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bet Vereinigten Staaten im Vergleich zn Staats­oberhäuptern Anderer Rationen kaum vorstellbar ist. Es erscheint daher zweifelhaft, ob die demo­kratische Partei ihr Experiment vom Jahre 1928 durch die Wiederaufstellung Smiths wiederholen wird.

Sn jüngster Zeit haben noch verschiedene an­dere Politiker ihre Anwartschaft auf die Prä- sidentschastskondidatur angemeldet. Von diesen sind zu nennen der Sprecher des Repräsentanten- hauses, Garner, dessen Kandidatur von der Hearstpresse eifrigst befürwortet wird, und der als alter Farmer im landwirtschaftlichen Westen über einen gewissen Anhang verfügt, Newton D. D a - ter, Kriegsminister im Wilson-Kabinett, Sena­tor Reed von Missouri, Teilnehmer an der Londoner Abrüstungs-Konferenz. Senator Le- w i s von Illinois, ein alter bewährter Parla­mentarier, sowie der jetzige Gouverneur Mur­rap von Oklahoma. Für welche dieser Persön­lichkeiten sich djeParteikonvention entscheiden wird, ist jetzt noch unmöglich vorauszusagen. Diel hängt in dem Wahlkampfe von derPlattform", dem Wohlprogramm, ab. auf der die Anwärter ihren Wahlkampf ausfechten werden, und die natür­lich die fabelhaftesten Versprechungen enthält, Wahlversprechen, die schon am Tage nach der Wahl im Abgrund der Vergessenheit zu ver­schwinden pflegen.

Oberheffen.

Stadirats-Sitzung in Buhbach.

pb. Butzbach, 27. April. In der gestrigen Stodtrotssihung wurden die Kosten für den Um­bau des erworbenen Wohnhauses von Kumpf, Solmser Straste 23, in Höhe von 1500 Mark nachträglich bewilligt.

Seitens des Landesfinanzamts Darmstadt war vor längerer Zeit der Zugangsweg von der Gricdclcr Straße aus zum Lustgarten gesperrt worden. Verhandlungen der Stadt we­gen Wicderfrcigabe hatten kein Ergebnis, da der Reichsfiskus keinen Anspruch der Stadt auf den Weg oder eine Grunddienstbarkeit anerkennt. Ge­gen jederzeitigen Widerruf will die Reichssinanz- verwaltung an anderer Stelle einen Zugang frei­geben, wofür Anerkennungsgebühr, Beleuchtung und Schadenhaftung usw. von der Stadt verlangt werden. Gibt die Stadt dies zu, dann verzichtet sie auf Rechte, die nach Ansicht der Stadt und der gesamten Bürgerschaft auf diesen Weg schon seit beinahe einem Jahrhundert bestehen. Es wurde deshalb beschlossen, zur Geltendmachung der Rechte Klage beim ordentlichen Gericht zu erheben. Mit der Vertretung der Klage wurde Rotar O h n a ck e r beauftragt.

Der Feldbereinigungsgesellschaft wurde zur Ausführung von Drainagea rbei- t e n ein Darlehen von 70 000 Mark von der Ren­tenbank-Kreditanstalt gewährt, das als Zwischen­kredit an die Stadt Butzbach gegeben und am 31. Dezember 1931 zur Rückzahlung fällig war. Das Darlehen ist durch neue Vereinbarung bis zum 30. Juni 1932 verlängert worden. Der Stadt­rat genehmigte dies nachträglich.

Die Fraktion der SPD. und die der KPD. hat­ten den Antrag gestellt, auf Grund des Art. 27 der Gemeindeordnung vom 10. Juli 1931 sofort eine Ratssitzung mit der TagesordnungDie Wohlfahrtspflege der Gemeinde" einzuberufen. Der Antrag wurde an die Wohl­fahrts-Deputation verwiesen, welche beschluß­fähig ist. Eine kleine Kommission soll zunächst jeden Einzelfall prüfen.

