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sich Deutschland überhaupt nicht binden. Es will nicht jetzt, solange es nicht selbst Mitglied des Bölkeichundes ist. sich gegen die Wünsche anderer Mächte, ständige Ratssihe zu bekommen, äußern. Es beachtet aber diese prinzipielle Auffassung Schwedens und die der übrigen kleinen Staaten bezüglich der Zusammensetzung des Rates.

Wie der Vertreter desHamburger Frem- denblattes" in Kopenhagen an amtlicher dänischer Stelle erfährt, lieh sich die dänische Regie­r' ung dem schwedischen Standpunkt, das; auf der Märztagung des Völkerbundes, anläßlich der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund und seines Eintrittes in den Völkerbundsrat, keine weitere Ausdehnung der ständigen Ratssitze statt- finden darf, an.

Auch China gegen weitere Kandidaturen.

London. 28. Febr. (WDD.) Der bisherige stellvertretende chinesische Gesandte in London führte in einer Rede vor der Pvesse u. a. aus, China sei berechtigt, einen ständigen Sih im DölkerbundSrat wegen der großen Zahl seiner Bevölkerung und seiner 5000 Jahre alten Kultur zu beanspruchen. Der Völkerbund dürfe nicht von der europäischen Poli­tik beherrscht werden, er müsse alle Rationen der Welt umfassen. Der Gesandte schloß mit dem Bemerken, er sei von seiner Regierung ange­wiesen worden, nach Genf zu gehen und den chinesischen Anspruch auf einen ständigen Sih im Völkerbundsrat vorzubringen. Wenn aber kein anderer Antrag in Betracht gezogen werde und die Märzversammlung nur die Ausnahme Deutschlands erwäge, so wünsche China nicht den Einklang der Sitzung zu stören und es sei bereit, seinen Anspruch z u - rückzuziehen, vorausgesetzt allerdings, daß die in seiner Stellung begründeten Vorrechte bei der nächsten Wahl der nichtständigen Mitglieder des Rats angemessen anerkannt würden.

Italiens Völkerbundspolitik.

Für Polen, gegen den Anschluß.

Paris, 1. Marz. (Täl.) Auch in Paris steht das Problem der Erweiterung des Völker- bunürats mehr denn je im Vordergrund des öffentlichen Interesses. Die Verschärfung der vor­handenen Gegensätze kommt in der unzweideu­tigen Feststellung der Blatter zum Ausdruck, daß zwei Mächtegruppen einander gegen­überstehen. Für die Zuteilung eines stän­digen Ratssihes an Polen sind nach Behaup­tungen der Pariser Somttagspresse Frankreich, Italien, Spanien, Polen und Brasilien., da­gegen Schweden, Litauen und Dänemark. Un­geklärt sei noch die Haltung von Japan und England. Zu der Haltung Schwedens wird be­merkt, daß es seine Wahl in den Völkerbundsrat dur dem Prestige Driands zu verdanken hatte. Gleichzeittg wird behauptet, Schweden habe ver­absäumt, Rorwegen und Dänemark in der An­gelegenheit der Erweiterung der Ratssihe zu befragen.

DaS rückhaltlos« Eintreten Italiens für Pol«n

bildet noch immer Gegenstand begeisterter Kvm- mBittave, wie überhaupt die Einstellung Italiens gegenüber Polen mehr und mehr als das wich- -igste politische RachkriegsereigniS angesehen wird. In diesem Zusammenhang Wird auch die angebliche Annäherw^ zwischen der Kleinen Entente und Italien viel beachtet. Die Pariser Reise Dintfchitschs, der Montag von Rom L konwMrd. zu Vechandlungen mit Briand hier , o eintrifft, läßt die Vermutung zu. daß gewiffe f zwischen Rom und Belgrad getroffene Abmachun­gen auf Frankreich ausgedehnt werden » sollsw Es handelt sich nach französischen Dlätter- iridbungen um Artikel 80 des Versailler Vertrags bezüglich des Anschlußverbots. DerTemps" spricht sogar von «irret: politischen Reueinstellung Europas.

