Ausgabe 
1.4.1926
 
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der Zeit aufrichien und seine tapfere Selbst- sicherheit zusammen mit seinem starken Pflichtgefühl zum Muster nehmen, um sich aus der Froschperspektive einer einseitigen Politisierung" herauszuarbeiten, wird Bis­marcks Andenken fruchtbar bleiben für die Fortentwicklung der Nation. Das einzuschärfen mag der 111. Jahrestag des 1. April 1815 eine erneute Gelegenheit bieten.

Aus dem Reichsrat.

Der Reichsrat genehmigt das Finanz- kompromiß und den Etat.

Berlin, 31. März. (TA.) Der Reichsrat hielt am Mittwochabend unter Vorsitz des Finanz­ministers Dr. Reinhold eine öffentliche Voll­sitzung ab. Der Reichsrat erllärte sich mit den Beschlüssen deS Reichstags zum Steuermil­derungsgesetz einverstanden. Die Vertreter Thüringens und Vadens erklärten, daß sie sich bei Vornahme einer namenllichen Abstimmung der Stimmabgabe enthalten haben würden. Dann beschästtgte sich der Reichsrat mit den Beschlüssen des Reichstages zum Stal für 1 92 6. Der Berichterstatter wies darauf hin, daß der Reichs­tag entgegen den von der Reichsregierung und dem Reichsrat aufgestellten Grundsätzen Reueinstellungen von planmäßigen Beamten und Höherstufungen vorge- rwmiften habe. Dieses Vorgehen des Reichstages sei an sich sehr unerwünscht und für die meisten Länder überaus mißlich. 3m Hinblick auf die rechtzeitige Verabschiedung des Etats soll aber von einem Einspruch abgesehen werden. Der Reichsrat genehmigte darauf den Stal nach den Beschlüssen des Reichstages und st r i ch im we­sentlichen nur die eine Million Mark, die im Etat deS InnemninisteriumS zur Unter­stützung kultureller und gemein­nütziger Vereinigungen, insbesondere kirchlicher Vereinigungen, eingesetzt worden waren. Zu der vom Reichsrat beim Etat des Ernährungsministeriums genehmigten Position von dreißig Millionen Mark zur

SfabMifierung der Roggenpreise

gab der Vertreter Preußens eine Erklärung ab, in der bezweifelt wird, daß der Zweck dieser Kreditgewährung, nämlich eine gewisse Stetigkeit der Roggenpreise zu sichern, erreicht werden könne. Das vorgelegte Material der Reichsregie» rung biete nicht die Sicherheit, daß die neue Gesellschaft auch im Interesse der Allgemeinheit handele. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die Regierungen der Lander noch Gelegen­heit zur Stellungnahme gegenüber der Zusam­mensetzung dieser Gesellschaft erhalten. Dieser Er­klärung schlossen sich mehrere wrdere Länder, darunter Sachsen, Baden, Bremen und Hamburg, an. 3m übrigen wurde rein Einspruch erhoben. Auf Antrag der Ausschüsse wurde aber be­schlossen, gegen ben vom Reichstag gleichfalls in seiner letzten Sitzung angenommenen Gesetz­entwurf zur Aenderung des Finanz­ausgleiches Einspruch zu erheben. Mit den übrigen Beschlüssen des Reichstages, dem Gesetz­entwurf über die Mirtschasts-Enauete, der Auf­hebung deS Staatsgerichtshvfes usw. erklärte sich der Reichsrat einverstanden.

Parlamentarisches aus Hessen.

Darmstadt, 31. März. Der Finanz­ausschuß des Hess. Landtags bewilligte in seiner gestrigen Sitzung für den Ausbau des 3ru­ft i tut 5 für Zellulosechemie an der Technischen Hochschule in Darmstadt 40 000 Mk. und für die Wiederherstellungsarbeiten am Mainzer Dom 75 000 Mk. Der Gesetzgebungsaus- schuß des Hess. Landtags beriet gestern eine Reihe von Anträgen, die sich mit der Gemeinde- oronung und dem Besoldungsgesetz der hessischen Gemeindebeamten befaßten. Der Ausschuß über­wies sie der Regierung als Material. Anträge, worin die Regierung ersucht wird, die Gerichts­assesforen aus dem 3ahrgang 1923 noch nach den damaligen Anstellungsgrundsätzen in den Staatsdienst zu übernehmen, wurden angenom­men, und zwar in der Form, daß sie nur für Kriegsteilnehmer gelten sollen.

