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29.8.1932 Frühausgabe
 
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. Aus der Provinzialhaupisiadi.

«Sieben, den 29. August 1932.

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Dolksspende Tliobe.

Jür den Bau eines neuen Schulschiffe«. Aus Anlaß der Niobe-Katastrophe ist

Wunsch weitester Volkskreise aus allen Berufs­ständen und Landesteilen mit amtlicher Genehmi­gung unter der BezeichnungVolksspende Niobe" eine allgemeine Bolksfammlung eingeleitet wor­den, deren Erträgnisse dazu bestimmt sind, den Grundstock für den Dau eines neuen Schul- schiffes zu bilden. Der Arbeitsausschutz erlätzt folgenden Aufruf:

Am 26. Juli hat ein unerwartetes und un­entrinnbares Naturereignis, wie es in unseren Breiten sonst völlig unbekannt ist, die stolze Niobe" unserer Reichsmarine in die Tiefe ge­rissen. Mit ihr 69 deutsche Seeleute, die das Meer und ihr Baterland, über alles liebten. Am 23. August stand das deutsche Doll in tiefer Trauer mit den Hinterbliebenen und mit seiner Marine vereint an Särgen, die kostbarstes Gut bargen.

Es darf aber bei dieser Trauer nicht alles enden. Das Wollen der 69 heischt Dollendung. Wie sie drängt weiter deutsche Jugend zum Meer und zur Wehr.

Die Reichsmarine muh die Arbeit an ihr so fortsuhren können, wie der jähe Schicksalsschlag sie unterbrach. Ein neues Schisf soll erstehen. Das deutsche Dolk selbst will es für sich und seine Marine erschassen in einem Opfer, wie die Männer und Jungen derNiobe" es verdienen, die ihr Leben im Dienst für Deutsch­land gaben: in einem Opfer, das der Welt zeigen soll, wie das deutsche Dolk seine Toten zu ehren Weitz und wie es auch in seiner heutigen Zerrissenheit fest zufammensteht. wo fein Herz gerührt wird: ein Opfer, das beweisen soll, wie hoch und wertvoll das deutsche Dolk die Arbeit seiner Marine einschätzt, die geholfen hat, den deutschen Namen in allen Häfen der Erde wieder zu Ehren zu bringen; ein Opfer schlietzlich, in dem der WilA des deutschen Dolles erkenn­bar sein mag, im Verlangen nach Wehrfreiheit seinem groben Führer zu folgen.

Aus allen Teilen des deutschen Dolkes kommt täglich neue Anregung zu solcher Dolksspen've mit besonderer Stärke von den deutschen Frauen, die schon einmal der Marine aus freiwilligen Sammlungen ein Schisf schenkten, den Schoner Frauenlob". Das Schisf selbst ist 1860 im Taifun vor Japan gesunken die moralische Wirkung dieser vaterländischen Tat aber hat alle Zeiten bis heute überdauert.

Der Flottenbund deutscher Frauen und der Deutsche Flotten-Berein empfinden es als ihre Pflicht, all diese aus heißem Herzen kommenden Ge- banken und Wünsche zu einer kraftvollen Handlung zusammenzufassen und das deutsche Dolk zu einer Dolksspcnde Niobe" aufzuruscn. Eine große An­zahl deutscher Frauen und Männer aus allen Can- bestellen und aus allen Berufen unterstützen diesen Aufruf. Auch die kleinste Gabe beweist die Zustim- mung zu diesen Gedanken und ist herzlich will­kommen. _ ,

Spende werden über PostscheckkontoDolksspende Niobe", Berlin Nr. 126000, Ncichsbankgirokonto, von sämtlichen Banken, Reichsbanknebenstellen Spar- kassen, Postanstalten und sonstigen durch Aushang gekennzeichneten Stellen entgegengenommen."

Oas Wandern als Erholung.

