Dürgermei st erwähl statt. Zum ehrenamtlicher Bürgermeister wurde der seitherige Beigeordnete Hildu-er mit 1255 Stimmen gewählt. 3m übrigen erhielten (Stimmen: Kaufmann Grün 142, Hofjäger Schmidt 84, Fabrikant Müller-T hü ring 280, Techniker Schwarz 70, Rechtsanwalt Koch 115. Die Wahlbeteiligung betrug 95 Prozent.
△ Aid da, 30. Januar. Gester.i waren 25 Jahre verflossen, seitdem 3ustizinspeltor Eduard Bär an dem hiesigen Amtsgericht tätig ist. Obgleich der Jubilar diesen Tag ganz still begehen wollte, veranstalteten doch seine Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeiter ein: kleine Feier, wobei die Gefühle der Liebe und Wertschätzung des verdienstvollen Beamten und die besten Wünsche für sein ferneres Wohlergeben in gebührender Weise zum Ausdruck kamen. Auch von den übrigen Bewohnern der Stadt wurden dem beliebten Beamten zahlreiche Glückwünsche dargebracht. — Ais Schulvorstandsmit- glieder der h esigen Vollsschule w.rden Müh- lenbesiher August Mann, Dankvorstand Hermann Seum und Schreinermeister Karl Spengler neu- und Lokom'tivführer Heinrich Petermann wiederqewählt. D.e Gewählten gehören dem Stadtvorstand an.
„ Kreis Schottern
□ Laubach, 30. 3an. Am kommenden Mittwoch (St. - Dlas ius - Tag) findet hier eilte Feier statt, die in ihrer Entstehung auf ein h albes 3ahrtausend zurückgeht. Es ist dies die 3ahresfeier der Baumkircher Gesellschaft in Laubach. 3m oberen Tal des Seebachs, eines linken Seitenbachs der Ohm, (P/i Stunden nordöstlich von Laubach) lag eine Dvrfschaft Baumkirchen, die um das 3ahr" 1400 ausgegangen ist. Die Bewohner siedelten sich in Laubach an. Hier bilden sie jedoch noch eine eigene Gemeinde mit gemeinschaftlichem Besitz der Wiesen ihres alten Heimatortes. Am 3. Februar regeln sie ihre Rechte nach altem Brauch und halten unter Leitung eines eigenen „Schultheis" eine besondere Feier.
Kreis Alsfeld.
• Atzenhain, 29. 3an. Dieser Tage fand hier im Schulsaal die Schluhprüfung der KreiS-Haushalungsschule statt. Schl- rat Huff wohnte der Prüfung bei, die von der Haushaltungslehrerin Frl. Deitz do:genommen wurde. Das Ergebnis der Prüfung war sehr befriedigend, und es fand die volle Anerkennung der Schulaufsichtsbehörde. Anschließend folgte eine Besicht gnng der ausgestellten Handarbe'ten statt, die viel Beifall fanben. Recht befried'gt waren die Besucher auch von der Dack- und Kochkunst, die sich die Schülerinnen unter der Anleitung ihrer Lehrerin angee'gnet haben. C ne gemeinsame Kaffeetafel schloß d e Rachmittags- feier. Abends fand noch eine g'sellige Zusammenkunft statt, bei welcher der Lehrerin Frl. De iß im Ramen der Eltern herzlich gedankt wurde. Die Lehrerin und die Lernenden können mit Genugtuung auf diesen allgemein befried'genden Erfolg ihrer achtwöchigen hingehenden Tätigkeit zurücMicken.
Kreis Lauterbach.
