Ausgabe 
31.10.1932 Frühausgabe
 
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und 24. Oktober, 10. und 24. November

Mch aus Lagdad

Buntes Allerlei

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sowie 10. und 28. Dezember 1932 folgenden Lohnzahlung.

Tagung der Wnemngehvrigen in Gießen Oie Not der Schauspieler. Oas Märchen von den Stargagen. Gegen das politische Theater.

Die Abführung der Bürgersteuer hat durch den Arbeitgeber alsbald an diejenige Gemeinde zu er­folgen, die die Bürgersteuer für 1931 auf der Steuerkarte angefordert hat. Der Arbeitgeber haftet für die von ihm einzubehaltende und abzu- fuhrende Bürgersteuer und setzt sich im Nicht­beachtungsfalle einer empfindlichen Bestrafung aus.

Handarbeits-Ausstellung.

Seit Samstagmittag bis heute abend veran­staltet das Haus der Handarbeit im Gast­hausHindenburg" eine Handarbeits- Ausstellung, in der aus dem reichen Waren­bestände der Firma viele bewundernswerte Stücke zur Schau ausgelegt sind. In übersichtlicher Weise wird den Besuchern ein. Bild von der Vielseitig­keit der Handarbeitskunst geboten, das durch die Sorgsamkeit der Gestaltung der einzelnen Stücke und die Güte und Schönheit der Arbeiten ange­nehm auffällt. Man sieht Kreuz-, Spannstich-

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MeineBegegnung mit Emin-pascha

Von Henry M. Stanley.

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8 0 000 Wasserzeichen enthält, teils in Originalblättern, teils in Durchpausungen: kein anderes Museum der Welt weist auch nur an­nähernd einen solchen Reichtum auf. Diese einzig­artige Sammlung ist heute unzugänglich, ge­fährdet und zum Teil schon vernichtet. ..Der hochverdiente Forscher hat sein ganzes Vermögen verloren", teilt Fraenkel mit,und lebt heuta in einem Bauernhäuschen zu Mönchweiler im Schwarzwald, das eher einer Hütte gleicht als dem Heim eines Gelehrten und seiner welt­umspannenden Sammlung. So hat Weitz hier nur einen ganz geringen Teil unterbringen können: der grötzte Teil ist im Rentamt zu Engen im Hegau eingestellt, in Kisten, Schränken und sonsti­gen Behältnissen verpackt, unzugänglich, aber wenigstens geschützt vor Wind und Wetter: ein nicht unwesentlicher Teil der Sammlung ist, man schämt sich fast, es niederzuschreiben, durch mensch­lichen Unverstand im Freien gelagert worden und praktisch so gut wie vernichtet. Soll die Samm­lung, auf die wir als ein rühmliches Ergebnis deutschen Forschergeistes stolz sein können, nicht ganz der Vernichtung anheimfallen oder gar, wie so vieles andere, den Weg ins Ausland finden, so mutz ihr eine dauernde Stätte bereitet werden, wo sie als ein wirkliches deutsches Papier-Museum fernerhin auch als Sammlungsmittclpunkt des ganzen Gebietes gelten kann."

Oie Orakel Höhle.

Auf der Insel Malta hat man eine uralte Höhle entdeckt, die nach einer sagenhaften äleberliefe- rung zu Orakelzwecken benutzt wurde. Die Höhle, die aus mehreren unterirdischen Räumen besteht, weist eine akustische Merkwürdigkeit auf. Eine männlich« Stimme, die aus dem Inneren der Höhle dringt, kann in allen übrigen Räumen gut vernommen werden, aber die Stimme einer Frau wird von den Felswänden verschluckt. Englische Gelehrte haben sich nun zum Ziel gesetzt, diefev Sonderlichkeit mit Tonregistrier-Apparaten von äußerster Feinheit auf die Spur zu kommen. Die Wissenschaftler vermuten, datz die Höhe der Stimme maßgebend ist. Wahrscheinlich werden tiefe Töne leichter von den Wänden und Decken zurückgeworfen und vom Echo weiter- gegeben, während sich höhere Töne, eben Frauen­stimmen, in den Felsen verlieren und verschluckt werden.

Aus der Provinzialhauptlladt.

