Äretf« <mS der Türkei jbinanbern. uitZ> öaö (6 bereis eine empfindsame Minderung der französischen Kolonie in Konstantinopel singe- treten sei.
Oderhessen.
Landkreis Gieße«
ch Alten-Buseck, 30. Sept. Mit Wirkung vvm 1. Oktober tritt Lehrer Ludwig Schmidt von hier in den Ruhestand. (Ein geborener Friedberger, besuchte er von 1881 bis 1884 das Seminar seiner Heimatstadt und wurde dann nach vorübergehender dreijähriger Wirksamkeit in einigen Orten der Wetterau als Schulvikar nach 2Men°Duseck versetzt, wo er bald darauf definitiv angestellt wurde. Mehr als 42 Jahre hat er im Dienst der Volksschule gestanden, und beinahe vier Jahrzehnte hat er segensreich in unserer Gemeinde gewirkt. Als Vorsitzender des Schulvorstandes hatte er allezeit das Wohl un* ferer Schule und damit unserer Heranwachsenden Jugend im Auge. Zu seinem vorläufigen Nachfolger wurde Schulverwalter Fay ernannt, der die beiden letzten Jahre an der einklassigen Schule in Göbelnrod tätig war.
• Lumda, 30. Sept. Am 6. Oktober kann der älteste Bürger unseres Ortes, Peter Seng II., in geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag begehen.
t Grünberg. 30. Sept. Der Bestand an Hasen und Feldhühnern in unserer Gemarkung läßt sich jetzt ungefähr übersehen. Die im Frühiahr gehegten Erwartungen auf einen guten Bestand haben sich leider nicht erfüllt. Das nasse Frühjahr hat den Jung- Hasen sehr geschadet, aber auch bei den Ernte- arbeiten ist mancher Hase durch Sense und Mähmaschine zu Schaden gekommen und infolgedessen eingegangen. Das Rebhuhn hat ebenfalls durch die Witterungsunbilden, aber auch durch Raubzeug schwer gelitten; nur selten kann man eine schwache Kette feststellen. Durch das Verschwinden der Hecken und vträucher bei der Feld- bereinigung ist gleichfalls mancherlei Schutz für das Wild verloren gegangen, so dah auch hieraus ein Teil des Verlustes zurückzuführen ist.
Kreis Friedberg.
sf. Friedberg, 30. Sept. Der wichtigste Tagesordnungspunkt der gestrigen St a d t - verordnetensihung betraf die Beschlußfassung über Einrichtung eines Eltern- heirates an der hiesigen Volksschule. Zur Teilnahme an der Verhandlung war auch der Schulvorstand eingeladen. Am Vorabend der Sitzung hatte bereits eine von der sozialistischen und der kommunistischen Partei ein- berufene Versammlung stattgefunden, in welcher Lehrer K n o ch aus Kleinauheim über diese Frage sprach. In der Stadtverordnetensitzung sprechen der Kommunist Bautet und der Vertreter der Sozialdemokratie, Raute, sich entschieden für die Einführung aus, während namens des Zentrums Stadtv. Morsch e l, namens der Deutschen Volkspartei Stadtv. Werner, und namens der Deutschnationalen Partei Stadtv. Dr. Rompf gegen die Einführung sprechen; auch der Beigeordnete Dr. Leuchtgens bekannte sich als entschiedener Gegner. Der Lehrerrat der Schule hat sich bereits früher mit der Sache befaßt und mit 25 gegen 3 Stimmen einen ablehnenden Beschluß herbeigeführt, einen gleichen Beschluß der Schulvorstand mit 9 gegen 3 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen. Stadtv. Rektor Koch stellte einen Vertagungsantrag mit der Begründung, vorerst in anderen Städten Erkundigungen über die dort gemachten Erfahrungen einzuholen und die Sache nicht kurzerhand abzulehnen. Dr. Rompf stellte den Antrag auf Ablehnung