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bem Evangelium In Hessen bte Wege geebnet haben. Sfynen voran steht der Landgraf Philipp, den die Geschichte den Groß­mütigen nennt Dieses Wort trifft allerdings nicht recht den Sinn der ursprünglich lateinischen Be­zeichnung,Magnani.nuS", diese Bezeichnung wird besser mit den Wortenhochgesinnt",hoch- strebend" wiedergegeben. Er war allerdings ein hochgesinnter, ein hochstrebender Fürst er war die Seele der hessischen Reformation. Philipp war ein aufrichtig frommer, er war ein klar denkender, weit ausschauender, er war ein tat­kräftiger Mann. 3m hellsten Lichte erstrahlt seine Frömmigkeit während feiner fünfjährigen Kerker- haft in den Niederlanden. Da war die Bibel sein Trost, die Stellen, die besonders zu feinem Her­zen sprachen, strich er mit einem roten Stifte an, so das Wort deS Apostels Paulus:Hoffnung läßt nicht zu schänden werden." Bon dieser Zeit schrieb er später:Daß wir gebüßt in unserem Gefängnis, ist wahr, und so wir darin gestorben wären, hofften wir in Gott, wir wollten nicht übel gefahren sein.' Seine Klugheit erhellt aus einem Worte, das er nach dem unglücklichen Ausgang des Schmalkaldischen Krieges gesprochen hat, aus einem Wort, das seither manches Bolk, mancher Fürst nicht beachtet hat! «s lautet: So ist es um den Krieg, als wenn einer mit drei Würfel will fünfzehn Wersen, geraten kaum sechs. Ist ein ungewiß, gefährlich Ding um den Krieg," Philipp war auch ein ungemein tatkräftiger Mann. Aus dem Reichstage zu Augs­burg im Jahre 1530, auf dem das Bekenntnis der Evangelischen zur Berlesung kam, war er, der erst Fünfunbzwanzigjährige, die Seele des Widerstandes gegen den Kaiser und der Hort der evangelischen Sache. Seiner gedeirken wir heute, wir gedenken auch aller seiner Mitar­beiter auf der Hornberger Synode. 3m Geiste grüßen wir die längst entschlafenen Bäter unseres Glaubens. Als Refonnationslinde soll dieser Baum davon Kunde geben, daß wir im Jubel­jahre der hessischen Reformation in das Lob­wort des Propheten eingestimmt haben:Jauch­zet, ihr Himmel! denn der Herr hat es getan; rufe, du Erde herunter; ihr Berge, frohlocket mit Jauchzen, der Wald und alle Bäume darin­nen! denn der Herr hat 3atob erlöset und ist in Israel herrlich."

Frohlocken soll diese Reformationslinde, aber sie soll auch reden, reden zu den kommenden Ge­schlechtern, reden zu denen, die nach uns kommen, Ein Baum lebt länger als ein Mensch. Wenn unsere Spuren auf der Erde schon längst ver­gangen sein werden, so wird diese Linde noch blühen, grünen und Schatten spenden. Sie soll den Enkeln und Arenkeln, allen, die nach uns durch die Straßen der Stadt Gießen schreiten werden, sagen, daß wir fest am Bekenntnis unserer Bäler, fest zu unserer evangelischen Kirche ge; alten haben, daß Gottes Wort, so wie es Litther verkündigt hat, unser Stab, unsere Stühe und unser Trost war in den unsagbar schweren Jahren des Weltkrieges, als die Millionen der Unseren im Kampfe für das Heimatland dahin- sanier,, als der Krieg in grauen Dovembertagen so unheilvoll ausging, als die harten Zeiten der Nachkriegszeit über uns einhergingen. Dieser Baum, den unsere Kirchenvorsteher jetzt pflanzen werden, soll zu den Nachkommen reden, daß es auch uns in drangsalsvoller Zeit aus dem Her­zen gekommen ist, was der Psalmist einst zu seinem Gotte gesagt hat:Wo dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elende," Daß alles Irdische ver­gänglich ist, predigen uns in diesen Herbsttagen die fallenden Blätter, der trübe Himmel, der rinnende Regen. Einst wird auch diese Linde dahinsinken und ein Raub der Zeit werden, Gottes Wort aber geht niemals unter: ,,Alles F'elsch ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorret und die Blume ist abgesallen, aber des Herren Wort bleibet in Ewigkeit,"

Hierauf pflanzten die Kirchenvorsteher den Gedenk^ium. 3m Anschluß daran bat Pfarrer B e ch t o l s h e i m e r den OberBürgermcifter, kraft seines Amtes und der ihm von der Dürger- schast verliehenen Vollmachten den Baum in den ' Schuh und die Pflege der Stadt zu übernehmen.