Sie Annäherung Italiens an Jugoslawien und die damit verbundene Abkehr von einer Po° - litik des Mißtrauens, wie sie bisher befolgt wurde, zeigten deutlich, daß Italien beschlossen habe, systematisch den Kamps gegen den Anschlutzge- danken aufzunehmen. Es unterliege feinem Zwei­fel, daß die Verabredung einer gemeinsamen po­litischen Linie zwischen Italien und Jugoslawien auf die Errichtung einer Schranke ge­gen den deutschen Einfluß in Mittel­europa abzielt. DerTeinvs" schreibt, der Ent­schluß Italiens ^md der Kleinen Entente, unter allen .Umständen gegen die deutsche Vorherr­schaft in Mitteleuropa zu opponieren, sei eine der wichtigsten Garantien für die Aufrechterhaltung der Verträge.

Die Suöetenöeutschen gegen die Sprachenverordnung.

Prag, 1. März. (SIL) Die am Sonntag stattgefundenen Kundgebungen gegen die Spra­chenverordnungen der tschechischen Regierung sind bei sehr großer Beteiligung ruhig verlaufen. In den meisten Versammlungen wurde eine Ent­schließung einstimmig angenommen, in der schärf st er Protest gegen die Sprachenver­ordnungen erhoben wird. Die Entschließung stellt fest, daß die Verordnungen einen Bruch des Rechts und der Verfassung darstellen. Es heißt dann weiter:Wir weigern uns, die Ver­ordnung als gültig anzuerkennen. Einig in dem Willen, das uns angetane Llnrecht mit allen Mitteln zu beseitigen, fordern wir die Volks­vertreter zum rücksichtslosen Kampf in schärf­ster Form auf und geloben ihnen dabei opfer­bereite Gefolgschaft." Die Versammlung in T r a u t e n a u wurde nach kurzer Rede des Bür­germeisters und deutschnattonalen Abgeordneten Siegel vom Regierungsvertreter auf- g e l ö st. Siegel hatte dem Ministerpräsidenten vorgeworfen, in der Sprachenfrage sein Wort gebrochen zu haben.

Auch in Teplitz gestattete sich die Protest­kundgebung der Sudetendeutschen zu einem macht­vollen Bekenntnis für die deutsche Muttersprache. Als der Vorsitzende davon Mitteilung machte, daß die tschechischen Behörden den geplanten Um» zug und daS Singen der LiederSie Wacht am Rhein" undDeutschland, Deutschland über alles" verboten hätten, begann die Menge die beiden Lieder sofort zu singen und eilte a u f die Straße, wo Tausende, die keinen Einlaß mehr gesunden hatten, auf die Beendigung der Versammlung warteten. ES bildete sich ein großer Zug, der zum Marktplatz marschierte, wo der deutschnationale Abgeordnete Kalina

eine Ansprache hielt. Roch bevor er feine Rede beenden konnte, erschien eine starke Gendar­merieabteilung, die mit gefälltem Bajonett auf die Menge eindrang und den Marktplatz räumte.

Aus dem haushaltsausschuh -es Reichstages.

Berlin, 27. Febr. Der Haushaltsausschuß des Reichstages setzte die Beratung des Etats 1926 fort.

Beim Haushalt des Reichsfinanzministeriums be­ginnt die Aussprache beim KapitelBewilligungen aller Art" 3 500 000 Mark (Berfügungs- summe des Reichspräsidenten 2,8 Mill., Unterstützungen an ehemalige Kriegsteilnehmer und ihre Hinterbliebenen 700 000 Mark, sonstige laufende und einmalige Zuwendungen).

Abg. N e u b a u e r (Komm.) ersuchte um voll­ständige Angaben. Ministerialoirekror Lotholz: Aus allgemeinen und etatrechtlichen Gründen könnte er nicht jeden einzelnen Posten aufführen. Der Fonds werde für charitatioe oder allgemeine Wohlfahrts­zwecke verwandt.

Abg. Dr. Fischer-Köln (Dem.): Rur 700 000 Mark bleiben dem Vertreter des Deutschen Reiches zur Erfüllung feiner Rspräfentationspflichten für Zwecke, für die sonst keine Sumen zur Verfügung stehen. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß man in der Oeffentlichkeit möglichst wenig dar­über reden solle.