des Eltern- Beirats und Einführung von Elternabenden. Rach längerer Aussprache wurde der Vertagungsantrag mit 14 gegen 12 Stimmen angenommen. — Mit dem Um» und Reubau eines Flügels am hiesigen Bürgerst o f P i t a l ist in diesen Tagen begonnen worden. Das im Jahre 1910 mit einem Kostenaufwande von über 300 000 Mk. erbaute Krankenhaus, das mit allen neuzeitlichen Einrichtungen versehen ist, genügt in seinen Raumverhaltnissen rächt mehr den Anforderungen, da es nicht nur vr»n den Bewohnern unserer Stadt, sondern auch i^n der weiteren Umgebung in Anspruch genommen wird, und so hat sich die Vergrößerung und der Dau eines zweiten Operationssaales
alS mtbebingt notwendig erwiesen. Die Kosten sind auf ca. 200 000 Mk. veranschlagt und werden von dem städtischen Armensonds bestritten. Auf das Ausschreiben der Arbeiten für den Bau haben sich 51 Firmen gemeldet: dre Vergebung find entsprechend den Angeboten erfolgt. Bei der Nachprüfung der Angebote durch das Stadtbauamt hat sich nun ergeben, dah bei 18 Firmen Re chensehler Vorlagen, und zwar bei einigen Firmen genau in der Höhe von 1000 Mk. Die Stadtverwaltung beabsichtigt daher, sich gegen solche Auswüchse des Vergebungswesens zu schützen, und zwar soll in den Ver - gebungsb e d i n g u n g e n die Bestimmung aufgenommen werden, daß in Zukunft Angebote, in denen bei der Rachprüfung Rechenfehler fest- gestellt werden, als nicht abgegeben zu betrachten sind. Es erhalten also in solchen Fällen Handwerker, auch wenn sie die Wenigstsordern- den sind, nicht den Zuschlag.
Kreis Büdingen.
0 Büdingen, 30. Sept. Die Anhänglichkeit der alten 'Sü Dinger Pennäler an unser schönes Städtchen ist geradezu ohne Beispiel. Diese Anhänglichkeit ergibt sich wohl aus der Romantik, die über unser liebliches Tal ausgebreitet ist. und aus der wundervollen Ratur- schönheit der ganzen Gegend. Diese innige Treue der alten Pennäler zeigte sich wieder deutlich beim 325jährigen Jubiläum unseres Wolfgang-Ernst- Gymnasiums am 31. Juli und 1. August, worüber wir seinerzeit ausführlich berichteten. Hier sei noch darauf hinge- wiesen. daß die hauptsächlichsten Teile der Festfolge von alten Pennälern ausgeführt wurden. Es sei vor allem gedacht der unermüdlichen Tätigkeit des Schriftführers des Festausschusses, des Studienrats Dr. Kurt Becker zu Büdingen, der die unenyehliche Menge der Schriftstücke erledigte und die Hauptsache bei den Anordnungen des Festes leistete. Weiter sei gedacht der Vorträge dos Posaunenchors durch ehemalige Schüler unter Leitung von Pfarrer Kalb- heim bei der Einweihungsfeier der Gedenktafel für die gefallenen Angehörigen des Gymnasiums. Daneben sei noch hervorgehoben die treffliche Komposition des „Soldatengrabes" . von Hugo Zuckermann und des „Gesangs seliger Geister" von August Roesch en durch Geheimerat V o l ck m a r. Beide Chöre hatten eine tiefe Wirkung. Auch die beiden Redner bei dieser Feier, Pfarrer Lenz- Ortenberg und Justizrat Lamberts- München-Gladbach sind alte Düdinger Pennäler. Letzterer hat 1 000 Mk. für die Schülerbibliothek gestiftet. Ebenso sind der Prediger beim Festgottesdienst (Pfarrer Schäfer) und der Leiter des großen Festkom- merses im Stern (Oberforftrat Hofman n-Büdingen) frühere Schüler des Gymnasiums. Die Düdinger sind stolz auf ihre alten Pennäler.
