Ausgabe 
1.2.1926
 
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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 1. Februar 1926.

Die Jagd im Februar.

Der Februar ist ein gefährlicher Monat. Obwohl ui diesem Winter die Witterung bisher an Wechsel- wUcn nichts zu wünschen ließ und geradezu in Ex­tremen arbeitete, so ist doch die Zeit, in dem die <5onne bereits einen höheren Stand hat. vermehrt 3u Wechselfällen geneigt. Der Frühling fängt manchmal bereits an, mit dem Winter um die Herr­schaft zu streiten. Ehrenpflicht des Jäaers ist deshalb letzt, mehr wie je dem Wilde volle Aufmerksamkeit 3ii schenken, es zu hegen, zu füttern und vor jeg- Uchem Raubzeug zu schützen. Besonders dem mit Schlingen arbeitenden ist auf die Finger zu sehen. Für den weidgerechten Jäger ruht die Jagd auf Nutzwild fast vollständig.

Das Edelwild steht noch in starken Rudeln beisammen. Die starken Hir che bilden Rudel und fangen an, abzuwerfen. Au den Wildwechseln in Stangenorten. älteren Holzbeständen und an Suhlen ist es oft lohnend, nach den Abwürfen guter Hirsche zu suchen. Das Wild ist jetzt sehr naschhaft und tritt gern in Saaatfelder aus. Bei hoher Schneelage ist die Fütterung fortzusetzcn.

Für das Damwild gilt dis gleiche. Wo die Natur nicht für reiche Aefnng gesorgt hat, muß fleißig und gut gefüttert werden, da es sonst seiner Schälbegierde nachgeht und den Laubholzbeständen großen Schaden zufügen kann.

Die Sauen hatten bisher wohl kaum beson­ders zu leiden, da ihnen nur vorübergehend mal nach Erdmast zu brechen, durch strengere Kälte ver­sagt blieb. Bei Eintritt stärkeren Frostes müssen sie durch Schüttungen von Kartoffeln, Eicheln, Bucheln, Kastanien und Rüben unterstützt werden. Nur wo sie nicht geschont werden, ist ein Abschuß zu emp- »ehlen.

Die Rehe stehen in Sprüngen in sonnigen Schonungen in der Nähe der Aesungs- und Futter- plätze. Gute Böcke haben schon stark aufgesetzt und teilweise fast oereckt. In schneereichen Gebirgslagen müssen als Aesung noch Hafergarben und gutes Heu geboten werden.

Der Hase hat jetzt vor dem Jäger Ruhe, nicht aber ocr dem Schlingensteller, der mehr wie fe 'm Werke ist. Auf ihn ist besonders Obacht zu 3eben. Die Rammelzeit ist schon in vollem Gange, und manche Häsin hat wohl schon gesetzt.

Rebhühner finden jetzt schon allerlei grüne Blättchen. Gräser, Würmer und Insekten. Bei^gün- tiger Witterung tritt gegen Ende des Monats' be- -eits die Paraung und die Kämpfe der Hähne um ?en Besitz der Hennen ein. Bei Schneelage ist selbst - edend noch zu füttern.

Der Fuchs lebt jetzt ganz der Liebeslust, da die Ranzzeit jetzt voll gekommen ist. Durch Sprengen aus dem Bau mit Dachshunden, durch Ausräuchern, Klapperjagden, Reizen wird ihm Abbruch getan. Alle Unternehmungen am Bau müssen in früher Stunde vorgenommen werden, weil der Fuchs mit der Fähe von den späteren Dormittagsstunden ab ,iern Wanderungen durch sein Jagdrevier unter- limmt. Jede Reue ist zum Einkreisen zu benutzen.

Der Dachs verläßt schon seGr ost seinen Bau md sucht hauptsächlich nach Regenwürmern auf Wiesen und gepflügten Aeckern. Die Dächsin wirft n diesem Monat drei bis vier Junge.

