürfporlo wird keine Gewähr übernommen ___
legen mit 7:1.
Schrvimmrvettkämpfe in Magdeburg.
Der Schwimmklub Magdeburg 1896 gewann gestern den Klubzweikampf gegen Poseidon-Leip- zia überlegen. Die Magdeburger tonnten sämtliche Konkurrenzen gewinnen. Der Sport stand aus beachtlicher Höhe. So erreichten die Magdeburger in der 5 mal 100 Mter Freistilstaffel mit 5.29 eine ganz hervorragende Zelt. Die beste Zeit für die 100 Meter schwamm der Magdeburger Heitmann mit 1,03,2 Minuten, während Heinrich- Leipzig 1,06 Minuten gebrauchte. allerdings ohne sich auszugeben, da er das hoffnungslose seiner Bemühungen wohl ein- gesehen hatte. Auch die große wchwellstafsel beendeten die Magdeburger ganz überlegen. Eine ^leberraschung war das Wasserballspiel, das Magdeburg gewinnen konnte. Man hatte hier eigentlich mit einem Siege der Leipziger nach ihrem guten Abschneiden gegen die Budapester gerechnet. ______
• Lauterbach, 31.Oft. Der Oberlandmesser Schüz von hier stürzte mit seinem Rode auf der Fahrt von Willofs nach Lauterbach und blieb mit schweren Verlegungen liegen. Automobilisten fanden den Verunglückten und verbrachten ihn in das Lauterbacher Krankenhaus, wo seinen Verletzungen erlag.
darf?"
„Das Leichenhaus,
Das grotze Würfelspiel
(IHartina öllemar.)
Roman von Franz Lover Kappus.
ausüben können.
—5— Hochelheim, 30. Oft, Innerhalb der hiesigen Raiffeisengenossenschaft hat sich eine Ster befasse gebildet. Die Einrichtung zählt bis jetzt 25 Mitglieder.
—5— Erda, 30. Ott. Wie vor kurzem berichtet, beabsichtigt unsere Gemeinde eine Wasserleitung zu erbauen. Die vorgenommenen Wasserschürfungen waren von Erfolg gekrönt, da man aus
Landratsamt zu Wetzlar, dem der Regierungspräsident die Entscheidung übertragen hatte, stattgegeben worden. In diesem Jahre sind von den Pächtern gleiche Anträge wieder gestellt, denen die Berechtigung kaum versagt werden kann. Die Gründe, die für die Polizeioerordnung des Oberpräsidenten gesprochen hoben (starke Verminderung des Rehwildbestandes), mögen wohl in erster Linie für die besetzten Teile des Rheinlandes zutreffend gewesen [ein, in denen der Rehwildbestand durch Angehörige der Besatzungstruppen stark herabgemindert wurde, nicht aber für den Kreis Wetzlar, in dem solche üble Erscheinungen weder in der Kriegs- noch in der Nacykriegszeit zutage getreten sind. Der Ober- Präsident sollte erwägen, ob er nicht die Polizeiverordnung, die noch bis zum 31. Dezember 1927 gilt, für den Umfang des Kreises Wetzlar mit sofortiger Wirkung außer Kraft setzen sollte. Die Leidtragenden sind vor allem die G e - m e i n d e n , die ihre Jagden in der Inflationszeit verpachtet haben. Diese verlangen jetzt von den Pächtern die Friedenspacht, deren Zahlung diese aber ablehnen, weil sie die Jagd nicht im vollen Umfange, insbesondere nicht wie zu Friedenszeiten,
Morell machte eine abwehrende Handbewegung. „Das lassen wir lieber."
