Fernöstliche Kriegsspiele
Don Otto Co rb a ch.
Könnte man den Nachrichten von chinesischen Kriegsschauplätzen" aufs Wort glauben, so hätte sich in den letzten Wochen in der gesamten politt- lchen Lage im Fernen Osten eine neue überraschende Wendung vollzogen. Die „Alliierten", d. d. die Heere der Marschälle T s ch a n g Tso l i n und W u Pei f u hätten die vom ..christlichen General" Feng V u siang organisierte „nationale Armee" aus ihren von vielen für uneinnehmbar gehaltenen Stellungen am Nonckau- paß geworfen, entscheidend geschlagen, über Kal- gon hinaus verfolgt, ziemlich ausgerieben, und ihre Reste gezwungen, sich in den trostlosen Steppen und Wüsten des äußersten Rordwestens des Riesenreiches zu verlieren. Das wäre der Anfang vom Ende des sowjetrussischen Einflusses in China gewesen, da dann auch bald die Stunde der sowjetfreundlichen Kuomingtangherrschaft in Kanton geschlagen haben würde. Eine Meldung, wonach Feng Pu siang vor kurzem aus Sowjetrußland zurückgekehrt sei und nun die Trümmer seiner gefürchteten Armee der „Eisenfresser" sammele und durch seinen suggestiven Einfluß zu verzweifelten letzten Kraftanstrengungen aufpeitschte, schien eine solche Auffassung zu bekräftigen. Diese Meldung war aber erfunden. Feng Pu siang sitzt immer noch seelenruhig in der Rahe von Moskau und studiert eifrig hie Einrichtungen der Roten Armee. Er soll, wie die Londoner „Times" aus russischen Kreisen ermittelt haben wollen, um die Zukunft der ..Kuomintschün" gar nicht besorgt sein und den Gerüchten über Verhandlungen zwischen deren qegentoärtigen Führern und Tschang Tso lin keine Bedeutung beimessen.
Don solchen Derhandlungen ist auch in Meldungen aus dem Fernen Osten neuerdings viel die Rede, und es kommt dadurch allmählich einiges Licht in die dunklen Hintergründe der neuesten Phase des chinesischen Bürgerkrieges. Man muß sich erinnern, daß sich Feng Vu siang und seine Parteigänger schon einmal auf Kosten Wir Pei fus über die Herrschaft in Rordchina zu verständigen und darein zu teilen wußten. Damals lieh Feng QJu siang Wu Pei fu im gemeinsamen Kampfe gegen Tschang Tso lin im Stich. Auch diesmal scheint Wu Pei fu wieder als Opfer einer ähnlichen Verständigung erkoren worden zu sein. Rur daß dieses Mal nicht Feng Vu siang oder dessen Stellvertreter, sondern Tschang Tso lin den „Derräter" spielt. Wu Pei fu war kürzlich nach Peking geeilt, um Sntriguen zu durchkreuzen, die dort gegen feine Vertrauensmänner in der gegenwärtigen .Regierung" gesponnen wurden. Bevor er damit irgendwelche Erfolge erzielen konnte, sah er sich gezwungen, Hals über Kopf wieder abzureisen. um die für ihn verzweifelt aussehende Lage an der Südfront wiederherzustellen, wo der siegreich vordringenden Armee der Kan- toner Regierung ein Durchbruch geglückt ist, so bah ihre Vereinigung mit der „ersten nationalen Armee" (Kuomintschün) mehr unb mehr in den Bereich der Möglichkeit rückt. Der Erfolg der Kantoner Kuomingtang-Truppen ist umso be- merfenStoetter, als sie gleichzeitig in Kiangst gegen Sun Tschuong fang vorzurücken scheinen, der bekanntlich seit kurzem, offenbar von England begünstigt, den Versuch macht, fünf der reichsten, das untere Pangtsetal ein- und umschließenden Provinzen zu einem Pufferstaat zwischen Rord- und Südchina zusammen- zuschweißen.