r Hopfmanns seid. 30. Ian. Vor einigen Tagen bereitete unsere Gemeinde dem von hier nach Bellersheim versetzten Pfarrer Gerich eine herzliche Abschiedsfeier, die in die Form eines Familienabends gekleidet war. Lehrer Ludwig hielt dabei die herzliche Abschieds- und Dankesrede an den scheidenden Seelsorger, der 13 Jahre treu und segensreich hier wirkte. Pfr. Gerich dankte in bewegten Worten und teilte dabei der Gemeinde aus der Kirchengeschichte mit, daß die hiesige Kirche im Jahre 1929 ihr 300jähriges B e- stehen feiern kann. Der Verlauf des Abends, den der Gesangverein durch einige schöne Lieder noch besonders ausgestaltete, wird hier in dauernder Erinnerung bleiben. Heute abend brachte die Gemeinde dem neuen Seelsorger, Pfarrer Zeh fuß, zum Empfang einen Fackelzug dar. Die Begrüßungsfeier vor dem Pfarrhaus eröffnete der Gesangverein mit einem geistlichen Chorgesang, darauf hielt Lehrer Ludwig die Willkommrede, die in dem Wunsche gipfelte, daß zwischen dem neuen Pfarrherrn und der Gemeinde stets dasselbe gute Verhältnis herrschen möge, wie zwischen benj früheren Pfarrer und den Einwohnern. Pfarrer Z e h - f u ß dankte herzlich für die Ehrung und bat die Gemeinde um ihr Vertrauen. Die Schulkinder hatten einen Willkonnnenkranz überreicht. Mit nochmaligem Gesang des Gesangvereins sand die F«er ihren Abschluß. — Am Donnerstag wurde die hiesige Gemeindejagd verpachtet. Es waren drei Teile gebildet: Den Kirchenwald als ersten Teil erhielt Wurstfabrikant D u ch a r d t - Lauterbach. Die beiden anderen Teile sind ausschließlich Feldjagd und blieben in Händen von Einwohnern unseres Dorfes: den zweiten Teil erhielt der Sohn unseres Bürgermeisters Karl Winterholler, den letzten Teil bekam Schreinermeister Otto Hansel. Gelöst wurden für die gesamte Jagd 780 Mk., während sie auf 700 Mk. geschätzt war.
Stinkbomben habe ich einen ähnlichen Gestank für möglich gehalten, geschweige denn gerochen. Die alten Jäger riechen natürlich nichts Besonderes dabei, ja, einige behaupten sogar, daß sie sm Winter auf der Straße in Stavanger oder Ossis plötzlich diesen Gestank peinlich vermißten und sich nach ihm zurücksehnten wie der Schweizer nach der Kuhglocke. Eine weitere Aehnlichkeit mit der Walslation besteht darin, daß alles, was man betritt ober anfaßt, mit einer dicken Oel- schicht überzogen ist. Meine Pfeife beschlägt sich in wenigen Tagen mit Oeldampf: da der Kopf heiß ist, setzt das Oel seinen Kochprozeß auf der Pfeife fort, — das schmeckt! Der Fuß gleitet auf den Brettern aus, sie sind glitschig von Oel, die Rase ist voll Oel, die Ohren sind voll Oel, die Gläser, aus denen wir trinken, haben einen Oelrand. Ratürlich ist dieser Oel- schwaden mit Kohlenstaub durchsetzt, denn Signebö ist zugleich Kohlenstation, — nun, das gibt eine solide Verbindung, wie man ja schon von der Erfindung der Buchdruckerkunst her weih. Welch eine Erlösung ist da die Fahrt mit dem Walboot selbst! Wir gingen um Mitternacht in See. Der weiße Glanz der nördlichen Rächt lag als fahler Dunst auf dem schlafenden Meer. 3n wenigen Stunden sind die Fär-3nseln unfern Blicken entrückt, wir sind im offenen Ozean. Das Walboot ist klein, gedrungen, kräftig, wendig wie ein Polopferdchen, seine Maschine hat 600 P. S. Am vorderen Mast hängt die Ausgucktonne, ganz vorn, auf dem äußersten Vordersteven ist eine Bühne angebracht, auf der die Harpunenkanone auf» montiert ist.
Die Besatzung, acht Mann und der Schütze, der zugleich Kapitän ist, kriechen sogleich unter Deck
Starkenburg.
Proyinz attag der Provinz StarSunbiug.
* Darmstadt, 31. Jan. Der Provinzial- t a g der Provinz Starkenburg hielt am Samstag eine Tagung ab, auf der als wichtigster Punkt der Tagesordnung die Ferngasversorgung der Provinz Starkenburg stand. Es wurde nach einer Aussprache, die etwa vier Stunden dauerte, einstimmig eine Entschließung angenommen, die sich mit der Gründung einer Gasversorgungsgesellschaft auf kommunaler Grundlage befaßt. Die Entschließung hat nachstehenden Wortlaut: „Der Pro- vinzialtag billigt den Abschluß des Vorvertrags unter der Maßgabe, daß durch Provinzialausschußbeschluß folgende Gesichtspunkte berücksichtigt werden: 1. Die endgültige Rechtsform der Gesellschaft bleibt einer späteren Beschlußfassung des Provin- 3ialta05 vorbehalten. Um rechtsverbindliche Vorverträge abschließen und die Vorarbeiten fördern zu können, wird die Form der öffentlich-rechtlichen Körperschaft beschlossen. 2. Die Begründung einer Gaserzeugungsanstalt wird ebenfalls einer späteren Beschlußfassung vorbehalten. 3. Privatkapital darf an der Gesellschaft nicht beteiligt werden."