Die Gegenwart zwingt den Menschen in ein hartes Joch. Die rechte Arbeit verlangt von jedem Einsatz der ganzen Kraft. Durchaus natür­lich entsteht da bald der Drang, einmal von dem harten Mutz sich zu befreien und Entspannung zu suchen, um neue Kräfte zu gewinnen. Ilm sich die Freude zu verschaffen, die der Ernst des Lebens als Ausgleichspol verlangt, ist nichts besser geeignet als das Wandern. Die Natur lann da die unversiegbare Quelle sein, die jedem, der sie verstehen lernt, aus ihrer Fülle gern gibt. Freilich will auch das Wandern gelernt sein. Beim Wandern dürfen uns das Miauen des Bussards die Wildsährte im Weg, das Rauschen der Däume der Kobel der Sichkahe im Daum, die blühenden Anemonen auf dem Waldboden nicht entgehen. Diese scheinbaren Kleinigkeiten sind es erst, die das Wandern uns zu einem Genuß werden lassen. Glücklich und leidver­gessen wird man, hat man es vermocht, in den Haushalt der Natur einzudringen, älnvergetzlich werden uns die Stunden im Wald, wenn es gelang, zwei oder drei Kuckucke in einen jSaum zu locken, unter dem man steht, und die scheuen, wütenden Gesellen zu Gesicht bekommt. Und herrlich ' ist es. wenn man mit dem MausepfM ben Fuchs heranlockt. wenn man das Sloten des Pirols, den Lockruf des Kleibers, des Eis­vogels erkennt, und man sich am Abend an eine Waldstelle begibt mit der Gewißheit, gleich der Nachtigall lauschen zu können. Cs mutz eben gelernt sein, die Augen offen zu halten und sich über die "Blume am Wegrand zu freuen, ohne sie zu brechen. Diese Einstellung gibt uns eine stille Zufriedenheit und offene Sinne bis in unser Alltagsleben hinein- iln« entgeht dann nicht der Wanderfalke auf dem Kirchturm und der Kampf der Mauersegler mit den Spatzen um das Loch am Dachfirst. Wir erkennen sogar, datz es auch einmal ganz amüsant ist, dein ab­wechslungsreichen Geschilpe und Gezeter der Sper­linge unser Gehör zu schenken und uns nicht darüber zu ärgern, sondern zu freuen. Die ge­sunde "Bewegung in der Natur aber gibt uns neue Kräfte. Wir werden uns gestählt und die Energie wachsen fühlen, wenn wir gewandert haben mit offenen Sinnen und ... offenem Herzen!

Provinzialausschuß-Sihung.

Am Samstag fand im Regierungsgebäude zu Gießen unter dem Vorsitz von Provinzialdirektor G r a e f eine öffentliche Sitzung des Provinzial- ausschusses der Provinz Oberhessen statt, in der verhandelt wurden: ... _ nr ,,

I die Beschwerde des Wolkereibesitzers August Dörr in Freienseen 9^ den Bescheid der Bürgermeisterei Gießen vom 17. 3uni 1932 wegen Berfagung der Erlaubnis zum Betrieb emes Unternehmend zur Abgabe oon BMcb.

2. Das Gesuch des Heinrich Derg in Wis­selsheim um Erlaubnis jum 'Betrieb einer Schankwirtschaft: hier: Klage des GaMi^Ver­eins der Wetterau gegen den Bescheid des Kre.s- amts Friedberg vom 8. Juni 1932. ,

3. Die Klage des Kultunnspektors Christoph Bernet in Friedberg gegen die Stadt

Friedberg wegen Heranziehung zu den Kosten der Herstellung der Dieffenbachstrahe.

Der Provinzialausschuh erkannte für Recht

zu 1: die Beschwerde als unbegründet kosten­pflichtig zurückzuwcisen und den Wert deS Streit­gegenstandes auf 200 Mark festzusetzen:

zu 2: die Klage als unbegründet kostenpflichtig abzuweisen und den Wert deS Streitgegenstandes auf 1000 Mark festzusetzen:

zu 3: die Sache zu vertagen.

