Einzelbild herunterladen

kand schickte ibn das Auswärtige Amt gemeinsam mit dem Botschafter Sthamer nach London. Hier er­warb er sich einen guten Ruf als taktvoller und ge­schickter Unterhändler. Auch im Auswärtigen Amt schätzt man seine Fähigkeiten sehr. Dem Ansehen, das er sowohl in Berlin als auch in London ge­nießt, ist es zuzuschreiben, daß sich Sir Eric Drum- mond aus der Kandidatenliste des Auswärtigen Amtes Herrn Dufour auswählte und zum Unter­generalsekretär ernannte.

Im Anschluß hieran werden aber noch eine ganze Reihe anderer Posten zu besetzen fein, über die zsr Zeit Verhandlungen zwischen Genf und Berlin n»d) schweben. Sir Eric Drummond hot sich bis jetzt mit den übrigen Mächten darüber noch nicht einig werden können, welche Posten dem Deutschen Reich außerdem noch einzuräumen sind, also auf welche Stellen die einzelnen Bundesmitglieder im Sekretariat zu verzichten haben Bei der Besetzung der für uns noch sreizumachenden übrigen Stellen dürften aber auch Parlamentarier berück­sichtigt werden, da es dem Auswärtigen Amt nur darauf ankam, in der wichtigsten Position eines seiner Mitglieder zu wissen. An Stelle Dufours rückt jetzt der Berliner Pressechef, Ministerialdirektor Dr. K i e p, der wahrscheinlich schon sehr bald nach Lon­don gehen wird.

Reichmimster Dr. Külz zur inneren Politik. Geringe Aussichten für eine

Rcgiernngsumb.ldung im Reich.

Görlitz, 31. Oft. (WB.) Aus dem demo- krattschen Bezirksparteitag Rieberschlesiens svrach Reichsminister des Innern Dr. Külz über die gegenwärtige politische Lage des Reiches. Der Minister berührte dabei die Erwerbslosen­frage, für die das Reich monatlich 80 Millionen Reichsmark aufzuwenden habe. Hier erwarte der Staat durch die Grwerbslosenversicherung eine Milderung der Lasten. Eine Besserung der Er­werbslosigkeit sei kaum vor 1928/29 zu erwarten. Die Industrie habe die Mittel aus der Inflation nicht genügend benutzt zur Intensivierung der Betriebe, sondern habe sie zur Erweiterung der Produktionsbasis verwandt. Ferner kam der Minister auf die Struktur des Reiches zu sprechen, wobei er die übergroße Zahl der Mini- sterien undParlamentarierbemängelte, üleber die Staatssorm soltte man nicht mehr reden. Die Republik sei eine geschichtliche Tat­sache geworden. Der Minister besprach schließlich noch die eventuelle ülmbildung derRegie- r u n g. Dem Minister scheint die Möglichkeit hierzu vorläu'ig nicht gegeben Die Sozialdemo­kratie habe sich taktisch auf eine Politik der kurzen Sicht eingestellt. Auch für eine Erweiterung der Regierung nach rechts sehe er keine Möglichkeit, weil die Rechte das erlösende Wort in bezug auf die Außenpolitik nicht finde. Deshalb glaube er, daß die Frage der Regierungsumbildung über Vorbesprechungen nicht hi nauskommen werde.

Gegen die Ehrabschneider.

München, 30. Oft (Wolff.) Rach einer Verordnung der bayerischen Staats­ministerien für Iustiz und Inneres wird in Zukunft im Interesse der Verstärkung des staatlichen Chrenschuhes die Staatsanwalt­schaft öffentliche Anllage erheben, wenn ein« wandfrei e Persönlichketten, die im öffentlichen Leben stehen und das Vertrauen ihrer Mitbürger genießen, grundlos beschimpft oder wenn gegen sie unbegründete Vor­würfe erhoben werden, die geeignet sind, ihre Vertrauensstellung zu erschüttrrn oder ihnen das weitere öffeittliche Wirken zu verleiden oder unmöglich zu machen.

Die Verleihung von Titeln.