WER. Offenbach, 30. 3an. 3n der Rächt zum 27. Dezember wurde in Offenbach in einem Wäschegefchäft ein Cinbruchdiebstahl verübt, bei dem den Tätern Herren- und Damenwäsche im Gesamtwerte von über 3000 Mark in die Hände fiel. Der Offenbacher Kriminalpolizei ist es nun gelungen. nachdem einige der Spießgesellen bereits festgenommen werden konnten, gestern den Führer der Bande dingfest zu machen. Unter den Verhafteten befindet sich auch eine Frau, die Schwägerin eines Zuchthäuslers, die mit diesem verkehrte, und dre ebenfalls als Täterin in Frage kommt. Die Hauptschuldigen sind der Gelegenheitsarbeiter Christian Wilhelm Hoffmann, der Photograph Emil Sterzenbach, der in Frankfurt unter dem Ramen „der lange Emil" in Verbreche rkreisen eine große Rümmer hat, und der Tagelöhner FririttiH Christian Hoffmann, sowie dessen Ehefrau Eva Hoffmann. Die Verhafteten sind geständig. Die gestohlenen Sachen konnten noch nicht herbeigeschafft werden, doch ist man den Hehlern auf der Spur.
Preußen.
2] Wetzlar, 29. Jan. Die gestrige Stadtverordnetensitzung hatte nach verschiedener Richtung hin ein ganz besonderes Gepräge. Erstens galt es, einen Schlußstrich unter die einjährige mühsame Arbeit des Prüfungsausschusses zu setzen, der bekanntlich Anfang vorigen Jahres auf Grund einer Interpellation der Deutschen Dolkspartei und einer weiteren Anfrage der SPD.-Fraktion eingesetzt worden, war. Er hatte die schwierige Aufgabe, die gesamte Bautätigkeit der Stadt auf der einen Seite und die finanzielle Auswirkung auf der anderen Seite zu überprüfen. Dabei war unter alles, was in der Inflationszeit gemacht worden war, ein Strich gesetzt worden. Der Prüfungsausschuß, der in vier Unterausschüssen die ganze Materie in Bearbeitung genommen hatte, erstattete nun gestern Bericht über feine Tätigkeit, wobei sich d-e Berichterstatter nicht mit Einzelheiten beschäftigten, sondern in großem Rahmen einen Ueberblicf über den Erfolg ihrer SätigMt gaben. Nur Einzelheiten von ganz besondere Wichtigkeit wurden auch hier erörtert. Die anderen Ausstellungen waren in einer gemeinsamen Sitzung des Ausschusses mit der Verwaltung soweit möalid) geregelt worden. Auch den Fraktionen waren schriftliche Berichte zugefertigt. Die säst einstündige Debatte, in der besonders die leidige Friedhofsfrage, die Angelegenheit der S p i l b u r g und teilweise auch die Hochbau- tätigten der Stadt erneut einer kritischen Besprechung unterzogen wurden, gab der Verwaltung und besonders dem bisherigen Baurat Klee- mann Gelegenheit, sich zu den vorgebrachten Punkten aufklärend zu äußern. Die Stimmung der Stadtverordneten war jedoch im allgemeinen versöhnlich, war es doch die letzte Sitzung, der Baurat K1e e m a n n beiwohnen konnte, weil er am 1. Februar feine hiesige Stelle verläßt, um bei der Stadt Elbing einen gleichen Poften zu übernehmen. Allgemein bedauert wurde zwar, daß es nicht möglich gewesen sei, die Berichte schon vor einem halben Jahre zu erstatten. So ist auch dieser Punkt, der immerhin zeitweise einigen Staub aufgewirbelt hatte, in gegenseitigem Frieden erledigt. — Der nächste Punkt der Tagesordnung, betr. die Wiederbesetzung der besoldeten Beigeordnete n ft e 11 e , wurde auf Vorschlag des Bürgermeisters in die nichtöffentliche Sitzung übernommen. — Bei dem folgenden Punkt handelte es sich um die Bürgschaftsübernahme der Stadt für ein neues Bauprojekt des Spar - und Bauoer- oereins, der im laufenden Jahre mit dem Bau von 63Wohn ungen beginnen will. Der größte Teil der Wohnungen soll auf die Stoppelberger Hohl
in die Kojen. Roch viele Stunden wird es dauern, bis wir in das 3agdgebiei kommen. Rur die Wache steht gähnend auf der Brücke und sieht manchmal auf den Kompaß, doch meistens in die wesenlose Dämmerung, die hier oben Rächt heißt. 3m Zischen des eilenden Kielwassers, im dumpfen Stoßen der Maschine schlafe ich ein.