Gegen den Ortsbauplan über das Gebiet westlich der Main- Weser-Bahn und die Umgehungsstraße von der Gießener zur Wei- seler Straße waren eine größere Anzahl Ein­sprüche erhoben worden. Der Stadtrat beschloß nach vorheriger Beratung mit den in Betracht kommenden Stellen, die erhobenen Einsprüche ab­zuweisen.

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Roman von <5ert Roihberg.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Hall«.

3. Fortsetzung. Rachdruck verbotenl

Run, dann war es ihre gerechte Strafe, wenn sie sehen mußte, daß sie dem gefährlichen Men­schen nur ein Mittel zum Zweck gewesen war.

Wieder dachte Rudolf Ansbrück angestrengt nach. Endlich stand sein Entschluß fest.

Wieder rief er durchs Telephon an.

Ein ihm persönlich bekannter Detektiv meldete sich. Diesem alten erfahrenen Manne berichtete er rückhaltlos. Teilte ihm seine Vermutungen mit.

Der war sofort Feuer und Flamme. Das war etwas für ihn. DaS war ein ganz großer Fang, wenn er glückte. Und er würde, muhte glücken!

Roch einige Worte, aufklärend, liebenswürdig. Dann war es still. Doktor Ansbrück war mit seinen folternden Gedanken allein. Jetzt Mister Harrison anrufen. Ihm sagen, daß ein wichtiges Telegramm ihn dort oder dorthin rufe.

Der Amerikaner mochte für heute abend denken, was er wollte. Rur wenigstens jetzt noch einen Aufschub! Vielleicht gelang es Detektiv Grafen- hein, den Dieben den Raub wieder abzujagen, ehe noch eine maßgebende Stelle Kenntnis von dem Inhalt genommen.

Der Gauner selbst würde wenig genug davon verstechen. Solche Leute waren nur Werkzeuge, führten die Tat aus, wurden bezahlt ünd wandten sich weiter, einer neuen Sache zu. Tas würde auch in diesem Falle so sein.

Cs klopfte. Karl, der alte Diener, meldete ein junges Mädchen, das einen Karton abgeben müsse.

Don wem kommt sie? Ich habe jetzt keine Zeit für solche Dinge."

Vom Atelier Endiee. Es ist ein Kleid für die gnädige Frau abzugeben."

Die gnädige Frau ist abgereist. Sie braucht das Kleid nicht", sagte Ansbrück ärgerlich und schon nicht mehr bei der Sache.

Verzeihen Herr Doktor, es ist vielleicht eine Rechnung abzugeben?" wagte der Diener zu sagen.

Hereinführen."

Rach einer Weile stand das junge Mädchen im Zimmer. Schlicht, einfach, schlank und blond. Die großen blauen Augen blickten ängstlich auf den hochgewachsenen Mann mit dem finsteren Gesicht.

Er wollte von ihrer Person gewiß keine Rotiz nehmen. Ihm war durchaus nicht danach zumute, festzustellen, daß dieses kleine Mädel aus dem berühmten Salon der Madame Endiee sehr schön sei.

Dennoch zwang ihn ihr Liebreiz in seinen

Aus dem Nieger-Mfcheu Hirzenhain.

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Oben links: Schulmädchen beim Modellbau eines Segelflugzeuges. Daneben: Vater und Sohn in der Gondel eines selbstgebauten Segelflugzeuges, von denen das Dörfchen nicht weniger als 7 besitzt. Unten links: Fräulein Flugzeug-Konstrukteur vor dem Start ihres selbstgefertigten Modells. Da­neben: Eine Knabenklasse beim Start zum Kampf um denHöhenweltrekord". In Hessen-Nassau liegt das Dörfchen Hirzenhain, dessen ganze Bevölkerung mit Herz und Hand auf den Segelflug ein­gestellt ist. Das Dörfchen besitzt 7 eigene Segelflugzeuge und 3 Flugzeughallen.

Weiterhin wurde beschlossen, das im Zwangs­versteigerungsverfahren von den Eheleuten Kumpf erworbene Wohnhaus zum Preise von 13 500 Mk. an Richard Krost in Münzenberg zu verkaufen.

Landkreis Gießen.

