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nr. 125 Erster Matt

182. Jahrgang

Dienstag, 31. Mai 1932

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur

Dr. Friedr. Dich. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Dich. Lange; für Feuilleton Dr H.Tdnriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Oie Parteiführer bei Hindenburg.

Oie erste Sondierung der neuen Lage. Hitlers Empfang beim Reichspräsidenten. Kür morgen wird die Beauftragung des neuen Kanzlers erwartet.

Berlin, 30. Mai. (ZIL) Der Reichsprä­sident hat unmittelbar nach dem Rücktritt des Reichskanzlers Dr. Brüning dIe Verhandlun­gen zur Neubildung der Reichsregie­rung ausgenommen. Er hatte zunächst zu diesem Zweck Besprechungen mit einer Reihe von Parteiführern. Er empfing am Montagnach­mittag zuerst den Reichstagspräfidenten £ ö b e , hierauf b l e Führer der S P D., Wels und Breitscheidt, um 18.30 Uhr wurden sodann der Führer der NSDAP., Adois Hitler und der Abg. Hauptmann a.D. Göring, emp­fangen. Vie Aussprache mit den Nationalsozialisten war sehr eingehend und dauerte etwa ein­einhalb Stunden. Der verlaus der Bespre­chung mit den Nationalsozialisten wird von diesen als besriedigend bezeichnet.

Die Besprechungen des Reichspräsidenten zielen anscheinend aus die Bildung einer über­parteilichen Regierung ab, die durch Fachleute ergänzt wird. Die Regierung soll parlamentarisch durch die Parteien vom Zentrum bis zur Rechten unter Einschluß der Nationalsozialisten ge­stützt werden. Die (Empfänge werden am Dienstag, vormittag um 10.30 Uhr sortgeseht. Ls wer­den dann die Führer de» Zentrum», der veutschnationalen und der anderen Par­teien empfangen werden. Reichskanzler Dr. Brü­ning ist entgegen feinen ursprünglichen Absichten in Berlin verblieben.

Ueber die Besprechung des Reichspräsidenten mit den sozialdemokratischen Parteisührern erfährt das VVZ.-Bnreau aus parlamentarischen Kreisen, daß Hindenburg energisch betont habe, siir ihn sei nach seiner ganzen Vergangenheit der Schutz der Verfassung eine Selbstverständlich- k e i t. Daraus werde man entnehmen können, daß der Reichspräsident den Wunsch habe, ein Kabinett zu bilden, das mit einer par lamen «arischen Mehrheit zu regieren versucht. Hinden­burg scheine sich allerdings auch darüber klar zu fein, daß ein neues Kabinett ebenfowenig wie da» bis- herige ganz ohne Notverordnung auskommen könne. Ls dürfte sich bei den bisherigen Absichten des Reichspräsidenten wiederum um ein Kabi­nett öer mitte handeln, an den in der Oeffenl- Uchkeit vielfach als Kanzlerkandidaten genannten Freiherrn von GayI solle jetzt nicht gedacht sein, sondern an eine mehr nach der Mitte tendie­rende Persönlichkeit, etwa den G r a s e n w e st a r p, der im Reichstage der Volkskonservativen Gruppe angehürt. Der Reichspräsident hasse, den neuen Reichskanzler bereit» am Mittwochernennen zu können, wenn die von ihm betraute Persönlich­keit nicht auf allzu große Schwierigkeiten stößt, so könnte man also damit rechnen, daß da» neue Reich»kabinett Ende der Woche zu­sammengestellt wäre.

VieD A Z.) berichtet u.a., daß die Frage der Neuwahlen in den Vordergrund getreten sei. Der Reichspräsident sei offenbar von sich aus grundsätzlich zu dem Entschluß gelangt, den Reichstag aus­zulösen und Neuwahlen auszuschreiben, um aus diesem Wege volle Klarheit in der innerpolitischen Entwicklung herbelzusühren. Die Neuwahlen würden selbstverständlich mit Rücksicht auf die schwierige außenpolitische £agc nicht sofort vorgenommen wer- den. Ls fei vielmehr anzunehmen, daß sic er ft im herbst ftattfinben sollen. Vas neue Kabinett würde bann die Funktion eines Treuhänders übernehmen, der bis zur neuen Befragung des Dolle» die Macht zu verwalten hätte, und zwar ge­stützt auf eine möglichst breite parlamentarische Kon­stellation. E» erscheine durchaus denkbar, daß die Nationalsozialisten einem solchen Uebergangskabinett ihre Unterstützung geben. Darüber hinaus würde es allerdings auf die Tolerierung des Zentrum» an­gewiesen fein, die man zu gewinnen hoffe.