Hm sechs Uhr morgens geht die erste Wache in die Ausgucktonne, bald erscheint auch der Schütze mit einer Tasse dampfenden Kaffees in der Hand, besieht sich die Kanone, besieht sich das Meer und lädt mit einer Harpune samt Sprenggranate. Er weiß offenbar, daß ich kein Waljäger fentern im Gegenteil ein Literat bin und erzählt mir deswegen schnell ein paar Geschichten. Wit einem Schlag seines Schwanzes kann ein Wal die Schiffsschraube havarieren, („Lächerlich!"): wenn ter Wal unter dem Doot zufällig wieder auftaucht, gelingt es ihm zuweilen, das ganze Doot zum Kentern zu bringen, („ausgerechnet!"): oder der Wal schleppt uns, wenn er die Harpune im Leibe hat, aber noch lebt, stundenlang an der Trosse nach Rorden, bis wir ins Treibeis kommen („alter Märchenerzähler!"), und was ähnliche Roveilen mehr sind. Rorwege'r haben oft eine wilde Phantasie.
Gegen neun llfjr — die Sonne brennt schon, Wasservögel tummeln sich Wind ist aufgekommen, die See erregt sich langsam, — meldet der Mann im Ausgua: „Wale backbord voraus!" Das Ruder wird herumgelegt, wir gehen auf volle Fahrt, aber erst einige Minuten später sehen wir am Horizont silberweiß die Spritzer. Run haben wir äußerste Kraft. Der Schütze tritt an die Äa-rone. 3mmer deutlicher wird ter
zu stehen kommen, der Rest in die Kolonie Niedergirmes. Die Kosten des Projekts werden auf 8 0 0 0 0 0 Mark geschätzt. Hiervon soll die Stadt für 500 000 Mk. die Zinsgarantie übernehmen. Die weitere Belastung der Stadt besteht darin, daß auch ein Teil der nicht auf Mieten ab- wälzbaren Zinsen von ihr getragen werden muß, was eine Belastung des ordentlichen Haushalts mit jährlich 25 000 bis 30 000 Mk. ausmachen wird, und zwar auf eine Reihe von etwa fünf bis zehn Jahren. Unter dem Druck der Wohnungsnot und weil die Stadt bei selbständigem Bauen wohl mehr als den doppelten Betrag an unrentierlichen Kosten zu tragen hätte, entschloß sich das Kollegium, dem Vertrag zuzu stimmen. Hierbei wurde noch ein Wunsch des Stadtverordneten Köhler zum Beschluß erhoben, die Arbeiten möglichst an Wetzlarer Handwerker zu vergeben. — Als dringlich wurde noch die st ä d t i s ch e Friedhofsord- n u n g auf die Tagesordnung gesetzt und nach kurzer Debatte nach den Kommissionsbeschlüssen angenommen. — Nach Schluß der nichtöffentlichen Sitzung begab sich der größte Teil der Stadtverordneten in das Hotel „Herzogliches Haus", um dort eine kleine Abschiedsfeier für den scheidenden Bau- rat K l e e m a n n abzuhalten. Hierzu waren auch die Beamten des Stadtbauamts und der Stadtvermessungsobteilung erschienen. Als erster Redner ergriff hier Bürgermeister Dr. Kühn das Wort, um dem scheidenden Beamten Worte herzlichen Dankes für seine erfolgreiche sechsjährige Tätigkeit zuzurufen. Er erinnerte an die schwierigen Aufgaben, die in dieser stürmischen Bauperiode und besonders während der Inflationszeit von Herrn Kleemann in teilweise mustergültiger Weise gelöst worden seien. Mit hem Dank der Stadt verband er gleichzeitig den Wunsch auf ein weiteres Wohlergehen und neuer erfolgreicher Arbeit im neuen Amtsort des Scheidenden. Auch von feiten der Stadtverordneten aller Fraktionen wurden Worte der Anerkennung und des herzlichen Dankes zum Abschied mitgegeben. Allen Rednern dankte der Geehrte in herzlicher Weise, dabei noch besonders auf die wertvolle Mitarbeit seiner Beamtenschaft hinweisend. In gemütlicher Stimmung blieben die Teilnehmer noch lange zusammen.