Dom Arbeitsmarkt in Hessen, Hessen-Nassau und Waldeck.

Das Landesamt für Arbeitsvermittlung teilt uns mit:

Dom 1. bis 15. März ist die Gescuntzahl der Hauptunterstützungsempfänger in Hessen, Hessen-Aassau und Waldeck zum erstenmal seit Mitte 3uli v. 3. wieder etwas zurückgegangen, und zwar von 148 217 auf 147173. An der Senkung sind nicht alle Bezirke beteiligt; int Regierungs-Bezirk Cassel und im Bezirk Wetzlar hat die Arbeitslosigkeit noch zugenommen. Am stärksten sind die Arbeitslosen naturgemäß in den großstädtischen Bezirken zu- sammengeballt. 3m Arbeitsnachweisdezirk C a f - sei wurden 10 761, Frankfurt 18 158,Wies- baden-Stadt 2313, Darmstadt 4569, Offenbach 17 554 und Mainz 11610 Er­werbslose unterstützt, das sind in diesen sechs Bezirken zusammen 64 965 oder 44 v. H aller Hauptunterstützungsempsänger im Landesamts­bezirk. Da sich die Zahl der bei Rotstands- arbeiten beschäftigten Erwerbslosen fast ver- dovpell hat sie stieg von 6606 am 15. Februar auf 12123 am 15. März und die Rotstands- arbeiter, in den Erwerbslosenzahlen nicht ent­halten sind, kann aus dem geringfügigen Rück­gang der Erwerbslosenziffer um nur 0,8 v. H. auf eine beginnende Bei ferung der Wirt­schaftslage nicht geschlossen werden. Die DesserungSerfcheinungen, die sich im Laufe des Monats in den sogenannten Außenberufen zeigten, waren gering und wurden durch die a n» haltend rückläufige Konjunktur, be- foruber6 in der Metallindustrie, wieder aufge­hoben. Aber auch in Bergbau, Lederindustrie, Holzgewerbe, Delleidungsgewerbe und in den Angestelltenberufen stieg die Arbeitslosigkeit gleichfalls weiter an. Die Zahl der arbeitslosen Baufacharbeiter hat sich demgegenüber nur wenig gesenkt; sie beträgt noch immer rund 17 600 gegen 3 600 im März 1925, ein Beweis für das z. Zt. noch fast völlige Darniederliegen der Bautätig- feit, besonders der privaten, aus den schon be­kannten Arsachen.

Ein Mißverständnis.

London, 31. März. (WB.) 3m brittschen Unterhaus fragte Rennte Smith von der Arbeiterpartei, ob Chamberlain im Hinblick auf die Erklärungen der Kommissionen des Völker­

bundes, daß Deutschland feine Ver­tragsverpflichtungenredlicherfüllt hat, und int Hinblick auf die Verpflichtungen des Artikels 431 des Versailler Vertrages, eine Er­klärung über die britische Haltung gegenüber der Frage der Räumung des Rheinlandes abgeben könne. Chamberlain erwiderte, der Fragesteller mißverstehe die Tatsachen. Das Erste Komitee der letzten Völkerbundsversamm­lung habe keine solche CrNärung abgegeben, sondern sich darauf beschränkt, in ilebereinfiim- mung mit § 2 des Artikels 1 der Völkerbunds­satzung die Ansicht auszusprechen, daß Deutsch­land jetzt wirksame Garantien | einer ehrlichen Absicht gebe, seine internationalen Verpflichtungen einzuhalten. Auf den zweiten Teil der Anfrage Smiths erwiderte Chamber­lain, dieser gründe sich auf den ersten; da dieser auf einem 3rrtunt beruhe, so sei der zweite gegenstandslos.-

Keine Teilnahme Rußlands an der Abrüstungskonferenz.