Gießen, den 31. Oktober 1932.

Oie Bürgersteuer für 1932.

Bon der Bürgermeisterei Gießen wird uns beschrieben:

Zahlreiche mündliche und schriftliche Anfragen geben Veranlassung, zur Aufklärung über die Bürgersteuer nochmals aufeine Reihe von Bestimmungen hinzuweifen und 'diese durch einige Beispiele zu erläutern.

Die Stadt Gießen gehört bekanntlich zu den Ge­meinden, die die Bürgersteuer für 1931 erhoben haben und demgemäß nach den Bestimmungen der hessischen Verordnung vom 15. September 1932 auch die Bürgersteuer für 1932 erheben müssen, und zwar wie in 1931 in Höhe von 300 vom Hundert des Landes s atze s.

Berechnungsgrundlage für die Bürgersteuer 1932, die in den Monaten Oktober bis Dezember 1932 erhoben wivd und eine Forterhebung der Bürger­steuer für das Rechnungsjahr 1931, die in den Mo­naten Ianuar bis Juni 1932 erhoben wurde, dar­stellt, ist das Einkommen 1930, also der Betrag der Biftgersteuer 1931, wobei jedoch für Fälle außer­ordentlichen Einkommenrückgangs eine Ermäßigung der Bürgersteuer 1932 vorgeschrieben ist. Hinsicht­lich der Einkommensrückckgänge bleiben Vermin­derungen des Einkommens bis 50 v. H. außer Be­rücksichtigung, da durch die allgemeine Senkung der Bürgersteuer diesen Verhältnissen bereits Rechnung getragen ist. Bei EinkommensLllckgängen von mehr als 50 vom Hundert hat eine Herabsetzung der Bürgersteuer 1932 mindestens in dem Verhältnis des Einkommensrückgangs, soweit er über 50 vom Hundert liegt, einzutreten.

Bei der Bürgersteuer 1932 fällt einmal der sog. Lhefrauenzufchlag, der 50 v.h. betrug, weg. Von dem Betrage der Bürgersteuer 1931 (also ohne den Ehefrauenzuschlag) wird nur die Hälfte an- gesetzt, und der sich darnach ergebende Steuer­betrag wird um 25 v. h. gesenkt, also nur in höhe von drei vierteln erhoben.

Für die Angehörigen der freien Berufe, die auch zur Einkommensteuer veranlagt werden, sind beson­ders Bürgerstssuerbescheide auch für 1932 erteilt

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stickeveien, Filet- und Wollhäkeleien, Kelim- und Smyrnaarbeiten usw. in großer Auswahl und geschickter Aufmachung. Sämtliche Stücke beweisen sorgsamste Arbeit und geschmackvolle Farben­zusammenstellung, wie auch Gedankenreichtum in der einzelnen Arbeitskombination. Das gediegene und aparte Material verdient volle Anerkennung, die man denn auch von allen Seiten der Be­sucherschaft hören kann.

Ebenso bemerkenswert wie diese Schau ist eine zweite Veranstaltung des Hauses der Handarbeit in dem Laden der früheren Firma Rennstiel, gegenüber vomHindenburg". Dort ist ein Aus- schnitt der Teppich webkun st im Hause zur Schau gestellt, bei dem man sehen und lernen kann, wie jede Hausfrau sich selbst ihre Teppiche herzustellen vermag. Der Arbeitsvorgang ist außerordentlich lehrreich und anregend zurRach- eiferung. An Hand von fertigen Teppichen, die durch die Hausweberei entstanden sind, kann man erkennen, wie vollendet derartige selbstgeschaffcne Werke sind.

Beide Veranstaltungen feien der Beachtung unserer Bürgerschaft angelegent ich e npfoh'en.Die Handarbeits-Ausstellung imHindenburg" dauert nur noch bis heute abend an. Unsere Hausfrauen mögen daher nicht verfehlen, sie noch im Lause des heutigen Tages zu besichtigen.

Der Dezirksverband Rhein Main der Genossenschaft deutscher Büh­nen an gehöriger vereinigte am Samstag die Dezirksdelegierten der Ortsgruppen zu einer Ta­gung im Hotel Schütz zu Gießen.