Q Dutenhofen, 30. 3an. Heute fand hier unter reger ‘Beteiligung, besonders Gießener, die Fischerei-Verpachtung der in hiesiger Gemarkung Bclegenen Teile des sogen, alten Lahnbetjs auf weitere 6 3ahre statt. Die Gesamtsumme übertrifft die seitherige von 1920 um mehr al; das Dreifache. Rachfolgend die Resultate: 1. Distrikt oberste Hecken (nach Gießen zu gelegen) früher 50 Mark, jetzt 151 Mark, August Paskoe -- Dutenhofen, 2. im gleichen Distrikt früher 45 Mark, jetzt 231 Mark, 3ng. Ferdinand Hengst- Gießen, 3. daselbst früher 30 Mark, jetzt 105 Mark, Friedrich Otter- Gießen, 4. Kleebach früher 13 Mark, jetzt 21 Mark, Lehrer Gaß- Dutmhvfen, 5. Distrikt Drück (am Stellwerk nach Wetzlar zu gelegen) früher 60 Mark, jetzt 141 Mark, Edmund Richter- Gießen, 6. daselbst (Teil nach der Lahn zu) früher 51 Mark, jetzt 183 Mark, Anglerklub Gießen, 7. Pferdeloch früher 5 Mark, jetzt 50 Mark. Heinrich Gengnagel- Dutenhosen, 8. Welfchbach früher 30 Mark, jetzt 25 Mark, Wilhelm Rinn» Dutenhofen. An letzteres Revier ist die Dedingung angeknüpft, daß der jeweilige Pächter verpflichtet ist, jährlich 1000 einjährige Forellen einzusetzen: dies dürfte die Dietlust stark beeinträchtigt haben.
XX Kinzenbach, 30. 3an. älnser Dahn- Hofsvorsteher K. H o h wurde mit Wirkung vom 1. Februar zum Eisenbahnsekretär ernannt und nach Wetzlar versetzt. Der Weggang des stets zuvorkommenden, liebenswürdigen Deamten, ter seit 1. 3uli 1912 hier bedienstet war, wird allgemein bedauert.
ch. R a u b o r n , 29. 3cm. Mitte 3anuar verstarb unsere liebe Pfarrfrau. 3hr 3alte, unser feit einem 3ahre pensionierter Pfarrer Wilhelm Schneider, ließ sich, obwohl schwer erkrankt, noch ans Grab tragen. Acht Tage später, am 27. 3anuar, wurde er selbst neben seiner Gattin zur letzten Ruhe gebettet. 3n dem außerordentlich großen Trauerzug schritten die Einwohner ter Pfarrei, die Geistlichen ter Synode Draunfels, die Angehörigen, Verwandten und Freunde unter den Klängen der Posaunenchöre der beiden Pfarrdörfer nach dem Friedhof mit seiner alten Kirche. Die Liebe und Verehrung für den Heimgegangenen kam hier sichtbar zum Ausdruck. 3n tief- durchdachter Rete schilderte ter jetzige Orts- geistliche, Pfarrer Schiefer st ein, das Leben und Wirken des Heimgegangenen AmtsbruderS. 3eter Geistliche trat ans Grab und rief dem geschätzten Schläfer ein Dibelwort ins Grab hinein. Die Kirchen- und Gemeindevertretung en, die Vereine, die Konfirmanden und der Verein alter Durschenschaster schmückten das Grab mit Kränzen. Ein gemischter Chor und ein Gesangverein fangen stimmungsvolle Trauerlieder.
Kreis Biedenkopf.
T Waldgirmes, 30. Jan. Bei der gestrigen Verpachtung unserer beinahe 1000 Hektar
großen Jagd blieb Herr Schmeer au» Dute» bürg mit 1510 Mark Höchstbietender. Da nachträglich von anderer Seite ein Gebot von 16 0 0 Mark erfolgt ist, kommt die Jagd wahrscheinlich nochmals zum Ausgebot.
DiUkreis.
