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ar. 204 Erstes Blatt
Mittwoch, 51. August (932
182. Jahrgang
Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimatim Bild • DieScholle Monat,-vezugrpreir:
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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TheftedaKteur:
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich sür Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max FiUer, sämtlich in Gießen.
Wahlrechtsreform auf dem Verordnungsivege in Sicht.
Verkleinerung des Reichstages. — Heraufsetzung des Wahlalters. — Eine Erste Kammer neben dem Reichstag.
Don unserer Berliner Redaktion.
Der Reichstag wird aufgelöst, daran ist nicht mehr zu zweifeln. Die Verfassung schreibt vor, daß spätestens am6 0. Tagenachder Reichstagsau flösung Neuwahl stattzusinden hat. Die Regierung wird sich, wie wir mitteilen können, an diese Verfassungsbestimmungen halten. Sie wird jedoch die neue Reichstagswahl bereits unter einem veränderten Wahlrecht vor sich gehen lassen.
Diese Wahlrechtsreform, die vorbehaltlich der nachträglichen Bestätigung durch die neu zu bil» dcnden Körperschaften vom Reichspräsidenten auf dem Verordnungswege erlassen werden wird, sieht
die Verkleinerung des Reichstags etwa um die halste der bisherigen Sitze und die Heraufsetzung des Dahlalterv auf 24 Jahre
vor. Es wird ferner in Regierungskreisen erwogen, verdienten Persönlichkeiten, wie auch Familienvätern und Müttern, evtl, sogar den ehemaligen Frontsoldaten, eine halbe ober ganze Zusatz st imme zu gewähren. Durch diese Maßnahmen hofft die Regierung, einen aklions- fähigen und entradikalisierten Reichstag zustande zu bringen. Hand in Hand mit diesen behördlichen Maßnahmen wird von führenden Persönlichkeiten des politischen, wirtschaftlichen und geistigen Lebens Deutschlands die
Schaffung einer neuen Partei auf strena nationaler, aber privatwirtschastlicher Basis versucht werden.
Dieser verkleinerte Reichstag, der etwa Anfang November zu wählen wäre, wird in seinen Befugnissen erheblich eingeschränkt sein. Es wird ihm
eine Erste Kammer zur Seite gestellt werden, die teilweise vom Reichsoberhaupt ernannt wird und in die die großen Berufsverbände, wirt- fchaftlichen, kulturellen und ideellen Verbände ihre Vertreter zu entfenben haben. Diese neue Kammer wird ein Vetorecht gegen die Beschlüsse des Reichstags erhalten. Eine Regierung kann nur dann gestürzt werden, wenn ihr von beiden Kammern das Mißtrauen ausgesprochen wird.
Es muß abgewartet werden, wie sich die Parteien zu diesen Maßnahmen stellen werden. Bei ben Nationalsozialisten ist man sich im klaren darüber, daß diese Verfassungsreformen das Ende jeder legalen Möglichkeit bedeuten, man vertraut jedoch felsenfest darauf, daß das R e g i e r u n g s p r 0 g r a m m scheitert, und daß dann die Macht automatisch an die Nationalsozialisten fällt. Ferner hat man
im Prinzip nichts gegen die ungeheure Machtverstärkung des Reichspräsidenten,
da man in der NSDAP, darauf rechnet, daß eines Tages Hitler der Nachfolger Hindenburgs fein werde.
Wieder in Berlin.
Berlin, 31. Aug. (WTB. Funkspruch.) Reichskanzler von Papen traf heute früh mit dem fahrplanmäßigen Zuge um 7.52 Uhr, aus Neudeck kom- mend, auf dem Bahnhof Friedrichstraße em. pn feiner Begleitung befanden sich Reichsinnenminister Freiherr von ®ai)l, Reichswehrminister General 0. Schleicher und Staatssekretär Dr. M c > ß n e r.
Leichte Erkrankung des Reichöwehrministers.
Berlin, 31. Aug. (CNB. Funkspruch.) Wie wir erfahren, leidet Reichswehrminister v. Schleicher an einer Erkrankung der Gallenblase. Der Reichs- wehrmtnister wird deshalb morgen eine kurze E r - holungsreisc antreten.