Weitere Empfänge.

Berlin, 31.Mai. (Q3D3- Funkspruch.) Wie das Nachrichtenbureau des DDZ. meldet, fegte Reichs- Präsident von Hindenburg am Dienstag- vormittag die Besprechungen für die Regierungsneu. bildung fort. Zunächst erschien der Führer des Zen­trums Prälat Dr. a a 5, beim Reichspräsidenten. Ihm folgten für die Deutfchnationale Dolkspartei die Abg. Dr. h u g e n b e r g und Dr. von W i n ter seid hierauf wurde der Führer der Deutschen Dolkspartei, D i n g e I d e y , empfangen.

3n den frühen Nachrnittagsstunden sind die Rührer der Wirtschaftspartei Drewitz und Mollath zum Reichspräsidenten berufen worden. Die Wirt- schastspartei hatte bereits vorher in einer Fraktions- sitzung im Reichstage die Lage durchgefprochen, wah. renb der Abg. Dingeider) feiner Fraktion am Nachmittag über das Ergebnis der Besprechungen mit Hindenburg Bericht erstatten will. Im Lause des Nachmittags werden vom Reichspräsidenten noch

empfangen der Führer der Staatspartei, der gleichfalls im Anschluß daran vor seiner Frak- tio.i sprechen will, sowie der I ü h r e r d e r B a ye - rischen Dolkspartei, deren Fraktion nuf Mittwochvormittag einberufen ist.

Wieder ein Zenirumskanzler?

Die Favoriten des Zentrums.

Berlin, 31. Mai. (Priv.-Tel.) Aach zuver­lässigen Informationen sind die Besprechungen über das künftige Kabinett einen guten Schri tt vorwärts gekommen, und sie werden aller Voraussicht nach die Situation heute abend so weit geführt haben, daß morgen früh persönliche Fühlung mit den Männern genommen werden kann, die heute a l s 2Ln toärter auf den Ka nzler- posten genannt werden. Reichspräsi­dent von Hindenburg hat zunächst den Parteiführer des Zentrums, Prälat K a a s, emp­fangen. Die zukünftige Haltung des Zentrums scheint demnach schon klar zu sein, und auS dem, was man jetzt hört, geht eigentlich deutlich her-

Berlin^ 31. Mai. (ERB. Funkspruch.) Bisher haben alle Parteien, mit deren Derttetern der Reichs- Präsident gesprochen hat, erkennen lassen, daß sie bereit sind, an der Lösung der Regie­rungskrise mitzuwirken. Fedoch haben die Führer des Zentrums erklärt, daß ihre Par­tei nicht in derLage sei, sich an irgend­einer Kombination zu beteiligen. Die Stimmung geht beim Zentrum offenbar dahin, zu­nächst abzuwarten, wie die neue Regierung aussieht. Eine positive Beteiligung des Zentrums an dem Präsidialkabinett kommt aber nach diesen Erklärungen nicht in Frage. Dadurch würde freilich die lolertcrungsbafis des neuen Kabinetts im Reichstage vorläufig nicht gefchmälert. Aber es gilt und das wird in maßgebenden Kreisen fehr bedauert nun als sicher, daß keine Hoffnung mehr besteht, Dr. Brüning für das Auswärtige Amt zu gewinnen, wie es dem Wunsche des Reichspräsidenten entsprochen hätte. Selbstverständlich wird der Reichspräsident heute nachmittag seine Bemühungen in der bis­herigen Linie fortführen, und man rechnet weiter damit, daß cs ihm bis heute obcfib gelingt, soweit Klarheit zu schaffen, daß er morgen mit den Per­sönlichkeiten Fühlung nehmen kann, die nach seiner Auffassung in erster Linie für das Kanzleramt in Frage kommen.

