Ausgabe 
29.7.1932 Erstes Blatt
 
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Wingolfrr, in aL'-n eilen Streuungen und Hoff- nungen für des deutschen Üukrlanbcg fünft tgc I-ihrhundertc! jaultet btn Gedanken alles Großen, Freien und 2-jgferen fest und immer fcfter! Denn nur der feite Gebaute des 5;o(jen macht dieIMt. So bildet Euch fest ein, daß jeder r in-tdne an seinem The!! die Welt m:t mnjxn hilft. Das lei Euer gc-trljch-r Wingolf! Bei Äog/j'.nn.'-n hbren täglich und stündlich d'e Unsterblichen und die Golfer ein. "dito sei es! Sa werd ce! So tretet mit fröl)- Lcher Hoffnung und mit tapferen Entschlüssen in das Jahr 1840 ein. In beuildpr Treue Ihr E. M. Arndt aus Rüaen. Bonn II SBinternumb* 1^80" Von feinen 8 Kriegsteilnehmern von 1870.71 star­ben 2 fürs Vaterland, denen er dos schwarz-weiß- golbne Band in die Gruft gab. Bez-ichnend für das regere Gefühl der Ziilsammengehörigkeit nach diesem Krieg ist die Schaffung der Limburger, später Diezer Konvention (Gießen, Bonn, Marburg) 1873 und des Frankfurter Philistertags 1871, zuerst alle zwei Jahre, ab 1890 jährlich: ein Verband der Gießener Wingolfsphilister wurde gegründet. 1880 die stärkste Verbindung an der Gießener Hochschule (20) hatte er 1877 bis 1881 seine Kneipe imLahnstein", 1881 bis 1886 wieder imGoldenen Löwen", 1886 bis 1891 im Hotel Lenz (Bahnhofstraße) und 1891 bis 1894 imDeutschen Kaiser" (Grünberger Straße). Am 18. Juli 1894 machte die Einweihung des eige­nen Hauses (Wilhelmstraße 40) dem ständigen Wan­derleben ein Ende. Das 35. Stiftungsfest brachte dem Gi. W. eine neue prachtvoll gestickte Fahne, das 40. eine kostbare Zezeptionsdecke, das 41. die feier­liche Grundsteinlegung: in den Grundstein kam u. a. die Handschriftnachbildung des hier abgedruckten Arndtschen Schreibens. 1900 erreicht? die Verbin­dung Den bis dahin höchsten Stand von 43 Aktiven.

Ums Jahr 1907 setzte nach Beendigung der Prin­zipstreitigkeiten im ganzen Wingolfsbund ein äuße­rer Aufschwung ein; auch im Gi. W. erwachte die Freude an körperlicher Hebung, das Turnen wurde stramm und eifrig betrieben, auch in das Pauken kam ein neuer Zug. Vor Rudern, Wandern, Rodeln und Tennis trat das Kneipleben in den Hinter­grund; auch die sozialstudentische Bewegung wurde für den Gi. W. bedeutungsvoll. Unterhaltungsabende dienten der geistigen Anregung und Weiterbildung. Auf der Kneipe wurden alkoholfreie Getränke den alkoholischen grundsätzlich gleichgestellt. In der sexuel­len Frage konnte er der vielfach eingerissenen Lax­heit gegenüber keinerlei Zugeständnisse machen.

3m Weltkrieg opferte der Gießener Wingolf 14 Philister und 20 Aktive und Inaktive; ihnen wurde am 1. August 1922 ein schlichter Denkstein im Garten des Hauses errichtet. Die in der ersten Nachkriegszeit naturnotwendig eingetretene Lockerung des Korporationswesens bekam auch der Gießener Wingolf zu spüren. Seit 1929 be­steht dieWingolfitische Privathilfskasse Paten­