Moskau, 31. März. (TU.) Die Sowjet­regierung hat jetzt auf die Note des General­sekretärs des Völkerbundes eine Antwort erteilt. Sie weigert sich, an der Abrüstungskonferenz teiUu- nehmen. In der Antwortnote teilt Tschitscherin dem Generalsekretär mit, daß die Sowjetregierung die Weigerung, die Abrüstungskonferenz nach einem anderen Ort zu verlegen, als eine englische Intrige auffasse und die Abrüstungskonferenz sabotieren werde. Die Sowjetregierung gedenke nicht, die Entwafffnnng der Roten Armee und Flotte vorzunehmen. Ein gleichlautendes Memorandum ist an die Botschafter Englands, Frankreichs, Italiens und Japans gerichtet worden.

Dor einem Friedensschlutz in Marokko?

Paris, 1. April. (TU.) Am Dienstagabend sand am Quai d'Orsay eine Konferenz statt, der auch Ministerpräsident D r i a n b und der Generalgouverneur von Marokko Steeg bei­wohnten. 3n der Hauptsache würben die Aus­sichten des marokkanischen Frühjahrsfeld- z u g s geprüft. Die französische Regiertmg konnte auf Grund des von Steeg erstatteten Berichts den Eindruck gewinnen, daß die Angriffskraft Abb eI Krims noch ungelähmt ist. Die Möglichkeit eines sofortigen Friedensschlus- s c s mit Abb el Krim, über die Steeg berichtete, würbe ausführlich zur Sprache gebracht. Der Eeneralgouvetneur von Marollo war in der Lage, ein d e t a i l l i e r t e s Friedens a n ge­be t Abb el Krims mitzuteilen, über das zur Zeit noch beraten wird. 3n zuständigen französischen Kreisen wird erklärt, bah ein so­fortiger allgemeiner, nicht nur auf einen Teil der französischen Front beschränkter Waffen­stillstand die Voraussetzung für die Aufnahme der Friedensverhanblungen bilde. Die französische Presse hebt den gegenwärtigen Augenblick als außerordentlich bedeutungsvoll hervor und hält einen Friedensschluh für möglich, jedoch nur, wenn 2Ibb el Krim guten Willen an den Tag lege. Am Quai d'Orsay erllärte gestern der Pressechef beim Empfang französischer 3ouma- listen, daß die Meldung von einer bevorstehen­den Offensive Abb el Krims aus der Luft ge­griffen sei.

Rumäniens neues Kabinett.

Die rumänische Regierungskrise ist nach sehr kurzer Dauer beendet foorben. König Ferdinand hat am Dienstag den General Averescu mit der Regierungsbildung beauftragt unb noch am Abend die eingereichte Ministerliste bestätigt. Dieser Schritt des Königs hat allgemeine Lieber- raschung hervorgerulen, weil man glaubte, nach dem Zusammenschluß bet Rational- unb b er Bauernpartei würden diese als die stärksten Parteien mit der Bildung einer Koa­litionsregierung betraut werben. Beide hatten auch ihre Listen eingereicht unb dem König ge­genüber betont, daß sie im Falle einer Betrau­ung diese Listen vereinigen würden. Wenn der König trotzdem Averescu und damit den Führer der kleinsten für eine Regierungs­bildung in Betracht kommenden Parteien beauf­tragte, so ist dahinter der immer noch starke Einfluß Bratianus zu erblicken, der schon bei seinem Rücktritt dem König eine solche Lö­sung vorgeschlagen hat, nicht allein, weil Ave­rescu in liberalen Kreisen gewisse Sympathieen genießt, sondern weil er in dem General den Mann erblickt, mit dessen Hilfe er seine Macht neu aufrichten kann. Es ist eine merlwürdige Wendung, daß der General, der nach seinem Rücktritt von der Regierung im 3ahre 1922 der erbitterte Gegner und Bekämpser Bratianus war, jetzt allgemein als sein Platzhalter angesehen wird.

