Nr. 24 Zweites Blatt
siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheßen)
Freitag, 2». Zanuar 1952
Flandins Rechnung.
DaS Rechenkunststück, das der französische 5U nanzminister Flandin in der Äammcr vorge- lührl hat. wonach die deutschen Zahlun. gen und Lei st ungen an Frankreich insgesamt nur 8,15 Milliarden Goldmark betrügen von denen er noch 6,4 Milliarden für Besatzung-, kosten abzieht, dieses Rechenkunst stück ist eine Unverschämtheit. Es hat im Grunde wenig Zweck sich rein rechnungsmäßig damit zu befassen es genügt, fcstzustellen. daß die französische Rcpara- tionSrechnung eineRcchnungmitdoppcl. tem Boden ist. Weit wichtiger ist die Fest, stellung der tatsächlichen Leistun- gen, die wir gemacht haben. Hier stehen die Dinge aber so, daß eS ungeheuer schwierig ist, die tatsächliche Verminderung des deutschen Bolks- vermögens, die auf daS Konto der sogen. Wieder, gutmachung entfällt, wirklich zuverlässig zu be. rechnen. Der Versuch dazu ist schon wiederholt gemacht worden. Dabei ist natürlich der Nachweis der auf Grund von Dawes, und Voung-Plan gc- -ahlten Beträge recht einfach. Sie stehen zahlen, mäßig zu Buch. Aber biS zur Festlegung der deut- sehen Reparationen in den oben genannten beiden Verträgen sind schon ungeheure Werte beschlagnahmt worden, aber nur «in kleiner Teil davon ist uns aus Repara» tionskonto gutgebracht worden. Rach deut- scher Berechnung (Brentano) beziffern sich die Vor. leistungen biS Ende 1922 auf 41.6 Milliarden Gold- mark. DaS amcrilanikb« Institut of Economics gibt he auf 25,8 Milliarden, die ReparationSkomrnis. sion auf 7,9 Milliarden an. Flandin spricht nur von 7,1 Milliarden, daS sind noch keine 20 Pro- -ent der deutschen Schätzung
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Berech- nungen beruhen auf der buchmäßigen Einschätzung der einzelnen Posten. Fast daS gesamte deutsche ^kivateigentum im Auslande ourde während und nach dem Kriege beschlagnahmt. Man hat es zum großen Teil verschleudert. Mil. lionenobjette sind für wenige Tausend Mark ver. steigert worden. Aber eS ist doch offensichtlich eine Unehrlichkeit, die interalliierte Mißwirtschaft zu Lasten deS Deutschen Reiches zu buchen. Es wäre sehr wünschenswert, wenn die deutsche Reichs, regicrung möglichst bald mit ihrem Material her. auskäme, und noch besser wäre es. wenn die De. rechnung der tatsächlichen deutschen Leistungen auch von einem internationalen Dremi- um geprüft werden könnte. Selbst wenn diese« zu einer dem deutschen Standpunkte nicht ganz gerecht werdenden Schätzung gelangte, so wird damit Flandin unter allen Umständen und end. gültig widerlegt werden.
Das Gegenstück zur Unterschätzung der deutschen Leistungen bildet die Ueberschähung der franzofifchen Schäden. Es ist bekannt, daß sich die Franzosen einen großen Teil des durch die Kriegführung verursachten Schadens von den Engländern schon während des Krieges in bar haben erstatten lassen. Die gleichen Beträge figurieren in der französischen Entschädigungsforderung gegen uns. Die französische Reparationsrechnung ist ein Raubzug gießen S ils. Tat- lache ist, daß die durch den Krieg verursachten Zerstörungen nach Schätzung deS englischen Rationalökonomen Keynes höchstens auf zehn Milliarden zu berechnen sind. Frankreich hat dabei seine eigene Kalkulation noch einmal auf. gewertet. Flandin spricht jetzt von 250 Milliarden Franken, obwohl die tatsächlichen Schäden knapp 80 Milliarden Papierfranken auSmachten. Wie gesagt, ist es aber zwecklos, Die französischen Rechenkunststücke im einzelnen nachzuprüfen.