U Eisemroth, 30. Jan. Der bei der neuen Provinzial st raße zwischen der Nachbargemeinde Uebernthal und B i s ch o s s» fen wird demnächst in die Wege geleitet. Die Vorarbeiten haben bereits begonnen. Zur Zeit stellt nur ein Feldweg die Verbindung zwischen den beiden Ortschaften her. Eine Anzahl Arbeitsloser sindet hier wieder Beschäftigung. Der Bau der Straße erfolgt durch den hiesigen Daunternehmer Schmidt.
Kirche und Schule.
Dorskirchentayung Giehen.
Dieser Tage sand unter Le.tung von Pfarrer Mahr-Gießen eine D o r f k i r che n t a gung in Gießen statt, zahlreich besucht von Geist- lichen aus dem nördlichen Oberhessen und Hessen- Rassau. Der Leiter ter „Dorft.rche", Pastor D. theol. v. Lüpke - Göttingen, sprach über „D i e Einsegnungsfrage und die kirchliche Sitte". Während sonst die Einsegnungsfrage dogmatisch und theollg sch behandelt wird, wußte v. Lüpke die Einsegnung als Bollssitte zu werten und suchte von hier aus, aber ebenso sehr tron ter Psychologie des Kindes aus die Fragen der Wahrhaftigkeit des Geistlichen und des Kindes bei der Konfirmation, die Reugestaltung des Konfirmandenunterrichls, ter Einjegnungs- feier und ter Abendmahlsfeier zu beantworten. Dem geistvollen Vortrag folgte eine lebhafte Debatte, in bet die Herren Prof D. theol. Frick. Dekan G u ß m a n n, Pfarrer Gockel, Behr ich u. a. über das Volkstum, die Verstädterung des Landes, die Hinausschiebung b?3> Konfirmaiions- alters, die Abtrennung ter Konf'rmat on von der Schulentlasfungsfeier sprachen. Am Rachm tag referierte Pfarrer Mahr-Gießen über „S i e Verschulung de r Religion und die Dorfkirche". Erfreulich war die Anteilnahme zahlreicher Lehrer. 3n eingehender wissenschaftlicher Auseinandersetzung, unter steter Dez: g- nahme aus die modernste Pädagogik und Psychologie, zeigte ter Vortragende die großen Spane nungen auf, die zwischen Relig on und Schule, Frömmigkeit und älnterricht im Unterrichtsbetrieb und älnterrichtsveifahren bestehen, um dann im Erlebnisunterricht, in den Gedanken ter Arbeitsschule und ter Schulgemeinde, in einem neuen Verständnis für die Bedeutung ter Lehrerpersönlichkeit gegenüber aller Methodenglänbigkeit die Wege zu zeigen, durch die die Verschulung der Relig'on vermieten und die religiöse Entfaltung des Kindes gesichert wird. Stark wurden die Wesensunterschiete zw'schcn Stadt und Land herausgehoben und die Dorfschule als ideale Schulgemeinte gewürdigt. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Rektor Loos, Pfarrer Deyrich, 3 ä g e r, Weck, Volkshochschulwart Kammer u. a.; man sprach über die ländliche 3ugendarbeit, die Volkshochschule, die fromme Häuslichkeit des Dorfes, das Vereinswesen auf dem Lande und die Jugend. Die gleiche Tagung sand am folgenden Tag in Alsfeld statt. Eine Dorfkirchentagung Gießen wurde begründet.
Gerichtssaal.
Das Isenburger Explostonsunglück vor Gericht.
WSN. Offenbach, 30. Jan. Am Freitag- nachmittag ging nach vierstündiger Verhandlung der Prozeß gegen die beiden Inhaber der euerwerkskörpersabrik Neu-Isenburg, Friedrich Sturm und Peter L e i ch u m, zu Ende. Die Schuld der beiden Angeklagten war durch die Zeugenaussagen und die Darlegungen der beiden als Sachverständige geladenen Offen» bacher Gewerveräte in vollem Umfange erwiesen. Sie haben durch Fahrlässigkeit den Tod von sechs Menschen verschuldet. Der Staatsanwalt beantragte für jeden zwei Jahre Gefängnis. Das Gericht erkannte auf eineinhalb Jahre Gefängnis für jeden Angeklagten. Sturm, der schwer neroenkidend ist, wurde vor- läufig aus der Hast entlassen, während Leichum in Hast bleibt.
Ragout Hn im Wiesbadener Ratskeller.