, 3m ganzen lassen die letzten Aachrichteg bei dem Kenner fernöstlicher Verhältnisse den Eindruck zurück, daß die Kuomingtschün auf Grund eines vorläufig noch geheim gehaltenen Einvernehmens mit Tschang Tso lin gegen Zusicherung einer Beteiligung an der tilnftigen Regierung im Rorden ihre die Hauptstadt Pellng bcherrschenden Machtstellungen freiwillig geräumt haben, um nach bloßen Scheinkämpfen ihre ungeschwächten Kräfte zugunsten der Ausbreitung der Herrschaft der Kantoner Regierung auf Kosten Wu Pei fus und seines ehemaligen Vasallen Sun Tschuan fang einsehen zu. können. Der Pekinger Berichterstatter der Londoner „Times", dessen Wünschen im Sinne des britischen Imperialismus eine völlige Vernichtung aller „nationalen" Armeen in China entsprechen würde, kann doch in feinen Meldungen nicht verschweigen, daß die Kuomintschün sich mit „intakt gebliebenen Kräften" aus Kalgan zurückgezogen, wo tagelange Plünderungen ihrem Abzüge folgten, um dann fortzufahren: „Es
Ludwig von Hofmann.
25on Walther Appell, Plauen.
Wie wir gestern bereits mitteilten, ist Ludwig von Hofmann anläßlich seines 65. Geburtstages von der Philosophischen Fakultät der ßanbedunioerfität zum Ehrendoktor promoviert worden.
Die knospenden Mädchen- und blühenden Iünglingsakte Ludwig von Hofmanns sind, wie auch feine zarten, frühlingshaften Landschaften, eine Zeitlang mehr „Mode" gewesen, als es ihrer stillen Gröhe und der hohen, reinen Kunstauffassung ihres Schöpfers entsprach. Dor dem Lärm der Jüngeren ist der nun Fünfundsechzig- lährige, der nach ertragreichen Weimarer Jahren jetzt in Dresden schafft, etwas in den Hintergrund getreten. Aber als Greiner und Klinger starben, die die Deutsche Bücherei in Leipzig mit großen Wandbildern hatten schmucken sollen, da tat man doch das wohl einzig in Frage Kommende, indem man Hofmann mit der Durchführung des ehrenvollen Auftrages betraute. Aber wie jeder Eigene, hat auch H.. dem es in späteren Jahren Echt an Ehrungen (bis zum Geheimrat) fehlte, ich einst kämpfend und viel angefeindet seinen Weg bahnen müssen Heber die zwiespältige Ausnahme seiner Frühwerke schrieb der Künstler einmal an den Verfasser:
.,3n früheren Jahren hat mich zuweilen eine freundliche Kritik gefördert, wenn sie das mir ;m Grunde Eigentümliche und Wesentliche zu bestätigen schien, so daß sie dazu beftrug, Zweifel und Hemmungen zu beseitigen. Spielte ein unglücklicher Zufall einem etwa gleichzeitig etwas Entgegengesetztes in die Hände (es ist mir öfter Datiert, daß mir Zeitungsausschnitte mit den abscheulichsten, in Grund und Boden verdammenden Bemerkungen von Bureaus zugesandt wurden, um mich für den Dauerbezug solcher Annehmlichkeiten zu begeistern), so war freilich die gute Wirkung wieder aufgehoben."
Dennoch ist der Künsller immer sich selber und dem clls richtig Erkannten treu geblieben: ein Charakter, tote im Leben, so auch in der
scheint nicht die Llbsicht der Fengtien-Truppen (d. h. der Streitkräfte Ächang Tso lins) zu fein, die der Kuomintschün zu verfolgen, obgleid) General Tschi Schi Puom, der Wu Pei fu im Kommando über die sogenannten Tschili-Trup- pen ablöste, behauptet, dazu entschlossen zu sein. Diese bisher unwirksamen Truppen haben sich am meisten durch Plündern ausgezeichnet".