„Warum beim, Herr Doktor?" Martina konnte nicht verstehen, daß es etwas gab, was sie nicht sehen sollte. Sonderbar beruhigt fühlte sie sich aus einmal in dieser Welt, die die Erfahrungen von vielen Jahrhunderten streng und nüchtern zu- sammensaßtc. Gar nicht so schlimm mußte es sein, in dieser Welt zu leben, zu wirken, zu arbeiten. Alles war so klar und zweckbewußt abgesteckt, alles wurzelte so schön und still in dem einen Gedanken: zu helfen, zu heilen, zu retten. Ganz anders als in der Schützenstraße mochte das Tagewerk hier ab- lausen. Dort regierte das Geld, dort spannte Hunger nach Geld und Profil alle Kräfte an: gerade umgekehrt war es hier: oa bedeutete das Geld nur Mittel zum Zweck, da handelte es sich ja um Menschen, um arme, leidende, schmerzgepeinigte Menschen. Voll wandte Martina Morell das Antlitz zu. „Sie freuen sich wohl sehr auf Ihre Arbeit, Herr Doktor?"
„Wie denn nicht", sprach Morell zurückhaltend.
„Aus welcher Abteilung werden Sie beschäftigt sein?"
„Dort drüben, gnädiges Fräulein."
„Wo ich nicht hin soll?"
„Wo Sie nicht hin dürfen."
„O —" Martina schaute verwundert. „Was kann denn das so Schreckliches sein, wo ich nicht hin
hi Tübingen hatte sich Doktor Kretzschmar den vielversprechenden Kollegen verschrieben. Die Dozentur an der Berliner Fakultät schien Doktor Haberland so gut wie sicher.
Zögernd trat Bernhard Carsten auf Martina zu. „Zufrieden?" fragte er, die Augen zu Boden geschlagen.
„Sehr zufrieden, Herr Carsten", lächelte Martina. „Ich verstehe ja nichts von alledem; aber das eine fühle ich doch: Sie haben etwas Ganzes, Großes geschaffen. Ich gratuliere Ihnen ausrichtig!"
Carsten blickte auf. Mit beiden Händen faßte er Martinas Rechte. Keinen Laut konnte er hervor- bringen.
In langen Sätzen kam ein Mann über die hartgefrorenen Beete gelaufen. Seine Arme flogen durch die Luft. Schon von weitem suchte er Carsten mit weiten, erstarrten Augen.
„Was gibt's?"
Carsten eilte dem Manne entgegen, neigte den Kopf lauschend zur Seite und stand einen Moment wie versteinert. Dann rannte er mit dem anderen davon.
Unschlüssig warteten die Gäste. Allerlei 23er1 mutungen wurden laut. Alle Blicke fragten, Achseln zuckten. Mehr und mehr versickerten die Gespräche. Langsam setzte sich die Gruppe gegen das Verwaltungsgebäude in Bewegung.
Endlos währte es, dis Carsten im Portal sichtbar wurde. Schritt für Schritt taumelte er näher. Sein Gesicht war grau und verquollen.
„Ein entsetzliches Unglück", lallte er.
Zwei Sekunden später wußte auch der alte Grumdach Bescheid. Ein anderes Telephon hatte ihm die Kunde gebracht. „Furchtbar!" sagte er und ließ die Hände sinken. „Das Haus in der Canova- ftraße ist eingestürzt. Das halbe dritte und vierte Stockwerk — surchtbar!" Gepreßt setzte er hinzu: „Eine Frau und drei Kinder liegen unter den Trümmern." Nur einen Moment überlegte er: „Der plötzliche Frost, die schwere Dachkonstruktion —' Dann lief er schon, was die Beine ihn tragen konnten.
Irgendwo rückwärts erklang ein zischender, langgezogener Laut.
'Alle Köpfe drehten sich herum.
okmehmer tn Frage kam. — Unfcte neue Glocke wird noch vor Weihnachten eintreffen und aufgehängt werden. Ihre Weihe soll mit besonderen kirchlichen Feiern verbunden sein, deren Vorbereitung bereUs im Gange ist.
—5— G e d e r n , 30. Oft. Das Oedlan d längs der Straße Gedern —Hartmannshai nist jetzt durch mehrere tiefe Gräben zum größten Teil entwässert worden. Man hofft, mit der M c - l i 0 r a 11 0 n noch im Laufe des Winters beginnen zu können. Rach deren Fertigstellung soll das Gelände zur Errichtung einer Jungvieh weide dienen.
Kreis Alsfeld.