„ ?" Ridd a, 30. Sept. Sowohl hier, wie in der ganzen -Umgebung hat die Aepfelwein- felterei eingesetzt. Der Ertrag der Aepfel- bäume ist bedeutend größer, als sichs vermuten ließ, weil die Früchte sehr groß sind und gut füllen. Für Schüttelobst zahlt man 12 bis 14 Mk. pro Doppelzentner, einen Preis, der nur unwesentlich den des Vorjahres mit seiner reichen Ernte übersteigt. Der neue „Hohenastheimer", den heiße August- und Septembersonne gesüßt, dürste seine Vorgänger an Güte weit übertreffen. Im allgemeinen haben die Aepfelweinwirtschasten noch Vorräte aus dem Vorjahre. Der Verbrauch an Aepfelwein ist in den letzten Jahren stark zurück- gegangen. Bier und Wein werden bevorzugt.
Bad-Salzhausen. 30. Sept. Die früher Schulzsche Villa ging zum Kaufpreis von 16 000 Mk. in den Besitz eines auswärtigen Arztes über. Dieser beabsichtigt, sie in ein Heim für erholungsbedürftige Kinder umzuwandeln, die während des ganzen Jahres hier Unterkunst finden können.
Kreis Schotten.
_L Ober-Lais, 29. Sept. Am Sonntag Mnb hier ein Bezirkstag der in der Kriegerkameradschaft „Hass ja" zusammengeschlossenen Kriegervereine des Bezirks Ridda statt. Die Tagung, die recht gut besucht war, wurde von dem Vorsitzenden des hiesigen Kriegervereins, Otto Ries, eröffnet, worauf der Vorsitzende des Bezirks, Oberjustizinspektor Geiger (Ridda), die Leitung der Versammlung übernahm. Dieser gab zu-
va§ große Würfelte!.
(Martina Wilemar.)
Roman von Franz Iader Kappus.
4. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Lange blieb Ernst Wilemar mit seinem Kneifer beschäftigt. Endlich fragte er: „Glaubst du, daß das sein muh? Oder willst du in ein Bureau, weil du und Kreuth —" Er räusperte sich. Merkwürdig belegt hatten seine legten Worte geklungen. „Weil ihr trotzdem heiraten wollt und sonst vielleicht zu wenig zum Leben habt?"
Ueberrascht hob Martina die Hand.
; „Deshalb, Papa", sagte sie dann.
Der Vater nickte ohne ein Wort. Nickte ein zweites, ein drittes Mal. Immer tiefer sank sein Kops herab. Zuckend liefen seine ausgespreizten Finger über den blanken Schädel. Leise stöhnte er aus.
Mit großen Augen schaute Martina aus den Vater. War das der Widerstand, den sie befürchtet hatte? War das der Versuch, sie Benno abspenstig zu machen? Nein, hier saß einer und litt. Hier blutete einer, weil er nicht raten, nicht helfen konnte. Vielleicht durch seine Schuld.
„Papa!"
Martina wollte auf den Vater losstürzen.
Im selben Augenblick traten die Mutter und Lily in das Zimmer. Sofort durchschaute Lily die Situation. Und sie lächelte: „Was meinst du dazu, Papa? Martina will sich selbständig machen."
„Was willst du?" fragte Frau Julie. Sie hatte eine Zeitung in der Hand. Nur langsam tarn ihr Blick von dem bedruckten Papier los. Verwundert fiel er endlich auf Martina. „Dich selbständig machen?"
„Man will sich beruflich betätigen", erklärte Lily. „El klingt vielleicht schöner."
„Es ist mein fester Entschluß", bestätigte Martina. Und sie legte sich die Worte zurecht, mit denen sie ihren Standpunkt erklären wollte. Einfach und ruhig mußte gesagt werden, wie sie sich ihre Zu- kunsr dachte. Nichts sollte beschönigt, nichts ver- ^chww^en werden. Unerschütterlich stand alles in
Doch niemand fragte mit einem Wort.
Den Kopf zwischen den Händen, brütete Ernst Wilemar vor sich hin. lieber ihre Zeitung hinweg starrte Frau Julie ins Leere. Emsig widmete sich Lily ihren Fingernägeln.