Oberbürgermeister Keller erklärte in einer kurzen Ansprache, daß die Stadt die Reforma- - Lionslinde gerne in Obhut und Pflege nähme. Um ch^en Standort solle noch eine würdige Anlage erstehen, .^rdeutsch wie die Re'ormation, ur­deutsch tC der große Reformator Marlin Luther, sei auch dieser Erinnerungsbaum, der den Lebsn- ix.n und den Nachkommen immer wieder die unvergänglichen Segnungen des Evangeliums tun'en möge.

Mit dem von der Militärkapelle begleiteten gemeinsamen Gesang her ersten Strophe des

Altdeutsche Tänze.

Die Wiederbelebung der alten Volkstänze und Reihen hat es mit sich gebracht, daß die Tanzkunst und Tanzlust wieder aus den stickigen Balliälen in Gottes freie Natur hinausgetragen tourLe. Damit lebt der schöne Brauch der Alt- vorderen wieder auf, deren fröhliches Glieder- regen sich im Einklang mit dem blühenden Leben dec Natur vollzog. Wohl hat man im Mittel- alter auch in geschloßenen Räumen getanzt, aber das tat nur die vornehme Gesellschaft. Das Voll drehte sich auf Plätzen und Straßen, auf dem Dorsangec und auf der Heide singend und jubelnd im -.reife, und so ist für die Brenschen jener Tage das Glück des Sommers eng mit den Freuden des Tanzes verknüpft. Wir können uns heute nur noch ein ungefähres Bild von den altdeutschen Tänzen machen und höchstens aus dem Rhythmus der dabei gesungenen Stro­phen auf die Einzelheiten des Tempos und der Gebärde schließen. Aber uralt ist der germa- niswe Tanz, und er hat in Leben und Lust der allen Deutschen eine große Rolle gespie t. Tacitus Le treibt den Ech/.eriectanz der germanischen ^Jünglinge, der aus Sprüngen und kühnen Be° Legungen umer Schwertern bestand. Auch das gotifd;e Wort für Tanzlaika" weist auf Sprin­gen und Hüpfen hin. Schon damals müssen fremde Einflüsse die gotische Lanzweise mitbe- ftimmt haben, denn es findet sich für eine Tanz­art ein Wort, das aus dem Slawischen entlehnt ist. Im Althochdeutschen bedeutet das einzige . den Tanz vorhandene Worttumon" soviel wie .ich im Kreise bewegen. Es mag ein Herum- gehen in schwebender Bewegung gewesen fein, so daß sich das wilde Hüpfen bereits zu an» mutiger Bewegung gemäßigt hat. Das heute gebräuchliche Wort Tanz ist aus dem Französi- fc en übernommen und zeigt damit den fremden Einfluß an. Wie man in Deutschland um8 Jahr 1000 tanzte, läßt sich aus einer Beschreibung in dem lateinischen Gedicht von Ruobl'.eb erkennen.

ChoralsSin feste Burg ist unser Gott" schloß die denkwürdige Feier.

Das gestrige Reformations-Gedenrfest hat eine glaubensstarke, glaubensfrohe und darum hochgestimmte evangelische Gemeinde in Hessen und in unserer Stadt versammelt. Möge unter öer Reformationslinde und über deren Lebens­dauer hinaus allezeit eine ebensolche evangelische Christenheit in Gießen und in Hessen leben und den Segen Gottes durch das unvergänglwye Evangelium von Geneccttion zu Generation immer wieder in reicher Füll« verspüren.

---- Eine Kläranlage für Bad-Nauheim.