I. Elbenrod, 30. Oft. Der Landwirt Ferd. Schröder hat auf seinem Gute jetzt einen M 0 • t 0 rpflug in Betrieb, der bei unseren Landwirten als bisher noch nicht gesehene Neuheit rege besichtigt wurde. Der Schrödersche Betrieb zeichnet sich ferner durch eine neuzeitliche Förderanlage in der Scheune, gute Viehweide- a n ( a g e n und sehr lehrreiche Düngungsversuche aus. Unsere Landwirte haben diesem Musterbetriebe schon manchen guten Wink für ihre Betriebsführung zu Derbanten.
Kreis Lauterbach.
Kleine Strafkammer Wetzlar.
Q Ein Händler von Wetzlar war unter der Anklage bes unbefugten Betriebs einer Schankwirtschaft durch Strafbefehl mit 300 Mark Geld- [träfe belegt worben. Der schon mehrfach deswegen vorbestrafte Angeklagte hatte hiergegen Einspruch eingelegt und wurde dann von dem Einzelrichter zu 1 Mo not Gefängnis verurteilt. Auch dieses Urteil focht der Angeklagte durch die Berufung an, die er jedoch in letzter Stunde zurückzog. Ein der Verhandlung unentschuldigt ferngebliebener Zeuge erhält 10 Mark Ordnungsstrafe.
In einer Nackt im Juni wurden einem Einwohner von Holzhausen der Gartenzaun zerstört, sowie mehrere Obstbäume mutwillig beschädigt. Als Täter wurde damals ein Schreiner aus Holzhausen, obwohl er die Tat bestritt, durch Strafbefehl
Die gestrigen Fuhballspiele im Reiche.
In den gestrigen Schlußspielen der Dor- runde um die Mainbezirksmeisterschaft erlitten die Offenbacher Kickers eine 2:0-Nieder- lag« durch die Frankfurter Eintracht, wodurch letztere sich an die Spitze schieben konnte, gefolgt von Zußballsportverein. Aach den gestern gezeigten Leistungen der Kickers werden sie wohl als Anwärter aus die Meisterschaft "icht mehr in Betracht lammen, vielmehr werden SußlMiiu sPortverein und Eintracht die ersten Plätze belegen. Fußballsportverein mußte rn2tte- derrad sich wehren, um nicht eine im Vorjahr einzustecken, konnte aber bank ferner größeren Ausdauer und Spielerfahrung mit 0. 4 den Sieg an sich reißen. Hanau 93 erkampfteauf dem heißen Isenburger Platz ?
der mit viel Glück erzielt wurde. Rvt-WnV und Germania-Frankfurt teilten sich bei einem bl Ergebnis in die Punkte, wahrend Hanau 94 als Abstiegskandidat angesprochen werden mutz da sie gegen die Viktoria Aschaffenburg 2:4 unterlag.
Im Bezirk Bayern standen nur zwei Spiele aus dem Programm, da die Spieler der anderen Mannschaften in Amsterdam weUtem München 1860 tonnte die ^ugsburner Schwaben mil 4 -2 besiegen, wahrend 1. A. C. Bayreuth— B f A Fürth, die sehr spielstark ist, 3:2 niederringen'konnte. Die Spitzengruppe ist damit un- verändert geblieben.
Im Bezirk Wurttemberg-Baoen tonnten V. f. B.-Stuttgart gegen Phönix-Karls- mhe mit 3:1 und Karlsruher Fuhballverein gegen 1. F. C. Freiburg mit 5:2 ihre Spitzenposition verbessern. Die Stuttgarter Kick'rI verloren durch ihre 1:2-Niederlage gegen b;n S. ort- club Freiburg den Anschluß an die Spitzengruppe, die vom D. f. B. Stuttgart und Karlsruher Fußballverein gebildet wird.
Im Bezirk Rheinhessen-Saar konnte sich wieder Mainz 05 durch den Ausfall des Spieles "Worms gegen Eintracht-Trier und durch ihren knappen 2:1-Sieg über S. E. Saar 05 Saarbrücken an die Spitze setzen.