Auf einmal begann die Mutter zu lächeln. Es mar ein unwirkliches, fernes Lächeln, das der Welt ihrer Gedanken entsprang. Und lächelnd fragte sie: „So schlecht steht es mit uns?" Langsam gingen ihre Augen von einem zum anderen. Als niemand antwortete, schüttelte sie den Kopf. „Ich glaube nicht, daß es so schlecht mit uns steht."
IV.
Zum drittenmal hatte Benno von Kreuth im Exzelsiorhotel vorgesprochen. Endlich war er empfangen worden. Direktor fBrattmann zeigte sich vollkommen im Bilde. „Ja; mein lieber Kriegskamerad Schlettow hat mir telephoniert." Aber schon zuckte er bedauernd die Achseln. „Leider kann ich nichts für Sie tun: wirklich — bei bestem Willen nicht!: Er deutete auf den Schreibtisch. „Sehen Sie, lauter Bewerbungsschreiben hochqualifizierter Herren, Diplomingenieure zu Dutzenden." Und er fragte, wie Kreuth sich das überhaupt denke. Was verstünde er von Tapeten, Lincrusta und Linoleumkitt? Was könne ein ehemaliger Offizier von diesen Dingen verstehen? Kreuth versicherte, daß er sich schon einarbeiten würde; kommerziell sei er übrigens kein Neuling. Voll und ganz habe er in der Verkaufsabteilung der „Awag" feinen Mann gestellt. Aber Direktor Brattmann wehrte hartnäckig ab. „Einarbeiten — jetzt, bei den Zeiten? Nein. Darauf können wir uns nicht einlafsen. Dazu ist die Zeit zu ernst."
Mit schweren Gliedern stieg Kreuth die Treppe hinab. In der Halle setzte er sich in einen Korbstuhl. Schweiß stand ihm auf der Stirne. Kaum fünfzig Mark hatte er noch in der Tasche. Der November ging zu Ende. Nirgends blinkte ein Lichtstrahl. Von unheimlichen Mauern war die Welt umgeben.
Da trat ein geschniegelter, blutjunger Herr auf ihn zu.
„Schwarzkopf."
Kreuth fühlte eine weiche, kraftlose Hand in der seinen. Süßliches Parfüm schlug ihm entgegen. Rasch gefaßt, nannte er seinen Namen.
„Von — von Kreuth? Gut. Sie waren bei Brattmann. Hoffnungsloser Fall. Hätte ich Ihnen schon
nächst einen ausführlichen Bericht über den HenrPtverbandStag in Bingen. Sodann wurde die Tagesordnung — meist geschäftliche Dinge — erledigt. Die geplante Anschaffung eines Lichtbilderapparates für den Bezirk Ridda soll vorerst noch unterbleiben. Eine längere Aussprache brachte die für 1927 vorgesehene Rheinfahrt Es wurde die Ansicht vertreten, dah inindestens zwei Tage für diese Fahrt vorgesehen werden mühten. Die endgültige Entscheidung darüber soN aus dem nächsten Bezirkstag in Ranstadt gefällt werden. Die Tagung war umrahmt von schönen Liedvorträgen des Gesangvereins „Sieberf reu nb“ und von Musikstücken der hiesigen Kapelle.
— Tlnterseibertenrod, 30. Sept. Von alters her grast auf unseren Gemeindefluren die Schafherde des Dorfes. Mit dem Abschluß der diesjährigen Weideperiode verschwinden in un (crem Dorfe die Schafe, denn durch die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft und die billige Einfuhr von australischer Wolle gestaltet sich die Schafzucht so unrentabel, daß Weideslächen nicht mehr zur Verfügung gestellt werden können und hierdurch diese ehedem bedeutungsvolle Zucht hier ausstirbt.
Kreis Alsfeld.
