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Slas der Provinzialhaoptfiadt

«Dietzen, den 29. April 1932.

Theophilus.

Äon Kaplan Martin Gremm.

C$ur Aufführung des gleichnamigen My- Itertenfpiels als Freilichtspiel am eonntag, 1- Mai, 20 Uhr. auf dem großen Platz vor der katholischen Kirche.)

Theophilus" ist da- dramatische Spiel vom Qauft de» Mittelalters. Die 'Jtonnc Roswitha von Gan­dersheim hat im 12. Jahrhundert diese Legende gc- schrieben. Theophilus ist von Ehren und Würden gekommen. Ein Gaukler lehrt ihn die schwarze Kunst. Er schließt den Pakt mit dem Teufel. Kann aber dennoch die rechte Lebensart nicht finden. Maria er­löst den Reuigen aus den Klauen oatans. Unter den deutschen mittelalterlichen Schauspielen ist dec Theophilus das Bedeutendste sowohl seiner ganzen Anlage nach wie nach seiner Ausführung im ein. zclnen. Die Charakterisierung der Personen und das dramatische Leben lassen cs als einen Anfang des deutschen Kunstdramas erscheinen. Hoffmann von Fallersleben redet darum auch der wirksamen Dar­stellung das Wort.

Was will die Aufführung? Ein Stück Mittelalter, seine ausbrcchende Kraft und Leidenschaft seine In­nigkeit und Frömmigkeit vor uns erstehen lassen, Cs ist wohl bekannt, daß die geistlichen Schauspiele (Mysterienspiele) im Mittelalter nach dem Gotlcs-- dienst in den Kirchen gespielt wurden. Es war dies für das Volk Höhepunkt und Abschluß der kirchlichen Feier, besonders an Feiertagen Diese Spiele waren auch Ausdruck der Frömmigkeit und des Gemein- schaftssinncs damaliger Zeit. Wenn am nächsten Sonntag ein paar spiclfrohe, jugendbewcgte Men­schen ein Mysterienspiel formvollendet aussuhren so ist das nicht nur ein Griff in den Raritälenkastcn der Vergangenheit. Dor etwa zehn Jahren war das Mysterienspiel große Mode. Aber der unbewußt in uns liegende Hang zum Mysterienspiel muß seinen tieferen Grund haben.

Wir glauben an die gemeinschastsbildende Kraft des religiösen Laienfestspiels. Eine Gemeinschaft bilden und erleben wir Menschen, wenn wir in einem ab­geschlossenen Kreis, aus gleichem Gedanken heraus zum Vollbringen einheitlicher und gemeinsamer Taten angeregt werden. Solche Gemeinschaften hat es immer gegeben, sogar in der Zeit vielfacher Zer­rissenheit, die wir in den letzten Jahrzehnten erlebten. Das Ziel unseres Strebens der Gemeinschaftsbil- düng muß die Gemeinschaft unsere» ganzen Volkes sein. Der Ausbau der Volksgemeinschaft wird aber erst geleistet, wenn wir uns alle miteinander als Menschen im christlichen Sinne fühlen, die vor Gott gleich und schicksalsoerbunden sind in den Stunden großer Freude und in den Tagen größten Leides, wenn mir im Nebenmenschen den Bruder Mensch, den Nächsten im Sinne Christi sehen, und wenn dieses Erleben feierlicher Stunden auch in den Alltag der Geschäfte und der mannigfach auseinandergehen­den Interessen hiniiberwirkt. An Der Schaffung dieses Gemeinschastsbewußtseins hat das Christentum immer mit aller Kraft gearbeitet durch das er­ziehende Wort der Predigt. Im Mittelalter stand neben der Kirche und Kanzel die Volksbühne mit ihren dem Leben Christi und der Heiligen nach- gedichteten religiösen Laienspielen und den Der- sinnlichungen der großen Lebensgeheimnisse von Versuchung, Sünde, Erlösung, Tod.

