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Nr. (24 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesien) Montag, 50. Mai (952

Wer ist der Ruhestörer?

Seit Jahren ist eine Mauer schwerster Befestigungsanlagen unserer westlichen und östlichen Nachbarn aus die modernste Weise ausgebaut worden. Jetzt hat Deutschland, das keinerlei schwere Massen besitzt, zum erstenmalgewogt", einige Erdarbeiten an den Verteidigungsanlagen bei Heilsberg (Ostpreußen) in Angriff zu nehmen Pünktlich haben sich jenseits der Grenzen laute Klagestirnrnen über dieseBe- drohung des europäischen Friedens" eingestellt.

Oie Fieberkurve der Krisis.

Außenpolitische Umschau.

Don Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Lettin.

3n Oe st erreich regiert ein Ministerium au: Christlich.Sozialen, Vanbbunb und den Heimwehren Es hat seine 'Arbeit gleich mit einem Mißerfolg bc ginnen niüisen, den es aber sicherlich vorau-gesehen hat. Die Aktion in Genf hoi keinen Erfolg gebracht in keinem der damit befaßten Ausschüsse war eine Einigung zu erzielen. Daher ist dos Transfer Moratorium für Auslandlchulden, wie immer wieder von- uns oorautzgesagt, unnrr weidlich geworden. Doch wird davon die nächste Rote der Zahlungen sur die österreichische Volker, bundsanleihe von 1922, fällig am 1. Juni, nicht be­troffen. Trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten waren alle Staaten einer unmiiteiboren Hilfsaktion für Oesterreich günstig. M i t Ausnahme von Frankreich, bas aus seinem Tardieu-Plan be- harrt Das nennt man bann europäische Zusammen­arbeit für das Donauproblem'

Ein anderes Kriscnbilb: der alte griechische Staats mann Bcnizelos ist mit dem ganze» Kabinett zurückgetreten. Ernste innere Schwierigkeiten und Bewgungcn in Griechenland lassen erkennen, wie tief hier die Wirtschaftskrise geht. Das Land Hot, unsruchtbar zum Teil und schwierig zu bebauen, 'niemals eine aktive Handelsbilanz gehabt. Es kann nur einen Teil der ihm notigen Lebensmittel erzeugen. Es braucht Kohle und die mcificn Rohstoffe aus dem 'Auslande. Dos in frühe r. n Zähren so slark zuruckilu-ßendc Geld brr qric chischen Auswanderer ist versiegt. Die Handelsflotte verdient nicht viel. Für dieses Land ist das Pro- g r a m m derAutarkie", der wirtschaftlichen Selbstgenügsamkeit, ganz unmöglich, und da der iniernationole Handel die bekannten, immer wachsenden Schwierigkeiten hat, so ift die Aussicht für diesen Teil Südosteuropas hossnungslos.

Nächstes 'Bilb: d i c Psingstattcntote in Iap an Haber, eine innere Krisis unter Eingreifen der Armee ausaelost, die nun auf einnationales Kabinett" mit stark diktatorischen Mitteln herous- kommt. Dos offenbart die Verwirrung, die in Ja­pan herricht, auf das stärkste: 169 Einwohner auf den Ouadraikilometer mit wachsender Bevölkerung und unzureichendem Raum, unzureichender Aus- ftattuna der Binnenwirtschast das sagt eigentlich alles. Das Abgehen vom Goldstandard, die Herab- setzuna des Wertes des Pen hat nur vorübergehende Erleichterung für den .Handel gebracht man sieht, datz der Weg, an dessen Ende die reine Inflation steht, auch zu nichts fuhrt. Die Aktion gegen China, die bisher jedenfalls gor nichts gebracht hot, hat ungeheuere Summen verschlungen. Dafür hot der chinesische Boykott den laponischen Handel noch mehr geschädigt. Der Versuch mit der Gründung eines selbständigen mandschurischen Staates konnte wirtschaftlich gar nichts nutzen. Die Zahlungsbilanz wird immer schlechter und die Folge ist, bah ber 7)en auf Zweidrittel seines Pari-Wertes steht. Und die Krankheit geht so voran, datz man bald eine i ichtigePathologie" davon schreiben kann. Nach längerem Schleichen kommen jetzt in den Gewalt­akten die akuten Ausbrüche und Stötze in dem kranken Körper der japanischen Wirtschaft und Ge­sellschaft zum Vorschein. Bis zu welchem Ausgang?