Marder, Iltis, Wiesel und Otter canzen.

Stehen auch Auer-, Birk-, Hasel- und Fasanen- aähoe, Wildenten und auch das andere jagdbare Sumpf- und Wassergeflügel noch zum Abschuß frei, ci wird doch kein einsichtiger und weidgerechter Jäger mehr von dieser Freiheit Gebrauch machen.

(St. Hubertus.)

D i e Maul - und Klauenseuche. Das Kreisamt Gießen gibt im neuesten Amtsverkün­digungsblatt bekannt, daß für die Seuchenorte und in einem Umkreis von in der Regel mindestens 15 Kilometer erneut verboten sind: 1. die Ab- ooltung von Klauenviehmärkten und marktähnlichen Deranftaltungen mit Ausnahme der Schlachtvieh­märkte in Schlachtoiehhöfen, sowie der Auftrieb von Klauenvieh auf Jahr- und Wochenmärkte. 2. Der Handel mit Klauenvieh, auch derjenige mit Geflü­gel, der ohne vorgängige Bestellung entweder außerhalb des Gemeindebezirkes der gewerblichen Niederlassung des Händlers oder ohne Begründung einer solchen stattfindet. Als Handel im Sinne dieser Vorschriften gilt auch das Aufsuchen von Bestel­lungen durch Händler ohne Mitführen von Vieh und das Aufkäufen von Vieh durch Händler. 3. Die Veranstaltung von Versteigerungen von Klauen­vieh. 4. Die Abhaltung von öffentlichen Tierschauen mit Klauenvieh. 5. Das Weggeben von nicht aus­reichend erhitzter Milch aus Sammelmolkereien an landwirtschaftliche Betriebe, in denen Klauenvieh gehalten wird, sowie die Verwertung solcher Milch in den eigenen Viehbeständen der Molkerei, ferner die Entfernung der zur Anlieferung der Milch und zur Ablieferung der Milchrückstände benutzten Ge­mäße aus der Molkerei, bevor sie desinfiziert sind. Die Seuche ist neuerdings in Nieder-Breidenbach

Lin Literat auf -er Waldjagd.

Don Friedrich Sieburg.

Welchem Wechsel sind doch die Vorstellungen 'Unterworfen, die man vom Dichter hat! Dom bittersüßen Idyll der Dachstube wollen wir erst gar nicht reden, aber das Cas6 ist auch kein schlechter Rahmen. Und es soll ja wirkliche 2-afes gegeben haben, wo große Literaten sahen. Sprach man im Jahre 1830 von einem Dichter, so tauchte in der allgemeinen Dorstellung Lord Dhrons Kopf auf, mit entblößtem Halse, mit ,urückgewehten Haaren, mit dem schwermütigen Adlerblick, wahrend heute Gerhard Hauptmann mehr die Goethesche Haltung bevorzugt und Dahr die von Gottvater selber. Rilke verzichtet überhaupt auf menschliches Profil, er würde lieber als Wasserblume auf dem Muränenteich einer byzantinischen Kaiserin schwimmen: Wer- fet ist dick, Georg Kaiser sieht aus wie ein Zivi- .ist, kurz, es ist da schwer, sich auszukennen, .'ttwas Gemeinsames eignet der Erscheinung des -iteraten überhaupt nicht mehr, sodaß ein -'»dentifizierungSverfahren fast zur Amnöglichkeit ewvrden ist.

Ein neuer Typ ist aufgetaucht, der über- mupt allen ererbten Vorstellungen Hohn spricht. ?ch glaube, er stammt von dem dänischen Dichter Johannes D. Jensen. Es ist der Literat, der mit breiten Schultern und Sportanzug, mit Shag- afeife und Wirlchesterbüchse ein Mittelding zrvi- chen Löwenjäger, Kriegsberichterstatter und Sherlok Holmes darstellt und doch ein Dichter ist. Er stellt seine kleine Schreibmaschine auf einen Daumstumpf im Urwald und tippt flammende Impressionen nach Hause, oder er liegt auf dem

(Kr. Alsfeld), Laufdorf (Kr. Wetzlar), Friedberg- Fauerbach, Dudenrod und Bonhausen (Kr. Büdin­gen) ausgebrochen, in Groß-Rechtenbach ist sie er­loschen.