Unsere ganze Kultur, mag sie sich äußerlich auch noch sehr vom Christentum abwenden, ist nun einmal christlich, und es gibt keinen Menschen in unserer Kulturwelt, der nicht trotz allem irgendwie christlich denken muß: dazu stehen wir doch alle unter dem Eindruck unseres allgemeinen Menschenschicksals und unseres Glaubens an eine Ewigkeit. In solchen Augenblicken entsteigen wir der Welt des Alltags, und wir treffen uns alle, ob reich oder arm, ge­bildet oder ungebildet, Arbeiter oder Brotherr, Sa- tholik oder Protestant, In einer höheren, geistigen Welt, in der wir bewußt oder unbewußt die cmge- deuteten Unterschiede vergessen. Neben der Kanzel muß deren Schwester, die Bühne, ihre gemeinschast- bildende Kraft einsetzen. Ich meine hier besonders das religiöse Laienspiel, das zu seinen Stücken, die tief aus dem Brunnen gottverbundenen christ- lich-religiösen Empfinde» schöpfen, Zuschauer aller otänbe und Klassen und Lebensanschau- ungen herbeiruft. Der Stoss der Spiele muß allen Menschen unserer .Kulturwelt bekannt und so gestaltet sein, daß die großen religiösen Menschheit», geoanken ohne überflüssiges und allzu subjektives dichterisches Rankenwerk klar und eindeutig ver­körpert und in Handlungen umgesetzt sind. Beim religiösen Laienspiel wird die Ausführung nicht äußerlich durch das Drum und Dran zu einer Fest- aufführung abgeftcmpelt, sondern sie gestaltet sich in den Seelen der Zuschauer zu einem inneren Fest, zu einer Weihestunde, die ihre erleuchtenden Strahlen weit hinaus auf die Straßen des Lebens wirst.

50 Pfund Sprengstoff

und 200 Sprengkapseln gestohlen.

Der heutige Polizeibericht meldet: In dem Stein- bruch der Firma Scheidhauer & Giehing (Mainz­lar) im Walde bei Homberg a. d. Ohm wurde gestern morgen ein großer «prengstoffdicb- stahl entdeckt. Man stellte sest, daß aus dem Spreng- stosslager 200 Sprengkapseln und 25 Kilo A m m o n i t V gestohlen worden waren. Der Taa und die Stunde des Diebstahls konnten bisher noch nicht genau sestgestellt werden, allem Anschein nach ist aber der umfangreiche Sprengslosfraub in der Zeit vom Montag bis gestern vorgenommen worden. Die polizeilichen Nachforschungen sind im Gange.

Schwerer VcrkehrSunfall bei der Wellersburg.

Heute gegen ^10 Uhr ereignete sich am Gasthaus Weltersburg" (Marburger Straße) ein schwerer Veckehrsunsall. Ein Lastkraftwagen wollte, nachdem der Kraftwagenführer vorher den Richtungszeiger gestellt hatte, nach links in den Hof der Gastwirt- schäft einbiegen, als im gleichen Augenblick ein kleiner Personenkraftwagen von Gießen her angc- sahren kam und versuchte, das Lastauto noch vor dem Einbiegen in den.Hof zu überholen. Das ge­lang dem Führer des Personenautos jedoch nicht mehr; er war gezwungen, scharf nach links zu steuern, wenn er den Zusammenstoß mit dem Last'

auto vermeiden wollte, geriet nun ober mit voller Wucht gegen die Hofmauer und gegen die dort stehende Tankstelle. Der Wagen überschlug sich, die beiden Insassen, ein Ehepaar namens Schmidt aus Frankfurt, da» sich auf der Fahrt nach Mar­burg befand, wurden aus dem Wagen geschleudert und erlitten Verletzungen. Während die Frau über die Mauer gegen ein Drahtaitter geschleudert wurde und mit einer leichteren Hüstprellung davonkam, er­litt der Mann mehrere Verletzungen und Prellun­gen: Die Verunglückten wurden von der Freiwil­ligen Sanitätskolonne Gießen nach der Chirurgischen Klinik gebracht.

Oie Schrumpfung der Bauwirischast in Hessen.