Man nimmt an, daß das Kabinett Averescu keinen Systemwechsel bedeutet, daß vielmehr die bisherige Politik beibehalten wird. Wie weit diese Vermutungen sich bestätigen, wird schon die nächste Zeit offenbaren. Aus alle Fälle wird Bratianu alles versuchen, um bei den kommenden Wahlen der Liberalen Partei eine große Mehrheit zu ver­schaffen, die ihm den nötigen Einfluß auf die Politik Averescus sichert. Es ist allerdings zu be­rücksichtigen, daß Averescu im Lande ziemlich be­liebt ist, weil er sich dadurch, daß er als einziger von den rumänischen Generälen im Kriege gut ab­schnitt, eine große Volkstümlichkeit erworben hat. So besteht immer noch die Möglichkeit dafür, daß dadurch die Dolkspartei bei den Wahlen besser ab­schneidet. Auch der Umstand, daß zwei der neuen Minister aus der Nationalpartei stammen und erst bei der Uebernat)me ber Portefeuilles zur Volkspartei übergetreten sind, wird sicher nicht ohne Einfluß bleiben. So wird es schließlich von der Politik des neuen Kabinetts abhängen, wie lange es sich halten kann.

An der Außenpolitik ist schließlich nicht viel zu änberri, weil Rumänien durch feinen Gegensatz zu R u ß l a n b, der sich aus ber bessara- bischen Frage ergibt, außenpolitisch festliegt. An dem Bündnis mit Polen und dem Festhalten an der Kleinen Entente wird sich also nichts ändern. Wohl aber hat es Averescu in der Hand, innenpolitisch Wandel zu schaffen und alle Hoffnungen Bratianus zu vernichten. Daß ein Tell der neuen Minister ans den neuen ru­mänischen Gebieten stammt, läßt vor allen Dingen für die Minderheiten auf eine bessere Zeit hoffen. Die Sympathien, die er sich damit erwirbt, werden nicht wenig dazu beitragen, seine Stellung zu festigen unb wohl auch den Wahlausgang nicht

unvorteilhaft beeinflussen. Das ist um so not­wendiger, als Bratianus letzte Regierungstat darin bestand, ein Wahlrecht zu schaffen, das jede vernünftige Mehrheitsbildung zu unter­binden geeignet ist. Ob der Konflikt in der K ö n i g s f a m i l i e, der mit der Abdankung des Thronfolgers ein vorläufiges Ende gefunden hat, jetzt zu einem Ausgleich führen wird, steht noch dahin. liegt aber im Bereich der Möglichkeit. Die Gerüchte, die darüber in der letzten Zeit in die Öffentlichkeit gedrungen sind, haben sicher ihren Grund nicht allein in dem Rücktritt Bratianus, gegen dessen korrumpierenden Einfluß Cakol an­gekämpft hat, im Kampfe aber unterlegen ist.

Kleine politische Nachrichten.

Der schaumburg-lippesche Landtag ersuchte die Landesregierung, unverzüglich einen Gesetzentwurf für eine Volksabstimmung über die Frage eines Anschlusses Schaumburg°Lippes an Preußen vorzulegen.

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Der griechische Diktator General P a n g a - los hat das Erscheinen der republikanischen ZeitungEl Esteron Vima" verboten unb den Direktor Langrakes verhaften kaffen, weil die Zeitung sich für die Kandidatur des früheren Ministers Demerdjis, des gemeinsamen Kan­didaten aller Parteien, aber des Gegenkandi­daten des Diktators, eingesetzt hatte.

Die neue rumänische Regierung soll fest ent­schlossen sein den Exkronprinzen Carol wieder zurückzuberufen und ihn in seine früheren Rechte einzusehen.

Kunst und Wissenschaft.

Das Flettner-Rotor-SchiffBaden-Taben".