Es ist aber zu beachten, daß die Kammerrede Flandins einen propagandistischen und politischen Inhalt besitzt. Riemand in der Welt glaubt, daß ein amtierender Finanzminister derartig lügen könne. ES gibt in der Welt und besonders in Frankreich selber immer noch unzählige harmlose Gemüter, die solche Zahlenangaben für unwiderleglich halten. Sogar in den Ministerien ausländischer Mächte sind sie zu finden. Flandin versucht hier den ungewöhnlich schäbigen Geschäftstrick, seine Forderungen zu vervielfachen, um s i ch he r u n t e r h a n -
Zch hab dir verzieh»! Roman von (llotilde von (5fcgmann«(5fein. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle.
29 Fortsetzung Nachdruck verbaten.
AIS Birgit an diesem Tage später als sonst das Förfterhaus verließ und sich rasch auf den Heimweg machte, wußte sie nicht, daß Graf Friedrich nahe bei der Försterei zwischen einigen Holzfällern stand und mit Erstaunen der eilig Davonschreitenden nachblickte.
Graf Friedrich war gewöhnt, daß Birgit ihm am Abend die Ereignisse des Tages berichtete. Um so erstaunter war er, daß sie gerade dielen Besuch in der Försterei mit keinem Worte er« wähnte Und als er gam harmlos fragte: .Hast du mit dem alten Förster Orabert etwas zu besprechen gehabt? Ich hätte es dir gern ab« nehmen können, denn ich hatte im Duchenschlag zu tun", da flog ein Rot des Erschreckens über Birgits Gesicht. Sie senkte die Augen und murmelte etwas Unverständliches, worauf sie mit auffälliger Hast das Gespräch auf etwa« anderes zu lenken wußte.
Ein heißer Schmerz schnitt durch die Seele des Grafen Friedrich. Sollte es möglich' fein, sollte Birgit etwas haben, was er nickt wissen durfte? Was konnte es sein, das Birgits kristallklares Wesen vor ihm verschloß? Er war zu stolz, ein Vertrauen zu fordern, das ihm augenscheinl'.ch versagt wurde. Die Gedanken quälten ihn, und ohne daß er sich dessen bewußt war, versank er plötzlich in schweigsame Nachdenklichkeit.
Birgit fühlte das wohl. Ihre Freundschaft zu Friedrich war so auf restloses Vertrauen gesteht gewesen, daß schon der kleinste Hauch des Mißtrauens sie verändern mußte. Und sie nahm sich fest vor. daß sie ihren Schwager ins Vertrauen ziehen würde, sowie Hans Egon kräftig genug sein mochte, der Auseinandersetzung mit dem Bruder zu begegnen. Vorläufig mußte sie aber Vas einmal auf sich genommene Schweigen bei« behalten, denn der Arzt hatte jede Aufregung für den Kranken verboten. —
Graf Friedrich ließ BirgitS Geheimnis keine Ruh«. Nach einer schlaflosen Nacht ritt er schon
b«I n z u lassen. Macht man ihm ein seiner Ansicht nach zu geringes Angebot, bann wird er Ilch als in seiner Ehre gekränkt bezeichnen, denn man kann selbst unter den heutigen diplomatischen Verhältnissen den Minister «ine» anderen Lande» vicht behandeln, als wäre er ein Äuriofitätcn- händler Einem solchen kann man unbesorgt fünf ober zehn Prozent deS geforberten Preises bieten, und er wird sich immer noch glücklich schätzen, wenn er ihn erhält Bei weltpolitischen Verhandlungen ist diese Methode sehr viel schwieriger.