Die soeben vom Hessischen Lande-statistischen Amt abgeschlossenen Erhebungen über die letztjährige Bautätigkeit lasten die Schrumpfung der Sautätigfeit im Jahre 1931 zah­lenmäßig genau erkennen. Nachdem in jedem der Llahre 1927 bi«. 1929 in Hessen über 7000 Woh­nungen durch Reu bau entstanden waren, war schon im Jahre 1930 diese Zahl auf 5175 ^uru cf gegan­gen. 1931 betrug sie nur noch 3072. 1655 dieser Wohnungen wurden mit Unter» stuhung aus öffentlichen Mitteln (Gondergebäudesteuermitteln) errichtet: im Jahre zuvor waren eS noch 3515 gewesen. Die Größe und Qualität der Rcubauwohnungon hat sich ge­genüber den Dorjahren gleichfalls wesentlich ge­ändert. Don den 678 Neubauwohnungen, Di« öffentliche Körperschaften selbst errichtet hatten, waren über zwei Drittel Kleinwohnungen mit 1 8 Bäumen, während noch im Dorjahr bei etwa gleich großer Zahl solcher Neubauwohnungen über die Hälfte auf mittelgroße Wohnungen von vier bis sechs Wohnräurnen entfallen war. Die Bau­tätigkeit gemeinnütziger Bauvereini­gungen in Hessen ist im Jahre 1931 sehrzu­rückgegangen : auf sie entfallen nur noch 529 Reubauwvhnungen gegenüber 1159 im Vorjahr, wobei im Jahre 1931 auf kleine und mittelgroße Wohnungen je etwa die Hälfte entfiel, sehr im gensah zum Dorjahr, wo die gemeinnützigen Bau- Dereinigungen ganz überwiegend mittelgroße Wohnungen errichtet hatten.

Auch 1931 wurden die meisten Reukx^rwdh- nungen von privaten Bauherren errichtet, näm­lich 1850. Darunter befanden sich 526 Kleinwoh­nungen. 1229 mittelgroße Wohnungen und 95 große Wohnungen (mit sieben und mehr Räu­men). 3m Jahre 1930 hatten private Bauherren 3373 Neubauwohnungen errichtet, die sich etwa in gleicher Gliederung wie 1931 auf die drei Größenklassen verteilten. Ruch die öffentliche und gewerbliche Bautätigkeit Dc8 IahreS 1931 blieb im DolkSstaat Hessen wesentlich hinter dem DorjahreSumsang zurück. 39 öffent­liche Gebäude mit rund 93 000 Kubikmeter um­bautem Daum wurden errichtet gegenüber 51 öffentlichen Gebäuden mit rund 151000 Kubik­meter umbautem Daum im Jahre 1930. Auch die gewerbliche Bautätigkeit ist auf etwa zwei Drit­tel deS Dorjahresumfanges zurückgegangen. 973 Gebäude für vorwiegend gewerbliche oder land­wirtschaftliche Zwecke mit rund 427 000 Kubik­meter umbautem Raum wurden errichtet gegen­über 1353 solcher. Gebäude mit etwa 604 000 Ku­bikmeter umbautem Daum im Jahre 1930. 3m 3ahre 1 932 hat sich die Schrumpfung der BautätigkeitinverstärktemAuSmaß fortgesetzt. 3n den hessischen Gemeinden mit über 10 000 Einwohnern wurden im ersten Vier­teljahr 1932 zwar noch 111 Reubauwohnungen fertiggestellt gegenüber 130 in der gleichen Zeit deS Vorjahres, aber eS wurden nur für 27 Woh­nungen neue Bauerlaubnisse in dieser Zeit erteilt gegenüber 575 in der gleichen Zeit deS Dorjah- reS. Mit dem Reubau wurde nut für 25 Woh­nungen begonnen gegenüber 287 in der gleichen Zeit deS Vorjahres.

Bornotizen.

Tageskalendsr für Freitag. Ober- hessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 15 vis 17 Uhr Iubiläums-Ausstelluna. Einhorn- Saal. 11 vis 19 Uhr, Hygiene-Ausstellung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Zwei Herzen und ein Schlag". Astoria-Lichtfpiele, Seltcrsroeg; Maskierte Banditen" undVolldampf-Charlie".

Aus dem Staottheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Samstag, 30. April, 19.30 llfjr, in neuer Inszenierung, zum erstenmal Goethes ..Faust" ll-Tejl). Spielleitung Intendant Dr. Rolf Prasch. Die Inszenierung des 3ntenb<jntcn hat cs sich zur Aufgabe gemacht, die universelle, allumfassende Art der Dichtung voll und ganz zur Geltung kommen zu lassen. In den Hauptrollen: Jochen H a u e t (Faust). Karl Hehler (Mephisto). Beatrice Doering (Gret­chen). Die Bühnenmusik stammt von Kapellmeister Walter M o e h l Beginn 19.30. Ende gegen 23 30 Uhr. Die Vorstellung gilt als 23. Vorstellung im Freitagabonnement zu gewöhnlichen Preisen.

