ist deshalb schon jetzt eingestellt und hiervon die politische Polizei in Preußen in Kenntnis gesetzt." Hitler an Bord des Kreuzers „Köln*.
Berlin, 22. Mai. (CNB) Amtlich. In einigen Berliner Blättern ist davon die Rede, daß der na- tionalsozialistische Parteiführer vor einigen lagen den Kreuzer „Köln" in Wilhelmshaven besucht habe, und daß dabei nicht nur ein b t • 'sonderer Empfang durch den Kommandanten bereitet, sondern ihm auch ein Tor- pcdoe^erzieren oorgefuhrt worden sei. Dom Reichswehrministerium wird dazu mitgcteilt, daß der Kreuzer ..Köln" in Wilhelmshaven im Rahmen der in den diesen Tagen dort veranstalteten Luftfchutzübung von einer Reihe von Re- ?ierungsoertretern und (Kästen b e • u chl worden ist. Für diesen Besuch waren selbst- verständlich besondere Vorkehrungen getroffen; so halte man Markierungsichilder an Bord angebracht, auch hatten die Mannschaften nicht gerade ihre 'chlcchtesten Uniformen an. Für Donnerstag hotten sich außerdem noch eine Reihe von Reichs- tagsabgeordneten zu einem Besuch an Bord angesagt, die, wie e» in solchen Fällen allgemein üblich ist, durch den Kommandanten am Fallreep begrüßt wurden. Unter diesen (Kasten besand sich auch Adolf Eitler. Davon war vorher aber nichts bekannt gewesen.
Aus aller Welt.
Oie Heimkehr OaubmannS nach 16jähriger Kriegsgefangenschaft
Oskar Daubmann, der aus dem badiichen Stadt- chen E n d i n g e n am Kaiserstuhl stammt und dessen Eintressen in Neapel vor einigen Tagen bereits gemeldet wurde, ist nach fast 16jähriger Knegsge- sangenschosl heute Nacht mit dem Schnellzug von Neapel in Freiburg eingctrossen. Er war im Weltkrieg, als er mit der 5. Kompanie des Reserve- Infanterieregiments 111 im Jahre 1916 an der Somme lag, in (Kefangenschaft geraten, hatte bei einem Fluchtversuch einen Poften erschossen und war zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden Dor nunmehr fünf Mo- unten glückte dem jetzt 36jährigen die F l u ch t n a ch Afrika. Nach unsäglichen Strapazen gelangte Daubmann nach Palermo. Er fuhr von dort nach Neapel und setzte im Schnellzug die Heimreife fort. 3n Chiasso wurde er von seinem nächsten Vorgesetzten im Weltkrieg, einem Feldwebel aus Freiburg, abgeholt. 3ur Begrüßung hatten sich aus dem Freiburger Bahnhof mehrere tausend Men- s (l; e n cingesunden, darunter viele Endingcr Einwohner. Bei der Einfahrt des Zuges wurde der Heimkehrende mit freudigen Zurufen empfangen. Als der Bürgermeister seiner Heimatstadt ihn beim Verlassen des Zuges begrüßen wollte, b r a ch Daubmann. dessen Körper durch die übermenschlichen Anstrengungen der Flucht und durch die scc- lischt Erschütterung stark geschwächt ist, ohnmächtig zusammen Er wurde ins Bahnhofsgebäude getragen, wo er sich langsam erholte. Erschütternd war das Wiedersehen mit seinen Eltern und Verwandten Seinem Wunsche entsprechend wurde von jeder weiteren Begrüßung abgesehen und i m Kraftwagen sofort die Heimfahrt angetreten.
Schwere» Schadenfeuer
In einem deutschen Dorf veffarabien».
Die in Bessarabien liegende Gemeinde Leip- zig. die zu den ältesten deutschen Siedlung e n gehört, ist von einem verheerenden Schadenfeuer hcimgcsucht worden, lieber 60 .Käufer verbrannten. Fast 200 Familien sind obdachlos. Menschenleben sind jedoch nicht zu beklagen. Mehrere Soldaten wurden bei den Rettungsorbeiten schwer verletzt. Wahrscheinlich liegt Brandstiftung vor.
Aus der provinziathaupilladt.
Gießen, den 30. Mai 1932.