3n Kiel erfolgte auf ber Kruppschen Ger­mania-Werft in Anwesenheit geladener Gäste, darunter des Oberbürgermeisters ber Stadt Baden-Baden, Dr. Fieser, die Umlaufe des Flettnerschen RotorschiffesB u ck a u". Direktor Flettner gab einen Ueberblid über den bis­herigen Verlauf der Erprobungen mit diesem neuartigen Schiffstyp und teilte mit, daß gegen­wärtig ein weit größeres Schiss dieser Art von ca. 3000 Bruttoregistertonnen bei der 21»©. Weser seiner Vollendung entgegensehe. Danach wünschte Oberbürgermeister Dr. Fieser dem im neuen Gewände prangenden Schiss Glück und Erfolg für feine bevorstehende Fahrt über den Atlantischen Ozean zur Ehre und zum Ruhme deutschen Wissens und Könnens. Frau Direktor Flettner taufte hierauf das Schiff auf den RamenBaden-Baden". DieBaden- Baden" geht nach Hamburg, von wo die auf Ersuchen amerikanischer Interessenten geplante Fahrt nach Rord-Amerika antreten wird.

Vertagung des italienischen Philosophenkongresses.

Auf dem italienischen Philosophenkongreß in Mailand, der in den Räumen der dortigen staat­lichen Universität tagt, entspannen sich Streitig­keiten zwischen faszistischen und nicht- so szisti scheu Professoren. Der Rektor der Universität teilte daraufhin dem Kongreß mit, daß er ihm die weitere Benutzung der Universitätsräume entziehen müsse, worauf der Kongreß vertagt wurde.

Line Felsenwohnung entdeckt.

Wie aus Rockenhausen (Pfalz) gemeldet wird, entdeckten bei dem Wegbrechen einer Felsenwand in ungefähr 5 Meter Druchtiefe in einem Stein­bruch in ber Gemarkung Hinterstein ein Stein­brecher unb fein Sohn ein großes schachtartiges Loch, bas in einen 4 Meter hohen und breitem zimmerartigen Raum führte, der zwei verschie­dene Ausgänge hat. lieber bas Altec dieser Erdwohnung sind die Ansichten geteilt; wäh­rend die einen sie aus dem 12. 3ahrhundert datieren, in dem auf ber Burg Montfort Raubritter herrschten unb die damaligen Bewoh­ner dieser Gegend sich Erdwohnungen herrichte­ten, glauben die andern, daß es sich um die Wohnung des Räuberhauptmanns 3ohannesDück- ler handelt, ber unter dem 21 am enSchinder- Hannes" im 18. 3ahrhundert in dieser Gegend sein Unwesen trieb.

Aus aller Welt.

Schweres Autounglück.

Bei Maulbronn in Württemberg er­eignete sich ein schweres Autounglück. Ein von Frankfurt kommendes mit vier Personen be­setztes Auto fuhr auf dem Wege von Maulbronn nach Lienzingen in einer scharfen Kurve i n einen Graben. Der Wagen überschlug sich und die 23jährige Tochter des Besitzers wurde sofort getötet. Vater und Mutter wurden lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus ver­bracht. Der Chauffeur kam mit leichteren Ver­letzungen davon.

Großseuer.

Sn Haßloch (Pfalz) ist die am Bahnhof gelegene Süddeuffche Äiftenfabrif am Sonntagabend bis auf die Umfassungsmauern völlig nieder» gebrannt. Erst gegen 1 Uhr nachts war der Brand gelöscht. Der Schaden wird auf etwa 170 000 Mark geschäht. Die llrfache des Brandes ist noch unbekannt. Durch die Vernichtung der Fabrik werden etwa 50 Arbeiter beschäftigungs­los. Das Feuer hat deshalb einen so großen Umfang angenommen, weil die Gemeinde keine Wasserleitung hat und die Feuerwehren deshalb keine energische Tätigkeit entfalten konnten.

Sechs Personen verbrannt.

Wie dieVoss. Ztg." berichtet, verbrannten in einem Landhaus in der Nähe von Dublin der Besitzer, zwei Brüder, zwei Schwestern sowie ein Diener und ein Dienstmädchen. Man glaubt, daß einer der Brüder den Diener im Streit ge­tötet und dann, um seine Straftat zu verdecken, das Haus angezündet hat, als alle schliefen.