Der TanzklubRot-Weiß" Gießen veranstaltet am morgigen Samstag ein Tanz­turnier, mit dem die Austragung der Meister­schaft des Maingaues im Deichsverband zur Pis lege des Gesellfchaftstanzes verbunden ist. Zahlreiche auswärtige Tanzpaare aus Dad-Rau- heim. Bad Homburg. Frankfurt. Kassel ufto. Haden, wie man uns mitteilt, Meldungen.für die Sonder-, > für die A-, B- und L-Klasse ab- Segcben. Der Gießener Tanzklub wird mit feinen esten Tanzpaaren ebenfalls beteiligt sein. In den Turnierpausen und nach den verschiedenen Wettbewerben Habet Ball statt. Für die Gäste wird Gelegeicheit gegeben fein, in einer beson­deren Gästcklaflc im Wettbewerb zu tanzen. Die Musik wird von den Iazzfymphonifern Der Ka­pelle Seih gestellt. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich

Kino im eigenenHeim. Man schreibt und: Heber dieses Thema spricht am 2. Mai auf Veranlassung der Firma Agfa Herr Dr. Gerd B r i e s e (Berlin). Er zeigt an vielen selbstgedreh- ten Schmalfilmen, welche Freuden dem Schmal­film-Amateur blühen, wenn er sich und seine Verwandten und Freunde einmal in der Bewe­gung auf Der Leinwand sieht. Das schönste Por­trät löst nicht annähernd so viel Fkeude aus, wie ein kurzer Film, und man staunt, wenn man er­fährt, daß Filmen leichter ist, als Photographie­ren und wie einfach ein solcher Film im Freien

und soqar im eigenen Heim herzuftellen ist. Wenn man hort, wie stark die Amateur-Filmerei im Ausland in Klubs. Sportvereinen, Privat- und wissenschaftlichen Kreisen Fuß gefaßt bat, so Ist es zu begrüßen, wenn sie auch uns durch unsere Industrie für verhältnismäßig wenig Geld Zu­gänglich gemacht wird. RähereS siehe heutige Anzeige.

" I u st i z p e r s o n a l i e. Auf Grund des Alters arenzegefetze» tritt am 1. Juni der Obcrflaalsanmah bei der Staatsanwaltichaft am Oberlandesgericht in Darmstadt Geh. Iuftizrat Fron; Joseph Döpper in den Ruhestand

D ie Dienst stunden der Polizei. DaS Polizeiamt teilt mit: Dienststunden deS Po- lizeiamtS für den Publikumsverkehr ab 1 Mai sind von 7 30 bis 12 Uhr und von 14 bis 16.30 Uhr: SamStagS von 7.30 bis 12 Uhr. Für SamStagnachmittagS ist in Der Zeit von 16 30 biS 17.30 Uhr ein Eildienst eingerichtet, bei dem aber nur Anträge, die unaufschiebbar find, erledigt werden können.

"DerStrahenbahnoerkehrnachdem Neuen Friedhof. Dom nächsten Sonntag ab tritt im Fahrplan der Straßenbahn auf der Strecke MarktplatzNeuer Friedhof eine Aenderung ein, die in einer Bekanntmachung der Straßenbahndirektion im heutigen Anzeigenteil bekanntgegcben wird.

*" Maienblafen Am morgigen Samstag wirb daS in unterer Stadt schon fest eingebürgerte Maienblafen wieder seinen Anfang nehmen. Zur gewohnten Stunde, um 19 Uhr. werden vom Turme der Iohanneskirche folgende Weifen er­klingen: 1. Lobe Den Herren. Den mächtigen König Der Ehren: 2. Die Ehre Gottes (Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre); 3 Der Mai ist ge­kommen. Das Maienblafen wird wiederum von dem Verein für christliche Musik ausgeführt