Weiter in diesem Krankheitsbericht mit Stolz hatte Tardicu an der 'Bahre des ermordeten Prä­sidenten Dourncr darauf hingewiesen, wie Zrankrei ch .in vieler Zeit der Weltkrise und der Unbeständigkeit der Dinge und der Geister ein Beispiel der Ordnung gegeben habe, das nicht übertroffen werden könne" Nun, die französischen StaatSstnanzcn inach-n keine Ausnahme von der allgemeinen Unordnung, sie sind jeden­falls nicht in Cr bnung Mit Ueberraschunz und Befremdung hat die Oesfentlichkeit in Frank­reich die Nachricht ausgenommen, dass das Schatz­amt sich mit der Ausgabe von drei Milliarden Schahscheinen .Tresorbons" an die Banken wenden mutzte Damit fällt die französische Finanzwirt, schott in die Methoden zurück, die man seit 1926

seit der Frankenstabilisierung verlassen hatte. Und dieser Fall wird nicht der letzte sein! Denn diese drei Milliarden sollen ein Defizit des Staatshaus­halts decken, das sechs bis sieben Milliarden be­trägt Das beleuchtet eine sehr leichtherzige Wirt­schaft des Finanzm,nisters im Kabinett Tardicu. Flandin Die Krit'k daran hat in den Wah­len eine erhebliche Rolle gefpiält und wesent­lich zu den Erfolgen der Linken beigetragen. Man war so stolz auf die sichere Grundlage, die Poin- cares Werk der Frankenstabilisierung gebracht hatte und mutz nun erkennen, daß der Boden auch hier schwankt. Zum Teil aus per­sönlicher Schuld des letzten Kabinetts, zum Teil ober auch aus der allgemeinen Wirtschaftskrise, die eben nicht um Frankreich herumgeht. Aber kann man glauben, datz das auf die Haltung der französischen Staatsmänner im Sinne des Verstan­des zurückwirken wird?

Beinahe unbedeutend erscheinen neben diesen Krankheitszeichen allgemeiner Art d i e Krisen­zeichen im britischen Weltreich an der Stelle Irland. Es sieht auch nicht aus. als wenn der von de Baleras Ungestüm heraufge­schworene Konflikt zu einer Gefahr wie vor zehn Jahren auch nur annähernd führen werde. Eng­land ist durch Schaden klug geworden und ver- schärft derartige Konflikte nicht. 3n Irland aber herrscht de Valero nicht allein, ist er doch von den Stimmen der Arbeiterpartei abhängig. Diese wie die Partei des führenden Ministerpräsidenten Cosgrave wissen genau, was für Irland, dessen Absatzmarkt England ift, wirtschaftlich auf dem Spiele steht. So blickt man gemeinsam nach Ottawa, wo in dem großen Reichsrahmen auch die irische Sonderfrage eine Lösung finden kann. De Balera ift mit seinem Bor stoß, der schon ein wenig altmodisch anmutet, in eine ganz ver­änderte Konstellation hereingekommen. Die direkte Frage sieht sich von dem Ottawa-Programm aus anders an, als in der alten einfachen Borer- Stellung gewissermaßen zwischenOld England" und dem alten irischen Freiheitswillen.

Nur mutz bann überhaupt die Ottawa-Konferenz

im Juli, auf die schon heute alles in England über Lausanne im Juni hinaus! blickt, einen reellen Erfolg bringen. Wenigstens mutz sie den Glauben befestigen, datz auf dem Weg zum W i r t s ch a f t s i m p e r i u m die Rettung, die Besserung mindestens der Hanbelsoerhältnisse Eng lanbs liege. Liest man die englische Presse und die Reden der Staatsmänner, fo findet man freilich, datz zwar der Glaube etwas krankhaft an den Tag gelegt wird, daß es aber an einem wirklichen, konkreten positiven Programm noch so gut wie ganz fehlt Die Präferenz, der Vorzugszoll ist wohl ein Anfang, ober ein Programm ift er nicht'