Die chinesischen Bürgerkriege sind weniger wirkliche Kriege als Kriegs spiele. Man marschiert gegeneinander auf, man beginnt sogar, aufeinander zu schießen, sich eine Schlacht zu liefern, aber sobald die Heberlegenheit der stärkeren Partei zutage tritt, läßt man alle Minen diplomatischer Vermittlung springen, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. 3m Hintergründe aller Kämpfe der chinesischen Parteien um die Alleinherrschaft wächst das allgemeine Begehren nach einer unabhängigen Entwicklung des Landes als modernes Staatswesen. Auch diejenigen militärischen Machthaber in China, die ihr Gmporkommen hauptsächlich der .Unter- stühung von Trägern fremder Macht' und Wirt- fchaftsinteressen verdanken, sehen sich zu immer größeren Zugeständnissen an die Forderungen radikaler Rationalrevolutionäre gezwungen. 3n dieser Hinsicht ist es ebenso bezeichnend, daß die augenblickliche „Regierung" in Peking, die die Fiktion einer Harmonie zwischen Tschang Tso lin und Wu Pei fu krampfhaft aufrecht zu erhalten sucht, mit der Ausschließung Belgiens aus der Rutznießung der „ungleichen Verträge" den ersten Schritt zur Herstellung chinesischer Zollautonomie zu unternehmen wagte, wie daß Tschang Tso lin den Demos durch Hinrichtung eines Dutzend schwerreicher Bankiers die die Kriegsnöte der breiten Massen der Bevölkerung mit wucherischer Raffgier ausgebeutet haben sollen, sich günstig zu stimmen sucht.
Die nationale Bewegung in China marschiert unaufhaltsam vorwärts, ganz gleich woher die „Generäle", die jeweils bei den inneren Wirren „siegen", ihre Waffen bezogen haben. Ein gewisses Rachlassen der Hnterstühung. die Sowjetrußland bisher unzweifelhaft den Rüstungen den Kuomingtschün und Äaomingtang zuteil werden ließ, hängt damit zusammen, daß in den Augen chinesischer Rationalisten mehr und mehr auch Sowjetrußland imperialistischer Bestrebungen verdächtig erscheint. Moskau sucht durch größere Zurückhaltung gegenüber den inneren Wirren in China dem wachsenden Mißtrauen der chinesischen öffentlichen Meinung entgegenzuwir- len und hofft offenbar seinen Vorteil eher dabei zu finden, indem es Del auf die Wogen statt ins Feuer des Parteihaders gießt. Aus den chinesischen Kriegsfpielen droht von dem Augenblicke an blutigster Ernst zu werden, wo sie die eine oder andere der an den fernöstlichen Machtverhältnissen am meisten interessierten fremden Mächte von jeglicher Mitbestimmung auszuschalten drohen. Der Ausbruch eines neuen Weltkrieges wäre dann kaum vermeidlich. Ostafiatische Zeitungsstimmen wetteifern bereits, ihn vorauszusagen: sie streiten nur darum, ob dabei der angelsächsische oder der sowjetrussische Imperia- lismus die japanische Marmaschinerie für sich „arbeiten“ lassen kann.
Kunst und Wissenschaft.
Schluß der Berner Kirchenkonferenz.