= Ober-Ohmen, 30, Sept. Tlnser junger Volksbildungsverein tritt demnächst mit einer Gewerbeschau „Messer, Gelbguß, Flachs und Webstuhl", den vier typischen Vertretern der Ober- Ohme r Hausindustrie i in 5. und 6. Jahrzehnt des vorigen Iah rhunderts, auf den Plan, um den Bewohnern von Ober-Ohmen und Tlmgegend Gelegenheit zu geben, sich mit den Einzelheiten! dieser hochentwickelten Industrie vertraut zu machen. Gezeigt werden Geräte und Werkzeuge, Rohmaterialien und die fertigen Produtte in ihrer Mannigfaltigkeit, alles Sachen, die der heutigen Generation unbekannt sind dadurch, dah der rapide Aufschwung der Großindustrie die hausindustrielle Tätigkeit verdrängte.
ch L e h r b a ch, 29. Sept. Am heutigen M i ch e l s t a g werden die hiesigen Gänse zum letztenmal nach altem Herkommen auf die Weide getrieben. Es war in diesem Jahr wieder eine stattliche Zahl von nahezu 300 Stück. Ohne dem Fehler des Eigenlobes zu verfallen, kann man doch sagen, daß sich unsere Gänse durch ihre Qualität auszerchnen, was vor allem auf die züchterischen Bemühungen einiger Einwohner zurückzuführen ist, die besonders wertvolle Rassen halten, nicht zuletzt auch auf die guten Weideverhältnisse und die Sorgfalt des Hirten, der sie aussührt und ihnen zumal im Herbst nach Abern tung der Getreidefelder die nahrhaftesten Weideplätze aussucht. Als Hüterlohn erhält er für eine Gans 50 Pf. und für je Met dazu; einen Laib Brot oder den entsprechenden Geldwert.
Starkenburg.
Darmstadt, 30. Sept. In Reinheim int Odenwald entgleiste heute vormittag infolge falscher Weichenstellung ein G ü t e r z u g der Kleinbahn Reinheim—Reichelsheim. Menschenleben wurden nicht gefährdet, aber zwei Güterwagen schwer beschädigt. Der Sachschaden ist groß. — Vergangene Rächt wurde ein Radfahrer von einer Autodroschke in der Wilhelminenstrahe angefahren und schwer verletzt, wahrscheinlich wurde ihm der Brustkorb eingedrückt. Der Führer der Autodroschke l e gte den Schw erverlehten an den Randstein desBürgersteigs und fuhr davon. Der Verunglückte wurde später auf» gefunden und ins städtische Kranlenhaus gebracht.
WSR. O f f e n b a ch, 30. Sept. Das Befinden der gestern vormittag von ihrem früheren Bräutigam Valentin W ö r n e r in einem Hutladen niedergeschossenen Verkäuferin Lina Schmidt aus Fechenheim hat sich etwas gebessert, so daß Hoffnung besteht, das Mädchen, das die einzige Ernährerin ihrer Mutter ist, am Leben zu erhalten. Wörner hatte seit sechs Jahren ein Verhältnis mit dem Mädchen und war seit zwei Jahren mit ihr verlobt. Von ihrem ersparten Gelbe hatten sich die jungen Leute bereits für 2000 Mark Möbel angeschafft. Vor 'einiger Zeit lernte nun die Schmidt einen anderen jungen Mann kennen, der ihr besser gefiel, woraus sie die Verlobung auflöste. Wörner nahm sich dies so zu Herzen, daß er sich einen Browning das erstemal sagen können." Schwarzkopf beugte sich zurück und musterte den andern aufmerksam. „Schön. Wenn Sie wollen: ich kann Sie brauchen." Eines der schläfrigen Augenlider zugekniffen, wartete er. „Wollen Sie?"
Kreuth fragte beklommen:
„Darf ich wissen, worum es sich handelt?" „Sprechen Sie französisch?"
„So gut wie deutsch. Ebenso englisch."
„Kein Bedarf. Nur französisch ist wichtig. Das imponiert bn unten." Schwarzkopf verzog das blaffe, in den unteren Partien bläulich schimmernde Gesicht. Mühsam verhielt er das Gähnen. „Könnten Sie morgen antreten?"
Kreuth wollte seine Frage wiederholen. Aber Schwarzkopf sagte eilig: „Einen Moment." Er lief zum Portier und wies nach dem Speisesaal, wo eben eine junge Dame mit einem Herrn verschwunden war. Der Portier tuschelte etwas. Schwarzkopf lachte. Dann nahm er einen Stoß Depeschen in Empfang.
