Ausgabe 
29.6.1932 Frühausgabe
 
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Nr. 150 Lvühaussabe

182. Zahrgang

Mittwoch, 29. Juni 1952

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

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GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Doluik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Geht Lausanne schon morgen zu Ende?

Jfl noch eine Vermittlung möglich?

Don unserem Q-Korrefpondenten.

Lausanne, 28. Juni.

Die Staatsmänner in Lausanne haben inzwi­schen die Erfahrung gemacht, daß man mit lie­benswürdiger Redseligkeit nur Schaden stiften kann. Sie hüllen sich jetzt in eisiges Schweigen. Als Herr von Papen und der Minister von R e u r a t h am Dicnstagmittag das Hotel Deau- rivage nach der deutsch-französisch-englischen Mi­nisterzusammenkunft verliehen, lehnten sie jede Auskunft beinahe schroff ab. Auch Herri o t machte ein entsetztes Gesicht, als er den Andrang der auskunsthungrigen Journalisten in der Halle des Hotels bemerkte. Zuerst tat er so, als ob er sich überhaupt nicht aus dem Konferenzsaal traue. Er sagte schließlich auch nichts von irgendwelcher sachlichen Bedeutung, aber er war auch nicht mehr so mahlos grob wie am Montagabend.

Die übertriebene Empfindlichkeit und Rervosi- tät im französischen Hauptquartier, im Lausanne Palace, ist aber noch keineswegs gewichen. Man Wittert jetzt hinter allem und jedem eine deutsch« Bosheit und Hinterhältigkeit. Die besonders miß­trauischen Gemüter im Lausanne Palace werden es vielleicht auch als eine ungezogene Demon­stration empfunden haben, als ausgerechnet um die Mittagsstunde dieses Tages das deutsche Zeppelin-Luftschiff in stolzen Kreisen den Konserenzort überflog. Wenn sie bösartig sein wollen, so können sie aus diesem Schauspiel ihre Argumente für die deutsche Leistungsfähigkeit und damit für den verlangten Desserungsschein auch noch ableiten.

Man muß sich nur immer wieder fragen, warum die Franzosen auf einmal so besonders empört tun. Darüber ist doch von Anfang an kein Zweifel gelassen worden, daß ohne einen endgül­tigen und grundsätzlichen Verzicht auf alle Tributzahlungen eine besondere Beteili­gung Deutschlands an den europäischen Wieder- oufbauplänen nicht in Frage kommen wird. Lind wenn die Franzosen es nun so hinstellen, als ob der deutsche Kanzler bereits in Aussicht gesellte Kompensationen wieder zurückgezogen habe, so ist das ganz gewiß nicht richtig. Der Reichssinanzminisler hat vielmehr am Montag­abend ganz ausführlich die Möglichkeiten der wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit auscinandergeseht. Umgekehrt wird ein Schuh dar­aus. In der deutschen Delegation konnte man nach dep verschiedenen Unterhaltungen in der zweiten Konferenzwoche mit der Möglichkeit rech­nen, daß eine stärkere Beteiligung Deutschlands an demgemeinsamen Topf" (.fand commun") für den französischen Wiederaufbau a l s G e g e n- lcistung für den Lributverzicht ge­würdigt werden könne. Run stellen sich aber die Franzosen auf den Standpunkt, daß dieser gemeinsame Topf zwar eine ganz nette Sache für Europa sei, daß aber Frankreich, weil es bei einer Streichung der Tribute in besonderem Maße verzichten müsse, Anspruch a uf eine Son- dcrkompensa tion erheben müsse. Das heißt also, daß Deutschland den Tributverzicht finanziell und wirtschaftspontisch zweimal bezahlen sollte. Am Dienstagvormittag und am Dienstagnach­mittag haben nun unter der Leitung von Mac - d o n a l d zunächst im engeren und dann im wei­teren Kreise die deutsch-französisch-englischen De^ Handlungen stattgefunden, in denen immer noch nach einem Ausgleich der Gegensätze gesucht wird. Die ruhigen Beurteiler der Lage sind der Auf­fassung, daß die Aufgabe für Macdonald zu schwer ist und daß man sich möglichst schnell an die Ausarbeitung der Schlußformel begeben sollte. Macdonald stellt dasErgebnis fest

Eine Bier-Stunden-Titzung.