^Wenn Menschen schweigen, werden Steine redend
Solange Straßen und Häuser voll Leben sind, dünkt unS das Wort der Vergänglichkeit alles Irdischen als etwas, da« man bezweifeln kann, ilcbcrall ficht man das Wachsen und Werden, und das Sichfüllen von Dörscrn und Städten mit Menschen, deren es beinahe so viele gibt, wie es nach der bibilschen Verheißung fein Jollen;
wie die Sterne am Himmel". WaS Wunder also, toenn man sich nicht lange damit aushalt^ darüber nachzudenken, wohin das Alte entschwand, das aus Abwechslung Eingestellte l-ebt das Reue. 11 nb so trauert kein Mensch mehr einem alten Hause nach, da« abgebrochen wird, weil es dem Geist der Zeit nicht mehr entspricht. Warum auch das Verschwinden einer alten Baracke besonders schwer nehmen? Stein um Stein wird abgetraaen Die traulichen vier Wände, die ®lucf und Leid von Generationen sahen, sind - 2166011). Die
Fenster, aus denen alte und junge Augen den neuen Tag gegrüßt und in die die Somw Licht und Auserstehungssreude getragen, durch die hc aber auch den stillen Schläfern, die dort in den alten Bäumen für immer ihre Augen schloffen das fehle Grüßen gesandt, sind — Abbruch .. gebt hin. daS Alte; das Leben haftet weiter und keiner kümmert sich um das Verschwundene ..
So ist es erklärlich, daß unsere 3eit so viel auf Abbruch gehen läßt, was unseren Voreltern heilig war. Der äußere Glanz des Venen b endet die Augen; .was einmal war", pietätvoll zu pf'.e- acn dafür ift das Verständnis vielfach verschwunden' Für die mit Zeit und Gefühl knausernde Mitwelt haben die Steine der alten Häuser keine Sprache und lösten nicht die Archäologen die Bat- sel der 'menschlichen Vorzeit, es wäre wohl allgemein der Glaube verbreitet, unsere Zeit sei in ihrer Zivilisation die bedeutendste der Menfchen- 0 Mit Spaten und Hacke ist schon so viel 3Hcrt* schenwerk Jahrtausende alter Geschichte ans Licht gefördert worden, daß, wer da will, in den Auinen lesen kann. Bauten, die unsere Zeit nicht schassen konnte. Tempel, deren Säulen und Stem- bilder wir nirgends mehr finden, voll packender Schönheit; Vrunnenbauten und Wasserleitungen zeugen von einer Höhe uralter Kulturen, die das Problem unserer Zeit oft verstummen macht.
Folgt man aber in Gedanken den Schilderungen dec Archäologen und betritt mit ihnen im Geilte die versunkenen Wunderweltcn, dann wird icnes Wort zur Wahrheit; „Ifccnn Menschen schweigen, werden Steine reden". — Still und tot die aus- gegrabenen Stätten und Städte, keine Menschen- stimme gibt Zeugnis, wie sich das Leben dort vollzog Vorbei an geborstenen Säulen, vorbei an
ZahttSlagmig her Gießener HochschnigeseMafi.
Die (Kefellfchaft von Freunden und Förderern der Universität Gießen (Gießener Hochschulgefellichaft, hielt am Samstagnochmittag im Universitätsgebaude ihre Iahrestagung unter der Leitung ihres Vorfitzenden, Provinzialdirektor G r a e f - Gießen, ab.
3m Anichluß an die Sitzung des Verwaltungs- rats fand
die Hauptversammlung
statt. Nach Begrüßungsworten an die Versammlung >n,beiondere an Se. Magnifizenz den Rektor Pro' Dr. Lonselow, erstattete Provinzialdirektor Graes den
Jahresbericht.