schaft", die schon manche Handreichung in dieser Notzeit tun konnte. Für Turnen und Sport waren zeitweilig sechs Stunden in der Woche offiziell, unb bei den akademischen Wettkämpfen, w e bei den Sport kämpf en der alle zwei Jahre stal'f.ndenden Wartburgseste konnte der Gießener Wingolf immer wieder Sieger stellen. Er be­teiligt sich selbstverständlich an dem Wehrsport der lluiversität. So wie sich die Verbindung 1920 saß geschlossen der Reichswehr zum Schutz des gedrohten Ostens zur Verfügung stellte, bringt sie weiter den Grenzlandfragen und den Fragen des Deutschtums im Ausland das lebhafteste In­teresse entgegen und schickt ihre Teilrrehmer zu den Grenzlandfahrten. Vewußt auf dem Boden eii'.es nationalen Deutschtums stehend, lehnen seine Mitglieder alle internationalen Tendenzen und Bestrebungen ab. Sein Prinzip lautet:Der Wingolf ist eine Studentenverbindung, die es sich zur Ausgabe macht, den Glauben an Christum, welcher die ganze Menschheit erfüllen soll, zu dem Grunde zu machen, durch welchen sie sowohl das Wissenschaft che Treiben, als auch das persönliche Leben allseitig läutern und durchdringen will." Es bekam schon 1921 den erläuternden Zusatz: Der Wingolf verlangt von seinen Mitgliedern nationale Gesinnung und erzieht sie im vater­ländischen Geist."

Die bereits im 8. Jahrgang von Dr. Otto Weimar herausgegebenen, als Handschrift ge­druckten MitteilungenAus dem Gießener Win­golf" erfüllen die Aufgabe, den Zusammenhang der Philisterschaft untereinander und mit der Aktiven Verbindung zu pflegen und bilden eine wertvolle Ergänzung zu denWingolfsblättern". In Nr. 3 vorn 20. Juli grüßt der 90jährige D. Hermann Marx, Geh. Studienrat i. R. in Hannover-Kleefeld, den 80jährigen Gießener Wingolf: ebenso der in Gießen noch in guter Erinnerung stehende D. Dr. Ferdinand hatten- busch in Halle. Er meint:Nie hat das Lo­sungswort des Wingolfs, das di henos pantal (d. h.durch Einen (Christus) Alles!") solche Be­deutung gehabt, wie heute."

In einer Stärke von 26 Aktiven und 25 In­aktiven grüßt die Verbindung ihre Philister und Gäste. Der Rahmen des Festes ist schlicht und einfach. Zu seinen Höhepunkten wird wieder die ernste Feier an der ehrwürdigen Ruine des Gleibergs im Angesicht der reifen Saat ge­hören. Solange auf Erden Same und Ernte nicht aufhört, möge auch der Gießener Wingolf bleiben, Frisch! Fromm! Froh! Frei!

Und sind wir längst gegangen, vielleicht zur Gruft hinein, mögst du noch blühend prangen, o Wingolf, hehr und rein!

SJL-tfport

18. (Stoppe derTour de France".

Bei der 18. Tagesstrecke der französischen Rad- rundfahrt waren bei schönem Wetter nur 159 Kilo­meter von Metz nach Charleville zurückzulegen. Da das Ziel schon nahe ist, blieben auch diesmal wieder ernst. gemeinte Borstöße aus. Ein Ausreißversuch der Belgier wurde bald wieder zunichte gemacht. Etappensieger wurde wieder einmal Leducq, der im Endspurt in der Fahrzeit von 5:09,48 Std. vor dem Italiener di Pacco, dem Belgier Sonde, dem Deut­schen Stöpel und dem Franzosen Speicher gewann. In den Klassements ergaben sich keine Aenderungen.

Kurze Gporinoiizen.

Drei Pferde im toten Rennen, ein seltenes Ereignis, gab es am Mittwoch bei den Galopprennen in Krefeld. Im Preis von Krieckenbeck endeten Flügelmann, Wanderin und Völkerbund gemeinsam auf dem ersten Platz. Beim gleichen Renntag gab es im Wilhelmshof- Ausgleich, den Schwarzwald gewann, mit 1309:10 eine Riesenquote.

Der Lufthansa-Pilot Willi Polte, der kürzlich eine Gesamtflugstrecke von 1 Million Flugkilometer für sich buchen konnte errang bet dem Schweizer Alpen- rundflug für Verkehrsflugzeuge auf seiner dreimoto- rigen IunkersmaschineJu 52" Den ersten Platz. Auch den zweiten Platz belegte eine deutsche Ma­schine, nämlich das Dornier-FlugzeugDo K."