TezirksobMann Staudenmeier (Frankfurt) begrüßte die Teilnehmer und die Gäste, insbeson­dere Bürgermeister Dr. Hamm und Intendant Dr. Prasch. Er dankte zunächst Bürgermeister Dr. Hamm für seine eifrige Arbeit um die Er­haltung des Gießener Stadttheaters. Die Stadt Gießen sei zu ihrem Theater zu beglückwünschen. Anerkennung gebühre Dr. P r a s ch dafür, daß er das Theater nicht nur wirtschaftlich, sondern besonders künstlerisch auf die gegenwärtige Höhe geführt habe. Die Tagung falle leider wieder in schwere Rotzeit.

von ben Schauspielern werden große Opfer verlangt. Das Theater habe sich gegen kultur­feindliche Bestrebungen zu wehren. Zu keiner Zeit aber sei so gut Theater gespielt worden, wie gerade jetzt. Von 15 000 Schauspielern seien 9000 erwerbslos.

Von Stargagen könne man kaum mehr sprechen. Der Prozentsatz derer, die Stargagen beziehen, sei verschwindend gering. Trotz aller Rotlage drängten auch in diesem Iahre wieder 2000 junge Menschen zum Theater. Es gelte, auf das schärfste zu sieben. Man wolle aber der Zukunft nicht pessimistisch entgegensehen, sondern hoffen, daß das Kulturgut des deutschen Theaters bald in eine bessere Zeit hinübergerettet werden könne.

Bürgermeister Dr. Hamm begrüßte die Ta­gung im Ramen der Stadtverwaltung. Stadt­verwaltung, Intendanz und Bühnenpersonal sehe er als eine Kampfgemeinschaft an für die Erhal- rung deutschen Kulturgutes. Das Bühnenpersonal des Gießener Stadttheaters habe mit unerhörter Hingabe gearbeitet. Dafür sage er herzlichsten Dank. Intendant Dr. P rasch betonte, daß das Theater heute nicht das sein könnte, was es ist, Weng sich Dr. H a m m nicht lediglich mit sachlichem Interesse, sondern auch mit Liebe dafür eingesetzt hätte. Herr Müller vom Afa-Bund und Herr R e r k i n g vom Dühnennachweis Berlin begrüß­ten die Tagung und befaßten sich kurz mit grund­sätzlichen Fragen der Zusammenarbeit. Sodann ge­dachte der Leiter der Tagung des verstorbenen Landgerichtsdirektors Dr. Aschaffenburg, Frankfurt a. M., der sich immer sehr für die Düh- Nenangehörigen eingesetzt habe.

2m Anschluß daran berichtete der Bezirks» vbmann in großen Umrissen über die Arbeit des Dezirksverbandes im Iahre 1931/32. An diesen Bericht schloß sich eine rege Aussprache an, in der die Vertreter der Ortsgruppen Bericht über die Lage an den einzelnen Theatern erstatteten. Bon feiten der Frankfurter Theater wurde allge­mein sehr geklagt und von ungeheuren Schwierig-

sesprochen. Günstiges wurde von dem jetzt stcwnschen, ehemaligen Kasseler Staatstheater be- mchtet: auch Wiesbaden konnte Erfreuliches Mit­teilen. Man hörte ferner über die Lage der Thea­ter in Mainz, Rkannheim, Saarbrücken, Kaisers­lautern, Hanau, Erfurt, Darmstadt usw. Herr Volck vom hiesigen Stadttheater sprach von der Arbeit m unserer Stadt, von dem großen Erfolg den das Ensemble in Darmstadt erlebte, betonte, daß leider

der Slaalszuschuß für das Gießener Sfabt- theater unverhältnismäßig gering sei, obwohl bas Theater doch weil über Gießen hinaus als oberhessisches Theater durch Gastspiele in den kleineren Städten wirke und mit Recht An­spruch auf einen höheren Zuschuß erheben könne.

Die Aussprache verlief sehr anregend und gab einen tiefen Einblick in die Sorgen, die in der Gegenwart ein Theaterbetrieb für alle Beteilig­ten mit sich bringt.

