Nr. 50 Erstes Blatt
176. Jahrgang
Montag, März 1926
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
vruck und Verlag: vrübl'sche Univerfilätr-Buch- und Zteindruckerel 8. Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7.
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Der Bolkstrauertag
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3n Hamburg sind auf den öffentlichen und privaten Gebäuden, sowie auf den Schiffen im Hafen die Fahnen halbmast gehißt. Reben den vom Dolksbund der deutschen Kriegs- gräberfürsorge vorgesehenen Veranstaltungen hielten auch eine grohe Anzahl anderer Vereinigungen Gedächtnisfeiern ab. Am Vormittag fanden feierliche Gottesdienste in allen Kirchen statt. Um die Mittagszeit liehen die Glocken sämtlicher Kirchen ihre ehere Stimme
erschallen. Auf dem Ohlsdvrfer Friedhof, der von vielen Lausenden besucht war, fand
letzte Mahnung der Gefallenen: Ohne Buße, Läuterung und Selbstbestimmung kein Dorwärtsschreiten und keine Auferstehung. Wenn die innere Läuterung unseres Volkes begonnen hat, erst dann haben wir den wahren ersten Volkstrauertag, und erst dann, deutsches Volk, bist du deiner Toten würdig!
Nach abermaligem Chorgesang und nach Darbietungen des Sprechchors der Universität Berlin intonierte der Kosleckfche Bläserbund, während sich die Versammelten zu Ehren der Toten erhoben, einen Trauermarsch, der unter dem Zusammenschlagen der Rapiere und dem Senken der umflorten Banner in das Lied vom guten Kameraden ausklang. Die würdig verlaufene Feier hatte damit ihr Ende erreicht.
Eine Trauerfeier der Reichswehr
Sonntag vormittag fand in der Berliner G a r n i s o n k i rch e ein Trauergottesdienst für die Gefallenen des Weltkrieges statt, an dem Reichswehrminister Gehler, Generaloberst von S e e ck t, Admiral Zenker, der Kommandant von Berlin, Generalmajor Severin mit ihren Stäben teilnahmen. Wehrkreispfarrer Z r m e r ermahnte die Reichswehr, den Geist der Gefallenen in sich zu tragen und sein Hüter zu sein.
Die Helden-Ehrungen im Reich.
3n Köln begab sich Oberbürgermeister Dr. Adenauer in Begleitung des Beigeordnete nkollegiums nach Melaten und legte dort auf dem Ehrenfriedhof zum Gedächtnis der Gefallenen Kränze nieder. Eine eindrucksvolle Gedächtnisfeier fand mittags im Guerzenich statt. Die öffentlichen und privaten Gebäude hatten die Flaggen auf Halbmast gefetzt.
eine würdige Gedächtnisfeier statt.
Der Dolkstrauertag im Saargebiet.
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London, 23. Febr. (WB.) Die Frage der Vermehrung der ständigen Sitze im Völkerbunds- rat nimmt in der Presse weiterhin den ersten Platz ein. Die Blätter sprechen von einer Krisis. „Observer" schreibt: Es ist für das Kabinett Baldwin der ernsteste Augenblick seit seinem Bestehen. Zwischen Chamberlain und der Mehrheit des Kabinetts besteht eine moralische Krisis, die fast einer praktischen Krisis gleichkommt. Der Ministerpräsident und Chamberlain stimmen in dieser Frage nicht überein. DaS Land verlangt, daß die Locarnopolitik fortgesetzt und dah Deutschland zu allererst im Rat aufgenommen wird, sowie dah die anderen Länder ihre Ansprüche vertagen müssen. Chamberlain hat sich bei seiner.Durchreise durch Paris zu sehr mit Ansichten eingelassen, welche die englische öffentliche Meinung sowie die Do- minions entschlossen verwerfen. Er will Deutschland versöhnen, ohne Frankreich zu verstimmen. Wenn er am nächsten Sonntag vor der formellen Eröffnung der Bölkerbundsverhand- lungen in Genf mit den deutschen Delegierten zusammentreffen wird, wird er alle Karten auf den Tisch legen.