Die hessische Regierung hat dem Landtage fol­gende Vorlage zugehen lassen:

Bekanntlich ist die Frage der Abführung der Schmutzwässer in Bad-Nauheim fett langem für die städtische als auch für die staatliche Verwaltung em Gegenstand ernster Sorge. Ein früherer Versuch, durch ein großzügiges gemeinsames Projekt der Städte Friedberg und Bad-Nauheim den bestehen­den Zuständen abzuhelfen, konnte infolge des Kriegsausbruchs nicht vollendet werden. Der Land­tag beschloß am 29. März 1911, der Stadt Bad- Nauheim zu Lasten der Badekasse einen einmaligen Zuschuß von 100 000 Mark zu einer Kläranlage zu bewilligen. Don diesen 100 000 Mark sind im Jahre 1913 insgesamt 50 000 Mark bezahlt worden, die auch für die im Rahmen des Gesamtprosektes lie­gende städtische Kanalisierung Verwendung gesun­den haben. Neuerdings hat nun die Stadt Bad- Nauheim ein neues Projekt ausarbeiten lassen, das eine Klärung der Schmutzwässer durch das ander- roärts (z. B. in der Stadt Essen) mit größtem Er­folge ausprobierte sog. biologische Verfahren her- beislihren soll. Die Pläne sind von der Bade- und Kurverwaltung geprüft worden und entsprechen m vollem Maße den staatlichen Wünschen und Inter­essen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 266 000 Mark. Die Stadt Bad-Nauheim hat nun an die Re­gierung das Ersuchen gerichtet, aus den Mitteln des Bades einen Zuschuß zu diesen Kosten zu bewilli­gen, Aus etatrechtlichen Gründen ist die Regierung nicht in der Lage, heute noch über die im Jahre 1911 vom Landtage bewilligten Gelder (Rest von 50 000 Mark) zugunsten der Stadt Bad-Nauheim zu ver­fugen. Sie wendet sich, darum mit dieser Vorlage erneut an den Landtag. Die Regierung glaubt, mit Rücksicht auf den auch für das Bad lebenswichtigen Zweck der Anlage, die einen nach Ansicht der Ge­sundheitsbehörde völlig unhaltbaren und geradezu gefährlichen Zustand beteiligen soll, dem Ersuchen ber Stadtverwaltung entsprechen zu müssen und bittet hiermit um die Zustimmung zur Auszahlung eines einmaligen vorläufigen Zuschusses zu den Kosten der Klaranlage in Höhe von 50 000 Mark zu Lasten der laufenden Mittel der Rechnungsjakwe 1927 und 1928 des Bades mit je 25 000 Mark. Die erste Rate soll bei Inangriffnahme, die zweite Rats nach Beendigung der vorgesehenen Arbeiten zur Auszahlung kommen. Soweit eine Vorlage erfor­derlich ist, soll diese dem Erneuerungsstock des Bades entnommen werden. Der Betrag von 50 000 Mark deckt sich der Höhe nach mit dem noch nicht be­zahlten Reste des bereits im Jahre 1911 vorn Land­tag bewilligten Zuschusses. Er wird im Staatsoor­anschlag 1927 u. f. angefordert werden. Es dreht ich um sehr dringliche Arbeiten, da sie, wenn sie ür das Jahr 1927 noch ihren Zweck erfüllen sollen, ofort in Angriff genommen werden müssen. Zum Teil sollen Re mit Zuschüssen des Arbeitsnachweises und mit einem Darlehen aus der produktiven Erwerbslosenfürforge finanziert werden. Diese Mittel werden nur zur Verfügung gestellt, wenn alshaldigst mit den Arbeiten begonnen wird. Es ist darum geboten, die Stadt Bad-Nauheim xaschestens vor klare Voraussetzungen zu stellen. Aus diesem Grunde wird der Finanzausschuß um Erteilung seiner Zustimmung zur vorgeschlagenen Auszah­lung der 50 000 Mark in Gemäßheit des Artikels 56 der Verfassung und vorbehaltlich der Einstellung in den Staatsooranschlag 1927 u. f., Kapitel 6 Bad- Nauheim, gebeten.

Das Kurhaus in Bad-Salzhausen

Lem Landtag ist folgende Regierungsvorlage zugegangen:

Tse in der Regierungsvorlage vom 18. Sept. 1924, betreffend:Bauliche Maßnahmen zur He­bung des Bades Da -Salzhausen" (Drucksache Nr. 1152) vorgesehenen A betten sind aus d e In­standsetzung des Tanzsaales und die Wiederher­stellung der zusammengebrochen:n Pergola mitt­lerweile ausgesührt worden. Die noch ausstehen­den Arbeiten flÄen Im Laufe des kommenden Winters zur Ausführung kommen.