Rechtsanwalt Dr. Rosenmeher, Frankfurt am Main, hielt sodann einen Vortrag über all­gemeine Rechtsfragen un dErfah- rungen aus der Praxis. Der Redner er­örterte besonders die Lage der Dühnenangehöri-

er zur Abholung kommen. Vor allem aber sollte man sich vor Kabregas-Leuten hüten.

Am Nachmittag faß ich vor dem Eingang meines Zeltes am Albertfee, als ich am Horizont anschei­nend ein Kanu auf den Fluten erscheinen sah. Mein Feldstecher zeigte mir, daß es ein viel größeres Fahrzeug sein müsse. Dunkle Rauchwolken stiegen auf es war ein Dampfer! Drei Kilometer von uns entfernt ging er in der Nähe einer Insel vor Anker.

Ich schickte verlässige Boten am Strande entlang, damit sie den Leuten an Bord unsere Ankunft mit­teilten. Sie schossen vor Freude ihre Gewehre ab, aber die Sudanesen an Bord hielten meine Leute offenbar für Söldner Kabregas und gaben Feuer. Zum Gluck wurde kein Unheil angerichtet. Man er­nannte an Bord, daß mir Freunde seien. Gegen 20 Uhr kam Emin Pascha unter allgemeinen Freu­denkundgebungen und nach wiederholter Begrüßung durch Flintenschüsse in unser Lager, begleitet von zahlreichen Offizieren.

Ehe ich fragen konnte, wer Emin-Pascha sei, trat eine kleine zarte Gestalt auf mich zu und sagte in -vorzüglichem Englisch:Ich bin Ihnen vieltäusend Dank schuldig, Herr Stanley, und weiß wirklich nicht, wie ich Ihnen den Dank aussprechen soll!" Es war Emin Pascha.

Emin lud mich ein, mit ihm an Bord des Damp­fers zu gehen. Er bewirtete mich mit in Sirup ge­backenen Hirsekuchen und einem Glase frischer Milch. Meiner Truppe hatte er Ochsen, Milchkühe, 40 Schafe, Ziegen und Hühner mitgebracht, dazu meh­rere tausend Pfund Getreide.

Eine kurze Schilderung der Ereignisse auf unse­rem Marsche durch den Urwald, Betrachtung der politischen Lage in Europa, der Verhältnisse in der Acquatorialprovinz und eine kurze Aussprache über persönliche Angelegenheiten nahmen den größten Teil der ersten Stunden des Beisammenseins in Anspruch. Um unsere glückliche Zusammenkunft zu feiern, entkorkte ich eine Flasche Sekt, das Geschenk eines englischen Freundes.

Am Morgen des 24. Mai 1888 trat ich in aller Frühe, als noch der Morgennebel wie eine weiße Decke auf der weiten Seefläche lag, mit meinen Leuten zum letztenmal den Marsch in den inner- afrikanischen Wald an. Wir waren knapp eine halbe Stunde marschiert, da schmetterten laute Fanfaren, und heftiges Schießen begann. Es war der Ab- schiedsgruß Emiizs, der mit feinen Leuten vor Sonnenuntergang ausgerückt war. Noch einmal sprach er mir den innigsten Dank aus für all die Mühe, die ich um seinetwillen auf mich genommen; bann bot er mir ein herzliches Lebewohl.

Hiernach beläuft sich der einzelne einzubehaltende Teilbetrag in den Fällen zu a auf ein Achtel, und in den Fällen zu b auf ein Sechzehntel des Gesamt- betrags der Bürgersteuer 1931 ohne Ehesrauea- zuschlag.

Stanbort 6 Uhr l Suibir, 6 Uhr 58 liorb, Länge 49, 25 EninbcnburttfdfmtL era, um zu tonten. Joobob. Gehen nicht h tümafiol auf Zy- Midi Montag."

gen hinsichtlich der Rotverordnungen (insbeson­dere der Einbehaltungsverordnung der preußischen Regierung). Er wandte sich ferner speziellen Fra­gen des Gehaltsbezuges zu und gao Aufschluß über die Vertragsverhältnisse für Kollektive. Er betonte dabei, daß eine Etatkürzungeines Theaters kein Grund zu einer Der^ tragskündigung sein könne. Zum Thema Reengagement" wies er darauf hin, daß es auf diesem Gebiete so etwas wie ein Gebrauchs­recht gebe, das unter bestimmten Voraussetzun­gen Schadensersatzansprüche geltend machen lasse. Der Vortragende beschäftigte sich u. a. noch mit Fragen des Urlaubs, der Gastspielreisen, der Haftung für Garderobe usw.