* Fremdenvorstellung im Gieße­ner Stadttheater. Man schreibt uns auS dem Stadttheaterbureau: Die Intendanz hat sich bemüht, allen auswärtigen Besuchern einen ruhi­gen Genuß der Fremdenvorstellung .Der Haupt­mann von Köpenick" am Sonntag, 1. Mai zu sichern. Da die Vorstellung lange dauert, sind Befüochtungen laut geworden, daß auswärtige Gäste nicht mehr ihre Züge erreichen könnten. Entgegenkommender Weise hat sich die DeichS- bahndirektion bereiterklärt, den Zug von Gießen nach Limburg, der sonst 22.13 Uhr fährt, erst 10 Minuten später von Gießen abfahren zu lassen, also ab Gießen 22.23 Uhr. Mit diesem späteren Abfahrtstermin ist allen Theaterbe­suchern an jener Strecke die Rückfahrt gesichert. Die Vorstellung wird zu einer Zeit zu Ende fein, die eS jeden, möglich macht, chen Zug zu erreichen.

Aerztlicher Fortbildungskursus. Die Medizinische Fakultät der Universität Gießen veranstaltet vom 9. biS einschl. 15. Oktober für praktische Aerzte einen allgemeinen FortbildungS- kursuS mit klinischen Besprechungen und prakti­schen Demonstrationen. Vortragende sind die kli­nischen Fachvertreter, sowie die Fachvertreter für Physiologie. Sin AuSflug findet nach 'Bad-Rau- heim statt mit Demonstrationen im dortigen Dal- neologijchen Universitätsinstitut. Prospekte und Anfragen durch Professor Georg Herzog, Patho­logisches Institut. Klinikstrahe 32g.

Große- Wanderertressen in Die­ßen. Der ReichSverband deutscher GebirgS- und Wandervereine veranstaltet für die in ihm t>er-' einigten Wändervereine am Himmelfahrtstage (5. Mai) eine Sternwanderung nach dem Schiffen­berg mit anschließendem Besuche Der Provinzial­hauptstadt Gießen. Um 13 Uhr wird auf Dem Schiffenberg eine große Kundgebung stattfinden. Einige Stunden später, um 16.30 Uhr beginnend, wird ein Propagandamarsch zur Werbung für das Wandern durch Die Stadt Gießen ausgeführt, bei dem folgende Straßen passiert werden. Schiffen- berger Weg, Gartenstraße. Deuenweg, Seltersweg. Westanlage. Bahnhofstraße, KaplanSgasse. Ärcuv platz, Sonnenstraße. Brandplatz, Landgraf-Phi- lipp-Plah, wo Der Zug der Wanderer um 17.25 Uhr eintreffen Dürfte. Den Abschluß Der Veran­staltung. an Der ettoti 800 bis 1000 WanDerer teilnehmen werden, wird eine kurze Schlußfeier auf dem Landgraf-Philipp-Plah bilden, bei Der den Wandergästen herzlicher Wittkommengruh in unserer Stadt entboten werden wird.

* Großer Brieftaubenabflug. Am kommenden Sonntag gegen 8 Uhr treffen auf Dem hiesigen Bahnhof, abgesandt von westfälischen Brief- taubenzüchter-Dereinigungen, 52 Waggonladungcn Brieftauben ein. Deren Abslug geyen 9 Uhr in der Nähe des Bergwerkswaldcs beginnt. Es werden Tausende von Brieftauben aufgelaffcn. Das inter­essante Schauspiel kann von dem 'Gelände zwischen dem Klein.Lindener Friedhof und den Bahngleiscn der Frankfurter Strecke aus gut beobachtet werden.

* Versorgungsanwärter und Fach - Prüfungen. Vom Zentralverband der An­gestellten wird uns mitgctcilt: Für Kranken* kassenangestellte ist die Erbringung des fachlichen Befähigungsnachweifes durch bestimmte Prüfun­gen vorgeschrieben. Es handelt sich dabei um eine Anstellungs- und Beförderungsprüfung. Ss ist die Frage aufgetaucht, ob die von den Kran­kenkassen eingestellten Versorgungsanwärter gleich­falls verpflichtet lind, diele Prüfungen abzu­legen. Der preußische Minister für Volkswohl­fahrt bat in einem Bescheid vom 1. März 1932 Dazu Stellung genommen. Er hat darin erklärt. Daß die vor den Wehrmachtsfachschulen abgeleg­ten Prüfungen zwar als Ausweis der erforder­lichen allgemeinen Bildung angesehen werden können, nicht aber geeignet seien, die Verlor- gungsanwärter von den vorgeschriebenen Fach­prüfungen zu befreien. Die Prüfungen müssen nach Den Vorschriften, die für alle Angestellten gelten, auch von den Versorgungsanwärtern ab­gelegt werden.