Berlin, 30. Oft (Wolff.) Die Demo­kratische Fraktion im Preußischen Landtage hatte beantragt, daß künftig auch den leitenden . Acrzten an städtischen Krankenhäu­sern der Professortitel verliehen werden sollte. Dies war jedoch nicht möglich, da nach 'der Reichsversassung die Verleihung von Titeln . v e r b o t e n ist. Auf eine private Anfrage hat t *mm der Reichsmini st er des Innern y geantwortet, daß er beabsichtige, in nächster Zeit dem Reichstage einen Gesetzentwurf vor- v zulegen, in welchem die Verleihung von Titeln in geringem Umfange geregelt würde. Ueber die Stellungnahme des Kabinetts hierzu könne er jedoch nichts sagen.

Das Washingtoner Lchuldenabkomnien«

Paris, 31. Oft (Wolff.) Der amerikanische Botschafter Herrick ist, wie bereits gemeldet, heute von seinem Urlaub nach Paris zurück­gekehrt. Rach demKatin" hatte er eine Botschaft Poi.nca.res an den Präs i- denten Coolidge überbracht. Diese gab die Einwände eines Teils der öffentlichen Meinung Frankreichs gegen das Washingtoner Schulden­abkommen wieder und drückte die Hoffnung aus, daß kein amerikanischer Druck auf die französische Währung für die schwan­kende Haltung in der Ratifizierungsfrage ausge­übt würde. Der amerikanische Präsident, er Härte Herrick, lönne und wolle bis auf weiteres nur ein£ wissen, nämlich, daß Frankreich das Ab­kommen unterzeichne und zwar nicht nur unter der Vera nt w ort lichtest eines mit ent­sprechenden Vollmachten versehenen französischen Botschafters, sondern mit der formellen Ermächtigung der französischen Re­gierung. deren damaliger Ministerpräsident der heutige Minister des Aeußeren fei. Herrick habe allerdings ecHärt, man spreche in Amerika wenig von den französischen Schulden. Die Frage habe in den Wahlkämpfen keine Rolle mehr ge­spielt. Für dos amerikanische Volk handele es sich nur noch um eine Angelegenheit der Ver­gangenheit, und er wundere sich, daß das fran­zösische Volk dies nicht begreifen könne.

Kleine politische Nachrichten.

, ^ovntaggoend traf der neuernannte eng» AH? Botschafter Sir Ronald Lindsah mit Gemahlin aus dem Berliner Bahnhof Friedrich- straße em.

Gorb d'Abernon, der kürzlich von sei­nem Posten als brittscher Botschafter in Berlin Kurüägetreten ist, beabsichtigt ein Buch mit Er­innerungen aus seiner diplomatischen Tätta- kett zu veröffentlichen.

Der sozialdemokrattsche Reichstagsabgeord­nete Robert D i h m a n n, Vorsitzender des Deut­schen Metallarbeiterverbandes, ist auf der Rück­reise von einer Studienfahrt nach Mexiko an Bord des DampfersColumbus" an einem Herzschlag gestorben. Dißmann hat ein Alter von nur 48 Iahren erreicht.

*

In Schönau (Wiesental) wurde das für den während der Ruhrbesetzung von den Fran­zosen standrechtlich erschossenen Albert Lev Schlageter errichtete Denkmal auf dem Lötz­berg in Form eines 12 Meter hohen Obelisken eingeweiht. Zur Feier hatten sich u. a. auch Großadmiral v. Tirpitz und General der Ar­tillerie a. D. v. Gallwitz eingefunden, ferner Vertreter des Deutschen Offiziersbundes, Ab­ordnungen zahlreicher vaterländischer Verbände und verschiedene Studentenverbindungen der Freiburger Hochschule.