3n der dritten Sitzung wurde über die Auswirkungen der Stockholmer Kirchenkonferenz in den einzelnen Ländern verhandelt. Aus den Berichten geht hervor, daß die ökumenischen Wirkungen der Weltkirchenkonferenz im Fortschreiten zu sozialer Verantwortlichkeit innerhalb der zugehörigen Kirchen sichtbar werden. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang die Mitteilung des Metropoliten D a l a n (Rumänien), wonach die griechisch- orthodoxen Delegierten diesmal als offizielle Vertreter ihrer Kirchen entsandt worden seien. Die Verbindung der griechisch-morgenländischen Welt mit der allgemeinen Kirchenkonferenz fei damit förmlich hergestellt. Ein Antrag von Professor Titius (Berlin) auf Herausgabe einer dreisprachigen sozialwis - senschastlichen Zeitschrift wurde nach lebhafter Debatte auf Antrag des Bischofs von Winchester einem Hnterausschuß übergeben. Aus der großen Zahl praktischer Maßnahmen, die der Sitzung Vorlagen, seien erwähnt die Feststellung des Budgets, das neugegründete sozialwissenschaftliche Institut. Ergänzungswahlen zum Exekutivkomitee und anderes. Weiter wurde verhandelt über Veranstaltung von Kursen über
Kunst. Wohl sind Beziehungen einer frühen Schaffensperiode zum Jugendstil unverkennbar — im Ganzen aber ist der Künstler in folgerichtiger Entwicklung auf der Linie geblieben, die ihm die starke, jedoch erst von ihm aus verhältnismäßig enger Begrenzung befreite Kunst eines Marees wies. Diese Kunst ist, namentlich in Monumentalbildern, nicht frei von dekorativen Momenten. Aber das rechtfertigt keinen verallgemeinernden Tadel, solange, wie bei Hofmann, der innere Gehalt die Form beherrscht und nicht umgekehrt (wie bei dem verwandten Franzosen Puvis de Chavannes).
Man hat L. v. Hofmann „klassizistisch" einzu- ordnen versucht, ist aber damit seiner Bedeutung nicht gerecht geworden. Gewiß lebt er in einer Welt, die der klassischen des Homer nahesteht und von ihr immer wieder thematisch angeregt und befruchtet wird. Doch spinnt er sich nicht als gegenwartfremder Träumer in Vergangenes ein, sondern schlägt Drücken von jener Welt, die uns noch immer viel zu geben hat. zu der unseren. Von allem, was vor und zu seiner Zeit Anspruch auf Geltung hatte, hat Hofmann immer nur soviel ausgenommen. — oft vorausgenommen —. daß das ©igentlidje seines Strebens nicht getrübt wurde. Das aber ist der Formen- und Far benrhythrnus. der die edle Einheit schasst zwischen dem lyrisch empfundenen Bildvorwurf und den Bestandteilen seiner auch technisch immer vollendeten — Ausführung. Dieser Rhythmus macht Hofmanns idyllische Landschaften und wundervoll beseellen Menschengestalten zu Trägern immer neuer Gedanken- und Gefühlswerte. Namentlich die dichterisch Der» Härte Gefühlsbetontheit ist eins der hervorstechendsten Merkmale in Hofmanns Schaffen. Er selber, der nur selten sich theoretisch über seine Kunst äußerte, schrieb mir darüber einmal (nach längeren Ausführungen über den übersteigerten kühlen Intellektualismus heutiger Kunst):
„Hier führt wieder ein Schacht zu den tiefsten Fragen, wieweit Zahl und Maß ein Kunstwerk wesentlich bestimmen. — wieweit dieses der rein logischen Erfassung zugänglich ist —, oder ob nicht doch ein Rest des Undefinierbaren bleibt.
internationale Kirchenkunde. Eine Kommission für die Zusammenarbeit der christlichen Presse wurde eingesetzt. Um 2 Uhr wurde die Konferenz mit einer Ansprache des Erzbischofs Soederblom geschlossen. Die nächste Tagung wird unter dem Vorsitz des Lordbischofs von Winchester in der zweiten Iulihälfte 1927 auf englischem Boden stattfinden.
Julius Kaftan j.
Der ehemalige Vizepräsident des evangelischen Obcrkirchenrates und Professor der Theologie an der Universität Berlin, Dr. Julius Kaftan, ist im 77. Lebensjahr gestorben. Die deutsche theologische Wissenschaft und die evangelische Kirche verlieren mit seinem Heimgang einen hochverdienten Gelehrten und sührenden Kirchenmann.
"Professor Dr. Max koch t-
Der Leiter des Berliner städtischen Krankenhauses Am Urban, Professor Dr. Max Koch, ist einem Schlaganfall erlegen.
Turnen, Sport und Spiel.
6. ©aufrauenturnen des Gaues Hessen (D. T.)
