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Thefredakteur".

Dr. Friede. Wilh. Lange. Deranttoortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An- zeigenteil i. Dertr. H. Deck, sämtlich in Gießen.

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Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

MonolZ-Bezvgrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechans chlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach­richten; Anzeiger Liehen, postsch-cklonto: Kranlsutt am Main 11686.

General-Anzeiger für Oberhessen

vri'S md Verlag, vrühl'lche Universtlä,;-Such- und Stcinöruderei R. Lange in Sietzen. Schrifiieiiung und Seichästsitelle: Schul-ttahe 7.

Ni 256 CT« Blatt 176. Mwitj Montag,,. Nov-Mdn 1926

SiehenerAnzeiger

Nach der Pause.

Don Deichs Minister a. S). Dr. Scholz, M. d. R.

Der Deichstag hat sich in diesem Jahre eine längere Ferienruhe gegönnt. Das war gut so für ibn und für das Volk, das ihn gewählt hat. Für ihn weil er nach eifriger Arbeit der Er­holung wohl bedurfte; für das Volk - weil es allmählich durch die sich drängenden Satzungen des Parlaments und die Vielfältigkeit der be­handelten Gegenstäirde übersättigt war, und btel- leicht auch, weil es dunkel empfand, daß bem Daterlande eine geraume Zeit ruhiger, nicht durch parteipolitische Krisen gestörter Degie- rungsarbeit wohltätig sein muhte. So ist nun nach der Pause das Interesse des politischen Zeitungslesers stärker als im Laufe der parla­mentarischen Sitzungsperiode, die Erwartung ist gespannter, die D-eigung zur politischen Erörterung ausgeprägter. Welche Aufgaben wird der Reichstag vorfinden oder sich selbst stellen <

Schon am Ende der Sommertagung sprach man in der Wandelhalle des Reichstages viel von einer Abämdermrg der G e s ch ä f t s o r d n irrt g. in dem Sinne, dah nach aller Möglichkeit die Ver- handhungen für das grohe Publikum interessanter und leichter verständlich gestaltet werden morgen, das Wichtige und Bedeutungsvolle von dem Minderwesentlichen auch äußerlich gesondert würde. Kürzere Rededauer bei minderwichtigen Deratungsgegenständen, Wechsel zwischen ben Re­den von Freunden und Gegnern der Dorlage wurden empfohlen; kleine Mittel, die aber immer­hin geeignet sind, die Debatte abwechslungsreicher zu gestalten. Schwieriger durchhuführen, aber be- deuttrngsvoller die Dorschläge, die Sitzungen eiw- zuteilen in De b a t t e s i hun ge n und Be- schluhsihungen: Erstere bestimmt zur gründ­lichen und grundsätzlichen Aussprache über Regie­rungserklärungen imb sonstige besonders wichtige Gegenstände, letztere mit kürzester Redezeit dazu geeignet, um in den Ausschüssen eingehend beratene Vorlagen durch Abstimmung zu er­ledigen.

Von materiell wichtigen Derattingsgegeitttän- den die in der nächsten Zett das Hohe Haus, beschäftigen werden, sei genannt m erster Linie Z)ie Erwerbslosenfrage: eines dersa-wre- riasten Probleme der Gesetzgebung, bei dem glei- chermahen die unbestrittene Rot der immer noch nach Millionen zählenden Arbeitslosen, wie die schwierige Lage der deutschen Wirtschaft, end­lich auch allgemeine politische Erwägungen zu berücksichtigen sind. Wird sich auch vielleicht eme Zwischenlösung auf der bisherigen Grundlage nicht umgehen lassen, so darf doch die dauerhafte Entscheidung der Frage im Wege der Ar­beit s lo s e n ve r s icherun g darunter nicht leiden.

Das viel erörterte Reichsschulgefetz wird wohl auch die Kräfte des Parlaments er­heblich in Anspruch nehmen, wenn es auch ver- messen wäre, eine schnelle Erledigung zu erwar­ten. Cs ist nun Einmal das Schicksal alter Schulvorlagen, einen wetten und schwierigen Weg bis zur endgültigen Verabschiedung zurucklegen zu müssen. Doppelt schwer ist eine Regelung, weil es sich hierbei um die nach manchen Rrchtun- aen einschneidende Abgrenzung von Zuständig- keiten zwischen Reich, Ländern und Gemeinden handelt.

Auf gleichem Gebiet liegen die Schwierig­keiten bei den auch wieder bevorstehenden Be­ratungen über den Finanzausgleich. Ob bis zum 1. April nächsten Jahres eine endgültige Erledigung dieser Frage gefunden werden kann, erscheint mehr als zweifelhaft. Vermutlich wird man sich zunächst mtt einer gesetzgeberischen Ver­längerung des gegenwärttgen Zustandes über diesen Dermin hinaus, vielleicht um ein wei­teres Jahr, begnügen müssen.