Polens Aufnahme in den Völkerbundsrat würde in Deutschland als ein Schlag ins Gesicht, vor allem nach dem Trank aus dem Liebesbecher in Guildhall, empfunden werden.
Niemals habe eine größere Uebereinstimmung in der britischen öffentlichen Meinung bestanden, als in dieser Frage. Vierhundert Parlamentsmitglieder und die gesamte Presse verlangten den energischsten Widerstand.
Die „Sunday Times" erfährt, daß der M i - nisterpräsident im Parlament eine Erklärung abgeben wird, in der er die Gerüchte über eine Kabinettskrise zurückweisen wird. Chamberlain ist der Ansicht, daß seine Rede in Birmingham mißverstanden wurde. Am Mittwoch wird wahrscheinlich über diese Frage ein Kabinettsbeschluß gefaßt werden. Aber es kann von vornherein angenommen werden, daß, wahrend die Regierung das Prinzip aufrechterhalten wird, daß Polen wie jedes andere Land berechtigt fei, einen Anspruch auf einen ständigen Ratssitz vorzubringen, kein Anspruch nur unter der Begründung, daß Deutschland einen Sitz erhalte, angenommen werden kattn. Der „Slinday Expreß" schreibt,
es bestehe kein Zweifel mehr, dah der Völkerbund einer Spaltung zwischen dem lateinischen Block und den nordeuropäischen Nationen einschließlich der britischen Dominions gegen- übersiehk.
Es widerspricht dem Fair play, daß der Völker- bundsrat plötzlich geändert wird. Es ist deshalb unbedingte Pflicht der britischen Politik, dafür zu sorgen, daß die in Locarno eingegangenen Verpflichtungen bis auf den Buchstaben erfüllt werden.
Der Genfer Berichterstatter der „Morning Post" erklärt, in Genf werde ein zweites Locarno abgehalten werden müssen, damit vor der Sondertagung der Völkerbundsversammlung sowie des Rates eine Vereinbarung erzielt werden könne, bevor Deutschlands Antrag formell vorgelegt wird. Es fei die Ansicht der Völkerbundskreise, daß der Vorschlag, Spanien, Brasilien und Polen jel^ Sitze zu gewähren, augenblicklich ganz von S t r e s e - mann und Luther abhänge. Es verlaute jedoch von maßgebender französischer Seite, daß B r i a n d auf seinen Forderungen nach einem Sitz für Polen und Spanien nicht bestehen werde, wenn Stresemann fest bleibe. — „Daily News" schreibt, die Gewährung eines ständigen Ratssitzes an Brasilien oder Polen komme nicht mehr ernstlich in Frage. Polen werde fast sicher mit der Zustimmung der englischen Regierung und des englischen Volkes einen nichtständigen Sitz erhalten. Der Anspruch Spaniens, eine Großmacht zu fein, könne nicht ernstlich erörtert werden: es sei jedoch kaum zu befürchten, daß Spanien gegen Deutschland stimme, da es immer versprochen habe, seine Stimme für Deutschland abzugeben.
Spaniens Ansprüche.
Madrid, 28. Febr. (Agentur Fabra.) Unter dem Vorsitz des Grafen Romanones fand in der Königlichen Akademie für Rechtswisienschaft eine von
3n Berlin.