Wer tut überhaupt etwas in dieser Fülle von Kongressen und Konferenzen der Aerzte am Kran- fenbeit ber europäischen, ber Weltwirtschaft? 'Alles tritt auf ber Stell e! Wie einer ber Wortführer ber beutschen Iugenb, Gunther Grünbel, in einem Versuch einerrevolutionären Sinnbcu tung ber .Krise" sehr gut sagt:es passiert verwir­rend nie! (schon eine so kleine llebersicht wie die hier gegebene zeigt es) aber es geschieht nicht s!" Immer stärker spitzt sich die Krise zu. Sie wartet a» vielen Stellen unmittelbar des ent­scheidenden Wortes, das gesprochen werden mutz. Lange wird es nicht mehr heißen- es passiert viel, aber es geschieht nichts, Geschehen wird sicherlich in absehbarer Zeit Gröhes und Wichtiges Man weiß heute nur noch nicht, wer und was es zuletzt aus­lost.. Können alle diese Krankheitsvorgänge noch in Ruhe geheilt, wie die Aerzte sagen,zum Abklingen" gebracht werden?

Beigeordneten-Stichwahl in Vilbel.

WSR. Bilbel. 29. Mai. Bei der heutigen Stichwahl zur B e i g e o r d n e t c n w a h l wurden insgesamt 3749 Stimmen abgegeben. Da­von erhielt der sozialdemokratische Kandidat Äarlcin 1935 (beim ersten Wahlgang 1705), der bürgerliche Kandidat Bauführer K l ö s er­hielt- 1502 Stimmen (905). Die Kommunisten stimmten wieder für ihren eigenen Kandidaten, der 312 Stimmen erhielt, die aber ungültig sind.

Oer Vater des Lahrer Kommersbuches. Zum 70. Gebuk-fStaqe von Sduard Heyck. Der Schriftsteller Professor Eduard Hey ck . der am 30. Mai sein 70. Lebensiahr vollendet, ist in Doberan in Mecklenburg geboren: schon früh emp» fing er die ersten künstlerischen und wissenschaft­lichen Anregungen, die in feinem späteren Schaf- fen vielfältig sich ausdrücken sollten- die Gotik der berühmten Zisterzienserabtei, die edlen Bau­ten der herzoglichen Residenzen, die heimatliche Landschaft bedeuteten Eindrücke, die reiche Fruchte tragen, sollten, die seine Studien in Frei» hiirq, Leipzig, Heidelberg und Jena mitbcftimm- len.' Zunächst.als Dozent an verschiedenen deut­schen Universitäten, dann als Bibliothekar an der Donaueschinger Bibliothek, gewann er die Be­ziehungen, die ihm ein Leben als freier Schrift­steller gestatteten

Künstlerisches Empsinden und wissenschaftliche Einfühlsamkeit verbanden fich in ihm zu gluck- licher Mischung. Seine dreibändigeDeutsche Geschichte" ist musterhaft in den politischen, landschaftlichen und kulturellen Berknupfungen, die die Schicksale der Bölker bestimmen. Seine kunst- und kulturgeschichtlichen Meinungen kommen in den DarstellungenFlorenz,und die Medicaer". Lukos Cranach" und auch in den Monographien über Bismarck und Luther zum Ausdruck. Unter dem Titel ,G a j a" erschien ein Werkchen über Sinne und Sitten des Raiven in vier Jahrtau­senden". das durch seine anregende Darstellung so stark wie ein guter Roman zu fesseln vermag, und seine reizende NovelleDas Ende der FlittermvndedeSHei-h o". die kleineGe- schichte von der jungen Ehe eines chinesischen Ma­lers. wäre ohne wissenschaftliche Kenntnisse nicht möglich gewesen. Aber auf diesem Fundament entfaltet sich das Dichterische so stark und zart zugleich, daß man daS kleine Buch für eine Heber- setzung aus dem Chinesischen halten konnte.

Im Jahre 1893 übernahm Hetzck eine Aufgabe, die nach feinem eigenen Bekenntnis die bc- glückendste werden sollte die Redaktion des Lahrer Kommersbuches, das ein f>albe6 Jahr­hundert zuvor von Hermann Schauenburg als Allgemeines deutsche- Kommers- buch" begründet worden war. Heyck hat kit Der 50 Auflage, bei der feine Tätigkeit einsetzte, das

Buch von allen minderwertigen Bestandteilen ge­reinigt, er hat behutsam Reues hinzugefügt und so den Kreis seiner Freunde ständig erweitert. Aus dem Lahrer ist d a s Kommersbuch geworden, das seit 1858 in vielen hunderttausenden (Stern- plaren verbreitet ist.