Bg. Großen-Duseck, 28. April. Von kom­mendem Sonntag ab werden an der hiesigen Bahnhofsstation Sonntagsfahrkarten nach Gießen ausgegeben.

§ Daubringen, 28. April. In diesem Jahre wird die Bautätigkeit in unserem Orte vor­aussichtlich lebhafter sein, als im Vorjahre. Ge­genwärtig wird der innere Ausbau eines im ver­gangenen Jahre erstellten Rohbaues eines Ein­familienhauses ausgeführt. Gleichzeitig ist in der Verlängerung der neuen Baufluchtlinie nach dem Sportplatz hin ein Reubau begonnen worden. Zur Zeit wird ein Erweiterungsbau an ein Wohnhaus errichtet. Mit Dem Reubau einer Scheune ist ebenfalls begonnen worden. Der Arbeitsmarkt hat durch die angeregte Bautätigkeit eine spürbare Entlastung in unserer Gemeinde erfahren. Am Dienstag ereignete sich in der etwas unübersicht­lichen Einbiegung der Lollarer Straße in die Hauptstraße ein Motorradunfall dadurch, , daß ein Staufenberger Motorradfahrer mit "'Sozius in scharfem Tempo die Kurve nicht kurz genug, nehmen konnte und dabei einen auf dem

Wege zur 2frbeit befindlichen Radfahrer auS Al- ten-Duseck umfuhr. Alle drei Beteiligten erlitten Verletzungen an Armen und Deinen und mußten verbunden werden.

* Großen-Linden, 28. April.In Gie­ßen und Umgegend gibt es keine Rachtigal - len", kann man ost sagen hören. Für den, der etwa vorn Rhein kommt, ist das eine bedauer­liche Eröffnung. Er vermißt den ©ängcr, der dort zu den häufigsten gehört und fast.der einzige ist, der auch nachts sich hören läßt. Außer ihm kommt in unserer Gegend wohl nur noch die Heidelerche als Rachtsänger in Betracht. So, war es dem Schreiber dieser Zeilen fröhliche Ueberrafchung, als er heute gegen mittag bei Leihgestern eine Rachtigall schlagen hörte. Eine Verwechslung mit einem anderen Vogel ist vollkommen ausge­schlossen. Wer jahrzehntelang jedes Frühjahr den Rachtigallenschlag zu jeder Tag- und Rachtzeit gehört hat, erfennt ihn mit Sicherheit sofort wie­der. Die Vermutung ist nicht von der Hand zu weisen, daß die Rachtigall auch sonst noch tn unserer Gegend nistet, den Einwohnern aber nicht bekannt ist.

ch Aus der nördlichen Wetterau, 28. April. Die Preise für S ch l a ch t s ch w e i n e, an denen z. B. Ueberangebot besteht, betragen gegenwärtig 35 bis 37 Pf. pro Pfund Lebend­gewicht. Für Ferkel von sechs bis acht Wochen

werden 12 Bi8 20 Mk. bezahlt. Schlachtrin­der gelten 28 bis 30 Pf. pro Pfund Lebendge­wicht. Auffallend niedrig liegen die Preise für Häute und Felle aller Art, teilweise erreichen sie nur einen Bruchteil der Vorkriegspreise. So erbringen Rinds häute heute nur noch 10 bis 20 Pfennig pro Pfund (in den Dorkriegsjahren 60 Pfennig bis 1,05 Mk.). Eine ganze Rindshaut kostet heute 6 bis 12 Mk. Kalbfelle werden mit 20 bis 25 Pf. pro Pfund bezahlt (Dorkriegspreis durchschnittlich 1,20 Mk.).