Auch das Wahlrechtes Problem ist nicht zur Ruhe gekommen. Die Stimmen mehren sich, die der immer fortschreitenden Entpersönlichung des Wahlverfahrens durch das Propvrtionalwahl- recht einen Damm entgegensetzen wollen. Immer­hin scheint es wenig zweckmäßig, mit kleinem Flickwerk an die Wahlrechtsfrage Herangehen zu wollen. Entweder möge man sich entschließen, mtt dem Grundsatz des Verhältniswahlrechts zu brechen oder man lasse es in seiner jetzigen Form bestehen, die sich wenigstens einigermaßen eingelebt hat. Kleine Aenderungen verursachen nur Streit zwischen den Parteien und bringen was nicht zu unterschätzen ist auch unbequeme Reuerungen rn der Organisation der Wahlkreise mit sich, ohne doch am Kern der Sache etwas zu ändern.

Der Rachtragsetat. den die Regierung vorlegen muß. wird ebenfalls allerlei Kämpfe entfesseln. Dabei wird die allgemeine Finanzlage des Reiches, die je nach dem vertretenen Standpunkt verschieden beurteilt wird, eine bedeutsame Rolle spielen. Auch das Vorgehen des Finanzmini st eriums bei derälmgestaltungseinerOrgani- f a t i o n, das in Deamtenkreisen lebhafte Be­denken ausgelöst hat. wird nicht ohne Kritik hingenommen werden. Die Fragen des Be­amtenrechts, in erster Linie das Beamten- verttetungSgeseh, werden ebenfalls zu besprechen sein. Dah das Gebiet der Außenpolitik nicht leer ausgeht, ist selbstverständlich. Auch der Fall S e e ck t dürfte nicht ohne Erörterung bleiben, älnd wenn auch die F ü r st e n a b f i n - bungsfrage durch den preußischen Vergleich als materiell größtenteils erledigt angesehen wer­den darf, so werden zum mindesten die Kommu-

Ein neuer Attentat auf Mussolini.

Der Diktator unverletzt. - Der Täter von der Menge gelyncht.

Bologna, 31. Off. (WTV.-Funspruch.) heute vormittag sand die feierliche Einweihung des großen, für alle Arten von Sport beslimmlen Stadions Cltforiale statt. Das Stadion kann bis 50 000 Zu­schauer fassen. Mussolini in der Uniform des Oberkommandierenden der Miliz, schritt um 9.30 Uhr zumLittoriale", welches stit dem frühen Morgen bis auf den letzten Platz von saszistischer Miliz und einer riesigen Zuschauermenge angefüllt war. Mus­solini hielt vor den Miliztruppen eine Rebe, die er mit dem Rufe schloß:Schwarzhemden, erhebt eure Gewehre, damit die ganze Welt diesen Wold von Bajonetten sieht und den Schlag unserer entschlossenen und unbesiegten Herzen fühlt!" Die Rede wurde mit nichtendenwollendem Beifall aus­genommen.

Am Rachmittag sand im gleichen Stadion die Eröffnung des Kongresses für Wissenschaftlichen Fortschritt statt. Rach dem Schluß des Festaktes fuhr Mussolini in seinem Wagen langsam inmitten einer Ovationen barbringenden Menge zum Bahn­hof. Als die Spitze des Zuges gegen 5.40 Uhr die Freiheitsslrahe erreicht hatte, feuerte ein un­gefähr 18 Jahre alter Mann

einen Revolverschutz aus den Ministerpräsidenten ob. Das Geschoß zerriß das Band des Grohkordons des Sankt Mauritius-Ordens und die Uniform in

Brusthöhe, bann burchschlug es einen Rockörmel bes Bürgermeisters von Bologna, ber neben Musso­lini sah. Mussolini selb st blieb völlig unversehrt. Er ließ einige Augenblicke sein Auto halten, setzte bann aber seine Fahrt zum Bahnhof unter enthusiastischen Sympathiekundgebungen ber Bevölkerung fort. Rach einer Ansprache vor ben am Bahnhof versammelten Offizieren, in bet er von bem Attentat nichts erwähnte, unterhielt er sich noch mit verschiedenen Ministern unb Parteisekretären unb fuhr barauf im Sonberzug nach Forli, wo er um 7 Uhr abenbs eintraf.