Abg. Herght (Dn.): Der einfache Anstand müßte uns veranlassen, die Einzelheiten dieser Summe nicht öffentlich zu besprechen. Alle übrigen Staaten, gerade die westlichen Demokratien, bewil­ligten ihren Präsidenten solche Mittel ohne öf­fentliche Besprechungen. Es gehe nicht an, etwa verarmte Witwen angesehener Männer dadurch schwer zu verletzen.

Abg. R o ß m a n n (S.) verlangte völlige Aufklärung, sonst würden seine Freunde den Posten oblehnen.

Reichsfinanzminister Dr. Reinhold: Ich bitte, die Angelegenheit doch nicht zu übertreiben. Wir können nicht dem zustimmen, daß irgendein Grund vorliege, von dem bisherigen Brauch abzuweichen. Diese Prüfung wurde bedeuten, eine besondere N a ch k o n t r o l l e des Fonds des Reichspräsidenten einzuführen, denn dis Kontrolle wird ja durch den Rechnungshof ganz genau geübt. Nach meiner Auf­fassung entspricht es nicht der Würde des Deutschen Reiches, wenn dieser Dispositions­fonds, der nicht über das übliche Maß hinausgehe, in gewisser Weise zu beargwöhnen. (Zustim­mung.)

Abg. Schultz (Dn.) erklärte, daß seine Partei niemals einen Dispositionsfonds beanstandet hat.

Der kommunistische Antrag auf Streichung des Titels wird abgelehnt. Beim Kapitel

Landesfinanzämter entspinnt sich eine Aussprache über die Steuer­hinterziehungen. Steuermoral und Buchtontrolle. Staatss^retär Dr. Popih: In der Frage der Steuermoral denkt der Finanzminister nicht anders als sein Vorgänger. Die Qlotkige der Winzer ist sicherlich außerordentlich groß, aber kleinliche und schikanöse Maßnahmen der Steuer- behörden sind kaum der Grund der dorttgen Er­regung, denn Derncastel gehört zum Rotgebiet. Besondere Steuern können dort kaum die Leute bedrückt haben, Pfändungen sind zur Hebung der Steuermoral nicht zu entbehren. Im übrigen ist aber durch das Vorgehen der Winzer in Derncastel die Dtaatsautorität außer­ordentlich gefährdet. Einer Bevölkerung gegen­über, die ihre Wut an Gebäuden, Akten usnd Beamten ausläht, muß die staatliche Autorität gewahrt werden.

Abg. Dr. Brüning (Z): Wir werden Stellung zu dem Derncasteler Vorgehen nehmen, wenn die genaueren Berichte vorliegen.

Das Bauprogramm der Reichsfinanz­verwaltung sah Reubau von Landesfinanzämtern, Finanzämtern, Aufstockung eines Hauptzollamts­gebäudes usw., insgesamt Ausgaben in Höhe von 91/« Millionen Mark vor. Der Sparausschuh hatte von dieser Summe bereits l1/» Millionen Mark gestrichen. Runmehr wurde die Summe im Haushaltsausschuh durch Annahme folgender Entschließung des Abg. Fischer-Köln (Dem.) um eine weitere Million gekürzt.Die Reichsregierung wird ersucht, bis zur dritten Lesung das Bau- Programm für die Finanzämter einer Nach­prüfung dahin zu unterziehen, daß durch Er­sparnis in der Art der Ausführung höchstens eine Gesamtausaabesumme von sieben Mil­lionen Mark in Betracht kommt." Angenom­men wurde ferner ein Antrag des Abg. Schmidt-Stettin (Dntl.), worin die Reichs­regierung ersucht wird, bei der Reichsabgaben­verwaltung dritte freiwerdende Stellen nicht neu zu besetzen, sondern zur Verfügung des Haus- haltsausschufses zu halten.

Ferner wurde eine Entschließung des Abg. Thomson (Dntl.) angenommen, worin der Wunsch ausgesprochen wird, daß die Deichsregierung durch die älebernahme einer AuSfallbürg- schäft in Hohe von 50 Prozent des Ausfalls bis zum Gesamtbeträge von 10 Millionen Mark für aus langfristige Kredite bezogene Phosphor­säure und Kalidüngemittel, den Bezug dieser Düngemittel erleichtere, wie es auf Beschluß des Hauptausschusses vom 18. Dezember v. Is. für Stickstoff düngemittcl bereits geschehen ist.