-o- Ein selten schöner, wenn auch schon etwas kühler Herbstabend ermöglichte es dem Turnverein Grünberg, seine Feftgäste mit ihren freundlichen Gastgebern im Freien auf dem großen Uebungs- plah bei der Turnhalle zu einer Begrüßungsfeier am Vorabend des Festes. Samstag. 28. August, zu vereinigen. Nach einer schwungvollen Ansprache des l. Sprechers des Tv. Grünberg, Lehrer Karl Wenzel, übernahm für die Gauleitung der ©aufrauenturntoart Rudolf Paul, Gießen, die weitere Durchführung des wohlvorbereiteten Wettkampfes. Die Stabübungen seiner Frauenabteilung vom Männer-Tumverein Gießen ließen sofort deutlich werden, daß man über den üblichen Rahmen eines Werbeabends hinaus auch die weitere Entfaltung des Frauenturnens richtunggebend beeinflussen wollte. .Die anmutige Haltung und Bewegung bei dieser und allen folgenden Hebungsarten wob in die kraftvolle Ausführung das echt frauenhafte Element hinein und fand den lebhaftesten Beifall der aufmerksamen Zuschauermenge. Hochentwickelte Keulenübungen und einen feinen Volkstanz brachte C. Heuser mit feinen Marburger Turnerinnen zu musterhafter Durchführung: leider wird dieser strebsame Turn- toart dem Gau Hessen verloren gehen durch einen ehrenvollen Ruf nach Flensburg. Die Grün- berger Turnerinnen zeigten ihre Fertigkeit an drei Barren, und eine Riege des M. T. V. Gießen bewies durch sein aufgebaute Kürübungen am Pferd, daß der Turnerin trotz alledem auch die Gelegenheit geboten bleibt, durch selbst- gewählte Hebungen, die ihrem Geschmack und ihrem Körper zusagen, das Arbeitsgebiet des deutschen Frauenturnens selbständig und eigen- artig ausgestalten zu helfen. Zu einem anmutigen Volkstanz vereinigte C. E r b (Tv. 184b Gießen) seine Riege, Freiübungen auf reigenartiger Grundlage bot der Tv. Nidda 1859, und die Butzbacher Turnerinnen schlossen mit einem berauschenden Tanz. In kurzer Zeit war so ein abwechslungsreiches und deshalb äußerst wirksames Bild der neueren Entwicklung des Frauenturnens gegeben. Der 2. Gauvertreter K. Schneider, Butzbach, gab der Begeisterung des Augenblicks beredten Ausdruck.
Heber 300 Turnerinnen in 15 Riegen führten am Sonntagmorgen ihren Wettkampf flott und ohne Hnfall durch. Nach einem frisch-fröhlichen Werbeumzug durch die Stadt marschierten sie in vier Säulen zu den allgemeinen Freiübungen auf, deren schwungvolle Rhythmik unter den Klängen der Musik im strahlenden Sonnenschein des Nachmittags ein überwältigendes Gesamtbild zur Anschauung brachten. Bürgermeister Jockel sprach im Namen der Stadt und der 2. Gauvertreter dankte der Bürgerschaft für die gastfreundliche Zurüstung des Wettkampfes. Ein ©djaaturnen in der Form von Sondervorführungen einzelner Vereine auf der Freibühne des Festplatzes gewährte den zahlreichen Zuschauern außer einer schönen Hnterhaltung auch einen umfassenden Einblick in den Reichtum und die Vielgestaltigkeit des derzeitigen Frauenturnens.
Anschließend geben wir einen Auszug aus der Liste der Siegerinnen:
Turnerinnen, Oberstufe. Zehnkampf: 1. Anni Schön. Mtv. Gießen, 171 Punkte: 2. TM Espach, Mtv. Gießen. 164 P.: 3. Luise Steinel, Mtv. Bad-Nauheim, 159 P., 4. Erna Kreuder, Tv. Grünberg, 134 P.
der so wichtig ist. daß über die letzte Frage: ob Kunst ober Richtkunst, das Gefühl entscheidet."