Drei 3tauen verbrannt.

Auf einem Gutshof in Ostpreußen er­eignete sich ein furchtbares Drandunglück. Die Frau eines Gutsbesitzers kam bei dem Versuch, vom Boden ihres brennendenHauses ihre Habe zu retten, um. Zwei Töchter er­litten bei dem Versuch, ihre Mutter zu retten, das gleiche Schicksal.

Reue Schlohbrände in England.

3n England sind wieder zwei alte Schlösser abgebrannt: das Sopworth House in Wilt- fbtre und Schloß Hinwick Hall bei Rusben. Der keinem einzigen Fall von 11 in den letzten vier Monaten ftaltgcfunbenen Schlohbränden konnte die Ursache festgestellt werden. i

Folgenschwerer Leichtsinn.

Wie dieKasseler Post" aus Rinteln meldet, hatte ein unbefanirter Täter etwa 40 Zündkapseln von Stielhandgranaten, die er wahrscheinlich vom Kriege her aufbewahrt hatte, in einer Ausschachtung in der Rähe der hiesigen Glashüttenwerte aus einen Schutthaufen geworfen. Spielende Kinder fanden die Sprengkörper und versuchten sie zu öffnen. Als dabei der 13jährige Sohn eines Glasmachers mit einem Hammer auf eine Sprengkapsel schlug, explodierte sie. Mit schweren Verletzungen an beiden Oberarmen und am Oberkörper mußte er ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Frecher 3utoelenraub.

Mittwochabend erschienen in einem 3uwelen- geschäft, das in einer der beliebtesten Straßen von Paris liegt, zwei Käufer, die sich Schmuck­sachen ansehen wollten. Plötzlich erhob der eine einen Revolver gegen die Verkäufe­rinnen, während ber anbere in aller Ruhe einen großen Ge Idschrank öffnete unb die wertvollsten Stücke an sich nahm. Die über­fallenen Verkäuferinnen wagten nicht um Hilfe zu rufen, da die Räuber allen sofortige Er­schießung angedroht hatten. Rachdem die beiden noch den gesamten Laden einer eingehenden Re­vision unterzogen hatten, entfernten sie ffHf. Der Polizei ist es bisher nicht gelungen, die Ver­brecher festzunehinen.

Ein Juwelenladen am hellichlen Tage ausgeraubt.

Vor einem großen 3uwelengefchäft in ber Church Road in Howe (England), das ber Labeninhaber für kurze Zett geschlossen hatte, um sich zum Frühstück zu begeben, fuhr ein Geschäfts­auto vor. Zwei Männer entfliegen dem Wagen, öffneten die verschlossene Ladentür und räum­te n a 11 e wertvollen Gegen st änbe aus, die sie auf den Wagen luden. Zahlreiche Passan­ten sahen dem Treiben ber beiden Männer zu. ohne zu ahnen, daß es sich um einen frechen Diebstahl handelt. Erst nachdem die Diebe davongefahren waren und die Tür des Laden« offengelassen hatten, wurde das Verbrechen ent­deckt.

Schweres Eisenbahnunglück in Columbien.

Der Schnellzug zwischen Bogota und Jirardot ist mit einem Güterzuge zusammengestoßen, wobei seine beiden ersten Wagen in einen Fluß stürzten. Zehn Personen sind getötet, 20 verletzt worden.

104 Personen unlergegangen.

Der brasilranische DampferPaes be Car- Dalbo" ist auf bem Amazonenstrom in der Rähe von Manos in Brand geraten unb mit 104 Personen an Bord untergegangen.

Ein Arzt von einem Patienten überfallen.

Ein Wiener Arzt wurde in seinem Sprech­zimmer von einem an Paralyse leiden­den Patienten überfallen. Der Pco- tient verletzte den Arzt, mit dessen Behandlung er unzufrieden war, durch mehrere Stiche, dis er ihm mit einem großen Küchenmesser im Ge­sicht beibrachte, schwer.