Es folgt dann die

Beratung des allgemeinen Pensionsfonds üHer den Abg. Roß mann (D.) Bericht er­stattet. Der Redner führt aus: Der Inhalt des allgemeinen Pensionsfonds habe in letzter Zeit in der Oeffentlichkeit großes Aufsehen erregt. Die Pensionslast belaufe sich auf 1 555 485 000 Mars für 1926. Hierzu tritt eine Pensionslast von 400 Millionen bei der Eisenbahn und von 200 Millionen bei der Post, so daß die Gesamt- pensionslast 2155 000 000 Mark betrögt. Daß diese Zahlen die Oeffentlichkeit erregen und In­halt schwerer Sorgen für jeden Politiker seien, fei verständlich Der Haushalt für 1914 habe nur eine Pensionslast von 145 Millionen aufgewie­sen, das waren reichlich 6 Prozent der damaligen Reichseinnahmen, während jetzt die Pensions­last 42 Prozent der R e i chs ein n ah m en ausmache. Eine Entlastung sei zu betreiben durch die Wiedereinstellung der Wartebe­amten. Seine Partei behalte sick vor, die Frage des Entzugs der Pensionen und ihre Kürzung durch einen Pensionskürzungsprozeß einer er­neuten ernsten Prüfung zu unterziehen.

Abg. Brüninghaus (Dtsch. Bp.) weist es zurück, daß von den Vertretern der Offiziere je behauptet worden sei, die Republik habe sich in Bezug der Pensionszahlungen gegenüber dem Gros der Offiziere nicht üchal erwiesen.

Es entspann sich dann noch eine längere De­batte über den Titel, der die Ehrenzulagen für die Inhaber militärischer Orden und Ehren­zeichen betrifft. Der Titel sieht Ausgaben von 700 000 Mark für diesen Zweck vor. Die Mehr­heit des Ausschusses stellte sich auf den Stand­punkt, daß an den Ehrenzulagen nicht ge­rüttelt werden dürfe. Von feiten der Regie­rung wurde ausdrücklich betont, daß aus diesem Fonds nur solche Personen Ehrenzulagen emp­fangen, und zwar in sehr geringfügigem Maße, die diese Zulagen bisher schon stets erhalten hätten.

Damit war der Etat des Reichsfinanz­ministers sowie der Etat des allgemeinen Pcn° sivnsfonds erledigt und der Ausschuß vertagte sich auf Montag, wo er die Etatsberatung des Ministeriums des Innern beginnen wird.

Kunst und Wissenschaft.

Iahrhundrrtschau der deutschen Malerei in Wien.

Wien, 27. Febr. (WTB) Zur Eröffnung der Iahrhundertschau der öeutfdjen QEalerei in der Wiener Sezession, deren Protektorat Reichs­präsident v. Hindenburg und Bundes- Präsident Hainisch übernommen hatten, er­schienen Bundespräsident Hainisch, AnterrichtSminister S ch n ei d e r, der deutsche Ge­sandte P f e i f f e r, der Generaldirektor der baye­rischen Museen Dornhoefer und viele andere offizielle Persönlichkeiten. Rach der Begrüßungs­ansprache durch den Präsidenten der Wiener Sezession Martin und des Präsidenten der Museumsfreunde Oppenheimer, welche den deutschen Reichsbehörden und den Privatsamm­lungen den Dank für die Heberlaffung zahlreicher Werke ausdrückten, hielt der Bundespräsi­dent eine Ansprache, in der er gleichfalls die Freude aussprach, daß diese Ausstellung das künstlerische Schaffen des stammverwandten Lan­des zeige. Dank gebühre dem Reichspräsi­denten v. Hindenburg für die Llebernahme des Protektorats. Der deutsche Gesandte sprach namens der deutschen Regierung. Ebenso wie der Reichspräsident mit größter Freude diese Ausstellung gefördert habe, so seien die reichsdeutschen Stetten stolz darauf, aus den deutschen Museen deutsche Schätze in einer solchen Perlenkette vorführen zu können, wie es diese Ausstellung zeige. Pfeiffer schloß mit den Worten, daß diese Ausstellung, die zunächst das deutsche Volk angehe, im weiteren Sinne aber für die Versöhnung der Völker und für den Fortschritt wirken möge.