Der Attentäter,

ein ungefähr 18 Jahre alter Mann, hat unmittelbar, nochbem es ihm gelungen war, bie Absperrungskette zu erreichen, ben Revolverschuh aus Mussolini ab­gegeben. Darauf stürzten sich Carabinieri unb Faszisten auf ben Täler unb lynchten ihn. Die burch Würgmerkmale unb Dolchslöhe entstellte Leiche konnte noch nicht inbentifiziert werben. Auch aus ben Sachen bes Täters ergab sich nichts, was zur Feststellung seiner Personalien hätte bienen können. Der König Hal an Mussolini ein Tele­gramm gerichtet, in bem er seine tiefste Empörung über bas Attentat zum Ausdruck brachte unb ihm seine unb ber königlichen Familie herzlichsle Glückwünsche aussprach, baß er roieberum bet Gefahr glücklich entronnen wäre.

Die Politik des Zentrums.

Der Reichskanzler auf dem Erfurter Parteitag.

Erfurt, 30. Ott. (WD.) Im Rahmen der Tagung des Parteiausschusses der Deutschen Zentrumpspartei wurden am Samstagabend zwei große öffentliche Versammlungen abgehalten, in denen führende Cßertretet des Zentrums aus Regierung und Parlament unter Darlegung der gegenwärtigen innen- und auhenpolittschen Ver­hältnisse die Aufgaben und Forderungen des Zentrums vorttugen. Auch Reichskanzler Dr. Marx nahm das Wort zu einer Ansprache. Die Opposition gegen die von der Deutschen Zentrumspartei seit 1919 verfolgte Politik sei schwächer geworden und die Kritik stiller. Die Partei £abe sich innerlich gefestigt. Die sozialen Spannungen, die nach dem Kriege unter der Rot der Zett besonders stark auf der Partei lasteten, seien heute vielfach gegenfeitigem sozialem Ver­ständnis gewichen. Die Zentrumspartei sei fest überzeugt, daß der Wiederaufbau unseres Volkes und Reiches nur auf der Grundlage der Wei­marer Verfassung erfolgen könne, daß wir dem Bestände und der organischen Entwick­lung^ unseres heuttgen Staatswesens unsere ganze Kraft zu widmen hätten. Der Bestand der deutschen Republik sei gesichert. Die staatlichen Machtmittel seien stark genug, jeden Versuch eines älmsturzes niederzuhalten, möge er kommen, woher er wolle. Die Zentrumspartei, die in der Weimarer Verfassung das Fundament des Staa­tes sehe, lehne aufs schärfste jene Verbände ab, die sich als Kanrpfverbände gegen den Bestand der heutigen deutschen Republik wenden. Sie wünsche den Zeitpunkt herbei und werde alles daran sehen, daß die Methode, mit politischen Kampfverbänden Polittk zu machen, baldigst ver­schwinde. Das Reichsbanner, dessen Tätigkeit in den Monaten der Llmsturzgefahr von rechts eine Rotwendigkeit geworden war, werde dann die ihm gesetzte Aufgabe, den Schutz der Verfassung gegen jedwede Gefahr, auch gelöst haben.

An die Ausführungen des Reichskanzlers schloß sich eine

Aussprache an, in der der Reichs tagsabgeordnete Esser zu­nächst eine Entschließung begründete, die das Augenmerk der Tagung erneut auf die wirt­schaftlichen Rote des gewerblichen Mittelstandes hinlsnkt und an die Regie­rung das Ersuchen richtet, auf eine Erleichte­rung der großen Steuerlasten und die vermehrte Schaffung von Arbeitsgelegen­heit für den gewerblichen Mittelstand hinzu­arbeiten. Reichskanzler Marx hob die Bedeutung der vorliegenden Entschließung über den Mittel­stand hervor, wobei er die Mittelstandskreise vor der Gefahr des Gedankens warnte, daß der Mittelstand die geeigneten Vertreter seiner Inter­

essen in einer besonderen Partei zu suchen habe. Reichstagsabgeordirr^s«' Kaas behandelte die Außenpolitik urtb legte eine entsprechende Ent­schließung vor, in der es heißt, der Reichspartei- ausschuh erwarte, daß sich die Reichsregierung mit aller Tatkraft dafür einsetze, daß das in Thoirh begonnene Werk der Verständigung mit Frankreich als Ausgangspuntt und Voraussetzung einer Befriedung Europas zu einem befriedigen­den Ende geführt werde. Die Stabilisierung des europäischen Friedens müsse mit der Frage, daß sich Frankreich Vk definitive und beschleunigte Wiederherstellung der Freiheit Deutschlands angelegen sein lafse, verbunden werden. Die Entschließung wurde einstimmig ange­nommen. Rachdem dann noch ter Reichstags abge­ordnete Rheinländer die Entschließung zur Schul- frage begründet hatte, in der bedauert wird, daß das in der Verfassung vorgesehene Reichs- schulgesetz noch nicht Tatsache geworden ist und die unverzügliche Vorlegung eines Entwurfes gefordert wird, Begann die große politische Aus­sprache, in der zunächst