Dennoch ist sie notwendig. Auf der einen Seite droht uns nämlich der Vorwurf deS betrügerischen Bankrottes, auf der anderen die Gefahr fortgesetzter Nachforderungen und weiterer Erpressungen auf politischem Gebiete. Und schließlich werden wir m diesen Berechnungen Flandins ein Dritte« erkennen: Frankreich w'll überhaupt nicht verhandeln, es bleibt halsstarrig und versucht, die augenblickliche internationale Lage au weiteren Erpressungen auszunutzen. Ob sich diese Rede an eine ganz bestimmte Adresse in London oder Reuyork richtet, wäre interessant zu erfahren. Selbst wenn das nicht der Fall fein sollte, so versucht Flandin, daS französische Volk mit neuen Illusionen zu locken, um bei Nichterfüllung dieser Träume die entsprechende nationale Empörung übet Nichtbefriedigung gerechter Forderungen erzielen zu können. Dos Ganze ist also nichts al« Taktik. Frankreich will Zeit gewinnen. «S wünscht, die immer noch notwendige internationale Konferenz zu verzögern: deren spätester Termin ist der Monat Juni. Inzwischen glaubt Frankreich, die englischen Widerstände zu besiegen. So dumm die französischen Rechnungen sind, so geschickt ist das diplomatische Spiel, das damit getrieben wird.
Taten für Freitag, 29. Januar.
1499: Luthers Gattin Katharina v. Bora geboren. — 1860: der Dichter Ernst Moritz Arndt in Bonn gestorben.
Wichtige Lohnsteuerbestimmungen.
Vom Finanzamt Gießen wird unS geschrieben:
Bei der Absührung der Lohnsteuer in bar ober durch Ueberweisung ist zu beachten: ») Arbeitgeber, di« im Äalcnber- labr 1931 die Lohnsteuer ihrer Arbeitnehmer in bar oder durch Ueberweisung abgeführt haben, müssen für jeden am 31. Dezember 1931 bei ihnen beschäftigt gewesenen Arbeitnehmer dem Finanzamt die Steuerkarte 1931 mit der vollzogenen Lohnfteuer-Delcheinigung auf der zweiten Seite derselben übersenden. Die Ueberfendung hat bis zum 15. Februar 1932 an da» Finanzamt zu erfolgen. in detten Bezirk die Steuer,arte 1932 aus- ge'chrieben worden ist. Die Steuerkarten dürfen allo diesen Olrbcitnebmcrn n.d)t auSgehändigt werden, b) Für die übrigen im Jahre 1931 bei ihnen beschäftigt gewesenen, aber vor dem 31 De- > zember 1931 auc geschiedenen Arbeitnehmer müssen die Arbeitgeber bis zum gleichen Zc.ipunkt den Finanzämtern, in deren Bezirk die Steuerkarte 1931 ausgeschrieben worden ist. Lohnftcuer-Ucber- tDcifungjblätter übersenden Die Ausschreibung und Uebersendung von Lehnsteuer-Ueberwei- sungSblättern hat bann zu unterbleiben, wenn der Arbeitgeber bereits beim Aus'cheiden des Arbeitnehmers eine vollständige Lohnsteuer-Bescheinigung auf der zweiten Seite der Steuerkarte 1931 auSge'chrieben hat. Vordrucke zu den Lohn- steuer-UeberweisungSblättern werden von den Finanzämtern unentgeltlich abgegeben.
Bei Verwendung von Steuermar- ken: Arbeitnehmer, für die im Kalenderjahr 1931 S'euermarken verwendet worden sind, sind verpflichtet, die in ihrem Besitz befindlichen Steuerkarten 1931 mit den mit Marken beliebten Einlagebogen bi« zum 15. Februar 1932 bei dem Finanzamt abzuliefern, in dessen Bezirk sie am 10. Oktober 1931 gewohnt haben Nähere Aus- funft erteilen die Finanzämter
gangen Deutschland. England, Ungarn, Griechenland. Italien. Schweiz. Polen. Monaco. T'checho- slowakei, Belgien. Irland. Japan, Dänemark, Holland, Jugoslawien. Indien. Aegvplen, Finnland, Oesterreich und Rumänien Al« weiterer Teilnehmer in der nordamertkanischen Zone ist zu USA. Kanada hinzugekommen
GerätcmannschastSkampf Leihgestern, Da'.bgirmeS, Launöbach. Am kommenden Sonntag findet in LaunSbach ein Gerätekamps der Turnvereine .Frckch auf" Leihgestern. Waldgirmes und Launsbach statt. Die Mannschast de« Turnverein« .Frisch auf" Leihgestern ist eine der besten im Gau Wetterau. Waldgirmes darf man als die stärkste im Gau Lahn-Dünsbern nn<»»r**?n und Launsbach wird in der jetz gen Aufstellung auch e nen beachtlich n Gegner heuen u.tuu« auf eine Mannschaft al» Sieger zu tippen, wäre versohlt, denn es ist zur Genüge bekannt, daß durch einen einzigen Fehlgriff eine« Turner« die schönsten Siegeschancen verlorengehen können. Waldgirmes dürste al« die beständigste Mannschaft gelten. Aus den Ausgang de« Kampfes darf man gespannt fein.