* D i e Herb st Manöver der Reichs­wehr. In den Tagen vom 13. bis 16. September werden von den in Hessen und Thüringen stationier­ten Reichswehrregimentern die Herbstmanöoer ab- gehalten. Die Hebungen finden zwischen Nordhau- ien, Langensalza, Gotha, Arnstadt, Ohrdruf und Ilmenau statt. Beteiligt sind das Infanterieregi- ment 15 aus Gießen, Eisenach, Weimar und Kassel, das Infanterieregiment 14 aus Meiningen, Tübin­gen und Konstanz, das Reiterregiment 16 aus Er­furt, Langensalza und Hofgeismar, das Artillerie­regiment 5 aus Fulda und Fritzlar, sowie die Kraft- fat)rtrupen aus Kassel. Die Manöver werden in der Form der Beigabe-Hebungen der Dorkriegszeit durchgeführt.

** Ernennung. Der Direktor der Hniversi- tätsbibliothek Gießen, Prof. Dr. Ebel, ist aus der Prüfungskommission für den mittleren Biblia- theksdicnst ausgeschieden. Der Hessische Minister für Kultus und Bildungswesen hat an seiner Stelle zum Nachfolger in der Prüfungskommission Prof. Dr. Hugo Hepding, Oberbibliothekar an der Hnioersitätsbibliothek in Gießen, ernannt.

* Herabsetzung der Rechtsanwalts­gebühren. Durch Notverordnung vom 20. Au­gust sind in Hessen die Gebühren der Rechtsanwälte für die Tätigkeit im Verfahren der Zwangsverstei­gerung und der Zwangsoerwaltung von Grund­stücken unter Berücksichtigung der derzeitigen Höhe dieser Gebühren in den anderen Ländern, insbeson- bere in Preußen, Bayern, Württemberg und Sach- seit wesentlich herabgesetzt worben.

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Aufmerksamkeit angehört.

Nach der Tischpause zeichnete die Dor- sitzende des Verbandes zwei weitere Jubi­larinnen für ihre 40jährige Tätigkeit mit dem Derdienstzeichen des Verbandes aus und stattete sodann den Jahresbericht, aus dem ersichtlich war, daß das Jahr 1931 die Eristenz- basis der Hebammen durch Not und Geburten- rüdgamg weeiterhin geschmälert habe. Leider werde in der Gegenwart immer wieder die Mei­nung laut, datz der Hebammenberuf eine reben- berufliche Tätigkeit sein könne. Dem müsse aus der Verantwortlichkeit heraus, die dem Beruf eigne, immer wieder entgegengetreten werden. In ihren weiteren Ausführungen sprach die Red­nerin über das Verhältnis der Hebammen zu ihrer beruflichen Position, zu den Krankenkassen, zur älnfall-Versicherung, zur Ausbildung ufto. Der Verband habe sich auch im vergangenen Jahre in eifriger Arbeit für di« Interessen der Hebammen eingesetzt und sich um die Verbesserung der Verhältnisse der Hebammen eifrig bemüht. Der Verband umfatzte Ende des Jahres 1931 ins­gesamt 850 Mitglieder. Zum Schlich dankt« die Rednerin für die Mitarbeit aus den Kreisen der

Mitglieder. m ,

Im Anschluß an den Jahresbericht sprach Pros. Dr. Walther. Gießen, aus seiner reichen Er­fahrung über dieQl otwendigkeitundDe- deu tung der Wiederholungskurse für die Hebammen". Im weiteren Ver­lause der Tagung referierte die Vorsitzende des Verbandes, Frau Kern. Rumpenheim, über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Hebammen. Sie forderte in längeren Ausführungen eine Reform bzw. einen Ausbau des Hebammengesehes und betonte dabei insbesondere die Verpflichtung des Staates zur Sicherung der Lebenshaltung der Hebammen, nachdem der Staat die Hebamme als im Sinne der Oesfentlichkcit für notwendig und wertvoll erachte, Anbeschwert von den Sorgen des Alltags müsse die Hebamme voll verantwort­lich arbeiten können.