Reichskanzler a. D. Dr. Wirth

das Wort ergriff, wobei er die Notwendigkeit hervorhob, die Einhaltung der polittschen Linie über die Kvalittonsfragen zu sehen. Er drückte seine Sorge über die fortschreitende Radikali­sierungstendenz in der Sozialdemokratie aus. Die Zentrumspartei dürfe durch ihre Politik und Taktik nicht den Vorwand für eine Stärkung solcher Tendenzen liefern. Die Trustbildung diene sicher nicht dazu, dem Mittelstand zu nützen. Für das Zentrum sei der Augenblick gekommen, gegenüber der Zusammenballung der Wirtschaft, gegenüber diesem wirtschaftlichen Marxismus den Staatsgedanken und den Staat zu betonen. Stär­kung des Staates, das sei Zentrumsgedanke und ein christlich-ethischer Gedanke.

In Erwiderung auf die Ausführungen Dr. Wirths gab der Landtagsabgevrdnete v. P a p e n der Auffassung eines Teiles seiner Parteifreunde Ausdruck, daß ohne die wertvollen staatspolltt- scheu Kräfte, die rechts vom Zentrum stehen, das Werk des Wiederaufbaues niemals gelingen könne. Seine engeren polittschen Freunde ver­folgten mit Besorgnis die Aktion Dr. Wirths, der die innere geistige Ausgestaltung der Republik in einer>enklichen Anlehnung an den Liberalismus und Sozialismus zu för­dern suche. Reichskanzler Dr. Marx begrüßte die Diskussion v. Papen-Wirth als ein bedeut­sames Ereignis, das die ülniversalität des Zen­trums so recht zum Ausdruck bringe. Mit einem Schlußwort des Reichskanzlers wurde dann die Parteiausschußtagung geschlossen.

nisten sich nicht nehmen lassen, auch sie erneut in die Debatte hineinzuziehen.

Ist so allein in Dingen, die man über­blicken kann, hinreichend Stoff für die Er­örterungen des Parlaments enthalten, so weiß man ans Erfahrung, dah gerade die unvor- herges ehenen Fragen meist die größten Schwierigkeiten in sich bergen. An Tätigkeit wird es somit dem Reichstag nach seiner Som­merpause nicht fehlen. Bleibt nur zu hoffen, dah ihm nicht wieder langwierige Regierungs­krisen die Zeit zu fruchtbringender gesetzgeberischer Arbeit rauben.

Besatzungsschäden.

Höchst a M., 31. Ott. Die Franzosen haben kürzlich die letzte der feit dem Jahre 1919 beschlag­nahmten Schulen geräumt unö der Stadt wie­der zurückgegeben. Ehe die Schule wieder in Gebrauch genommen werden kann, sind umfang­reiche Ausbesserungsarbeiten nötig. Die Franzosen beziffern nun den Schaden auf 8000 Mark, während eine deutsche Kommission kihn auf mindestens 120 000 Mark geschäht hat.

Die Landtagswahlen

in Sachsen.

Dresden, 31. Ott. (LU.) Aus Stadt und Umgebung liegen Rachrichten über irgendwelche Zwischenfalle am heutigen Wahlsonntag nicht vor. Eine Propagandawut, wie sie bei den letzten Wahlen bemerkbar war, war schon in der ab­gelaufenen Woche kaum vorhanden; heute noch besonders beeinträchtigt durch das naßkalte Wet­ter. Dis nach der Mittagstunde war die Wahl­beteiligung sehr gering. Lebhafter wurde es erst gegen drei Uhr. Dis zum Schluß der Wahlhandlung um sechs Uhr steigerte sich der Andrang zu den Wahllokalen. Die Kommunisten zogen mit Hörnern und Megaphonen, Sprech­röhren usw. durch die Straßen und versuchten, vor allem aus dem preuhischen Hohenzollernverttag, für sich Propaganda zu machen. Die Straßen» jugend reagierte lebhaft. Plakate und Klebe­zettel verschwommen im trüben Grau des reg­nerischen Tages. - Auch in Leipzig verlief der Wahlsonntag regnerisch und ungemütlich bei unbedeutender Strahenpropaganda (nur die Kommunisten liehen Lastkraftwagen mit Wxrbe» truppen und Agitationsmaterial Durch die Stadt fahren) vollkommen ruhig. Die Wahlbeteiligung war in den Rachmittagstunden rege. Rach dem vorläufigen endgültigen Ergebnis der Land­tagswahlen wurden 2 357 699 gültige Stimmen abgegeben. Es erhielten:

Alte soz. Partei Sachsens Deutschnationale Deutsche Volkspartei ö. P. D.