Kunst und Wissenschaft-

Rekloralsübergabe in Marburg.

sch- Marburg, 31. Oft. Heute mittag er­folgte in der Aula der Universität in Anwesen­heit der Prosessoren, der Studentenschaft und der Vertreter der öffentlichen Behörden in einem feierlichen Akt die Rektoratsübergabe an Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Busch, der in dem be­deutsamen Iahr der 400-Iahrseier der Universi­tät vorstehen soll. Unter Fanfarenklängen hielten die Professoren und die Chargierten der Stu­dentenschaft ihren Einzug, eröffnet wurde die Feier mit dem LiedeLandknecht Gottes" von Gustav Schüler, das ein gemischter Chor unter Leitung von Prof. S t e p h a n i zu Gehör brachte. Der bisherige Rektor, Prof. Dr. Lommatzsch, gedachte in seiner Ansprache des Reformations­tages und gleichzeitig der ältesten evangelischen Universität: der Marburger Universität, die mit dem heutigen Tag in das 400. Iahr ihres Be­stehens eintritt. Sein Dank galt all denen, die zur Entwicklung der Universität, die in dem letzten Semester die größte Besucherzahl aufzu- r e Jen ha !e, lei et a e.i ha e i. D:i feinem Rück­blick auf das verflossene Iahr gedachte er der verstorbenen und aus dem Amt geschiedenen Pro­fessoren und erinnerte an den Ausbau der Uni­versität, der, besonders durch die tatkräftige Initiative der Kurators Geh. Rats Dr. von Hülsen und des Prof. Dr. Troeltsch, des Vorsitzenden des Univerfirätsbundes, gerade in den letzten Iahren besondere Fortschritte gemacht hat. Die Universitätskirche wird im Innern voll­kommen renoviert, das Pathologische Institut wurde erweitert, Universitätsturnhalle und -Schwimmbad wurden ausgebaut und der Bau der Kinderklinik, der Hals-, Rasen- und Obren» klinik und des Kunstinstitutes gehen ihrer Voll­endung entgegen. Zum Schluß überreichte Prof. Dr. Lommatzsch der Studentenschaft zwei Preise für sportliche Leistungen und vollzog dis Rek- wratsübergabe an Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Busch, der bereits vor sieben Iahren schon ein­mal Rettor der Universität war. Geh. Reg.-Rat Dr. Busch führte sich, wie es üblich ist, als neuer Vektor mit einem Vortrag überDeutschland und Oesterreich im 19. Iahrhundert" ein. Mit dem LiedeDes Deutschen Vaterland" von Emst Moritz Arndt fand die Feier ihren Abschluß.

Reubau der Freiburger Universitätskliniken.

Der Bürgerausschuh hat die Vorlagen zum Reubau der Universitätskliniken mit 72 Stim­men bei 10 Stimmenthaltungen angenommen. Damit wird das großzügige Projekt der Klinik­neubauten mit einem Kostenaufwand von über 16 Millionen Reichsmark, von denen die Stadt zwei Fünftel und der Staat Baden drei Fünftel tragen, durchgeführt werden können.

DerFreischütz" in der Pariser Großen Oper.

Die Große Oper in Paris hat nun das erste deutsche Werf, außerhalb der Werke von Richard Wagner, in ihr Repertoire ausgenommen. Es handelt sich um denFreischütz" von Karl Maria von Weber in einer sorgfältig dem Originaltext angepaßten Bearbeitung von Andre Coeuroy. Die von Kapellmeister Auhlmann geleitete, auch szenisch sehr sorgfälttg durchgeführte Aufführung erzielte starken Beifall, bei beachtlichen Leistungen der Solisten.

$lus aller Welt.

Tagung des Allgemeinen Deutschen Frauenbundes.

Die Kölner Tagung des Allgemeinen Deut­schen Frauenbundes hat Donnerstag abend mit einem einleitenden Vortrag des Kölner Uni­versitätsprofessors Dr. K u s k e über die Ent- Wicklungstendenzen der Weltwirtschaft ihren An­fang genommen. Die offizielle Tagung wurde Freitag vormittag durch die Vorsitzende Doro­thea von Velsen, Heidelberg, in Gegenwart von Vertretern der Behörden eröffnet. Im Vordergründe der Verhandlungen stand das ThemaOrganifaiionssormen des Völkerlebens". Den ersten Vortrag hielt Dr. Else U l i ch - B e i l, Dresden, über das ThemaWellbürgertum und Rationalstaat". UeberOrganisationsformen der Außenpolitik" sprach sodann die Reichstags­abgeordnete Oberstudiendirektorin Dr. Matz. Die Rednerin forderte als Grundbedingung für eine erfolgreiche Außenpolitik eine engere Verbindung zwischen dem Auswärtigen Amt und den Aus­landmissionen sowie Austausch der führenden Persönlichkeiten. Dr. Frieda Wunderlich, Berlin, sprach überInternationale Arbeiter­organisation". Es folgte ein Referat der Reichs­tagsabgeordneten Frau Dr. Lüders, Berlin, überInternationale und Intereuropäische Or­ganisationen des Völkerlebens".