Auch Eduard Heyck ist in diesem Buch mit einem Lied t>ertreten:Zieht der Bursch' die Straß' ent­lang, drängt sich alles, ihn zu schauen", ein Lied, das unzählige Male von deutschen Studenten ge­lungen worden ist und gelungen wird. Und wenn er an feinem 70. Geburtstage, den er in feinem Wohnort (Srmatingen in der Schweiz verleben wird, die lange Straße feines Lebens zurückblickt, kann er lagen, daß es köstlich gewesen ist, weil es Mühe und Arbeit und reiche Ernte war.

Der Zufall mischt die Karten.

Don Sriminalfommiffar von Liebet-mann

Hinter dem Raubmörder 5t, der in bas Ausland entkommen war, sandte bas Berliner Polizeipräsi­dium Ausjchreiben mit seinem Bild und seiner Pcr- sonalbcichreibung her, die in allen größeren See- Hafenstädten ber Welt, in den Konsulaten,-den Agen­turen ber Schiffsgesellschasten und in den deutschen Klubs ausgchängt werben sollten. Dem Kriminal­beamten, der die Versendung zu regeln hatte, unter­lief dabei nur ein einziger Irrtum. Ein Exemplar ging versehentlich nach einer Binnenstadt in Süd­amerika. Und gerade in diese Stadt von allen Städten der Welt war der Mörder geflohen, und dieses eine falsch versandte Ausjchreiben wurde ihm zum Verhängnis.

In Hamburg war die Witwe eines wohlhabenden Kaufmanns Am zwei italienischen Berufsverbrechern um ihr ganzes Vermögen betrogen worben. Die Täter, die mit ihrer Beute spurlos verschwunden waren, hatten unter falschen Namen operiert, aber die Betrogene erkannte im Verbrecheralbum ber Hamburger Polizei in dem Bilde des internationa­len Schwindlers Zunino aus Corrigsiano den einen ber beiden mit voller Sicherheit. Sofort be­gann die telegraphische Hetze nach Zunino, doch jchon nach wenigen Tagen kam aus London die betrübende Nachricht, bag "man auf falscher izährie fei. Zunino verbüßte in London eine fünfjährige Strafe und hatte 'chon zur Zeit der Hamburger Straftat im englischen Gefängnis gesessen. Der Ham­

burger Kommissar erholte sich von seiner Ent­täuschung erst, als er, wieder wenige Tage später, einen Eilbrief der Kriminalpolizei von Turin in den Händen hielt, der darauf aufmerksam machte, daß Zunino in dem Hochstapler Pietro Riccardin« aus Canavese einen Doppelgänger habe, der genau in der Art des Hamburger Betrugsmanövers zu arbeiten pflege. Lichtbilder dieses Riccardim wurden nun in zahlreichen Abzügen in alle Teile der Welt versandt, doch roic manche weitere Fahn­dungsmaßnahme blieb auch diese ohne Erfolg. Die betrogene Dame hatte ebenfalls einige Bilder er­halten, und eins von ihnen schickte sie ihrer in Buenos Aires verheirateten Tächter, die es sich auf den Schreibtisch stellte, um sich diese Züge gut ein- zuprägen Fünf Monate später stieß sie auf ber Straße fast mit einem Herrn zusammen, der eilig aus einem Hause kam, und beim Aufblicken sah sie bem Manne ins Gesicht, helfen Bild auf ihrem Schreibtisch stand. Ein ra'ch herangewinkter Schutz­mann verhaftete Riccardini...