Der Stand im Rhein bcztrl hat sich insofern geändert, als Sportverein Darmstadt durch seinen 5:3°Slcg und durch die Niederlage von Waldhos sich an die Spitze sehen konnte. Mannheim D. f.R. konnte seinen starken Lokalrivalen 3-2 schlagen und feine Position verbessern.
Der Berliner Fußball brachte bet regnerischem Wetter zahlreiche Ueberraschungen, 10:0 schlug Hertha D. S. C. Meteor, 5:0 siegte Vorwärts gegen Wedding, wahrend Preußen 4 5 gegen Tasmania unterlag. Die in Abt. B bisher ungeschlagene Union-Oberschöneweide unterlag gegen 1. F. E. Neukölln 2:3, Viktoria verlor gegen Kickers 2:4, D. S. V. 92 gegen S. E. Eharlottenburg 3:4.
Im Norddeutschen Fußball gab es am gestrigen Sonntag nur ein einziges Ligaspiel un zwar standen sich in Stettin her V. f. D. und Blücher gegenüber. Ersterer siegte über
bist du? Wohin laufen Heine Gedanken? Warum erschreckst du mich?"
„3rfj will dich nicht erschreckeen. Ich will endlich nur wissen —"
Die Sabukowa öffnete die Augen weit. „Bin ich nicht da?" Langsam breitete sie die Arme aus. „Stehe ich nicht Da neben dir? Ist das nicht alles?"
„Trotzdem, Maria, trotzdem."
,Zch begreife dich nicht."
Kreuth schluckte schwer. „Du und dein Name: es ist alles und doch zu wenig. Wir leben hier auf keiner Südseeinsel. Auf einmal kann jemand da fein und dich mir fortnehmen wollen." Er lächelte mit weißen Lippen. „Und bann muß ich wissen, wer der Mensch ist, dem ich an die Gurgel springe."
„Das würdest du tun?" fragte die Sabukowa flackernd.
Kreuth nickte ernst.
Schweigend gingen die beiden weiter. Erst nach einer Weile [prack die Sabukowa: „Vielleicht ist er eines Tages da." Im Plauderton ergänzte sie: „Vielleicht bereitet er dir sehr bald das Vergnügen." Gurrend klang ihr Lachen.
„Am liebsten morgen, am liebsten gleich heute." Leise Stiche fuhren Kreuth durch Die Brust. Längst Verfchüttetes meldete sich zaghaft zum Wort. Die Mahnung an die Zeit, die unbarmherzig vorwärts- ftürmte, brachte kurze Sekunden der Besinnung. Aber gewaltsam warf er das Unbehagen ab. Dicht an seinem Leibe schritt die Sabukowa. Spielerisch flocht sie die kühlen Finger in die seinen. Plötzlich stand sie wieder still. „Und wenn er gar nicht kommt? Nie, hörst du, niemals?"
Betroffen schaute Kreuth sie an. So sicher hatte er mit dem feierlichen Russen gerechnet, daß er in einen Abgrund zu sinken glaubte. Schwarze Schachtwände stiegen rings um ihn.
„Bis in alle Ewigkeit bleiben wir dann hier. Oder nicht?" fragte die Sabukowa lauernd.
„Doch, Maria, doch."
Aufs neue lachte sie, dunkel und schwingend.
„Bis in alle Ewigkeit", versicherte Kreuth, von diesem Lachen bezwungen. Nicht auszudenken war es ja, daß man einmal auscmandecpehen konnte. Der hohe blaue Himmel .. i>.e einstürzen, wenn man diese Hand nicht fühlte, diesen 2hem nicht trank, diesen Mund nicht küßte.
(Fortsetzung folgt.)
,?" Aus dem Niddatal, 30. Oft. Daß es den Viehzüchtern möglich ist, ihre Viehbestände bis in den November hinein mit Gras und Klee zu ernähren, darf als große Seltenheit bezeichnet werden. Die meisten Landwirte haben überhaupt noch nicht mit der Trockenfütterung begonnen, so daß die Milch- erträgnisse, die bei Heufütterung merklich Nachlassen, bis jetzt kaum abggenommen haben. Aip deu Wiesen steht noch soviel Gras, daß 'roch für Wochen Futter vorhanden wäre, sollte nicht einsehender Frost die Grünfütterung beenden. Der Roggen ist gut aufgegangen und fängt soeben an, die Aecker grün zu färben. Dte Fe ld- b e st e l l u n g ist fast überall beendigt, die Aecker sind geräumt, so daß die eigentliche Arbeitsperiode des Landmanns, dank des günsttgen Herbstwetters, ein frühes Ende fand.