Aedeitee-Tuen' und C'porfbunö
Zum ersten Spiel der Nachrunde um die Kreis- meisterschast ist Raunheim am Sonntag in Frankfurt-Bornheim zu Gast DaS Vorspiel sah Raun- b.'.m al» überlegenen Sieger. Im bevorstehenden Spiel wird Raunheim einen schweren Stand haben. da die Mannschaft auf ungewohntem Feld antreten muß und die Plahbefitzer alle« daran fetzen werden, um die in Raunheim erlittene Niederlage auszugleichen.
Aus dem Trieb stehen fich am Sonntag Dießen I. und Wetzlar I. im Freundschaftsspiel gegenüber. Die Plahbesitzer sollten den Sieger stellen.
Wieseck I. ist nach längerer Ruhepause am Sonntag zum Freundschaftsspiel in Lollar zu Gast. Beide Mannschaften lieferten sich immer spannende Kämpfe. Die Lollarer dürften alle« hergeben, um dem Gegner eine gleichwertige Partie zu liefern. Vorher: Lollar Igd. gegen Wieseck ll. Jugend.
Heuck-elbcim empfangt Marburg mit zwei Mannschaften zu Freundschaftsspielen. Ob c« den Plahbesitzern gelingen wird, in beiden Spielen gegen die aufstrebenden Gäste Sieger zu bleiben, ist nicht vorauSzusagen. LaunSdach I. ist in Raunheim zu Gast. Die Gäste werden gegen die zweite Garnitur von Raunheim einen schweren Stand haben. Vorher: Raunheim Jugend gegen Heuchelheim Jugend. Rodheim weilt mit zwei Mannschaften in Grüningen und sollte in beiden Spielen den Sieger stellen.
Hausen l. und Watzenborn I werden sich in Hausen einen Kamps liefern, den die Gäste für sich entscheiden sollten. Großen-Linden I. ist zum Freundschaftsspiel in Großen-Buseck zu Gast. Der AuSgang des Spie!S ist offen. Rieder-Obmen w ilt mit zwei Mannschaften in Grünberg. E« dürften spannende Spiele zu erwarten sein.
WiefeckS Zweite spielt gegen Annerod auf dem. Platz des Gegners und wird wohl einen Sieg mit nach Hause bringen. Außerdem spielen: Frohn, hausen Igd. gegen Hausen Igd.: Lang-Gön« I. gegen Wieseck I. Igd.
DezlrkSturntag deS 3. Bezirk«.
Arn morgigen Samstagabend findet in Wieseck der ordentliche Dezirksturntag des 3. Bezirke« statt Rach Entgegennahme der Berichte über die Tätigkeit der einzelnen Sparten im abgelaufenen Geschäftsjahr werden sich die Delegierten mit den Ausgaben im Jahre 1932 zu beschäftigen haben. Rach Erledigung der eingegangenen Anträge wird die Tagung mit der Dor- standSwahl beschlossen.
Am Ewnntagvormittag findet, ebenfalls in Wiefeck. der ordentliche Bezirkstag statt. Hier werden die Delegierten aller Bezirkr-vereine die Berichte über das verflossene Geschäftsjahr entgegennehmen und über die Ausgaben im Jahre 1932 beraten. Rach Festlegung der diesjährigen DezirkSveranstaltungen und der Beratung ein- gegangener Anträge wird die Tagung auch hier mit der Wahl des Bezirksvorstandes ihr Ende finden.