Berlin. 28. Febr. Der heutige Volks» trauertag-wurde fasst im ganzen Reich durch würdige Feiern begangen. Zn D e r I i n fanden allein sieben Tvauerfeiern jum Gedächtnis der Gefallenen und des Weltkrieges statt, und zwar im Reichstag, im Großen Schauspielhaus, im Berliner Kvnzerthaus, in der Hochschule für Musik, in der Stadthalle, im Lehrervereinshaus und in den Kammersälen. Alle öffentlichen Gebäude und Zahlreiche Privathäuser hatten halbmast geflaggt. Der Plenarsihungssaal des Reichstags, in dem sich die Spitzen der Behörden zu der Trauerfeier versammelten, hatte würdigen Trauerschmuck erhalten. Die ganze Stirnwand des Saales war mit einer schwarzen Draperie verkleidet. Zu beiden Seiten des Präsidentensitzes brannten auf schwarz behangenem Postament sechs Riesenkerzen. Auch die Galerien waren schwarz drapiert. Auf der Regierungsestrade sah man
Annahme von Lnzrtarn für die lagtsnummtr ois zum Nachmittag vorher.
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Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen.
aus der Erinnerung an bie überwältigenden Beweise menschlicher Tatkraft und Selbstaufopferung ungezählter Millioneir für ihre Mitwerlt. Die ungezählter Millionen für ihre Mitwelt. Dis Erinnerung an sie erscheint mir als eine dev wertvollsten Kraftcsucllcn zur Selbstbehauptung unseres Volkes und seines Aufstieges in eine lichtere Zukunft.
Dr. Frank,
Gesandter der Republik Oesterreich.
An dem Gedenktage der Toten, die als Opfer des großen Krieges gefallen sind, wollen wir, in weihevoller Erinnerung an ihr gewaltsam unterbrochenes Leben, uns dem Gedanken zuwenden, dah in Zukunft die Gegensätze zwischen den Völkern einen anderen Weg zur Schlichtung finden möchten.
Dr. M. P o p o f f,
Kgl. Bulgarischer Gesandter.
Möge das Volk sich stets bewußt sein, was diese Helden für ihr Vaterland geleistet haben und möge es ihnen ein treues und dankbares Andenken bewahren.
Kemal eddiir Sami, Pascha.
Botschafter der Republik Türkei.
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meine Volkstrauertag wurde auch im Saargebiet feierlichst begangen. Von zahlreichen Gebäuden wehten die Flaggen in den Landes- und Reichsfarben halbmast; jede Lustbarkeit, auch in den Theatern und Kinos, war verboten. Auf den verschiedenen Friedhöfen fanden am Nachmittag Gedenkfeiern statt, die allerdings zum Teil unter der Ungunst der Witterung stark zu leiden hatten. Die größte dieser Feiern wurde auf dem Ehrenfriedhof und im Ehrental abgehalten, wo die Toten des Krieges von 1870, Deutsche und Franzosen, begraoen liegen. Hierher hatte auch die Regierungskornmis- f i o n ihren Vertreter entsandt, das saarländische Mitglied der Regierungskommission, K o ß m a n n, und die Regierungsdirektoren Court illet und Heim bürge r. Mit zahllosen Fahnen hatten sich die Militärvereine, Turn- und Gesangvereine ein- gefunden, und eine unübersehbare Menge füllte den Friedhof und die Zugangsstraßen. Geistliche aller Konfessionen wiesen auf die Bedeutung des Tages hin. Massenchöre umrahmten die Reden.
Am Grabe des Reichspräsidenten Ebert.
Am Gr:abe des Reichspräsidenten Ebert auf dem Bergfriedhof bei Heidelberg wurden bereits Sonntag vormittag zahlreiche Kränze niedergelegt, darunter der große Lorbeerkranz der.Reichsregierung mit einer Schleife in den Reichsfarben. Des weiteren Kränze der preußischen, der hessischen und der badischen Regierung, der Stadt Heidelberg und anderer. Am Rachmittag fand auf dem Derg- friedhof eine Gedächtnisfeier statt.
Das Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges.