Es wird darin zunächst der im verfloßenen Jahre verstorbenen Mitglieder gedacht, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Weiter wird in dem Bericht u. a. mitflctcilt: Prüf. Dr. Sessous wurde in den Vorstand gewählt. Zu Beginn des Jahres 1931 zählte die Hochfchulgefcllichaft 7<>5 Mitglieder, durch Tod und Austritt verlor sic 66, durch Eintritt gewann sie 41, so daß sie am 1. Januar d. I. 660 Mitglieder hotte; unter dem Zuwachs von 41 Mitgliedern sind 15 allein durch die Werbetätigkeit des Landwirtschaftlichen Instituts gewonnen worden. Die große Not der Zeit druckt sich in dem Rückgang an Mitgliedsbcitragen und an außerordentlichen Zuwendungen noch stärker aus, als in dem Rückgang der Mitgliederzohl. Die Mitgliedsbeiträge betrugen im Jahre 1931 9679 Mark,
gegen 10 251 Mark im Jahre 1930, 10 421 Mark im Jahre 1929 und 11520,50 Mark im Jahre 1928. Während >m Jahre 1930 an einmaligen Beiträgen und Spenden noch 8900 Mark cingingen, brachte das Jahr 1931 hier keine Einnahmen. Der Bericht verzeichnet jedoch den Zuwachs von 41 neuen Mitgliedern als erfreulichen Erfolg in diefer fchweren Zeit. Der Dertpapierbeftand in 7 und 8 v. H. Pfandbriefen hat durch die eingetretene Entwertung der Pfandbriefe einen Rückgang von 31 058 Mark nach den Kätrsen vom 31. Dc’cmbcr 1930 auf 24 888 Mk. noch den Kursen vom 31. Dezember 1931, also um 6170 Mark erfahren. Der Rückgang der Einnahmen zwang notgedrungen zu starken Einfchränkungen in den Zuwendungen an die Universitätsinstitute. Während die Hochschulgesellschaft im Fahre 1930 noch 15 930 Mark zur Auszahlung bringen konnte, betrug diese Ausgabe im Fahre 1931 nur 5606,25 Mark. Allerdings sind in dem Betrag von 15 930 Mark die Spenden von 8900 Mark enthalten. — 3m Jahre 1931 wurden 7 Vorträge gehalten, und zwar je einer in Gießen und Offenbach, zwei in Worms und drei in Alsfeld.
Mit Rücksicht darauf, daß da, Land Hessen erhebliche Mittel für die Landesunivcrsttäk aufbringt, erscheint es wünschenswert, die Einrichtungen der Universität In wettgehendem Maße auf dem flachen Lande nutzbar zu machen. Herr llnioerfitälsprofesfor Dr. M o m b e r I hat deshalb in dankenswerter weife angeregt, in den Landstädten Oberheffens Vortragswochen durch jüngere Lehrkräfte der Universität zu veranstalten, deren kosten von den Stadtgemeinden aufzubringen wären. 3e nach den Bedürfnissen der betreffenden Städte könnte eine solche Hoch- fchulwoche ein- oder zweimal im Jahre (Früh- jahr oder Herbst) siattfinden. Größere Unkosten könnten den Städten au, einer solchen Veranstaltung wohl kaum erwachsen, so daß trotz der derzeittg schwierigen Finanzlage der Gemeinden die Sache als durchaus durchführbar angesehen werden kann. Der Vorstand der hochschulgesell- schaft hat diesem plan grundsätzlich zugestimmt. Ls soll demnächst im Benehmen mit den in Frage kommenden Gemeinden feffgefteUt werden, inwieweit ein Bedürfnis und Neigung besteht, die beachtenswerte Anregung des Herrn Prof.
Dr. Mombert zu verwirklichen.
Die IahreSrechnung für 1931 weist an Einnahmen auf dem allgemeinen Konto 9876.22 Mark auf, an Ausgaben, einschl. eincS Saldos von 1160 Mark, die gleiche Summe; auf Separatkonto sind die Einnahmen und Ausgaben (letztere einschließlich eines Saldos von 516 Mark) mit 2515,59 Mark verzeichnet. Das Gefamtvermögen. einschl. des vorerwähnten Wertpapierbestandes, beläuft sich auf 26 564 Mark.
Am Schluffe des Berichts wird allen denen gedankt, die trotz der schweren wirtschaftlichen Bedrängnis der Hochschulgefellschoft die Treue bewahrt haben, an den 100. Todestag Goethes erinnert und mit Stolz darauf hingewiesen, wie die europäischen und außereuropäischen Ländervertreter sich zur geistigen Verbundenheit mit Goethe bekannten und Zeugnis ablegten von der völkerverbindenden Kraft Goetheschen Geistes. Möchten alle verantwortlichen Staatsmänner von diesem Gedanken erfüllt sein und ihre vornehmste Ausgabe darin erblicken, sich und ihre Länder frei zu machen von dem Geiste der Kriegsund Nachkriegszeit, damit deutsches Geistesleben und deutsch? Wissenschaft sich wieder voll entfalten können. Möchte es uns beschieden sein, dielen Tag bald zu erleben.