Urzeitliche Aunde in Franken.

Professor Dr. B r o i l i berichtete in der letzten Sitzung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften über einen Fund von Pleuraraums in der Eichstätter Gegeird. E handelt sich um ein fast vollständiges und 1,50 Meter langes Skelett, das in sehr guter Erhaltung den älmriß der Weichteile uiü> große Teile der Körper- und Kopfbeschuppung aufweist. Das Skelett wurde von der Staatssammlung für Paläontologie und Historische Geologie erworben.

Entdeckung einer wertvollen Luther bibel.

In Chemnitz ist eine äußerst kostbare Bibel aufgetaucht. Es handelt sich um ein Exemplar des im Jahre 1534 von Hans Lufft in Witten­berg gedruckten Alten Testamentes, in dem sich einige von Luthers eigener Hand geschriebene Anmerkungen befinden. Auch hat Luther auf dem Respektsblatt vom Jahre 1543 eine Ein­tragung niedergeschrieben.

Studentenaustausch mit Holland.

Als Ergebnis der seinerzeit zwischen dem Aus- lanbamt der Deutschen Studentenschaft und den hol­ländischen Studentenorganisationen über einen gegenseitigen Austausch von Studenten geführten Verhandlungen sind in .Holland 31 Studenten ver­schiedener deutscher Hochschulen eingetroffen, die auf die Universitäten Amsterdam, Delft, Groningen, Leyden und Utrecht verteilt werden und zwei Wo­chen lang Gäste der holländischen Stu­denten sein werden.

Derwaltungsakademie Köln.

Es ist geplant, in Verbindung mit der Uni» t>ctf ität Köln eine Verwaltungsaka- dernie zur Fortbildung von Der waltun gsbeam- ten einzurichten. Der Rektor der > Universität Köln. Pros. Sticr-Somlo. erklärte sich be­reit, die Angelegenheit nach Möglichkeit zu för­dern. Der Generalsekretär des Deutschen Beam- tenbundes (Landesverband Rheinland), Ger­des, bemüht sich ebenfalls um das Zustande­kommen dieser Einrichtung.

Lin Heidelberger Ehrendoktor.

Der Geologe Geh. Rat Professor Dr. Wilhelm v. Branca in München ist aus Anlaß feines goldenen Doktorjubiläums von der Universität Hei­delberg zum Ehrendoktor ernannt worden.

Ein Studentenwohnheim in Heidelberg.

Die Heidelberger Studentenhilfe hat das Hotel Zum goldenen Roß am Heumarkt zwecks Er­richtung eines Studentenheims angekauft. Es sollen vorläufig 1520 Zimmer, später durch Ausbau wei­tere 1015 Zimmer Benutzung genommen werden.

Rücktritt des Professors Theodor Lurtius.

WSR. Heidelberg, 27. Febr. Mit Se­mesterschluß ttitt Geheimrat Prof. Theodor Cur- tius von der Direktion des Chemischen Instituts der Universität Heidel­berg, die er 28 Jahre innegehabt hatte, zurück. Die Praktikanten des Instituts, berten sich zahl­reiche frühere Schüler angeschlossen hatten, brach­ten ihrem Lehrer einen Fackelzug, woran sich ein Kommers anschloh

Aus aller Wett.

Verhaftung des Loudgerichtsdirektors Jürgens.

Gegen den Landgerichtsdirektor Jürgens vom Berliner Landgericht 3, der gleichzeitig Unter­suchungsrichter beim Staatsgerichtshos zum Schuhe der Republik ist, sowie gegen seine Ehefrau ist auf Veranlassung der Oberstaatsanwaltschaft in Stargard (in Pommern) ein Ermittlungs­verfahren wegen Betruges in zahlrei­chen Fällen eingeleitet worden, das jetzt dahin geführt hat, daß die Stargarder Oberstaatsan­waltschaft Haftbefehl gegen das Ehepaar erlassen hat. Frau Jürgens wurde in der Berli­ner Wohnung. Landgerichtsdirektor Jürgens in Kassel verhaftet und nach Berlin transportiert. Jürgens und Frau leugnen nach wie vor jek>3 Schuld. Die Kriminalpolizei will festgestellt haben, daß die beiden Einbrüche fingiert gewesen seien, allerdings von der Frau Jürgens, wäh­rend ihr Mamr erst später von ihr verständig­worden fei.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 1. März 1926.