Mit der Fertigstellung der in der genannten RegierungsvvAage vorgesehenen A.bei^en ist man Jüngling und Mädchen tanzen mtt einander; er bewegt sich einem Fallen gleich im Kreise, und sie wie eine verfolgte Schwalbe. Nähern sie sich, so geschieht es nur, um rasch aneinander vorbei- zusahren! fic schwimmt gleichsam in der Luft, er bewegt sich rascher und heftiger und beide btgleüen mit Händen und Füßen die Weise des Hgrsenspiels. Wir haben hier die Form der französischen Rundtänze vor uns, wie sie in der Ritterzeit beliebt waren.

Der ruhige Tanz, bei dem nicht gesprungen, sondern nur gegangen wurde, wurde vor allem in den hösischen Kreisen gepflegt. Man bildete einen Kreis! der Rttier naijm seine Dame oder auch zwei bei der Hand, und unter Sailenfpiel und Gesang hie en die iJJaare mit schiebenden leisen Schri:en ih c Umgänge. Oder d'e Gesell­schaft schloß sich »u einem Rundtanz zusammen, wobei man mit sanfter Bewegung in Der Runde herumging, dazu fang und den Inhalt des Liedes durch eine einfache Handlung äußerlich darstellte. Solche einfachen Tänze haben fich wohl noch heute im Volk erhalten, wenn Männer und Frauen eine einzige lange Reihe bilden und sich aufeinander zu-, dann wieder voneinander iort« bewegen. Diesegetretenen Tänze tonr.'en von den Bauern des Mittelalters übernommen, wie z. D. die sogen. .,Stadelweise'', die einen sanften und gefühlvollen Charakter gehabt zu haben scheint, dann andere Tänze, wie der Ridewanz der Fulafranz, der Trypoley u. a. Kamen doch damals lauter neue modische Tänze auf, und besonders Der Dichterkreis auf der Wartburg war berühmt wegen der Einführung neuer Tan.- weisen. Das Bolk aber bevorzugte vor diesen sanften Schritt.armen die gesprungenen Tän^e die den Namen Reihen führten. Diese Reihen mit ihren kunstreichen weiten und hohen Sprüngen, ihren wilden ausfahrenden 'Bewegungen und ihren tollen Kapriolen eigneten sich nur für Straßen und Anger, wo auch die Iubelschreie weithin verhallen konnten. Bei diesen Spring­tänzen hüpften mehrere Vortänzer voran: dann

in der Dichtung einer würdigeren Ausstattung und besseren Einrichtung desBades em groW Stuck vorwärts gekommen. Die Der^sttrungen fortfv»ii denn auch wahrend der verflossenen Kur Men allg^inen Beifall der Da-egafte ge­funden Es ist jedoch, um die günstige Entwick­lung des Bades iich«rzustellern notwendig, auf dem eingeschlagenen Weg noch einen ^llecen Schritt zu tun. Insbesondere sind es noch zwei Mängel die einer Beseitig ung de dürfen.

1 ß* stellt sich immer mehr aU ein dringen­des Bedürfnis heraus im Kurhai^ emen Reftaurations- und Gesellscha^f ts- raum zu schaffen. Das vom Hochbauamt srred- berg 'ausgearbeitete Projekt geht dahm, In toeft- lick?r dtung dem Speifesaal einen wetteren Daum von 8,20 Meter Breite und 9,90 Meter 2ie?e aiuugli^rn, der nach dem Speisesaal hin vollständig offen ist. Bei Nichtbenutzung oder bei seiner alleinigen Benutzung lohne Einbeziehung des Speisesaals) fann er* mit einer zusammen- KapPdE Türe geschloßen werden. D« Rcmm soll mit einer kleinen Buhne von 3,65 Meter Tiefe absch'.ießen, hinter welcher zwei Anklerde- a immereben mit Toiletten angebracht werden sollen. Aus diese Weife soll gleichseitig ein alter Wunsch der Kurgäste erfüllt werden, auch in Salz­hausen lleineren Theateraufführungen und an­deren künstlerischen Darbietungen einen Boden zu bereiten. Die vorgeschLagene Erwe.terung wird es ermöglichen, der vielfach als Langeweile emp­fundenen Einförmigkeit des gesellschaftlichen Le­bens des Bades endlich abzuhelfen und auch den Wirtschaftsbetrieb des Kuryauses zu fördern. Die

Kosten des Anbaues belaufen sich auf 23 000 RM, 2. Das Badehaus ist sowohl in ferner Ausstattung als auch in seiner technischen Anlage gänzlich veraltet. Bei der Erneuerung sollen alle Erfahrungen auf dem Gebiete der Bade- und Wärmetechnik zur Erzielung hochwertigster Bäder Anwendung finden und außerdem diejenigen Maßnahmen getroffen werden, die eine Erspar­nis auf wärmewivtschaftlichem Gebiet gewähr­leisten. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß sich die neue Investierung gut bezahlt machen wird. Die Ersparnisse werden aus ca. 10 Proz. der Bädereinnahmen zu veranschlagen sein.