Der Zusammenbruch derLeipziger Bank" im Jahre 1901 war im Grunde nur das Werk eines einzigen Mannes, des Direktors Sch. von der Ire- bertrocknu.igs-Aktiengesrtlschaft in K. Sch. halt-' Hie Direktoren ber Bank nach und nach zur f)ergäbe so starker Kredite an seine Gesellschaft zu bewegen ver- standen, daß er ihnen schließlich bei weiteren Kredit­forderungen einfach die Pistole auf die Brust setzen Jonnte. Er malte ihnen jede neue Schwierigkeit seiner Gesellschaft als die letzte Stufe zu der Zeit der Ernte, wahrend er sie zugleich kalt darauf htn- wies, daß sich ihr Institut bereits Io stark bei seiner Gesellschaft engagiert hätte, daß deren Sturz auch den Zusammenbruch ber Bank nach sich ziehen werbe. Als ber Kladberadatich bann kam, «loh Sch. in das Ausland. Die Justizbehörde erhielt einen Wink. Sch haste fich unter falschem Namen in einem Pariser Hotel auf, und ein Polizei-Kommissar aus K, der den Gesuchten persönlich kannte, wurde zu seiner Verhaftung nach Paris entianbt. Mit französischen Kriminalbeamten überwachte der Kom­missar vom frühen Morgen ab das angegebene Hotel. Kur; nach 10 Uhr sah er Sch aus bem Hotel treten unb ging rasch auf ihn zu. Doch ehe er ihn erreicht hatte, sah der Kommissar einen zweiten ganz gleich ausgehenden Herrn im Hotelportal er- 'cheinen. Und jetzt, wo er beide vor sich hatte, er­kannte er, daß nicht der Mann, an den er schon Hand anlegen wollte, sondern daß ber andere :m Hoteleingang der richtige sei und daß ihn um

Handwerkerlagungen.

Gestern fanden in Lauterbach unb Als­feld öffentliche Versammlungen der Bezirksverbändc Lauterbach und Alsfeld des deflischen Handwerks­und Gewerdeverbandes Itatt. die sowohl in Lauterbach, als auch m Alsfeld von je etwa 150 Personen besucht waren

In Lauterbach konnte der Vorsitzende. Hchloffermeister Otter dein, um 11 Ubr die Veranstaltung eröffnen, an der als Vertreter der Stadt Bürgermeister Walz und als Vertreter des Kreisamt» Regierungsrat Dr K e f f c l teil- nahmen Die Rachmittagsveranstaltung in Als­feld. in ber mit Entschiedenbeit bas Fehlen von maßgebenden Behördcnvcrtrctern bemängelt wurde stand unter der Leitung von Sattler- obermeifter Vo 1 zing. Groß-Felda Die Ver­treter ber Kreis- unb Stabtverwaltung waren an ber Teilnahme anberweitig verhinbert, wie aus Begrüßungsschreiben zum Ausdruck kam.

In beiden Veranstaltungen sprachen Bildhauer- mcifter Dieter, Vorsitzender des Hessischen Handwerks- und Gewerbeverbandes aus dber- fiabt über. Zweck. Ziel und Reugliederung des Hessischen Handwerks- unb Gewerbeverbandes". Der Redner stellte die These auf. daß die Ge­sundung de» Handwerks nur durch da» Handwerk selbst kommen könne. Er warnte vor schädlicher Zersplitterung und er­läuterte die Organisation des hessischen Hand­werks

Handwerkskammerdirektor Schüttler aus Darmstadt referierte über bas Hessische Handwerker-Programme ber Redner wies auf die schwere wirtschastlichc Rot des Handwerks bin. die er mit auf ilebermbuftriali- ficrung unb Rationalisierung zurückführte Diefe kapitalistischen Erscheinungen, die er als Ameri­kanismus zusamißensaßte. brachten für da- Hand­werk größte Schwierigkeiten und richteten weite Schichten des Mittelstandes zugrunde Direktor Schüttler hob noch die starke Belastung des inneren Marktes durch bic gebundenen Preise hervor und anerkannte die Bekämpfung der Schwarzarbeit im Rahmen ber gesetzlichen Be­stimmungen durch die maßgebenden Behörden. Auch dieser Redner forderte zum Schluß ein einiges Ha ndwerk >m Rahmen einer wahren Volksgemeinschaft.

Zum Schluß sprach Regierungsrat Dr Dues. Vorsitzender des Arbeitsamts Gießen, über den freiwilligen Arbeitsdienst.