Reichskanzler und Reichstag.
Noch kein Zeitpunkt
für die Programmrcde bestimmt.
Berlin, 31. Aug. (CNB. Funkspruch.) Der genaue Zeitpunkt, an dem der Reichskanzler vor dem R e i ch s t a g seine umfassende Programm- r eite halten wird, steht, wie wir von unterrichteter Seite hären, noch nicht fest. Nachdem mit dem Herrn Reichspräsidenten eine grundsätzliche Uebereinstimmung in den großen politischen und wirtschaftlichen Fragen erzielt worden ist, wird der Reichskanzler sich mit dem Herrn Reichsprap- benten über alle politischen Fragen in Fühlung halten und alle Einzelheiten v 0 n F a l l zu Fall mit ihm durchsprechen. Der Ein- druck der aus Pressemeldungen entstehen könnte, als ob der Herr Reichspräsident für alle Einzel- maßnahmen gewissermaßen eine Blanko- vollmacht erteilt habe, ist hiernach nicht richtig, lieber den Termin für Besprechungen zwischen dem Reichskanzler und dem Reichstagspräsidenten zur Festsetzung des Tages der Pro- grammerklärung des Kanzlers kann noch nichts gesagt werden.
Die kommende Notverordnung der Reichsregierung.
Berlin, 31. Aug. (CAD.) Die Verösfent- lichung der Notverordnung der Reichs- regicrung. die ursprünglich für Samstag vor
gesehen war, ist, wie wir von unterrichteter Seite hören, aus Montag verschoben worden, weil man in Regierungskreisen zum Samstag nicht mehr fertig werden zu können glaubt.
Keine Entfernung der schwarz-rot- goldenen Fahne im Reichstag.
Berlin. 31. Aug. (DDZ.) Der deutschnationale Fraktionsvorsihende hat den Reichstagspräsidenten Döring ersucht, die schwarz-rot-goldene Fahne in der Wandelhalle des Reichstags entfernen zu lassen. Wie das Rachrichtenbureau des DDZ. hört, hat Präsident Döring darauf geantwortet, daß er zur Zeit keinen Anlaß habe, dem deutschnationalen Ersuchen stattzugeben. Der Präsident erinnerte die deutschnationale Fraktion daran, daß auch der deutschnationale Reichstagspräsident Wallrafs vor einigen Jahren die Fahne nicht habe entfernen lassen.
preußische Derwaliungsreform noch nicht fertig.
Berlin, 31. Aua. (CNB. Funkspruch.) Wie wir erfahren, sind bie Beratungen ber preußischen Staatsregierung über bie V e r w a l t u n g s- reform gestern noch ni ch t zum Abschluß gekommen. Vielmehr werben sie gegen Ende der Woche weitergeführt.
Inzwischen sind auch die Akten und sonstigen Unterlagen über das Beuthener Verfahren gegen die SA.-Leute bei der zuständigen Berliner Stelle eingangen und geprüft worben. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, daß bas kommissarische preußische Kabinett am Freitag auch über die Frage der Begnadigung ber zum Tode verurteilten S A.- L e u t e entscheidet.
Das Echo des 30. August.
Berliner Pressestimmen.
Berlin, 31. Aua. (TU.) In ihren Stimmungsbildern über die Eröffnungssitzung des neuen Reichstages weifen die Berliner Blätter allgemein auf das schreckliche Schauspiel der mühsamen Amtsführung der kommunistischen Altersprästdentin hin und betonen, daß die durch die Kommunisten beabsichtigte Herausforderung durch die eiserne Disziplin der nationalsozialistischen Abgeordneten verpufft sei.
Zu dem weiteren Verlauf ber Sitzung unb der Wahl des Präsidiums schreibt die „Deutsche Allgemeine Zeitung", klarer hätte nicht herausgestellt werden können, daß die Nationalsozialisten sich den Wünschen der Zentrumspartei, die aus guten Gründen den Parteienstaat retten wolle, vollkommen zur Verfügung stellten.
Der „L 0 k a l a n z e i g e r" hebt hervor, daß der gestrige Reichstag mehr Rätsel geknüpft, als gelöst habe. Es sei schade, daß Göring erst in dieser Stunde die von anderer Seite feit Jahr unb Tag ausgestellte Forderung des Zusammenwirkens aller wertvollen Kräfte ausgenommen habe.