Prof. Dr. Werner, bet Präsident des Hessi­schen Landtages, der als Gast der Tagung bei­wohnte betonte, daß er den Forderungen der Hebammen geneigt sei und bemüht sein werde, deren Forderungen durchsetzen zu helfen er Wünschte datz sich die Landtagsfraktivnen allen Ernstes mit den Angelegenheiten der Hebammen befassen möchten. . ,,

ft-rau Schöppler erstattete den Kassen­bericht für den von der Versammlung Ent- lastung erteilt wurde. Die V o r st a n d swahl fand mit der Wiederwahl des bisherigen Vor- standes schnelle Erledigung. Nachdem noch zwei Anträge die die Säuglingspflege und die Schwan- aerschaftsbcratung betrafen, behandelt worden waren, wurde als nächster Tagungsort Darm­stadt gewählt.

Moiorradunfall niitiödlichem Ausgang

WSR Mainz. 27. Aug. Gestern abend fuhr der 34jährige Zimmermeister Philipp Wilhelm Kirchner aus Ginshcim mit leinemQIl o to r- rad in der Nähe der Zementfabr. Mainz-Wer- fenau gegen einen auf der Straße stehenden un- beleuchteten Dauernwagen Dem Mo- torrabfabrer wurde bei dem Anprall £r Scha- delgespalten. Das Samtatsauto brachte den

18. Verbandstagung der hessischen Hebammen.

Am Samstag fanden sich di« Hebammen aus den drei hessischen Provinzen sehr zahlreich zu ihrer 18. Verbandstagung in Gießen (Restaurant Liebigshöh«) ein. Die Kreisvor- sitzende, Fräulein Schäfer, begrüßte die zahl­reichen Mitglieder und die Ehrengäste und über­gab, nachdem drei Mitglieder für 40jährige Tä­tigkeit das "Verdienstzeichen des Verbandes, die goldene Drosch«, erhalten hatten, die Leitung der Tagung an die Vorsitzende des Hessischen Heb­ammenverbandes, Frau Rosa Kern-Rumpen- fcim.

Prof. Dr. Schumacher sprach sodann über di«Aufgaben der Hebammen auf dem Gebiete der Krebsforschun g". Einen zweiten Vortrag hielt Prof. Dr. Schwartz Dem Pathologischen Institut der Universität Frankfurt über das ThemaSchädigungen der Neugeborenen bet der G « bur t. Die beiden Vorträge wurden mit gespannter

Verunglückten in das Städtische Krankenhaus, wo jedoch nur der inzwischen eingetretene Tod fest- gestellt werden konnte.

Aus aller Welt.

Neuer Zwischenfall in Rennes.

In Rennes wurden dieser Tage die zertrümmer­ten Teile des durch einen Bombenanschlag zerstörten französisch-bretonischen Denk­mals gesammelt, um in das Städtische Museum gebracht zu werden. Der Bürgermeister von Ren­nes wohnte persönlich dem Transport bei. (Ein stär­kerer Polizeiordnungsdienst war zur Stelle. Als das Lastauto mit den Denkmalstrümmern davon- fuhr, ertönte aus einem gegenüberliegenden Cafs

das Jagdhorn-Halali, das von mehreren im (Taft weilenden bretonischen Auwnomistcn be­klatscht wurde. Der Musiker ist verhaftet worden.

Degen versuchten verrat» militärischer Geheimnisse verurteilt.

Die Justizpreskeftelle teilt mit: DaS Äammer- grricht "Berlin verurteilte den polnischen Staats­angehörigen Bruno Knibba wegen versuch­te n Verrats militärischer Geheim­nisse zugunsten Polen« zu vier Jahren Zucht­haus. zehn Jahren Ehrverlust und Zulässigkeit der Polizeiaufsicht. Knibba hatte versucht, ge­heim xu haltende Nachrichten über die Grenzver- hältnisse zu sammeln, um sie an die polnische Nachrichtenstelle weiterzuleiten.

MerkwürdigeLaunen desllnweiiers

Schlechte Späße, die die Jlofur sich leistete.

Don Paul Joachim.

Die Hnwetter, die im Lauf der letzten Wochen über Deutschland hinwegzogen, Menschenleben und Häuser vernichteten, Brände entfachten, Ernten zer­störten, sind wohl noch in frischer Erinnerung. So­gar das in unseren Breitengraden seltene Phäno­men einer Windhose war im Hamburgischen zu beobachten. Seine unheilbringende Tätigkeit vcr- nichtete zahllose Gebäude und machte aus ganzen Dörfern einen wüsten Trümmerhaufen, aus dem jedermann nun seinen früheren Besitz heraussuchen mußte.