„Unerhört," sprach er zu Kreuth, eines der Telegramme zwischen den Fingern. „.Paillasse* ist um- gefallen! Nicht einmal auf Platz ist das Biest gekommen. So werden die Rennen in Nizza geschoben." Eifrig studierte er die übrigen Depeschen.
„Herr Schwarzkopf!" rief eine Stimme von rückwärts.
Ueber die Schultern sagte Schwarzkopf :
„Servus, Iszo. Sofort." Er wandte sich wieder Kreuth zu. „Schrecklich. So geht das den ganzen Tag. Und ein Mensch soll das leisten. Und alles ohne Sekretär." Flüchtig blickte er auf. „Also — wollen Sie Sekretär bet mir werden?"
Tausend Gedanken wirbelten Kreuth durch den Kopf. Der Mann flößte ihm Abscheu ein. Ohne Zweifel: der zählte zu der übelsten Sorte; war wahr- fdjeinlid) selber einer von da unten, wo französische Sprachkenntnis imponierte. Und von dem sollte er Geld nehmen, dem sollte er bei seinen zweifelhaften Geschäften behilflich fein?
„Sie überlegen sich's bis morgen mittag, ja? 3d) stehe um elf auf," sprach Schwarzkopf; „kommen Sie am besten um elf, damit ich nicht verschlafe." Er rückte an feinem Hut und faßte den schwarzen Ungarn, der ihn früher angerufen hatte, unterm Arm. „Mach' ich nicht, lieber Freund, mach'
kaufte und dann seine Braut und sich zu erschießen beschloß.
WSR. Dieburg, 30. Sept. Im benachbarten M ü n st e r wurde der neunjährige Sohn des Eisenbahnbeamten Beck von einem schwer beladenen Kartoffelwagen überfahren und so schwer verletzt, daß er kurz nach seiner Einlieferung in das Dieburger Krankenhaus verstarb.
Rheinhessen.
WSR. Worms, 30. Sept. Zu der schweren Bluttat in der Judengasse, wobei ein aus Darmstadt stammender junger Mann namens Kreß von dem Arbeiter Karl Diegi erschossen wurde, werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Die Verhaftung des Täters führte gleichzeitig auf die Spur einer Diebesbande, die aus dem Karl Diegi und drei Komplizen bestand, die ebenfalls verhaftet wurden. Diegi genießt einen sehr schlechten Ruf, befaßte sich schon seit Jahren mit keiner ehrlichen Arbeit und war schon mehrmals wegen Cinbruchdieb- stahls zu längeren Freiheitsstrafen verurteilt worden. Er wohnte bei seinem Bruder Georg als Untermieter, bezahlte aber nie einen Pfennig Miete, weshalb dieser beim Wohnungsamt auf Räumung klagte. Am Dienstag besuchte nun Kretz, der mit Georg Diegi befreundet war und ihn öfters besuchte, diesen wieder. In seinem Deisein teilte der ältere Diegi seinem Bruder den polizeilichen Bescheid mit, daß die Wohnung leer gemacht werden müsse. Daraus bedrohte dieser seinen Bruder mit Totschietzen. Bewaffnet mit Revolver und Prügel schlug er auf seinen Bruder ein. Als er dabei^ Kreß hinter einer Glastür stehen sah, schoß er mit den Worten: „Du muht verrecken" eine Kugel auf ab, die ihn in den Kops traf. Der Anglückliche war sofort tot. Der Bruder des Mörders sprang in seiner Angst aus dem Fenster, während der Mörder hinter ihm her schoß und dabei die Fensterscheibe zertrümmerte. Der Verbrecher stürzte wie besessen mit dem Revolver auf die Straße und bedrohte noch andere Leute mit der Waffe. Ein herbeigeeilter Polizeiwachtmeister schlug ihm schließlich mit seinem Gummiknüppel die Schußwaffe aus der Hand und nahm ihn fest. Bei der Gegenüberstellung mit seinem Opfer benahm er sich außerordentlich frech und schrie, daß, wenn er aus dem Gefängnis herauEme, auch sein Bruder und dessen Frau daran glauben mühten.