Lausanne, 28. Juni. (111.) Die zweite Z u - sammenkunft zwischen Macdonald, herriot und p a p 6 n am Dienstagnachmittag im Beifein des Reichsaußenministers und der 3 t- nanzminifter Frankreichs und Englands, die vier Stunden dauerte, wurde kur; vor 20 Uhr abgeschlos­sen. Ls ist zunächst vereinbart worden, daß Mitt­woch eine neue Sitzung der sechs ein­ladenden Mächte der Konferenz, sowie d i - rekte Verhandlungen zwischen der deutschen und französischen Abord­nung, und zwar zwischen dem Reichskanzler von papen und herriot sowie zwischen dem Finanz- miniffer Graf Schwerin-Krosigk und dem franzost- scheu Finanzminister Germain Martin stattfinden fallen. Ueber den Verlauf der Sitzung wird folgende Mitteilung gemacht:Am heutigen Tage hat der Präsident der Konferenz gemeinsam mit den Füh­rern anderer Delegationen und den Delegierten Frankreichs, Deutschlands und Großbritannien» die Ergebnisse der Besprechungen, die zwischen diesen Delegationen statlgefundeu haben, noch einmal dar- gelegt. Morgen nachmittag wird der Präsident den sechs einladenden Mächten über die Lage Bericht erstatten und s i e e i n l a d en .Vorkehrungen zu weiteren K o n f e r e n z a r b e i t en zu

treffen. Die Besprechungen zwischen der deutschen und der französischen Delegation werden fortge- führt.-

Die deutsch-französischen Verhandlungen abgesagt. Für morgen der Abschluß erwartet.

Die ursprünglich für Mittwoch vormittag ein­berufene deutsch - französische Bespre­chung ist dann später anscheinend auf Grund des völlig negativen Ergebnisse» der Besprechungen am Dienstag abgesagt worden. Jn der Sitzung der einladenden sechs Mächte am Mittwoch wird der Präsident der konseren;, Macdonald, ledig­lich einen allgemeinen Bericht über den gegenroärti- gen Stand der konseren; erstatten.

Rach Mitteilungen von fran;ösischer Seite, die allerdings mit Vorsicht ausgenommen werden müssen, ist in den Dienstag-Besprechungen die Aussichtslosigkeit weiterer Ver­handlungen festgestellt worden. Man wäre übereingekommen, einen Ausschuß au» den Ver­tretern der sechs einladenden Mächte ein;usehen, um auf diese weise d i e Konseren; in P e r m a - men; ;u erklären. Tatsächlich würde jedoch bereits die Konseren; in den allernächsten Tagen ; u m schluh kommen, voraus­sichtlich bereits am Donnerstag.

Aus englischer Seite verlange man, daß formal ein weiterbestehen der Konseren; erklärt werde, um eine neue Moratoriumserklärung der Großmächte für die deutschen Iribut;ahlungen ;u vermeiden.

Man behauptet in Kreisen der fran;ösischen Delega­tion, der Reichskanzler habe erklärt, er könne nach dem ihm erteilten Mandat keine andere Hal­tung al» seine bisherige einnehmen.

von der deutschen Delegation werden keinerlei Erklärungen über den gegen­wärtigen Stand der Konseren; abgegeben. Jedoch wird festgestellt, daß eine Ueberbrücfung der Gegensätze oder auch nur eine Annäherung zwischen der deutschen und französischen Aussassung in kei­ner weise erfolgt fei. Der Präsident der Konferenz könne in der morgigen Sechsmächte- Befprechung lediglich da» Fafzit dieser Ver­handlungen ziehen.

So herrschte am Dienstagabend jedenfalls eine ungewöhnlich ernste und gespannte Stimmung. Fest steht, daß die Dreimächte-Besprechung am Dienstag zu folgenden Feststellungen geführt hat: Auf der einen Seite steht die französische Forde­rung auf eine Restzahlung Deutsch­land», auf der anderen Seite die eindeutige deutsche Forderung auf völlige Strei­chung der Tribute. Jedoch haben auch die Wirtschaftsfragen in diesen Aussprachen einen großen Raum eingenommen, von französischer Seite sind weder Vorschläge gemacht, noch ist ein fester Plan vorgelegt worden.