Kreis Schotten.

h. S ch o t t e n , 28. April. Der Kreis-Ob st­und Gartenbauverein hielt heute unter Leitung seines Vorsitzenden Kreisdirektors Dr. Sann, seine Jahresversammlung ab. Der Ver­ein entwickelte sich sehr gut und zählt in seinen 28 Ortsgruppen 588 Mitglieder. Seither konnte der Kreisverein jährlich etwa 300 Obstbäume un­ter seinen Mitgliedern zur Verlosung bringen. Die Rechnung schloß in Einnahmen und Ausgaben mit einem Betrag von 14- bis 1500 Mk. ab und wies einen Ueberschuh von 75 Mk. auf. Das Der- einsvermögen beläuft sich auf über 2000 Mk. Die Rechnung und der Voranschlag für 1932 wurden genehmigt. Obstbauinspektor E n k l e r, Gießen, erstattete sodann ein ausführliches Referat über die Tätigkeit im abgelaufenen Vereinsjahr. Biele Vorträge, Gemarkungsrundgänge, Obstver- wertungs- und Pfropfkurse wurden abgehalten. An vielen Orten wurde eine durchgreifende Schäd­lingsbekämpfung, besonders des Schorfes und der Zwetschenschildlaus durchgeführt. Es wurde an­geregt, mit Rücksicht auf die ungeheure Gefahr, die die starke Vermehrung der Schildlaus für die Obstbäume und Sträucher mit sich bringt, ein zwangsweises Spritzen durch Schaffung einer Polizeiverordnung einzuführen. Die Versamm­lung versprach sich aber einen größeren Erfolg durch aufklärende Werbung für das Spritzverfah- ren. Außerdem beschloß man, daß am 16. Okto­ber in Schotten eine große Kreisobstschau abge­halten werden solle, bei der nicht nur die gang­baren Erwerbsobstsorten mit schöner Verpackung, sondern auch die sonst hier üblichen Liebhaber­sorten zur Schau gelangen sollen. Zum Schluß der Versammlung hielt Förster Schott einen Vortrag über Vogelschutz.

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Ein trockener Hochsommer?

WSR. Frankfurt a. M. 28. April. Der Leiter des Staatlichen Instituts für langfristige Wettervorhersage in Frankfurt a. M, Professor Dr. Franz Baur, macht in der Frankfurter Zeitung" interessante Ausführungen über den voraussichtlichenWitterungscharak- ter des Hochsommers 1 932. Danach muß im größten Teile Deutschlands mit einem trocke­nen Hochsommer gerechnet werden. Profes­sor Baur stützt sich bei dieser Voraussage auf. den in jüngster Zeit geglückten Rachweis, daß die Ausstrahlung der Sonne in den Weltraum tat­sächlich Schwankungen unterworfen ist, und daß diese sich auch in den irdischen Witterungserschei­nungen bemerkbar mache. So zeigt sich u. a., daß die Tiefstwerte der Sommerniederschlagsmengen Mitteleuropas zwischen den Sonnenfleckenextremen liegen. Eine damit zusammenhängende Erschei- nung, die mit großer Regelmäßigkeit eintritt, ist die, daß der Hochsommer (Juli und August) zwei Jahre vor dem Sonnenfleckenminimum in Mit­teleuropa fast stets trocken, meist sogar sehr trocken ist. Da wir jetzt wieder einem Sonnenfleckenmini- mum entgegengehen es werde wahrscheinlich 1934, vielleicht auch schon 1933 gintreten und da die beiden letzten Hochsommer in Deutschland zu naß waren, sei demnach anzunehmen, daß der .Hochsommer 1932 im größten Teile Deutschlands trocken werde. Die Eintreffenswahrscheinlichkeit werde weiterhin dadurch noch erhöht, daß inzwi­schen, wie neueste Meldungen aus Amerika besa­gen, das erwartete Ansteigen der Ausstrahlung der Sonne tatsächlich eingetreten ist.

Dann. Er fragte freundlicher, als er es eigent­lich wollte:

Run, kleines Fräulein, Sie haben eine Rech­nung für mich?"

Guten Abend! Ja, allerdings. Und Madame Endiee ist immer ungehalten, wenn wenn...

Wenn ihre jungen Mädels ohne Geld heim- kommen. Kann ich mir denken. Also geben Sie her."

Aenne Ohlen legte den Karton auf einen Stuhl, schnürte ihn behende auf, um den Mann nicht warten zu lassen, denn die Rechnung befand sich innerhalb des Kartons. Ein blaues Kuvert! Wie gut, daß es gleich obenauf lag.

Sie reichte es ihm.