Kreis Schotten.
Schotten, 30. Oft. In den Vorjahren war es unmöglich, Theaterabende in der Turnhalle zu veranstalten, weil die Voranmeldung für Theaterkarten so gering war, daß man das Wagnis nicht übernehmen konnte, einer auswärtigen Künstlertruppe eine entsprechende Ernnahme zu garantieren. Den De- mühungen des hiesigen Dolksbildungs- vereins ist es nun gelungen, eine ausreichende Zahl von Theaterfreundsn zu werben, so daß in diesem Winter zwei Aufführungen stattfinden können. Am nächsten Dienstag gasttert das „Frankfurter Künstlertheater".
-T- Eichelsdorf, 30. Oft. Die ® au ft er- scheu Dasaltwerke haben jetzt neben dem Basalt st einbruch am Kuh trieb auch den vorher stillgelegten am Eich föppel wieder in Betrieb genommen. Um die Steine mittels Lastwagen abfahren zu können, läßt die Firma den Zufahrtsweg bis zum Dorfe chauffieren. Die Anlage eines Bahnanschlusses hat man der hohen Kosten wegen fallen lassen. Das Dasaltwerk besaßt sich neben der Herstellung von Pflastersteinen in der Hauptsache mit Lieferung von Schot ter st einen. In letzter Zeit war es besonders die Reichsbahn, die als Groß-
toafierabern von beträchtlicher Stärke fließ, so daß der Bedarf des Ortes aus eigenen Quellen gedeckt ist. Man hofft, den Bau im nächsten Jahre vollenden zu können.
KreiS Kirchhain.
sch. Wohra. 31. Oft. Tödlich verunglückt ist hier der Landwirt Wilhelm Schneider dadurch, daß er in einem Haus die Treppen hinunterstürzte und «inen doppelten Schädelbruch erlitt. Zwei Stunden später erlag der Bedauernswerte seiner schweren Verletzung.
ObcrlahnkrciS.
• Weilburg, 30. Oft, Ein G ä r 1 n e r in dem Dorfe Aumenau wurde unter der Beschuldigung des Verbrechens gegen § 175b von der Gen darmeric 0 e r h a f t e t. In Runkel, wohin man ihn zunächst brachte, legte er ein Geständnis ab. Der Wüstling, der seine Verbrechen schon seit einigen Jahren beging und selbst Konfirmanden sich gefügig zu machen wußte, wurde in das Limburger Gefängnis gebracht. Die behördlichen Ermittelungen zieyen immer weitere Kreise.
Kreis Limburg.
WSN. Limburg, 30. Oft. Am 1. November begeht der Bischof von Limburg, Dr. Augustinus Kilian, seinen 10. Geburtstag. — Heute morgen sand hier
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
bn. Allertshausen, 80. Oft. Auf Deran- lafsimg unseres Bürgermeisters Reinhardt hielt der Reiseprediger W i e m e r im hiesigen Schulsaale einen Lichtblldervartrag über die Missionsgebiete Surinam und Tibet der H e r r e n h u t e r Brüdergemeinde. Die Darlegungen des Redners und die oorgeführten Lichtbilder fanden den starken Beifall der zahlreichen Zuhörerschaft. Der genußreiche Abend wurde mit kurzen Ansprachen von Pfarrer Hofmann und gemeinsam gesungenen Liedern der Versammlung eröffnet undge- schlossen. Eine Sammlung für die Herrenhuter Mis- fionszwecke ergab den Betrag von 15 Mk., ferner wurden noch zahlreiche Schriften verkauft.
Kreis Friedberg.