Ein Glück nur, daß nicht jeder Blitz die Bestim- mung in sich trägt, einzuschlagen und zu vernichten. Fast will es uns an Hand einer Reihe von Tat- fachen aus der Wettergeschichte früherer Jahrzehnte scheinen, als sei es dem Wettergott gelegentlich ein besonderes Vergnügen, mit verängstigten Menschen ein wenig Katze und Maus zu spielen. Es liegen eine ganze Reihe Beobachtungen vor, daß Blitz­schlag und Wirbelwind, wenn sie in besonderer Stärke auftraten, nicht Ernst machten, sondern sich einen kapitalen Spaß leisteten, meistens allerdings auf Kosten unserer Nerven und unseres Besitzes.

So ist zum Beispiel vor Jahrzehnten einem Schä- fer, den ein Gewitter auf offenem Felde über­raschte, durch einen jähen Blitzschlag das Tasche n- tu d) aus der Hand gerissen worden, in das er sich gerade, wie Palmström bei Morgenstern, schneuzen wollte, ohne ihm allerdings außerdem auch nur das Mindeste zu tun. Eine französische Chronik berichtet ferner von einem Blitz, der einem Mann ein gefülltes Glas Wein, das er an die Lip­pen führen wollte, aus der Hand schlug und dieses Glas, ohne einen Tropfen daraus zu vergießen, in zwanzig Meter Entfernung auf den Hof des Hauses stellte, in dem er sich befand. Ein Mädchen in Ame­rika mußte eine ähnliche Erfahrung machen, als sie im Augenblick, in dem sie einen Faden mit einer Schere abschneiden wollte, vom Strahl getroffen wurde, der ihr die Schere entführte und fest in die Erde eines Blumentopfes auf dem Fen­sterbrett einpflanzte. In allen drei Fällen sind die betroffenen" Personen mit dem bloßen Schreck davongekommen.

Im Jahre 1911 wütete über einem südsranzösi- schen Städtchen ein furchtbares Gewitter. Eine Fa- milie, die in einem Zimmer zu ebener Erde gerade bei Tisch saß, wurde maßlos erschreckt, als plötzlich durch das offene Senfter eine Feuergarbe ins Zimmer schoß, ohne anzuttopfen, als diese Feuergarbe eine Lampe umwarf, rings um den Tisch züngelte, die angezündete Hängelampe an der Decke auslöschte und zwischen zwei Personen hin- durchfuhr aus dem Fenster hinaus, durch das sie gekommen war. Die Augenzeugen dieses Natur-

wunders berichten allerdings, daß an diesem Abend das Essen nicht mehr berührt worden sein soll.

Daß der Blitz auch jene Leute nicht schont, die sich aus Angst vor ihm in die Federn verkriechen, beweist ein Vorfall, der in Amerika im Jahre 1909 spielte und ebenso glimpflich ablief wie die bisher geschilderten Begebenheiten. Dem alten Glauben zufolge, daß ein liegender Mensch dem Blitz weni­ger Anziehungsvunkte böte als jemand, der selbst in einem geschlo jenen Raum auf und ab geht, hat­ten sich drei tap ere Männer die Decke fest über di"ß Ohren gezogen. Plötzlich schlug der Blitz in dieses Haus, züngelte zum Belt hin, verbrannte die Decke vollkommen und rasierte einem ber Männer das Haupthaar. Wenn dieser Mann seitdem nicht ge­storben ist, dann lebt er heute noch kahlgescho­ren und auf feinem Haupte leise angebrannt.

Ein Gastwirt aus Kroatien weiß den Fall zu berichten, daß der Blitz in seine Milchkammer ein- schlug, eine Reihe von Milchtöpfen von einem Wandbrett unversehrt auf das andere transpor­tierte, dann den Fußboden durchschlug und in den Keller wanderte, wo er ein Bierfaß, das bis an den Rand gefüllt war, in zwei völlig gleiche Hälften spaltete.