Berlin, 27. Febr. CSil.) Der „Berliner Lokancrnzeiger" veröffentlicht das Ergebnis einer Rundfrage, ob als Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges die Schinkelschc Hauptwach e in Berlin ausgebaut, oder ein Ehren- hain etwa in Thüringen, in Frage kommen soll. Generalfeldmarschall von Mackensen hält beide Gedanken für gut, während Generaloberst von K l u ck sich für einen Hain entscheidet. Admiral von Schröder, Vorsitzender des R. D. O, wünscht einen Platz in der Rahe des Kyfthäuser-Denkmals. Für einen Platz im Herzen Deutschlands setzen sich auch Generalleutnant von Cramon, Vorsitzender des Landesverbandes des Reichskrieg er- bundes und der Stahlhelm-Führer Seldte ein, während General von Hutier, Vorsitzender des Deutschen Offizier-Bundes, sowie Professor Eicken der Schinkelschen Hauptwache den Vorzug geben. Professor Hans P v l z i g hält beide Vorschläge für nicht glücklich und schlägt die Errichtung einer deutschen Olympia vor. Don anderen namhaften Architekten ist der Düssel-
der spanischen Vereinigung für den Völkerbund veranstaltete Kundgebung statt. In der Eröffnungsansprache gab Romanones der einmütigen Auffassung aller Spanier darüber Ausdruck, daß der jetzige Anlaß außerordentlich geeignet fei, eine endgültige Klärung der Stellung Spaniens zum Völkerbund her- beizuführen. Romanones erklärte, die Wünsche Spaniens feien so heiß, daß ihre Nichterfüllung zu der Erwägung veranlassen könnte, ob die nationale Würde das Verbleiben Spaniens im Völker b u n do zulaffen würde. Unioerfitätsprofesfor Gascon betonte, Spanien fei das erste Land gewesen, das sich zu dem Grundgedanken der Völker- bundssatzung oekannt wurde. Die Dankbarkeit aller • Staaten habe sich in der sechsmaligen Wiederwahl ,,'. eines Spaniers zum Ratsmitglied bewiesen, und flm damit einen gewohnheitsmäßigen Zustand geschaffen Spanien sei der erste Staat gewesen, der aus dem Geist der Völkerbundssatzung heraus bei den Äor-^ arbeiten zum Genfer Protokoll die Definition dec* Angreifers im Konfliktsfall beantragt habe.
Der frühere Außenminister und Botschafter Perez Caballero bezeichnete es als eine Notwen, digkeit, daß die Organe des Völkerbundes mit der ständigen Mitarbeit Spaniens rechnen können, weil ’6 sie nur so angesichts der Ziele des Völkerbundsrotes y ihren Aufgaben gerecht werden können. Mit Rücksicht auf die außergewöhnliche Stellung Spaniens und die Schwierigkeiten, ein vollkommen neutrales und über den Gegensätzen der verschiedenen europäischen Mächtegruppen stehendes Land zu finden, das noch dazu durch seine Rasse als Vertreter einer großen Anzahl von Ländern der gleichen Sprache auftreten kann, fei es nicht am Platze, Spanien möglicherweise in diesem Augenblick zum Verlassen des Rates zu zwingen und vielleicht dazu zu veranlassen, sich von der Mitarbeit am Werke des Völkerbundes zurückzuziehen, der gerade jetzt eines Höchstmaßes von Autorität bedürfe.
Schwedens Nein.
(Sine Demarche der schwedischen Regierung.