B. R 0 dheim v. d. Höhe, 30. Olt. Die letzten Schwierigkeiten, die dem Bau der 0 t c - f i g e n Wasserleitung noch entgegenstanden, sind nun behoben. In seiner gestrigen Sitzung er» Härte sich der Grmeinderat mit der Wasserav- nahme von der Nachbargemeinde O b e r - R 0 s - b a ch zu dem geforderten Preise von 4 Pfennig für den Kubikmeter einverstanden. Die Gesamt- kosten für die Gemeinde werden sich bei dem Dau der Leitung auf 1 40 000 M ar k stellen Aus Reichsmitteln werden namhafte Zuschüsse geleistet. Um den Erwerbslosen baldmöglichst Arbeitsgelegenheit zu schaffen sollen die Arbeiten noch im November ihren Anfang nehmen. Man rechnet mit der Fertigstellung und Inbetriebnahme auf den Mai nächsten Iah- res Der Gemeinderat hat ferner dem Krcis- amt vorgeschlagen, daß eine gleichzeittg durchzuführende Kanalisation als Not st ands- arbeit zur Ausführung gelangt, weil diese unbedingt notwendig erscheint.
WSN. Beienheim, 30. Oh. Hier ging ein Heiner Luftballon nieder, dessen Absender nach einer daran befestigten Karte die Gastwirtevereinigung in Malme 0 y ist.
x. Wölfersheim, 30. Ott. In den nächsten Tagen wird die Hochspannungsleitung der elektrischen Leitung von hier nach H 0 ch st a. M. dem Betrieb übergeben.
Kreis Büdingen.
Ernst Wilemar stand da: wankend, beide Fäuste an das Gesicht gedrückt, die Augen hinter dem Kneifer geschlossen.
Die Autos knatterten aus der Remise.
Zwei Stunden darauf hatte das „Krankenhaus Landsberger Allee" [eine ersten Patienten: die Heimarbeiterin Anna Böhlecke und ihre Kinder. Zukunftsfroh waren die vier an dem kaltklaren Sonntagmorgen ausgezogen, um das schöne, große Gebäude zu bewundern, darin sie schon im Frühjahr wohnen sollten. Nun lagen sie unter dicken Wattebauschen in den reinen, blütenweißen Betten. Und stöhnten und stöhnten.
XXIII.
„Warum fragst du nur immer?"
„Ich frage schon nichts."
Benno von Kreuth starrte Maria Feodorowna Sabukowa in die Augen. Etwas Fernes und Unausgesprochenes glomm in ihren Blicken. Wie vom Himmel gefallen war diese Frau: leibhaftig und mit allen Sinnen auf der Erde und doch irgendwie weit und unerreichbar. Wenn sie den Kopf in den Nacken legte, die Hand hob oder still und sicher einen Fuß vor den anderen setzte: nimmer glaubte Kreuch, daß es dieselbe war, die eine Stunde zuvor [ein Blut gepeitscht hatte. Eine Fremde ging neben ihm, lächelte über den weiten See, blickte zur eisgekrönten Dent du Midi empor.
„Immer soll ich etwas sagen", sprach die Sabukowa verhalten. „Sind alle Deutschen so, daß sie immer fragen?"
Verträumt bewegte Kreuth die Schultern. „Ich weiß kaum selbst noch, wie ick bin. Wie sollte ich da wissen, wie die anderen sind?"
Stumm schritten die zwei den Kai entlang.
Der Genfer See breitete sich bis zu den Savoyer Alpen wie blaugrünes Glas. Irgendwo wuchs das dunkle Spiegelbild des Mont d'Arvel in den Grund. Da und dort blitzte ein Wölkchen sekundenlang. Strahlend leuchtete das Segel einer Barke in der Dezembersonne. Wie nach Rosen duftete die Luft.
Auf einmal griff Kreuth nach dem 21 rm der Sabukowa.
„Es ist dis Angst vor dem Ende", sagte er wild.
„Du denkst an das Ende?"
,Zch fürchte das Ende. Maria."