Anschließend wurde dem Vorstand und dem Verwaltungsrat einstimmig Entlastung erteilt.
Mahlen.
Zum Vorsitzenden des Verwaltungsrates wurde an Stelle des zurückgetretenen Herrn Kommerzienrat Schirmer, Gießen. Herr Fabrikant Arthur
Pfeiffer Wetzlar, gewählt Reugewählt in den DcrwaltungSrat wurden die Herren Obttbürger- me'Ner Erhard. Mainz; Fabrikant Roßbach Friedberg; ©cncraltonlul Maver. Darmstadt Vrouereibefitzer Waldemar Denninghoff. Gießen. Bud)brudcrcibc,incr 6 n D-r t m. Worms. Fabrikant Kurt Wegener. Vtttzenrod; Professor Dr. G r o e d e l. Bad-Rauheim; Rcichs- bankdirektor Kllpstein. Gießen, und Fabrikant Siegel. Alsfeld. 3m übrigen wurden die turnusmäßig aus'cheidenden Vorstands- und Dcr- waltungsratsmitglieder w:edergewählt.
Oie Feftsihung.
3n der anschließenden Festsitzung hielt Uni- versitätsprofessor Dr CBürfcr einen feUclnben Vortrag über „D i e Duplizitätstheorie deS Sehens".
Der Dortragende beanlrocrtet die Frage, wie sich das Auge gegenüber den ungeheuren Schwankungen der Lichimtensitäl im Lause von Tag und Nacht verhält, damit, daß im Auge zwei Apparate, ein hell- und Dunkelapparat, mit ganz verschiedener Funktionsweise enthalten sind.
1 Beobachtungen in dieser B e Ziehung. Beim Hellsehen werden Farben sehr gut erkannt, mit abnehmender Lichtstärke geht Buntes in Unbuntes über, „im Dunkeln find alle Katzen grau". Dabei findet im Spektrum eine Verschiebung des Maximums Der Helligkeit von Gelb nach Blau- grün hin statt. Purkinjes Phaenomen. Tagesgleiche Lichter werden dadurch dammerungsunolcich
Eine weitere Eigentümlichkeit ift, daß, während das Auge in der Dämmerung schließlich farbenblind ist, es dabei außerordentlich empfindlich für schwaches Licht wird. Sinkt allo die Lichtintensität, so steigt die Lichtempsindlichkett in der Netzhaut, aber nicht in der Gegend des deutlichsten -Lehen», im Zentrum der Netzhaut, sondern in der Peripherie. Dieser periphere 'Apparat ist also farbenblind, dagegen fehr empfindlich für schwaches Licht, spricht aber langsamer an und ist träger in feiner Funktion; gerade umgekehrt verhält sich der zentrale Apparat im Hellen
Man hat ferner beobachtet, daß es Menschen und Tiere gibt, welche am lag gut sehen, nachts aber nicht und umgekehrt. Und bei Totalfarbenblinden hat man feftftelkn können, daß ihnen im Spektrum nicht Gelb sondern Blaugrün am hellsten erscheint und daß sie, wenn sie einen Gegenstand fixieren, ihn also im Zentrum der Netzhaut abbilden wollen, ihn nicht recht sehen und daher mit dem Blick umher- irren, auch zeigen sie Lichtscheu.
2. Genauere Untersuchung derReh- haut i n Bezu g a u s di e se Beo buch t u n- gen. ES kommen Atoci Sehelemente im Auge vor. die Zapfen und die Stäbchen, die ersteren im Zentrum, die letzteren in der Peripherie der Veh- haut. 3n den Stäbchen befindet sich ein Farbstoff, der Sehpurpur, offenbar ein Senfibilisator, der durch blaugrüne Strahlen, die in der Dämmerung am hellsten erscheinen, am stärksten gebleicht wird. Die Zapfen sind farbcntüchtig, aber weniger empfindlich für Lichtintensitäten, die Stäbchen sind farbenblind, ober außerordentlich empfindlich für schwaches Licht. Bei Totalfarbenblinden sind die Zapfen n'cht in Ordnung. Tagtieve haben hauptsächlich Zapfen, Aachttiere hauptsächlich Stäbchen in ihrer Aetzhaut. Bei manchen Tieren wandern die Zapfen im Hellen dem Licht entgegen, die Stäbchen zurück, im Dunkeln sind die Stäbchen vorn und die Zapfen hinten.