Stockholm, 27. Febr. Wie der Berliner Vertreter des Svenska Dagbladet meldet, hat eine maßgebende deutsche Persönlichkeit vor ausländischen Pressevertretern in Berlin eine ausführliche Darlegung der jetzigen Lage der Angelegenheit der Erweiterung des Völkerbundsrates gegeben und dabei die entscheidende Rolle Schwedens in den diplomatischen Verhandlungen besonders hervorgehoben. Die schwedische Regierung, äußerte diese deutsche Persönlichkeit, hat alle in dieser Angelegenheit interessierten Mächte benachrichtigt, daß der Vertreter Schwedens im Völkerbundsrat in der Märztagung unter allen Umständen gegen jeden Antrag auf Erweiterung des Völkerbundsrates über den deutschen Rc.tssih hinaus stimmen werde. Dadurch sind all» Derartigen Wünsche anderer Mächte zum Scheitern verurteilt, da die Einstimmigkeit im Rate notwendig ist. Die schwedische Regierung hat auch mit größter Bestimmtheit hervorgehoben, daß ihr Vorgehen von schwerwiegenden prinzipiellen ®rün- den und von den eigenen Interessen Schwedens diktiert wird. Schweden hat selbst die deutsch; Regierung von seiner Auffassung benachrichtigt.
Auf eine Anfrage, wie
Deutschland sich nach seinem Eintritt in den Völkerbund und in den Völkerbundsrat zu dem prinzipiellen schwedischen Standpunkt stellen werde, erklärte Der erwähnte Deutsche Politiker, dah man, falls Die Ratsfrage später beispielsweise in dec ordentlichen Dölkerbundsversammlung im Herbst wieder zur Debatte gestellt werde, sie gründlichst und sachlich prüfen müssen ohne vorgefaßte Meinung. Ich habe allerdings Den Eindruck, erklärte der deutsche Gewährsmann, daß der Standpunkt der schwedischen Regierung auf einem sehr richtig en psychologischen Instinkt basiert. Ich will jedoch nicht unterlassen, hervorzuheben, dah die Forderung Spaniens auf einen ständigen! Sih im Rate einigermaßen eine Sonder st el» lung einnimmt, da Spanien seit jeher als Großmacht betrachtet wird und Botschafter entfenDdl und empfängt. In bezug auf Die Zukunft will
Dörfer Professor Wilhelm Kreis für die Schin- kelsche Hauptwache, Der 'Berliner Professor Mak- k o w s k h für einen Gedächtnishain in Mitteldeutschland.
Unsere ehemaligen Verbündeten;um volkttauertag
Die Schnellebigkeit unseres Zeitalters bringt es mit sich, daß selbst Die stärksten Erlebnisse Dem Bewußtsein Der Allgemeinheit rascher entschwinden, als man es unter ihrer unmittelbaren Einwirkung für möglich hält. Die Schauer des Weltkrieges stehen heute nur noch als Düstere Schatten am fernen Horizont, während unsere Blicke nach Der entgegengesetzten Richtung geöffnet sind. Der Zukunft entgegen. UnD dies Schauen in Die Zukunft ist auch notwendig, denn es bringt Dia Hoffnung, Die Mutter alles Wirkens, in die Seele. Doch zum Werk gehört Die Kraft, und diese Kraft wird geschöpft aus dem Blick in Die Vergangenheit für Die Menschen unseres Zeitalters
daS Reichskabinett
fast vollständig mit Reichskanzler Dr. Luther und Reichsauhenminister Dr. Stresemann an Der Spitze, ferner Die Vertreter Der Länder. Auf Der Reichsratsestrade hatten Die Delegierten Der verschieDenen kirchlichen Gemeinden urtD konfessionellen Organisationen Platz genommen, unter ihnen im Ornat der sürstbischöfliche Delegat, Weihbischof Seltner. Hinter Den Estraden und zu beiden Seiten der Rednertribünen hatten Die Chargierten Der Studentenschaft in Wichs und mit umflorten Bannern Aufstellung genommen. Im Saale selbst, Der bis auf Den letzten Platz gefüllt war, sah man zahlreiche Parlamentarier aller Parteien, Die Vertreter Der verschiedensten Organisationen und Verbände. Punkt 12 ssühr betrat