Gefühlsmäßig erfaßte Mottve wie „Frühling". „Idyll", „ Abendwolke". „Träumerei", „Jugend" und dergl. haben denn auch bei Hofmann immer neue, bis zum Tiefsten dringende, unvergängliche Gestaltungen gefunden. Wer sich einzuleben weiß in die glücklichere Welt, die der Künstler in seinen Werken neu erstehen läßt, dem kann und wird sie ein abgeklärtes Gegengewicht gegen das unfrohe, hadernde Heute fein.
Dieser erhabenen Tendenz der Gemälde, die wohl schon in den meisten führenden Galerien zu finden find, ordnet sich auch das graphische Werk des unermüdlich Tätigen ein. Roch in den letzten Jahren wurde es durch Hinzunahme des — bald meisterlich beherrschten — Holzschnitts zu Steinzeichnung und Radierung beträchtlich erweitert. 'Mappen wie die herrlichen „Tänze", „Rhythmen" sowie manches kostbare und noch immer erstaunlich und erfreulich wohlfeil erhältliche Einzelblatt werden ganz gewiß zu dem gehören, was über die Wirrungen dieser Zeit hinaus Geltung behalten wird. Unb die Bildbeigaben, die Hofmann erst unlängst zur Ilias, zu den „Troerinnen" des Euripides Ibzw. Werfels) und zu Gerhart Hauptmanns „Hirtenlied" veröffentlichte, sind vielversprechende Verheißungen einer reifen, ungebrochenen Schaffenskraft und Schaffensfreudigkeit.
Die Kunst des Gepäckträgers.
Die Gepäckträger haben bei dem Hochbetrieb der Reisezeit viel zu tun und arbeiten im Schweiß ihres Angesichts, aber man beobachtet, daß sie mit den Gepäckstücken nicht grade immer sehr behutsam umgehen und auch nicht immer die besten Methoden des Tragens anwenden. Auch das Tragen von schweren Lasten ist eine Kunst, die studiert und gelernt werden muh, und man kann dabei mancherlei von den primitiven Völkern lernen, die sich noch uralte Erfahrungen zunutze machen. Ein amerikanischer Professor der Columbia-Universität in Reuyork, Dr. I. F. Williams, hat sich viele Jahre mit diesem Ge-
Siebenkampf: 1. Elfriede Münnich, Tv. Gießen 1846, 134 P.: 2. Ria Schwan, Mtv. Gießen. 131 P.: 3. Johanna Kröck, Tv. 1846 Gießen. 126 P.: 4. Grete Birkenstock, Tv. 1846 Gießen, 115 P.: 5. Hermine Schwan. Mtv. Gießen, 114 P.: 7. Sophie Borig, Tv. 1846 Gießen, 112 P.: 10. Elisabeth Eißer, Tv. Hungen, 98 P.: 11. Helene Leinweber, Tv. Treis a. d. Lda., 97 P.
Vierkampf: 1. Else Bickelhaupt, Mtv. Gießen, 83 P.: 2. Friedel Ehren, Tv. Cölbe, 77 P.: 3. Lilli Efpach, Mtv. Gießen, 74 P.; 5. Elisabeth Drechsler. Tv. 1846 Gießen, 69 P.; 9. Ria Schwan. Mtv. Gießen. 65 P.: 11. Charlotte Amend, Mtv. Gießen. 63 P.: 13. Elfriede Erk, Tv. Nidda, 61 P.: 15. Erna Althaus. Mtv. Gießen und Mathilde Hamel, Tv. 1846 Gießen, 59 P., 19. Erna Luh und Anni Schön, Rllv. Gießen, 54 P.: 20. Emmi Heß, Mtv. Gießen, 53 P.