Kind schlief friedlich. Turch Die offene Tür des Nebenzimmers tönte das leise Atmen des Kindermädchens. 6d)on wollte sich Birgit in ihr Schlafzimmer zurückziehen, da glaubte sie eine Tür schließen zu hören, aber in dem niederkrachenden Donnerscklag war dieser Laut ungewiß. Dennoch wandte sie sich noch einmal zurück und ging den Korridor leise hinunter, um in Friedrichs Arbeitszimmer nach den Fenstern zu sehen, denn von dorther schien der Laut gekommen zu sein. Sie öffnete die Tür — wieder ein krachender Schlag, der ihr Kommen übertönte. Da schrie sie auf.
3n dem Licht der Schreibtischlampe stand Graf (Tticbrid), die Pistole auf sich gerichtet, mit der Hand am Abzug.
Mit einem Schreckenslaut stürzte sie auf ihn zu. umklammerte seinen Arm, daß sich die Wasse jäh entlud und der Schuh durch die Scheibe splitterte. Dann erst sah sie in fein schmerzzerrislenes Gesicht. und fast niederbrechend flüsterte sie:
.Warum, Friedrich - warum?"
Gr sah sie mit einem Blick verzweifelter Liebe an.
.Warum? Um deinem Glück nicht im Wege zu fein. Du hast Hans Egon von neuem erwählt, und ich muß mich seinen älteren Rechten fügen.“
-2kun verstehe ich“, flüsterte fle, .was für ein furchtbarer Irrtum durch mein Schweigen entstand. Aber glaube mir, du Treuer, nur Rücksicht auf deine Ruhe ließ muh warten. bt8 ich dir die Zusammenhänge offenbaren konnte. Gott sei gedankt, der mich in dieser Minute zu dir geführt.“
Sie zitterte in Gedanken an das Entsetzliche, das sie in letzter Sekunde verhüten gekonnt, und ihre Zähne schlugen in Frost zusanunen. Ein plötzlicher Tränenstrom brach aus ihren Augen.
.Weine nicht", sagte Friedrich erschüttert, .weine nicht, Birgit! S^tz dich zu mir und «- -ähle mir alle«! Es gibt nichts, was du mir nicht anvertrauen konntest.“
Leise grollend verzog sich draußen das Gewitter Der Aufruhr der Elemente legte sich. Noch einmal erhellte ein schwaches Wetterleuchten die dunlle Nacht, dann riefelte es sanft und lind über die erschütterte Erde.
Beim Schein der Lampe faßen zwei Menschen, fühlten, ihre Liebe war groß und rein genug, um immer wieder die Kraft der Entsagung auszubringen.
(Fortsetzung folgt.)
G.JL-fport
Oer Stand der Fußballspiele in Westdeutschland.
Der Westdeul'che Spielverband mit feinem Riesenspielbetrieb dürfte in ernste Gefahr kvm- men, nicht rechtzeitig fertig zu werden. Bisher ist ncch in keiner Gruppe irgendeines Bezirkes ein Meister ermittelt. Die neugeschassenen Pokalspiele halten den Punktbetrieb erheblich auf. In diesem Wettbewerb ist erst eine Vor-Entschcidung gefallen, und zwar siegte in Westfalen die alte „Arminia" Bielefeld über Union Recklinghausen mit 2:0 und bestreitet nunmehr den Schlußkampf mit dem VfL. Osnabrück. — In der Vorschlußrunde de« Bergisch-Märkischen Bezirks spiel- len VfL. Denrath und Schwarz-Weiß Barmen 2:2, und da auch in der Verlängerung keine Entscheidung fiel, werden die Benrather als glückliche Sieger durch da« Los und Gegner für daS Endspiel mit FD. Weyer festgestellt.