Nach dem Boranschlag des Tiefbauamtes Bad-Nauheim belaufen sich die Kosten des Pro- jekts auf 18 000 Mark. Die Arbeiten unter 1 und 2 sind dringlicher Natur. Sie sollen sofort in Angriff genommen werden, damit ihre Vor­teile fich schon für die Badesaison 1927 auswirken können. Eine baldige Ausführung erscheint auch mit Rücksicht auf die Bestrebungen zur Bekämp­fung der Erwerbslosennot geboten. Die Regierung ersiuht daher auf Grund des Artikel 56 der Verfassung den Finanzausschuß, den vorgeschla­genen Verbesserungen imd Instanöfehungsarbei- ten unter Aufwendung eines Gesamtkapitals von 41 000 Mark aus Mitteln des Staatskredits zuzu­stimmen unter Vorbehalt der Ülederschreitung sür den Fall, daß dieser sich infolge einer etwa noch als zweckmäßig erscheinenden Plananderung geringfügigerer Art oder infolge einer nicht vor­aussehbaren Entwicklung der Preise als unver­meidlich erweisen sollte.

Turnen, Sport und Spiet.-

Das WmLertrainmg des Leichtathleten.

Die Zeit der leichtathletischen Wettkampfe ist vor­über. Ihre große Zahl, sowie die starke Konkurrenz ( auf allen Gebieten stellen heutzutage hohe Ansor- derungen an die Kräfte jedes erfolgreichen Sport- i mannes. Darf er nun seinem Körper die verdiente I Ruhe gönnen? Nur kurze Zeit: denn die heutigen ; Leistungen verlangen stghlharte Körper, und stahl- hart ist und bleibt nur der, der dauernd übt

Doch dem liebe» in Licht und Luft ist ein starker - Feind erwachsen: die früh einsetzende Dunkelheit! : Regen, Sturm und Kälte allein können den echten Sportsmann nicht vom grünen Rasen vertreiben, diesen kann sein abgehärteter Körper trotzen, aber gegen die Dunkelheit die früher einsetzt als es den ineiften Sportlern möglich ist, ihre Geschäfte zu verlassen, um mit den Kameraden zu üben kann er nicht ankämpfen.

Licht bringt Freude, ohne Freude keine Leibes­übung! Wohl kann man auch bei künstlicher Be­leuchtung trainieren, aber das macht wenig Ver­gnügen und erfordert viel Energie. Statt daß die Nrven sich in Licht und freier Lust von den An» strengungen des Tagewerkes erholen können, wer­den sie mit der letzte.. Willenskraft noch mehr ange­strengt und ihre Kraft verbraucht.

Die Dunkelheit also ist es, vor der der Sports- mann sich in die Halle zurückziehen muß. Daraus geht schon hervor, daß er jede Gelegenheit be­nützen wird, um im Freien zu üben. Die Zeit, die hierfür bleibt, ist ber Sonntagvormittag. An ihm sollen möglichst den ganzen Winter hindurch Wald­läufe stattfinden, eine Hebung für den Körper, die durch kein noch so eifriges Hallentraining ersetzt wer­den kann. Sie dienen dazu, die Ausdauer zu er­halten, Herz und Lunge zu kräftigen, uni) sie haben den großen Vorteil, daß sie bei jeder Vodenbeschaf- fenheit ausgeführt werden können. Auch bei schlech­tem Wetter ist die Gefahr einer Erkaltung sehr ge­ring, wenn man nach dem Lauf sich mit einem rauhen Handtuch sofort kräftig aoreibt und schnell die Kleider anzieht.