Gleichgültig riß er es auf. Es war die Rech­nung über eine Abendtoilette. Sechshundert Mark.

Ganz Lisa! Für diese Abendtoilette, die sie heute innerhalb ihrer Räume einige Stunden hatte tragen wollen und die sie gewiß nie wieder getragen hätte, mit einer einzigen Handbewegung sechshundert Mark ausgegeben. Wie oft sie solche Sachen gemacht hatte, die er jederzeit, ohne eine Miene zu verziehen, bezahlte! *

Das junge Mädchen blickte scheu in das braune Gesicht. Sie -wandte sich plötzlich wieder dem Karton $u, nahm das Kleid heraus.

»Es wird der gnädigen Frau sicherlich gefallen. Es ist sehr schön geworden."

Ohne jede Absicht hielt Aenne es an ihre zierliche Figur. Damit er es richtig sehen sollte und er vielleicht doch den Preis nicht mehr zu hoch fand.

Plötzlich fühlte sie ihre Hand ergriffen. Der kleine Hut wurde ihr vom Kopfe gestreift. In dicken Locken legte sich das schimmernde Blond­haar um den feinen Kopf.

Meine Frau ist abgereist. Es hätte keinen Zweck, Ihnen zu erklären, wie alles zusammen­hängt. Würden Sie mir einen ganz großen Ge­fallen tun, mein Fräulein?"

Renne sah ihn an, wich zurück; scheu irrten ihre Augen über sein düsteres Gesicht. Was wollte er von ihr?

Da sagte er leise, hastig:

Wenn Sie heute abend hierbleiben, in dieses Kleid schlüpfen und für heute meine Frau sein wollen, dann können Sie sich mit dieser Gefällig­keit zweihundert Mark verdienen."

Rein! Ich muß heim."

In seinen Augen blitzte es auf.

Alles nur zum Schein. Ich erwarte Besuch. Einen Herrn mit seiner Gemahlin. Sie erwarten beide, meine Frau hier vorzufinden. Es wäre nur eine Gefälligkeit, wie gesagt."

Tas Mädchen zitterte plötzlich am ganzen Körper.

Er lächelte auf sie nieder. Und dieses Lächeln lieh das Mädchen machtlos, ließ es feine Sklavin werden.

Mein Wort: es ist nur eine harmlose Sache. Sie müßten aber die kleine Rolle gut spielen. Werden Sie das können?"

Ich will mir Mühe geben."

Sehen Sie, was für ein vernünftiges kleines Mädel Sie sind. Zweihundert Mark sind auch zu wenig. Wir wollen fünfhundert sagen. Es kommt ja yicht darauf an. Rur Ihre Rolle müssen Sie gut spielen."

Ihr schmales schönes Gesicht war zu ihm erhoben. Aenne Ohlen fand nicht das Geringste mehr dabei, zu tun, was er von ihr verlangte.

Er fah ein Weilchen nachdenklich in die blauen Mädchenaugen. Ein weiches Lächeln spielte um feinen Mund. Aenne aber wandte sich ab.

Er sagte kurz:

Bitte, ich will Sie führen. Ich denke, daß Sie alles finden werden, was zu einer Abend­toilette gehört. Gestatten Sie also!"

Rasch ging er vor ihr her. Er blieb dann an einer hohen weihen Tür stehen, die er geöffnet, und ließ sie an sich vorüber.

Soll ich Ihnen die Zofe schicken?"

Rein, ich finde mich sicher allein zurecht. Wenn---Sie die Dienerschaft überhaupt fort­

schicken könnten?"

Er blickte erstaunt auf dieses kleine Mädchen, das ihm da so ganz selbstverständlich einen Vor­schlag zu machen wagte. Einen Vorschlag, der zu allerlei gut sein konnte. Doch dann schüttelte er den Kopf.

Das geht nicht gut. Es muß jemand zur Be­dienung da fein.