" 4. Frankfurter Automesse für ge­brauchte Kraftfahrzeuge und Auto­zubehör. Die 4. Frankfurter Automeffe. die auf Dem FesthallengelänDe in Frankfurt a M. vom 30.2lpril biS 4. Mai stattfindet, erfreut sich wie man uns schreibt einer außer­ordentlich guten Beschickung mit Kraftfahrzeugen aller Art. und sie wird Interessenten günstige Kaufgelegenheiten bieten Die Ausstellung ist von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Man beachte Dia morgige Anzeige.

Semeinderatssihung in £i4.

h Lich. 25. April. In der jüngsten Sitzung des GemeinderatS feilte Bürgermeister Geil zunächst mit. es habe sich alS notwendig erwiesen, das Gräberfeld B auf dem GemeindefrieDhos alsbald zur Reubelegung einzurichten. Die städ­tische Bauleitung habe für Die Belegung zwei Pläne auSgearbeitet. die auf der vorderen und Der Hinteren Seite des Feldes je eine Reihe Erb- begräbniSstätten vorsehen Der PlanA umfasse die Einrichtung von etwa 186 Reihengräbern, der Plan B etwa 134 Reihengräber unter Auf­teilung deS Felde- durch einen Läng-- und einen Querweg mit den enttprechenden Anlagsn. Der letztere Plan habe an sich eine schönere und würdigere Ausgestaltung des Friedhofes zur Folge, Die Baukommisfion lot jedoch Der Ansicht gewesen, daß sie im Hinblick auf Den Verlust an Nutzfläche diesem Plan nicht zustimmen könne und den Plan A zur Ausführung empfehle. Der Gemeinderat machte sich dahin schlüssig, da- Gräberfeld nach Dem Plan A auszugestalten. Weiterhin erklärte er sich damit einverstanden, daß auf Dem Gräberfeld O auch ferner noch ein­zelne Grabstätten käuflich abgegeben werden dür­fen. Dagegen soll auf Dem neuen Gräberfeld B die Abgabe solcher Grabstätten gänzlich unter­bleiben.

Sodann befaßte sich Der Gemeinderat mit einer Vorlage über die Bereitstellung von Ar­beiten für Den freiwilligen Arbeits­dienst Danach sollen Planierungsarbeiten auf Waldwegen mit zusammen etwa 700 Tagewerken und Die Instandsetzung des Babette- der Wetter an Der Gemarkungsgrenze Lioh-Rieder-Befsingen mit etwa 1100 Tagewerken zur Ausführung ge­langen. Die Vornahme letzterer Arbeit mußte bereits in früheren Jahren wegen Mangel- an Mitteln zurückgestellt werben. Der Gemeinderat erklärte sich mit her Vorlage einverstanden und beauftragte Den Bürgermeister, entsprechende An­träge beim Arbeitsamt au stellen.

3m weiteren Verlauf der Sitzung gab der Vor­sitzende Kenntnis von her Entscheidung des Jagd- pachternigungsamteS Gießen hinsichtlich DeS An­trag- der 3agdpächter deS 1. und 2 Bezirfe- Dcr Gemarkung Lich auf Pachtermäßigung, und weiterhin davon, daß zwischenzeitlich ein Vermittlungsvdrschlag der Iagdpächter auf güt­liche Beilegung der Angelegenheit eingelaufen fei. wonach entsprechend dem Beschluß des Iagd- pachteinigungsamteS für daS Jahr 1931 ein Rach­laß von 15 Prozent auf die Iahrespacht und für da» Jahr 1932 entgegen dem Beschluß ein Rachlaß von 20 Prozent auf die für dieses Jahr um 10 Prozent gestiegene Iahrespacht gefordert wurde. Der Gemeinderat beschloß, für das Jahr 1931 dem Vorschlag zuzustimmen, für das Jahr 1932 aber den Gegenvorschlag zu machen, die Er­höhung her Iahrespacht wegfallen und auf hie Ausgangssähe des Iahrespacht nochmals eine lOprozentige Ermäßigung eintreten zu lassen. Die Gleiche Regelung soll auch für den Iagdpächter es 3. Bezirkes Geltung haben.