Ein falscher Arzt.

Vor einem Berliner Schöffengericht stand der falsche Arzt Max Bartet, dem die An­klage zahlreiche Diebstähle medizinischerApPa- rate und Bücher zur Last legt.' Bartel, der einer guten österreichischen Beamtenfamilie entstammt, war während des Krieges wegen verschiedener Diebstähle als Offizier degradiert wor- bert Als er dann in einem Lazarett lag, erwachte in ihm der Drang zur medizinischen Wissenschaft. Da seine 3mmatrikulation we­gen mehrerer erlittener Strafen nicht möglich war, fälschte er Zeugnisse unb auch ein Doktor diplvm, nachdem er sich vorzügliche medizinische Kenntnisse erworben hatte. Zähre- lang war er mit bestem Erfolge in einer Wiener Klinik als A sistenzarzt tätig und später drei 3ahre lang als Sekundärarzt am Rudvl- finenheim in Wien. Wie ber Gerichtsarzt als Sachverständiger erklärte, verfügte der Angeklagte über hervorragende medizinische Kenntnisse. Diele Personen verdanken sei­nem operativen Eingriff das Leben. Der Ange­klagte gestand die ihm zur Last gelegten Dieb­stähle ein und motivierte sie mit feinem unheil­vollen Sammlerdrange. Das Gericht ver­urteilte den Angeklagten zu einem Jahr und einer Woche Gefängnis.

Fahrlässige Tötung.

Das erweiterte Schöffengericht Derlin-Wed» bing verurteilte den Büchsenmacher und Bio- ch em i f e r Otto Schlief wegen fahrlässig er Tötung eines Kinbes infolge seiner Be­handlungsmethode zu drei Monaten Gefäng­nis. Das Urteil nahm an, daß durch das Ver­halten des Angeklagten der Tod des Kindes ver­ursacht worben fei. Bei ber Besichtigung des Kindes, das der Vater auf Veranlassung des Angeklagten ausderCharitö geholt hatte, mußte er die Gefahr erkennen. Rachdem er mit unschädlichen Mitteln bas Kind behandelt hatte, und trotzdem eine Verschlimmerung eingetreten war, hätte er die Pflicht gehabt, das Kind nach ber Charite zurückzuschicken.

Die erste internationale Konferenz der Eisenbahn­beamten.

3n Amsterdam wurde die erste internationale Konferenz ber Eisenbahnbeamten eröffnet. Ver­treten sind die dem 3nternationalen Transport- arbeiteLDcrbanb angcschlo senen Verbände Deutsch­lands, Frankreichs. Englands, 3taliens, Oester­reichs, Hollands. Rorwegens, Schwedens, Polens, Spaniens, der Schweiz, ber Tschechoslowakei sowie die dem 3nternationalen Verband nicht ange­schlossenen Verbände Hollands, Frankreichs und Belgiens. Die dem 3nternationalen Transport- arbe'.teroerbanb angeschlossenen Verbände um­fassen 190 000, die nicht angeschloffenen Verbände 27 000 Beamte.

Der hungerkünsller als Schwerverdiener.

Der in Berlin aufgetretene Hungerkünstler 3 o l l y hat jetzt seine 44tägige Hungerkur ab­geschlossen. Er hat damit ein ausgezeichnetes Geschäft gemacht und braucht, wenn er will, sein ganzes Leben nicht mehr zu hungern, da ihm die 44 Hungertage einen Reingewinn von 130 000 Mk. eingebracht haben.

Wettervoraussage.

Roch vielfach heiter, tags mllde, südliche Winde, ohne Riederschläge von Bedeutung.

Der hohe Druck übet Mitteleuropa hat sich noch verstärkt. Eine atlantische Zyklone zeigt sich bei 3rlam), scheint jedoch zunächst in nordöstlicher Richtung sich auszuwirken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 13,6 Grad Celsius. Minimum: minus 1,1 Grad Cel­sius. Heutige Morgentempera:ur: 0,5 Grad Cel­sius. .