Kaum hatte er es gesagt, überlegte er scharf. Wozu? Weshalb sollte die Dienerschaft voll­zählig beisammen sein, wenn Mister Harrison kam? Wenn der alte Karl blieb, der sonst auch stets bei Tisch bediente, so genügte das voll­ständig. Ida, die gleichfalls schon ältliche Köchin, kümmerte sich sowieso um nichts. Die stand in ihrer Küche und lieferte nur ein Essen, wie man es nirgends wohlschmeckender bekam. Reugierig war nur immer die jüngere Dienerschaft.

Bitte, kleiden Sie sich also um! Ich werde bann, wenn der Besuch da ist, immer ein bißchen durch ein Zeichen angeben, was Sie zu tun haben. Das Schlimmste wird natürlich sein, daß wir uns duzen müssen. Aber es wird schon gehen. Wird es gehen, kleines Mädel?"

Ja, denn sonst hätte Ihr Plan ja keinen Zweck"', sagte sie schlicht.

Er blickte sie durchdringend an, dann ging er hinaus. Im Dienstbotenzimmer traf er fie alle beim Abendbrot.

Bleiben Sie sitzen! Sie haben bis auf Karl und die Köchin alle unbeschränkten Urlaub. Mor­gen mittag hat jeder wieder zum Dienst da zu sein. Guten Abend!"

Die zwei Mädchen und der Diener Erich sahen sich verdutzt an. Der junge Diener lachte ver­

schmitzt. Dann zeigte er mit dem Daumen nach oben.

Die Gnädige ist kaum fort, und er hat schon Besuch oben, meinte er.

Die Mädchen kicherten.

Da schlug die Faust des alten Dieners Karl auf den Tisch.

Der Diener Erich versuchte noch ein kleines, freches Lächeln, aber zu sagen wagte er nichts mehr. Der Alte dort war noch eine Lakaienseele, wie sie eben früher jeder zu sein hatte. Die Zeiten hatten sich aber doch gewaltig geändert. Heute durfte man schon mal eine Lippe riskieren. Ihn ärgerte hauptsächlich, daß er vor den beiden Mädels nun so blamiert dastand.

Die beiden hübschen Dinger hatten rote Köpfe bekommen. Sie standen auf.

Das paßt sehr gut", meinte Frieda, daS Stubenmädchen.Meine Mutter ist krank und ich wollte schon gestern gern hin, aber die Gnädige hat mir keinen Urlaub gegeben. Jetzt bin ich froh. Gehst du mit, Else?"

Gern. Ich möchte aber erst noch..."

»Dich mit deinem Otto treffen? Meinetwegen. Du kommst dann gegen elf Uhr zu uns. Bei meinen Eltern ist die kleine Stube immer für uns da, das weißt du doch."

Viel Vergnügen. Mit der kranken Mutter, das stimmt nämlich nicht", meinte der Diener Erich verschmitzt.

Sie warfen ihm einen verächtlichen Blick zu und gingen Arm in Arm hinaus.

Aergerlich erhob sich auch der jüngere Diener.

Ricdlich war der Pussel, den ich vorhin her­eingelassen habe und den du hinaufgeschafft hast. Ja, ja, wer Geld hat, kann sich alles leisten, das ist nun einmal so. Aber ungerecht istts auch", meinte er und warf selbstgefällig einen Blick in den Spiegel.

Karl sagte:

Seh lieber nicht deine gutbezahlte Stellung durch alberne Redensarten leichtsinnig aufs Spiel! Das kann ich dir nur raten, denn der gnädige Herr versteht in solchen Sachen keinen Späh. Dich würde mancher beneiden. Aber es ist ja schon immer so gewesen: Wenn dem Esel zu wohl wird...

«Schweig, Alter! Du bist ein Sklave."

Und du ein Dummkopf."

Der Diener Erich ging. Droben, als» er sich in feine Stube begeben wollte, blieb er zuvor im ersten Stockwerk noch an einer der hohen ge­schnitzten Türen stehen und lauschte.

Da ertönte eine zornige, tiefe Stimme:

Wenn ich Sie noch einmal ertappe, daß Sie horchen, dann sind Sie auf der Stelle entlassen."

Mit einer stotternd hervorgebrachten Entschul­digung entfernte sich der Diener. Kurz darauf verlieh er das Haus.

(Fortsetzung folgt.)