Deutscher Triumph beim Alpenrundflug

Stadion Los Angeles im Scheinwerserlicht

M

KM

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Die Ostseite des riesigen Ovals des Stadions, das nun nach seinem Umbau 105 000 Zuschauer auf­nehmen kann. Unsere Aufnahme wurde während einer Generalprobe der Beleuchtungsanlagen herge­stellt, Die erlauben, Fußballspiele und andere Kampfveranstaltungen des Nachts bei taghellem Licht abzuwickeln.

Am Sonntag tritt Aliendorf mit zwei Mann­schaften zu Rückspielen In Klein-Linden an. Die Vorspiele am vergangenen Sonntag endeten: 1. Mannschaften 7:2 für Allendors, 2. Mannschaf­ten 6:2 für Klein-Linden.

Handball im Gau Hessen (D. T.)

TD. Allendors (Lahn) 1. TD. Wetzlar 1.

Die 1. Mannschaft des TV. Allendorf (Lahn) hat für morgen, Samstagabend, ein Propa- gandaspiel mit der kompletten 1. Mannschaft des abgeschlossen, lieber die Spielstärke ber ©äfte, öi bereits seit einigen Jahren Kreis- klasse spielen, braucht nichts gesagt zu werden. Allendorf eine Gewinnchance einzuräumen, ist bei dem spielerischen Können des Gegners zweck­los. Es bleibt der einheimischen Mannschaft nichts übrig, als sich anzustrengen, ein ehrenvolles Er­gebnis zu erzielen.

Handball im Lahn-OünSberg-Gau.

Schiedsrlchter-Velehrungsspiele in Hausen.

Am Sonntag finden in Hausen Spiele zur Unter- richtung von neuen Mitgliedern der Schiedsrichter­gruppe statt. Es sind hieran beteiligt die Mann- ichasten von Hausen II Steinbach I und Albachl * gegen Hausen I.

Giftpflanzen in

In unserer heimischen Pflanzenwelt befinden sich nicht weniger als vierzig Arten, die giftige Stoffe enthalten, deren Genuß dem Menschen schwere Krankheit oder gar den Tod bringen kann. Manche rufen, je nach Art und Menge, in der sie genossen werden, durch ihren ätzenden Saft schwere Entzündungen hervor, andere wie­der lähmen wichtige innere Organe. Leider ken­nen di« wenigsten Menschen die bei uns vorkom­menden Giftgewächse. Nicht alle sind gleich stark giftig. Während wohl einig« in allen Teilen Gift­stoffe enthalten, so finden wir bei anderen etwa nur im Wurzelstock, oder der Zwiebel, oder den Blättern, oder den Blüten, oder in zweien zu­gleich todbringenden Stoff vor. In folgendem sollen di« wichtigen Vertreter unserer gefähr­lichsten Giftpflanzen näher gekennzeichnet werden.

Wenn noch Schnee und Eis die Erde bedecken, dann entfaltet schon die vielfach in Gärten an- gebaut« Christrose, auch Schneerofe genannt, ihre prächtig schneeweißen Blüten. Sie führt auch noch den Namen Nieswurz. In pulverisiertem Zustande wird die Wurzel zur Herstellung des Schneeberger Schnupftabakes benötigt: daher der Nam«. Wird si« aber irrtümlich gegessen, so kann si« unter Krämpfen und Koliken Den Tod herb«iführ«n. Im zeittgen Frühjahr, oft schon im Monat F«bruar, ist ein kleiner Strauch meist in Gebirgswäldern, aber auch vielfach als Gar­tenzierpflanz« anzutreffen. Es ist der Seidel- b a st oder Kellerhals. Seine rosaroten Blüten erfreuen unser Auge. Sowohl die roten Früchte, wie auch der scharfe Saft der Rinde enthalten ein starkes, tödlich wirkendes Gift. Wenn der Wonnemonat Mai die Erd« in junges saftiges Grün gekleidet hat, lockt der köstliche Duft des Maiglöckchens den Waldbesucher an. Er kann sie beruhigt pflücken, doch die roten Beeren, die sich später entwickeln, muß er meiden, um nicht schweren gesundheitlichen Schaden zu neh­men. Ein Zeitgenosse dieses Lieblinges der Men­schen ist di« Kuh- auch Küchenschelle ge­nannt, «ine Bewohnerin sonniger Hügel und lichter Wälder. Ihre dunkelviolette Blüten glei­chen einem Glöckchen. Mitunter können die sei­denartigen, silberflaumigen Blätter beim Sam­meln anderer Kräuter mitgepflückt werden. Beim etwa unvorsichtigen Genüsse bewirken sie vor­übergehende Blindheit und Störungen im Rücken­mark und Gehirn.