DieMionalsozialjstenzurlleber- nahme der Verantwortung bereit

Vorbehaltlich einer Auflösung vcs Reichstags.

Mückchen, 31. Mai. (DDZ- Funkspruch.) Wie hrm Rachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsvcrlegcr von nationalsozialisti­scher Seite erklärt wird, nahmen die Be­sprechungen Adolf Hitlers und Göhrings mit dem Reichspräsidenten einen befriedigenden Verlaus. Dieser Eindruck bei den nationalsozia-

Oie Rechte.

In den Betrachtungen der Berliner Preße kommt allgemein zum Ausdruck, daß das Gesetz des handelns auf den Reichspräsidenten übergegangen fei, durch dessen alleinigen Willen ein völliger Kurswechsel zu erwarten sein dürste. Man glaubt, daß sich die Dorhandlungen um die Neubildung der Regierung noch einige Tage hinziehen werden und daß das neue Kabinett not­falls das Mandat zur Auflösung des Reichstages erhalten wird. Der nationalsozialistische21 n griff fordert in diesem Zuftmimenhang, daß Brüning verschwinden müsse, um niemals mehr eine politische Rolle zu spielen. Das Blatt bezeichnet den Zusammenbruch der von Groener und Seve- ring erhobenen Landesverratsklage gegen die SA. sowie den überwältigenden nationalsozialistischen Wahlsieg in Oldenburg als den letzten An- stoß zum Sturz Brünings und fährt fort: »Hetzt oder nie ist der Augenblick gekommen, da der Reichspräsident eine geschichtliche Stunde vorfindet, der er entsprechend begegnen muß. Das Recht der NSDAP, auf die Staatsführung ist von neuem und doppelt bestätigt. Will sich der Reichspräsident dieser unaufhaltbaren Entwicklung einfach entziehen? Das ist unmöglich? Die Stunde der NSDAP, ist gekommen!

Der deutfchnationaleBerliner Loka kan­zel g e r erklärt, es stehen sehr erhebliche Schwie­rigkeiten für die Neubildung eines Kabinetts dann

vor, daß betReichspräsident durchaus geneigt ist. Männern aus Z c n t rum s krei se n den Kanzlerposten anzubieten. AI» solche werden genannt Frhr von Lüninck, der Essener Oberbürgermeister Bracht, der schon wiederholt bei Kabinettskrisen als Anwärter auf einen Ministerposten genannt wurde, und schließ­lich der Abgeordnete von Pazen, der vielleicht die meisten Aussichten hat. Da das Zentrum aber Dr. Brüning nach wie vor als seinen poli­tischen Vertrauensmann ansieht, so würde wohl eine Mebcmabme des Kanzlerpostens durch einen der genannten Männer davon abhängig sein, wie sich das neue Kabinett zu dem bisheri­gen Regierungsprogramm Dr.Drünings stellen wird. Ueber die Besetzung der einzelnen Ressorts verlautet so gut wie noch gar nichts. Deswegen erübrigt es sich auch, irgendwelche Prophezeiungen nach dieser Richtung hin anzu­stellen. Denn die Besetzung der einzelnen Minister­posten wird durchaus in den Händen deS mit der Kabinettsbildung beauftragten neuen Kanz­lers liegen.

listischen Unterführern sei daraus zurückzuführen. daßReichspräs ident v-H i n d e n b u r g sich in dem Gespräch nicht abgeneigt gezeigt habe, einer neuen Reichsregierung die Er­mächtigung zurReichstagsauflösun g au geben 3m übrigen Dürfte Hitler erklärt haben, daß für die Rationalsozialisten keine Regierung, wie sie auch immer aussehen möge, tragbar fein würde, d ie den Eharak- ter einer Kompromißlösung haben würde. Andererseits aber seien b i e Ratio­nalsozialisten jederzeit bereit, bic volle Derantwortu-ng zu überneh­men, immer allerdings unter der Voraussetzung, daß der Reichstag neu gewählt werde.