Gerüchte, nach denen der Reichskanzler und der Reichsfinanzminister am Donnerstag nach Berlin zurückkehren, werden auf deutscher Seite nicht be­stätigt. herriot beabsichtigt, am Donnerstag nach * Paris zurückzukehren, um an einer Kabinettsfihung | teilzunehmen.

Gänzliches elorten der AbriWnMnsmnz

Gibson verhandelt mit Macdonald. Was wird aus

Lausanne, 28. Juni. (TU.) Der amerikanische Botschafter Gibson, der Führer der Genfer Ab- rüftungsaborbnung der Bereinigten Staaten, traf Dienstag nachmittag unerwartet im HotelBeau Rivage", dem Hauptquartier der engli­schen Regierung, ein und hatte dort eine längere Unterredung mit Macdonald, in der, wie verlautet, die weitere Behandtttng des neuen amerikanischen Abrüstungsplanes und die Stellungnahme der englischen Regierung zu den amerikanischen Vorschlägen erörtert worden ist.

Die amerikanische Regierung verlangt eine b al- bi g e durchgreifende Erörterung der amerikanischen Vorschläge, während in den leitenden Streifen der Abrüstungskonferenz die Absicht besteht, die Konferenz am 15. Juli auf mehrere Monate zu unterbrechen, ohne daß eine Durchberatung der amerikanischen Vorschläge statt­findet Da die Arbeiten der Abrüstungskonferenz

dem Hoover-Dorschlag?

gegenwärtig fast vollständig ruhen, zeigt sich jetzt In Kreisen der Neutralen und der übrigen an der Lausanner Konferenz nicht beteiligten Mächte eine wachsende Mißstimmung über die fortgesetzte, jetzt schon fünf Monate andauernde Verschleppung der Abrüstungsentscheidungen. Man berät daher gegenwärtig, in englisch-amerikanischen Kreisen, in welcher Weise nach dem Abschluß der Lausanner Konferenz eine Wiederaufnahme der Ab­rüstungskonferenz bewerkstelligt rocren kann. Das Präsidium der Abrüstungskonferenz soll nach den bisherigen Plänen in der nächsten Woche zu- fammentreten. Anschließend soll dann der Haupt- a u s s ch u ß über feine Arbeiten beraten, die bis Mitte Juli durchgeführt werden sollen. Die Gegen- fätze in der Abrüftungssrage konnten jedoch bisher noch nicht überwunden werden, so daß auch auf dieser großen internationalen Konferenz vorläufig kein Ausweg aus der Lage gesehen wird.

Hitlers Parole für den Wahlkampf.

Schluß der Münchener (Sauleitertagung der NSDAP.

München, 23. Juni. (TU.) 3m Mittelpunkt b«r Schlußsitzung der Gauleitertagung der RSDAP., die sich am Dienstag unter dem Dorfitz des Reichsorganisationsleiters Gre­gor Strasser mit organisatorischen Fragen de- faßte, standen die Ausführungen Hitlers zur politischen Lage. Gregor Strasser legte die Grundzüge der bereits veröffentlichten organi- satorischen Reugliederung innerhalb der RSDAP. eingehend dar unter Hervorhebung ihrer Rot- Wendigkeit und Zweckmäßigkeit. Er führte im einzelnen aus. warum diese Neuorganisation eine viel stärkere Verantwortlichkeit. Derlebendigung und Leistungsfähigkeit mit sich bringe.

-Aach der Aussprache über die organisatori­schen Fragen sprach Hitler über die innenpoli- tische Lage und die daraus für die RSDAP. zu ziehenden Folgerungen. Insbesondere ging er dabei auf die im Vordergrund der innerpolitischen Entwicklung stehende Auseinandersetzung desReichs miteinigenßänterregic- tun gen. vor allem mit Bayern, ein. Der nationalsozialistischen Bewegung sei es durch die Auflehnung gewisser geschäftsführender Lander­regierungen gegen das Reich und durch die offene Kriegserklärung einfluhreicher Mitglieder der Bayerischen Dolkspartei an das Reich die große und verantwortungsvolle Aufgabe zugewachsen, Wahrerin der Reichseinheit zu sein. Die RSDAP. nehme den Kampf auch für die unzertrennbare Einheit des Deutschen Reiches mit Sie werde die Einheit, das höchste Gut deS deutschen Dolkes, mit aller Energie und nut allen ihr xu Gebote stehenden Mitteln verteidigen. Jnsäsonder werde die RSDAP^in Bayern der Eckpfeiler sein, an dem sich die Feinde des Rei­ches die Köpfe einstohen würden. Wer sich an dem Reich vergreife, gegen den werde Die RSDAP. unerbittlich sein. Die treibenden Kräfte dieser ..ruchlosen" Bestrebungen seien nii nut dem bayerischen Volk 511 t> er ® c dj f c In, ebensowenig wie man die rheinischen Separa- tisten seinerzeit habe mit Preußen verwechseln können. Es handele sich hier um gewisse,