Rach der Mittagspause referierte der Vize­präsident des Zentralverbandes, Herr E. Otto, Berlin, über die allgemeine Lage der Bühnenangehörigen. Er führte u. a. aus; Alle Kräfte müßten aufgeboten werden, um das Theater vor dem völligen Riederbruch zu retten. In dieser Zeit muhten die Interessen der Künstler oftmals zurückgesetzt werden, weil es zunächst galt, das Theater aufrechtzuerhalten. Die Genossen­schaft habe dabei viel Arbeit gehabt. Innerhalb der letzten drei Iahre mußten 22 Bühnen schließen. Demgegenüber konnten 107 gefährdete Bühnen gehalten werden. Der Afa-Bund habe in Zu­sammenarbeit mit der Genossenschaft wesentlichen Anteil an den Erfolgen.

Die Rettung vieler Theater sei gelungen in einer Zeit, in der die Zuschüsse immer mehr gekürzt werden mußten.

Mancher Tlnterstützungsfonds sei gestrichen wor­den. Acht Wanderbühnen muhten schließen. Lei­der muhten auch Theater von grenzpolitischer Bedeutung geschlossen werden. Die Genossenschaft habe ihrerseits sechs Wanderbühnen gegründet, denen jetzt allerdings auch keine amtliche Sub­vention mehr zuteil werde. Reuerdings habe der Gedanke, einen Theater-Kulturfonds zu schaffen, lebhafte Resonanz gefunden. Theater, die geschlossen werden muhten, sollen mit den aufzubringenden Mitteln wieder geöffnet werden. Die Arbeiten um diesen Fonds seien hoffnungs­voll und im besten Gange. Die Genossenschaft habe sich dafür eingesetzt, dah erwerbslose Schau­spieler beim Rundfunk beschäftigt werden. Lei­der hätten sich von politischer Seite her Schwierig­keiten ergeben.

Mit aller Energie müsse das Theater und die Kunst von politischen Einflüssen ferngehalten werden.

Den Versuchen ber NSDAP., das Theater mit poli­tischen und rassischen Tendenzen zu durchsetzen, werde man allen Widerstand entgegensetzen. Das Parteibzeichen habe im Theater nichts zu suchen. Das Theater dürfe nicht politisches Streitobjekt wer­den. Politisch aufgezogenes Theater trage den Keim des Todes in sich. Vom Publikum werde politisches Theater nicht gewünscht. Man behaupte, daß das deutsche Theateroerjubet" sei. Das sei nicht ber Fall. Die Anzahl der beschäftigten jüdischen Künst­ler sei verschwindend gering. In ben Theatern des Reiches seien 85 Prozent Reichsdeutsche, 9 Prozent Oesterreicher und etwa 6 Prozent deutsch erzogene Tschechen bzw. Schweizer beschäftigt. Außerhalb der Reichsgrenzen gäbe es 51 deutsche Theater, in denen überwiegend reichsbeutsche Künstler beschäftigt wer­den. Erfreulich fei es, festzustellen, daß im franzö­sischen Metz, deutsches Theater wieder Fuß gefaßt habe. Nachdem sich der Redner zum Schluß mit dem bevorstehenden Abschluß eines neuen Tarifver­trages zwischen den Bühnenangehörigen und dem Bühnenoerein und den damit verbundenen großen Schwierigkeiten aller Art befaßt hatte, erörterte er noch verschiedene Fragen des Berufs.

Im weiteren Verlaufe der Tagung wurden noch organisatorische Llngelegenheiten erledigt, die mehr oder weniger rasche Erledigung fanden.

Am Abend waren die Teilnehmer der Bezirks­tagung Gäste des Stadttheaters und sahen die Auf­führung von Erich Schäfers SchauspielDer 18. Ok­tober". Ein gemütliches Beisammensein im Hotel Schütz beschloß den arbeitsreichen Tag.