Festabend des Reichsverbandes der Automvbil- industrie.

Zur Feier des 2öjährigen Bestehens ver­anstaltete der Reichsverband der Automobil­industrie in den Räumen des BerlinerKaiser­hofes" einen Festabend, zu dem die Reicksminister C u r t i u s und Kröhne, der österreichische Ge­sandte Dr. Frank, der Chef der Heeresleitung, General der Infanterie Heye, der Rektor der Technischen Hochschule, Staatssekretär Dr. Meißner, Ministerialdirektor Dr. K i e p und andere Vertreter der obersten Behörden des Reiches und der Länder, der Parlamente, der Industrie, des Handels, der Technik und der Presse geladen und erschienen waren. Geh. Dau- rat OK a Hing er von den Daimlerwerken be­grüßte die Erschienenen und gab einen Ueber» blick über die Geschichte und Tätigkeit des Verbandes, um am Schluffe auf die bren­nende Frage des amerikanischen Wett­

bewerb» einzugehen, demgegenüber er im we­sentlichen die Beibehaltung der alten soliden Daugrundsätze vertrat. Reichswirtschaftsmmister Dr. Cu r t iu s überbrachte die Gruße

Wünsche der Reichsregierung und ging in bedeut­samen Ausführungen auf die verschiedenen Fra- gen ein, die die deutsche Autvmobilindustne zur Zeit bewegen.

Geheime Schnapsbrennerei.

Das Zollgrenzkommissariat ist auf die Spur eine» neuen SpirituSfchwindels gekommen. Es handelt sich um eine Geheimbrennerei, die von den Beamten in dem Berliner Dor­ort Rollendorf ausgehoben wurde. Der Eigentümer der Brennerei, ein Vlllenbesttzer, Karl Schnabel wurde mit seiner Frau sest- aenommen Er hat in seiner Brennerei un- aefäbr 15 000 Liter Sprit erzeugt und dem Reiche einen Schaden von etwa 70 000 Mark verursacht.

Zwei Eifenbahnunfälle in Frankreich.

Samstag ereigneten sich in Frankreich wie­der zwei schwere Eifenbahnunfälle. Am Rach- mittag stießen bei Saints zwei Perfonenzüge in voller Fahrt zusammen, wobei ein Wagen dritter Klasse völlig zertümmert wurde. Aus den Trümmern wurden ein Toter und neun Schwerverletzte geborgen, darunter vier Eifenbahnbeamte. In der Rähe von Cler­mont stieß abends der Schnellzug von Calais mit dem Schnellzug ParisLille zusammen. Ein Reisender wurde sofort getötet, zwölf andere schwer verletzt.

Wettervc

Nach vorübergehender Aufbesserung und Abküh­lung bis zu stellenweisem leichten Nachtfrost erneute Trübung, milder und Regenfälle.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 5,7 Grad Celsius, Minimum: 1,7 Grad Celsius. Nieder­schläge: 18,7 Millimeter. Heutige Morgentempera­tur: 2,2 Grad Celsius.

Am -er Provinzialhauptjtadt.

Gießen, den 1. Rovember 1926.

Die Jagd im November.