In ähnlicher Weis«, nur in viel stärkerem Maße, wirkt di« Wurzel des Eisen- oder Sturmhutes, dessen Heimat die Alpen, so­wie die Mittel- und Süddeutschen Gebirge ist und bei uns in den Gärten gerne gesehen wird. Tritt Vergiftung durch ihn ein, die sich durch Kopf­schmerz, Lähmung des Pulsschlages unb derAtmung anzeigt, so ist der Tob oft schon nach wenigen Stun- ben eine unausbleibliche Folge, wenn nicht ärztliche Hilfe raschestens in Anspruch genommen wirb. Sogar bewirkt.ber Sturmhut, im Blumenstrauß getragen, schon ein Anschwellen ber Hanb.

Wohl bas gefährlichste Gewächs aller Giftpflanzen unserer Heimat ist Sie Tollkirsche, beren glän- zenbe schwarze Beeren einer Herzkirsche ähneln, leicht deshalb von Kinbern besonbers für eine solche ge­halten werben. Beeren unb Wurzel sinb bie giftig­sten Teile ber ganzen Pflanze. Fast jeben Sommer fordert sie Opfer, selbst Massenvergiftungen durch sie sinb bekannt. Drei bis vier Beeren genügen, ein Kind zu töten. Amseln unb Drosseln verzehren sie jeboch,

untrer Heimat.

ohne Schaben zu nehmen. In früheren Jahren be­nutzte man ben roten Saft ber Beeren in Italien zum Schminken.

Unheimlich wirkt bas auf Schutthaufen unb an Wegen wachsenbe Bilsenkraut, ein-, allbekannte, sehr giftige Pflanze mit feinen klebrigen Blättern unb feinen oiolettgeaberten schmutziggelben Blüten, bie einen betäubenben Geruch abgeben. Im Aber­glauben spielte bas Bilsenkraut eine große Rolle; sie bitbete einen Hauptbestandteil ber berüchtigten Hexensalbe. Zur gleichen Pflanzengattung, zu ber bie beiben letzten gehörten, nämlich ben Nachtschatten­gewächsen, gehören weiterbin noch eine ganze Reihe anbere Giftpflanzen. Als nächster Verwanbte unserer nützlichen Kartoffel sinb ber Schwarze unb Bittersüße Nachtschatten zu nennen. Als lästiges Unkraut in ben Gärten unb Felbern enthalten nameotlid) bie schwarzen Beeren ein starkes Gift. Der gefürchtete S t e ch a p f e l ist ein vielfacher Nachbar bes Bilsenkrautes, mit seinem übelriechenben Kraut. Die skächelige Fruchtkapsel enthält bie vielen schwarzen Samen, bie am giftigsten für uns Men­schen sind; von Vögeln aber gern als unschäblich verzehrt werben. Wer kennt nicht ben prachtvollen Golbregen, ber in seinen golbgelben Blüten­trauben boch ein gern gesehener unb beliebter Zier- ftraud) unserer Gärten unb Parkanlagen ist? Er ent­hält, besonders aber in ben schotenartigen Früchten, einen sehr scharfen Giftstoff. Gar manches Kind mußte schon sterben, weil es nur an ben Blättern ober Blüten getaut hat. Auf Walbblößen prangt im Sommer ber prächtige rote Fingerhut. Alle Teile bieses stolzen Gewächses verschulden beim Verzehren infolge bes Giftes gleichfalls manche gefährliche Er­krankung. Schlimmer noch als bie im Waldesschatten wachsenbe E i n b e e r e, bie als schwarzblaue Beere, von Kinbern gegessen, verhängnisvoll wirken kann, ist bie Eibe, auch Taxus ober Lebensbaum ge­nannt. Nicht nur die Samen, sondern auch die breiten Nadeln enthalten ein betäubendes Gift, das alle inneren Organe angreift; Herz und Lunge lähmt, so daß der Vergiftete plötzlich erstickt. Weide­plätzen und Straßen muß die Eibe ferngehalten wer­den. Irgendwelches Vieh, das von den Npdeln zu fressen bekommt, muß elend unb unter furchtbaren Schmerzen oereinben.