** Eine Protestkundgebung gegen die Fürstenabfindung fand gestern nach­mittag auf Einladung der republikanischen Parteien auf der Liebigshöhe statt. Der Besuch war so außer­ordentlich stark, daß der geräumige Saal überfüllt war: viele mußten infolge Platzmangels umkehren. Parteisekretär Häuser- Gießen eröffnete und leitete die Versammlung. Als erster sprach Ober­studienrat Professor Hüter- Gießen. Redner ent­wickelte in seinen Ausführungen die Geschichte des deutschen Volkes im 19. Jahrhundert bis zur Jetzt­zeit. Nicht nur Bismarck, sondern auch Generalfeld- marschall v. Waldersee hatten uns schon vor etwa 30 Jahren eine schlechte Zukunft durch die Wilhel­minische Politik prophezeit. Zum Schlüsse seiner Rede protestierte der Redner gegen die Abfindung der Fürsten. Als zweiter Redner sprach der Zen- trumsoarteisekretar W 0 l f e r m a n n - Frankfurt. Er führte die Forderungen der ehemaligen Landes- fürsten an, die er als Sünde am deutschen Volk bezeichnete. Als dritter Redner sprach der Sekretär der Kriegsbeschädigten u.Hinterbliebenen Benner (Gießen). Seine Worte galten der Not der Kriegs­opfer. Landtagsabg. Oberamtsrichter Schreiber- Ober-Jngelheim ergriff als letzter das Wort. Er schloß sich den Darlegungen der Vorredner an und betonte, daß unter keinen Umständen den ehe­maligen Landesherren eine Abfindung augefprodjen werden dürfe. Rektor Loos verlas hierauf eine Entschließung, die allgemeine Annahme fand. In dieser Entschließung erheben die Versammelten schärfsten Protest gegen die Abfindung der Reichs- fürften. Die Volksvertretung wird aufgefordert, gegen diese Abfindung zu stimmen. Falls der Reichstag versagen sollte, sei Volksentscheid zu forbren.

* Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt: 44 Dullen, 830 Färsen und Kühe, 397 Kälber, 92 Schafe, 4197 Schweine.

Bornotizen

Tageskalender für Montag: V. d. A.. 8.15 Uhr, HotelHindenburg", Vortrag Elsaß-Lothringen und Locarno". Republikani­scher Lehrerbund: 8.15 Uhr, RestaurantRhein­gold", Hauptoersamlung. Lichtspielbaus, Bahn­hofstraße:Bismarck". Astona-Lichtspiele: Sechs bange Tage".

D i e Dortragsvereinigung hat für nächsten Donnerstag den Vortragsmeister Emil Kühne aus Berlin wiederum zu einemAbend froher Kunst" eingeladen. Bekanntlich hat der Künstler bei seinen früheren hiesigen Vortragsaben­den großen Beifall und hohe Anerkennung gefun­den. Emil Kühne ist dank einer geradezu glänzen­den Sprachtechnik, prachtvoller Mimik und feiner Ausschöpfung der ihm zu Gebote stehenden Mittel ein Meister der heiteren Vortragskunst. Was ihn vor allem besonders auszeichnet,' ist sein dezentes Programm, das trotzdem zündende Wirkung besitzt. In seinen drolligen Liedern zur Laute, von denen er auch diesmal wiederum einige vortragen wird, ist er kaum zu übertreffen. Mit Recht ist der Künst- ler in die vorderste Reihe unserer deutschen Vor- tragsmeister gestellt worden. Dem Künstler ist auch in Gießen, rote dies in anderen Städten immer der Fall war, ein ausverkauftes Haus zu wünschen. (Siehe heutige Anzeige.)