D könnt es Herbst im ganzen Jahre bleiben, Das wäre, was mein Herz begehrt'

heißt es in einem alten Jägerlied. Die meisten Wild­arten haben Schutzzeit, die Treibjagden im herbst­lichen Walde setzen ein. Kein Wunder, daß auch der Tag des Schutzheiligen der Jägerei in den Novem­ber (3.) füllt. '

Das Rotwild hat sich nach Geschlechtern ge­trennt. Höchstens stehen schwache Hirsche beim Kahl­wild, während starke Hirsche sich zusammenrudeln, oder allein stehen. Der Abschuß gilt vor allem dem Kahlwild, wobei möglichst Kälber, die nun gut ent­wickelt, zu bevorzugen sind. Für den Abschuß kom­men vor allem Anstand und Pürsch, dann erst die Druckjagd in Frage, während bei der Treibjagd hier genau so wenig eine hegerische Ausleae getrof­fen werden kann wie bet dem Rehwild. Die Füt­terungen sind so zu beschicken, daß das Wild stets etwas findet und sich daran gewöhnt, damit es bei Einbruch des Winters die Futterstellen kennt. Auch wird dadurch das Wilo ans Revier gefesselt und am vielen Umherwechscln in anderen Revieren ver­hindert.

Für das Rehwild ist in Hessen die Abschuß­beschränkung eingetreten, die im Oktober schon als wahrscheinlich bezeichnet worden war. Die Schuß- zeit für Ricken ist um 4 Wochen verkürzt worden, die Schußzeit für den Bock endigt ebenfalls am 30. November, so daß nach diesem Tage das gesamte Rehwild Schonzeit hat. Der hegerische Weidmann wird dem Staate dafür Dank wissen, daß er durch solche Maßnahmen im Interesse der Volkswirtschaft die aufbauende Tätigkeit des Hegers unterstützt. Auch beim Nickenabschuß sollte das Prinzip des überlegten Einzelabschusses vor dem des wahllosen Treibjagdabschusses den Vorzug erhalten.

Das Schwarzwild ist feist und steht gern an Orten mit Bucheckern- und Eichelmast. Es wird eifrig gejagt. Treibjagd, Ansitz und Piirschgang kön­nen zum Erfolg führen. Schneefall ist zum Be­stätigen auszunutzen.

Die Hasenjagden beginnen mit den Wald- treiben. Wenn das Laub fällt und die Felder ruhi­ger werden, rückt der Hase gern ins Feld. Er liegt bann auf alten Sturzäckern, an Hecken, Ufern u. ä., so daß mit fortschreitender Zeit auch die Feldtreib- lagden beginnen. Es bestätigt sich immer mehr, daß die Skeptiker recht behalten werden, die vor gro­ßen Hoffnungen auf ein gutes Hasenjahr warnten. Gerade das Gegenteil dürste eintreten. Es wird sich empfehlen, bei dem Abschuß darauf Rücksicht zu nehmen, um für das kommende Jahr die Aussichten nicht von vornherein zu verschlechtern. Es soll nicht geleugnet werden, daß die Suchjagd auf Hasen viele Liebhaber hat. Aber es muß doch darauf hinge- wiessn werben, baß sie sich in der Praxis als un­wirtschaftliche Form des Abschusses erweist. Der Hase liebt die Ruhe. Oefteres Bejagen eines Re- visrteiles nimmt er übel und wechselt aus. Weiter­hin bleiben bei der Suche mehr festsitzende Satzhasen auf der Strecke als Rammler. Der wirtschaftlichste Abschuß ist der auf der Treibjagd, wobei ein Re- oierteil nur einmal bejagt und damit auch beun­ruhigt wird. Sollen dabei Teile nur schonend besagt werden, so sind Standtreiben den Kesseltreiben vor­zuziehen.

Die Fütterung der Fasanen mühte schon im Oktober begonnen haben. Wo es versäumt wurde, ist Eile geboten, um einem Verstreichen vorzubeu- gen. Nur wenige Reviere werden schon wieder an den Abschuß einiger Hähne denken können. Hennen sind unbedingt zu schonen.

Für Hühner sollte cs nach dem kläglichen Er­gebnis dieses Jahres unbedingt heißen: Schonung, wenn auch das Gesetz noch einen Abschuß erlaubt! Es muß vielmehr Sorge getragen werden, die schwa­chen Vestände über den Winter hinauszuretten. Raubzeug fun halten und durch Remisen, Hecken u. a. den Hühnern Schutz vor ihren Feinden ge­währen! An solchen Stellen sind rechtzeitig Fütte­rungen mit Heuboden- und Getreideabsällen zu be­schicken.