Turnerinnen, Hnterftufe, Zehn- kampf: 1. Charlotte Amend, Mtv. Gießen, 180 P.: 2. Hanni Graf, Tv. Butzbach, 176 P.; 3. Emmi Heß, Mio. Gießen, 175 P.: 7. Berta Eisenbrand. Tv. 1846 Gießen, 159 P.: 10. Emilie Kumpf und Gretel Schwarz, Mtv. Gießen, 156, P.I 13. Gertrud Bock. Tv. Grünberg, 152 P.; 15. Helene Gräser. Tv. 1846 Gießen. 149 P.; 17. Helene Zimmer. Tv. Lich, 143 P.: 18. Mari« Ludwig. Tv. Lich. und Gretel Spengler, Tv. Klein-Linden, 142 P.: 19. Margarethe Keller, Tv. Lich. 141 P: 23. Gertrud Kraft. Tv. Nidda, 137 P.: 24. Iohannette Bender. Tv. Krofdorf, 135 P.: 26. Minna Heller, Tv. Lich, 133 P.:
Siebenkampf: 1. Luise Mohr, 125 P.: 2. Crise Castein, 122 P., 3. Charlotte Mohr, 120 P.. sämtlich vom Tv. 1846 Gießen: 5. Gretel Schön, Tv. 1846 Gießen, 111 P.: 7. Lotte Jockel, Tv. Hungen, 108 P.: 8. Lina Dender, Tv. Hungen, 107 P.: 10. Margarethe Kohlheyer, Tv. Hungen, 101 P.: 11. Mathilde Hamel, Tv. 1846 Gießen, 100 P.: 12. Minna Kreiling, Tv. Heuchelheim, und Gertrud Honau und Elisabeth Boppert, Tv. 1846 Gießen, 99 P., 13. Elisabeth Schmidt, Tv. Grünberg, 98 P.: 14. Elisabeth Euler. 96 P., und 15. Lina Gartenschläger, 95 P., Tv. 1846 Gießen: 16. Margarethe Nuhn, Tv« Treis a. d. Lda., 94 P.
Jugend - Oberstufe, Zehnkampfr 1. Sieg Elisabeth Drechsler, Tv. 1846, 182 P.r 2. Elli Langbein, Tv. Butzbach, 174 P.: 3. Elsa Bickelhaupt. Mtv. Gießen 172 P.: 5. Marta Seifert, Mtv. Gießen 160 P.: 7. Else Klemmrath, Mtv. Gießen. 156 P.: 8. Elisabeth Blum, Mtv. Gießen, 153 P.: 9. Marta Staudigl, Tv* Lich, 150 P.: 10. Mariechen Kretschmar, Mtv. Gießen, 149 P.: 11. Wilhelmine Walz, Tv. Lich. 147 P.: 13. Grete Lang, Mtv. Gießen, 144 P.: 14. Gertrude Berker und Leni Flaack, Mtv« Gießen, 142 P.: 15. Elisabeth Bingmer, Mtv. Gießen, 141 P., 20. Elli Zipp. Tv. 1846 Gießen und Elisabeth Rock, Tv. Grünberg, 132 P.
. Inge nd-Hnter stufe, Zehnkampf: 1. Sieg Marta Becker, Tv. 1346 Gießen, 186 P.; 2. Hansi Stühler, Mtv. Gießen, Elisabeth Langsdorf und Rosa Wolf, Tv. 1860 Bad-Nauheim«' 179 P.: 3. Erna Althaus und Liselotte Hnver- zagt, Mtv. Gießen 177 P.: 4. Elisabeth Leuning und Anni Pfund, Tv. 1846 Gießen und Elfriede Erk, Tv. Nidda 172 P.: 5. Anna Schmidt, Tv. 1846 Gießen, 169 P.: 6. Mariechen Kirschenstein. Tv. Hungen, 168 P.: 7. Erna Braun, Mtv. Gießen, Ria Philipp Tv. 1846 Gießen, Luise Zoll Tv. Nidda, 167 P.: 8. Erna Luh, Mtv. Giehen, 166 P.: 9. Mariechen Liese, Tv. Hungen, 165 P.: 10. Elli Weiß, Mtv. Gießen 164 P.: 12. Elfriede Weller, Tv. Klein-Linden, 162 P.: 13. Mathilde Koch und Marie Weiß, Tv. 1846 Gießen, 161 P.: 14. Leni Schmidt, Tv. Hungen und Greta Walter. Tv. Nidda, 160 P.: 15. Gertrud Gerlach, Tv« Krofdorf und Irmgard Wcrle, Tv. Nidda, 159 P.; 16. Sophie Wagner, Tv. Nidda, 158 P-: 17. Gertrud Schmidt, Tv. 1846 Gießen, Emilie Rinn, Tv. Heuchelheim Else Eckhardt. Tv. Nidda 157 P.: 18. Emmi Malinowski, Tv. Klein-Linden, Kätha Stauf, Tv. Grünberg, 156 P.: 19. Luise Jockel, Tv. Hungen, Else Müller, Tv. Grünberg, Johanna Walter, Tv. Nidda. 