Vollends die Chronik des Wirbelsturmes, der Mittelamerika im Jahre 1925 ereilte, ist voll von solchen verhältnismäßig harmlos verlaufenen Zwi­schenfällen. Ein Mann, der auf der Schwelle seines Hauses das Ungeroltter mit einem Feldstecher ver- folgte, wurde in die Lüfte entführt und landete auf einem hohen Telephonmast, in den sich sein Kragen verfangen hatte, und von wo aus er natürlich eine wesentlich bessere Aussicht hatte. An dem gleichen Tage wurde ein neun Monate alte* Kind nackt in einem Sumpf gefunden, viele Kilometer von jeder menschlichen Behausung entfernt und es ist bis auf den heutigen Tag nicht gelungen, jemals seine Herkunft festzustellen. Ein Sommer­haus flog, von der Windhose erfaßt, wie ein Vogel durch die Lüfte auf dem Boden blieb bloß das Bett stehen, in dem der Besitzer und seine Frau schliefen. Eine Visitenkarte, die auf dem Bü­cherschrank eines Mannes lag, wurde diesem Mann wenige Tage nach dem Sturm aus einer 210 Mei­len entfernten Ortschaft mit der Bemerkung zuge­schickt, man habe sie dort vor der Tür des Gefäng­nisses liegend gefunden. Wenige Zentimeter davon entfernt hatte ein Scheck über 800 Dollar gelegen. Er fand sich nach der Katastrophe unversehrt auf feinem alten Platze vor. Die Fassade einer Villa wurde abgerissen, als ihr Besitzer gerade verreist war. Bei seiner Heimkehr fand der gute Mann in seinem Musikzimmer, in dem ein Flügel stand, die­sen Flügel mit abgerissener Decke vor und auf den bloßen Satten lag ein totes Pferd ...

Buntes Allerlei.

Oie Zagd nach dem Golde.

Obgleich zwanzig Länd«r dem englischen Bei­spiel gefolgt sind und di« Goldwährung verlassen haben, wird di« Jagd nach d«m Golde in letzter Zeit mit verstärktem Eifer fortgesetzt. Di« Gold­produzenten scheinen nicht zu befürchten, daß die Welt sich ein für allemal irgend einer anderen Währung zuwenden wird zu Ungunsten des sonnenglänzenden Metalls, das so vielen Men­schenkindern das wichtigste Ding der "Welt ist. Ein neuerBoom" ist in Rhodesia ausgebrochen, buchstäbliche Wettrennen um die Stellen. Far­mer verlassen ihre Felder, Gewerbetreibende die Stadt, um Goldsucher zu werden. Der Andrang um die Goldfeld-Parzellen steigt von "Monat zu Monat. Der eigentliche Ansturm setzte im vori­gen Jahr ein, als 21 376 neue Parzellen aus- gegeben wurden gegenüber 7397 im vorher­gehenden Jahre. Wenn auch keine besonders großen Funde zu verzeichnen waren, so ist die Ausbeute doch stark gestiegen. Auch Oesterreich will an der Goldjagd teilnehmen. Hier sollen Goldgruben wiedereröffnet werden, die im Mit­telalter ausgebeutet worden sind, z. D. bei Naß­feld in den Hohen Tauern: seit dem Mittelalter legen sie still. Kurz vor dem Kriege hatte man sich an die Wiedereröffnung gemacht. Durch den Krieg war dann wiederum alles liegen geblie­ben. In Amerika wird im Gebiet von Alleghany in Kalifornien unter einem Lavabett ein Gold­lager im "Werte von 56 Millionen Dollars an­genommen. Mr. Henry G. Ferguson vorn Geo­logischen Institut der "Bereinigten Staaten stellt ein Steigen der Goldproduction im Lande fest, bei verminderten Produktionskosten, was wie­derum die Einführung neuester Maschinen und Methoden begünstigt. Er nimmt an, dah die Goldförderung bis zum Jahre 1950 in den Ver­einigten Staaten und ihren Besitzungen auf rund 100 Millionen älnzen steigen kann, was einem Geldwerte von rund 7 Milliarden Mark ent­sprechen würde. In Australien erklärte der Vize­präsident der Bergwerlskammer, Mr. Bail, daß heute mehr Gold produziert wird als jemals. Hunderte vonFossikers" (Ausbeuter von bereits verlassenen Goldgruben in Australien) haben sich wieder dem Gewerbe zugewandt und nehmen heute selbst solche Gruben wieder in Angriff, die bereits der fleißige und anspruchslose Chrnese im Stich gelassen hatte. Der kleinste Goldfund genügt ja bei dem heutigen Goldpreis, um das Leben zu fristen. Andere brechen neuen Grund auf. Die Goldproduktion würde noch rascher zu- nehmen. wenn es nicht an dem nötigen Kapital mangeln würde, um größere, außer Betrieb ge- fetjtc Goldfelder wieder in Angriff zu nehmen.