Die „B ö r f e n 3 e i t u n g" sagt, die Erklärung Görings unb die Tatsache, daß Göring das Zentrum nunmehr in bie nationale Mehrheit bes Reichstages einbezagen habe, zeige, bis zu welchem Grabe bie auf gemeinsames Vorgehen gerichteten Vereinbarungen zwischen Zentrum unb Nationalsozialisten gediehen seien.
Die „Deutsche Zeitung" bezeichnet die Eröffnungssitzung als Zwischenakt, die rote Auflösungsmappe hatte aus der Ferne gewirkt.
Die „G e r m a n i a" betont, der Reichstag ha.de gezeigt, daß er auch in kritischen Situationen bie Disziplin und die Würde zu wahren wisse. Sein Anfang fei deshalb nicht schlecht gewesen.
Die „V 0 f s i s ch e Zeitung" schreibt, die Rede des Präsidenten Göring gebe dem Kanzler Recht, der in Münster von der Scheinkoalition sprach, bei ber ein Partner den anderen nur vernichten wolle. Das Urteil des »DölkischenBeobachter-.
München, 21. Aug. (CNB. Funkspruch.) Der .Völkische Beobachter" nennt bie gestrige Eröffnungssitzung des Reichstags einen „großen Tag". Denn gestern [ei der gesamte Marxismus aus einer feiner festesten Stellungen hmausgeworfen wor- den feit 1919 habe Deutschland zum erstenmal em marxistenreines Präsidium im eich s- tage Die NSDAP, habe erneut die politische
Schlüsselstellung erobert und werde sie zu gebrauchen wissen. Das Blatt fordert den Rücktritt des Kanzlers.
pariser Kommentare.
Paris, 31. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die Ereignisse, die sich gestern in Deutschland abgespielt haben, in ber Hauptsache die Unterredung auf N e u - deck und die Reichstagssitzung, werden von der französischen Presse als Sieg der Reichsregierung gewertet, der iedoch von den meisten Blättern mit gemischten Gefühlen aufgenommen wird.
„I 0 urna l" sagt in einem Sonderbericht aus Berlin, das Zentrum, das, um den Reichskanzler zu Fall zu bringen, zu einem Bündnis mit den Nationalsozialisten bereit sei, habe gegenwärtig zweifellos die Partie verloren.
„P e t i t P a r is i e n" erklärt, die Prognose bleibe für Herrn von Papen, der mehr als das „Wettrennen von Neudeck" gewonnen habe, günstig.
„Volonts" schreibt: Db man die Politik von Neudeck billigen oder tadeln mag, jedenfalls erregt bie Haltung des deutschen Staatsoberhauptes Sympathie. Reichspräsident von Hindenburg steht als fester Damm da. Jedenfalls wird, ob die Reichstagsauflösung erfolgt ober nicht, das Reich jetzt einen Waffenstillstand erleben, unter dessen Schutz bie Männer unb bie Geister zur Reife gelangen können.
Denselben Ton schlägt „E ch 0 de Paris" an. Alles zeige bie Kontinuität zwischen dem Deutschland von heute unb dem Deutschlanb von einst.
„E r c N 0 uvell e", bas Hcrriot nahesteht, betrachtet die Dinge sehr einseitig. Die gegenwärtigen Führer Deutschlands, sagt das Blatt, hätten nur eine Sorge: ihrem Lande seine Größe und sein Prestige von einst wiederzugeben, d- h. die Niederlage, ihre Folgen und die letzten Kriegsspuren aus- zulöschen. Gewiß wolle man Deutschland nicht das Recht bestreiten, seinen Wohlstand und seine innere Ordnung wiederherzustellen unb dem innerpolitischen Zwist ein Ende zu bereiten, ferner eine Großmacht zu sein und zu bleiben. Das sei sogar seine Pflicht. Ader was Frankreich beunruhige, seien die Mittel, die Deutschland benutze, um dieses Ziel zu erreichen, unb bie Männer, an bie es appelliere.