3m Anschluß hieran gab der Bürgermeister. eine Verfügung des KreisamteS bekannt, wonach her Staat die noch vorhandenen Rückstände an staatlicher Grund-, Gewerbe» und Sonder- gebäubefteuer her Duhbach-Licher Eisen­bahn für 1930 und Vorjahre erlassen werde, sobald die Veranlagungen rechtskräftig sind. Hin­sichtlich der Steuer für 1931 sei ein weiteres Ent­gegenkommen abgclehnt worden. Das Krei-amt empfiehlt eine entsprechende Regelung für die Stadt hinsichtlich der Gemeindeumlagen, der zu­gestimmt wurde.

Die Deckung der im Rechnungsjahr 1932 zu erwartenden Fehlbeträge nahm im weiteren Verlaus der Beratungen einen breiten Raum ein. Der Vorsitzende gab Kenntnis von einer Verfü­gung des Krei-amtc- an alle Gemeinden, wonach ein umgehender Bericht darüber erstattet werden muß, ob es zum Ausgleich des Voranschlags 1932 notwendig sei, von her Möglichkeit, die Real- steuersätze biS .zum Landesdurch­schnitt zu erhöhen, Gebrauch ju machen, ob der Rat die Erhöhung freiwillig beschließen wolle, oder ob sie im Wege der DerwaltungS- anorhnung verfügt werden müsse. Der Vor­sitzende legte dar. daß für das letzte Quartal deS Rechnungsjahres 1931 noch von dieser Möglich­keit abgesehen worden sei, da die Verwaltung durch äußerste Einsparungen die im Rechnungs­jahre 1931 entstandenen Fehlbeträge annähernd zu decken hoffe. 3m Rechnungsjahr 1932 fei aber gegenüber dem Vorjahre eine Mindereinnahme aus Holzerlös von rund 14 000 Mk eingetreten. Der städtische Anteil an Krisenunterstützung habe sich seit Ende des Vorjahre- von monatlich 250 Mk. auf monatlich rund 1200 Wk. erhöht, was eine jährliche Belastung von etwa 15 000Mk. bedeute. Außerdem entstehen der Stadt durch die Streichung des KreiszuschufseS für Geistes­kranke jährlich 7000 Mk. Mehraufwand. Weitere Fehlbeträge feien durch Wenigereingang an Steuern und durch ckhöhte Wohlfahrtsaufwen­dungen zu erwarten, so daß die Deckung des Voranschlags 1932 lediglich durch Ein­sparungen völlig aussichtslos "er­scheine. Rach kurzer Aussprache fand sich Der OcmcinDerat bereit, soweit zur Deckung deS Vor­anschlags für 1932 erforderlich, her Erhöhung der Realsteuerfätze bis zum Landes­durchschnitt zuzustimmen.

(Schluß de» redaktionellen Teils.)

Die Firma Carl Frensdorf, Gießen, bekannt als größtes Spezialhaus Oberhcsfens für Herren«, Knaben und Sportkleidung, hat sich einer Arbeits. gemeinichaft von 60 der größten Fachgeschäfte Deutschlands angeschlossen, welche in eigens errief)- tcten modernsten Fabriken BIG. Fabrikate herstellt. Auch die Stoffe werden eigens für diese 60 Geschäfte gewebt. Diese Selbftfabrikotion ist gleichbedeutend mit einer enormen Leistungssteigerung. Um Sie hier­von zu überzeugen, werden 300 BIG.-Anzüge gratis abgegeben. Unsere Firma ist mit fünf Stück beteiligt. Es wird gebeten, tostcnws die Anwartkarte obzu- holen. Eine großzügigere Einführung konnte sich Die Firma Frensdorf wirklich nicht ausdenken. Es bietet sich daher für jedermann neben enorm billigen Psingstangeboten in Anzügen und Mänteln auch noch die Aussicht, einen Anzug gratis zu erhalten. Untere Wünsche für besten Erfolg im voraus. 3095A

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