Tabellenführer in den einzelnen De- zirken sind zur Zell: Rhein (Gruppe I) Alemannia Aachen. (Gruppe II) Sülz 07. (Gruppe III) Odenkirchen 05 07: Niederrhein (Gruppe Ai VfB Ruhrort und Meidericher SB: (Gruppe B) FV. 08 Duisburg: Derg-Mark (I) Fortuna Düsseldorf. (II) VfL. Denrath. (Hl) Schwarz-Weiß Därmen: Rnhrb.zirk (Dor'.mund-Bochum) MBB. Linden, (Gelsenkirchen. Schalle 04. «Essen) Sportfreunde Essen und DB Alteneffen: Westfalen (Ost) Hammer Sp.-B, «West) Spvg. Herten: Hessen-Hannover (Nord) SE. 05 Göttingen. «Süd) Dorussia Fulda.
Lüdwestdeutsche LiSsport-Misierschaften
Die Durchführung der südwestdeutschen Eissport- Meisterschaften ist jetzt endgültig gesichert und zwar werden die Kämpfe. Eishockey und Eisschnelläufen, am Samstag und Sonntag in Frankfurt zum Aus
trag gebracht. In den Eishockehkämpfen treffen fid). SE. 1880 Fsm.. SE. Forsthausstraße und der Titelverteidiger Schwenningen. Tie Schncllauf- meisterschaften werden über 520, 1000 und 3000 Meter ausgetragen. Titelverteidiger ist hier R. Rau (Schwenningen).
Frankfurt ehrt seine deutschen Meister.
Rach alter Sitte lädt die 'Frankfurter Stadt- bertoaltung für den kommenden Sonntag wieder diejenigen Frankfurter, die in irgendeiner Sportart eine deutsche Meisterschaft errungen haben, in den historischen „Dürgersaal' ein. wo eine Ehrung der Meister stattfindet. Im ganzen sind 40 Meister und Meisterinnen geladen, von denen 17 eine Einzelmeisterschaft errungen haben, während die anderen an Mannschaftssiegen beteiligt waren.
Wiesbaden erhält den Dier-Verbände-Kampf.
Der Magistrat hat mit Zustimmung von der Tatsache Kenntnis genommen, daß am 26. Juni die Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik in Wiesbaden den leichtathletischen Dier-Verbände- Kempf zwischen den Auswahlmannschaften von Süddeutschland. Westdeutschland, MiUe'dcuisch- land und Brandenburg abhalten wird. Dieser Der- anftaltung kommt deshalb größere Bedeutung zu. weil sie eine der letzten Prüfungen für die Kandidaten sein wird, die Deutschland zu den Olympischen Spielen nach Los Angeles entsendet.
22 Nationen beim Davispokal.
Kurz vor dem am 31 Januar ablauscnden Meldeschluß für den diesjährigen Davispokalwettbewerb hat fich die Zahl der Nennungen auf 22 erhöht. In der Europazone sind davon allein 20 Meldungen von folgenden Nationen eingc-
am frühen Morgen aus dem Hause, direkt nach der Försterei. Auf einem Seitenwege hielt er an unö schlang die Zügel dos Pferdes um einen Baumstamm. Gedeckt durch die hohen Bäume mit ihren breiten Zweigen, ging er von der Aktivseite auf die Försterei zu, die friedlich in der Morgensonne träumte.
Riemand war zu sehen. Der Förster mochte auf einem Kontrollgang fein, und feine Frau war. wie man an dem teilen Geklapper der Teller hörte, in der Küche beschäftigt. Nur in dem kleinen Gärtchen lag zwischen Sonnenblumen und hohem Rittersporn ein Mann, der zu schlafen schien. Leise trat Graf Friedrich näher an den niedrigen Zaun, um jäh wieder zurückzuweichen.
Der Mann, der da sorgsam in Decken gehüllt in einem Licgestuhl ruhte, war Hans Egon, der verschollen geglaubte Bruder.
Unhörbar ging Friedrich zurück, aber al« er aus der Blickweite des Hauses gekommen, wurde sein Schritt immer schneller und schneller, bis er bei seinem Pferde angelangt war. Er saß auf und jagte davon, als wären böse Geister der Vergangenheit hinter ihm her.