Der Volkstrauertag.

Ein trüber, regnerischer Tag. Emst gestimmt wie olle nicht an der Oberfläche des Lebens haftenden Menschen, war auch die Natur an diesem Volks- trauerlag um unsere gefallenen Krie - g e x. In den Straßen der Stadl hingen die Fahnen auf Halbmast, an ollen öffentlichen Gebäuden, aber auch an zahlreichen Privothöusem. Kein Flattern der Fahnen, ruhig, unbeweglich hingen sic regen- schwer herab. Auf dem Friedhof hatte man die Krie­gergräber schon am Samstag würdig geschmückt.

Zn den Gottesdiensten wurde der gefalle­nen Brüder im Gebet und in der Predigt gedacht, und den Gläubigen wurde dabei die Größe und der Sinn dieses Opfers unserer Besten flar vor die Seele gestellt. In der Mittagsstunde erklang von den Türmen der Gotteshäuser eine Viertelstunde lang feierliches Trauergeläute.

Nach dem Vormittagsgottesdienst sand in der Neuen Aula der Universität, auf Anladung der hie­sigen Ortsgruppe des Bolksbundes Mütsche Kriegs- gräberfürforge, eine ergreifende Gedenkfeier zu Ehren unserer gefallenen Krieger statt. Die Anteilnahme unserer Mitbürger an dieser Sejer befunbete sich so stark, daß die Aula in kurzer Zeit überfüllt rpar. Die Behörden und die Garnison waren durch ihre obersten Dienststellen vertreten, von der Bürgerschaft sah man Angehörige aller Schichten zugegen. So wurde diese Feier zu einer Einigung aller im Gedenken an unsere teuren Toten. Die Kapelle des 1. (Hess.) Grenadler-Batls. 15. Inf.-Regts. unter der Leitung von Oberwusik- meister L ö b e r eröffnete die Gedenkstunde mit den feierlichen Klängen von E. EulesDes deutschen Kriegers Traum vor der Schlacht". Darauf sprach Schauspieler und Spielleiter Karl D o I ck vom Stadttheater zwei Dichtungen von Rudolf Presber (Vermißt" undDer junge Held"). Die Arien von I. S. BachSeufzer, Tränen, Kummer, Not" und von G. F. HändelIch weiß, daß mein Erlöser lebt", gelungen von Rosemarie Nölke - Marburg und auf der Orgel begleitet von Organist Simon von hier, leiteten über zu der Gedenk­rede, die Studienrat Lic. Dr. Adolph hielt. Seine Ansprache, die in ihrer schlichten Eindringlich­keit und gedankenreichen Tiefe ans Herz griff, lenkte den Blick hinaus zu den vielen, vielen Gräbern unserer Brüder in West, Ost und Süd, machte bei Frontsoldaten auch Erinnerungen lebendig an gute Kameraden, denen es nicht vergönnt war, die Heimat wiederzusehen, deren Andenken aber in dem Herzen des heimgekehrten Gefährten aus taufenden Ge­fahren und Schwierigkeiten des Kriegslebens fort- leben wird; die Ansprache schärfte aber auch den Blick und das Gewissen für die großen Aufgaben des Heute und der Zukunft, deren Erfüllung die ge­fallenen Brüder uns zu treuen Händen übertragen hoben, und deren mir uns werk erweisen müssen. Allen Menschen, die den Krieg draußen und daheim körperlich und seelisch schwer empfunden haben und dennoch starken Herzens und Willens geblieben sind, sprach der Redner aus der Seele, als er u. a. sagte:Der Volkstrauertag ist ein Taa schmerzlichen Gedenkens. In das Leid um die Gefallenen mischt sich das Weh darüber, daß ihr Opfer scheinbar um­sonst war. Dieser niederdrückende Gedanke darf nicht der letzte sein. Wir müssen versuchen, dem Sterben unsrer Besten einen Sinn obzugewinnen. Diesen Sinn finden wir in der Idee der lebendigen, burd) die Geschichte hindurchgreifenden Bolkseinhcit, in der nichts verloren ist. Die Todessaat unserer Bruder ist Saat auf Ernte. Ihr Opfer ist ein Quell der Kraft. Ihr Blut spricht vernehmlich zu unserem Herzen und mahnt uns zur Einheit, zur Werkgemeinschaft und schicksals- be wußten Entschlossenheit. Dos Werk, dos den Händen der Toten entsank wir müssen es weiterführen. Es gilt zu bauen am Haus des deutschen Volkes, daß deutsche Menschen frei und glücklich wohnen, daß insbesondere auch die Hin­terbliebenen der Gefallenen und die Kriegsopfer etwas empfinden vom Donk des Vaterlandes. So soll der Klage ihr Recht gehören, aber auch den, burd) ben Schmerz geläuterten, burch Ehrfurcht ge­heiligten, burd) Opfersinn beschwingten Willen. Wir grüßen unsere Toten in unauslöschlichem Dank und dem Gelöbnis, ihrer wert zu fein."