3. DeutungderBeobachtungenin b e • zua auf d i e Netzhautbefunde. Es gibt zwei ganz verschieden funktionierende Apparate in unserem Auge, einen Hell-, den Zapfen-, und einen Dunkel-, den Stäbchenapparat: Duplizitätstheorie des Sehens von v. Kries. Der erstere Apparat funktioniert im Hellen, braucht nicht fo empfindlich zu fein, und wird durch gelbe Stroh- len am stärksten erregt, der letztere tritt im Dunkln in Tätigkeit, ist fehr empfindlich, für blaugrüne Strahlen besonders empfänglich, spricht aber langsamer an und ist träger in feiner Funktion. Durch Einwirkung der blaugrünen Strahlen auf den Sehpurpur wird die Empfindlichkeit der Stäbchen so außerordentlich gesteigert, daß jetzt ganz schwaches Licht wahrgenommen wird.
Die Farbenblindheit in der Dämmerung erklärt sich dadurch, daß jetzt der Stäbchenopporot in Tätigkeit tritt, die Verschiebung des Maximums der Helligkeit von Gelb nach Blaugrün durch die besondere Empfänglichkeit der Stäbchen für diese letzteren Strahlen.
Daß mit dem Zentrum der Netzhaut in der Dämmerung nicht gut gesehen und mit dem Blick umher- gcirrt wird, erklärt sich durch Ausschaltung des im Zentrum befindlichen Zapfenapparates. Bei Menschen und Tieren, die Tagseher sind, funktioniert der Dunfelapparat nicht und umgekehrt. Bei Total- farbenblinden fehlt der Zapfenapparat, oder er funktioniert nicht, wenn er da ist; diese Leute sind also Stäbchenseher, und da die Stäbchen sehr lichtempfindlich sind, erklärt sich daraus noch die Lichtscheu.
Damit ist der Ring der Beweisführung geschlossen. Das Auge stellt also einen Doppelapparat dar, der in einer wunderbaren Weise den ungeheuren Schwankungen der Lichtintensität, wie sie der für dos Leben so bedeutsame Wechsel von Tag und Nacht mit sich bringt, ongepoßt ift.
Das Collegium musicum der Universität eröffnete und beschloß die Festsitzung mit der Wiedergabe zweier Kompositionen von Schubert.
Wohnstätten geht der Fuß mit scheuen, ehrfürchtigen Schritten die Stufen hinan, die zu den Tempeln führten. Wenn Menschen schweigen —. Der eigene Wund schweigt, nur hörbar tloplt das Herz. Dieselben Stufen gingen vor Jahrtausenden Menschen von Fleisch und Blut, fo wie wir auch heute. Zu jenen Tempeln eilte ihr Fuß, um einem Gott ihr Gebet und ihr Opfer zu bringen. Die Sinne jener waren genau so den Eindrücken von außen unterworfen, wie die unlrigen. Hoffen und Lieben, Haß und RaL< Anbetung und Lästerung waren auch dort zu finden. Der Stolz ist ferne hochtrabende Dahn gewandert, und die Verzweiflung brach Menschenherzen. Und nun —. Stille, erstorben alles Leben. Äicht ein Hauch, nicht ein Klang blieb zurück und verirrte sich in den Mauern.
Aus dem Munde der Säulen und Plastiken tönt den Menschen von heute das „Memento mon“. — .Denn Menschen schweigen, werden Steine reden."
Taten für Montag, 30. Mai.
1265: der italienische Dichter Dante Alighieri in Florenz geboren: — 1431: die „Jungfrau von Orleans". Zeanne d Arc, wird in Rouen verbrannt, —
1640 der Maler Peter Paul Rubens in Antwerpen gestorben; — 177b: der französische Dichter und Schris Her Francois Voltaire in Paris gestorben — 1853: der Maler Vincent van Gogh in Ortet Zundert in Brabant geboren.
Vornotizen.