Oberhessen.

Kreistag des Kreises Friedberg.

sf. Friedberg, 30. 3an. Zu der heutigen Kreistagssitzung waren sämtliche 30 Mit­glieder erschienen. Kreisdirektor Gebhardt be­grüßte die Erschienen und bat alle Mitglieder, mit Rücksicht auf die schwere wirtschaftliche Rot ihre Kräfte zum gedeihlichen Zusammenwirken in den Dienst des Kreises zu stellen. 3n den Kreistag sind sieben neugewählte Mitglieder ein­getreten, die verpflichtet wurden. Dei der Wahl des KreisausschusseS erhielt der sozial­demokratische Wahlvorschlag 14 Stimmen, der Wahldorschlag der Deutschnationalen Partei und des Bauernbundes 15 Stimmen, zwei weiße Zettel wurden abgegeben. Es sind demnach gewählt von der Sozialdemokratischen Partei: Schaub- Düdesh: im, K r 0 n e r - Vilbel, Iudersleben- Friedberg, als Stellvertreter Raute- Friedberg, Buß- Groh'arl-en, Wieder man n-Bad-Rau- heim: von der Deutschnationalen Partei und Vauernbund: von Helmolt - Friedberg, Vor­bach- Rodheim, als Stellvertreter Iöckel - Friedberg und Ulrich- Friedberg (Deutsche Wirtschaftspartei), vom Zentrum: Schröder- Friedberg als Mitglied und D i ck l e r - Fried­berg _(5)t Volkspartei) als Stellvertreter. Die Anträge des kommunistischen Mitgliedes Op­penheimer- Butzbach auf Wahl eines s 0 - zialpolitischen Ausschusses und eines Wohnungsausschusses wurden a b g e - lehnt. Zwei weitere Anträge derselben auf Milchversorgung von Kindern Er-

Bauche auf Deck eines Zweimasters und kom­poniert den ersten Satz seiner von See und Salz durchwehten Erzählung. Er hat schwarze Diener und reitet auf Kamelen, er duzt sich mit dem Schissskoch und versteht es, ins Wasser zu spucken, er spricht von geschossenen Zebras, als wären es Tantiemen und Auflageziffern, er brät sich den selbstgefangenen Lachs, wie andere sich im Cafe zwei Eier im Glase bestellen, er spricht englischen Matrosenslang, sagt in Ber­lin auf der StraßenbahnAllright, und feine Erzählungen beginnen meistens so:Das erste Mal sah ich Marie, als der Schlepper uns aus dem Hafen von Hongkong zerrte, das zweite Mal war es im Palace-Hvtel in Biskra. Die Musik zwischen den Palmen spielte grade.. Man versteht den Reiz dieser AHreibtechnik so­fort. Da atmet Weite, Welt, großer Horizont, Meere unl> Wüsten rauschen herein, und un­ser armes Alltagsleben, das sich auf Vorort­bahnen und Sonntagsausflüge beschränkt, kommt sich recht an die Wand gedrückt vor.

Rachdem ich solchermaßen die exotische Schreibtechnik entlarvt habe, darf ich wohl ohne Scheu erzählen, daß ich auf der Waljagd war. und zwar auf einem Punkte, der mit 65 Grad nördlicher Breite und 5 Grad westlicher Länge ungefähr bezeichnet werden kann. Es war ein außerordentllches Erlebnis, und ich will nicht versuchen, so zu tun. als ob es etwas ganz Alltägliches gewesen wäre, ßikrat bleibt Lite­rat. das meinten die Leute auf dem Walfänger auch, und als ich ihnen bei ihrer hastigen Ar­beit im Wege herumstand, gaben sie der Hoff­nung Ausdruck, daß ich ein besserer Literat als Walfänger sein möge.

werbsloser und Llebernahme einiger Dau - spark 0 nten auf den Kreis wurden dem Kreis- uusschuß überwiesen. Der Kreisdirektor machte MitteilunZLN über die Regulierungsar­beiten der Ridder, die schleunigst in An­griff genommen werden müssen Die Tagegel­der wurden auf 2/3 der seitherigen Satze ermäßigt; der Beschluß wurde mit allen gegen die eine Stimme des Kommunisten Oppenheimer angenommen.