„2 a Republigue" meint, in Deutschland regiere heute nur die Macht, die durch General von Schleicher repräsentiert werde. Zweifellos werbe Deutschlanb unter seiner Leitung einige Stabilität mieberfinben. Aber das..nationalistische" Deutschland sei für Frankreich beunruhigender als das Hitler- Deutschland.
Deutschlands Rüstungsforderungen
Reichswehrminister von Schleicher spricht ,u Italien.
Bologna. 31. Q1W (WTB. Sutifptu».) Reichsweyrminister v. Schleicher hat dem Berliner Bcrtretcr des „Rcsto del Carsino mne Unterredung gewährt. ^_dre^:age. welches die grundsätzlichen Wunsche unHo berunacn Deutschlands inbcr Ab rüstungsfrage seien, erwiderte der Minister, Deutschland wünsche nach wie vor
die allgemeine, entschiedene und schnelle Abrüstung.
3n diesem Wunsche treffe sich Deutschland mit Italien, dessen Staatsmänner wiederholt und überzeugend den gleichen Standpunkt ver- treten hätten. Rach einer kritischen Würdigung des Ergebnisses des ersten Abschnittes der Ab- rustungskonferenz im Sinne des bekannten deut- schen Standpunktes erklärte der Minister, er müsse heute schon mit allem Rachdruck darauf Hinweisen, daß die Schuld für ein etwaiges Scheitern der Abrüstungskonferenz auf jene Staaten falle, die den Zweck der Konferenz nicht in der Herstettung gleicher nationaler Sicherheit aller Dolker durch all- gemeine Abrüstung sahen, sondern m der einseitigen Sicherung und Verewigung einer
ungerechten Verteilung von Recht und Macht, die sich im letzten Jahrzehnt als Quelle alles Hebels erwiesen habe. Ie weiter aber die Erfüllung des deutschen Wunsches nach allgemeiner Abrüstung hinausgeschoben werde, um so energischer müsse Deutschland die Anerkennung des Grundsatzes der Gleichberechtigung fordern. Man könne ein 65-Millionen- V 0 lk, das für den kulturellen Fortschritt der Welt unendlich viel geleistet hat, auf die Dauer nicht als Paria behandeln.
was hätte Deutschland in einem Völkerbund ju tun, der es unter entwürdigendes Sonderrecht stellt?
Ein großes Volk, dessen Selbstbestimmungsrecht auf der Grundlage dcr Kriegsschuldlüge in ben wichtigsten staatlichen Funktionen in un- erträglicher Weise beschränkt worben sei, könne nicht zur Ruhe kommen. Ein Staat, der feinen Bürgern nicht bie Sicherheit gegen äußere Be- brohung gewährleisten könne, bilbe in gewissen nationalen Beziehungen einen Faktor ber ün- sicherheit. Beklagenswerte Erscheinungen im inneren Leben Deutschlands feien zum größten
Teil bie natürliche Folge der Fortdauer der Diskriminationen durch daS FriedenSdiktat.
Aus die Frage, was der Minister praktisch unter Gleichberechtigung in der R ü - stungssrage verstehe, erwiderte General v 0 n Schleicher u. a.: Deutschland beansprucht in bezug auf die Wehrverfassung, die Organisation und Einteilung seiner Streitkräfte, die Ausstattung mit Waffen, die Landesbesestigung und die Waffenherstellung
grundsätzlich die gleichen Rechte, rote sie andere Staaten für sich in Anspruch nehmen.
Wenn die anderen Mächte das deutsche Wehr- system nicht nachahmen wollten, wie es im Sinne ihrer Abrüstungsversprechungen liege, dann müßten sie Deutschland den Umbau seiner Wehrmacht nach den Methoden zu- billigen, die sie selbst als unerläßlich für ihre nationale Sicherheit bezeichneten. Das deutsche Heer habe keine Lustwaffe, keine Kampfwagen, keine schwere Artillerie. Flugzeugabwehrgeschütze, die Marine keine U-Boote, Flugzeugträger, großen Kreuzer usw. Diese Waffen seien in Genf, als Verteidigungsmittel erklärt worden, ohne sie könne also auch Deutschland seine nationale Sicherheit nicht erlangen. Auch in den Fragen der Landesbefestigung unb der Waffenherstellung bestehe ein unhaltbarer Widerspruch.