An beide Veranstaltungen schloß sich eine rege Aussprache an. an der sich in Lauterbach ins­besondere die Herren Däckerobermeister Lllrich. Lauterbachs BuchdruAereibesiher Gundrum. Schlitze sowie Schreinermeister Weller. Schlitz, in Alsfeld die Herren Bäckermeister Klingel» h ö.f c t. Slcttrikrmciftcr H a h.n Gewerbelehrer Rohrbach. Schlofsermeister R/> ß n e r. Maurer­meister Falkenheiner. Sattfermeifter Koch und Schmiedemeister Kalkbrenner beteiligten. In Alsfeld war es besonders die Verwendung des Rhein- und Ruhrfonds zugunsten der hessi­schen Handwerker-Zentralgenossenschaft. die die Gemüter stark erregte und bic Versammlung zum Schluß in ein politische- Fahrwasser leitete

Attienschieber verhaftet.

WSR. F r a n k f u r t a. M . 28. Mai. Aus Ver­anlassung der Steuerbehörde ist hier ein von aus­wärts stammendes Ehepaar fc ft genom­men worden, da- bei einer hiesigen Bank Aktien der IG »Farben verkaufen wollte. Es soll sich um Aktien in Höhe von etwa 30 000 Mark handeln. Das Ehepaar hatte die Aktien in der Schweiz gekauft und wollte sie in Frank­furt zu einem höheren Kurse abfehen Der Steuer» fahiidui'.gsdienst ist noch mit der Untersuchung des Falles beschäftigt, besonder- auch nach der Richtung hin, ob weitere Personen an der Affäre beteiligt sind.

ein Haar eine säst vollkommene Aehnlichkett ge­täuscht hätte. Wäre Sch. eine Sekunde später in die Türe getreten, so hätte er den ihm wohlbekannten Kommissar in einem lebhaften Disput mit einem Fremden gesehen und hätte unbemerkt zuriicktreten und verschwinden können. So wurde der seltsame Zufall, der in das gleiche Pariser Hotel wie Sch der auch äußerlich keineswegs ein Dutzendtyp war einen Doppelgänger von ihm geführt hatte, ausgeglichen durch den zweiten Zufall, datz Sch. an jenem Morgen fast gleichzeitig mit seinem Doppel­gänger das Hotel verließ. Dieter Zufall erhielt dem Polizei-Kommissar Reichardt den Ruf der Zu­verlässigkeit und Geschicklichkeit, den er sich in dreißigjähriger Arbeit erworben hatte.

öod)fd)ulnod>rid)fen.

Der Geheime Regierunasrat Dr. rer. pol. Hem- rid) Herkner, vormals Ordinarius für Staats Wissenschaft und Volkswirtschaftslehre an der Uni­versität Berlin, ist im Alter von nahezu 70 Iah ren gestorben Herkner wurde geboren am 27 Juni 1863 in Reichenberg in Böhmen und er­hielt seine Ausbildung u. a. bei den Professoren G. F. Knapp unb Lujo Brentano. Seine akademische Laufbahn begann in Freiburg, wo er 1892 eine ordentliche Professur erhielt- später wirkte er in Karlsruhe und Zürich, zuletzt in Berlin an der Technischen Hochschule und auf dem Lehrstuhl von Schmoller ckst der Universität. Das Hauptwerk Hcrk- ners, ber auch als Vorsitzender des 'Vereins für Sozialpolitik weithin bekannt wurde, ist sein 1894 erschienenes Werk über die Arbeiterfrage (8. Aus­lage 1922); cs war die erste großzügige unb um- fassenbe Darstellung bieses Problems in Deutsch- lanb. Von seinen übrigen sachliterarischen Arbeiten seien noch genannt:Soziale Reform als Gebot des .wirt'chaitlichcn Fortschrittes";Die Zukunft ber Deutich-Oesterreicher";Das Frauenstudium ber Nationalökonomie";Die Arbeitsfreude in Theorie unb Praxis der Volkswirtschaft" undDeutschland und Deutsch-Oesterreich".

Der Prioatdozent Dr -Ing. E Lange von der Unroerfitai München hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl ber physikalischen Chemie an ber Universität Erlangen angenommen.

Dr. theol. et jur. E Schneider, Professor an der Philosophischen Akademie in Paderborn, ist zum Ordinarius für Kirchenrecht in ber katholisch theologischen Fakultät der Universität TI ü n ft e r er­nannt worden.