Die Schnepfe liegt noch gern in gemischten Beständen und kann von dem kurzsuchenben Hund gejagt werden.

Enten werden weiterhin auf dem Strick oder auf Bächen und Gräben auf der Suche geschossen.

Die Krähenhütte kann, vor allem zur Verminderung der Krähen, noch mit Erfolg benutzt werden.

Der Fuchs trägt den Winterbalg. Er ziert die Strecke der Treibjagd, wird auf dem Anstand ge­schossen ober geht auf das Eisen.

Der Dachs geht in die Winterruhe über. Er kann gegraben werden. Hubertus.

Aulo-Unglückr im Schiffenberger Wald. Ein schwerer älnglückssall ereignete sich am Samstag gegen abend in dem Betrieb der P r i - vatautolinie G i e h e n © r ü n i n g e n Hol-Heim. Der mit etwa 15 Personen besetzte, in Gießen um 5 älhr nachm. abgefahrene Kraft­wagen dieser Linie geriet im Schiffenberger Wald in der Kurve kur- vor dem Bahnübergang der Strecke GießenGelnhausen, vermutlich in­folge der raschen Fahrt und vor allem infolge der nassen Straße, beim Ausweichen vor einem anderen Gefährt auf das Bankett der Chaussee und stürzte um. Dabei wurden die Passagiere natürlich stark durcheinandergeworfen, einige wurden durch die Fensterscheiben hrrausgeschleu- dert. Don den Insassen erlitten der 21jährige Schneider Karl Schneider aus Steinberg eine Gehirnerschütterung und zwei Kopf­wunden, der 18 Iahre alte Lackierer Robert R ö m i g aus Steinberg ebenfalls eine Gehirn­erschütterung. Eine Frau aus Grüningen erlttt durch die Glassplitter eine größere Kopfwunde, während zwei Personen aus Steinberg ebenfalls Schnittwunden, aller» dings leichterer Art, davontrugen. Das städtische Sanitätsauto aus Gießen und die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, diese eben­falls mit ihrem Sanitätswagen, brachten die am schwersten Verletzten Karl Schneider und Robert R ö m i g in bewußtlosem Zustande in die chirurgische Klinik, während die übrigen Beschädigten sich nach Hause begeben konnten, nachdem Dr. Heil- Steinberg bei allen die erste ärztliche Hilfe geleistet hatte. Der Kraftwagen wurde später wieder aufgerichtet unj. nach Stein­berg verbracht, et hat seinen DieKfk gestern mittag wieder ausgenommen. Wie wir heute vormittag in der Klinik horten, sind Schneider und Romig seit heute früh wieder bei Be­wußtsein, ihr Befinden ist den Umständen entsprechend gut.

Derdandslag der Kriegsbe­schädigten und -Hinterbliebenen.

Gestern hielt der Landesverband Oberhessen des Zentralverbandes deutscher Kriegsbeschädigter und Krieger- Hinterbliebener hier seinen diesjährigen Verbandstag ab. Am Vormittag fanden interne Beratungen statt.

Die öffentliche Tagung am Rachmittag wurde von dem Vorsitzenden Herrn M ö l i geleitet Er begrüßte in feiner Eröffnungsansprache ins­besondere die Vertreter der llaatlichen und städti­schen Behörden und der polttischen Parteien. Ver­treter hatten entsandt: das Landesversorgungs- iamt in Darmstadt, das Versorgungsamt und das Wohlfahrtsamt in Gießen, de Deutsche Volkspartei, die Deutschnat'.onale Voikspartei und die Sozialdemokratische Partei.