Der berühmte englische Afrikaforscher Stan­ley, dem es gelungen war, den 1871 in Afrika verschollenen Livingstone aufzufinden, unternahm im Jahre 1889 abermals eine Expedition in dendunklen Erdteil", um Emin-Pascha (Eduard Schnitzer) Hilfe gegen die aufständischen Eingeborenen zu bringen. In seinen Berichten hat er die erste Begegnung mit dem Gesuchten packend geschildert.

Am 2. April 1888 marschierten wir aus ben Toren 'des Forts Bobo, um zum zweiten Male den Ver­such zu machen, Emin aufzusinben und das ihn um­gebende Dunkel aufzuhellen.

Nach überaus beschwerlichem Marsch kamen wir am 8. April aus dem Urwaldbickicht ins freie Land. Das plötzliche Heraustreten aus der traurigen Schattenwelt in den Sonnenschein, ber Uebergang 'Dom Buschdüster zur grünen Erde und dem leuch­tenden Himmelgewölbe verfehlten nicht ihre Wirkung.

In Besse, dem ersten Dorf des Graslandes, hat­ten wir ein interessantes Gespräch mit einem Ein­geborenen, ber uns die erste Nachricht über Emin Pascha vermittelte.

Ich richtete ben Marsch nordostwärts nach dem Dorfe Kavalli, wo sich, wie das Gerücht ging, ein von Malleju, dem Bärtigen (so wurde Emin Pascha von den Eingeborenen genannt) zurückgelassenes geheimnisvolles Paket befinden sollte.

Bald nach der Ankunft meiner überaus stattlichen Heerschar von Kavalli, dem Sitze des Häuptlings, erschien bieser. Er war ein stattlicher schlanker jun­ger Mann von regelmäßigen Zügen; er legte ein sehr gemessenes Benehmen an ben Tag. Ich fragte 'ihn nach Mallejus Paket. Er zog es hervor und übergab es mir mit dem Bemerken, im ganzen Lande hätten nur feine beiden jungen Leute gewußt, 'wo das Paket fei; ob er es nicht sehr gut gemacht habe, das Paket so geheim zu halten.

Was enthielt das Paket? Aus mehrfacher Oek- tuchumhüllung kam ein Brief zum Vorschein, ein Brief Emin-Paschas! Der Brief war am 25. März 1888 in Tunguru am Nordende des Albertsees ge­schrieben. Emin teilte mit, er falbe bas Gerücht ver­nommen, daß Weiße im Süden des Njansa erschie­nen seien. Er sei auf seinem Dampfer soweit als möglich gefahren, aber die Bevölkerung sei in großer Furcht vor den Warasura, so daß alle Nachrichten ängstlich geheim gehalten würden. Emin bat ben Empfänger des Brieses, zu bleiben, wo er gerade sei und ihm durch Brief ober durch einen verlässigen Boten Nachricht zu geben. Mit dem Dampfer werde

Oer Krach.

In Athen ist man sowieso nervös, man rechnet ständig mitPatschen". Die sonderbarsten Ge­rüchte durchschwirren täglich die Stadt, ein zu nächtlicher Stunde einmal über das gewöhnliche Maß hinaus erleuchtetes Militärbureau brachte Athen schon aus dem Häuschen, älnd nun kommt das Grausige! Rachts 1 älhr, Totenstille, da ein fürchterlicher Donnerschlag, «in Knall, ein Krach, daß die Häuser erzittern. Aufregung, Rer- vosität! Alles rennt, das I. Armeekorps macht mobil. Beim Arsenal in Salamis wird ange- fragt, ob es noch steht, die bei Liosia vor Athen gelagerten Pulvermagazine angeklingelt, ob sie noch da sind. Doch alles in Ordnung! Einen gan­zen Tag kann man den geheimnisvollen Krach nicht aufklären. Dann kam des Rätsels Lösung. Eine Arbeiterfamilie verheiratete ihre Tochter, und die Brüder der Braut wollten sich einen echt griechischen Cxtraspah erlauben. Alsosammel­ten" sie viele Dynamitpatronen, schichteten diese auf einen Haufen auf dem Felde in der Rähe des Hochzeitsfestes, und zündeten das Freuden- feuer an, das mit einem gebührenden Knall ex­plodierte und Athen und die Hochzeitsgesellschaft erzittern ließ. Rachdem man sich nun von dem Schrecken erholt hatte, wünschte man dem jungen Paare viel Glück und hofft, daß dies der erste und auch der letzte Krach in ihrer Ehe sein möge.