3m übrigen verlautet in parlamentarischen Kreisen, daß die Kandidatur des Grafen Westarp für das Kanzleramt in den Hinter­grund getreten fei und daß man jetzt an den rechts gerichteten Zentrumsführer v. Papen benic Adolf Hitler dürste jedoch auch darüber keinen Zweifel gelassen haben, daß v- Papen gleichfalls nicht auf eine Tolerierung durch d i e Rationalsozialisten rech­nen könne.

3n nationalsozialistischen Kreisen denkt man sich die weitere Entwicklung offenbar so. daß ein Kabinett unter nationalsozia­listischer Führung und unter Betei­ligung der Deutschnationalen wie der Deutschen Volkspartei geführt werde, daß man eine Regierungserklärung dem Reichstag gebe und diesen bann auflöse. Die Einberufung bes Reichstages würbe bann allerdings so verzögert werden müssen, daß d i e Reuwahlen, die nach Artikel 23 der Reichs­verfassung spätestens am 60. Tage nach der Auf­lösung stattzufinden haben, erst nach der Ernte, allo Mitte September, vorgenommen wer­den konnten. Rach Absatz 2 des Artikels 23 mühte der neue Reichstag zum ersten Male spätestens am 30. Tage nach der Wahl zusammentreten.

bevor, wenn nicht ein völliger Systemwech- s e I vom Reichspräsidenten für richtig befunden wird. Es ist zu erwarten, daß besonders der Füh­rer der Deutfchnationalen und der Führer der Na- tionalfozialiften den Reichspräsidenten über die wirkliche Lage völlig aufklären werden und damit die Aussichten über die Möglichkeit einer .^Zwischen- löfung" erschüttert werden. Der .Lokalanzeiger" meint, es sei nicht verwunderlich, daß dieses Sy­stem zusammengebrochen sei. Zu bewundern sei nur die Elastizität, mit der der Kanzler dieses System ohne die allergeringste Fühlung mit den lebendigen Kräften des deutschen Dolkes in geheimer Klause der Reichskanzlei immer wieder zu retten vermocht habe. Entscheidend sei, daß dieses System andern Punkte zusammengebrochen sei, in dem seine Stärke lag, nämlich an dem Der- trauensoerhältnis zwischen Brüning und Hindenburg. Daß der Reichspräsiden! d. Hindenburg schließlich in der Stille von Neudeck die Fehler der Regierung mit Notverordnungen entdeckt habe, darin liege das Todesurteil über eine Regierungsmethode ausgesprochen, die für Deutschland niemals zu gebrauchen sei.

Oie Mifte.

Die.DeutscheTageszeitung" (ßanbbb.) fordert, daß jetzt die Losungen gesucht und gefun­den werden mühten, deren Rotwendigkeiten über Gebühr lange geleugnet worden seien. 3etzt stehe auch vor den politischen Parteien und

Das Ergebnis der ersten Fühlungnahme.

Keine aktive Beteiligung des Zentrums?

Die Berliner presse zum Sturz Brünings.

vor den politisch maßgebenden Kräften die Ver­antwortung für die Neugestaltung der Dinge, jetzt flehe die Opposition eindeutig und klarvor derDerantwortung. Was lange und vergeblich angestrebt worben sei, baS könne, das müsse jetzt verwirklicht werden.

DieD A Z" (gemäßigte Rechte) meint, daß der Rücktritt erfolgt sei, weil seit dem politisch un­glaublich kurzsichtigen Verbot der SA -Abteilun- gen eine Spannung zwischen Regierung und Reichspräsident bestanden habe, die gelöst werden mußte. Woraus es ankomme, sei eine solche Auswahl des neuen Reichskanzlers und seiner Ministerkollegen, daß die ehrliche Berücksichtigung der an die Macht drängenden Volksbewegung offen­bar werde. Die Rationalsozialisten müßten end­lich auS der reinen Opposition-st el- lu n g herausgesührtund vor die gro­ßen Ausgaben De» Staates gefiel lt werden. Rur auf diesem Wege könne eine ruhige Konsolidierung unserer inneren Verhältnisse an- gebahnt werden. Zugleich werde sich zu zeigen haben, daß die Hitler-Partei unbedingt auf die Mitwirkung erprobter und angesehener Praktiker der Politik und des Wirtschaftslebens angewiesen sei.

Oas Zentrum.