®. F. HändelsLargo", gespielt von der Militär­kapelle, bildete ben feierlichen Ausklang her Ge­denk- und Dankesfeier, die durch ihre Zusammen­fassung oller Einwohnerkreise unserem Volkstrauer- tag ein würdiges, eindrucksvolles Gepräge gab.

Wettervoraussage.

Rebelbildung, sonst durchweg trocken, tags­über wolkig mit Aufklaren, nördliche bis west­liche Winde, nachts Temperaturen nahe Rull.

Rach dem östlichen Weiterziehen des gestri­gen Regengebietes tritt bei uns Aufbessrung ein, die auch morgen noch anhült, da von Süd­westen her ein Steiggebiet nach Mitteleuropa vordringt und die im Rordmeer liegenden Stö­rungen sich zunächst in Rordcuropa auswirken.

Gestrige Tagestemperaturen. Maximum 9,4 Grad C., Minimum 4.5 Grad C., Riederschläge 2,8 Millimeter. Heutige Movgentemperatur 5,8 Grad Celsius.

Für Oberschlesten.

Eine würdige Kundgebung für Oberschlesien im Hinblick auf den bevorstehenden fünften Jahrestag der Abstimmung fand am Freitagavend auf Ein­ladung der Universität in der Neuen Aula statt. Unsere Landesuniversität stellte sich mit dieser Ber onftaltung in eine Reihe mit den anderen deutschen Hochschulen, die aus Anlaß dieses Jahrestages gleichsalls für Oberfchlesien eintreten.

Nach einem Musikoortrag begrüßte Se. Magni iizenz ber Rektor, Professor Dr. Bürker, bic Versammlung und erinnerte an das schändliche Un­recht, bas dem deutschen Oberschlesien und dem ge­samten deutschen Vaterlande durch die berüchtigte Völkerbundsentscheidung über Oberschlesien zugefügt wurde, gedachte aber auch des heldenmütigen Ein­tretens ber beutfchen okabemifchen Jugend für dies Stück deutsche Erde, wobei unsere Jungmannsd)aft auf dem Annaberg in hartem Ringen das polnische Raubgesindel mit blutigen Köpfen heimschickte.

Darauf sprach Gymnafialdirertor a. D. Dr. Va rges, jetzt Privatdozent an unserer Landes- Universität. Der Redner, der lange Zeit in Schlesien gelebt hat und die dortigen Verhältnisse genau kennt, erinnerte einleitend daran, daß die Bevölkerung Oberschlesiens am 20. März 1921 mit gewaltiger Mehrheit ihren Witten kundge- geben hat, beim Deutschen Vaterlande zu ver­bleiben, trotzdem aber sprach der Völkerbund am 10. Oktober 1921 den größten Teil des Industrie­gebietes den Polen zu. In einem eingehenden Rückblick auf die Geschichte Oberschlesiens er­brachte der Vortragende den Beweis, daß Ober­schlesien altes deutsches Kulturland ist, daß es

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