Neben ber Weißen Zaunrübe, deren Wurzel stark giftig ist, darf nicht die große Familie der Sch i e r l i n g e vergessen werden.(Vor kurzem wurden an dieser Stelle die verschiedenen Erschei­nungsformen des Schierlings eingehend erörtert.) An Zäunen und Gebüschen klettert die Weiße Zaun­rübe empor, die eine sehr stark giftige Wurzel be­sitzt. Wenn der Herbstwind durch die Stoppeln weht, und die meisten Blumen bereits zur Winterruhe ge-< gangen sind, bann sprießt noch eine sehr giftige auf ber Flur hervor unb gibt ihr ben letzten Schmuck: es ist bie Herb st zeitlose. Nicht nur bie Samen unb Knollen sinb sehr giftig, fonbern auch bie übrigen Pflanzenteile sinb selbst im Heu noch außerordentlich^ schädlich, weshalb sich Weidetiere außer Schafen" nicht an ihr vergreifen. Nur fünf Gramm genügen von bem Samen, einen Menscyen innerhalb weniger Tage zu töten. Wie eingangs gesagt, sollen nur Die wichtigsten bei uns vorkommenben Giftpflanzen auf­geführt werben. Wenn sie auch alle dem Menschen als ein gefährlicher unb gefürchteter Feinb erschei­nen, so werben sie mitunter aber in ber Hand bes Arztes zu einem wichtigen Wohltäter unb notmen- bigen Heilmittel. B.

Wirtschaft.

Berlin enttäuscht.

Berlin, 29.Juli. (WTB. Funkspruch.) Obwohl man für heute, b. h. zwei Tage vor ben Wahlen, kaum Geschäft erhofft hatte, würbe man doch zu Beginn des Verkehrs durch die Geringfügigkeit der Umsätze überrascht. Auch rein stimmungsmäßig war eine gewisse Enttäuschung festzustellem da man nach dem besseren Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse mit einer etwas freundlicheren Tendenz ge­rechnet hatte. Es fehlten aber an besonderen An­regungen. Den anziehenden internationalen Waren­preisen stand die Meldung von einer Gefähr­dung des österreichischen Kabinetts gegenüber, auch verstimmten Gerüchte, die von einer weiteren Zinskonoersion wissen wollten. Man sprach von Neuanlagen englischer Stillhaltegel­der, z. B. in Ilse und Bekula. Im großen und ganzen war das Geschäft jedoch weiter sehr klein, so daß Kursveränderungen von Belang nur vereinzelt eintraten.

Neben Bekula waren Licht & Kraft, Lahmeyer mehr als 1 v. H. gebessert, während anderseits Rhei­nische Braunkohlen mit minus 2 v. H., Elektro Schle­sien mit minus 3,25 v. H. und Kali Aschersleben mit minus 1,5 o.H. durch schwache Haltung auffielen. Bei Schwankungen bis zu 0,25 v. H. nach beiden Seiten lag der Aktienmarkt auch im Verlause sehr ruhig. Später setzten sich dann allerdings über­wiegend leichte Befestigungen von 0,25 bis 0,5 v. H. durch, wobei man Tauschoperationen von Renten i n A k t i e n beobachten wollte. Eine weitere Tausch­transaktion scheint man am Rentenmarkt auch noch in der Form vorzunehmen, daß man daher ver­zinsliche Werte in weniger verzinsliche wechselt. Auch das Interesse für die Altbesitzanleihe scheint hierin begründet zu sein. Das Geschäft wurde ziemlich leb­haft, und der Kurs zog auf 45 o. H. an. Neubesitz- anleihe und Reichsschulbbuchforderungen lagen ver­nachlässigt. Von Jnbustrieobligationen hatten bie sechsprozentigen Krupp einen Anfangsgewinn von 1,65 v. H. zu verzeichnen, von bem sie im Verlause mleber 0,5 v. H. abgeben mußten. Auslanbrenten wiesen nur geringe Veränberungen auf.

Am Gelbmarkt war bie Situation vor bem Ultimo weiter versteift. Tagesgelb zog auf 5,75 v. H. an unb war nur noch vereinzelt mit 5,65 o. H. er­hältlich.

Sranffurf still.