— Tageskalender für Montag: Stadtthcatcr. 19 bis 24 Uhr, . Faust" l.Teil. - Krieger-Verein. 20.30 Ubr, .Postkeller", außcr- crdentiiie Hauptversammlung — Landwirtschaft- licdes Institut, 20 Uf)r, Vortrag ooh Geh.-Bat Prof Tr. Appel über .Pflanzenschutz und Biologie". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße; .Familie Aaffke gibt einen Ball".
— Vvrtragim Landwirtschaftlichen Institut. Heute abend hält der Direktor der Biologischen Aeichsanstalt, Geh. Bat. Prof. Dr. Appel, un Hörsaal des Landwirtschaftlichen Instituts einen Vortrag über .Pflanzenschutz und Biologie". Gäste sind willkommen. (Siehe heutige Anzeige.)
•• Dom Verkehrs- und Derschöne- rungsverein. An Stell« des vor kurzem
Wettervoraussage.
Die seit mehreren lagen über der Ostsee und den britischen Unfein hin- und herpendelnde Störung, durch die keine Beständigkeit in unserer Wetterlage aufkam, zieht in östlicher Richtung ab. An ihrer Rückieite fließt uns noch etwas kühlere Luft zu, io daß dadurch wechselhaftes Wetter entsteht jedoch wird and) die mittlerweile gebildete Hochdruck- brücke, welche sich von Spanien nach dem Nord- meer erstreckt, etwas Aufheiterung und Desierung Hervorrufen. Sie wird nur von kurzer Dauer fein, denn Temperaturanstieg über den britischen Inseln und BaronwtcraU lasten bereits die neue Atlantikstörung erkennen, deren Einfluß auch bei un- später zur Geltung kommen dürfte.
Aussichten für Dienstag : Anfänglich kühl, dann wärmer, wechselnd wolkig mit Aufheiterung, zunächst nur vereinzelt etwas Niederschlag.
Aussichten für Mittwoch: Vorerst etwas mehr aufheiternd, dann unter weiterer Erwärmung erneute Bewölkungszunahme mit aufkommender Gewitter^ oder Nieoerichlagsneigung.
plo-iutz verstorbenen Schnftfuhrers des Vorstandes des Verkehrs- und Verschönerungsver- e:ns, Stadttekvetär Maus, ist als neuer Schriftführer der Denvalrung-vberinspektor Muller von der Stadtverwaltung m den Vcreiivsvorstand eingetreten. Durch eme teilweife Neuorganisation in der Vorstandsarbeit konnte jetzt auch der schon seit längerer Ze,t laut gewordene Wunsch, das Verkehrsbüro im Tvrhau« am Sei- terSweg den ganzen Tag über offen z u halten, erfüllt werden. Tas Verkehrsdürv ift jetzt von 8 llhr b>S 19 Adr ununterbrochen für den Publikumsverkehr geöffnet.
*• Lommerfeft der Gießener Stu- dentenfchaft. Man Ichreibt uns Das alljährliche beliebte Lommerfeft findet am Sonntag, dem Juni, wiederum in der Dolksdalle statt Du- Vorbereitungen zu bieser großzügigen Veranstaltung werden in Gemeinschaft nut der Gießener Studen- tenhilfe getroffen, zu deren Gunsten das Fest abge- halten wird Ein großes und vielseitiges Zirkus- Programm wird geboten werden, außer lieber- raschungcn verschiedener Art. Daß der Tanz den ihm zustehenden Anteil finden wird, versteht sich bei einem Fest der Fugend von selbst. Aber auch sur die älteren Herrschaften wird für allerlei Kurzweil und für beste Verpflegung geborgt fein. Es darf erwartet werden, daß die Beteiligung aller Bevölkerung», freife wiederum Ausmaße annimmt, wie sie von früheren gelungenen Sornrnerfeften her rühmlichst bekannt sind, (siehe heutige Anzeige)