Reichspräsident von Hindenburg, geleitet von Den Vizepräsidenten Des Reichstags Geheimrat Ri eß er und Dr. Bell, in Begleitung Des Reichswehrministers Dr. G e fr» l c r, des Generalobersten v. S e e ck t, Des Admirals Zenker und des Staatssekretärs Dr. Meißner sowie des Vorstandes des Dolks- bundes Deutsche Kriegsgräberfürsvrge die Chren- loge, von den Versammelten durch Erheben von den Sitzen begrüßt. Dann ertönte Händel Trauermarsch aus dem Oratorium »Saul", vorgetragen vom Kosleckschen Dläserbund unter Leitung von Prof. Grawert. Der Erksche Männergesangverein unter seinem Dirigenten Prof. Stange brachte darauf „Dem Andenken Der Gefallenen" von Wohigemuth zu Gehör. Rach Den musikalischen Darbietungen betrat
der Präsident des Volksbundes, Pfarrer Siems
Die ReDnertribüne und gedachte zunächst des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert, dessen Todestag sich heute zum ersten Male jährte, als eines treuen und energischen Mil- jarbeiters des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, um Dann Den Reichspräsidenten v. Hindenburg zu begrüßen. Hindenburg, so fuhrt der Redner aus, gibt unserer Stunde Die Weihe und wir danken es ihm im Ramen Der zwei Millionen Gefallenen, die im Glauben an ihn, den Führer, in Den Tod gegangen sind. Es ist heule nicht die Zeit für schwächliche Sentimentalitäten. Besser als sie ist wahre, echte Trauer, aber auch mutiges Dorwärtsschreiten. Wir haben , stolze Fahre gekannt, als unser Volk sich aus Dem Ring Der Meute herausgekämpft hatte, um ein Leben für Frieden, Arbeit und Wohlfahrt zu führen. Dafür sind sie, Deren Gräber heule überall in Der Welt zerstreut sind, hinausgezogen, Dafür haben- sie gestritten und Dafür sind sie gefallen, unD wer es anbers sagt, Der lügt. Es kam anDers. UnD Doch: unsere Gefallenen sind nicht nur Verlust, son- Dem auch unendlicher Segen.
Sie sind ein Etwas, das Macht in sich trägt, das wir nützen oder vergeuden können.
Gewiß, gebt, soviel ihr könnt. Den Lebenden, Den Kriegshinterbliebenen, Den Verletzten. Sie haben ein Recht, aber dieToten haben es and). Ein Volk, Das feine Toten vergißt. Das ihre Gräber verfallen läßt, hat feine Ehre verloren. Es ist schlimm, ein waffenloses, noch schlimmer aber, ein ehrloses Volk zu fein. Die Millionen Gräber, verstreut in aller Welt, sind zualeich Zeichen für alle Welt für Das, was Das Deutsche Volk geleistet hat. Ein Volk, Das solche Söhne hervorgebracht hat, hat ein Recht, an sich zu glauben. In ZchntausenDen von Gräbern liegen sie, ohne Unterschieb Der Partei, Der Konfession, Der Klasse, BilDung unD Alters. Nur eins gab es für sie: Sie waren Deutsche, unD Darum ertönt heute ihre Stimme: Liebes, Deutsches Volk, zurück vom Abgrund! Das ekle Gewürm Der Zwietracht unD Der Verärgerung Darf nicht Durch Die Deutschen Reihen schleichen. Wir wollen und müssen sein: ein einig Volk von BrüDern!
Darum mutz dec Volkstrauertag kommen als der eine Tag im Jahre, der Dem ganzen Volk ohne Unterschied gehört als Das Symbol, das für deutsche Art die Größe und Heiligkeit unterer Gefallenen saht.
Wir haben Diesen Tag nicht in Den Herbst verlegt. Der Das Symbol Der Vergänglichkeit ist, sonDern wir haben Die Schwelle zwischen Winter und Frühling gewählt, Die Passionszeit, Die Zeit bitteren Leibens, aber auch Die Zeit Des Frühlingsahnens unb bcr Ostergewißheit. Denn es ist bie