der Bayerischen Dolkspartei ange- hörende Cliquen, die ihre Stunde gekom­men glaubten, und die sich erdreisteten, der Welt einzureden, daß sie Bayern repräsentierten. Für diese Zentrumspolitiker sei auch jedes deutsche Fürstenhaus nur ein Mittel zum Zweck. Wenn diese Feinde der Reichseinheit südlich der Donau so weiter mobilisieren wie bisher, dann werde die nationalsozialistische Freiheitsbewegung be­ginnen, nördlich der Donau die Geister ebenso mobil zu machen. Dann würden die Herr­schaften vielleicht sehen, wo der Main rich­tig laufe. Vielleicht fti dann endlich die Mög­lichkeit gegeben, vor dem weltpolitischen Ge­richt die Hintergründe des Jahres 1 923 aufzudecken und die Wahrheit darüber zu ergründen, warum sich die RSDAP. 1923 in Bayern zu ihrem Dorgehen entschlossen habe. Damals seien die inneren Beweggründe dieselben gewesen, die heute die RSDAP. zur Wahrung der Reichseinheit auf den Plan riefen. Ihre Parole sei: Für des Deutschen Reiches Kraft und Stärke und für des Deut­schen Dolkes Einheit. In diesem Zeichen gehe die nationalsozialistische Bewegung mit ihrer ganzen Energie in den großen Wahlkampf hinein, an dessen Ende auch das Ende aller "Verderber des Volkes und des Reiches stehen würde.

Oie RSDAP. fordert Regierungsbildung in Bayern

München. 28. Juni. (CNL. Funkspruch.) Die nationalsozialistische Landtagsfraktion hat ein P r 0 - testschreiben an d e n Präsidenten des Bayrischen Landtages gerichtet. In diesem Briefe wird zu der Stellungnahme des Landtages gegenüber der Erklärung der gefchäftsführenden Staatsregierung betreffend die Aufhebung des Uniform- und A u f z u g s 0 e r d 01 e s betont, daß eine Willenskundgebung des Baprvchen Land- tages nicht vorliege. Denn die nahezu stärkste Frak­tion des Hauses durch sitzungspolizeiliche Maßnahmen verhindert werde, an einer

Willenskundgebung teil zu nehmen, so könne eine solche überhaupt nicht zustande kommen. Die Erklärung schließt mit der Forderung, unver­züglich eine Neubildung der bayrischen Staatsregierung entsprechend den Forderun­gen der bayrischen Derfastungsurkunde vorzunehmen.

Hessen und das

Oemonstraiionsverbot.

LcufchncrS Antwort an den Rcichdinncn- Minister.

Darmstadt. 28. Juni. (WSR.l Das Regie­rungsblatt teilt mit: Der Reich-innenrnuuster hatte bei der Besprechung der Innenminister der Länder am 22. Juni die Bitte ausgesprochen, daß daS Verbot von Versammlungen unter freiem Himmel und von Auszügen überall aufge­hoben wird und um Stellungnah in e er- s uch t. Der hessische Innenminister hat nunmehr darauf offiziell geantwortet, daß er ff Auffassung nicht anschließen kann. Es heißt in seinem Schreiben, daß diele- Derbot zur Auf­rechterhaltung von Ruhe, Sicherheit und Ordnung dringend notwendig ist und unter gar keinen Umständen entbehrt werden könne, wie eine Reihe von ernsten Vorkommnissen der letzten Zeit gezeigt hat. Die hessische Regie­rung vermag nicht anzuerkennen, daß mit der geplanten und im Entwurf mitgeteilten Verord­nung über Versammlungen und Auszüge die be­stehenden sehr ernsten Schwierigkeiten beseitigt werden können und sieht sich daher nicht in der Lage, die Verantwortung für eine Aus­hebung des erwähnten Verbotes zu übernehmen.