155 P.: 20. Emilie Drollsbach, Tv. 1846 Gießen. Frieda Volk, Tv. Klein-Linden, 154 P.: 21. Gertrud Zimmer, Tv« Lich. 153 P.: 22. Netti Dleitgen, Tv. Nidda. Hilde Sühkind, Tv. Krofdorf, Ottilie Hahn und Else Fink, Tv. Klein-Linden. 152 P.: 23. Luise Debus und Else Hamel, Tv. 1346 Gießen, 151 P.; 24. Toni Hardt, Tv. 1816 Gießen, Marwil Peters, Mtv. Gießen, 150 P; 25. Agnes Schneider, Tv. 1846 Gießen, 149 P.: 26. Emilie Schäfer, Tv. Hungen. 148 P.: 27. Anna Mattem, Tv. 1846 Gießen, Gretel Müller Mtv. Gießen, 147 P.;
biet beschäftigt und gibt sehr bedeutsame Fingerzeige. „Der chinesische Kuli", schreibt er, „befördert schwere Lasten, indem er sie auf zwei Gepäckstücke verteilt und sie an den Enden einer lange« Stange befestigt, die er auf den Schultern trägt So kann er die Last am besten verteilen. Auch der moderne Reisende kann sein Gepäck oief leichter selbst befördern, wenn er es anstatt in einen schweren Koffer in zwei leichtere Koffer verteilt. Zum Heben großer Gewichte ist Geschicklichkeit viel wichtiger als Muskelkraft. Man sieht manchmal einen Gepäckträger ohne Schwierigkeiten mit einem Koffer hantieren. der dreimal so schwer ist wie fein Gewicht. Er weiß eben, die richtigen Muskeln dabei in Tätigkeit zu setzen. Die kräftigsten Muskeln an unferm Körper sind die Muskeln des Oberschenkels. Sie sollten beim Heben so viel wie möglich verwendet werden. Auch die Schultern können benutzt werden. Ganz falsch ist es. wenn man sich bückt und die Anmnuskeln, die nur von dem Rücken uitterstützt werden, verwendet. um eine schwere Last zu heben, denn das Gewicht ist bann am Ende eines langen Hebels, der von den Annen gebildet wird. Hm eine Last zu heben, muß man den Rücken ganz grade halten, dann den Gegenstand ergreifen und Heraufziehen. wobei die ganze Hebungsarbeit von den Beinen besorgt wird. Man halte eine Last so eng wie möglich an den Körper. Wenn sie Dom Körper entfernt ist. so muß man nutzlose Mehrarbeit leisten. Ein Handkoffer wird bequemer getragen, wenn man den Arm im Ellbogen beugt, so daß die Muskeln des Hnterarms nicht die ganze Last tragen, sondern die des Oberarms mit teilnehmen. Der erfahrene Gepäckträger strengt niemals seinen Rücken an. weil das keinen Zweck hat: er benutzt stets die Schenkelmuskeln. die dafür am geeignetsten sind." Der Professor faßt feine Studien in folgende Regeln zusammen: „1. Halte das Gepäck beim Heben nahe an den Körper. 2. Benutze hauptsächlich die Dein- unb Schenkelmuskeln. 3. Teile die Last und ba^ lanciere sie aus. 4. Denke daran, daß ein kleiner Fehler beim Heben den ganzen Körper schädigen kann."