Der Vertreter des Hauptvorstandes, Dr. Panzer aus Berlin, hielt dann einen etwa zweistündigen Vortrag überDie Entwick­lung der V er so r g u ng s g e s eh ge bung". Der Redner führte u. a. aus: Die Vorläufer des Reichsversorgungsgesehes sind das Mann- schaftsversorgungsgeseh von 1906 und das Hmter- bltebenenversorgungsgesetz von 1907. Beide Ge­setze setzten d:e Gebührnisse d:s Versorgungs­berechtigten nach dem Dienstgrad fest. Das neue Reichsversorgungsgeseh berücksichtigt aber die sozialen Verhältnisse. In ihm ist also ein ganz neues Prinzip angewandt worden. Der Mangel an Erfahrung in der Anwendung dieses Prinzips bedingt es, daß das Gesetz eine Reihe von Mängeln enthält, die abgesteltt werden müssen. Vor allem sind die G e b Ü h r n i s s e, die auf Grund des Reichsversorglingsaelehes gewährt werden, zu niedrig, weil sie nicht das Existenz- Minimum erreichen. Die Rente eines zu 100 Prozent Kriegsbeschädigten müßte so hoch sein, daß er einen bescheidenen Lebensunterhalt damit bestreiten könnte. Entsprechend hoch müßte die Hinterbliebenenrente sein. Die jetzige Fassung der Paragraphen 25 bis 23 des Reichsversorgungs- gesetzes, die von der Erwerbsminderung handeln, gibt keine Gewähr für eine sinngemäße Anwendung. Der Zentralverband förtert, daß neben dem Arzte auch ein Derufssach- verständiger an der Feststellung der Erwerbs­minderung mitwirkt. Aach der Paragraph 53, der die Feststellung der Verschlimme­rung einer Beschädigung regelt, muh ge­ändert werden, weil seine jetzige Fassung und An­wendung zu vielen Beanstandungen Anlaß gibt. So ist es z. B. in vielen Fällen dem Arzt gar nicht möglich, den Zeitpunkt des Bcainns einer Verschlim­merung festzustellen. Mancher Kriegsbeschädigte läßt sich zu Siedlungszwecken eine Kapitalabfin­dung geben. Kommt es nun vor, daß bei einer ärztlichen Nachuntersuchung eine Besserung seines Zustandes festgestellt wird^ so tritt eine geringere Kapitalabfindung ein; der Finanzierungsplan für die Siedlung wird unter Umständen dadurch voll­ständig über den Hausen geworfen. Es ist dann in den allermeisten Fällen dem Kriegsbeschädigten nicht möglich, sich ein eignes Heim zu gründen. Für diese Fälle fordert der Zentraloerband von den ausfüh­renden Organen mehr soziales Empfinden, damit nicht der Sinn der Kapitalabfindung in das Gegen­teil verkehrt wird. Auch den Tuberkulösen sollte, was seither nicht geschehen ist, eine K a p i talabfindung gegeben werden, die bei früh, zeitigem Tod auf die Hinterbliebenenrente angerech­net werden könnte. Nach Ablauf der Kapitaiabfin- dungszeit sollte die Rente wieder aufleben. Der Zentralverband fordert weiter, daß den Hinterblie­benen ein gesetzlicher Anspruch auf Heil- behandlung gewährt werde. Die Regierung hat diese Forderung seither aus finanziellen Gründen abgelehnt, weil sie befürchtet, daß bann die der allgemeinen Wohlfahrtspflege anheimfallenden Per- fönen dieselbe Forderung stellten. Demgegenüber stellt sich der Zentraloerband auf den Standpunkt, oaß den Kriegshinterbliebenen eine Sonderstellung gebühre, weil der Ernährer der Familie sein Leben für die Allgemeinheit gelqssen habe. Der Staat muß an die Stelle des gefallenen Ernährers treten. Für die Kinder der Kriegsbschädigten und Kriegerhinter­bliebenen fordert der Verband ausreichende Für­sorge, damit sie weder körperlich noch seelisch allzu- großen Schaden nehmen. Große Sorge bereitet dem Verband die Schwerbeschädigtenfürsorge. Wir haben zwar ein Gesetz, das die Arbeitsbeschaf­fung für die Schwerbeschädigten regelt, aber der Geist dieses Gesetzes wird nicht überall richtig ernannt. Es müßte möglich sein, jeden Schwerbeschädigten durch geeignete Auswahl auf einen Arbeitsplatz zu stellen, auf dem er trotz seiner geminderten Kräfte mit Freudigkeit und innerer Befriedigung noch Eripneß- liches leisten könnte. Daß diese Forderung erfüllt werben kann, beweist bie Tatsache, baß bei ben Sie-