WSN. Wiesbaden, 30.Jan. Der Reftaura- teur des hiesigen Ratskellers, der jahrelang
Jeder Weinhändler liefert:
/' SEIT 1863 ” SCHIERSTEIN I. RHO
VERTRETER: H. Elges jr., Gie ’en, Seltersweg 68
hvchgeblasene Wasserdampf, der in der zitternden Sonnenluft einige Sekunden stehen bleibt und sich dann schäumend zerteill. Wir zählen drei, vier dieser Strahlen, dann sind sie plötzlich wieder verschwunden, die Wale haben nun für eine Weile ihren Luftvorrat. Die Maschinen gehen auf halbe Kraft zurück, langsam, langsam treiben wir in der Richtung auf den Schwarm. Der Schütze befiehll jetzt eine leichte Wendung nach Steuerbord, sein 3nstinkt telegraphiert ihm die Ortsbestimmungen. Richtig, nach fünf Minuten taucht der Schwarm dreißig Meter vor uns auf, man sieht die schwarzen, fettig glänzenden Ruk- fen deutlich in der weißen Gischt. Ein paar dicke Wasserstrahlen steigen auf, dann fuu) lie wieder in ter Tiefe verschwunden, die Wajier- fläche ist eben und ohne Spur, — die Tiere kommen nicht wieder hoch. Der Schutze hat sich täuschen lassen. Er tobt, er schäumt, er brüllt, er ist rasend, aber es hilft nichts. Die haben feine Berechnungen durchkreuzt, also weiter.
Wo die Herde wieder auftauchen mag, ist ganz unberechenbar. Es kann an der Bordwand, es kann aber auch tausend Meter ttKnter jwrte lich sein. Die Schützen verlassen sich hierbei auf ihre geheimnisvolle, dem Laten völlig rätsell haste Witterung. Wir gehen auf 500 Meter nach Westen und liegen dann ganz still. Man hört keinen Laut, sHoach brodeln die abgestoppten Maschinen, - fieberhafte Spannung all^ sucht die Wasseroberfläche ab, der Schuhe hat tee Hand am Abzug. Wahrhaftig, plötzlich tauchen die Wale direkt vor uns aus ter <jlut. 3m selben Augenblick kracht der Schuß, gleichzeitig sitzt die Harpune im Rücken eines Tieres, man sieht das Seil, mit dem die Harpune am Doot
befestigt ist, schwirren und sich straffen, Pulverrauch steigt auf, das Doot erhält einen Ruck, ter Wal ist schwergetroffen abgetaucht und schießt davon. Die Mannschaft läßt nun das Tau aus, hunteri um hundert Meter, man gibt dem Wal Luft, denn die Trosse darf auf keinen Fall reißen. Wenn ter rasende Zug nachläht, holt man das Tau wieder ein, aber plötzlich geht die Fahrt von neuem los, der Wal hat wieder Kräfte bekommen, er zerrt das Doot in seiner Todesqual toütenb weiter, der kleine Dampfer kriegt eine wahnsinnige Geschwindigkeit, die rasend verdrängten Spritzer g^hen klatschend über Deck. ^Das Diest schleppt uns noch biS Grönland!" denke ich Da kracht ein Schuß, eine zweite Granate sitzt im Rücken, die Granate birst, ter Wal sinkt. Er hat genug. Schnell gehen wir längsseits, das Dampfspill beginnt zu dröhnen, kräftige Trossen ziehen das Tier hoch Ein Mann springt hinab, ihm auf den glibbrigen Rücken, der Röhrenspieß wird tief in den Kadaver hineingetrieben. Dann tritt die Luftpumpe in Tätigkeit und langsam schwillt das Tier riesigen Dimensionen an. Es ist nun tote eut Dalllm und kann sich selbst über Wasser halten. 3etzt wird er an einer Doje vertäut, eine Lanze mit Flagge wird in den Körper gespteßt. Hier kann er bleiben, bis die 3agd zu Ente ist.
3n ter nächsten Rächt tarnen wir mit drei großen Wahlen an stählernen Trossen längscnts in Signebö wieder an. Wir setzten uns naß und todmüde in ter Daracke an den Tisch zu Whisky und Räucherlachs. Die DeefsteakS aus frischem Walfleisch, die bald herrlich braun, nach Pfeffer und Lorbeer duftend, auf getragen wurden, lehnt« ich dankend ab.