Kommunisten

Demokraten

Wirtschaftspartei

Völkisch-soziale Arbeitsgemcinsch.

Zentrum

Rationalsozialisttsche Arbeiterpartei (Hitler)

Reichspartei f. Dolksrecht und Aus­wertung

Reichsverband der Haus- u. Grund­besitzer

98 026 341 065 292 079 758 142 342 112 111351

237 462 10 382

24 059

37 736

98 258

7 027

Die Mandate verteilen sich wie folgt: A.S.P. 4, Deutsch-Rat. 14^Deutsche Vp. 12, S. P. D. 31, Kommunisten 14, Mmvkraten 5, Wirtschaftspartei 10, Rattonalsoz. Arb.-Part. 2, Aufwertungspartei 4. Der linksradlkale Flügel der Sozialdemokraten hat also demnach gegenüber der bisher im Kabinett Held wesentlich vertrete­nen gemäßigten Richttmg einen vollen, aller­dings nicht überraschenden Sieg errungen. Die Regierungsbildung im neuen Landtag wird inso­fern schwierig fein, als den 45 Kommunisten und Linkssozialdemokraten die Gruppen der Rechten und der Mitte schon ohne Einbeziehung der Aus- wertungspartei und der Völkischen ebenfalls 45 Sitze entgegenstellen können.

Deutschland int völkerbundsseüetariat.

Gens, 30. Oft. (TU.) Das Sekretariat bes Völkerbundes veröffentlicht folgcnbes amtliches Kommunique: Da ber Untergene­ralsekretär bes Bölferbunbes R i t o b e zum Schluß bieses Jahres feinen Posten verläßt, hat ber Generalsekretär bes völkerbunbes. Sir Erir Drummonb, ben Posten bem Botschaftsrat an ber beutschen Botschaft in Conbon, Dusour-Feronre. angeboten. Die Ernennung unterliegt nach Artikel 6 bes Bölkerbunbspakles ber Zustimmung bes völkerbunbsrates.

Die langwierigen Verhandlungen zwischen dem Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Erir D r u m= m-o n b und dem Berliner Auswärtigen Amt über die Besetzung eines Untergeneralsekretärpostens sind nun also endlich zum Abschluß gekommen: Bot­schaftsrat Dusour-Feronre, zur Zeit an der Londoner Botschaft tätig, ist zum Untergene­ralsekretär ernannt worden. Es ist zwar noch die Bestätigung dieser Ernennung durch den Völkerbundsrat erforderlich, daran, daß sie erfolgen wird, kann jedoch nicht gezweifelt werden, zumal Sir Eric Drummond nicht nur mit Deutsckland, sondern auch mit allen anderen Ratsmächten sehr eingehend verhandelt hat. Herr Dufour tritt an die Stelle des Japaners Nit ob e. Ein neuer Posten ist also nicht geschaffen worden, das Sekretariat bleibt unoer» ändert bestehen: Generalsekretär Sir Eric Drum­mond (Großbritannien), Stellvertreter A v e n o l (Frankreich), zwei Untergeneralsekretäre: Atto- l i c o (Italien) und jetzt Dufour (Deutschland).

Mit dieser Ernennung ist unter einen unerquick­lichen Streit ein Schlußstrich gezogen, der zwischen dem Parlament und dem Auswärtigen Amt ging. Namentlich das Zentrum glaubte, es müsse ein Parlamentarier für den wichtigsten uns ein- aeräumten Posten entsandt werden, während das Auswärtige Amt für einen Berufsdiplomaten ein­trat. Es hat sich durchaesekt, obwohl bei uns gewiße Parlamentarier, die ourchaus nach Genf wollten, sich nicht scheuten, über die Regierung hinweg mit Dem Generalsekretär Verbindung auszunehmen, der aber selbstverständlich auf die an ihn gerichteten Wünschen nicht einging, sondern im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt den Posten des Unter- generalsekretär besetzte.

Herr Dufour selbst ist in der deutschen Deffent- lichkeit kaum bekannt, da er es bisher immer oor- gezogen hat, wenig oder gar nicht heroorzutrelen. Bevor er in den diplomatischen Dienst eintrat, war er in Leipzig Großkaufmann. Nach der Wiederauf­nahme unserer diplomatischen Beziehungen zu Eng-