Ein Museum für Vas Papier.

Leipzig als der Mittelpunkt des deutschen Buchhandels beherbergt eine ganze Reche von Sammlungen, die der Geschichte der Schrift, des Druckes und des Buches gewidmet sind. Aber es fehlt noch eine Stätte, an der die Grundlage der ganzen Bucherzeugung, das Papier, durch eine wissenschaftliche Sammlung vertreten wäre. Zur Ausfüllung dieser Lücke regt S. Martin Fraenkel im Buchhändler-Börsenblatt die Er­werbung einer einzigartigen Sammlung an, die vorn Untergang bedroht ist. Es handelt sich um die Papiersammlung, die Dr. Karl Theodor Weiß in der Arbeit eines langen Lebens zusammengebracht hat: sie umfaßt alles, was mit dem Papier und seiner Herstellung zu- sammenhält, vom Lumpensammeln bis zu der Verwendung des Papiers auf den verschiedensten I Gebieten. Einen Begriff von der Reichhaltigkeit I bekommt man, wenn man erfährt, daß sie allein;1

worden. Aus ihnen ergibt sich bie Höhe ber an ben beiden Fälligkeitstagen 10. Oktober und 10. No­vember 1932 zu entrichtenden Beträge. Das Gleiche gilt für Lohn- und Gehaltsempfänger, bie neben ihren Bezügen noch sonstiges Einkommen m einer Höhe haben, daß dadurch eine höhere Bür­gersteuer, als sich aus dem Arbeitslohn allein ergibt, begründet wirb. Auch sie haben zusätzliche Steuer­bescheide mit ben beiben obengenannten Fälligkeits­tagen erhalten.

Für alle übrigen Steuerpflichtigen wirb bie Bür­gersteuer vom Arbeitgeber durch Einbehalten eines entsprechenden Lohnteils erhoben. Jeder Arbeit- g e b e r hat die Bürgersteuer für seine Arbeitnehmer auf Grund der ihm vorliegenden Steuerkarten für 1932, in denen bie Bürgersteuer für 1931 angesor- bert ist, selbst z u berechnen. Der Gesamt­betrag der Bürgersteuer für 1932 beläuft sich nach dem oben Ausgeführten grundsätzlich auf drei Ach­tel des Gesamtbetrags ber auf ber Steuerkarte an- geforberten Bürgersteuer 1931 ohne Ehefrauenzu­schlag. Sind also z. B. in ber Steuerkarte (auf der vierten Seite oben) an Bürgersteuer 1931 von dem Arbeitnehmer 18 RM., und von seiner Ehefrau 9 RM., zusammen 27 RM., ang es ordert, so ist zur Berechnung ber Bürgersteuer 1932 von 18 RM. auszugehen: ber Gesamtbetrag ber Bürgersteuer 1932 beläuft sich auf drei Achtel dieses Betrags, mithin auf 6,75 RM. In der nächst höheren Ein­kommensstufe (4501 bis 6000 »RM. Einkommen) betrug die Bürgersteuer 1931 ohne Ehefrauenzu­schlag gleich 27 RM., hiervon drei Achtel ergeben die Bürgersteuer 1932 mit 10,12 RM. Einkommen- steuerfreie Personen hatten für 1931 gleich 9 RM. Bürgersteuer zu zahlen ohne Ehefrauenzuschlag, für 1932 beträgt bie Steuer drei Achtel von 9 RM. gleich 3,37 RM.

Die Bürgersteuer 1932 ist in drei bzw. sechs gleichen Teilbeträgen vom Arbeitslohn einzu­behalten,

und zwar bei Arbeitnehmern, deren Arbeitslohn gezahlt wird für Zeiträume:

a) von mehr als einer Woche: in drei Teil­beträgen, und zwar bei der auf den 10. Ok­tober, 10. November und 10. Dezember 1932 folgenden Lohnzahlung;

b) von nicht mehr als einer Woche: in sechs Teilbeträgen, und zwar bei ber auf den 10.

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