Alle Deutschland auferlegten Beschränkungen müßten entweder allgemeine Anwendung finden oder für Deutschland wegfallen.
Der Umstand eines Umbaues der Reichswehr hänge also vom Grade des Abrüstungswillens der hochgerüsteten Staaten ab. wobei selbstverständlich der schwierigen Finanzlage des Reiches Rechnung getragen werden müsse.
Auf die Frage, welche Folgerungen die deutsche Regierung aus einer Ablehnung ihrer Gleichberechtigungsforderungen ziehen wolle, entgegnete der Minister:
Sie wird sich bann nicht mehr an ben Arbeiten ber Abrüstungskonferenz beteiligen, was biete Richtbeieitigung für bie Existenz bes völker- bunbes bebeutet, liegt auf bet fjanb.
Die deutsche Regierung wird darüber hinaus durch den Bruch der Abrüstungsversprechungen seitens ihrer Vertragspartner gezwungen sein, die nationale Sicherheit auf nationalem Wege herzustellen, wenn es auf dem internationalen Wege nicht möglich war.
Die Koaliiionsverhandlungen
Tie Reichslcttttngcn haßen jetzt bao Mort.
Berlin, 31. Aug. (TU.) Der Geschäftsführer der Zentrumsfraktion des Preußischen Landtags erklärte einem Vertreter der TU. auf dessen Frage nach dem Stand derKoa - litionsverhandlungen zwischen Rationalsozialisten und Zentrum, daß in diesen Verhandlungen bisher noch keine Einigung erzielt sei. Die Besprechungen gingen jedoch weiter. Gegenwärtig liege die Verhandlungsführung bei den beiderseitigen Reichslei - t u n g c n. Auf die Frage, warum Rationalsozialisten unb Zentrum im Aeltestenrat für eine erneute Vertagung bes Landtages u»H mehr als drei Wochen gestimmt haben, erwiderte Dr. Graß, daß beide Parteien B ew e g u na s f re ihe i t für ihre Verhandlungen haben wollten und daß sie im übrigen ja jederzeit ein früheres Zusammentreten des Landtages beschließen könnten.
Die „DAZ." berichtet, daß bereits heute zwischen den Führen, des Zentrums und Adolf Hitler, der noch in Berlin geblieben sei, im Kaiserhof eine Konferenz stattsinden werde.
DasThüringerRegierungsprogramm
Weimar, 30. Aug. iTU.) Das neueThü- ringer Äa binett stellte am Montag dieRe - gierungserklärung über die Grundsätze auf, nach denen bie Landesverwaltung geführt werden soll. Die Staatsregierung betrachte es als ihre erste und vornehmste Aufgabe, das Zusammenwirken aller wertvollen Kräfte herbeizuführen. Sie bekenne sich dabei rückhaltlos zur nationalen und völki- schen Staatsausfassung. Soziales Verständnis und sozialeGerechtigkeit würden für sie stets selbstverständliche Leitsätze ihres Handelns sein. Die Selbständigkeit des Landes Thüringen soll aus das entschiedenste verteidigt und vertreten werden. Schuh undSicherung von Eigentum und Person, Förderung aller Zweige der Wirtschaft, Beschaffung von Arbeit und Brot werde die Staatsregierung unverzüglich und mit aller Zähigkeit sich angelegen sein lassen. 2Iuf das Entschiedenste bekenne sich die Staatsregierung zur Aufrechterhaltung des Berufs- bcamtentumä. Eingedenk der überragenden Tradition des Landes Thüringen werde die Regierung es weiterhin als ihre größte Pflicht betrachten, den deutschen Gedanken auf allen Gebieten ber Dolkserziehung zum stärksten Ausdruck zu verhelfen.
Zinssenkung
für amerikanische Giitthaliekrediie.
Neuy 0 rk, 30. Aug. (WTB.) Der Vorsitzende des Bankierausschusses für Stillhaltekredite, G 0 0 dhue , gab heute offiziell bekannt, daß der Zinssatz für kurzfristige Kredite an Deut s chlondvonb v. H. auf 5 0. H. gesenkt worben» fei. Die Regelung gilt ab 1. September,