Unter der UeberschriftDer Sprung ins Dunkle" schreibt dieGermania (Ztr): Diefes Kabinett, zwei Jahre hindurch Träger einer Politik, die Deutschland inmitten der größten Krise aller Zeiten vor. dem hoffnungslosen Absturz bewahrte, ist einer dunklen Krisenatmosphäre er­legen, die vorher bereits das Opfer des Reichs- roehrminlfters Groener gefordert halt«, einer At­mosphäre, Sie feit vielen Wochen die mühevolle Arbeit der Reichsregierung ungeheuer erschwerte und schließlich auch ihre Existenz entscheidend be­rühren mußte. Das Ausscheiden Brünings ist ein Borgang von europäischer, ja von weltweiter Re­sonanz. So ist über Nacht in Deutschland eine Situation entstanden, die von allen maßgebenden Führern, wenn sie nicht zum großen Schaden un­seres Landes auslaufen soll, ein ungewöhn­liches Maß von Besonnenheit und Der- antwortungsbewußtscin fordert. Der jetzige Zeitpunkt ist zweifellos alle»- andere, als günstig. Die Krise des Kabinetts Brüning ist mehr als eine Kabinettskrise. Man hat einen kühnen Sprung gewagt, von einem Schiffe, das ge­wiß keine leichte Fahrt hatte, ohne zu wissen, ob der Fuß auch einen sicheren Boden erreichen wird. Man darf der Persönlichkeit des Reichspräsi­denten das unerschütterliche Bertrauen entgegen­bringen, daß er aus dieser ernsten Lage einen Weg finden wird, der auf der Grundlage des bisher Geschaffenen und in schwerster Zeit Erhalte­nen eine kontinuierliche Fortentwick­lung der deutschen Politik unter Ver­zicht auf alle gefährlichen Experi­mente bringen wird. "Mit Reichskanzler Dr. Brüning scheidet ein Mann aus der Führung des Reiches, der die deutsche Politik wie keiner feiner Vorgänger aus einem schöpferischen Geiste -heraus gestaltet hat. Er verläßt letzt das Amt als ein Staatsmann von internationalem Rufe, als ein Kanzler, besten Wirken in den schwersten und ent- scheidensten Nachkriegsjahren der Geschichte an- gehören wird.

DerDeutsche (Christi. Gewerschaften) spricht von einer Politik im Dunkeln, die ein Kreis aus Großagrariern, Industriellen undunabhängi­gen Persönlichkeiten getrieben habe. Das Streben der Regierungsstürzer gehe letzten Endes darauf hinaus, daß die oft leichtfertig gemachten Schulden derGrößen in Industrie und Landwirtschaft" vom armen Volk bezahlt werden, und daß diese Kreise frei von den Lasten dieser Notzeit bleiben. Das Wort Alles durch das Volk! werde einen neuen Sinn erhalten, wenn die Arbeitnehmer sich dieses bieten lassen.

Oie Linke..

Die .Vossische Zeitung" (bem.) meint, Brüning sei nicht barum gefallen, weil er nicht der KanHer einer nationalsozialistisch stark butch- setzten Regierung sein wollte. Besehe man es recht, bann sei Brüning in erster Linie gar nicht von den Rationalsozialisten gestürzt worben, son­dern eher den ost elbischen Grohgrunb- besitzernzum Opfer gefallen. An Stelle des .abgewirtschafteten" Kabinetts Brüning soll jetzt eine Regierung treten, die in der Hauptsache aus jenen Gruppen gebildet werben soll, die bei den letzten Wahlen fast völlig verschwunden sind. Ein solches Käbinett kann nur den Heber» gang zu einer radikalen Rechtsregie­rung bilden. Wozu dann die Zeitver­geudung, warum dann einen Sommer der Hn- sicherheit und HngewihheÜ, warum nicht gleich eine klare Situation schassen? Das .Berliner Tageblatt" (dem.) betont, daß die Möglichkeit von Reichstagsneuwahlen bestehe. Brüning sei zurückgetreteu, weil bet Reichspräsident unter dem Einfluß von Kräften, die vor allem hinter der Szene gewirkt hätten, andere Wege gehen wolle, als er sie mit Brüning gegangen sei. Was jetzt beginne, sei