Wie (Srefa Garbo zum Film kam.

Die Geschichte, wie Greta Garbo ein Film- ftar wurde, erzählte dieser Tage der bekannte Re­gisseur G. W. Pabst, der gegenwärtig in London denDon Quixote" in englischer und französischer Sprache, mit Schaljapin in der Titelrolle, her­stellt.3m Herbst 1924 war ich mit den Vorbe­reitungen zu derFreudlosen Gasse" beschäftigt und auf der Suche nach einer Schauspielerin von her­vorragender Persönlichkeit. Ich glaubte, sie gesunden zu haben in der Darstellerin einer Nebenrolle in dem vor einem Jahre erschienenen SchwedenfilmGösta Beding". Ich sandte einen Stellvertreter nach Stock­holm, der den Bericht brachte, das junge Mädchen, Greta Garbo, habe seither nicht mehr gefilmt und sei nicht auszu finden. Nun hörte ich, sie sei in Berlin, wir suchten sie dort überall, aber ver­geblich. Dann sollte sie in Konstantinopel fein. Ich wollte es nicht glauben, traf aber zum großen Glück in Berlin Mauritz Stiller, der denGösta-Ber- ling"-Film geschaffen hat. Auch er hatte die faszi- nierenbe Persönlichkeit der Garbo erkannt, konnte aber nach demGösta Beding" keine Arbeit mehr in Schweden bekommen. So unternahm er denn, nachdem sich 18 Monate lang kein Mensch um Greta GarSo gekümmert hatte, die Herstellung eines Films in Konstantinopel. Die Hauptdarsteller soll­ten Greta Garbo und Einar Hansen fein. Aber die Sache ging schief, der Film konnte nicht zu Ende gespielt werden und die Darsteller waren also in Konstantinopel gestrandet. Nun sah ich Greta Garbo und verpflichtete sie fürDie freudlose Gasse". Sie hatte einen ungeheuren Eindruck auf mich gemacht. Als meine Frau mich an dem Abend fragte, ob ich die Richtige gefunden hätte, antwortete ich:Eine solche Frau gibt es nur einmal in hundert Jahren." Während ichDie freudlose Gasse" drehte, wurde Stiller nach Hollywood eingeladen. Er wollte nicht ohne seine Schauspieler hinfahren. Greta Garbo und Einar Hansen hätten mit ihm fahren können. Aber Greta Garbo wollte nicht. Sie wollte in Deutschland bleiben, und bat mich, ihr einen Vertrag zu besorgen. Es gelang mir jedoch nicht. Niemand wollte es ris­kieren. Stiller zeigte unterdessen ihr Werk den Amerikanern, sie sagtenallright" und Greta Garbo war für den europäischen Film verloren.Glauben Sie nur nicht an die Geschichten von Greta Garbos überschüssigem Temperament. Es gibt keine Schau­spielerin in der Welt, mit der leichter umzugehen wäre. Hat man ihr eine Szene auseinandergesetzt, so kann sie jederzeit die genaue Empfindungs- Nuance wiedergeben, die ber Direktor im Auge hat. Unb der Direktor", setzte Pabst nicht ohne ein bos­haftes Aufleuchten feines Blicks hinzu,weiß ja stets, was er will."