Doch diese ßaufübungen allein genügen nicht, um die im Sommertraining erworbenen Kräfte zu erhalten und andere, noch schwache Muskelgruppen zu stärken. Der erfolgreiche Sportsmann muß sich darüber klar sein, daß er mit Hilfe des Trainings und der Widerftandstzymnastik seine Muskulatur weit über das Maß hinaus gekräftigt hat, welches er zur Verrichtung feiner täglichen Arbeit gebrau­chen würde. Seine Muskeln sind nljp künstlich ge­kräftigt: alles Künstliche aber vergeht, wenn es nicht dauernd gepflegt wird.

Die Grundlage für das Hallentraining bilbet Die Zweckgymnastik, wie sie wohl am besten in bem Buche des Reichstrainers I. W a i tz e rGymnastik des Leichtathleten" niedergelegt ist. Auf Dehnübun­gen der Beugemuskulatur und Widerstandsübun- gen zur Kräftigung der Gesamtmuskulatur muß

besonderer Wert gelegt werden. Dabei sei gleich be­merkt: Man soll bei den Dehnübungen nicht Über das oorgeschriebene Maß hinausgehen. Denn man kann seine Muskeln auch überdehnen und darunter leibet wie bei einem ausgeleierten Gummiband dann die Schnellkraft.

Das Hallentraining wird leicht eintönig: Es abwechslungsreich zu gestalten, muß die Hauptauf- cabe des Leiters sein. Gymnastik, Hebungen mit dem Medizinball, Widerstandsübungen, bei denen darauf zu achten ist, daß gleichstarke Gegner sich gegenüber­stehen (auch Ringlampf ist eine vorzügliche Hebung ßur Stärkung sämtlicher Muskeln), und Reißen von Gewichten sollen sich im richtigen Maße abwechseln. Der Hebungsleiter muß die schwachen Stellen seiner Schüler kennen meist sind es die Bauchmuskeln und die Heber der Oberschenkel und diese beson­ders zu kräftigen versuchen. Aber der Sportsmann soll auch nicht in künstlich anerzogener Abneigung immer um die alten Turngeräte herumgehenl Neben einer Reihe schöner und zweckmäßiger Hebungen für den Körper bietet das Geräteturnen die Mög­lichkeit, eine Eigenschaft besonders auszubilden, die der Sporfsmann auf dem grünen Rasen nicht üben kann: Den Mut! Bei all den Wettkämpfen im Lau­fen, Werfen und Springen hat er keine Gelegen­heit, diese Tugend zu zeigen: am hochgestellten Reck ober am Barren kann er beweisen, baß er auch diese schönste Eigenschaft einesKämpfers" besitzt!

Dient bas Hallentraining bazu, bie Muskulatur zu stärken unb geschmeidig zu halten, so ist seine Einwirkung auf bie Ausbildung ber inneren Or­gane, besonbers Herz unb Lunge, gering. Diese zu kräftigen haben wir neben beni schon erwähnten Walblauf im Schwimmen ein sehr gutes Mittel. Steigert ersterer besonbers bie Leistungsfähigkeit bcs Herzens, fc> letzteres bie ber Lunge. Einige Zahlen mögen bas beweisen: Kann ber Durchschnittssports­mann ca. 4 Liter Luft nach einem tiefen Atemzuge ausblafen, so hat ber Schwimmer ein Lungenfas­sungsoermögen von 56 Liter. (Rabemacher z. B. über 7 Liter.)

Ein zweckmäßiger Stunbenplan für ein Winter­training wüsde also solgenbermaßen aussehen 1. Sonntag, vormittags: Walblauf (ca. j Siunde) mit Gehübungen unterbrochen. 2. An zwei Wochen­tagen, abenbs: Hallentraining. 3. Minbestens alle 14 Tage ein Schwimmbad.

Ein berart eingeteilter Hebungsplan gibt einer­seits bem vom Sommer her noch abgehetzten Kör­per genügenb Zeit, sich zu erholen, anderseits aber auch bie Gewähr Dafür, daß ber Sportler in guter Form im Frühiahr seine Tätigkeit auf bem grünen Rasen wieber aufnehmen kann. Dr. H.

Deutschland - SoHanb 3:2(0:l).