Frankfurt a. M., 29. Juli. (WTD. Draht- melbung.) Das Näherrückcn des Wahltages lieh das Geschäft weiter merklich einschrump- f e n, da man allgemein stärkste Zurückhaltung an den Tag legte, zumal besondere Anregungen nicht Vorlagen. Die Stimmung wax aber nicht un­freundlich. so daß die Kurse der gestrigen Abendbörse meist unverändert blieben. Die feste Tendenz der gestrigen Neuyorker Börse bot der Börse zwar eine Stütze, vermochte aber keine Be­lebung des Geschäfts herbeizuführen.

Die erjten Kurse eröffneten uneinheitlich, wobei sich die Veränderungen die Waage hielten. Am Elektromarkt lagen ä-hade mit minus 4 Mk. wei­ter schwach, Siemens eröffneten mit 121 Prozent

unverändert. I.-G. lagen mit 86,65 Proz. behaup­tet, Metallgesellschaft und Rütgerswerke gaben bis zu 0,50 Prozent nach. Don Dergwerksaktien setzten Harpener 1,13 Proz. höher ein, wogegen Stahl­verein weiter leicht abbröckelten. Schiffahrtswerte lagen bis zu 0,75 Prozent freundlicher. Reichs­bankanteile blieben mit 123,50 Proz. nur knapp gehalten.

Am Rentenmarkt herrschte ebenfallsGe- s ch ä f t s st i l l e. Nur Deutsche Anleihen lagen etwas lebhafter und höher, besonders Altbesitz, die im Verlaufe bis zu 1 Proz. anzogen. Reichs­schuldbuchforderungen und Reichsbahnvorzugs­aktien zogen bis zu 0,50 Proz. an. Goldpfand- briefe waren weiter angeboten und bis zu 0,75 Prozent schwächer, während Liquidationspfand­briefe uneinheitlich lagen.

Beim Scheibenschießen erschossen.

WER. Marburg, 28. Juli. Im benach­barten Gemünden ist der Arzt Dr. Schütz auf tragische Weise ums Leben gekommen. Er vergnügte sich mit dem bei ihm zu Besuch wei­lenden 14jährigen Sohn eines Pfarrers aus Hcrsfeld mit S ch e iben schießen, wobei ein Luftgewehr benutzt wurde. Später nahm Dr. Schütz seine Pistole, mit der er ebenfalls einen Schuß auf die Scheibe abgab. Als er die Scheibe nachsehen wollte, ob der Schuß getroffen hat, legte der Jung«, dem er die Pistole zum Halten gegeben hatte, an und schoßden Arzt t o t. Allem Anschein nach hat er mit der Pistole gespielt.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

0. h. in Gießen. Sie müssen sich an bas Pacht- einigungsamt, b. h. an bas Amtsgericht wenben, bem ersteres eingegliebert ist. Dieses hat zu prüfen, ob es ber Billigkeit entspricht, baß Leistungen, bie unter Den oeränberten allgemeinen wirtschaftlichen Ver- hältnissen nicht mehr gerechtfertigt fine, anberroeit festgesetzt werben. Die wirtschaftlichen Verhältnisse beiber Vertragsteile sinb angemessen zu berücksich- tigen. In erster Linie ist auf einen Vergleich hinzu­wirken. Der orbentliche Rechtsweg ist ausgeschlossen. Gegen bie Entscheibung ist Berufung an bie Be­rufungsstelle bes Landgerichts zulässig.

W. in Gießen. Für ben Sturz, ben jemanb auf einer gebohnerten Treppe erleidet, kommt als haft­pflichtig nur ber Hauseigentümer in Frage. Die Schabensersatzpflicht ist Tatfrage, hängt also ganz von ben Umftänbcn ab, unter Denen sich ber Sturz ereignet. Kannte ber Geschäbigte z. B. bie O.ertlich- keit, wußte er, baß bie Treppe bes betr. Hauses ge- bohnert war unb war er noch burch einen Anschlag im Hausflur auf bie Tatsache hingewiesen, so sind die Prozeßausficyten für ben Geschädigten sehr ge­ring. Anders aber liegt der Fall, wenn der Sturz sich auf ber gebohnerten unb nach eingetretener Dunkelheit auf einer unbeleuchteten Treppe ereig­nete. In letzterem Falle haftet ber Hauseigentümer für den entstandenen Sach- oder Personenschaden. .