"Von derL'chtlpielsteUe de-Kreis- schulamtcS Dießen wird uns geschrieben: ..Ehang" ist der Titel de» Kulturslimes, den die Lichttpielftette' deS Krcisschulamtes in dieser und in der nächsten Woche in den bekannten Spielorten unseres Kreises zur Dorsührung bringt Der Film Hot in einer Kultursilm- porftcllung im Lichtspielhaus Gießen eins begeisterte Zuschauerschar gefunden. Gr ift ein Meisterfilm der Kultursilmproduktivn. In äußerst leben-vollen Bildern zeigt er den Kampf deS Siamefen mit den Gefahren feiner Welt Wilde Tiere, die nie den Knall eines modernen Gewehres hörten, wild- Menschen, die nie einen Film Iahen, sind die Mitwirkenden Svenen firößter Gefahr wechseln ab mit Bildern yäus- ichen Frieden-, Interesse und Spannung läuft durch den ganzen Filin. Besonders wirkungsvoll sind die letzten Akte, in denen der Kamps dieser Menschen mit den Riesen des siamesischen Urwaldes und der Dschungeln, den Elefanten. vor den Augen der Zuschauer abrollt. Der Film wird an einigen Plätzen des KreiseS auch in Abendvorstellungen gezeigt. (Siehe heutige Anzeige)
•• Geschäftsfubiläum. Der Mineralwasser- Händler Jean Weisel, Sonnenstraße 6, kann am 1. Juni die Feier seines 40jährigen Geschostsjubi- läums begehen. Der Jubilar hat fein (Bcidjäft aus kleinen Anfängen .zu der jetzigen weithin bekannten und beachteten Hohe emporgebracht und sich beste Wertschätzung in den Kreisen seiner Kundschaft erworben.
•• Die Historische Fachschaft an der Landcsuniversität veranstaltete — wie man uns schreibt — unter der Leitung ihrcS Vorsitzenden cand. phil. Robert Ewald eine größere Exkursion. Die wissenschaftliche Führung lag in den Händen von Proscstor Dr. Mäher und Privatdozent Dr. Heichelheim. Das erste Ziel der Exkursion bildete die Lutherstadt Eisenach mit der ehrwürdigen Wartburg. Am nächsten Tage wurden Erfurt und Weimar besichtigt. Sodann überschritt man hinter Doltersreuth die deutsche Grenze und stattete Eger einen Besuch ob. Roch am selben Abend wurde Prag, die alte Wirkungsstätte von Professor Dr Mayer, erreicht. Sine stattliche Anzahl Professoren und Kommilitonen der dortigen Deutschen Universität hatten sich zum Empfang eingefunden. Die Fürsorge für die Gäste war geradezu bewundernswert. sahen doch die dortigen Landsleute an dem Besuche aus Gießen, daß man sie im Reich nicht vergessen hat Am folgenden Tage hielt Privatdozent Dr. P i r ch a n einen Vortrag über die Entstehung und bauliche Entwicklung PragS. in dem er bewies, daß Prag eine deutsche Gründung ist. An den überaus fesselnden Vortrag schloß sich eine Führung durch den Hrodschin an. die Oberrat Dr. F i a l a. der mit der Erhaltung und Erneuerung der großartigen Vurganlagen betraut ist, persönlich leitete. Hierbei wurden den Gästen riesige Baulichkeiten gezeigt, die erst kürzlich sreigelegt wurden und sonst noch nicht zugänglich sind. Am nächsten Tage führte Professor Dr. Wostry in einem ausgezeichneten Reserat die Sicdlungsaeschichte BöymenS und seine Stellung zum Reich vor Augen. Auch hier kam man zu der Ueberzeuaung. daß Böhmen alter deutscher Volksboden ist. Am Rachmittag wurde der malerisch gelegenen Vurg Korlstein, die von Karl IV. erbaut wurde, ein Besuch abge» stattet. AbendS fand ein DegrüßungSabend statt, zu dem sich ungefähr 25 Professoren der Deutschen Universität, darunter der Rector magnificus, eingefunden hotten. In herzlichen Worten wurde dabei der früheren Tätigkeit Professor Dr. M o h e r S in Prag gedacht Am folgenden Tage besichtigte man unter Leitung von Privatdozent Dr. Vorbach die an Kunstdenkmälern überaureiche Prager Altstadt. Allzuschnell flogen die schönen Tage vorüber, und bald muhte man von der alten, aber doch modernen Stadt Abschied nehmen Der Rückweg führte über RcgenSburg, wo die Walhalla besichtigt wurde nach Rürnberg. Auch hier wurde den historischen Stätten ein Besuch abgestattet.