Desgleichen hat die hessische Regierung in die­sem Schreiben noch einmal ihren Standpunkt zu der Aushebung des Unisor in Verbotes präzisiert. Sie hält e- für ihre Pflicht, die zu­ständigen Reichsinstanzen mit allem Äachdruck darauf hinzuweisen, daß die erfolgte Aushebung des allgemeinen Uniformverbotes im Hinblick auf die Rotwendigkeit zur Aufrechterhaltung von Ruhe, Sicherheit und Ordnung bei der heiß schon Regierung schwerste Bedenken, ousgelöst hat. In Hessen besteht ein Uniform verbot nun nicht mehr. Die Verantwortung hierfür lehnt die hessische Regierung ebenfalls in vollem Um­fange ab.

Versailles-Kundgebung des Arbeits­ausschusses Deutscher Verbände.

Tic Pol zei schreitet gegen demonstrierende Studenten ein.

Berlin, 28. Juni. (ERB.) Der Arbeits­ausschuß Deutscher Verbände veran­staltete zum 13. Jahrestage der Unterzeichnung de- Versailler Diktates im Plenarsaal Re ichs­tages eine Kundgebung. Unter den Gästen be­merkte man u. a. Reichsminister Freiherrn v. G a y l und Staatssekretär Dr. Z w e i g c r t. Der geschäftsführende Vizepräsident des Arveits- ausschusses Deutscher Verbände, Dr. Han- Draeger. betonte kn seiner Ansprache, es könne heute und in Zukunst keine deutsche Außenpolitik geben, deren Ziel nicht die Beseitigung des Versailler Diktates sei. Der po­litische Kamps gegen die Kriegsschuldlüge müsse auf der allgemeinen Grundlage der Gesamt- r e v i s i 0 n ousgetragen werden. Die französische These von der Heiligkeit der Verträge sei fein Argument gegen die Revision. Deutschland wolle c tt einer europäischen Gemeinschaftsarbeit mit- tu.Jen, aber es werde sich ganz gewiß nicht an einer europäischen Front gegen Amerika be­teiligen.

Berlin, 28. Juni. (TU.) Im Anschluß an eine Versailles-Kundgebung der Deutschen Stu­dentenschaft im Lustgarten kam es Unter den Lin­den zwischen den abziehenden Teil­nehmern und der Polizei zu Zusammen­stößen. Da die Straße Unter den Linden im Bann­kreisgebiet liegt, versuchte die Polizei hier, jede Kundgebung zu unterbinden. Die nach vielen Hun­derten zählende Menge, die sich unter dem Ruse Deutschland erwacheI" immer wieder zusammen­ballte und zum Tell auch durch unglückliche Po­lizeimanöver zusammengedrängt wurde, wurde rücksichtslos mit demGummi knüppel auseinandergetrieben. Die Polizei nahm eine Anzahl deutschnationale und national­sozialistische Studenten fest. Rachdem die auf mehrere Hundertschaften verstärkte Polizei, die von der Lustgartenlundgebung kommende Men­schenmasse durch große. quer über die ganze Straßenseite reichende Postenketten von den Linden abgelenkt hatte, bildeten si ch i n den Querstraßen immer von neuem kleinere Auf­läufe. Die mit Karabinern bewaffneten Polizei­beamten räumten mehrfach den Bahnhof Fried­richstraße. in dessen Gebäude sich viele Studenten geflüchtet hatten. Die Polizeibeamten nahmen rück­sichtslos jeden fest, der nicht sofort ihren Anord­nungen Folge leistete.

Notverordnung und Kriegsbeschädigte.

Berlin, 28.Juni. (CNB.) Amtlich. Man wendet sich dagegen, daß in der Wahlpropagonda in Presse und Oeffentlichteit immer wieder von den schweren Benachteiligungen der Schwer- kriegsbeschädigten durch die Finanz- Notverordnung der Regierung Papen die Rede ist. Es ist eine tatsächliche Unwahrheit, von Kürzungen der Schwerkriegsbeschädigten zu sprechen, do deren Bezüge durch die Notverordnung über­haupt nicht betroffen worden sind. Die Not­verordnung hat lediglich die Kinderzulagen für