Landkreis Giefrcrr.

f. Kleln - Linden, 1. Febr. Auch in unserem Orte ist die Zahl der Erwerbslosen in dauern­dem Steigen begriffen, ohne daß der Gemeinde finanzielle Mittel zur Verfügung ständen, um die Not in den betroffenen Kreisen durch Ausführung von größeren Arbeiten lindern zu können. Am Schlüsse des Monats Januar sind vorhanden: Hauptunter st ützungsempfänger 106; davon find über 21 Jahre 73, unter 21 Jahre 26, weiblich unter 21 Jahre 7 Empfänger. Dazu kom­men als Familienangehörige 49 Frauen und 67 Kinder. Kurzarbeiter sind z.Z. 12 weibliche aus der Tabakbranche vorhanden. Außer­dem sind noch eine ganze Menge männliche Kurzarbeiter am Platze, die nicht unterftüt- zungsberechtigt sind. Hierzu kommen allerdings noch eine Anzahl Erwerbslose, denen laut gesetzlicher Vorschriften die Unterstützung nicht gewährt wird.

* Geilshausen, 30.Jan. Die Verpachtung unserer Gemeindejagd erfolgte gestern in zwei Teilen. Den ersten Teil, umfassend 2300 Mor­gen Feld und 340 Morgen Wald, pachtete der seit­herige Pächter, Fabrikant Bänninger (Gießen), auf weitere sechs Jahre zum Preise von 2610 Mark jährlich. Bisheriger Preis 1100 Mark pro Jahr. Den zweiten Teil, 650 bis 680 Morgen Feld und 320 Morgen Wald, erwarb Ludwig Henkel in Offenbach auf sechs Jahre zum Preise von 470 Mk. jährlich, früher 300 Mark pro Jahr.

R e i n h a r d s b a i n , 30. Jan. Bei der heu­tigen Verpachtung unserer Gemeindejagd ging diese für weitere sechs Jahre an den seitherigen Pächter, Fabrikbesitzer Allmendinger ((Brün­berg), für den Preis von 400 Mark jährlich über. Bisher wurden 600 Mark pro Jahr gezahlt. Die Jagd umfaßt etwa 390 Hektar Land einschließlich Wald.

t Grünberg. 30. Ian. In der gestrigen Gemeinderatssihung wurde eingehend die Erbauung des Hochbehälters 6e- sprachen. Mit der Ausschachtung sind bereits eine Anzahl arbeitsloser Arbeiter beschäftigt. Die Bürgermeisterei hat das erforderliche Geld sichergestellt. Es wurde beschlossen, das Kreis­bauamt zu ersuchen, einen Voranschlag vorzu­legen, damit die Arbeiten bzw. Materialliefe­rungen baldigst ausgeschrieben werden können. Die bei den Ausschachtungen gewonnenen Steine werden zum Teil an Ort und Stelle bzw. bei der Reuanlage der Leo-Kochstrahe in Grünberg verwendet. In Anbetracht der jetzigen Ver­hältnisse wurde dem Turnverein die Ab­haltung eine- Kostümfestes nicht erlaubt, jedoch die Abhaltung eines Tanzes am Fast- nachtsonntag gestattet. Entsprechend einem Schreiben der hiesigen Bahnmeisterei soll diese ersucht werden, Schilder mit dem Ver­merkRach dem D a h n h 0 s" anzuferttgen. Diese sollen in der Stadt an geeigneten Plätzen angebracht werden. Der Antrag deS HauS- befitzerdereinS, die Reuanlage eine- BrandkatasterS in die Wege zu leiten, wurde wegen Bedenken vorerst zurückgestellt, je­doch soll die Bürgermeisterei in dieser Angelegen­heit Schritte zur Information tun. Weiterhin wurde es als ein Bedürfnis bezeichnet, daß der 11-Uhr-Zug auS der Rabenau wieder eingelegt wird, und der Güterzug 1 IHjr hier ab nach Gießen Personen­beförderung erhalt.