Die Sabukowa blieb stehen. Tief aus der Kehle stieg ihre Stimme: 0 du — was für ein Mensch
!H Aus dem Kreise Wetzlar, 30. Okt. Am November beginnt in Hessen und in der Provinz Hessen-Nassau die Jagd auf weibliches Rehwild. Zum Teil ist in diesen Bezirken die Jagd in diesem Jahre wesentlich eingeschränkt. 3m Kreise Wetzlar ist sie jedoch durch Polizeiverordnung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz gänzlich unterlagt. Auch R c h b ö ck e sind über die in der Jagdordnung festgesetzte Schonzeit hinaus schon seit dem 1. September mit der Jagd zu verschonen. Aus besonderen Gründen, insbesondere zur Abwendung wesentlicher wirtschaftlicher Nachteile, kann der Regierungspräsident Ausnahmen von der Polizeiverordnung gestatten. Auf Grund dieser Bestimmung haben im vorigen Jahre zahlreiche Pächter von Jagden im Kreise Wetzlar, besonders solche, deren Jagdbezirke an Hesien oder Hessen- Nassau angrenzen, den Antrag gestellt, den 21 b - schuß von Rehwild ausnahmsweise zu gestatten, weil die Poli^iverordnung ihnen insofern Nachteile gebracht hätte, als das von ihnen mit der Jagd verschonte Rebwild im Falle des Ueberwechselns auf hessisches ober hessen-nassauisches Gebiet dort der Gefahr des Abschusses ausgesetzt wäre. Den Anträgen ist fast ausnahmslos durch das Wetzlar, dem der Regierungspräsi-
die feierliche Einweihung deS neuen Kreishauses statt. Die Räume bes feit dem 1. April 1886, dem Gründungstag des Kreises, benutzten Hauses .In der Erbach" und des seit der Nachkriegszeit in Benutzung genommenen Walderdorser Hoses waren infolge der sich stets erwetterndcn Aufgaben der Krcisverwaltung zu eng geworden, so daß Ende 1924 der Dau eines neuen Kreishauses beschlossen wurde. Don den auf Grund eines Preisausschreibens eingegange- nen Entwürfen wurde der Entwurf der Frankfurter Architekten Gais und Schnupp ausgewählt, der die Aufgabe in einfacher, monumentaler Weise löste. Neben der Kreisverwaltung beherbergt der aufs neuzeitlichste eingerichtete Dau die Kreissparkasse, Kreis- kommunalkasse, die Handelskammer und eine Anzahl von Dienstwohnungen. Zu der Einweihungsfeier konnte Landrat von Dreitenbach neben dem Vertreter des Regierungspräsidenten eine große Anzahl Persönlichkeiten der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden des Kreises, sowie der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisativnen und der Presse begrüßen. Nach der Weiherede des Landrats sprach D'zepräsident C 0 m e r - Wiesbaden. Nach einer Desichtigung deS Neubaues beendete ein Festmahl die Feier.
Maingau.
WSN. Frankfurt a. M., 31. Okt. Auf der Strecke Frankfurt —Mainz wurde einem Reisenden, während er sich im Speisewagen aufhielt, sein ganzes sehr werrvolles Gepäck aus dem Abteil gestohlen.
WSN. Fechenheim, 30. Oft. Der hiesige Polizeikvmmissar Gustav Hölzer ist wegen Untreue im Amte seines Postens enthoben und se st genommen worden. Die Höhe der unterschlagenen Summe konnte noch nicht sestgestellt werden. Hölzer war seitens der Gemeindeverwaltung mit der Einziehung der Vergnügungssteuer beauftragt. Die Sätze erschinen ihm jedoch zu niedrig, und er erhöht« sie aus eigener Machtvollkommenheit. Der .Zuschlag" floß natürlich in feine Tasche.
Aiwtomie, die Prosektur: mein Arbeitsfeld seit vielen Jahren."
Aus dem Infektionspavillon stieß eine Gruppe zu den zweien. Eine andere näherte sich von der Re affe. Die Besichtigung war zu Ende. Einige Minuten stand man beisammen und tauschte Eindrücke au$. Eifrig unterhielt sich Julie Wilemar mit dem jungen Chirurgen, der die große Hoffnung des Direktors war. Von der Karl-Eberhards-Universität