Stunden um Stunden ritt er kreuz und quer durch die Rauensteinschen Fluren. Ein ungeheurer Schmerz trieb ihn umher. Warum verbarg Birgit ihren Mann, den Mann ihrer ersten Liebe, so sorgsam vor seinen Blicken? Es konnte nur einen Grund dafür geben: Sie liebte ihn noch: ihre Liebe war von neuem erwacht, als der Verschollene zurückgekehrt. Und sie fürchtete, ihn, Friedrich, mit diesem Bekenntnis tödlich zu treffen. Ja, dieser Streich, den das Schicksal auf ihn niedersausen ließ, er war in Wahrheit tödlich. Er konnte nicht leben ohne Birgit. War Hans Egon selbst gekommen oder — der starke Mann stöhnte auf in namenloser Qual — hatte Birgit ihn gerufen? Seine letzte Hoffnung war ver- nichtet. Aber fei e«. wie es fei, leichter war es zu denken, daß ‘Birgit den Verführungen des einst so heiß Geliebten von neuem erlegen war, als daß sie selbst den Anlaß zu seiner Rückkehr gegeben.
Er, Friedrich, wußte jedenfalls, was er zu tun hatte, nachdem Birgits Liebe sich dem Bruder wieder zugcwandt.
Den ganzen Tag war Graf Friedrich unterwegs. Dom Vorwerk aus hatte er telephonieren lassen, daß man nicht mit den Mahlzeiten auf
ihn warten möge. eS wäre ganz unbestimmt, wann er zu Hause sein würde.
Dirgit konnte ein unerklärliche- Gefühl der Unruhe nicht überwinden. Immer wieder hatte sie aus dem Eckfenster gesehen, ob der Braune mit seinem Herrn nicht durch das Schloßtor ge- sprengt kam, aber immer vergeblich. Sie hatte sich mit dem Kinde beschäftigt, hatte es zu Belt gebracht und einen letzten Gutenachtkuß auf die vom Spielen noch heißen Bäckchen gedrückt. Nun saß sie mit ihren Büchern in der Schreibtischecke und versuchte, den langen Abend auszufüllen.
Durch das offene Fenster klang das Zirpen der Grillen herein, das Lachen der Mägde aus den Wirtlchaftsgebäuden scholl gedämpft herüber. Ein Nachtfalter taumelte an die helle Lampe, unter der fic la«, und ein erster Windstoß kündete das Gewitter an, das sich schon gegen Abend am Hor.zont leise grollend zusammengezogen hatte.
Allein mit ihren Gedanken und ihren Nöten, überflog Dirgit noch einmal die letzten Wochen, die eine so unerwartete Erschütterung ihres sonst so gleichmäßig glücklichen Lebens durch das Auf- tauchen des verloren geglaubten Gatten gebracht, ©ie lieble ihn nicht mehr, nur Pflichttreue und Mitleid hielten sie. Sie wußte genau: daß e« unmöglich war. ihr Gefühl für Friedrich, in dem ihr ganze« Sein verankert war. zu lösen oder zu zerstören, um jenes anderen willen, für den sie nur ein heißes Mitleid empfinden konnte, und Dankbarkeit, als den Retter ihre« Kinde«. Daß Rosemarie auch Hans Egons Kind war. kam ihr ganz fern nur zum Bewußtsein, denn alle kleinen Sorgen und die großen Freuden um dies geliebte Wesen verbanden sich ja mit der Gestalt ihres Schwagers. Rosemarie war in ihren Augen Friedrichs Kind geworden, und Hans Egon war nur wie ein blasser Schemen am Horizont diese- jungen Kinderdaseins.
3n tiefen Schmer) versunken, hatte sie daS Wetterleuchten über den Wipfeln der Parkbäume kaum bemerkt. Mechanisch hatte sie da« Bonner- grollen an ihren Ohren vorübergleiten lassen: erst als ein Dlih herniederzuckte und jäh das Dunkel de« Schlohhofe« erhellte, wurde sie in die Wirklichkeit zurückgeführt. Hatte man wohl auch daran gedacht, alle Fenster im Hause zu schließen?
Sie ging durch die Korridore, öffnete und schloß die Türen: alle« war in Ordnung. Im Kinder- zimmer brannte die verschleierte Lampe, und das