L Hungen, 30. Ian. Aus der jüngsten Gemeinderatssitzung ist zu berichten:DaS Gesuch eines Daulustigen, ihm den gewünschten Bauplatz in einer größeren Strahärbreite zu- zuteilen, wird genehmigt, ebenso finden die Ge­suche um Heberlassung von Gemei ndsge- lände zur Vergrößerung von HauS- gärten die Zustimmung des GerneinderatS. Dem Forstwart soll auch in diesem Jahre wieder daS von ihm in seinem Haushalte benötigte Brennholz zum Durchschnittspreise überlassen werden. Der Gemeinderat erklärt sich mit der Teilnahme von 4 sortbildungsschulpflichtigen Mädchen einer Rachbargemeinde am Kochun­terricht in der hiesigen Fortbildungsschule un­ter gewissen Bedingungen einverstanden. Die Beschaffung eines weiteren Schulraums für die Höhere Bürgerschule wird vor­läufig durch Zuweisung des Lehrzimmers der Volksschule geregelt. Rachdem der Platz für das Kriegerdenkmal festgelegt ist» sollen, um der Ausführung desselben näher zu kommen, die zwei Modelle, die einen Krieger darstellen, angefertigt werden.

* Trais-Horloff, 30. Jan. Die hiesige Gemeindejagd wurde auf sechs Jahre an den

Finanzamtsbeamten Friedrich Wilhelm in Heiden verpachtet. Pachtpreis 150 Mark jährlich, bisheriger Preis 100 Mark.

* Inheiden, 30. Jan. Heute wurde unsere G e m e i n d e j a g d auf sechs Jahre an den Höchst­bietenden, Herrn Karl Bücher (Gießen) für 405 Mark jährlich verpachtet. Im Vorjahre wurden 160 Mark gezahlt.

* U t p h e, 30. Jan. Die 396 Hektar große Jagd unserer Gemeinde wurde heute auf sechs Jahre an den Landwirt Heinrich Schneider von hier für 150 Mark jährlich verpachtet. Die 374 Hektar große Jagd der F e l d g e m a r k u n g F e l d h e i m ging auf sechs Jahre an den Grafen Solms-Laubach in Laubach zum Preise von 530 Mark jährlich über.

AUcte Friedberg.

df. Friedberg, 30. Ian. Gestern ver­starb im hiesigen Krankenhause nach langem und schwerem Leiden Prof. Dr. August Stro­man. Der Verstorbene, von Offenbach gebürtig, hat vom Jahre 1838 bis zu seiner Verdung in den Ruhestand im Jahre 1924 an der hiesigen Augustinerschule als Lehrer der Raturwissen- fd)elften gewirkt. Richt nur bei seinen vielen Schülern, sondern auch in der ganzen Bevölkerung erfreute er sich wegen seiner vortrefflichen Cha­raktereigenschaften, wegen seiner Teilnahme an allen öffentlichen Angelegenheiten und seines großen Mildtätigkeit der allgemeinsten Hoch- schätzung.