Der gestern nachmittag im Amsterdamer Stadion zum Austrag gekommene Fußballänderkampf zwi­schen Holland und Deutschland wurde von der deutschen Mannschaft mit 3:2 (0:1) ge­wonnen.

folgten die Paare, die Frauen rechts, von den Männern bei der Hand oder am Aerrnel ge­halten. Sehr gemäßigt ging es Dabei nicht zu; die Tänzer werden mit Bären und Bocken ver­glichen, und die Geistlichen warnen besonders die Frauen davor, nicht zu hoch zu springen. Einer dieser Springtänze, den wir aus einem Ge­dicht des 13. Jahrhunderts kennen, war öer krumme Reißen": er wurde gesprungen und ge­hinkt.Da schrien sie all zugleich," heißt es in dem Tanzlied,nach einem Spielmann: Mach uns den krummen Reihen, den man hinken soll. Das gesällt uns allen wohl." Der Spielmgnn stimmt die Pauken, und es geht los.Oh' du frecker Spieimqnn, mach uns den Reihen lang!" jube n sie.3u Heia wie ec sprang I Herz, Milz, Lung und Leber sich rundum in ihm schwang." Aus der Form derLeiche", die die Spring- tänze begleiteten, können wir auf ihren unregel­mäßigen Rhythmus schließen: es spiegelt sich in den Börsen das Hüpfen und Springen, das bald weite, bald kurze Amherschleifen unb Wenden, das plötzltt e Anhatten und das rasche Ausfahren. Da gab es viele solcher Hopstänze mit wunder­lichen Namen: Den Hoppeldei, Den Heierleis, bei Dem die Ruseheiähei" undhei" ertönten, Den Fir e ei usw. Die Tanzmusik bestand entweder in Spielleuten, die auf ©eigen, P.ctten, Flöten und Sromme.n musizierten, oder die Tänzer be­gleiteten fid) selbst durch Gesang. 3m Inhalt der Tanzlieder herrscht die Liebe vor, das Lob des Len'.es und des Sommers: aber es finden sich auch geschichtliche Tanzlieder, in denen Die Helden dec alten Zeit auftreten: es finden sich Spottlieber und Kla.zel'eber. Zum Tanz putzten sich die Frauen natürlich aufs beüe. Immer wie­der schildsrn die Di6)ier Den elreit ber tanz­lustigen Tochter mit Dec bösen Mut.er, die den Kleiderkasten nicht öffnen will, um sie von der Freude abzusalten. Oh.ie bas Kränzsein au bem Haar, ohne Das Kleid mit modischer Schleppe konnte man nicht zum Tanz gehen. Die Frauen trugen vielfach einen Spiegel in der Hand ober

um Den Hals; die Männer Schwerter, die gar manchmal dem Tanz ein blutiges Ende brachten.

Das Ende des archrteklonischen Gar.ens.

Die niDöernc.i Baumeister haben die alte Landschaftsgartnerci in Verruf gebracht. S e rede­ten davon, daß der Garten n.chts weiter als die Fortsetzung der Architektur sein dürse. Dem naiven und deshalb genußsüchtigen La en klangen Worte wie symmetrisch, axial und asymmetrisch in die Ohren, und wenn er sie nicht verstand und den modernen Garten, offen gestanden, etwas lang» weil.g fand, so sprach ihm der Kenner das räum­liche Empfinden ab, ein Tadel, den der Laie w'iederüm nicht ganz begriff, der aber etwas höchst Verächtliches und Schreckliches in sich schließen mußte. Aus einem Aufsatz im Novernber- heftvonVelhagenLKlasingsMonats- heften, in dem Gustav Allinger, der Schöpfer der Dresdener Gartenbau-Ausstellung, schildert, wie diese riesenhafte Schau geschaffen wurde, geht hervor, daß dieser ausgezeichnete Praktiker an eine ne :e Gartenform glaubt, die in bem Kampf gegen den Garten vor der Jahr­hundertwende siegen wird. S cfe neue Form, deren Gestaltung Allinger so bedeutend grfördert hat, ist im Werben, und unterdessen wächst die Legion der Blumen und Sträucher, d'e im Garten Einzug halten und die sich das Recht auf de.i Platz im Garten als Kameraden des Menschen nicht nehmen lassen wollen. Das Problem des pklanz- l chen Inlwlttes unserer Gärten und Parke wachst für den Gartenfreund über das Problem der Form hinaus. Er w'll ja doch seinen Garten nicht ber Führung der Wege ober der Errichtung von Ma ern, Tr ppen und Skalieren wegen, sondern ihm smb d'e Blätter, Blumen und Früchte, Zweige-nb Stämme daS Begehrenswerte. Was unsere G^rtenkünstttr leisten, zeigen die niesen farbigen D lder des A '.ssahez, der d^r u,w rgeß- lichen Ausstellung ein würdiges Denkmal seht.