Wirtschaft.
AG. fürKohleverwertung, Essen.
Wie der DHD. zuverlässig erfährt, ist gestern vormittag in Essen durch das Kohlensyndiral die neue „Aktiengesells chaft für Kohleverwertung" gegründet worden. Die Gesellschaft tritt vorläufig als Studiengesell- schäft mit einem Rominalatti-enkapital von 60 000 Rm. in Kraft, das bereits in spätestens drei Monaten auf 6 0 Mill. R m. erhöht werden soll. An der endgültig zu gründenden Ge- sellschaft werden die Zechen im Verhältnis ihrer Quoten am Kohlensyndikat beteiligt fein. Im Aufsichtsrat der neuen Gesellschaft werden die bekannten Führer der rheinisch-westfälischen Kohlenindustrie sitzen. Cs ist anzunehmen, daß die Vereinigte Stahlwerke A.-G. als größter geschlossener Block innerhalb des Kohlensyndikates auch in dem Aufsichtsrat der neuen Gesellschaft durch Generaldirektor Dr. V ö g l e r vertreten sein wird.
** D i e Reichsindexziffer für di e Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „Sonstiger Bedarf") ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats September mit 142,0 gegenüber dem Vormonat (142,5) um 0,4 Prozent zu-
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ich um feinen Preis der Well! Mer die andere Sache —"
Mit einem Gruß schritt Kreuth aus der Halle.
So weit mar man also. Endlid) winkte eine Möglichkeit — und man hatte Bedenken. Eine Tür öffnete sich — und man wollte sie zuschlagen. War das richtig? Mußte man nicht zugreifen mit beiden Händen? Geld bedeutete immerhin Geld, Brot bedeutete Brot. Niemand bekümmerte sich heute darum, woher es kam. Das Messer an der Kehle war ein stärkeres Argument, als rebellierendes Ehrgefühl. Erst mußte man einmal Boden unter den Fußen haben. Dann würde man ja sehen. Keinem flog die Lebensstellung zu. Es war ein Uebergang. Fest mußte man sich vornehmen, daß es ein Uebergang blieb. Man wollte die Augen schon offen haben und keine Gelegenheit versäumen. Und dann: Adieu, Herr Schwarzkops!
Benno von Kreuth überquerte den Mkanischen Platz. Auf dem Anhalter Bahnhof wollte er Martina anrufen. Die Worte brannten ihm auf den Lippen. Tag um Tag hatte es ja geheißen: „Noch immer nichts." Aber jetzt konnte er sagen: „Eine Aussicht, Liebling." Seit Wod)en hatte er von diesem Augenblick geträumt. Nun war der Augenblick da.
Nein, sagte sich Kreuth im letzten Moment. Er zwang seine Erregung nieder und sprack) die gewohnte Formel in den Apparat. Bis morgen mußte sich Martina gedulden. Man durfte sie nicht beunruhigen und vielleicht hinterher entttäuschen. Mancherlei war noch zu klären. Vielleicht verlangte Schwarzkopf Unmögliches. Vielleicht bot er einen Bettel als Gehalt. Vielleicht suchte er nur eine andere Art Kammerdiener. Zuzutrauen war ihm alles.
Und noch etwas war da. Da unten. Nicht mih- zuvsrstehen war der Sinn der zwei Worte. Wahrscheinlich reifte Schwarzkopf da unten herum und kam nur gelegentlich nach Berlin. Alles Blut schoß Kreuth in die Schläfen. Nelle Gefahren standen auf. Goch schon der nächste Augenblick schob sie beiseite, und nur die Empfindung blieb: Fort non Martina! Fort aus der Stadt, in der sie lebte, atmete, sich bangte. Auf einmal schwankten die Häuser der Ko- niggrätzer Straße. Wie lockerer Sand war der Asphalt der Gehsteige.
(Fortsetzung folgt.)