pb. Butzbach, 29. Jan. Die gestrige Stadtverordnetensitzung im neuen Jahr fand wegen des Rathausneubaues in der Aula der Stadtschule statt. Die Versammlung war bis auf vier entschuldigte Mitglieder voll­zählig. Bürgermeister Dr. Jansen nahm zu­nächst nach kurzen einleitenden Worten die Ver­eidigung und Verpflichtung der neuen Bei­geordneten Pl 0 ch und Wittich vor. Als­dann wurden für die Zeit vom 1. Februar 1926 bis zum Ende der Wahlzeit die Ausschüsse und Deputattonen neugewählt. Es wurden 9 Aus­schüsse und 3 Deputationen gebildet. Wie immer, so stellte auch diesmal der Stadtv. Oppen­heimer zu verschiedenen Ausschüssen und De­putattonen Sonderanttäge. die eine längere De­batte hervorriefen und die Beratung und Be­schlußfassung unnöttgerweise verzögerten. Außer­halb der Tagesordnung stellte Stadtv. Holz­appel noch den Antrag, den Erwerbs­losen daS Licht- und Wassergeld zu erlasse«, bzw. zu stunden. Der Anttag wurde zunächst dem Finanzausschich überwiesen. Anläßlich der 5 0. Wiederkehr des Faselmarkt- sind seitens der Stadt- und der Faselmarkt- Gesellschaft besondere Veranstaltungen ins Auge gefaßt. Zur Vorberatung dieser Ver­anstaltungen waren seitens der Stadtverwaltung eine größere Anzahl Bürgermeister und Orts- Vorsteher der näheren und weiteren Umgebung Butzbachs für heute nachmittag in den Kleinen Saal des Hessischen Hofes eingeladen worden. Außerdem waren auch Vorstände des Land- wirtschaftskammer-Ausschusses in Gießen, Dr. Wagner, und des hiesigen Landwirtschasts- amtS, Dr. Schad, eingeladen. Bürgermeister Dr. Jansen setzte deS näheren die inS Auge gefaßten Veranstaltungen auseinander. Es sollen zu den bisher gewährten Prämien besondere I u- oiläumSsatz-Prämien sowie auch D i - plome gegeben werden. Der Landwirtschafts- rammer-2ütSschuh wird, ebenso wie Im Vorjahre, eine Dullen-Auktion veranstalten. Außer der Prämiierung von Rindvieh sollen diesmal auch Schweine prämiiert werden. Rähere Be­stimmungen wegen der Prämiierung, werden noch bekanntgegeben werden. Weiterhin ist geplant, die Stadt zu schmücken und einen größeren Festzug aufzustellen. Hierzu wollen einzelne Gemeinden der Umgegend besondere Festwagen stellen. Auch der Vertreter des Landjugendbun- deS erklärte sich bereit, gegebenenfalls einige Wagen herzurichten. Am gleichen Tage wird auch der Kreis-Rinderzuchtverein seine Versammlung abhalten, bei welcher Gelegenheit ein fachwissenschaftlicher Vortrag gehalten wird. Ab 5 Llhr nachmittags findet dann im Deutschen HauS und im Hessischen Hof Tanzvergnügen bei freiem Eintritt statt. Die Vorschläge fanden allgemeine Billigung. Eine Mitte Sebruar ab- Anhaltende Sitzung soll das endgültige Programm festlegen. Seit Montag hält Wisswnsinspek- tvr Held aus Wiesbaden für die evangel. Ge­meinde Evangelisationsabende ab, di« sich eines derartigen ZudrangS seitens der hie­sigen Gemeindemttglieder sowohl alS auch der Umgegend erfreuen, daß sie auS der Hospitals kirche, wo sie zuerst abgehalten wurden, in die Stadtkirche verlegt wurden. Aber auch die Sitz­gelegenheiten der Stadtkirche reichten nicht mehv aus für die Menae der herbeigeströmten Zu­hörer, so daß aus der Rachbarschaft noch Stuhls herbeigeholt werden mußten.

Kreis Büdingen. 1

. II Tübingen, 1. Febr. (Eigener Draht­bericht desGieß. Änr.i Gestern fand hier bi«

Aber man wird mich verstehen. Wenn man viele Wochen in einer Stadt von 2000 Ein­wohnern lebt, weit droben im Atlantischen Ozean, wenn man feine andere Qeftüre mehr hat, als einen gebundenen Jahrgang von einer ameri­kanischen Damenzeitschrift, wenn es feine Bäume gibt, wenn man immer nur baß Meer sieht imb Felsen und wieder das Meer, bann kommt man schon auf allerlei Gedanken.

Eines Morgens stand ich hoch oben auf dem Fjeld und sah nach Rorden über das Meer. Die weißen Kämme, die noch unter mir als rol­lende Brandung gegen die Felsen stürmten, wa­ren weit draußen $u einem einzigen silbernen Blitz zusammengedrängt. Die Luft flirrte von Salz und Sonne, der Meerwind schnob mir mit der ganzen Frische des Morgens tief in die Seele. Ünb weit, weit draußen blies ein Wal. Ich sah seinen schwarzglänzenden Rücken, er blies im seligen Genuß der irdischen Luft, dick und silbern flieg der Wasserstrahl hoch, um sich oben wie eine Palme zu teilen und in viel­fach niederbrech enden Strahlen wieder ins Was­ser zurückzutehren.

Run sind Wale Mer oben in den Gewässern zwischen Island und den Fär-Inseln ziemlich feiten geworden. Der große Blauwal kommt fast gar nicht mehr vor, öfter schon der kleinere Finwal. Die großen Schwärme sind vor der gewaltsamen und nie ermüdenden Jagd der nor­wegischen Fänger nach Süden gewandert, und zwar sehr weit nach Süden. Ins südliche Eis­meer gehen alljährlich 8 biS 10 große Expedi­tionsschiffe mit ungefähr 30 kleineren Fang­booten von den norwegischen Häfen Larvik und Sandesjord, sie dringen bis Grahamsland und

der Insel Deception vor, um dort die wenigen Monate des polaren Sommers zu jagen und Oel zu kochem Aber im nördlichen Jagdgebiet bleibt immer noch genug zurück, um den Betrieb einiger Walstattonen auf Island und auf den Fär-Inseln zu lohnen.

Ich fuhr im (Motorboot zur Walstation Signebö. In einer schmalen, von Dergwärchen bedrängten Ducht steht eine große Holzbaracke, Wohnung und Bureau der Tranhersteller und Jäger. Eine gewaltige Plattform aus Holz läuft vom Ufer schräg herab ins Meer. Auf ihr werden die Wale an Land geschleppt, um be­arbeitet zu werden. Große Berge blutigen Wal­fleisches liegen zwischen den Klippensteinen, von Tausenden von Ratten feige umschwärmt, auf welche die Hunde der Fänger wütend Jagd machen. Auf der Plattform liegt ein eben ein­gelieferter Wal. Oben auf seinem mit Lust zu riesigen Dimensionen auf gepumpten Bauch stehen ein paar Männer, welch? mit fenfen» artigen Geräten die Haut der Länge nach in große Streifen zorschneidLn, dann am Ende eines solchen Streifens einen Haken einführen und damit die Speckseite abziehen. Diese wird zer­hackt und in großen Blöcken in die Kompressoren gesteckt, wo sie zugleich gekocht und gepreßt wird. Am Morgen hat der Wal noch vergnügt ge­blasen, am Abend steht er bereits als dunkel­braunes Oel in einer Reihe von Fässern inr Werte von 10 000 Kronen zum Versand bereit lieber dieser Arbeit liegt furchtbar, ungeheuerlich, würgend der Gestank. Rie, weder in den ver­gasten Unterständen Rordfrankreichs, noch in der KadaververwertimgsanstaU Rr. 8 in Focsani, noch auch in einer politischen Versammlung mit